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3nfenton«prttfe. ej StntjetmUrtje «uftragr: Die elnftmltlgt «nzetg-n-ZeU- M L60, die einspaltige Reklame,eile M 15a b) Huiroärttge auftrage: Die elntoalttge Hnjetgen,etle ®L 1.60, die etnfpultige Reklame,eile M. 4. alles elnfcbÜtStttb Teuerung s,uf cd lag und anjcigenfteuet. Für Anzeigen mit v ei ander» ichwierige« Satz ttunbrr: Prozent »aff d) lag Für die Richtigkeit aller durch Ferniprecher aufgegebenen Anzeigen totste iüt Aufnahme- baten und Platze kann eine itzewähr nicht übernommen werden Druderet; Schlacht- hofftraße 28/10. Lefchäftistelle: Kölnische Glratze o. Lelevdon Nummer »51 and »52

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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Ärrmmer 253

Donnerstag, 3. November 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Iahrgairs

Fernsprecher 951 und 952

Kabinettwechsel auch in Mußen.

Sine Wandlung.

Die Bolschewisten lenke» ein.

In der letzten Zeit wehrten sich die Anzeichen, fernen zufolge die Sowjetregierung die bisher erngeschlagen^ Politik, und zwar vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, z» verlassen sich anfchickt. Sotojetrußland hat den Handel und die I n - dustrie sreigeben müssen. Die Fabrilbe- ttiebe sind längst e n t s o z t a l i s ie r t. Sie be° finden sich wieder in Privathänden, und man hat dafür nun nach außen hin feie hübsche Formel gefunden: Diese Fabriken seien mtr zur .Pacht- abgegeben. Dabei muh man aber hören, daß die Pacht auf eine Frist von neunundneun- »i« Jahren erstreckt ist! Die Sozialisierung der Wohnungen ist ebenfalls schon längst preisgegeben. Es werden wieder Mieten gezahlt. Banken wachsen wie Pilze aus der Erde. Der ganze Staatseinfluß aus Privatun­ternehmungen ist verschwunden. Rußland sieht sich immer mehr genötigt, aus der beispiellosen Isolierung, in die es durch seine Politik hinein­geraten ist, herauszukommen. Insbesondere empfindet es di» wirtschaftliche Isolierung nach­gerade tödlich. Um sich dieser selbstgcfügten Klammer zu entziehen, hat Rußland nun einen Schritt unternommen, der zeigt, wie es de» ge­genwärtigen Srwjetmachthabern darauf an­kommt, das S y st e m zu r e v t d i e re n, ja, von Grund aus neu zu gestalten, aber doch alle Mittel ar an zu setzen daß die politischen Machtposisio- nen in Händen -et Sowjetisten bleiben. So hat nun die Sowjctregierung in einer an England, Frankreich, Italien, Haps-r uiä> Amerika gerich­teten Note ihre Bereitwilligkeit erNärt, die von der Zarenregierung bis zum Jahre 1914 aufge- nommenen Schulden anzuerkennen und für ihre Ableistung Sorge zu tragen, als Gegenleistung fordert die Sowjetregierung die Anerkennung Sowsctrußlands durch die bezeichneten Mächte und den Abschluß eines Generalfriedenz der Mächte mit dem heutigen Rußland. Die General- Vereinigung dieser Tinge soll auf einer interna­tionalen Konferenz vorgenommen werden.

