Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 249

Sormaberrd, 29. Oktober 1921

Fernsprecher »1 mtb 952

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang.

Jnserttoosprets«- N Einheimisch« Stuftrige: Die «tnspalttge Anjetgen-Zeile R. L60. trte eiuspaMge ReklamqeU« M. 3M b) AuSwärNg« Aufträge: Die einspaltig, dlnzetgenzeUe M. L60, bte ttnfpatttge Reklame,eile M. 4.—, aller etnschlteKlich DcuerungS,uschlag und An^igeaftmi«. Mir Anzeigen mit besonders schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag Für bte Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für «usnahme- baten und Platze kann ein« Bewähr nicht übernommen werde». — Druckerei: Schlacht- hofsirafte 2®/SO. stzeschüftSsielle: Kölnische Strafe* 6. Telephon Nummer 951 und 953

Li« Kasseler NeuestenNachrtchtm erscheinen wöchentlich sechsmal und gtoar abends. Der »bonnemenlSprets beträgt monatlich 6.50 Mark bet freier Zuftellusg inS Haus. Au«, würrs durch die Po» bezogen 5.50 Mart monaMch etnschkiefeltch Zustellung. Bestellungen werd« leverzrtl von der «eschäftSstelle oder den Boten enlgegengenommen. Druckerei. B er lag und Redaktion-. Schlochthositratz« 28/30. Für unverlangt etngesandte Beiträge kann die Redaktion «tu» Verantwortung »der Bewahr in keinem Falte übernehme». Rückzahlung de« Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nichi ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlosfen.

Folgen der oberfchleflschen Verluste.

:K erASren

schehen ist. Die Erörterung über die Abrüstung Wirtschastspoiitik, in der er aussi

werde nur daun stattiinden. wenn die drei

Deutsche VoAspattei beriet toi

riicht. Die Demokraten und die

restlos angenommen ift, überschreiten tschechisch?

Die beiden Herren werden fick mit einem Stabe und süd-slawische Truppen die Grenze, von wirtschaftlichen Sachverständigen *

Höhepunkt erreicht hatte, di« Kmmrmnksten an die MchrheitsVoztaLdeuuEraten herantraten mit der Aufforderung, ein rein sozialMsches Kabi­nett zu bilden. Das lehnten die Mehrheitssdzial-- demokraten aber ab. Wir haben nun die mcrk-

Das Tschecho-Stowakische Preßbureau veröf­fentlicht folgenden Moskauer Funkspruch r _ Auf dem Kongreß der Organisationen Mr politische Erziehung hielt Lenin eine große Rede über die neue Wirtschaftspolitik, tu der er ausfüHtte:

Än Verlegenheit

Wie das Kabinett entstand.

toeidm Ntuß, wenn die großen innen- und außen- polttischen Probleme der Nächsten Zeit Mr 23 sung gebracht werden sollen. J. B.

Rach öem Butsch in Ungarn

Die anspruchsvollen Balkanländer.

(Eigener Drahtbettcht.)

Unruhen in Rußland.

Aus Helsi ugfor S wird gemeldet: All« Zeitungen veröffentlichen Mtteilungen über «vettere Unruhen in den Gouvcrnementk Drei, Charkow »nd Kuban. Die Sowj«t-

. Wien. 28. Oktober.

Das Ultimatum der ,Keinen Entente" wird heute in Budapest überreicht. Ueber seinen Inhalt erfährt man folgendes: 1. Die ungari­sche Regierung muß in einer Proklamation er- llären, daß Karl und überhaupt aste Habsburger ihre Ansprüche auf den ungarischen Thron endgültig verlieren. 2. Die Abrüstung Ungarns im Sinne des Friedensvertrages hat unter der direftcn Kontrolle der kleinen Entente zu erfolgen. 3. Der Vertrag von Trianon mutz strikt durchgeführt werden, ohne Rückficht auf die von der Entente Ungarn in Venedig gemachten Zugeständniffe. 4. Alle K o - sten, die durch die Mobilmachung verur- sacht werden, sowie die aus dieser erwachsenden wirtschaftlichen Schäden mutz Ungarn der klei­nen Entente ersetzens!). 5. Jegliche weitere karlistische Propaganda, die Angehörige der Staaten der kleinen Entente in Budapest treiben, muß unmöglich gemacht werden und die Aufwiegler, müssen den betreffenden Staaten ausgeliefert werden. 6. Gegen diejeni­gen, die den Versuch zur Wiedereinsetzung der Habsburger unternommen haben, mutz ein Strafverfahren mft dem Ziele wirklicher Sühne eingeleitet werden. 7. Wenn das Ulti­matum innerhalb achtundvierzig Stunden nicht

VerSondiunsen mit Vokrn.

