Meter Neueste Mächten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
11. Jahrgang.
Freitag, 11. November 1921
Nrrmmer 260
Fernsprecher 951 und 953
Fernsprecher 951 und 963
Vorbereitung der alliierten Finanjkontrolle
DU «afieUt Neueste» Nachrtrbtni endjetnra wöchevina, ttd)«aial uxb «var ab««»4. litt Chotmtmentepttl* Beträgt moeatttd) «.60 Start bet freier Zustellung w< fauS. Ku£- wärt* t>urt» Me Son ve,oge» 6.60 Start monatlt» etnschlleS»» Zustellung. Bestellungen werfe» lec-erz-u oo» bei <Sefd>6ft6fteae ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, tierlag unk iRebattton. Sck>ta<bttzo!llrabe 28/30. gär unt>erlangt etngefanbte Beiträge tun» Bte SiedolNo» eine BerantwOrtung ober Bewähr tn feinem stalle übernehm«. Rückzahlung oeS Be,ug*geldes oder «»spräche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ansgefchlofsen.
Sie LwangskommWon.
Rcutreöe über die deutschen Finanzen. (Pttvat-Telegramm.)
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Berlin, 10. November.
Die gestern nachmittag hier eingetroffenen Mitglieder der RcpärationÄommission haben. Mir uns gemeldet wird, gestern spät abends eine Sitzung in der französische» Botschaft abgehalten. Für heute mittag ist eine zweite Sitzung einbernfrn, zu der die diplomatischen Vertreter der alliierten Staaten eingcladen sind. Ein persönlicher Besuch d-r ReparationSkommission bei den Reichsbehörden ist nicht in Aussicht genommen, da die erforderlichen Unterlage» und Auskünfte von den deutschen Behörden schriftlich eingefordert werden sollen. Der Pariser „TempS" meldete am Diensta« früh, daß die Repar-rtionskommission trie alleinige Ausgabe habe, den deutschen Staatshaushalt zu p r ü f e n, Erhöhungen der BeamtengehAter und Löhne nicht zuzulassen (!) wenn nicht vorher die Reparationszahlungen bi? Juli 1922 sicher ge stellt sind, erforderlichen Falles müsse ein Teil der neuen deutschen Steuereinzänge für die Wie- derDrtmllchung beschlagnahmt werden. (!)
Der Aufenthalt kn Berlin.
Berlin, 10. November. (Eigene Drahtmeldung.) Der Vorsitzende der Reparationskornmission, Dubois, erklärte, daß der Zweck der Reise in einer Prüfung der deutsche» Lage bestehe und daß der Aufenthalt der Kommission in Deutschland acht bis zehn Tage, wahr- cheinlich aber länger dauern werde. Die Kommission werde ihre Entscheidungen in Berlin treffen und hier bis zur Rückkehr nach Paris verweilen, um notwendige Entschlüsse zu fassen und sie offiziell mitzuteilen.
Keine SrSrtemug der Valuta.
Paris, 10. November. (Eigene Drghtmcl- dung.) Die französische Regierung erklärte dem amerikanischen „Sun"-Vertreter, daß sie Erörterungen über die Lage in Mtteleuropa nicht zulasscn werde. Die Washingtoner Konferenz werde sich auf die mitgeteilte Tagesordnung beschränken, also die B a l u t a der nicht eings- ladenen Staaten n i ch t zur Debatte bringen.
können ohne Miffprache von Deutschland und Rußland." Wells macht sich zum Verteidiger dieser beiden Völker, indem er sie von ihren Regierungen zu unterscheiden sucht. Er kommt dabei besonders bei DeutschlaM» z» dem Schluß, daß den Alliierten und besonders Frankreich der barbarische Wahnsinn nicht scharf genug vorgeworfen werden könne, mit dem der Kamps nach der Unterwerfung des Besiegten fortgesetzt werde. Der Versailler Vertrag sei »ichs anderes, al« ei» Triumph der
französischen Revancheidee.