Auf dem zweiten Kongreß für politische Auf- Värung hat auch Lenin eine große Rede ge­halten, die den vollständigen Bruch mit den bis­herigen bolschewistischen Methoden bedeutete, und in der er auseinandersetzre, daß der Kommu- mtsmusmit feemKapitalismus zusam­men arbeiten Müsse, weil die Technik der Großindustriellen übermächtig sei. Die Zeiten de^ Manifeste und Dekrete, so sagte Lenin wörtlich, sei vorüber, jetzt müsse Man praktisch ar bei' t e«. Im weiteren Verlaus seiner Rebe wurde er sogar noch offenherziger, indem er es ftir einen zu bekämpfenden Erzfeind Rußlands be­zeichnete, daß man glauben könne, durch bloße Herausgabe kommunistischer Dekrete Wirtfchaftz» fragen lösen zu können, ohne daß diese Dekrete auch nur in einer einzigen Einzelheit Verwirk­licht zu werden vermöchten. Ganz ähnlich äußerte sich feer gleichfalls nicht unbekannte Sowjetführer Litwinnosf, und es ist nicht uninteressant, die jetzige Haltung des gegenwärtigen offiziellen Rußlands mit bett sehr stolzen und unversönft- chen Aeußerungen derselben Männer zurzeit der Maienblüte fees Bolschewismus zu vergleichen. Damals hatten sie immer nur Spott und Hohn für den Gedanken, daß die Franzosen jemals glauben könnten, der Bolschewismus würde für feie Schulbeu fees Zarismus austommcn, und sie sagten das besonders dann, wenn ihnen mit den Mitteln nüchterner Logik bewiese» wurde, daß auch Rußland nicht groß und wirtschaftlich selb- siändia genug sei, um die wirtschaftliche Selhst- aus-fchaltuug aus dem europäischen Konzern auf feie Dauer zu ertragen. Die Entwicklung und feie unwiderleglichen Tatsachen täglicher Erfah­rung haben Lenin und die Seinen inzwischen aber doch eines Besseren belehrt.

Mit diesem Vorgehen begibt s«H das Sowjei- rußland auf den Weg, der ihm schon aus der BrüssÄer Konferenz von den Alliierten vorge- schrieben worden ist. Dort wurde gefordert, deß eine Anerkennung Rußlands und ein« Wirt­schaftshilfe gegenüber Rußland erst dann in Frage kommen könne, wen» Rußland sich zur Anerkennung der StaatS schulden bis 1914 bereit finde. Der Vorgang zeigt aber Wei­ler, wie sehr Deutschland auf der Hut sein muß, um bei dem, was nun tm Werke ist, nicht in- Hintertreffen zu geraten. Wer die außerordent» lichen Bemühungen, namentlich Englands und AMllrikas, nicht Mletzt aber auch Frankreichs Mr

Wiedergewinnung des russischen Marftes beob­achtet hat. unfe wer sich andererseits vergegen­wärtigt, daß eigentlich das einzige Feld, auf dem sich Deutschland für absehbare Z it aus cU gener Initiative heraus zu fr.-tätigen vermag, nur noch feer Osten, vor allem Rußland ist, der hat allen Anlaß, dringend zu wünschen, da die deutschen berufenen Stellen von einer unte Umständen sehr schnell sich vollziehenden Entwik- kelung nicht überrascht werden. Der Wiederauf­bau Rußlands muß für Deutschland, in Gemein­schaft mit England und Amerika, ein Hauptsiel der künftigen Wirtschaftspolitik sein. »ss.

Die Vreußm-Regremng. Rücktritt drs Kabinetts.

1 tBr'val-Telegtamm.s

Berlin, 2 November.

Das Ministerium Ttegerwald ist zurück- gctreten. Ucber die Gründe, feie zu diesem Ent­schluß geführt haben, äußerste sich Ministerpräsi­dent Ttegerwald wie folgt. Fch habe Mich stän­dig bemüht, ein Kabinett auf der Busis von den Mehrheitssozialisten bis zur Deutschen Volks- Partei zustande zu bringen. Rastchem feie feemo- kratifche Lmtdtagsfraktion feie Dorhundlungen als gescheitert angesehen und beschlossen hat, ihre Minister aus der Regierung zurückzn- ziehen, war die Situation fiir mich von selbst gegeben. Das übrige Rumpfkabinett konnte nicht mehr bestehen bleiben. Es ist nicht möglich, ein neues Kabinett nur aus Zcntrmnslcuten und Beamten zu bilden. Auf Grund feer preußischen Verfassung wird feie gegenwärtige Regierung einstweilen n$s Geschästsministrrium auf ihrem Posten bleiben bis zur Neubildung.

* * *

Besprechung mit den Vartrien.

Berlin, 2. November. (PrivattelearMrm.) Aus Anlaß feer preußischen Ministerkrife wird der Präsident des Landtags heute früh aus Han­nover nach Berlin zurückkchrrn. Er wird sogleich mit d em zurückgetrrtenen Ministerpräsidenten und im Anschluß daran mit den Parteifühe rern» besonders mit den Demokraten, verhan­deln. Die Krise dürste in wenigen Tagen ihrer Lösung entgegcngehen «nd voraussichtlich mit dem Auftrag an Ttegerwald enden, auch das neue Kabinett zu bilden. Der preußische Land- t a g tritt am Donnerstag zusammen.

