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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung, Hessische Abendzeitung

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Rrrmmer 273. Fernsvrecher 951 und 952 Sonntag, 28. November 1921 Fernsprecher 951 und 952 11. Jahrgang.

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Amerikanische Vorschläge in Washington.

Unklare Entwicklung.

Die Konferenz-Enttäuschungen.

Wenn Anfang der Woche die Börsenberichte durch die Bemerkung charakterisiert wurden: .Die Ungewißheit der Kreditverhandlungen und der Washingtoner Konferenz veranlaßten die Börse zu abwartender Haltung/ so war da­mit wieder einmal mit knappen Worten ine po­litische Weltlage gekennzeichnet. Deutschland hängt in a ll seinem Tun von den fremden Mäch­ten ab, und deren Pläne gehen durch bunile Irrwege, die ihnen selbst unbekannt sind. Alles treibt in einer unsicheren, von Klippen und Strudeln durchsetzten Strömung. Es scheint da­bei nur die eine Erkenntnis sicher zu sein, daß für Deutschland von keiner Seite etwas Gün­stiges zu erwarten ist Daher die erneute Markflucht, das weitere langsame Sinken des Marikurses. Die Reparationskom» Mission der Entente hat angeblich in Berlin den Eindruck gewonnen, daß Deutschland zurzeit sich in einer sehr günstigen Wirtschaftslage be­finde. Man ersehe dies schon, wie ein Mitglied der Kommission einem Pressevertreter sagte, aus dem Stande des Arbeitslosenproblems in Deutschland, verglichen mit den EntenteLrndein. In Deutschland seien nur dreihunderttausenb Arbeitslose vorhanden, dagegen müßten in Eng­land und Amerika mehrere Millionen feiern. Allerdings lasse diese Tatsache nicht den Schluß zu, daß das deutsche Volk glücklich sei. Man könne nicht verkennen, daß die Lage der Klein­bürger. Sramhn und Arbeiter sebr scklimm fei. Trotzdem sei aber nach Ansicht der Kommission in Deutschland genug Geld vorhanden, (?) so daß die Verpflichtungen erfüllt werden könnten. Ein Zahlungsaufschub für die Ter­mine 15 Januar und 15. Februar komme also nicht in Frage, denn man glaube, Deutschland werde wie bisher so auch jetzt die Zahlungen möglich machen! Die allweisen Herren haben aber ganz übersehen, daß Deutschland, selbst wenn es noch mehr beschäftigt wäre, zahlungs­unfähig werden muß, weil die ihm aufgebürdete Schuldenlast zu groß ist.

Welch ein kr,rsser Widerspruch ist die Aeuße- rung der Kommission im Vergleich zu der Denk­schrift der britischen Industrie und zu den Ansichten der deutschen Sachverstän­digen. Die britischen Industriellen warnen vor einer gewaltsamen Eintreibung der deut­schen Gelder, aber sie befürworten mehr Sach­leistungen. Denn die Schulden der Welt könn­ten überhaupt nur in Waren und Arbeitslei- stunq gezahlt werden. Die Bezahlung der Ent- schädigung durch Deutschland könne nur ver­wirklicht werden durch die Schaffung eines Ueberschusses der deutschen Ausfuhr über das. was erforderlich sei, um die Einfuhr nach Deutschland von Lebensmitteln. Rohstoffen und anderen Bedürfnissen zu bezahlen. Dieser Vor­schlag klingt ganz gut, ist aber sehr nachtei­lig für Deutschland dadurch, daß der durch un­sere Arbeitsleistung erzielte Gewinn in die Taschen der Alliierten flösse. Man betrachte einmal die Tatsachen. Wir müssen das Not­wendigste sogar für unseren Lebensunterhalt einführen: Korn zur Ernährung, Dünger für die Landwirtschaft. Dabei kaufen die Auslän­der unsere letzten Vorräte an Waren, so daß in Deutschland eine Warenknappheit entstanden ist, die die Steuerung noch vermehrt und die Vro° duftionskosien erhöht. Im Verein der Berliner Kaufleute sind trübe Aussichten eröffnet worden. Ein Mitglied des Reichswirtschaftsrats, der Großindustrielle Dr. Cremer, teilte mit, Roh- stosfe seien im günstigsten Falle nur biz Mai vorbanden. Er sprach sogar von einem wirt­schaftlichen Zusammenbruch im nächsten Frühjahr. Dieser Fall wird aber doch nur dann eintreffen, wenn die Alliierten keine Er­leichterungen Massen. Nun macht sich aber auf englischer und amerikanischer Seite ein Bestre­ben auf Aenderung der Vertrag, nachdem die Januar- und Februar-Rate gezahlt seien, gel­tend. DerMnanzmann Rothschild erklärte ja die Forderungen des Londoner Ultimatums als kompletten Blödsinn Bei allem Hin und Her der Meinungen wird aber unsere Zahlungs­fähigkeit immer schlechter, und die Witterten werden sich beeilen müssen, Vernunft anzuneh­men. wenn sie das Schlimmste vermeiden wollen.

