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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Kummer 237

Sonnabend, 15. Oktober 1921

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

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Dek Kampf um Obek'schlesien.

Handel mit Rußland.

Der Bezug deutscher Waren.

Je mdjr die bolschewistische Idee an Boden verliert und die Sowjetregierung za kapitalistischen Grundsätzen übergeht, desto starker mehren sich die Anzeichen, daß in Rußlano das Bestreben bestehl, aus dem Ehaos herauszukom- men. Es ist klar, daß bet einem Reiche von der Riesenausdehnung Rußlands eur solcher Prozeß nur in langer Frist sich vollziehen kann, und daß nicht von einem Jahre zum andern die kata­strophale wirtschaftliche Lage, in die der Bolsche­wismus das ehemalige Zarenreich gestoßen hat, beseitigt zu werden vermag. Die Htlsc des Aus- lanoes kann Rußland dabei nicht entbehren. Auch Lenin hat eingesehen, daß er das Kunst- sttick, wie Münchhausen, sich mit Rußland am eigenen Schopfe aus dem Surnps zu ziehen, nicht fertig bringt. Moskau hat damit vor den kapitalistischen Staaten Europas, deren wirtschaftliches System es zuerst auf Löben und Tod bekämpfte, um schließlich wieder zu ihm als letzten Rettungsanker zu greisen, kapituliert. Bei aller Uebevheblichkeit haben die Machthaber von Moskau einsehen müssen, daß Rußland verloren ist, wenn ihm nicht von den anderen gro­ßen Staaten Europas Hilfe gebracht wird. Darum hat die Sowjetregierung in den letzten Monaten aud) alles ausgeboten, um mit ihren westlichen Nachbarstaaten Deutschland die Handelsbeziehungen wieder aufzuneh- mcn, die in den Tagen des Friedens die beiden Staaten aufs engste mit einander verbanden.

Noch liegen die Berkehrsverhältnisse in Ruß- land so ungünstig, daß die deutsche Einfuhr, aus die Rußland wie kaum ein anderes Land angewiesen ist, sich nicht voll entfalten kann. Aber man darf doch damit rechnen, daß im Lause der nächsten Monate und spätestens bis zum Frühjahr 1922 der Handel mit Deutschland von feiten Rußlands wieder in großem Umfange ausgenommen werden kann. Ohne große Pro­phetengabe darf vorausgesagt werden, daß Ruß­land wie eine mächtige Säugpumpe aus die Vor­räte der westlichen Staaten wirken wird. Denn das Land braucht alles, aber auch alles, was zu einem wirtschaftlichen Wiederaufbau eines Staates notwendig ist. Und Rußland braucht vor allem die Produkte in Massen, deren Lieferant bis zum Ausbruch des Krieges Deutschland gewesen ist. Unserer Farben­industrie dürste sich in erster Linie ein wei­tes Feld für den Absatz ihrer Produkte erschlie­ßen. Rußland ist über die Herstellung von Grundfarben nicht hinausgekommen; feinere Farben, insbesondere Anilinfarben zu erzeugen, ist seiner Farbenindustrie nie gelungen. Deutsche medizinische und chirurgische Appa­rate und Jnstrumnete werden von Rußland, das seinen Bedarf an diesen Gegenständen nur zu etwa drei Prozent durch Eigenproduktion dek- kn tonn, sehr gesucht sein, und dasselbe gilt von Medikamenten und Drogen aller Art.