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Sitzung des Stetchskavinetts.

Berlin, 2. November. (Privattelearamm.) Die ReichSregierung wird nach der heutigen Rückkehr fees Reichskanzlers Dr. Wirth eine Ka- bincttSsttznng abhalten, in der voraussichttich neben den anderen politischen Fragen auch der lltücktritt des preußischen Kabinetts und die weiteren Beschlüsse hinsichtlich Obcrschlesiens zur Sprache kommen können.

Karteien und Regierung. Verhandlungen zur Kabinettsbildung.

(Eigene Drahkmeldung.s

Berlin, 2. November.

Fast täglich haben in den letzten Tagen im Landtag interfraktionelle Bespre­chungen feer Führer feer Deutschen Volkspar­tri, des Zentrums, der Demokraten und der Mehrheitssozialisten statt gefunden, die die Schaf- ung einer breiten Basis zum Ziele.hatten. In den letzten Sitzungen waren die Parteiführer mit Stcgerwald und Leinert zusammen, und cs 'chicn, als sei eine breite Koalition in Preußen zu erreichen. Die Mchrhcitssozialisten nahmen dann wieder eine veränderte Haltung ein und diese Haltung der Mehrheitssozialisten verschärfte sich noch im Laufe drs vorgestri­gen Tages. Sowohl am Montag nachmittag wir auch gestern vormittag erstatten ihrer Führer den Demokraten, würde das Kabinttt sofott um­gebildet und die Mehrheitssozialisten in Wich­tige Stellung des Kabinetts treten, so wür­den die Gegner des Kichinctts in feen kom­menden Verhandlungen Obstruktion machen,

Gin Revolutlonsferertag?

Aaordmrnge« kn den Gliedstaaten.

(Privat-Telegr arnm.)

Berlin, 2. November.

Rach einer Anordnung des Brannschwei- gk scheu Staatsministeriums ist, wie aus Lraimschweta. gemeldet wird, feer 2. November

als EttnnernngStag an feen Ausbruch der Re­volution in Braunschweig bei allen Staatsbehör­den und Schulen als allgemeiner Fcicttag zu begehen. Alle staattichen Gebäude unfe Schulen haben Fahnenschmuck zu tragen. Außerdem will das SiaatSministerium dem Landtag eine Vor­lage zugehen lassen, wottn feer 9. November in Braunschweig zum allgemeinen Feiertag erhoben werden soll. Das Thüringer Ministerium verfügte ein Notstesetz, wonach feer 9. November als gesetzlicher Feiertag erstätt und das Refor- mationssrst nicht mehr staastich anerkannt wird. In B a y e r n wird dagegen der 9. November als Trauertag begangen unfe in den Schu­len entsprechend darauf hingrwiesrn werden.

Die ungsrifche Frage.

Am die Haltung der Tschecho-Slowakek. lEigener Drahtbericht.s

PattS. 2. November.

DerMalin" hat sich telegraphisch an Bencs h gewandt, »m von ihm Einzelheiten über die Haltung der Tschecho-Slowakei in der ungarische« Frage zn erstatten. Benesch hat ge­antwortet: ES ist absolut notwendig, energische Maßnahme und Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, um Ungarn sehen zu lassen, daß wenn cS nicht mit der Politik der wiederholten Staatsstreiche der Habsburger ein Ende macht und die Verträge in Anwendung »ringt, man nc zwungen sein würde, zu handeln. Im übrige« hat feie Entente feasselbe f-esagt, indem sie mein te, daß, wenn Ungarn ihre Entscheidung nicht auSfühtt, die angegriffene Staaten tändeln wür­den und daß dann die Verantwortung auf Un­garn selbst zUrückfaven würfe«.

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«elnr kriegerische!, Absichten?