Vorläufig herrscht überall HilflosiaSeit. Auch die Washingtoner Konferenz kommt zu keinem Ergebnis. Die anfangs bei allen Teil­nehmern geheuchelte Abrüstunqsbereitschaft -st schnell geschwunden. Jetzt, da die Ausschüsse in die Einzelheiten gehen, kommt auf allen Seiten das Mißtrauen zutage. Die Gruppierung. die zunächst in der Flottenfraqe eine Isolierung Ja­pans anzustreben schien, bat sich derart verscho­ben, daß Japan sich Amerika näbert und das englisch-japanische Bündnis auf­gelöst wird. A"ch die Haftung der zur See an zweiter Stelle stehenden Staaten, Frank­reich und Italien, hat sich geändert, sie tre­ten jetzt mit Ansprüchen hervor, wonach sie nicht

etwa abrüsten wollen, sondern sogar ihre See­macht verstärken möchten, um nicht von den Gro­ßen erdrückt zu werden. Briand hat sich kurz vor seiner Abreise aus Washington noch sehr ungeschickt ausgedrückt, als er sagte, gegenüber der englischen und japanischen Flottenstärke müsse eine gleich große amerikanische und fran­zösische Flottenstärke bestehen. Diese Andeutung hat in England große Erregung hervorgc- rufen. Der brittsche Außenminister Lord Cur­zon hat bereits eine indirette Warnung nach Paris gerichtet und auf die Machtgier Frank­reichs btnaewiesen. Es ist tatsächlich sehr be­zeichnend für die französische Phantasie, daß Bri- and auch erklärt hat, Frankreich könne sein Heer nichtvermindern, weil es sich von Deutschland bedroht fühle! Me weit diese fran­zösische Furcht geht, zeigt eine Bemerkung des Generals Rollet bei der Besichtigung der Deut­schen Werke in Erfurt, wo er zu dem deutschen Betriebsrat, der dafür zu sorgen versprach, daß keine Waffen hergestellt werden, sagte:Das versprechen Sie, aber nicht Ihre Kinder!" Also die Angst vor der Zukunft! Aus allem geht hervor, daß noch völlige Verwirrung bei unseren Gegnern herrscht. K. F. Dr.

Washingtoner Konferenz.

Ein «euer Vorschlag der Amerikaner.

1 (Eigener Drahtberiebt.)

Rotterdam, 26. November.

Der Courant meldet aus Washington: Hughes hat am Donnerstag abend die Delegier­ten zu einer privaten Besprechung zu sich ge­beten. Die Delegierten waren alle erschienen. Hughes teilte mit, er werde in der nächsten Voll­sitzung einen neuen Vorschlag den Delegierten unterbreiten und zwar die Herabsetzung der K r i e g s s ch u l d en der A l l i i i e r t e n auf die Hälfte, wenn die Delegationen dem Hnghes- 'chen Abrüstungsplan ihre Zustimmung geben. Weiter wird aus Washington gemeldet: Eine zweite Konferenz findet nach Mitteilun» gen aus dem Weißen Hanse bereits Ende I a - nuar oder Anfang Februar in Washing­ton statt. Sie wird sich mit dem Valuta-Pro­blem befassen. Zu dieser zweiten Konferenz soll vielleicht auch Deutschland ringeladen werden.

Ein neuer Döttrrbund?