Berlin, 28. Oktober. (Privat - Telegramm.) Die deutschen Kommissare, die auf Grund der Entente-Note vom 26. Oktober die Verhandlun­gen über das Wirtschaftsab kommen mit Polen zu führen haben, find soeben vom Reichskanzler ernannt worden. Es sind dies: der frühere Rrichs-Justizminister Dr. Schif­fer und der aus dem Ministerium des Innern ausschridende Staatssekretär von Lewald.

Bankerott ober Revision.

Am Deutschlands Zahlungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 28. Oktober.

In der gestrigen Senatssitzung betonte Bri- and unter anderem, daß bei einem deutschen Staatsbankerott Frankreich ein Recht au Deutschlands gesamte Reichtümer ha­be. Der Senat sprach Briand, wie auch an an­derer Stelle gemeldet, sein Vertrauen aus. — Der Newhorker Korrespondent der „TimeS" be­richtet: Verschiedene internationale Bankiers, die mll der Kreditierung der ersten deutschen Reparationsrate beauftragt waren, sind benach­richtigt worden, daß die nächste Repara­tiv nsrate, die am 15. November fällig ist, erst im Februar oder März des nächsten Jahres angefordert werden dürste. Die betref­fenden Bankiers glauben, daß das ganze Repa- rattonssystem Anfang nächsten Jahres, späte­stens im März, revidiert werden wird.

Bolschewifien-Snbe.

Zusammenbruch des Sowjetshstems.

Der andauernd« Mißerfolg, da« immer grStzer werdende Slend und die allgemeine Derkom. 'nenhe", in Rntzland scheint di« «owjktftihrer allmählich nüchtern »u machen, tote ans den nachstehenden Mitteilungen hervorgeht r

Der Anfrager führte unter anderem auS, daß Briand den Fehler von Wilson vermeiden müsse, der seinerzeit znr Pariser Konferenz fuhr, ohrie das amerikanische Parlament Wer seine Absich­ten aufgeklärt zu haben. Briand möchte dem Senat sein Washingtoner Programm vor legen. Jedenfalls könne keine Rede da­von sein, daß Frankreich in Washington seine wohlbcgründeten Garantten gegenüber Teutsch- lmid zugunsten einer allgenieinen Abrüstung aufgeben dürfe. Briand hat auf die Jnterpeti lation ausführlich geantwortet. Er gab bedeu­tend mehr bekannt, als dies in der Kammer ge-

umgcben, zu dem unter anderem auch Pfarrer Slitzka, der bekannte oberfchlesifchc Zen- trumsabgeordnete. gehören wird.

Würdige Situation im Reichstage: ein Kabi­nett ohne Koalition! Es handelt sich also um ein .Geschäftsminifterium*, jedoch mit politischem Einschlag. Die Minister dieses Ka­binetts find angeblich als Privatpersonen, als Beamte, oder, wenn nm ihre bisherige Tätig­keit zum Maßstab nehmen will, aus eine Art

-------------, , _>arfe Wendung die Sowjetregierung und die kom­munistische Partei gemacht hat. Unser, frühere Politik setzte voraus, daß es zu einem plötzlichen U Übergang zur ursprünglichen russischen Witt- schast kommen werde, zur staatlichen Erzeugung und zur Verteilung auf den kommunistischen Grundlagen. Au Beginn des Jahres 1918 rech, neten wir damit daß ein friedlicher Ausbau möglich sein werde.

Was Wir verlieren.

Aus dem losgetrennten Oberschleficn. tPrivat-Telegramm.)

Berlin, 28. Oktober.

