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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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SKaih 264.

Rernfprtdier 951 und 952

Mittwoch, 16. November 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang.

Sie Frage der Zloiken-Mrüslung.

Das Böse?

Ern Wort guftt deutsch n Bußtag«.

Von

Dr. A. S. .azd3>,

Pastor an der Tho-niasür c zu Leipzig.

Es sind ja wohl immer ins Himmelblaue and Rosarote verzückt schauende Ueoeridealisten gewesen, die der sanften Meinung waren, daß alle wienfdten eigentlich nur gute, liebe, etite Menschen seien. Man müsse s>e nur als solche behandeln, man dürfe nicht mißtrauisch sein, man möge nur selber das Gute aussirahlen las­sen, und tausendfach werde man Heiden Wider­schein und jubelnde praktische Uebereinsttinmung wahrnehrnen Tas sind die Leute, denen der! Pazifismus der Gipfel alter Weltanschauung ist. Wenn raffinierte Gemeinheit ihre tollen Orgien seien, dann sind das nach ibrer Meinung nur vorübergehende, kleine Schönheitsfehler in dem herrlichen Bilde, und wer weiß schon wie bald wird das dolle, blendende, aübeglückcnde Para­dies aus Erden sein! Aehnliche Anschauungen sind auch gelegentlich in vergangenen Zeiten ge­wesen. Sie pflegen sich mit einer gewiflen Sicherheit immer dann einznstrllen, wenn schwe­rer politischer Zusammenbruch eingetreten ist. Dann spricht man von der Idee des Rechts rmd dem Recht der Idee, dann appelliert man an sie Güte rmd das Gute der gesamten- Meusch- deit, die doch innerlich zusammengehöre und so weiter. Aber, selbst wenn idealistisch fiter* kultivierte Nerven darüberleiden" sollten, es gibt immer noch jenes radikale Böse, von dem cijt Kant philosophierte, daß es grundsätzlich zum Zerstören geneigt sei. Würden wir Men­schen wie die lieben Englein geschaffen sein dann wäre es vielleicht anders. So aber, wie die Menschen nun einmal sind, ist es ein närri­scher Irrtum, etwa annehmen zu wollen, als ob die fortschreitende Kultur nun auch ohne wei­teres einen Fortschritt zum Guten darstellen müfle. WobeiKultur" übrigens auch noch obendrein mitZivilisation* verwechselt wird.

Wir wissen oder könnten es wissen, daß ein Taumel von Talmi- oder Oberflächrnkultur die größte sittliche Verrob >ug in sich tragen kann. Der Krieg mtb die Revolution haben daran wahrlick nichts geändert. Richtiger gesagt, die Sacb« ist nur noch viel schlimmer gewor­den. Wer ruhig und unbeirrt durch irgend welche SMagworkstimmen- die Mensch«« und die Dinge betrachtet, wird unschwer feststellen kön­nen, daß setzt das Böse sozusagen auS allen Ecken und Enden hervorkriecht. WaS sich früher notgedrungen ins Dunkle und Verborgene zu- rfickzrg, weil doch zu viel riskiert wurde, wenn es zu viel Leute sahen, das kann sich heute un­geniert in breitester OeffrnÄchkeit spreiten. und eS behängt sich wohl gar mit dem Mäntelchen deSganz Modernen". Michel aber zieht die Zipfelmütze noch ein bißchen mehr über den Kopf und murmelt seine matte Weisheit, wie doch nur so etwas möglich sei, und was heut­zutage alles verkomme.

Eine hübsch« Legende erzählt, Luther habe einmal das Tintenfaß nach dem Teufel gewor­fen. Der aufgeklärte Mensch lächelt. Ach ja, dieser wunderliche Teufels- und Dämonenw-ihn aus mittelalterlichen Zeiten! Und wie nett, der viele volkstümliche Ulk mit dem dummen, ge­prellten Teufel! Luther, das weiß man längst, war gewiß ein großer Reformator, aber in Teu- felKd-ingen war er eben doch ein Kind des hand­festen Mittelalters. Ganz gewiß. Allein, eS liegt doch ein gewisser geistiger Sinn in dem drastischen Lücherwort, daß einem Menschen, auch einem Chrisienmenschen,der Teufel näher sei denn sein Rock und Hemd, ja näher denn seine eigene Haut". Wird man nicht unwillkfir- stch an Goethes Faust erinnert, wo eS heißt, den Teufel spüre das Völkchen nie, und wenn er es beim Kragen hätte? Mr sagen nickt mehrder Böse", sonderndas Böse". Wir verttefen. vergeistigen das. was die Altvorderen sich mtr als Satansfratze Mit Schwanz und Pferdefuß Vorstellen konnten.