London, 26. November. (Eigene Draht- meldung.) Der Sonderberichterstatter der Daily Mail glaubt zu der Erklärung ermächtigt zu sein, Präsident Harding erwarte, daß die gegen­wärtige Konferenz nicht die letzte ihrer Art sein werde sondern daß injrdemJahr eine foldje stattfinden werde, um die Weittage zu erörtern, mit anderen Worten, Präsident Harding glaubt, daß ein neuer oder anderer Völkerbund ans der gegenwärtigen Washingtoner Konferenz erstehen werde, ein Völkerbund, der sich in der Gestalt der jährlich regelmäßig sich wiederholen­den Konferenzen darstellen werde.

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Frankreich als Friedens-Gendarm.

Rewyork, 26. November. (Eigene Drabt- meldung.) Bei einem Essen im Lotnsklno hielt Briand vorgestern eine kurze Ansprache. Er erklärte, daß die Etttwafinung Frankreichs das Ende des Friedens der Welt bedeuten würde, (?) denn die demokratische deutsche Regierung würde dann gestürzt und die Imperialisten wür­den wieder zur Macht gelangen. Frankreich hasse den Krieg, (?) es wünsche, daß sein Rus von Deutschland vernommen würde und daß man mit ihm in guten Beziehungen leben möchte. Briand fügte hinzu, daß Deutschland und Frankreich nichts zu fürchten hätten, wenn Frank­reich gerüstet, Deutschland aber abgerüstet bliebe.

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5m Stillen Ozean.

Zürich. 26. November. (Eigene Drahtmel- dmrg.l An? Washington wird berichtet: Der japanische Admiral Kato telegraphierte nach To­kio, daß die Weiterbeteiligung Ja­pans an der Konferenz keinen Zweck habe, wenn nicht im Stillen Ozean der Zustand der Rüstungen bestehen bliebe wie bisher.

Erregung in Italien.

Angriff auf da« französische Konsulat.

(Eigener Drahtbericht.)

Gens, 26. November.

AuS Italien wird gemeldet: Hebet hundert Studenten haben gestern vormittag in Turin das französische Konsulat bestürmt, Fensterscheiben eingeworsen und Bureaus zer­stört. Der Borfall hat bereits zu ernsten diplo­matischen Zwischenspielen geführt. Der Anlaß zu diesen Ausschreitungen gegen daS französische Konsulat bildet die vor einigen Tagen durch die italienischen Blätter gegangene Meldung, daß

Briand in einer letzten Sitzung des Abrüstungs- Ausschusses in Washington gesagt habe. Ita­lien wolle seine Armee nur ab rügten, weil diese Armee demoralisiert und in Auflösung begriffen sei. Man kann in dem Tu­riner Vorfall den Beweis für die hochgradige Nervosität erblicken, die in Italien gegen Frank­reich herrscht. Die Meldung von der abfälligen Bemerkung Briands über die italienische Armee ist von Washington aus bestritten worden.

Der Misch derKommunißen.

Enthüllung des Aufruhrshstems.

lBrivat-Telegramm.)

Berlin, 26. November.

TerVorwärts" veröffentlicht Enthüllungen unter der UeberschtistDie Blutschuld der Kom­munisten". Es sind z w e i B e r i ch t e, die wäh­rend des kommunistischen Märzanfstandes von der Aufstandsleitung in Halle an die kommuni­stische Zentrale in Berlin gerichtet worden sind und aus denen hervorgeht, daß die Kommu­nisten systematisch daraus hingearbeitet ha­ben, durch Austeizung den Aufstand herbei- zusühren. In dem einen Bericht heißt es:Wir waren uns flat, daß eine Provokation herbeige­führt werden muß und daß der berüchtigte erste Schutz von der gegnerischen Seite fallen müsse." Aus den; Material, das dem Vorwärts zur Ver- säg-mg stehst g.weiter he.vor: Der Kommu­nist Osterlein hat die verschiedensten Aufträge znm Sprengen gegeben. Am Charfreitag hat die «Atzung stattgefunden, wo die Parole herausgegeben wurde: Provoz!eren um jeden Preis, stürzt Straßenbahnen, schmeißt Hand- granaten!" Der Vorwärts erklärt zum Schluß: Für jeden, der es ehrlich mit der Arbeiterschaft meint, kann es ohne Unterschied der Richtung nur eine Aufgabe geben: Die Arbeiter vor der Niedertracht dieser Führer zu bewahren, die mit den gewissenlosesten Provokationen vorgehen und ihre Opfer ins Verderben Mrzen.