Prag, 2. November. (Eigene Dttchtmeldung.) Der tschechische Ministerpräsident Benesch gibt sich Blühe zu betonen, daß die Tschechv-Slowakei gegenüber Ungarn den Frieden wolle. Sie werde vollkommen im Einverständnis mit vcn Alliier ken handeln und gemeinsam mit ihnen Vorgehen »nd akcs tun, um einen Konflikt zu ver­meid en. Es ist natürlich, daß man dieMeine Entente" so hinstellt, als hätte sie kriegerische Ab- ichteN. Aber sie ist es nicht, die Unruhen her­vorgerufen hat und die Katt, zunächst im Früh­ahr und jetzt wieder, nach Ungarn zurücklehren ließ. In diesem Augenblick sehe ich den Konflikt als geregelt an, da ich glaube, daß feie ungarische Regicrun» feie Entscheidung der Botschasterkvn- erenz mtsführen wird.

*

Ultimatum der besitzen Ententen.

Wien, 2 November. (Eigene Drahtmeftnmg.) DasReue Wiener Tageblatt" bestätigt in einem Budapester Telegramm, daß feie R o t e derklei­nen Entente" an Ungarn ein Ultimatum dar- telle, das am Donnerstag trat 12 Uhr abläuft. Zu gleicher Zeit ist auch die von de» Großmäch­ten für die Äntwott gesetzte Frist abgelaufen. Aus Belgrad wird gemeldet: Die Skupschtina billige einstimmig das Vorgehen der serbi- chen Regierung gegenüber Ungarn, sowie den Entschluß der Regierung, erforderlichenfalls äußerste Maßnahmen zu ergreife«.

Das Vroblem Rußland.

Die Frage der Umgestaltung.

lEigener Drahtfrettcht.)

London, 2. November.

Es wird tnitgeteilt, daß die Moskauer Note an die englische Regierung betreffe«!, feie An­erkennung der alten zaristische» Schulden durch die Sowjetregierung als Gegenleistung für eine politische Anerkennung der Sowjetregierung gestern im britischen Auswärtigen Amt einer cingrhttlde» Prüfung unterzöge« worden ist. . Die Frage der russischen Vorkrigesschulden »nd der gewünschte« Anerkennung feer S«Hetregie- rung löst ia feer Warschauer Presse Be­fürchtungen mts. Die Pole« glaube«, daß die Großmächte ihre Polttik in feen osteuropäischen Fragen umstellen werden. Aus Angora wird berichtet: Der kaumlistifche Minister fees AuS- Wättige» hat bet russische« Sowjetrrgicrwtg mit- geteitt, der französch-türkischc Vertrag berühre in keiner Weife feie türkisch-russischen Beziehungen.

BethmannundBaMn

DethmannBetrachtungen zum Weltkriege".

AaS »em Nachlatz de» verstorbene» fettfeeee« DleichskanzlrrS v. Bethrvann-Hollwegvertzf» fenrllcht im Verlag von Reimar Sobding, Vertin, Bethntanns Eotzn »en zweiten Van» derDetrachttiagen", denen wir an» dem erftcu 9t6t<t>iiUt Folgendes entnehmen < Vier Jahre lang hat sich Deutschland an der Seite feiner Verbündeten gegen eine sein Le­bensmark aushöhtende Blockave> gegen eine vierfache Wcltiwermacht mit wuchtigen Zchlägeu behauptet. Versagt hat seine Widerstandskraft: erst, als, von dem Zusammenbruch seiner Bundesgenossen begleitet, amerika­nische Kriegshilfe das feindliche Hebet» gewicht an Menschen und Material zum Heber« quellen brachte. Einer Koalition, der eine Be- völkerung von 878 MiMonen die Streiter stellte, die frei über die Kriegsmittel fast der ganze« Welt verfügte, sind die nahezu hermetisch abge­schlossenen ZentrMuachte mit ihren 143 Millio­nen Menschen nach heißestem Ringen zum Opfer gefallen!. Das ist der weltgeschichtliche Vorgang. Meine Schmach der Endkatastrophe, kein Heber« taut, in feen die Feinde den Stolz auf ihre Tä­te« Leiden, kann diese nackte Tatsache aus der Welt schaffen. Daß wir den Krieg nicht haben zu Ende bringen können, bevor Amerika in tbu cintrat, und dann wieder nicht, bevor Amerikas Kriegsmacht tatfächkich aus den Schlachtfeldern erschien, ist unser Verhängnis geworden.