Für unsere Maschinenindustrie öffnen sich trotz der Konkurrenz, die uns England und Amerika bereiten werden, die günstigsten Aus- sichten. Der Bedarf Rußlands an landüvirtschaft- lichen Maschinen, an Werkzeugmaschinen, an Ma­schinen zur Holzbearbeitung und vor allem, an elektrischen Maschinen aller Art ist enorm. Die deutschen Fcchritote sind mehr gesucht, als die aller anderen Länder. Aber auch andere deutsche Industrien werden nach dem Einsetzen einer ge­regelten Einfuhr nach Rußland für den Abiatz ihrer Produste einen Warst finden. Das gilt vor allem von der deutschen Galanterie-, Spiel-, Leder- und Kurzwaren-^n- dustrie, deren Erzeugnisse vor dem Kriege aus dem rassischen Morste sehr gesucht und ge­schätzt waren. Daß die deutsche Möbelindu- st r i e, die in Friedenszeiten ihre beste Kunst- arbeit nach Rußland lieferte, ihren Platz sich wieder erobern wird, kann Äs sicher gelten. Die Fabrikate der deutschen Ton- und Glas- i n d u st r i e werden nicht minder begehrt sein. Die Liste der Güter, die Deutschland nach Ruß­land wird auSführen können^ ließe sich noch wei­ter verlängern; aber es mag der allgemeine Hin­weis genügen, daß Rußland cn fast allen Pro­dukten. die Deutschland erzeugt. Mangel leidet, und daher versuchen wird, seinen WareOunger zu stillem

Es ist im Auslände kein Geheimnis, daß von allen Industrien der Wett die deutsche trotz der Konkurrenz Englands und Amerikas in Rußland die besten Aussichten auf den Absatz ihrer Produste haben wird. Denn der Ruflc kennt die Solidität der deutschen Waren seit Jahrzehnten, und die Reellität der dmitschen Ge- schäftsgebaruntz hat gerade im Musteilande der Korruption immer anziehend gewirst. Abgesehen von allen audeven Erwägungen aber hat man in Rußland trotz aller Umwälzungen der Revo­lution noch nicht vergessen, daß nach ihrer wirt­schaftlichen Struktur Deutschland und Rußland für all« Zlltunst aufeinander angewiesen bleiben werden. Man kann sich ein Bist» von den Ein- fuhrmengen Rußlands machen, wenn man be­

denkt, daß das Zarenreich jährlich dreihundert Millionen Rrtbel Einfuhrzölle für die über die europäischen Grenzen nach Rußland eingesühr- ten Waren erhob. Wenn die Tore des russi­schen Reiches sich wieder weit für die Einfuhr öffnen, wird auch Europas Industrie, voran die deutsche, in Rußland das Land der »unbegrenz­ten Möglichkeiten" finden. »co»

OberfHleflens Teilung.

Die Pläne zur Durchführung. .

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 14. Oktober.

Heber die Maßnahmen, wie die vorgesehene Teilung Oberschlesiens durchgeführt werden soll, bestehen zwischen Frankreich und England noch Gegensätze. Aber die französische Tätigkeit scheint auch dabei die Oberhand zu gewin­nen. Die Pariser Blätter hüten sich noch, den englischen Standpunkt zu stitisicren. Man sucht den Grund deS englischen Widerstandes in der Frage der Einsetzung der internationalen Kom­mission zu finden. Frankreich ist damft einoer- standen, daß der Bülkcrbundrat mit dem Be­schluß der Internationalisierung über seinen Auftrag hinausgegangen ist und tröffet sich da­mit, daß es ja Sackst der hirett Beteiligten, der Deutschen und Polen, bleiben würde, diese Be­scherung mit der internationalen Kommission au< zunehmen ober abzulehnen. Angesichts der Farblosigkeit der vorliegenden Nachrichten ist cs schwer, sich ein genaues Bild zu machen, wie sich die Angelegenheit entscheiden wird.

SnglanSS Widerstand.

Paris. 14. Oktober. (Eigen.- Drahtmekdung.) Der.Mattn" klammen sich in seiner Be­fürchtung. Llohd George könnte den englischen Widerftaird mit der französischen Regierung ver­tiefen, an die Persönlichkeit Balfours, der im Begriff ist, von Genf noch London zurückzukeh. reit und von dem Fransteich erwarten könne, daß er besseres Verständnis für die französischen Interessen habe. Demnach scheinen bei der Re- dattion desMatin^ keine allzu guten Meldun­gen aus London elngdroffen zu fein. Das eng­lische Mißtrauen ist zwischen den Zeiten unver- kennbar. Auch derPetit Parisien" rechnet da­mit, daß die Rückkehr Balsourö an der Auffas­sung der englischen Regierung eine Aenderimg zugunsten der stanzösifchen Ansicht bewirke.

e

tim die Derwakstmasrommisfion.