Der Vertrag übrigens sei ohne die Teilnahme des russische» Volkes erörtert worden. Es bleibe somit Washington vorbehaüen, dieses Versailler Tiltat zu revidieren. Die deutschen Inter- essen sollten jedenfalls bei der Konferenz zum mindesten von einem fähigen Juristen oder von einer wohlinformirrten Organisation gewahrt werden. In zwanzig Jahren könne Rußland, genau so wie AmerikÄ nach seiner Selbständig- machung. zu einer mächtigen Nation auferstehen. ,,Jn hundert Jahren kann Rußland ebenso groß und mächti» und zivilisiert wie jedes andere Land der Welt sein Wenn heute die Großmächte, wie Frankreich, England und Japan zu- sammemreten, um z. B. ohne Rußland die Geschicke der Welt zu besiegeln, so wäre das, wie wenn in den dunklen Jahre» Amerikas diese Mächte über die Zukunft Amerikas beraten hüt- te«, ohne Amerika selbst zu fragen.^
und er wird ihr weiter gelingen, wenn man sich in unserer Regierung nicht einhellig z't der Ansicht bekehrt, daß Frankreich nicht? anderes will als die Zerstückelung Deutschlands und sein Verschwinden aus der Reihe der Großmächte Europas.
Eine größere Gefahr aber liegt ohne Frage darin, daß man in Deutschland in der krankbaft gewordenen Sucht, Versöhnungs-Politik allerwege zu treiben, gleichgültig. ob sie erwidert wird oder nicht, jeden Maßstab dafür der- l o r e n hat, wie nahe Frankreich diesem seinem höchsten Ziele in den drei vergangenen Jahren bereits gekommen ist. Oberschlesien kann und wird vielleicht eine der letzten Warnungen sein, die das deutsche Volk zu geschloffener Abwehr ver imperialistischen französischen Politik auf den Plan rufen müßte. Denken wir an die diplomatischen Siege der französischen Staatsmänner, um derentwillen Deutschland beute tn Not und Elend schmachtet, an Versailles, an Spaa, a» Brüssel, an London, an Gens! Unter fortwährender Schwächung des Landbesitzes des Deutschen Reiches sind die Ketten immer mehr und mehr dem deutschen Volke an Hände uns Füße geschmiedet worden. Und wer möchte glauben, daß es damit genug der Leiden Deutschlands sein soll? Wir werden noch mebr erleben. Memel, Nubraebietesbeset- zung, Rheinrepublik, Saargebiet, hinter all diesen Worten steckt eine Fülle von Ereignissen, die die französisch« Politik wenn es nicht anders geht künstlich zu schaffen verstehen wird, um ihrem Ziele der Vernichtung Deutschlands näher zu kommen. Man weiß in Paris, daß nicht in Monaten und wenigen Jahren Frankreich seine Wünsche erfiillt sehen wird. Aber man will gerne warten, bis die jetzt gesäte Saat Früchte zu tragen beginnt.
Die Pariser Regierung ist klug genua. um ibre wahren Ziele mdit an die große Glocke zu hängen. Aber sie befolgt im Stillen doch jeden ; Tag und jede Stund« das Wort Cambettas:
WikSer ein LNrrmtum?
Oppeln, io. November. (Eigene Drahtmeldung.) Es haben bereits mehrfach Besprechungen der Interalliierten Kommission mit der polnischen Kommission ftattgesunde». Vonseiten der Interalliierten Kommission wurde der französischen Regierung der Vorschlag unterbreitet, die wirtschaftlichen Fragen durch eine Art Ultimatum zu regeln. Von polnischer Seite wurde dieser Plan unterstützt.
Das letzte Siel
Frankreich erstrebt Deutschlands Zerstörung.
Die Entscheidung über Oberschlesien hat für die französische Diplomatie zweifellos einen Erfolg ersten Ranges bedeutet. Mit einer fast engliMn Zähigkeit und Hartnäckigkeit hat Frankreich das große Ziel der Teilung Ober« schllestens monatelang verfolgt und erreicht. Kein Hindernis ist der Pariser Regierung zu groß gewesen, um die von ihr «wünschte Entscheidung herbeizusühr««, und kein Mittel war ihr zu schlecht, um den Völlerbunorat zu ver- anlaffen, über die wenigen Rechte, die Deutschland durch den Versailler Friedensvertrag znge- standen worden sind, zur Tagesordnung über- zugehen. Meder hat die französisch)« Politik
Der 9. November.