Die nagende Frage aber, ob wir aus eigener Schuld, aus Schuld von Einzelpersonen oder der Gesamtheit, den feindlichen Vernichtungs. willen nicht vorher halten brechen können, darf nicht zn dem Abgrund werden, der die Leistim- gen des deuksthen ZZolkes in selbstmörderischer Verunglimpfung verschlingt. Seine Groß­taten sind und bleiben ein Erbschatz der Nation auch für neues Wirken. Ob dem euro­päischen Völlcrleben den in Versailles eröffneten Aussichten zuwider und über das bolschewistische Dunkel hinaus eine Epoche friedlicher Gemein­samkeit beschieden fein wird, verbirgt feie Au* fünft. Aber auch Friedensarbeit wird nicht ohne den Geist von Mannhaftigkeit und Selbstauft apferung bestehen, bett im Kriege bis an feie letz­ten Grenzen feer Kraft bewährt zu haben ei» ewiger Stuhmestitel des dentschen Volkes blei- den wird.

Kein Versuch den Verlauf des Krieges mtd» nur in ganz groben Umriff en zu zeichnen, wird der gewaltigen Größe der Geschehnisse gerecht. Stets griffen politische und militärische Mo­mente untrennbar ineinander. Alle Teile und Seiten der Gchamtanfgabe des Krieges, feie wirtschaftlichen, feie militärischen, die innen- und austenpolitisäien Fragen hingen aufs engste zn» lammen. Gleich dringend, unaufschiebbar und unerläßlich stellten sie chre Fordenmgen, Forde­rungen, die sich im einzelnen vielfach wifeer- fprachen und gegenseitiq ftörtcn. Die -große Di- rettive, die zu befolgende einheitliche Linie war nur aus unseren militärischen Aussichten zu ent* nchmen.

Die Leistung der Armee war eine unge- heure uftd wird in alle Zukunft eine ungeheure bleiben, auch wenn einmal die Kritik Fehler der Führung ausdecken sollte. Die Organisation eines ganzen Vollvs in Waffen, die Vorsorge firr eine Streitbarkeit, feie Bewältigung der mit einem Koctiitionskriege notwendig verbundetten Komplikationen, die Leitung eines MiMonen- Heeres aus feen Kriegsschauplätzen einer Welt, kurz die stete Inganghaltung und Belebung eines geradez» ungeheuren Räderwerks, das uns in feen Abgrund riß, wenn es an einer Stell'» versagte, sind Großtaten des Generalstabes von so souveräner Nreffterfckmft, wie sie in der Ge- chichte aller Zeiten einzig dasteht. Nichts gleicht thr als feie Leistungen eines HecreS, an dessen Größe in Geschlossenheit, AnSdämer und Todes­verachtung Worte überhaupt nicht heranrcichen.

Unfe doch wurde der Gesamtverlaus des Krie­ges bis in feen Herbst 1917 dadurch charak­terisiert, daß sich auch unsere größten Siege niemals zu vollem Erfolge auswirktc::. Weder irrtfete erste Offensive im Westen, weder Tannen- berg und die Masurenschlacht, noch Gorkice, we­der feer ferbische, noch der rnmünifche, noch der italienische Feldzug. Politisch gesehen, waren alle unsere Siege nur Mckliche Verteidi­gung. Niemals aber war die Situation auf der eine» Seite f» gut oder so Mecht, daß sie zimr Frieden zwang. Durch die Marne- chlacht hatten wir die Aussicht, den Krieg durch militärische Schläge bald zu beenden, ein» gebüßt. Mt dem Augenblick, wo feie Wirklich­keit einen schnell entscheidenden Sieg an feer Westfront nicht mehr erwarten ließ, mußten wir tms auf eine fast unbegrenzte Kriegsdauer ge­faßt machen. Denn auch die militärische Lage im Osten machte die Möglichkeit einer Absprengung Rußlands mehr rtiS unwahrscheinlich. Dann aber glichen wir der an Zahl schwächeren Be­satzung einer von einer Üeltermacht zern-ierte» Feßnng. Wie wir trotz glänzendster EinzeMege M einem glücklichen Ende kommen iollteu. war