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Nummer 247

Donnerstag, 27. Oktober 1921

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang

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Meier Neueste Nachrichten

_____________ KaffelerAbendzeitung EK Hessische Abendzeitung

Das umgebilöete Kabinett Witth.

Mit

Um die Stützen des Kabinetts.

Berlin, 96. Oktober. (Privat Telegramm.) Es scheint, als ob das neue Ministerium, das auch Grschästsministerium genannt wird, Oe-

Dos pazifische Vroblem.

Großbrttanute« geh« mit Amerika?

werden. Das Innere ist noch offen. Sicher ist es aber, datz es wieder von einem Mehrheits­sozialisten besetzt werden wird. Auch der Wieder- gusbauminister R a t h e n a u dürfte bleiben. Ter Einzige, von dem man annehmen kann, datz er mit ziemlicher Sicherheit ausjcheidet, ist Reichojustizminister Dr. Schisser. Heber Gest lers Belassung im Kabinett wird sich die demo­kratische Fraktion noch schlüssig werden.

Sewste der Kommunisten r

Berlin. 26. Oktober. (Privat i Telegramm.) Wie dieFreiheit" berichtet, fand gestern aus Ersuchen der Kommunistenpartei eine Konferenz mit den Unabhängigen statt zwecks Bildung einer sozialistischen Regierung. Die Kommunisten regten an. die sozialistischen Par­ken sollten unter Hinzuziehung der Gewerk­schaften zu gemeinsamen parlamentarischen und außerparlamentarische« Aktionen schreite«, um das Zustandekommen einer bürgerlichen Regie­rung zu verhindern. Auf die Frage, ob die Kommunisten bereit wären, in ein solches sozia­listisches Kabinett einzutreten, erklärten die Kommunisten, datz sie fich dazu nicht ver­pflichten konnten. Da brachen die Unabhängi­ge« tue Verhandlungen ab.

3m kremasiatischen Streit.

D« Griocheukiinig bittet nm Anerkennung.

(Eigene DraHnneldung.)

London, 26. Oktober.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 26. Oktober.

Lord Rorthcliff, der bekannte englische Zei- tnngsgewaltige, der sich gegenwärtig mit einem Stab von Redakteuren der größten englischen Blätter anf einer Weltreise durch die englischen Kolonien befindet, hat i« Manila auf den Phi­lippinen japanische Journalisten empfangen und hat ihnen auf ihre Frage folgende aufsehen­erregende Erklärung abgegeben:Im Falle eines bewaffnete« Konfliktes Mischen Amerika und Japan «der sonstwo wird man stets am der Seite der amerikanischen Union Großbritannien und sämtliche Dominions finden. Ich persönlich kann nicht daran glau­ben, daß irgend etwas die Länder englischer Sprache ausejnanderreitzen kann." Zu dieser Er­klärung kann gesagt werden, daß Lloyd George infolge der Aufdeckung dieser angelsächflscheu Vereinbarungen am Washingtoner Grünen Tisch einer verstärkten japanischen Opposition gegen- überstehen wird. Die Erklärung Rorthclisss be­deutet zum mindesten einen Eingriff in die Lei­tung der hohen Poliük in London, was umn nur verstehen kann, wenn man das MitzverhAt- nis zwischen Lloyd George und Rotthcliff kennt.

Die neue 9teidMregierung.

Dr. Wirth bleibt Kanzler.

kPrival-Telegramm.)

Berlin, 26. Oktober

Wie gestern erwartet wurde, hat der Reichs. Präsident den bisherigen Reichskanzler Dr. W i r t h mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Man rechnet damit, daß Dr. Wirth, der den Auftrag wieder angenommen hat, heute vormittag das Kabinett gebildet haben wird Roch vor zwölf Uhr wird er dem Reichspräsi deute« die neue Ministerliste vorlegen. Um Kl Uhr wird sich das «e«e Kabinett dem Reichstag vorstrllen. Ms erste Amtshand­lung wird das Kabinett die Annahme des Gen­fer Diftats, sowie die Ernennung der deutschen Vertreter fitr die Verhandlungen mit Polen aussprechen. Der Aeltestenrat des Reichstags hat die Gesamtsitzung nunmehr endgültig anf heute mittag festgesetzt. Der Reichstag selbst wird dann entscheiden, ob sich wettere Sitzun­gen anschließen werden oder bis zum 3. No­vember vettagt werde« sollen.

