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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 248.

Fernsprecher 951 nnb 952

Freitag, 28. Oktober 1921

Fernsprecher 951 nnb 952

11. Jahrgang.

Las Kabinett aus Zentrum unb Sozialdemokratie.

Ausverkaufs-Gefahr.

Die Folgen der Markverfchlcchterung.

Sion

E. Collin.

Das ReichSbankdirrttorium hat vor kurzem en den ReichAommiffar für AuS- unb Einfuhr- bew-iüiauna ein Schreiben gerichtet, in dem das Gespenst eines neuen Ausverkaufs, einer Skt« fchleuderung deutschen Nationalvermögens an die Wand gemalt wird. Der Reichseommissar wiederum hat an die ihm unterstellten Organe ein Rundschreiben ergehen lassen, das Richt- Knien zur Vermeidung des Verschleuderns, des Valutadumping, enthält. Gleichzeitig weist das Rundschreiben darauf hin, wie die Anpassung der Inlandspreise an die Ausfuhrpreise verhin­dert werden soll, und wie Sicherungen wegen einer Ausfuhrstockung zu treffen sind, die bei einer etwaigen Besserung unserer Valuta erfah- rungsgemätz eintreten müßte. Zunächst muß leider festgostellt werden, daß wir uns heute tat­sächlich bereits mitten in einer neuen Aera des Ausverkaufs befinden. Wer jetzt bi» aus einzelnen Industriezweigen und Kreisen kommenden Berichte verfolgt, wird bemerken, daß fast gleichzeitig mit der Verschlechterung der deutschen Valuta eine Belebung d«S Ab­satzes und der Beschäftigung eingesetzt hat; die Arbeitslosigkeit in Deutschlatch ist feit einigen Monaten in stetem Abflauen begriffen, und zahl­reiche Betriebe, so der Grotzetsenindustrie, der Tertilindustrie, sind für viele Monate, oft bis zum April des nächsten Jahres, so reichlich mit Aufträgen versehen, daß sie keine neuen mehr annehmen können. Es herrscht als» wieher für einen großen Teil der deutsche« Industrie Hoch- koniuncktur.

Wenn wir aber genauer Hinsehen, so werden wir finden, daß der Eingang von Auslandsauf­trägen, der in der Hauptsache zu der Besserung des Beschäftigungsgrades beigetragen bat, und der unzweifelhaft zum sehr erheblichen Teil aus das Konto der Valutaverschlechterung zu setzen ist, in den einzelnen Industrien keines­wegs ein gleichmäßiger ist. In den jetzt ver­öffentlichten Berichten der preußischen Handels- kammern über den Geschäftsgang im Monat «September wird unter anderem gesagt, daß für ssarbsto-ffe die Absperrungsmaßregeln verschiedener Länder das Auslands- geschäft sehr behindern. Auch die Klcineisen- und Stahlwarenlnbustrie ist nicht fo flirt mit Aus­landsaufträgen versehen, wie man eS nach dem Tiefstände des Markkurses erwarten müßte. Stö­rend wirken die zollpolitifchen Maßnahmen, be­sonders Italiens. Spaniens, Frankreichs und der Schweiz: und wenn der amerikanische Ein­fuhrhändler jetzt nach Waren auf Lager nimmt, weil in den Vereinigten Staaten die Erhöhung der Zölle bevorsteht, so muß damit gerechnet werden, daß das amerikanische Geschäft in abseh­barer Zeit einen Rückschlag erfahrt.

833fr schon, daß da» Ausland zum Teil gegen bin deutsche» Valutadumping (Unterbiete«) ge­rüstet ist, und « ist gewiß, daß diese Rüstungen sich bei einer wachsenden deutschen Schieuderkon- kurrenz verstärken werden. Sv wichtig eS also ist, daß wir selbst an» Gründen, die nicht näher erörtert zu werden brauchen alle Maß­nahmen gegen eine Verschleuderung unserer Ar­beitskraft treffen müssen, so notwendig auch eine Stabilisierung der Auslandspreise in ausländi­scher Währung sein mag, wie e» der Reichskom» nriffar verlangt, so dürfen wir hier niemals schematisch verfahren. Die Gefahr eines neuen Ausverkaufs ist da. aber sie besteht nicht führ alle Industrien in gleicher Weise, und innerhalb un­serer einzelnen Ausfuhrgebiet« ist die Sachlage ganz verschiede«, je nachdem, ob da» Ernstchrland die bekannten Schutzmaßnah­men gegen da» dänische Valutadumping getrof­fen hat, öftrer ob eS nach wie vor dem Grund­sätze deS freie« Wettbewerbs huldigt. Eine gegen den deutschen Ausverkauf gerichtete Ausfuhr- regelunq wird also auf diese verschiedenen uno verzwickten Zustände Rücksicht nehmen müssen: oh sie es kann, ob sie sich den Valutaschwankun- gen und den zollpokittscken Maßnahmen des Ausland» mit der notwendigen Scknelliakeit an- zupaffen versteht, ist freilich eine andere Frage.