Dock wir werden immer wieder zugeben ums- sen, daß das Böse sich persönlich in und an den Menschen auswirkt. Persönlich« Charakter- Verderbtheit, persönlich hämisches, zersetzendes Wesen, ost mit der deutlichsten Absicht, auch aus die anderen sittlich verlumpend, afto suggestiv und ansteckend zu wirken, nun ja, wir nennen daS doch immer in der alten Nikdrede etwas Sa­tanisches, Teuflisches. Schließlich, wie wir eS nennen und näher beschreiben, darauf kommt nicht viel an. Die Hanvtfoche ist, daß wir uns von Zeit xu Zeit in besonderem Ausmaße die Macht des Bosen zu Nemüte führen, daß wir stille Einkehr halten und den ehrlichen, tapferen Entschluß fassen, nicht nur für uns sel­ber den inneren Anstand zu wahren, sondern auch allenthalben sonst für geistige und seelische Sauberkeit einzutreten. Der allgemeine Bußtag in deutschen Landen möge ein Tag stiller Einkehr und Selbstbesinnung sein. Es gilt »est, in einem Wirbel von mrsagbarer Welt­

anschauungKnot einen festen, innersten Standort zu haben. Deutscher Glaube kann da schlichte, gute Drähnung und Tröstung geben. Es ist em Glaube, der da weiß, daß auch daS Böse, trotz aller abscheulichen Einrelanswirkungcn, zuletzt doch nur sich selbst zerstört. Es handelt sich mnein Teil von jener Kraft, die stets das Böse Will und stets das Gute schafft". In einem höheren und höchsten Sinne soll und muß uns der Glaube an das Gute bleiben. Aber nur als die selbst im Guten Tätigen dürfen wir hoffen, nicht auf eilt allsonniges Erden- pardies, aber doch auf ein deutsches Besser­werden mrd Vorwärtskommen.

WaWrmwner Konferenz.

Die Probleme der drei Seemächte.

«fctaener Trahtbcrickt.l

Rotterdam, 15. November.

Aus Washington wird gemeldet: Heber die beiden Kommisstonssitzungen in Washington, die gestern stattgesunden haben, und zwar b'i eine am Bormittag über die Abrüstungs- fragen, die andere am Nachmittag über die Pazifikfragen, liegen noch keine näheren Einzelheiten vor. Die KrmmissionS-Sitznngen werde» bekanntlich von den Führern der Dele- K'mten durchgeführt. Bis jetzt scheint nur eins r zu sein, vast Balfour alS englischer Ver­treter auf der Abrüstunaskonferenz das Einver­ständnis der englischen Regierung mit dem Pro­gramm erklärt habe. Aber wenn auch die ande­ren drei Mächte, Japan. Frankreick und Italien, durch ihre Vertreter in dieser fiinfköpsigen Kom- Mission ihr Einverständnis Mitteilen ließen, fo ist doch zu bedenken, daß damit noch niwt viel gewonnen ist. Wtr Haven bereits darauf auf­merksam gemacht, daß die Abrüstung im Sinne der Vorschläge von Hughes durchaus ab­hängig ist vom Erfolg und Ergebnis der Ver­handlungen. die zu einer Verständigung in dem komplizierten Problem des Stillen Ozeans und China führen sollen. In der Tat hat auch der amerikanische Marineminister in einer für die Presse bestimmten Erklärimg der opti­mistischen Ausnahme drS Abrüstungsprogramms einen Dämpfer ausgesetzt, mit dem Hinweis daraus, daß sich Amerika dem Abrüstungs- proSlem erst dann unterziehen werde, wenn die Konferenz zu befriedigendem Abschluß käme.

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Hugyee' Andeutungen.