Die Mmisterfrage

Einige bisherige Minister bleibe».

<Pttvat-Trl« graunn.)

Berlin, 26. Oktober.

Die Ernte der See.

Ergebuiffe der Hochseefischerei.

Eruerana aller LebenSmittrt 'iwr<t stkh die Ansmerrsarnkeit wieder auf die Fifltzuahlung, ble, nachdem dir (alte Jahreszeit begonnen hat, iez Haushalt an Bedeutung gewinnt. Neber die stischfiinae an der See wird uns Folgendes geschrieben r

Seßhaftmochung und die Möglichkeit, sich zu einem Kleinbauern feraufzuarfetten, werden einerseits fern MvMnftchfefitz die nötigen Ar- ... -----

bettskratte geschert, anderseits das Herrenland behalt. Das Postministerium wird Gies

die Früchte des Meeres zu ernten.

' So wenig indes den Landarbeiter der Sonnen- ' brand davon abhält, die Ernte zu schneiden, ebensowenig hindern Sturm und Unwetter den Seefischer, seine Arbeit auf seinem Erntefeld M verrichten. Er ist auch nicht g-chunden an eine be­stimmte Zeit des Jahres, sonder« Sammer und Winter reift ununterbrochen die Frucht für ihn heran, nur kommt es darauf an, daß et in dem weiten Gebiete die jeweils zur Afernttmg ge^ eigneten Stelle« findet. Dazu gehö- ren biologische Kenntnisse, lange Erfahrung, scharfe Beobachtungsgabe und hervorragende seemännische Eigenschaften. Bis zur Tiefe von zweiihuudert Metern fische« die Fischdampfer mit ihren Grundschleppnetzen und holen reichli­che Schätze für die menschliche Ernährung vom Meeresboden heraus. Weit entfernt vo« der heimatlichen Küste, in der Nordsee, im Skager­rak, Stattegatt und bei Island arbeiten sie, um der See ihre Erzeugnisse abzugewinnen. Wen« sie aber hier ihr Netz gefüllt heraufholen, so kön­nen sie den Fang erft nach Tagen an den Fisch- märften lartben. Ihn bis dahin $u konser­vieren, um ibn in der besten Beschaffenheit an den Verbraucher zu bringen, ist eine der wich­tigsten Ausgaben des SeefischerS. der er die al­lergrößt.« Aufmerksamkeit zuwendet. Die dem Reitze entnommenen Fische werden geschlachtet, entweidet und mit Seewafler gewaschen, nach Art und Größe sortiert, und in die einzelnen tu1 sie bestimmten Fächer in dem durch Isolierung gegen die Einwirkuna größerer Wärme geschütz­ten Fischraum in gemahlenem Eis sorgfältig verparkt. Es ist für die gute Erhaltung der Fi­sche notwendig, daß sie vor schwerem Druck u. Quetschungen bewahrt werden, ihr Schuppcu- kleid möglichst unbeschädigt bleibt und sie le­bend geschlachtet werden und abbluten. So be­handelte Fische, die dann in einem sauberen, gM isolierten Kühlramn untergebracht werden,

finden a« beit Fischauttionsmärtten

in Mwna. Bremerhaven, Curhaven, Emde«, Gestemüude, Hamburg, Kiel, Likbcck und Rostock eine willige Aufnahme seitens des Fisthgrotz- handds. Die bei Rächt und Tag, ost bet schlech-

Gozioibemokratifche 3ufHmmi$ng.

Berlin, 26. Oktober. (Privat - Telegramm.) DerVorwärts" schreibt: Es gibt ein neues Ka­binett ®8irti) mit der alten Besetzung, aber, da die Demokraten die Kralttion gesprengt haben, dhne Koalition. Die sozialdemokratische Partei freut fich nach den Erlebnissen der letzten Tage doppett, daß eS anscheinend auch eintn umtigen (Ti bürgerlichen Politiker gibt und sie wird mit Dr. Wirth zusammen gern die schwere Last der Verantwortung weiter tragen in der lleberzeugung, datz die breite Masse des Volkes zu dieser Negienmg jetzt noch fester stehen werde Äs zuvor.