Werm es un» nun wirklich möglich sein sollte, einer Verschleuderung unserer Ausfuhr- waren Einhalt zu bieten, so ist damit dieser Ausverkauf noch nicht unterbunden. Denn der Ausländer, der die billige deutsche Ware braucht, läßt sie sich in vielen Fällen gar nicht schicken, sondern er kommt selbst nach Deutsch­land, um sie hier «trm Fttlandpreff« einzukaufen. Fn den KleinhandelSgesMsten deutscher Groß­städte kann man jetzt beobachte», daß die Käufe ausländischer Kunden wieder einen überaus großen Umfang angenommen haben. Es ist klar, dan diese Kaufbereitschaft des Ausländers, der, au» bochvalutarischen Ländern stammend, nach dem Preise nicht zu fragen braucht, eine Gefahr für die InlandverstnMng bildet und einem An­ziehen der Inl-andsprelse Vorschub leisten mutz.

45E»6 Betrübliche ist dabei wieder, daß von

der Regierunfl auS nicht» gegen den Ausver­kauf geschieht, obwohl er schon seit vielen Wochen in verstärktem Maß« im Gange ist. Die Unterscheidung zwischen Deutschen und Auslän­dern wäre sehr leicht durchgusühre«, wenn be­hördlich anaeordnet würde, daß zu jedem Kauf der Haushaltungs-Ausweis oder ein sonstiger Ausweis nötig ist. Was wir während des Krieges konnten, tonnen wir auch heute wieder, da es gilt, das deutsche Volk vsr der Weiteren Ausplünderung zu schützen | Die Schristleitung.)

tim dreReglenmgöerkianrng

Der Reichstag fttmmt de» Regierung zn.

1 lPvtvat-Lelegramm.)

Berlin. 37 Oktober.

9m Reichstag wurde gestern abend «ach sicbenstiindiger Aussprache der Antrag Marx (Zentrum) und WelS sSszialdemskrat), wo­nach der Reichstag die Erklärung der Regierung blKiflt, mit 230 gegen 132 Stimmen bei neun Enthaltungen angenommen. Dastr stimm­ten Zentrum und Mehrhcitssozialdemokraten, die Unabhängigen und die Demokratie. Es folgte dle namentliche Abstimmung über den Antrag Emminger (Bayr. Volkspartei), der schärfste Verwahrung gegen die Entente-Entscheidung rinlegt. Er wurde mit 213 gegen 152 Stimmen bei vier Enthaltungen abgelehnt. Das Er­gebnis wurde mit Pfut-Rufe» rechts ausgenommen Das Ausscheiden Raihenaus aus dem Reichskabinett hat, wie aus Paris gemeldet wird, dort tiefen Eindruck hervorgerufen. Man hegt die Befürchtung, daß das Abkomme« von Wiesbaden dadurch Schade« leiden wear.<

Die Oberfchlrflrn-Srage.

Wirtschaftsverhandlungen mit Pole«.

cDrtvat-Telefltanun.1

Berlin, 27. Oktober.

Dir Zustimmung der Reichsreglerung zur Entsendung einer Kommission für die Wirtschastsverhandlungen mit Polen ist noch gestern abend a« de« deutschen Botschafter in Paris übermittelt worden, per ste heute früh elf Uhr persönlich dem ststinisterpräsidcnteu über­geben wird. Die Rote der deutschen Regierung betont ausdrücklich, daß die RechtSverwahrung Deutschlands gegen btt Genfer Entscheidung keinerlei Vorbehalte gegen die Durch- sührung der alliierten Entscheidung übe? Ober­schlesien darstelle« soll. Die Entscheidung über Oberschlesten soll loyal durwgeftchrt werde«, sk) Wie aus Schlesien berichtet wird, hat die oberMefische Industrie alS Vertreter für die wirtschaftlichen Verhandlungen mit Po­len de« Grafen Wilzek, Kammerpräsident Dr. v- Klefeld und Dr. v. Raune» vorgefchlagen.