In der Unterredirng mit einem Vertreter des „Lokalanzeigers" wies der preußische Minister­präsident Stegerwald unter anderem darauf hin, daß wertvolle preußische Domänen, Staatsforsten, Kohlengruben «nd Erzlager aus dem Besitze des preußischen Fisktzs an Polen übergehen würden «nd zahlreiche preußische Beamte sich vor die Ent­scheidung gestellt sehen, ihre Existenz aufzugeben. Neber die Preußen verloren gehende Steuerkrast erklärte Stegermann: Die ver­loren gehenden Städte und Landkreise waren fiir das Stcucrjahr 1919 für die Einkommensteuer mit einem Hebungssoll von über fünfundzwan­zig Millionen Mark eingesetzt. Die Ergänzungs­steuer sollte über vierhunderttausend Mark brin­gen. Dieser Satz entspricht der Veranlagung- Periode 1918/19, in der die GeWentwcrtung noch nicht so weit vorgeschritten war wie heute. Wenn auch diese Summe nur fünfzehn Prozent des gesamten preußischen Steuereinkommens ausmacht, so läßt sich doch ein solcher Steueraus- sall in einer Zeit ständig wachsender Fehlbeträge nur äußerst schwer wieder eirchringen. Au einem Vertreter des „Berliner Tageblatts" äußerte sich Stegerwald unter anderem: Es ist absolut sicher, daß die Loslösung oberschlefischer Landesteile von Deutschland gleichbedeutend ist mit dem Rückgang der oberschlesischen Produktion und der weiterarbeitenden Industrie.

Vroteste der (yeU>trifti;afiei:.

Berlin, 28 Oktober. (Privattelegramm f Der Allgemeine deutsche Gewerkschastsbund, der Allgemeine freie Angestelltenbund, der Deutsche Gewerkschaftsring, der Deutsche Gewerkschasts bund und der Deutsche Beamtcnbund veröffent­lichen einen Protest gegen die Vergewaltigung Oberschlefleus. Es heißt darin: Es gewinnt den Anschein, als solle dir Wiedergutmachung verhindert werden, um dann gegen Deutsch­land mit neuen Awangsmaßnahrmen Vorgehen zu können. — Die polnische Hab­gier ist noch nicht erloschen. Aus Hindenburg wird gemeidet- Polnischersetts sind in Hindenburg Unterschriften gesammelt worben zu einer Petition der Hindenburger Einwohner- chast an den Obersten Rat, worin gebeten wird, auch die Stadt Hindenburg zu Polen zu schlißen.

Möglich Wäre dann gewesen, daß eine Reichs- tagsauslösnng erfolgt wäre, die übrigens von der Deutschnrtio.talen Partei auch jetzt noch ge­fordert wird Es ift auch von besonderem In­teresse, jrstznstellen, dcrß inmitten des Pattei- wirrwarrs, als das Chaos im Reichstage seinen

doch um vieles größere Schwierigkei­ten , als er wohl selbst erwartet hatte. Es han­delte sich nicht allein darum, ob die der bisheri­gen Koalition awgchürenden Mitglieder des Zentrums und der sozialdemokratischen Partei wieder in die neue Regierung übernommen wer­den sollten, sondern auch darum, ob die der De- mokratischen Partei zugchöreniden Minister Geß- ler und Dr. Rathenau an diesem Kabinett, und zwar auch nur als Persönlichkeiten und nicht als Parteimitglieder, sich beteiligten. Darum konnte sich die sozialdemokratische Frakttvn lange nicht schlüssig werden. Eine weitere sehr erhebliche, ja entscheidende Schwierigkeit tauchte in diesem Augenblick noch auf: Ueber die Mehrheitsver- hältniffe für die zu erwartende Kanzlererklärung war noch bis zur Reichstagssitzung selbst keine Klarheit M erlangen. Die Deutschnationalen stellten offiziell einen Mißtrauensantrag, und die Deuffche VoWspattei beriet lange darüber, ob sie sich einem solchen Antrag anschlicßen foöe oder

Wir haben uns getäuscht.

Damals stand die Kriegsgefahr vor uns und . gleichzeitig mit dem tschecho-slowaftschen Aufftand begann der Bürgerkrieg, der bis zum Fahr« 1920 dauerte Unter dem Einfluß dieser und anderer Umstände haben wir den Fehler begangen, uns für den augenblicklichen UÄergang zu, kommu­nistischen Erzeugung und Verteilung zu entschließ ßen. Dieser Versuch Überzeugt uns von der Zweifelhaftigkeit dieses Vorgehens, das im Wi­derspruch stand mit dem, was wir früher vom Uebergan« des Kapitalismus zum Sozialismus geschrieben haben. Deshalb traten wir den ftra, tegischen Rückzug an, um nicht geschlagen zu werden. Das war unausweichlich. Auf der wirtschaftlichen Front erlitten wir bei dem Ver­such des Ueberganges zum Kommunismus im Frühjahr 1921