Heute vormittag treten die Sozialdemo» traten, das Zentrum und die Demokra­te n wiederum zufanmwn. Bon amtlicher Seift wird bereits zugegeben, datz die meisten der alten Minister wieferkehrtn. Man wird' nicht ehlgehen, wenn man annimmt daß Reichskanz- lcrDr. Wirth das Reichsfinanzministerinm

allirmhlich sow-tt zugunsten des BauernkmdeSjbertS und das Brbeitsministerium Braun zurnckgeorcmgt. erhalten. Man hält es sogar nicht für ausqe-

aber nicht darauf gewartet Werden,!schlossen, daß Dr. Rosen als Reichsauüenmini bis leßhast gemachte Landarbeiter durch langsa- ster, Bauer Äs Schatzminister und Vizekanzler me Vergrößerung ihres Grunofesitzcs in die Dr. Hermes alS Ernährungsminister bleiben Bauernschaft aufgestiegen sind, noch weniger dar« *' ~ ' ""

auf, ob es überhaupt gelingt, Landarbeiter in nennenswerter Zahl und dauernd zu gewinnen. ES muß auch die Bauernansiedlung ge­fördert werden als eins der wichtigsten Mittel zur intensiveren Ausnutzung des Bodens und zur Wiederbevölkerung der großen Gutsüezirke östlich der Elbe, die heute im Durch­schnitt nicht mehr Einwohner haben als die Prärien in Amerika Auch die Hochmoore müssen mit Bauern besiedelt werden, um diese Riesenslächen für die Bolksernährung zu ge­winnen. Ferner soll die Bauernansiedlung zur nattonalen Charakterbildung durch Vermehrung unabhängiger Persönlichkeiten beitrage« und durch die Bildung selbständiger Existenzen ein gesundes Gegengewicht gegen die in der Indu­strie fortschreitende Abhängigkeit großer Massen bieten. Dr. Willy Krebs.

Varteifttdrer beim Reichskanzler.

Berlin, 26. Oktober. sPrivattelegranrm.t Die gestrigen Besprechungen beim Reichskanzler begannen um %8 Uhr abends. An ihnen näh­me« außer den Ministern des bisherigen Kabinetts auch die Abgeordneten Scheidemann und Wels von den Mehrheitssozialiften und der Abgeordnete Marx vom Zentrum teil. Die Besprechnngen wurden um %1O Uhr unterbrochen. Sie sollen hente fortgesetzt wer- den. Um 5410 Uhr abends erschien der Abgeord nete Dr. Heinze von der Deutschen Volks- partei bei Dr. Wirth. Diese Besprechungen haben sich traf die Haltung der Deutschen Volks- Partei bei der festigen Abstimmung im Reichs­tag gegenüber der neuen Regierung bezogen. In parlamentarisife« Kreisen ist man der Ansicht, datz die Deuffche Bolkspartei heute nicht gegen das neue Kabinett stimmen wird. Am übrigen waren die gestrigen Besprechungen, die bis in dir Nachtstunden bauerten, streng vertraulich.

Länöliche Siedlung.

Regelung der Bevölkerungsverteilung.

In den letzten hundert Jahren fett sich die Bevölkerung Deutschlands verdreifacht. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts ab kam diese Zunahme fast ausschließlich der städtischen Be­völkerung zugute. Um das Jahr 1850 lebten noch etwa zwei Drittel der Einwohner von der Landwirtschaft, zur Zeil der Gründung des deutschen Reiches nur noch die Halste, und zu Beginn der achtziger Jahre blieb die Land­wirtschaft schon hinter dem Anteil von Handel und Industrie an der Gesamtbevölkerung ein wenig zurück, um bis zur Gegenwatt auf nur ein Viertel zu sinken. Im letzten Vierteljahr- bundett verlor die landwirtschaftliche Bevölke­rung über zwei Millionen Köpfe, demgegenüber vermehrte sich die von Industrie, Gewer­be, Handel und Verkehr lebende Bevölkerung um rund zwanzig Millionen, sodaß U>r Anteil an der Gesamtbevölkerung kurz vor dem Kriege etwa sechzig Prozent ausmachte. Wie ungeheuer das Anschwellen der Städte infolge dieser ver- schiedenattigen Entwicklung der großen Berufs- gruppen war, veranschaulichen ein Paar Zahlen.. Um das Jahr 1800 zählte Preußen nur sechzehn Städte mit Mehr als zehntausend Einwohnern. Bei der Reichsgründung betrug hn deutschen Reiche die Zahl der Großstädte mit mehr als hunderttausend Einwohnern erst acht, 1910 dage­gen achtundvierzig. Ihre Manern bargen 1871 Noch nicht ein Zwanzigstel, 1910 aber mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung des Reiches.