<Srenz-2steguUeruno.

Oppeln, 27. Oktober. lEigent Drahtmekdmtg.) Die von hier aus teilweise verbreitete Meldung, daß bereits am Montan die zur Führung der oberschlesischen Wirtschastsverhandlungen zwi­schen Deutschland und Pole« bestimmten polni­schen Delegierten i« Oppeln eingetroffcn sind, entspricht nicht den Tatsachen. Es handelt sich bei der Oppelner polnischen Delegation um Mit­glieder der deutsch-polnischen Grenzregu- lieruugs - Kommission. General Du­pont, der Vorsitzende der deutsch-französischen GrenzregulierungS-Kommistion, befindet sich in LattMvitz. Der panische Delegierte in der Grenz- regulierungs-Kommiflion ist General Scembek aus der sriHereu deutsche« Stadt Pose«.

Bolen ist zufrieden.

Pari», 27. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Der polnische Gesandte hat sich bei Brianv amtlich im Auftrage der polnischen Regierung sür die französische Unterstützung der polnischen Interessen bei der Entschei­dung der oberschlesischen Frage bedankt und die Annahme der Genfer Entscheidung durch die Warschauer Regierung bestätigt. die deutsche Stadt Rybnik soll eine starke polnische Garuifo« ersten. Bon den vier Dirisionen, die der Pole« abgetretene obersch'esifche Teil er- hält, bekommt Rybnik zwei Bataillone.

falls mit erdrückender Mehrheit angenommen. Damit ist die Entscheidung prattisch für Sri- and gefallen. Das erwähnte Stimmenverhält­nis bedeute für Briand einen großen persönlichen Erfolg und ein» Zustimmung zu seiner Politik.

Koalition in Preußen?

Weitere Besprechung den Partei««.

(PrivatzLelearamm.)

Berlin, 27. Oktober.

, 3m Landtag fanden auch gestern abend wieder «csprechungen des intcrfrnltionelle« Ausschusses statt. Bon der BolkSpartej wohn­ten die Abgeordnete» von Krause, v-u Cau-pc u. Leidig, von den Demokraten Fannft« u. Schrei-- ber, vom Zentrum Herold und zwei weitere Ab­geordnete und ferner drei Vertreter der Mchr- heitssazialisten her Sitzung bei. Trotz der Nicht- teiknahmo der Deutschen Volkspartei und der Demokraten an der Rrichsregierung werde» die Beratungen mit dem Zielx einer breiten Koa­lition für Preußen fortgesetzt. Es gatt zunächst, das ganze A-ragenqebiet zn erörtern, dessen Behandlung zur Schaffung einer Grund läge für eine Koalition von Volks-Parte, bis So­zialdemokratie erforderlich ist. Befchlüfle wurden auch gestern wieder «och nicht gefaßt.

Dao ungarische Abenteuer.

Dio festgesetzten Putschist««.

Mgene Drcchlmeldung.)

Wir», 27. Oktober.

DaS »Reue Wiener Tagblatt" meldet aus Budapest: Exkönig Karl und Exkönigin Zita find gestern aus Tort nach Tihay in das dortige «loste» gebracht worden. Graf Orten­burg wurde in der vergangene« Rächt unter scharfer militärischer Bewachung nach Budapost überführt. Neunzehn Offiziere, die Ml den Vorbereitungen zu dem Putsch teilgenom- men haben, sind verhaftet, ft8e wurden in das Militärgefüngniö gebracht. Graf Andraffy, Rakowski und Dr. Graz wurden ebenfalls nach Budapest befördert, um in das Stmfgefängnis eingeliefert zu werde». Die Staatsanwaltschaft wird auf Grund der gesetzliche« Bestimmungen wegen Aufruhr Anzeige erheben. Aus West- Ungarn wird gemeldet, daß Oberst Lehar von seinen eigenen Soldaten aus der Flucht erschos­sen worden sein soll. Eine BeftStigung bei Ge­rüchts liegt aber bisher noch nicht vor.

e

Aufforderung zur Abdankung.