eine ernste Niederlage

Die gleichcnäßige Vetteilung der Lebensbedürf­nisse erwies sich als die Ursache einer finanzwtrt- schastlichen und volittschen Krise. Die Konzession nen und Vergebungen an Ausländer sind eine direkte Erneuerung des Kapitalismus, die mit den Grundlagen einer neuen Politik verbunden ist. Die entscheidende Frage ist. wer die neue Situation ausnutzt, mit wem der Bauern­stand gehen wird, ob mit dem Proletariat oder mit dem Kapitalismus, wer dem an­deren zutvorkommt, ob es dem Kapitalismus gelingen wird, sich früher zu organisieren und die Kommunisten zu stürzen, oder ob sich bi: proletarische Macht fähig erweisen wird, die Ka­pitalisten im Zaume zu halten, indem sie sich auf den Bauernstand stützt. Von dem Ausgang di » ses Kampfes hängt unsere Stellung ob. Die größten Schwierigkeiten dieser Aufgaben find olgende: Wir müssen das persönlich- wirtschaft­liche Interesse der Bauern wecken, was sehr schwer ist. Wir müssen das Interesse iedes Spe- zialisien für die Entwicklung der Produktion wecken. Bis heute haben wir das nicht getrosfe,»- Erst heute sprechen wir davon, daß alle Zweige der nationalen Wirtschaft auf bem Persönlichen Interesse aufgebaut werden müssen. In der al­lernächsten Zeit muß die Frage gelöst werd:«, ob wir für uns zu arbeiten verstehen, sonst

geht die Republik zugrunde.

Exkönig Karl lehnt ad?

Wien, 28. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Aus Budapest wird gemeldet: Die Regie- rung sandte mit Rücksicht auf die Note der „kleinen Entente" eine Bbordmmg zu Exkönig Karl u«d sordette ihn auf, freiwillig auf den Thron zu verzichten, da sie sonst gezwun­gen wäre, durch die Nationalversammlung seine Absetzuitg aussprcchcn zu müssen. Noch vor Eintreffen der Ententcnote hatte die unga­rische Regierung versucht, den König „im In­teresse des Friedens" zum Verzicht zu veran­lassen. Er hat aber entschiede« ab gelehnt.

. . _____ „ - -------herrsche Volks-

Partei mmhten chre Haltung von dem Inhalte der KanAererkkärung abhängig. Die Kommu- nisten standen auf der Lauer, um alle Schitoierig- leiten für ihre Zwecke auszuutzen. Kurz, es ließ sich noch nicht überseheu, welche Parlamentarische Basis für das neue Kabinett vor allem für seine Oberschlesien-Politik gewonnen werden konnte Die Einscheidung sollte der Kurier nachts zwöff Uhr vom Mittwoch zum Donnerstag nach Paris überbringen. Am späten Nachmittage aber wußte man im Berliner Reichstage noch nicht, was geschehen sollte, so sah dieses neue po- lttisch-pairlamentarilche Drama vor seinem Ab­schluß aus.

Die MmsttrngskomSbie.

Frankreich denkt nicht an Abrüstung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Puris, 28. Oktober.

Im Senat Mn gestern Wenfalls eine Anfrage über die auswärtige Politik der Regierung zür Verhau vluM. Die Anfrage wurde begründet von dem Chefredakteur des „Matin", Jouvcnil.

Hauptmächte, England, Amerika und Japan, sich über eine ffied,liche Lösung der mnerikanifch-ja- panischen Frage geeinigt haben. Sollte die Dis­kussion beschlossen werde,:, so will Briand in Washington seinen Ententefreunden erklären, daß kein siegreiches Land mehr Mäßigung bewie­sen habe, als Frankreich. (?) Heute aber habe Frankreich keine Garantien für seine Grenze, da es die natürliche Grenze nicht genommen habe: also müßten die Verbündeten zugeben, daß Frankreich das Instrument seiner Sicherheiten, die militärische Rüstung, nicht abschaffen dürst.

Das neue Kabinett Witth ist nicht das alte! So sehr auch der äußere Anschein für diese An­nahme spricht! Schon die Art und Weise, tote «s zustande gekommen ist. zeigt uns, daß wir es de, dieser Kabinettsbildung mit eüvas völlig Neuem und Neuartigem zu tim haben. Aus dem Rahmen des parlamentarischen Systems fällt dieses Kabinett vollständig heraus Dieses parlamentarische System bedingt, daß die Par­teien aW dte Träger der Regierung sich zu allererst darüber schlüssig werden, ob und welche Bündnisse mit anderen Parteien eingegangen werden sollen, und welche Persönlichkeiten gegebe­nenfalls als Mitglieder des neuen Kabinetts zu bestellen seien. An diesen Verhandlungen nimmt das Staatsoberhaupt, bei uns der Reichspräsi­dent, einen tätigen Anteil, da ihm nach der Ver­fassung die oberste Leitung der Politik zusteht. Der Reichspräsident beruft dann einen Partei­mann zu sich, den er mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Bei einem solchen Ver­fahren ist meistens eine Mehrheit im Parlament schon vorhanden, wenn ein Parteifiehrer mit der Kabinettsbildung betraut wird.