Die Quelle Mr solches Wachstum der Städte war das Land mit seinner größeren Lebens­kraft, d. h. günstigeren Geburtenziffern, wie die Binneuwanferuugs-Statistik zeigt. Aber die ländliche Bevölkerung gab weit tifei ihre Kraft ab, d. h. mehr, Äs bei Wahrung ihres eigenen Menscheufedarfs geschehen durste. Das Land wurde entvölkert. Ei« Mangel an Mensch, liefen Arbeitskräften trat ein, der um so emp- siudlicher war, als gerade die festen Jahrgänge, die LefensÄter von zwanzig bis vierzig Jah­re«, der Landwittschast den Rücke« kehtten, und zugleich immer höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft infolge des Wachstums der Gesamtbevölkerung gestellt wurde«. In bäuerlichen Betttefen wurden die

Der griechische Ministerpräsident Ghunaris und der Außenminister Baltazzi trafen heute in Loudon ein. Tas Reuterbureau glaubt zu wisse«, daß Ghunaris in seinen Besprechungen mit Briand darum ersucht habe, Vie franzö­sische Regierung möge König fi o u ft a n t in anerkennen. Briand habe aber nicht stark unter dem Eindruck der Argumente Ghunaris gestan­den. England werde einer Anerkennung des Königs Konstantin nichts entgegensetzen, aller- bingS unter der Bedingung, datz der grie­chisch-türkische Konflikt auf eine befrie­digende Att und Weise beigelegt werde und Frankreich und Italien mit der An- erkenuung deS Königs ebenfalls einverstanden find. Eine Bcrmittlcrrollr scheint diesmal die englische Regierung nicht spielen zu wollen. Da, Reuterbureau ist fer Ansicht, datz es jetzt Sache der Griechen oder Türken sei, geeignete Vor­schläge zu machen, nachdem England beretts rweimÄ erfolglos die Initiative ergriffen hat.

Aufmerksamkeit und Besorgnis v.-rsolgt der Landmann das Wachsen und Gedeihen der Saat seiner Felder und wenn er die Ernte glücklich in feiner Scheune geborgen hat, kann er sich über den Erfolg freuen. Seine Sorge, daß turereignisse und imbeeinflußbare Umstände alle seine Arbeit und Mühe zunichte machen daß. trotz aller menschlichen Wissenschaft und ange­wandten Vorsicht doch eine Mißernte dufteten konnte, wird heute mehr denn je vom ganzen deutschen Bakke geteilt. Wir sind mit unserer Ernährung auf den Ertrag deutschen Bodens angewiesen, da uns die Mittel fehlen, einen Ausfall der eigenen Ernte durch Einfuhren vom Auslande her auSzugleiehen. Mt einem Gefühl der Freude und Erleichteruna begleiten wir die schwer beladen vom Felde heimschwankenden Erntewagen und nehmen mit Interesse teil an der schweren Arbeit des Landarbeiters, der den Segen der Mutter Erde für seine Volksgenosse« Sicherheit bringt, um alsbald dne neue Saat ihrem Schoße anzuvertrauen und damit neue Hoffnungen auf eine glückliche Ernte zu verbin­den. Alle, diese für unser Volk so lebenswichti­gen Vorgänge spielen sich vor unseren Augen ab. Sie werden von den weiteste« Kreise« be­obachtet und in ihrer Bedeutung für das stwlks-