Budapest, 27. Oktober. (Eiogne Drahtmel­dung.) Um die Ordnung in Ungarn wieder her- zustcllen und die Lage Ungarns wieder zu be­festigen, hat die Regierung de» König Karl auf­gefordert. definitiv abzudanken. Sie hat ihm twrgeschlagen, sich der englischen Bot- schäft auszuliefer». Die Regierung hat außerdem erklärt, daß sie die Personen, die am Staats­streich trilgeuommen haben, zur Verantwortung ziehe» wird. Der König nnrb heute aut- warten. Die Offiziere des zweiten und dritten Budapester Regiments mußten ent­waffnet werden, weil sie einen Befrei­ungsversuch zugunsten des Königs nnter- nehmen wollten. An der Budapester Garnison lnrrfcht außerordentlich starke Gärung und man kann in Ungarn vielleicht noch mit liebet- raschunge« für die nächste« Tage rechnen.

Nachklänge aus tingarn.

Stellungnahme der Alliierte».

(Eigen.- Drastwieldung.)

Prag, 27. Ottober.

Die Vertreter Englands und Frankreichs sor» betten gestern die jugoslawische Regie, rung auf, die Vorbereitungen zur militärische» Einmischung gegenüber Ungarn einzustel- l e «. Diese Forderung hat in Belgrad ei« star­kes Mißtrauen hervorgerufen. Aus Paris wird berichtet; Der Votschafterrat, der sich gestern mit der Frage der Abdankung Karls beschäftigen wollte, hat seine Sitzung auf heute verschoben und zwar deshalb, weil der Pnäsiderw der Republik, Willerand, das diplomatische Korps zur Jagd eingelade« hatte.

Das verschulbeie Königöpaar.

Frankreichs Neglemng. et« Vertrauensvotum für Driaud. tEigene Drahimeldung.)

Basel, 27. Ottober. (Eigene Drahttnekdung.) Rach einem Bericht derBaseler Rücksichten" hat es sich herausgestellt, daß die Finanzen derHofhaltung" beS Exkönigs Kars i« Her- tenstei» (Schweiz) in so schlechtem Zu. stand sind, daß die Familie nur von einem Tag in den anderen hineinlebte. Es ist wahr (cheinlich, daß zur Besorgung der vielen rück kündige« Un^legenheiten und zur geschäftlichen eines der Mitglieder des

Paris, 27. Dttröei.

I« ber Nachtsitz«»a der Kammer erzielte der Antrag Manalt, der der Regierun» das Ver­trauen für die Innen- und Außenpolitik aus- spricht, für de» erste» Teil der Tagesordnung ______ _______ WWW.

die große Mehrheit von 391 gegen 15t) Stimmen. Ordnung der Dinge eines der Müglieder Ter zweite Teil der Tages«chmutg wurde ehe», Zivjlkabjnctid iu Lertcnpein bleiben muL

DieReichötagSMung Vie neue« ernste« Aufgabe«.

lEigener Bericht.)

Berlin, 27. Ottober.

Der Reichstag trat gestern nachmittag uvr 4 Uhr zusammen, um zu der Entscheidung über Oberschlesien Stellung zu nehmen. Das Haus, die Tribünen und die Loge der Diplomaten wa­ren der Bedeutuirg des TageS entsprechend stark besetzt. Am Regierungstisch zeigte sich das neue Kabinett mit folgenden Ministern:

Reichskanzler u. Auswärtiges: Dr. Wirth, Vizekanzler und Schatzminister: Bauer, Inneres: Dr. Adolf Köster, Wehvminister: Geßler, Mrtschastsminister: Robert Schmidt, Eruährurrgsminifler und gleichzeitig Vorläup- ger FinmiMinisier: Dr. Hermes.