Zwei Kundgebungen i» Kassel.
(Eigener Bericht.)
Kassel, 10. November.
Aus Anlaß des dritten Jahrestages der Revolution hatte gestern das Rathaus die schwarz- rot-goldene Fahne ansgehängt. Abends veranstaltete die Sozialdemokratie in der Stadthalle eine Versammlung mit anschließendem Fackelzug, während die Deutschnationalen im Evgl. Vereinshaus eine Trauerfeier abhielten. Beide Versammlungen, die zu Kundgebungen ausgestaltet waren, hatten starken Besuch.
Die Sozialdemokraten.
Washingtoner Konferenz.
Ci» Fürsprecher für Deutschland.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 10. November.
Der viel beachtete englische Schriftsteller Wells, der als Sonderberichterstatter für die Londoner „Daily Mail" „Petit Parisien" und „Chicago Tribüne« »ach Washington gegangen ist, konnnt in seinem ersten Artikel über die Washingtoner Konferenz zu folgenden bemerkenswerten Schlußfolgerungen, die für die Konferenz nicht die beste Rote bedeuten: „Es ist ausgeschlossen, die Weltprobleme allein in Washington formen zu
einen Beweis dafür geliefert, daß sie auch nicht im entferntesten daran denkt, irginowo und irgendwann Deutschland brutalste Vergewaltigun. gen zu ersparen, wiederum hat sich Paris demaskiert und sein wahres Gesicht gezeigt, das er« barmungAds nach Deutschland herübergcinst Es mutet fäft lächerlich an, wenn angesichts der rohesten Gewaltpolitik, die von einer Nation vielleicht jemals in der Welktzeschichte betrieben worden ist, sich in Deutschland immer noch Leute finden, die auf eine Verständigung mit Frankreich hoffen, und eine Versöhnung mit unserem westlichen Nachibar als ihrer politischen Weisheit letzten Schluß betrachten. Man sehe einmal die von Frankreich in den letzten drei Jahren betriebene Polittk gegenüber Deutschland genauer urch objektiver an. Dann kommt man ohne Frage zu dem Ergebnis, daß seit dem Waffenstillstand sich die französische Politik nicht einen Augenblick von der Linie entfernt hat, an deren Ende die Vernichtung und Zertrümmerung Deutschlands als letztes Ziel sieht.
Es war nichts weiter als ein kluger Schachzug der französischen Diplomatie, wenn sie gelegentlich sich den Anschein gab, als sei sie einer Verständigung mit Deutschland nicht mehr
Nie davon reden, immer daran denken! Magi sowie mit den Fehlbeträgen und dem Reichs» nach außen hin auch manchmal für kurze Zeit etat, sowie mit der Beschaffung neuer Ein- der EinSruck erweckt werden, dich sich in Frank- nahmeguelle« tmrch neue Steuern beschäftigen.
reich ein Umschwung in der Geistesverfassung! ------
seiner führenden Staatsmänner vollzieht, in Wahrheit fühn doch keine Brücke der Verständigung über den Rhein. Das Vernichtungsprogramm Clemenceaus wird von seinen Nach» «n im Minifterrate noch immer hoch und gehalten, und beeinflußt entschieden das Verhältnis Frankreichs zu Deutschland. Aus dieser Erkenntnis allein kann unserer Diploma-
tie das Verständnis dafür erwachen, was für sie in Zukunft notwendig ist zu tun. «re.,
ganz abgeneigt. Unsere Diplomaten sind au dieses Manöver mehr als einmal hineingefallen. Man braucht nur an die letzte Zusammenkunft Loucheurs mit Rathenau in Wiesbaden zu denken, wo der französische Wieoeraufbauminister sich in einigen honigsüßen Worten gefiel, wäh. rend zur selben Zeit die Kollegen des Herrn Loucheur Deutschland den oberschlesischen Landfetzen auS dem Leibe rissen. Frankreich spielt seit Jahr und Tag ein Doppelspiel, dessen Gefährlichkeit in verantwortlichen Kreisen man offenbar vollständig verkennt. Die französische Diplomatie reicht der deutschen von Zeit zu Zeit einen Köder, der nach Verständigung riecht und unsere Friedenssteunde mit magischer Gewalt anzieht, um unterdessen einen energischen und unbehinderten Schritt in der Richtung der shstemattschen Vernichtung Deutschlands tun zu können. Dieser diplomattsche Kunstkniff ist ihr schon wiederholt gelungen,
