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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 254.

Freitag, 4. November 1921

11. Zahrgarro.

Fernsprecher 951 und 952

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Preußens Negierung und Parlament.

Die Vreußenkrife.

Umbildung des Kabinett«.

Der Gesamtrückttitt der preußischen Negie­rung hat eine Lage geschaffen, die für das ganze Reich und vor allem für die Reichspolitrk von einer außerordentlichen Bedeutung ist. Die Nc- gierungsverhÄtnisse in Preußen, das zwei Drit­tel des Terriwrimns des ganzen Reiches ein- ninrmt, sind für die Beurteilung der gesamt­deutschen Politischen Situation nicht gleichgültig. Man spricht gerade jetzt wieder von der ^Homo­genität-, von der Gleichartigkeit der Regierungs­weise un Reiche wie in Preußen. Und in der Tat ist es auf die Dauer ein unerträglicher Zu­stand, daß im Reiche anders regiert wird als in Preußen. Und alle politisch-parlamentarischen Kreise, nicht zuletzt der nunmehr zurückgetretene preußisch« Ministerpräsident Siegerwaid, haben es immer für einen parlamentarisch unerträg­lichen Zustand bezeichnet, daß die Sozial­demokratie im Reiche einen Hauptteil der Verantwortung trägt, aber in Preußen aus- geschaltet ist. Das Gleiche gilt ja a«ch von der Deutschen Volkspartei, die in Preußen schon zum Mitträger der politischen Verantwor­tung gemacht worden, aber bislang nicht in einer Koalition im Reichstage, abgesehen von dem Zwischenspiel bei der Fehrenbach« Regierung, vertreten ist. Der Gedanke der großen Koa­lition har bei der letzten Reichskrise im Vor­dergründe aller Erörterungen gestanden. Ihm zuliebe hatte man durch die von Zentrum und Demokraten herbeigeführte Demission des Kabinetts Wirth die Bahn freimachen wol­len. Die Demokraten rechtfertigen ihr jetziges Vorgehen in Preußen, in Gestalt der Zurück­ziehung ihrer Minister aus der preußischen Re­gierung, ebenfalls mit dem Bestreben, die Rohn sreimachen zu wollen für eine Umbildung der preußischen Regierung im Sinne der Schaffung der großen Koalition. Ob diese Annahme und dieser Glaube angesichts der jüngsten Vorgänge im Reiche begründet sind, mag für heute dahin­gestellt bleiben.

Jedenfalls haben sich bei dem damaligen An­laß die bestimmend in Betracht kommenden Par­teien gründlich auseinandergeredet, der Koa- litionsgedanke selber hat einen erheb­lichen Stoß erlitten. Verärgerter als je sind die beiden Parteien, VoMspartei und Sozial­demokraten, auseinandergegangen. Ob es gelin­gen wird, sie bei den zum Teil wesentlich anders gearteten parteipolitischen Verhältnissen in Preu­ßen näher zu bringen, mag Mei selbaft erschei­nen. Die preußischen Sozialdemokraten sind um vieles radikaler als die im Reich«. Sie stehen unter starkem Einfluß des Abgeordneten Heil- mann, der schon iedesmal bei den Partekver- handlungen in Preußen eine verhängnis­volle Rolle gespielt hat. Dazu kommt noch, daß Heilmann der Führer der Opposition innerhalb der Sozialdemokraten ist, die sich gegen ein Zusammenarbeiten mit der Deutschen DoW- partei und vor allem gegen den Görlitzer Be. schluß, der dieser Entwicklung die Woge ebnen wollte, zur Wehr setzt. Andererseits hat die preußische Sozialdemokratie in ihren Reihen den Abgeordneten S e v e r i n g, der den Görlitzer Beschluß besonders befürwortet hat und der für sein- Fassung sich entscheidend einsetzte Severing, schon früher preußischer Innen­minister, wird von den Sozialdemokraten nun abermals für den Poften des preußischen Mini­sters des Innern präsentiert, ja, die Sozialdemo­kraten machen die Uebertragung dieses Postens an Severing zu einer ihrer grundsätzlichen For­derungen.