Paris, 14. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) ImEcho de S?ariS" wird au8 Warschau ge­meldet, daß die Nachricht von der Einsetzung einer internationalen BerwaltungSkom Mission im oberschlesischen Industriegebiet einen sehr ungünstigen Eindruck hcrvorgeru- fen habe Die Warschauer Kreise seien der An­sicht, daß diese Kommission den Polen die abso­lute Souveränität über die gewonnenen Gebiete rauben könnte. Auch das G-rückt, daß die SchätzungSkommiffion dazu berufen, bei die­ser Internationalisierung eine Rolle und zwar die des Vorsitzenden zu spielen, hat verstimmt.

Regierung und Karteien.

Stellungnahme zur oberschlefischeu Frage.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. Oktober.

Der Aeltestenrat des Reichstages be­schloß in seiner gestrigen Abeudsitzung, den Reichstag noch nicht sofort einzuberufen, da austliche Mittellungen über Oberschlesieu wahr fcheinlich nicht vor Sonnabend eintresfen wer­den. Spätesten z am Montag wird der Rat noch­mals zusammentreten. In parlamentarischen Kreisen erwartet man die Reichstags-Einbe- rusurg für Dienstag. An der Sitzung deS Aelte- stenrates nahm auch der Reichskanzler teil. Er stellte fest, daß nach einmüttger Anschauung des Srifrinetts ein Rücktritt der Reichsregie rung vorläufig nicht in Frage komme, da in diefer schwierigen Zeit eine aktionssähige Re­gierung im Amte bleiben müsse Die Partei- eertreter der Sozialdemokratie, der Demo- statte, des ZenstnmS, der Deutschen Volkspartei und der bayerischen Volkspartei schloffen sich der

Auffassung des Reichskanzlers an. Ju der Debatte gaben auch die Kommuni­sten der Meinung Ausdruck, daß Oberschlefien nicht zerrissen werden dürfe. In den Kreisen der Industrie, des Handels und der Land­

wirtschaft behält man sich jede Entscheidung vor, führt aber die Verhandlungen wegen der Ausländsanleihen fort. Der linke Flügel »er Demokraten hält noch an der Ansicht fest, daß die Erfüllungspf lichten nicht fortgesetzt werden können. Die Bemühungen der Koaft- tionSparteien gehen jetzt dahin, die Deutsche VoWpartei zur Betelligung an der Regierung zu veranlassen. Gestern abend hatte man. wie derLokalauzeiger" erfährt, den Eindruck, daß der E i n t r i t t der Deutschen Bolkspartei in die Regierung nicht ausgeschlossen erscheine. Irgend­welche Entscheidungen sind noch nicht sefattttc

Deutschlands Bwtest.

Wird die Anerkennung Verweigerer ($rlöat«£elecramm.)

Berlin, 14. Oktober

Wie uns aus parlamentarischer Quelle ge­meldet wird, wollen die R e ch t s p a r t e i e n -m Re ichstag den Antrag einbringen, die Reichs regieruna möge die Anerkennung der ltzen- fer Entscheidung verweigern, wenn diese nicht in allen Punkten dem Versailler Vertrag entspreche. Auch die Demokraten werden für Den Antrag der Rechtsparteien eintreten. Die gestrigen Pariser Abendzeitungen, besonders llfemps",Matin" undJournal des Debats" rechnen mit der Möglichkeit daß die Regierung Deuttchlands freiwillig nicht die Genfer E.u- scheidung annehmen wird. Ties würde sicher zu neuen Sanktionen und anderen ZwanZB- Maßnahmen gegen Deutschland führen.

Warnung ln London.

Loudon, 14 Oktober. (Eigene Drahtmel­dung.) Der deutfche Botschafter Dr. S t h a m e r hat gestern abend im britischen Auswärtigen Amt einen neuen Protest eingereicht. Er hat in dieser Erklärung wieder darauf bestanden, die englische Regierung möge sich weigern, eine Entscheidung gutzuheißen, die in Deutschland eine hef­tige Entrüstung Hervorrufe und das Ka­binett Wirth zum Rücktritt zwingen würde. Ob gleichzeitig der deutsche Botschafter in Paris den Standpunkt der Reichsregierung frei Briand nochmals vertreten hat, ist zweifelhaft. Der deutsche Botschafter Dr. Mäher hat in Ab­rede gestellt daß ihm neue Weisungen aus Ber­lin übermittelt worden seien.

