Kasseler Abendzeitung
11. Jahrgang
Freitag, 14. Oktober 1921
Fernsprecher 951 und 952
Nummer 236
Fernsprecher 951 und 952
Deutsche Proteste um Sberschlesien
ronc-
L'
einer
Das
ht Oberschlesien »erlangte.
(Privattelegramm)
Berlin, 13. CliJ&er.
vor. Dennoch hat der Kanzler schon für heute mit
Die Gnischeidung in Genf
Ungeschickes Behandlung Sbcrschlefieu«,
Dte «afielet »ieuefien Stadrrtdjten «fdjetnen roodjentlidj Nchkmal und sroat ab« - dr. Drr Cbonnemmtsptetä beträgt menatttd) 6.60 Mark bet freier Zustellung inS faul AuS. matt» durch bte Post bezogen 6.50 Wart monatlich etuschlleblich Zustellung. Bestellungen werden lederzM von der »efchLNsstelle oder den Boten entgegengenommen. »ruderet. Berta« und Redaktion . SchlachthoHIraste 28M, Kur mwertangt eingesandte Beiträge kann die Redaktton eine Bcrantwortung oder Bewähr in keinem Falle übernehmen. Rultzahlungder BeWgsgeldeS oder Ansprüche wegen eNvaigerntchl ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschionen.
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(en. worin er die 3tyd)0regierung ausfordert, überall ProlestKundgebungen herbeizuführen.
Ergebnislose Dorftellungen.
Paris, 13. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Ministerpräsident Briand soll die Mitteilungen des deutschen Botfchalters T>r( Mayer entgegengenommen haben, ohne zu ihnen Stellung zu nehmen, oder eine Gegenerklärung abzugeben. — Der „Matin" meldet: Der Inhalt der Erklärung Dr. Mayers bei Briand deckt «ich mit den Erklärungen, die die deutsche Regierung in London hat überreichen lassen. Für Briand liegt keine Veranlassung vor. das französische Kabinett zu befragen, da er nicht in der Lage ist auf die freie Entschließung des Völkerbundes einzuwitken. (?) — „Echo de Paris", „Journal" und „Temps" schreiben übereinstimmend-. Der Schritt des deutschen Botschafters bei Briand ist als e r g e b n i S l o S anzusehen, da die französische Regierung sich dem Spruch des Genfer BölkerbMidrates schon vor Wochen unterworfen hat (?), wie auch die englische und die italienische Regierung dies getan hätten. (?)
Rücktritt Ser Regierung?
Mögliche Folgen drr Genfer Entscheidung.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 13. Oktober.
(Privat-Telraramm.)
Berlin, 13. Oktober.
tag die Parteiführer zu einer Besprechung eingcladen. Der R e i ch S t a g sollte am Montag oder Dienstag zusammentreten. Sollte es zu einem Rücktritt der Reichsregierung kommen, so wird nach einstimmiger Auflassung der Kabinettsmitglieder Dr. Wirth wieder mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt werden. Endgültiges über die weitere Entwicklmig wird sich erst ergeben nach dem Eintreffen der amt- sichen Meldung über Oberschlesien.
Das deutsche Volk protestiert
Gegen Oberschlefiens Teilung.
ten Weise vorn Reiche getrennt Wird.
Betrachten Wir einmal näher, Was am grünen Tisch in dem Ausschutz des DMerbundratcs ausgeklügelt worden ist. Oberschlesie n soll in dreiTeile zerfallen. Der östliche Teil soll an Polen gegeben Werden, das Mittelgebiet soll „Selbständigkeit" unter polnischer Hoheit erhalten und den Westlichen Rest mag Deutschland haben. Unter der besonderen Regelung für das Mittel- gebiet ist dann vorgesehen, datz es militärisch von den Polen besetzt Werde, aber finanziell die deutselM Währung behalte. Das heißt mit anderen Worten: das Gebiet Wird polnisch, aber Deutschland kann es mit seinen Geldmitteln Wirtschaftlich aufrecht erhalten. Eine solche Niedertracht konnte nur in den Sumps- stätten der Alliierten ausgebrütet werden. Man betrachte auch einmal dieses Gebilde, das sich »Völkerbund* nennt, das einen „Völkerbundsrat" besitzt, aus dem Wiederum ein „Völkerbundes- rats-Ausschnß" hervorgegangen ist. Dieser Ausschuß fetzt sich aus vier Männern zusammen: einem Svamer. Brasilianer, Chinesen- und Japaner. Die sollten über Oberschlesien »entscheiden". Ist es denn nicht ein Hohn, eine gewollte Verächtlichmachung, datz eine rein deutsche Angelegenheit diesen Männern unterbreitet Wird, die weder Kenntnis noch Interesse für diese Spezialaufgabe mitbringen? Warum sind Männer dazu ausersehen Worden, die keinen Einfluß im Rate haben und deren Entscheidung Wenn sie dem „obersten" Alliiertenrat nicht patzt, würde rrmgcstoßen Werden? Die Entscheidung ist , ja auch danach. Verständnislos, unter englisch- franzosisth-itakieriischer Einflüsterung,, ist sie zustande gekommen. Und jetzt ist natürlich keine der alliierten Regierungen ganz damit zufrieden, weil jede ihre SonderWünsche hatte. Und Deutschland Wird bei diesem frevelhaften Spiel nm sein Recht betrogen. Es ist ein schreiender Skandal, daß -eine solche Gruppe gewissenloser Männer über Völkerschickfale entscheidet, sind doch sind Wir ihnen ausgeliefert und hal-
znr wirtschaftlichen Anpassung zu schaffen.