Wer sich an die ungemein schwierigen, mo­natelang sich hinziehenden Verhandlungen erin­nert, die seinerzeit nach»den Landtagslvahlen ge­führt werden mußten, um endlich zum Kabinett Stegerwald zu kommen, der wird nicht so opti­mistisch sein können, um zu glauben, daß es jetzt rascher ginge. Insbesondere ist gar nicht abzu­sehen, wie es möglich sein sollte, in kurzer Frist die streitenden Parteien, Volkspartei und So­zialdemokratie. unter einen Hut zu bringen. Man scheint einen Ausweg dahin suchen zu wollen, «ir jetzt ein Kabinett aus Sozialdemokra­ten, Demokraten und Zentrum zu bil­den, in ihm aber mindestens zwei Mimsterposten zunächst durch Beamte besetzen zu lassen, die dann später, wenn die Verhandlungen über die Verbreiterung der Koalition zum Ziele geführt haben sollten, für volksparteiliche Politiker zur Verfügung stehen.

Parteipolitisch betrachtet, haben sich die Dinge gegenüber den früheren Auffassungen in den Parteien wesentlich verschoben. Allgemein War damals die Auffassung geltend gemacht worden, daß das Reich in der Schaffung der großen Koa- klion voranzugehen habe und daß Preußen dann nachfolgen müsse Jetzt scheint man es im umgekehrten Verfahren versuchen zu wollen, wo­bei man aber nickt verschioeigea darf, daß die Vorbedingungen für das Gesingen der Pläne jetzt noch um vieles s ch l e ch t e r sind, als sie ehedem, ja überhcuwt jemals Ware» Was

tetr jetzt wieder sich vollziehen sehen und was wir in den nächsten Tagen in der Behandlung dieser Preußenikrise Wohl noch erleben werden, kennzeichnet den ganzen abgrundtiefen Jammer, in dem sich heute unser gesamtes Parteileben be­findet. Der Ruf nach einer entschlossenen Füh­rung und nach einem nicht minder entschlosse­nen Führer verstärkt sich immer mehr. Solange aber die parteipolitische Zersplitterung im Volle die politische Absonderung nur begünstigt, so­lange nicht, durch die Wahlen zum Ausdruck ge­bracht, ein einheitlicher Wille durch Schaffung einer großen, trag fähigen, vor allem aber auch zur Uebernahme der Verantwortlichkeit bereite Parteigruppierung kenntlich wird, solange wird es durchaus nicht möglich fein, aus dem Par­teijammer unserer Tage herauszukommen.

Areußrns Regierung.

Die Landtagsfraktionr« zum Kabinett. (Privat-Telegrarnm.)

Berlin, 3. November.

Heute finden zunächst Sitzungen der preußi­schen Landtagsfraktionen statt, denen sich dann die Vollsitzung anschlietzt. I« parlamentarischen Kreisen erwartet man, daß man es wie im Reiche mit einem ausgesprochenen Ueber- gangsministerium zu tun hoben wird. Die alte Gruppierung, Zentrum, Demo- kraten und Mehrheitssozialdemokraten, hat die grüßte Wahrscheinlichkeit für sich. Daß man aber im neuen Kabinett die FailMinister zunächst be­lassen will, scheint auch den Kreisen der Sozial- denwkraten einzuleuchten. Der Acltestenrat wird heute über die Tagesordnung der Landtags­sitzung und über die Geschäftslage überhaupt zu beschließen haben. Die Berliner Börsenzeitung schreibt: Wir möchten auf Grund verschiedener Beobachtungen glauben, daß die heute beginnen­den Verhandlungen teilt sachlich und ohne parteipolitische Rücksichten gefiihrt werden und daß die Deutsche Volkspartei den Vorteil des Reiches erkennen wird, den die Bildung einer Bierparteien-Regierung in Preuße» darstellt.

Verbreiterung der Koalition?

Berlin, 3. November. (Privattelegramm.) Die preußisäfr Regierungskrise war am Mitt­woch abend unverändert. Die Besprechungen der Fraktionen mit Stegerwald sind den Dag über fortgesetzt worden. Auch die Unterredung Ste- gerwalds mit dem Landtagspräsidenten Leinert soll t?cute weitergeführt werden. Im allgemeinen besteht Vie Reigrmg, Stegerwald mit der Fortführung der Verhandlungen zur Herbeifüh­rung der Verbreiterung der Koalition und mit der Bildung des neuen Kabinetts zu beauftragen. Seitens des Zentrums und der MehrheitSsozialvemokritten liegen entsprechende Beschlüsse bereits vor. Diese Beschlüsse sind aber nur bedingt abgegeben worden.