Rotterdam, 15. November. (Eigene Draht- meldung ) Die Andeutungen, die der amerika­nische Staatssekretär den Pressevertretern gegen­über gemacht hat, werden in Washington dahin ausgelegt, daß die Verständigung zwischen Ame­rika und Japan über den Gegensatz im Fernen Osten, wobei naturgemäß die Frage der Beibe­haltung oder Abschaffung der englisch-japanifchen Allianz eine Rolle spieü, Borausfetzung und Bedingung ist. Eine Abrüstung zur See im Sinne der Vorschläge «en Hughes könne da­her nicht eher begin- Das glatte Einver­ständnis der Engländer t.-m übrigens nicht über- rafchend. Einerseits ermöglicht daS Flottenüber­einkommen zwischen Amerika, England und Ja­pan, wenn eS nach den Vorschlägen von Hughes zuftandckommt, eine Kündigung der engltsch-ja- panifchrn Allianz, andererseits entspricht der Vorschlag von Hughes, wonach England mit zweiundzwanzia Großkampfschiffen gegen acht­zehn amerikanische und zehn japanische die Vor­herrschaft zur See behalten soll, eine« Grmrd- fatz des einS-zu-eins - Standard.

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Snglanv« Dormaffttstekkunr;.

London, 15. November (Eigene Drahtmel­dung ) Ter Grundsatz, die britische Flotte auf eins zu eins zu verringern, ist schon vor einigen Monaten durch Churchill im englischen Parlament alS englisches Flottenprogramm auf- gestellt worden. Der Grundsatz hat zur Bedin­gung, dass die englisch« Flotte mindestens ebenso stark bleiben muß, wie die stärkste Flottt irgend einer anderen Macht. Dieser Grundsatz ist schon eine große Umwälzung in der englischen Flottengeschichte. Dor dem gro­ßen Kriege bestand nämlich der englische Grund- sm, darin, eine größere Flotte zu haben, Äs ote beib-.n nächststarken Mächte.

Ententr-Frechhelten.

Schikane bei der Suche nach Waffen.

<Privst»T r I« cranan.)

Dresden, 15. November.

Wie schon wiederholt, versuchten in den letz- ten Tagen Entente-Offiziere die Rockstvrk-Werke in Heidenau bei Dresden nach Waffen zu durchsuchen. Die Entente-Offiziere gingen so­weit, zu verlangen, daß ein Teil der (stebäude gesprengt werden mMe, weil angeblich Waffen dort cingemriuert sino. Die Arbeiter ließen die Entente-Offiziere am Sonnabend

überhaupt nichtinSWerk. Am Montag kehr­ten die Offiziere wieder und erhielten wieder keinen Einlaß. Es wurde vereinbart, daß sie heute eine versteckte Stelle, au der angeblich die Waffen verborgen fein sollen, in Gegenwart der Direktion und des Betriebsrates durchsuchen sollen. Das Werk selbst wird auf Verlangen der Entente polizeilich bewacht, um eine Entfernung der angeblich versteckt-'n Waffen zu verhindern.

Mbetter-WwW.

Schutz der Deutsche» Werte gegen die Entente. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 15. November.

Die Arbeiterschaft der Deutschen Werke verlangte in ihrer Besprechung mit dem französischen General Rollet die Aushebung der von der interalliierten Militärkommission übersandten Rote, wonach die Herstellung von Waffen und Munition in den ehemaligen Hee- reswerlstätten ab 1. April 1922 endgültig aufge­hoben sein muß. Ferner wurde betont, daß die Forderungen der interalliierten Kommission in den Reihen der deutschen Arbeiter als Schikane empfunden wurden, weil die deutsche Arbeiter- schäft selbst bestrebt sei, die Herstellung von Kriegswaffen über das durch den FriedcusLer- trag bedingte Maß hinaus zu vermeiden. Die Vertreter der Arbeiterschaft der Deutschen Werke haben General Rollet erklärt, daß das Verlan­gen der interalliierten Kommission die gesamte beutfdye Arbeiterschaft in höchste Erregung verseift habe und daß man fest entschlossen sei, diese geplanten Maßnahmen Frankreichs mit allen gewerkschaftlichen Mitteln abzuwehrrn.

Unterflüöung der Forderungen.