Abends kurz nach 11 Uhr, nach Schluß der Versammlung in der Stadthalle, bildete sich beim Schein von Magnesiumfacteln ein Fackelzug, den die Arbeiterjugend mit roten Fahnen eröffnete. Mehrere hundert Pechfackeln wurden entzündet und einer feurigen Flut gleich bewegte sich der Zug durch die lange HohenzMernsttaße über den Standeplatz, durch die Wilhelm- und König- straße. Ununterbrochen wurden sozialistische Lieder gesungen und Hochrufe auf die demoiratische und die sozialistische Republik, auf die Internationale und auf Oberbürgermeister Scheidc- mann ausgebracht. Auf dem Friedrichsplatz ivurden die Fackeln zusammengeworfen. Dabei gab es noch eine Rede, die zu weiterer Sicherung der Republik und zur Arbeit für den Sozialismus aufforderte und in einem Hoch auf die deutsche Republik ausklang. Der Festsaal der Stadthalle selbst war mitsamt dem Hochzeilssaal dicht besetzt gewesen. Das große Podium ichmnckten Dekorationen in Grün und mit Fahnen. Die Henkesche Kapelle konzertierte und das Arbeiter Sänger-Kartell unter Kahl faselt, a. „Freiheit die ich meine*. Karl Schrader vom Staatstheater rezitierte. So sprach er die Rede des Antonius bei Casars Leichenbegängnis und das Bergmannsgedicht von Acar Ehth. Im Mittelpunkt der Versammlung stand eine groß- angelegte Rede des LandtagZabgeordneteir Stadtverordneten Hauschildt, der im ailge-- meinen die Bedeutung des 9. November für die deutsche Republik schilderte, von der Reaktion sprach und zur Sicherung der Errungenschaften des 9. November aufsorderte. Mit einem Hoch der Tausende auf die deutsche Republik schloß der Redner und die Versammlung. die weitere MufSvorträge und Gesänge umrahmten, klang aus mit der stehend gesungene» (bei Orchesterbegleitung) Arbeiter-Marsailleise.
DmtManö und Voten.
Die erftsn ‘Beratungen. (Drivat-Telegramm.)
Berlin, 10. November.
In den Vorbesprechungen über die deutsch- polnischen Verhandlungen im Auswärtigen Amt sind die für Oberschlesien und für das Reich wichtige» Zollfrage» sowie olle Frage» der Ein- und Ausfuhr im Zusammenhang mit den Bestimmungen des Genfer Diktats einer sachlichen Prüfung unterzogen worden. Der stellvertretende deuffche Bevollmächtigte für die deutsch-polnischen Verhandlungen, Lewold, und der preußische Generalvertreter, Tr. Göp- pert, werden in den nächsten Tagen in Breslau und Oberschlesien mit Vertretern der Unternehmer, der Beamte», der Angestellte» und Arbeitnehmer, sowie mit den Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden die Wünsche des A b. stimmungsgebietes von der Provinz Schlesien einmal eingehend beraten.
Ernste Maßnahmen.
Frankreich beabsichtigt eigene Schritte.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 10. November.
Ministerpräsident Millerand soll gestern mit mehreren Mitgliedern der Regierung eine sehr bedeutsame Aussprache gehabt haben, die ausschließlich der Frage der deutschen Reparationszahlungen gegolten habe. Es seien außerordentlich ernste Maßnahmen ins Auge gefaßt worden, um allen Eventualitäten, mit denen man bei der augenblicklichen Lage Deuffchlands rechnen muffe, begegnen zu können. Tas Blutt gibt anschließend eine Unterredung mit einem der Mitglieder der ReparationSkommission wieder, das sich vor seiner Abreise nach Berlin dahin ausgesprochen habe» soll, man wisse im Schoße der Kommission sehr genau, daß die deut- che Regierung nichts getan habe, um die Flucht eines großen Teiles des Kapitalbesitzes und insbesondere des Industriekapitals in das Ausland (?) zn verhindern. Die deutsche Regierung habe keine der ihr vorgeschlageuen Maßnahmen zur Sicherung her alliierten Forderungen durchgeführt und keines der von ihr in dieser Hinsicht gegebenen Versprechen gehalten. Deshalb sei es notwendig, daß Frankreich seine eigenen Borkehrungen trefft Allerdings müsse es sich darüber mit den andere» Mihrliedern der Entente verständigen.