Reichstags-Beratungen.

Steuer« und Teuerungsfrage«.

(Privat-Telearamm-i

Berlin, 3. November.

Der Reichstag, der heute wieder zusannnen- trktt, wird sich zrtnächst mit einem sozialdemo­kratischen Antrag zur Aendcrung des Lohn- beschlagnahme.Gesetzes und dann mit einem demokratischen Antrag über die Erhebung der Einkommensteuer beschäftigen. Die so­zialdemokratische Interpellation über die Le­bensmittelverteuerung, die grschästs. ordnungsgemäß heute auf die Tagesordnung der Frertagssitzung gestellt wird, wird wahrscheinlich am Montag vom Minister Hermes beantwortet werden. Am Freitag und Samstag soll die Ge­neraldebatte Über die Steuervorlagen stattfindcn, die wahrscheinlich mit einer Rede des 'Ministers Hermes eingeleitet wird, der bei der Kabinettbildung mtt der Wahrnehmung der Ge­schäfte des Reichsfinanzministeriums betraut wurde. Der Reichskanzler wird, wie man hört, nach de« bisher getroffenen Dispositionen in der Steuer-Debatte nicht spreche«.

Protest gegen die Latente.

Frankreichs Zerstörungswut.

(Privat-Telegrcnnm.i

Berlin, 3. November.

Zn ctaer Protestkundgebung gegen den Versuch der Ententekommisfio«, die Bctriebc der Deutsche« Werke A.-G. lahmzulegen, versammelten sich am Mittwoch abend in dem langen Saal des Herrenhauses Hunderte von Angestellten der Hauptverwalwng der Deutschen Werke A.-G., die die Zentrale für die verschiede­nen Betriebe der Gesellschaft im Reiche darstellt. Die Bcrsammelten erblickten in dem Borgehen der Entente einen systematischen Feldzug der frauzSsifchen MllitLrpartei, der darauf

hinauSlSnst, Deutschland und sein Volk zu vernichten. Die Angestellten verlangen vom Betriebsrat, daß er beim Vorstand der Hauptverwaltung vorstellig wird. Er müsse nicht nachlassen im Protest gegen die Forde­rungen der Entente. Sie bitten ferner die an­wesenden Gewerffchaftsvertreter, bei den betreff fenden Regierungsstellen dafür einzutreten, daß nichts unversucht gelassen wird, um ein derarti­ges Vorgehen, wie es die EMentekonnuission jetzt plant, ein- für aäcir ( unmöglich zu machen.

Am Oberschlefien.

Die Wirtschafts-Verhandlungen mit Pole«.

(Eigene Drahrmeldung.)

Berlin, 3. November.

Zn der oberschlesischen Frage hat das Reichs­kabinett unter Mitwirkung des zurückgekehrten Reichskanzlers Stellung genommen. Es wurde nach längerer Slussprache beschlossen, es bei der Ernennung Schiffers und Lewalds zu Kommissaren für Verhandlungen mit P o - l e n bewenden zu lassen, die eingegangencn pol- Nischen Ansprüche dagegen zurüüzuweisen und den Kommissaren für ihre Verhandlungen mit Polen weitestgehend Freiheit z» belassen, unter Vorbehalt der Entscheidung des Reichskabinetts.

*

Zurückweisung der Sntentrmüe.

Berlin, 3. November. (Pffvattffegrmnm.) Die Entente-Note an Deutschland hinsichtlich der Verantwortung für Unruhen im Ab­stimmungsgebiet wurde eingehend besprochen. Der Inhalt der Antwort, die dieseSmal zurück- w ei send sein soll, wurde in seinen Grundzü­ge« ststgelegt, die endgültige Stellung zur Er­klärung aber auf Sonnabend vertagt.

Lmst öerKattoffelnot.

Aufruf des Oberprästdenten Hörfing.

(Vffv<tt-Trlegramm.i

Halle a. 3 November.