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Kommunistische Sprengkownnen.

Berlin, 26. November. (Privattelegranrm.) Von eingerveihter Seite bringt dieFreiheit", das Organ der Unabhängigen, Enthüllungen über die Breslauer Vorgänge. Danach wurde dort unter anderem geplant, das Gew erk- schastsbaus in die Luft zu sprengen. Davon versprach man sich große Wirkung für die Arbeiterschaft. Der Mann, der diese Aktion aus- sühren sollte, verlor jedoch den Willen dazu und fo einigte man sich schließlich dahin, das Klosett in der Nikolaiftraße im kommunistischen Partei- sekretariat in die Lust zu sprengen. Die Freiheit bemertt anschließend: Auch ans diesem Bericht müssen alle Arbeiter die Schlußfolgerung ziehen, daß sie sich von den Kommunisten nicht zum Narren halten lassen dürfen.

Siinnrö aus LorwON zurück.

Andeutung über Zweck und Erfolg.

(Privatz-Telegramm.)

Berlin, 26. November.

Stinnes ist wieder in Berlin angefommen. Obwohl er den Zweck seiner Londoner Reise geheim hält, behauptet dieBerliner Zeitung", doch in der Lage zu sein, folgendes sagen zu können: Die Angelegenheit stand unmittelbar im Zusammenhang mit den deutschen Rep a - rationsleist ungen. Es wurden Verband, hingen gepflogen, die er nicht im Auftrage der deutschen Regierung, sondern im Namen der deutschen Industrie geführt hat, und zwar han­delt es sich Um die Gewährung einer Anleihe an die deutsche Industrie, nm diese in den Stand zu setzen, die notwendigen Garantien für die weitere Erfüllung der Zahlunsgverpftichtun- gen zu Übernehmen. Die Verhandlungen sind bisher dnrckmus zufriedenstellend verlau­fen Schon im gegenwärtigen Stadium kann gesagt werden, daß unter den Londoner Finanz­männern eine durchaus günstige Stimmung herrscht, die einen Erfolg der Aktion erwarten läßt. Bei der Kreditgewährung an die deutscbe Industrie würden die englische Regierung und die beteiligten Kreise stark an dem Wiederauf­blühen der deutschen Industrie interesfiett fein, und zwar nicht durch Kontrolle, sondern durch Beteiligung. Es würde eine Att Sgch- leistungsabkommrn fein, das unter Berücksichtig gung der betreffenden englischen Interessen dem Wiesbadener Abkor men mit Frankreich an die Seite gestellt wc-den könnte.

Kassel als Kunststadt.

Die Auswirkung einer Kunstausstellung.

Wie wir schon kurz berichteten, soll im nächste» Jahre wieder «ine große « u n ft Hueftellnitg in Kassel stattfinden und »war ist beavfichtigt, tünfiig in jedem Jahre derartige Anstellungen zu veranstalten. Kassel ist eine Stadt, in der wohl für Thea­ter und Musik, so gut tote gar nicht aber für die bildende Kunst gesorgt wird. Das klingt para­dox in Anbetracht der Tatsache des Bestehens einer staatlichen Kunstakademie mit ausgezeich­neten Leihriräften, an deren Spitze Geheimrar Professor Dr. Bantzer, und tüchtigen Schülern, aber ... wenn die Letzteren ihr Studium vol­lendet haben, besitzen sie keine bleibende Stätte in Kassel, und doch müßten sie uns erhalten bleiben, damit Kassel eine Kunststadt darstellt. Was war Darmstadt vor dem künstlerischen Wirken seines letzten Großherzogs und was ist cs heute? Wollen wär es dieser Stadt der Kunst und der Künstler gleichtun, so ist erste Vorbedingung, daß sich der Kunstsinn in Kassel ganz anders entwickelt als bisher.