Projekt für das wirtschaftliche Regime, vast die Kommission der Vier empfohlen hat, sieht in vier Perioden von verschiedener Länge, die in einigen Fällen bis fünfzehn Jahre reichen, eine Reihe von Nebereinkommen vor für eine gerechte und unparteiische Regelung (?) verschiedener Kragen. wie die Eisenbahnen, Wasserwerke, Strom- zufükrung, sowie die Arishebung des Zolles für zahlreiche Produkte, darunter für Kohle und Vieh mrd die Beibehaltung der Mnrkwährung im südlichen Teil Oberschlesiens. Der Rat hat die Nebernahme dieses Projektes empfohlen, indem er Garantien für di» volitischen Minderheiten
durch kleine Abweichungen der Abstimmungs- grenge zu beseitigen. Der Rat stellt fest, daß eine Linie, die das Industriegebiet nicht durch- q«eren würde, alle Hoffmmgen und Wünsche der ausschlaggebenden Mehrhett (?) vernichten würde, Zuerst hatte der Rat ein ans vier Mitgliedern bestehendes Komitee beauftragt, dis Problem zu prüfen. Das Komitee kam zu der Sckstutzfolgerung, dass das Problem nicht durch die Festsetzung einer einfachen Grenzlinie gelöst Werden könnte. Das Komitee der Bier beschloß, unter der Empfehlung einer
ten still.
Sollte Wirklich der sogenannte Oberste Slot, der sich das letzte Wort Vorbehalten hat, zu Ungunsten Deutschlands entscheiden, dann bleibt für uns nur das Eine übrig, den Polen unsere Wirtschaftliche Hilfe, auf die sie angewiesen siird, zu verweigern. Dann Werden wir sehen, wie schnell sie abwirtschaften. In den Kreisen der deutschen Regierung scheint erfreu« lichettoeise auch die Ansicht zu bestehen, daß Wir eine derartige passive Gegenwehr ausüben müs- seif und können. Polen ist in hohem Matze von Der Einfuhr deutscher Waren abhängig, Weil der Bezug aus anderen Ländern zu teuer ist. Da kann die deutsche Regierung durch Ansftihrver- bote sehr wirksam einen Riegel verschieden. Diese unsere einzige Waffe sollte dann aber auch rücksichtslos angewandt Werden.
Wie groß die SchWienigketten sich schon jetzt auftürmen, sehen wir an der innerpoliti- scheu Krise. Im Reichskabinett sind ernste Verstimmungen eingetreten, die insolge der Genfer Entstheidung zu einem Bruch führen können. Vorläufig sind die Meinungen der Minister noch geteilt. Einige befürworten, falls LBer- sthlefien teilweise von Deutschland getrennt Wird, den Rücktritt der Regierung, wogegen andere, darunter der Reichskanzler, den Rückttttt nicht als notwendig erachten. Wie aus den heutigen Telegrammen hervoraebt. bat sich das Kabinett
Heber die gestrigen Labinettsberatungen wird noch gemeldet: Die Sitzung des Reichskabinetts dauerte mit kurzer Unterbrechung von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags. Am Nachmittag nahm auch Reichspräsident Ebert an den Beratungen teil. Man beschäftigte sich zuerst mit dem kurz zuvor eingegangenen Bericht des deutschen Botsckfasters Sthamer in London über feinen Schritt bei der englifchen Regierung, Wonach die Vorstellungen Sthamers in London er- foIßtoS geblieben sind. Nähere Mitteilungen des Botschafters Dr. Mayer aus Paris liegen der Regierung nicht vor. Jur Lause des Tages er« fchieu auch der Abgeordnete Spahn in der Lanz- lei, um in feiner Unterhaltung mit dem Reichskanzler Dr. Wirth die Austimmmig zu der Politik der Reickfsregieruug zum Ausdruck zu bringen. Nunmehr wurde die Frage erörtert, ob, falls die Entscheidung in einem so ungünstigen Sinne ausfallen sollte. Wie es den Anschein hat, der Rücktritt des Kabinetts
erfolgen soll oder nicht. Ein Tell des Kabinetts, vor allem die sozialdemokratischen Minister, sprachen sich für ein Verbleiben der gegenwärtigen Regierung im Amte aus. Die Demokraten Waren für einen sosorftgen Rücktritt des Kabinetts im Falle einer ungünstigen Entscheidung über Oberschlesien- Die Debatte darüber nahm lange Zeit in Anspruch. Des weiteren wurde die Frage der Wirkungen des Böl- kerbund-Urteils auf die KoalitionSpolttik be. sprocheu. ES ist wahrscheinlich, daß Reichskanzler Dr. Wirth sich heute oder morgen mit weiteren Parttiführern in Verbindung setzen wird.