Krim an Frankreich!.

BariS, 14. Oktober. (Eigener Drabkhericht.) DasJournal" läßt sich ans Berlin melden: Dr. Rathenau hat geflent dem französischen Botschafter in Berlin, Laurent, einen Besuch abgestattet und die Haltung der stanzösifchen Re­gierung in der oberschlesischen Frage einer ein gehenden Kritik unterzogen. Der französische Botschafter hat mit dem Hinweis darauf geant­wortet, daß nicht die französische Regierung, sondern der Bölkerbundrat die Teilung Oberschlesiens beschlossen habe, (ff*

Unter Ueberwachung.

Verbot von Kundgebungen in Oberschlesieu.

fPrivat-Telearamm.)

Oppeln, 14- Oktober.

Die interalliierte Kommission erläßt an tue Bevölkerung Oberschlesiens folgenden Ausruf: Berftühte Meldungen ans Genf haben der Presse Veranlassung zu Kundgebungen gegeben, die ge­eignet find, die öffentliche Ordnung zu stören. Um eine völlig gerechte Bewertung (?) der Er gcbniffe der Abstimmung zu erzielen, haben die interalliierten Mächte den Rat deS BölkerSuu- deS. dessen nupartellichkeit unbestreitbar ist (?) eingeholt. Seine Entscheidung muß vor allem in Ruhe und Ordnung aufgenommen werden. Die interalliierte Kommission wird jeder Heraus­forderung, woher fie auch kommen möge, rück­sichtslos entgegentreten. Gegebenenfalls werden die schuldigen Zeitungen unterdrückt und die Druckereien geschlossen. Die Jnterallucrte Kom- -nission ist entschlossen, jede Unordnung zu ver­hindern, sie wird feine öffentlichen Kund­gebungen, ganz gleich welcher Art und in welcher Absicht fie veranstaltet seien, dulden. Die interalliierte Kommission gibt sich der Hoff­nung hin, daß die Bevölkerung Oberschlesrens auch bis zum Schlußakt, der ihr Schicksal ent­scheiden soll, es fich angelegen fein lassen wird, dieselbe Besonnenheit zu bekunden, wie am Tage der Abstimmung und daß fie die interalliierte Kommifston in dem Augenblick, wo diese im Be­griff steht, die ihr von den alliierten Mächten anvertraut: Ausgabe zu beendigen, davon eat- binden wird, zur Gewatt Zuflucht zu nehmen.

Abrüstungsfmgen.

Sind Weltkriege noch möglich?

Der9teto Dort Harald--, die Settung de« -Präsi­denten Sardin«, hat den deutschen (Leneral Soff mann um ein Gutachten zu den Fragen der abrÄftungetonfereni eriucht. Dieter hat sich gegenüber dem Berliner Vertreter des genannten Statte* folgenderumsien geäußertr .Es ist eine hohe Aufgabe der Menschihnt, die Kriege zwischen den Böllern eiuzuschra-rk-.-n. Ich glaube aber nicht, daß diojie Ausgabe durch die Bildung von Schiedsgerichten zu lösen ist, die Mer den Staaten stehen sollen. Eine wesent­liche Eigenschaft jedes Gerichtes muß die Un- parteWchVeit sein. Internationale Streit­fragen von auch nur einigermaßen weittragen­der Bedeutung berühren ater immer die Inter­essen aller Großmächte mehr oder weniger. Werden daher solche Streitfragen einem aus der Gesamtheit der Nationen gebildeten >Schiods- geeicht vorgelegt, dann kann ein unparteiischer Spruch umso weniger erwartet werden, je be­deutungsvoller die Frage ist, um die es sich Han- beit. Kein Volk der Welt alber wird sich in irge ch einer Frage, die seinen Lebensnerv berührt, dem Richterspruch von Staaten fügen, deren Ur­teil gar nicht unparteiisch sein tonn, ohne daß es versucht. Berufung mit den Waffen ein* jufegen. Jedes Gericht mutz ferner als zweite wesentliche Eigenschaft Macht genug haben, um nötigenfalls die Ausführung seiner Urteile mit Gewalt durchzufetzen. Ein