Berlin, 15. November. (Privattelegramm.) Die deutsche Arbcitersüfaft will sich an die inter­alliierten Organisationen wenden und sie zur Solidarität aussordern. Der anwesende Vertre­ter Englands wird über die Aussprache der Re­gierung in London ausführlich berichten. Wäh­rend der Verhandlungen bei Rollet erstattete die Gewerkschastskommission den Deut­schen Werken in Spandau einen Besuch ab. Rach einem Rundgang erklärte sich die Gewerk, schaftskommission für die F o r d e r » n g e n der Arbeiterschaft, die ste mit allem Nachdruck ver­treten will. ES handelt sich um sechstausend Arbeiter, deren Familien brotlos werde» wür­den. Auch der bekannte kommunistische Abge­ordnete Maltzahn, der die Deutschen Werke be­schuldigt hatte, besuchte gestern die Werke.

raubwittschasto-Lagung.

Lohn-, Recht«- und soziale Frage«. (Potvat-Telearamm.)

Berlin, 15. November.

Am gestrigen Berhandlungstoge sprach der Vorsitzende deS Reichs-Landwirtschaft s dundcs Wolff (Stettins über das ThemaEin neues Lohnsystem". An der Hand zahlreicher Bei­spiele wies der Redner nach, daß die Sach- löhne der letzten Zeit der täglich mehr in Er­scheinung tretenden Geldentwertung für den Lohnempfänger die beste wirtschaftliche Hilfe fei, weil ste ihn von der Geldentwertung unabhän­gig machen. Berbandsvorfitzender Geisler fprach über die Forderungen an das künftige Ar- beitSrecht. Dringend notwendig sei das Arbettgeber-Gerickstsgefetz. sowie der sofortige Erlaß einer sozialen Verordnung ins Reichs­präsidenten. Es wurde ein Antrag des deut- scheu Arbeiterbundes angenommen, eine natio. nale Penstouskasse zu schäften, sowie ein Antrag deS Borsitzenden, den NamenRatirnal- verband Deutscher Gewerkschaften" inNational- verband Deutscher Volksverbände" zu ändern.

Für OdersHlesteu.

Berlin, 15. November. (Privatteleqramm.) Am Schluß der Beratungen des Vcurdwtrt- sthaftSbundes gelangte eine Entschließung zum Genfer Entscheid über Oberschlesien zur Annahme, in der es heißt:Ter National- verband deutscher Gewerkschaften hat mit tiefster Empörung und s^nerzlichem Beöauern von bei Entscheidung des Obersten Rates der Entente über Qberscklesien Kenntnis genommen. Sie ist eine unerhörte Mißachtung des am 20. März 1921 deutlich zum Ausdruck gebrachten oberschlesisckten VolkswrüenS, in der deutschen Volksgemeinschaft zu bleiben. Sie ist eine klare Verletzung des Versailler VettrageS." Da- mtt wurde die Tagung geschlossen.

post unv Eisenbahn.

Doppelt verteuerte Gebühren und Fahrpreise.

Die Teuerung nimmt noä) kein Gabt. Mit bett höherer» griffen fiir CebenSmUtel nnb ®c- vrauttzegegenftcwbe steigen «uttz die Sartffätje für Post und <!i!endahn zu erfd)»eiSenber Lohe. Matt schreibt uns dazu cu6 Berlin Folgendes r Ter Verlehrsbeirat hat vor einem Monat die neuen Gebühreivvorfchläge der Reichspost- verwaltuug, die zum Beispiel für einen Brief im Fernverkehr eine Mark betrug, beraten, und man rechnete mit der Inkraftsetzung der neuen Gebühren etwa zum 1. Dezember, wenn die Borlage von Reichstag und Reichsrat geneh- migt wäre. Nun sind jedoch inzwischen, ohne Befragung de§ VerkehrSbeirats, viel weiters gehende Beschlüsse gefaßt worden, die die vom Perkehrsbeirat in der Sitzung vom 10. und 13. Oktober vereinbarten Gebührensätze im allgemeinen noch um weitere 50 v. H. erhö-t hen, so daß die Sätze gegen die jetzt geltenden ungefähr verdoppelt werden. Diese überra­schend« Erhöhung, die von der Reichsregierung bereits beschlossen ist. wird mit der durch die steigende Teuerung inzwischen notwendig ge- wo-rdene beträchtlche Erhöhung der B e a tun tenbesoldungen, der Löhne »er Ange­stellten und Arbeiter und der sächlichen Ko­sten begründet, die ein« Mehrausgabe der Posioerwaltung von jährlich dreidreiviertÄ MAiarden Mark notwendig machten. Mt die­ser Erhöhung folgt die Reichspoftverwaltung dem BeiWiel beS Reichsverkehrsministeriums, das, wie bereits gemeldet, seine Gütertarife schon zum 1. Dezember, Oie Perfonentarif« zum 1. Satuutr ebenfalls um fünfzig vom Hundert erhöht.