Bei der jetzigen Kabinettsbildung aber «rußte man das Verfahren völlig umkeh­ren. Diesmal ist zuerst ein Reichskanzler be­stellt worden, dem eS überlassen bleibt, sich seine Mehrheit zusammenzusuchen. Es blieb kein an­derer Ausweg übrig, nachdem alle Versuche Mir Bildung einer Koalition gescheitert waren. Da griff der Reichspräsident selbst ein, indem er den bisherigen Reichskanzler Dr. Wirth zu sich berief, und ihm die Bildung und Führung der euen Regierung überantwortete. Witt- wagte den Schritt, indem er es darauf ankommen ließ, ohne Rückendeckung durch irgend eine Koalition Männer zu gewinnen, die mit ihm bereit wa­ren, die Oberschlesiew-Frage in Ordnung zu bringen. Wie verzweifelt die Situation in die­sem Augenblicke des Eingreifens des Reichs­präsidenten stand, mag folgendes bartun: An­gesichts der Unmöglichkeit des Zustandebrin- gens einer Mehrheit nach Absage der Deut­schen Volkspartei und der Demokra­ten erklärte der Reichspräsident, daß er sein Amt noch am gleichen Tage niederlegen werde, wenn ihn das Parlament, dos ihn gewühlt hat, nun im Stiche ließe. Dann wäre nur noch der Ausweg geblieben, aus den ablehnenden Par­teien ein Kabinett zu bilden.

Das ist die Lehre, die mit der neuen Wirtschaft» polittk eng verbunden ift. Wirtschaftet alle. Die Kapitalisten werden gleichzeitig mit uns wirt­schaften. es werden auch die Ausländer, die ldonzessionäre wirtschaften, die aus euch hun­dertprozentigen Gewinn erpresse« und die an euch verdienen werden. Ihr werdet bei ihnen wittschaften lernen und wenn ihr das gelernt habt, dann werdet ihr erst die kommunrftffche Wirtschaft einzurich en verstehen. Seien wir des- scn eingedenk, daß der Staat so Geschäfte machen lernen muß. daß die Jtrdustrie de« Bauernstand befriedigt, daß der Bauernstand seine Bedürf­nisse befriedigt, und daß das arbeitendr Volk elbst zur Entwicklung der Republik hilft. Nur dann kann eine starke Industrie eeschaffen wer­den. Wir brauchen eine ungeheure Hebung der Kultur. Insbesondere in Verbindung mit der neuen Wirtschaftspolitik müssen wir ständig die Kttlturfragen betonen. Nach meiner Ansicht bat

dix Bildung, schloß Lenin, drei Feinde: Dre kommunistische Großtuerei, den An­alphabetismus und die Bestechung. Die positischc Erziehung ist nicht an sich die Auf. gäbe, sondem sie ist die Vorbedingung, ohne bte von Politik nicht die Red- sein kann. Der An­alphabet steht außerhalb der Politik, und bei Bestechung kann von Positik überhaupt mcht die Rede sein, weil kein Vertrauen herricht.

Fn den wenigen Stunden vor der Reichs- toMsitzung, in der das neue Kabinett vorgestelli werben tonnte, und in der dann zu dem En- tente-Dittat über Oberschlesien Stellung genom­men wurde, erlebte man in Bersin noch einmal hie ganze Verlegenheit bei der Rsgierungsbil- dung. Mit der unter Muhen und Röten am Vorabend erfolgten Uebertragung des Reichs- .... _________________ .

kanzlerpostens an den bisherigen Kanzler Witth Fachminister an ihm beteiligt. Oft kvar bte Krisis noch keineswegs gelöst. Dr. die Parteien, denen diese Persönlichkeiten ange- Witth, der, ohne eine Koalition hinter sich zu hören, nicht hinter dem Kabinett und seinen Haven, es wagte, ein Kabinett für die Ober- Männsrn zu stehen. Diese parlamentattsche schlesten-Entscheidung zusammenzubringen, sand Kombination ohne Koalition kann natürlich nur ■ui-r.» - ■ eitlen Uebergangszustand darstellen, der

sofort wieder einer festen Patteicnverbindung