Schiedsgericht über den Nationen müßte daher in der Lage fein, feine Urteile letz« rett Endes durch Gewalt zu vollstrecken. Eigentlich müßte also das überstaatliche Schieds- gevicht allein Wer die Wasfengsvatt verfü­gen können, und die einzelnen Staaten müßten vollkommen abrüsten. Mindestens aber müßte twS Heer und die Flotte, die dem überstaatlichen Schiedsgericht zur Verfügung stehen, stärker fein als Heer und Flotte jedes einzelnen Staates. Erne solche internationale Verfassung wird sich aber kaum jemals erreichen taffen. Außerdem könnte ein aus der Gesamtheit ber Nationen zu- sammengefügteS Gericht fein Heer und seine FlotteUvefaYrmg nur aus den Angehörigen die­ser -Nationen bilden. Wären aber einzelne die­ser Stationen zu irgend einer Zett nicht mehr ge­willt. sich den Entscheidungen des überstaatlichen Gerichts M nnterkverfen, dann würden die Staatsangehörigen dieser Nationen im Heer und in ber Flottenbesatzung des überstaatlichen Ge­richts sehr wahrscheinlich dessen Befehlen den Gehorsam verweigern und den Anweisunyen ihrer eigenen Regierungen folgen. Damit aber wäre an Stelle der internationalen Entscheidung durch Richterspruch wiederum die Entschei, düng durch Waffengewalt, also der Krieg« getreten. Es ist nach meiner Ansicht mtr dadurch uwglich, die Kriege einruschränkeu, wenn eS ge­lingt, die Jntereffendifferenren zwischen deo DAtern, die

die Ursache der Kriege

sind, zu beseitigen. Im Fahre t866 kämpsi ten Preußen und Badern gegeneinander. Das Bündnis zwischen biefer. beiden- Staaten, welche Bismarck vereint mit anderen deutschen Staaten in dem Deutschen Reich xmarumenfügte, besei­tigte so Sorgfältig als es im menschlichen Ver­mögen lag, die Jnteveffendisiferengen Zwischen Preußen und Batzern und schuf darüber hinaus starke gleichlaufende Interessen beider Staaten. ES ist daher dre Gefahr eines Krieges zwischen Preußen und Bayern niemals wieder auch nur im Entferntesten aufgetaucht, solange die WS- marcksch- Verfassung des Deutschen Reiches bex standen hat. Ta nun die Mehrzahl der großen Kriege zwffchen den VSlVern deS europäischen Kontinents geführt worden ist, wSre, toemt zukünftige Kriege eingeschränkt werden sollen, vor allem notwendig, die Jnteressendifferenzen der europäischen Großmächte $u beseitigen urt> starke

gleichlaufende Interessen der Großmächte ju schaffen. Das scheint mir durch wi rtschaft» liche Maßnahmen erreichbar, unter denen Arnold Rochbergs Pläne einer Jnteressenver- pflechkung zwischen den euroMschen Indu­strien besonders geeignet sein sollte, einen Zu­sammenschluß der europäischen Großmächte hw- beizuDhren. Je mehr dann die einmal derfloch- fenen wirtschaftlichen Interessen ber europäischen Völker zusaMmenwüchsen. umso nnmöglicher Würden Kriege der europäischen Großmächte ge­geneinander und damit wären bereu finanziell so drückende Kriegsrüstungen in weitem Um­fange überflüssig Allerdings wird eine solche Entwicklung in Europa durch die russische Frage vorläufig unmöglich gemacht. Erst wenn die Kulturvölker Europas die Gewalthaber in MosSau gestürzt hätten, um danach in gemein­samer Arbeit den Wiederaufbau des befreiten Rußlands in Angriff zu nehmen, erst dann würde ein auf landwirtschaftlicher Interessen­gemeinschaft derlchender Ausiatnimenschluß der europäischen Grobmächte hinreichend gesichert fein, um die Militärmacht dreier Großmächte auj