Die neue Gesetzvorlage bedarf noch der Zustimmung des Reichstage-, der jedoch an dem Beschluß der Reichsregierun- kaum Wesentliches ändern wird. Rach der nett­en Vorlage betragt die Gebühr für di, Post« karte im Ortsverkehr 60 Pfg., im Fernver­kehr 1 Jt, der Brief im Ortsverkehr bis zu 20 Gramm i Jt. bis 250 Gramm 1.50 Jl, im Fern­verkehr bis 20 Gramm 1.50 Jt, bis 100 Gramm 2.25 M, bis 250 Gramm 3 M; Drucksachen bis 50 Gramm 40 Pfg-, bis 100 Gramm 76 PA. bis 250 Gramm 1250 jl usw. Das Päckchen bis 1 Kilogramm soll künftig 4 M kosten. Post­anweisungen biS 100 JH kosten 150 Jl, bi- 250 Jl 2.25 Jl usw. bis 6 Jl. Di« Erhöhung der Gebühren bedeutet z. B. für die Postlar« te im Ortsverkehr eine Verzwölfsachung, im Fernverkehr sogar eine Verzwanzigfachung ge­gen die Friedensfätze; die Orisbriese verteuem sich sogar um daS Zwanzig, bis DreiHigfache, im Fernverkehr durchschnittlich um daS Fünf- zehnfache. Auch die Drucksachen sind durch­schnittlich um das FSnfzehnfach« verteuert; bei Pvftanweisungen erreicht die Erhöhung aller­dings nicht ganz Me zehnfache Gebühr. Sehr stark sind auch die Nebengebsihren erhöht worden; Eilboten kosten im Ortsbestellbe- zirk drei Mark gegen 25 Pfg. im Frieden. Die Einschreibgebühr betrügt zwei Mark ge­gen 20 Pfg. im Frieden, die erst nach dem Krie-t ge eingefiihrte Zuschlaggebühr für postla - gernde Sendungen wird auf 50 Pfg. erhöht- Im Postscheckverkehr wird die Gebühr für Zählkarten ebenfalls erhöht, und zwar kosten Zählkarten bis 100 jl 75 Pfg., bis 500 Jl 1,50 Jt, bis 1000 Jt^Jl ufto. Telegramm, ko­sten 75 Pfg. das Wort, mindestens 7,50 JL kütz ein Telegramm. *

Die neuesteEisenbahnreform".

Die groteske Lage unserer wirtschaftliche« Verhältnisse stellt sich dar in der Ankündigung einer zweiten Tariferhöhung, eh« die erste in Kraft getreten ist. Die erste Tariferhö- huna ist im P e rso n enverkeh r nur für eine kleine Zeit befristet, nämlich für zwei Monate, vom L Dezember bis 31. Januar. Sie bringt, jetzt muß man sagennur" dreißig Prozent Be­tastung. Die zweite steigert die um dreißig Pro« rtnt gehobenen Fahrpreise um fünfzig Prozent. TaS Resultat aus diesen beiden Tariserböhun- zen ist eine Erhöhung der jetzigen Fahrpreis« am hundert Prozent. Für den größeren teil der Bahnbenutzer haben erst die ab L Fe- piuot geltenden Sommerfahrpreise Bedeutung. Diese werden als», wenn nicht ganz neue Tatsa­chen einen Umschwung bei Ding« bringen, dop­pelt so hock sein wie die gegenwärtigen Satze. Das Kilometer auf der Eisenbahn wird oom i. Februar kosten: 26 Pfg. in der vierten Klasse, 39 Pfg. in der der dritten Klasse, 65 Pfg. in der zweiten Klasse gegen 2,3 und 4.5 Pfg. bis tum 31 3 1918. Das beißt, wir müssen den sreirehnfachen Normalfahrpreis bezahlen. Die rleinsten Fahrten im Ferwoerkehr werden dann -benfo viel kosten wie damals eine Reise von Berlin nach dem Rhein. Selbstverständlich sino die Gebälter ber Festbesoldeten auch in den oberen Stuken solchen Auftveudungeu für Balm-