Pastminisier: GieSberts, Arbsitsminister- Brauns, Veukehlksminister: Grönetz, Justtzmimster: Dr. Radbruch

Das Wredermljhauministerium bleibt Vorksinsig unbesetzt. Das neue Kabinett besteht ans bis- hevigen Mitgliedern des Zentrums und der Mehrheitssozialdemokrat« u. Neu stud die Sozialdeuiokraten Dr. Köster und Dr. Radbruch Die Demokrzten sind als Par­tei nicht im Kabinett vertreten. Der Demo­krat Geßler, der darin geblieben ist, gilt als Fachminister. Der Reichstagprästdent Loeb« eröffnete Vie Sitzung mit einer kurzen An:pra« che. in der er den von Deutschland scheidende» Oberfchlesiern in tiefem Schmerze einen Adschiedsgruß widmete und ihnen ein Treuge- löbnis der deutschen Volksvertretung zur»ef. Dann ergriff der Reichsstrnzler Dr. Wirty das Wort. Er stellte zunächst dem Reichstag« das von ihm gebildete neue Kabinetst vor. Dann ging er auf di« Verhältnisse in den abzu- tretenben Gebieten ein. Mühende deuisthr! Städte, so führt« er au8, gehen verloren, t B. die Stadt Kattowitz, die mit fünfundachtzig rozent aller Stimmen ihre Zugehörigkeit zum eutschtum bekundet hat. In Kattowitz stehe« 49000 deutschen Stimmen nur 3560 polnisch« gegenüber. Verloren geht auch Königs Hütte, wo sich achtundfünfzig Prozent für Deutschland ausgesprochen haben. Nur 24,5 Prozent der Kohlengruben sollen bet Deutschland bleibe«^ An Bleierzen werden in Zukunft nur 5000 Ton­nen statt bisher 22000 Tonnen von Deutschland geförvert werden. Auch die Mehrzahl der Sitz- bcrbütten fitot an Polen. Dem Werte nach gehe» allein an Silber mehr als fünfzehn Mlliarde«! Goldmark verloren. Von den 37 obersMesische» Hochöfen falten L <m Polen, Dr. Wirth faßt bte

Stellungnahme der neuen Regierung

hierauf wie folgt zusammen; Unsere deutsche Re-» gierung erblickt in dem Spruch der Botschafter­konferenz nicht allein eine Ungerechtigkeit gegen daS deutsche Volk, sondern auch eine Verletzung des Versailler Vertrages, dessen klarem Wort­laut die Entscheidung widerspricht. Die deut­sche Regierung legt gegen dies« Rechtsverletzung feierliche Verwahrung ein. Um bte dem deutschen Volke drohende Verelendung zu vermeiden, fleht sich die deutsche Regierung gezwungen, den in der Rote vorgesehenen Dete. gierten für Verhandlungen mit Polen zu er­nennen, ohne ihr« Rechtsauffassung preiszuge­ben. Die Regierunfl ist allerdings »ich» aus dem entflossenen Willen aller Parteien hervor- ge«rngen, sondern setzt sich aus Männern zu­sammen, die sich im Drange der Stunde dem Vaterland« zur Verfüming gestellt haben. Di« Fragen der Ernährung, der Preissteigeru der neuen Besoldung der Beamten, der Hilfe -r die Kleinrentner müssen zunächst zurückge- stellt werde«. Ter Reichskanzler schloß mit dem dringenden Appell zur Mtarbeit an alte Par-, teien. Tann trat das Haus in di«

Besprechung dieser Erklärung

ein. Ab«. Mülle r-Franlen (Soz.) dankt den oberschlesischen Märtyrern für ihre Haltung, umsomehr, als gerade die deutschen Gewerk schäften dort die stärfften Träger des deutsche« Gedankens gewesen. Der Idee deS Völkerbund« gedankens hab« der Spruch jedenfalls bei unäi keinen Dienst erwiesen. Der Verlust Oberschle­siens erschütterte die ErsMungSmoglichkeite»., Abg. Ulitzka (Ztr.); Würoe jetzt die Frage zur Abstimmung gestellt: Ganz zu Deutschland oder geteilt zu Polen?, so würden die meiste« Oberschlesier, btc damals für Polen ftimmien, heute für Deutschland stimmen. sSehr richtig.'. Das WrtschastSabkommen mit Polen kann Oberschlesten nicht helfen.Abg. Hergt tTtn.: Es ist sehr bedauerlich, daß die Leiter der deutschen Politik sich nicht zu einer rühmli­chen Abwehr hchen auffchwingen können, Ter Reichstag bat sich der Sttuation. nicht gewachsen