Ans Anlaß der Kattoffelnot erläßt Obcrpräfff dent Hörsing einen Aufruf, in dem es heißt: Mit allen Mitteln mutz dahin gestrebt werden, datz möglichst viele und nur gesunde Speisekartoffeln der verbrauchenden Be­völkerung zugeführt werden, wenn ernste Un­ruhen und Gewaltmaßnahmen seitens der ver­brauchenden gegenüber der landwirtschaftlichen Bevölkerung vermieden werde« sollen. Hebei die Möglichkeit bevorstehenderUnruhen liegen nähere Nachrichten vor. In E i s l e b e n und in den benachbarten Ortschaften wurden Haussuchungen nach Waffen vorgenommen und eine große Anzahl von Komnnmisten verhaftet. In Halle wurde ein rotes Flugblatt verkauft, in dem sich Unbekannte mit dem am 13. Oktober auf das Verwaltungsgebäude des Bruchdorf Rietlcbcncr Bcrgbauvereins verübte« Ueberfall brüsten, bei dem ihnen 101 530 Mark in die Hände gefallen seien. Die Verfasser der Flug­blätter gaben an. datz die den Kapitalisten ab genommene Summe nur eine Kleinigkeit fei und datz man sich in der nächfien Zeit hö­here Beträge von dort holen werde.

*

Gewaltsame Kundgebungen.

Dortmund, 3. November (Eigene Draht­meldung.) Zehn- bis fünfzehntausend Berg­arbeiter der Zechen in Wanne, Eickel und Röhlinghausen veranstalteten vor dem AmtshauS eine Demonstration gegen die hohen Kartos- fe lp re i f e. Die Führer mahnten zur Ruhe und Besonnenheit, ließen aber feinen Zweifel dar­über, datz sie. falls nicht bald Abhilfe geschaffen wird, jede Verantwortung ablehnen müssen. Die Ortschaften zwischen Dortmund und Bochum er- Üiclten gestern Massenbesuch von Arbeits­losen, die die Abgabe von Kartoffeln zmn Preise von zehn Pfennig das Pfund erzwangen.

Kredite für Deutschland?

Verhandlungen mit dem Auslande.

iEiaene Drahtmeldung.)

Berlin, 3. November.

Mit Holland sind neue Verhandlungen über eine Erweiterung des Kreditabkom­mens anfgenonrmen worden. Die Verhandlun­gen mit englischen und amerikanischen Banken über eine Milliardenanleihe an Deutsch­land sind fortgesetzt, nachdem das Reichskabinett sich zu dem Antrag des Reichsbankpräsidenten über Sicherheiten an die Darlehnsgeber schlüssig geworden ist. Die Sitzungen des ReichSkabi- uetts, in der Herr Havenstein über feine Lon­doner Reise berichten wird, ist auf Sonnabend Abend vertagt wordeu»

Befatzmigskosten.

Die feindliche Truppenlast am Rhein.

3« Pari« tagt gegenwärtig 6U «omn-ifitott r«r Begrenzung uno Heraäietzung der Motten der alliierten «rUppen, die in Bentiwland als Besatzung gehen. lieber diese Berat­ungen erhalten wir folgende Mitteilungen, Die Kommission. war nicht in der Lage, ihre Arbeiten^ wie vorgesehen, zum 1. November ab« z«schließen. Man hat einen Unterausschuß an Ort und Stelle entsandt, der Gelegenheit hatte, wie der Pariser .Tcmps" schreibt, allerlei M i ß- drauche festzustellen. Also sogar von franzö­sischer Seite kann man sich nicht mehr um die Tatsache Herumdrücken, daß in der Tat Miß­brauche vorlägen. Von dort aus ist aber sicher noch ein weiter Schritt bis zu der Erkenntnis, die uns Deuffchen leider allzu geläufig ist, daß die ganze Art der Besatzung, von ihrer völker­rechtlichen Grundlage einmal abgesehen, einen einzigen großen Mißbrauch darstellt. Um eine einzelne Stichprobe herauszugreifen: In Düs- s e l d o r f waren bis zum 6. Oktober dieses Jah­res rund 1800 möblierte Wohnungen, so­wohl einzelne Zimmer, wie auch größere Woh­nungen, bestehend aus Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Eßzimmer-, für den Gebrauch der Vesatzungstruppen beschlagnahmt. Wir haben in Deutschland Wohnungsnot an allen Ecken und Enden und besonders natürlich in den Großstädten, und doch waren an diesem 6. Ok­tober von den 1800 Wohnungen nur 620 in Be­nutzung. also volle 1180 Wohnungen stand en leer. Die Besatzungsbehörde hat es trotzdem fertig gebracht, diese sinnlos leerstehenden Raume für die Zivilbevölkerung nicht freizugeben. Diese der Zivilbevölkerung vorenthaltenen Woh­nungen aber waren, soweit sie benutzt wurden, nur bewohnt von Offizieren und Säbelchargen mit ihren Familien angehörigen, in Kasernen und Massenguartieren lagen noch rund Kveitau- send Unteroffiziere und Mannschaften.