ganze mehr oder weniger richtig eingeschätzt. Richt so verhält es sich mit der im JsitEssi fei Volkswirtschaft und der Volksernährung ebenso wichtigen Ernte auf dem Meere. Viel«. Deutsche kennen dir See überhaupt nicht, und viele, di> bewundernd den gewaltigen <A «druck ihrer Größe anf sich wirke« lassen, könne« sich keine Vorstellung machen von der großen Pro- duttionskrast. die in der end- und leblos erschei­nenden Fläche vorhanden und dauernd wirksam ist. Rur Wenigen ist es vergönnt, die Ernteav- beitT auf diesem Felde, die Fischer, fei ihrer Tätigkeit zu beobachten unp zu sehen, welche Mühe und Arbeit sie aufwenden müssen, um die Erzeugnisse des Meeres fern Menschen nutzbar su machen. Auch die Arbeit der Fischerei in un­seren Seen und Flüssen ermöglicht einen nur schwach.-« und unvollkommenen Vergleich Mit der Hochseefischerei. Interessant ist es zwar, vom große« Passagierdwmpser aus den neinen Fischdampser oder Segler beim Fischm mit der See kämpfen und in ihr untertauchen zu sehen, aber anders beutteilt sich diese Arbeit, wenn man selbst Tag und Nacht tat Salzwasser zu arbeiten hat, um

willt ist, sich auf die Linke zu stütze«. Die Hilfe fer Unabhängigen wird aber kaum ohne Garantien (Steucrf ragen ufto.) zu haben fei«. Zweifelhaft erscheint vorläufig die Haltung des rechte« Ze«trumsflügclS, er recht aber die der Bayrischen Bolkspar­test Ob und welche Mehrheit das neue Kabi- nettt Wirth hinter sich haben wird, werfe« erst die weiteren Beschlüsse ergeben. .

lauft Eine solche Wanferfewegung. die nicht aus übervölkerten Gegenden entspringst sondern im Gegenteil den lebenskräftigsten Teilen das Mut aussaugt und in anderen Teilen eine Hy­pertrophie erzeugst ist eine krankhafte Erschei­nung. Die Folgen solcher anhÄtenfen Kräfte­verschiebung hat das Erlebnis des Krieges uns deutlich vor Augen gefühtt. In den Städten suchen Millionen vergebens Arbeit und Brost während die Landwirtschaft Mangel an Arbeits­kräfte» hast

Was kann geschehen, um einerseits Me städti­schen Massen ausreichend zu ernähren durch möglichste Ausnutzung des landnnttichastkichen Bodens, anderseits, daß die Arbeitslosen fer Industrie Arbett erhalten? Die Antwott liegt auf der Hand: Zurückverpflanzung von Städtern aufs Land, in erster Li­me von Landgeboreneu, nicht durch bloße Ar- beitsvermitLung, durch ein verbessertes Ar- fefterrechst bessere Wohnungsgelegenbeiten und höhere Löhne, sondern neben diesen gewiß auch sehr notwendigen Neuregelungen durch Seß- haftmachung fer Landarbeiter und Ver­mehrung der selbständigen Kleinbauern­stellen, die fern tüchtigen und sparsamen Landarbetter zugänglich fein müssen. Durch die

eigenen Familienangehörigen, Frauen und Kinder, zur Arbett aufgeboten, und größere Güter zogen neben ausgedehnter Maschinenver« Wendung fremde auswärtige Arbeitskräfte her- an. Vor dem Kriege wurden rund vierhunfett- fünfzigtausend auSLÄudischje Arbeiter in fer Landwittschast beschäftigt. Die Folgen dieser Entwicklung waren, daß trotz fer erstaun­lichen Fortschritte auf fern Gebiete der land­wirtschaftlichen Technik und Agrikulturchemie doch weite Flächen Landes mehr in die Brette gehend ÄS in die Tiefe gehend bewirtschafttt wurde« imb das Deutschland vor dem Kriege jährlich für mehr Äs zwei Milliarde« Mark netto an Rahrnngs- und Futtermit- tetn aus dem AuSlande beziehen mußte, was heute unter Berücksichtigung der deutschen Vakuta, sowie der gestiegenen Weltmarktpreise einer Summe fern etwa dreißig Milliarden ent­spreche« würde. Dabei ist der enorme Rückgang fei landwittschaftlichen Leistungsfähigkeit in Krieg und Revolution nicht einmal mit in Rech­nung gestellt.

Das Wachstum fer industriellen und städti­schen Bevölkerung wurde demnach größtenteils durch eine Gefährdung fer Landwirtschaft rr-