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Erste Forderungen der Kon-.nttflivn.
Paris, 10. November. (Eigener Drahtbericht.) Wie der „Matin" bestätigend meldet, hat die Garantiekommisfion die Forderung erhoben, dah Deutschland am 15. November und 1. Dezember je einen Vorschuß leistet, der zusammen etwa V-erfönftel der halben Go'dmil- liarde betragen soll, die cm 15. Januar 19*2 fällig ist. Diese Vorschußzahlung soll aus Zolleinnahmen und der Ausfubrabgäbe entnommen werden. Die Reparationskommission wird mit der beirtWn Regierung über die Maßnahmen sprechen, um diese' Vorschußzahlungen zu ermöglichen. Die Kommission wird sich ferner mit der Krodttaktion der deutsche» Industrie,
I
Deutschnattonaler Bolksverein.
Inzwischen füllte sich der große Soul des Ev. : Vereinshauses zu einer mächtigen Berjamm- , hing des Deutschnationalen Volksvereins in . Gestalt einer Gedenk- und Trauerseier. Die jchwarz-weiß-rote Dekoration war mit Trauerflor versehen. Nach musikalischer Darbietung der Deutsch-viMschen Musikgruppe fang die Versammlung das Niederländische Taukgebet mit neuem Text doch dem alten Ausklang: Herr mach uns frei! Zunächst sprach Rechtsanwalt Brill über Deutschlands furchtbare Not und das Verbrechen vom 9. November 1918. Daran könne auch Herr Scheidemanns Widerspruch in der letz, ten Stadtverordneten - Versammlung nichts ändern. der Presse werde er (Redner) antworten, aLcvdingö in der Gewißheit, daß Herr Scheide mann nicht antworte, wie er auf den offene» Brief nichts erwiderte, der sich mit der Befähigung des jetzigen Oberbürgermeisters für fein Amt befaßte. Der Grund fei darin zu suchen, daß der Oberbürgermeister auf seine Tat- suchen nicht antworten könne ohne das Vertraue» seiner Kreise zu verlieren. Der Redner berief sich auf Barths Schrift »Aus der Werkstatt der Revolution". Was Barth gesagt, wagte Schei- dern-inn nicht abzustreiten. Für die Tatsache des Dolchstoßes führte Redner Worte und Preffe- äußerunge» führender deutscher Sozialdemokra- tenatnb ausländischer Autoritäten, ferner Rathe» naus und dann des Obersten Bauer, den Scheidemann zu Unrev t für sich in Anspruch genommen habe. Ferner erinnerte der Redner an Scheidemanns Bielefelder Rede, daß es nichts anderes gebe als Krieg bis zum ietzien Mann. Auch Scheidemann sei Annexionen nickst abgeneigt gewesen. Unser Schicksal besiegelte, daß ez statt wie in England und Frankreich im ent« scheidenden Augenblicke die Diktatur den Parlamentarismus gab und daß dem cheimacheer verboten wurde, oon der Waffe Gebrauch zu machen. Nur völkische Erneuerung und Rückkehr zu Bismarcks deutscher Politik bringe die Rettung. Die eigentliche Rede hielt Landesgeschäftsführer Lothar Steuer über de« 9. November. Es gelte, dem Wcchn. dem Ileber- mut dieser Zeit entgegen nur et en, die jenen Tag iderte, der nichts wie Schmach, Schande und Not brachste. Wenn der vom Vorredner genannte Kasseler Mitbürger behauptet, cs sei nur ein Zusammenbruch gewesen, warum feierte man die. sen Tag? Vergeblich waren die furchtbaren Opfer des Krieges. Des alten Deutschlands und