Noch entsinnen »vir uns der großen Ausstel­lung im Jahre der Kasseler Tausendjahrfeier. Sie fand im ganzen Reiche und darüber hinaus Beifall und ihr Abschluß war ein sehr günstiger. Die Gründe für das Scheitern der Wieder­holung rm letzten Jahre sind bekannt. Aber auch die kleine Ausstellung im Stände- und im Knnschans als Ersatz dafür wurde sehr günstig ausgenommen. Die Absicht, schon in diesem Fahre eine große Kunstausstellung zu veran- stalten, scheiterte an den Schwierigkeittn, die nö­tigen Mittel hierfür aufzubringen. Im nächsten Jahre soll und muß es nun anders werden. Zunächst haben sich die Vorarbeiten auf die Statte der Ausstellung gelenkt, und man griff wieder, tote 1913, auf das Orangerie­schloß zurück, das besonders gute Lichtverhält- nisse aufweist und von dem man sich erzählt, daß sein künftiges Geschick in der Umwandlung zu einem erstklassigen Aue-Eafs zu suchen ist. Da, wenn etwas Wahres an dieser Behauptung fein sollte, nur ein Teil des Schlosses dafür in Be­tracht kommt, wäre dieMögl ichkeit, im Orange» rie-Schlo-ß ständig Kunstausstellungen zu veran­stalten, nicht ausgeschlossen. Verhandlungen mtt der Regierung sind im Gange.

Da eine Anzahl der Orangenbäume, denen das Schloß als Winterquartier dient, fo kümmer­lich geworden, daß der Auvgarten-Diroktor ihre Entfernung befürwortet hat, wird die große Mittelhaile frei. Im linken Seitenflügel be­wahrt man die Winterhärten Bäume auf, die schon im April ins Freie gebracht werden. In diesem Raum könnte bereits Mitte Aprll mit den Vorbereitungen begonnen werden. Allerdings gehören große Instandsetzungen dazu, beim tn der Mittelhalle ist der Putz teilweise von der Decke gefallen. Anfang Juni stände der gesamte linke Seitenflügel zur Verfügung ES verblie­ben dann immerhin noch vierzehn Tage bis zur Eröffnung Mitte Juni. Beide Räume würden zu einem feierlich-festlichen Raum vereinigt Wer­den und der Besucher hat dm Eindruck, alS trete er in eine Zentralkirche mit Schiffen, die enffprechend auszuschmücken sind. Es ist daran gedacht, mit der Ausstellung intime musikalische Vorführungen und Morgenfeiern rein künstle­rischen Charakters zu verbinden und ein Zu­sammenwirken von Architektur, Malerei, Plastik, Musik und Dichtung zu ermöglichen. Eine Stimmung ganz besonderer Art laßt sich hier hervorbringen, gehohen noch durch den Ausblick auf den unvergleichlich schönen Park!

Mrd so verfahren, dann bietet Staffel etwa« Anderes als die bisherigen Kunststädte und wir sind unS Kar darüber, daß es etwas BesoichereS geben muß. will es die Aufmerksamkeit auf sich lenken und einen Erfolg sichern. Auch tn der Auswahl der auszustellenden Werke muß An­deres vorhanden sein als in den sonstigen Städten. Wir können daS. indem wir die hes­sische Schule in den Mittelpunkt stellen. Ge­lingt es, die nächstjährige Ausstellung zu einem Ereignis zu machen und eine Einrichtung von Dauer zu schaffen, dann tritt neben den ideellen auch der nratcrieöe Vorteil für die Stadt. Kassel liegt außerordentlich günstig. Die nächsten Kunststädte sind erst Darmstadt und Düsseldorf. Diese liegen verhältnismäßig weit entfernt. Die andauernde Steigerung der Fahrpreffe der Eisenbahn wird es fast unmöglich machen, grö­ßere Reisen zu Knnstzwecken zu veranstalten. Da Wird es sicher in weitem Streife um Kassel herum dankbar bearüßt, wenn alljährlich in Kassel ein Querschnitt des künstlerischen Schaf­fens der jetoeifiaen Gegenwart in Deutschland geboten wird. Wir schaffen Verkehr, und Ver­kehr bringt Leben, Leben aber laßt leben.

DaS ist das große Ziel, das den führenden Kasseler Künstlern vorschwebt. Um es zu er- reichen, muß aber der Gemeinsinn der Kasseler Bürger geweckt werden. Not­wendig ist neben der Beteiligung der Bürger- schaff an der Ausbringung des erforderlichen