Don anderer Seite wird berichtet, daß der Ausweg, den die Kommission besprochen habe, darin bestand, die Zahl derweiblicken Sol- dateska-Begleitung zum mindesten ein­zuschränken. Daß dieses täglich anwachsende weibfiche Heer zur Anspoverung Deutschlands schwer unterzubringen sei, wie man in Paris ge­sagt haben soll, ist allerdings, wie das Beispiel aus Düsseldorf lehrt, sehr wenig glaubhaft. Aber cs ist ja bekaintt, daß diese Damen ohne Woh­nungen mit dem alleräußersten Komfort nicht zn- friedenzustellen sind, denn wozu ist man denn tu Feindesland, wenn man nicht über seine heimi­schen Verhältnisse leben will? Es ist begreif- kick. daß diese Tatsachen den Kommtsftonsver- tretern in Paris heiße Köpfe bereiten, beim mit der Zeit ringt sich doch in der öffentlichen Mei­nung auch der E'ntenteländer die Stimme durch, daß hier krass-s und brutales Un­recht geschieht, und es ist bezeichnend, daß die Kommission ..weitere Auskünfte, namentlich vom englischen Kriegsininisterimn" einholen will.

* ^rf man vermuten, daß das englische Kriegsministerium nicht soviel Interesse art der Besatzungsarmee hat, ist doch die englische Be­satzung an Zahl verschwindend klein gegen die der französischen, sondern daß man in Englano cmfängt, klug hinznborchen auf die Stimmen, die gerade in der öffentlichen Meinung an der Themse täglich deutlicher und klarer sich gegen die Schandverhältnisse am Rhein auslehneu.

Deutschland und Amerika.

Der DampferBayern" in Newyork.

Aus Ncwpork meldet der Vertreter des Deut­schen Ausland-Jifftiiuts Stuttgart: Ein Ereig­nis war für das Rewhorker Deutschtum die An­kunst des deutschen Dampfers .Bayern", des ersten deutschen Passagterdamp­fers, der seit dem Krieg unter der deut- schenFkagge hier eingetroffen ist. Zu Ehren des Kapitäns und der Mannschaft sanden eine Reihe von Festlichkeiten statt, tue in dem frühe­ren deutschen Musentempel am Irving Place -hren Abschluß sanden. Mit der Theatervorskel- litng war ein Redeakttis verbunden, welchen Pastor Brueckner vom deuffchen Seemanns- Heim eröffnete; er führte unter anderem sehr richtig aus. daß es notwendig sei, das deutsche Theater in Zukunst tatkräftiger zu unterstützen, als es vor dem Kriege der Fall war, und feierte dann die deuffchen Gaste, als deren Vertret er Kapitmt Schwamberger seinen Dank aus­sprach. Gleichzeitig entledigte sich der Kapitän deS ihm vorn Bürgermeister in Annweiler in der Psalz gewordenen Anstrags. Herrn Wm. Lo«we von Newyork die Ehrenbürgerurkunde, seiner Heimatstadt z« überreichen, in Anerkennung sei­ner Stiftungen. In den Zwischenakten der Vor­stellung gegeben wurde der DreiEer .Ascher­mittwoch" von Hans Fischer und Josepb Jarno konzerfferte die Schiffskapelle der .Bayern".

Fast hätten wir übersehen, zu berichten. daß anch der Bürgermeister der Stadt New- Pork, Herr Hylan, sich bewogen fand, die .Bevern" bei ihrem Eintreffen offiziell zu be-