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Parteien und Reichstag.
neuen Grenzlinie anzuraten
Uebergangsbestinnnungeu
der Devisen-Beschaffung für das Reich zum Ztt«ke der Beihilfe bei der Ableistung der Re- ttarattonsverpflichiungen sich zu beteiligen vermag. Der Zentrums-Abgeordnete Dr. C Münzeftrock, das geschäftssiihrende Dorstands- mitglied der „Vereinigung deutscher Daueril- Bereine" hat sich über diese Frage einem Lertre- tei der „B. Z. cmn Mittag" gegenüber wie folgt geäußert: „In der Frage der Devisenbeschaffung für das Reich muß man zwei Wege unterscheiden: 1. Die Ersparung an für Deutschland erforderlichen Devisen, 2. die Beschaffung der für das Reich notwendigen Devisen durch Erport und Kredit. Die Ersparung an für Deutschland erforderlich.-n Devisen kann, abgesehen von den Verhandlungen mit der Entente, nur dadurch geschehen, daß Wir durch Förderung der inländischen Produktion möglichst wenig Devisen für den Mnport benötigen. Die Land- wirischiaft produziert nicht für das Ausland, sondern fast nur für das .Inland. Infolgedessen kann die Landwirtschaft durch Export keine De-
(Eigener Drahtbericht.)
Genf, 13. Oktober.
Gestern hat der Völkerbundsrat endgültig die Entscheidung über Oberschlesien festgelegt und sie noch gestern abend durch einen Sonderboten an Briand nach Paris gesandt. Der Oberste Rat, in der Tat die Botschasterkonferenz, wird wahrscheinlich heute vormittag zusammentreten. um den VorV „)^,,des Bölkerbufldrates- zu prüfen. Der £)6t*. vird jedenfalls am ü.'.en (»«<..,mu# in Paris treffen können. Die Veröffentlichung dieses DesckMffeS wird gleichzeitig in Paris, London, Rom und Genf erfolgen. In dem Komitee des Völker- bundrates wird erklärt: Die ersten Schwierigkeiten entstanden, so wird betont, dadurch, daß die Stimmen bei der Abftimmuftg in Oberschlesien sehr gemischt gewesen seien. Es sei daher nicht möglich, eine Grenze festzusetzen, die nicht auf polnischem Gebiet eine Anzahl von Personen zurüülietze, die für Deutfchland gestimmt hatten und auf deutschem Gebiet einige, die für Polen gestimmt hatten. Alles, was der Rat tun konnte, war. die Grenze fo genau wie möglich nach dem Ergebnis der Abstimmung zu ziehen. Es sei nicht möglich gewesen,
die wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Der Allaemeftle Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine freie AnMstelltenblMd, der Ge- werkfchastsring der beittfdjen Arbeiter-, Angesttktz fett’ tittb 23e<ittttetts2Jertät<t>er bet «ocvii*»» i.> »,«»/
werkschastsbund und der Deutsche Scmiueuimnb, ^cute (at*cn «och keine amtticheu Mittei- 8L-* **! «**»* M an Lloyd George und Briand je ein Telegramm gerichtet, in dem gegen die Teilung Ober- schlesiens protestiert und daraus hingewieseu Wird, datz jede Abtrennung wichttger wirtschaft sicher Quellen von Deutschland die Durchfiihrung des Reparationsprogramms des Sabi- nettS Wirth unmöglich mache und zugleich die Verelendung desdeutscheuBolkes bedeute. Ferner hat der Vorstand der deutsch- nationalen Bolkspartti eine Kundgebung erlas
gestern Wieder mit dieser Frage beschäftigt. Auch : Besprechungen mit Parteiführern haben deshalb 1 stattgefunden. Trübe Anzeichen machen sich be- i rcits tut Wirtschaftsleben geltend. In den Ver- । haiMungen Über die Devisenbeschaffung durch 1 die deutsche Industrie und die Garantieleistung durch die Landwirtschaft ist der itegierung arogebeutet worden, daß dann Weder auf Hilfe, noch auf Garantie gerechnet Werden könne, Weil Deutschland ohne Oberschlesien seilte Verpflichtungen gegenMer den Alliierten nicht mehr erfüllen könne. Desgleichen haben ine auS» ländischen Finanzleute, die gegenwärtig zu Privatverhandlungen in Berlin Weilen, mitgeteilt, datz keine Anleihe zustande käme, wenn der Oberste Rat ungünstig entscheiden würde. Wenn diese Warnungen in Paris und London nicht noch in letzter Stunde Eindruck machen, ist für alle Teile Schlimmes zu be- siirchteu. K. F. Dr.
(Sin neuer Weltkrieg?
Um die Herrschaft im Stillen Ozean.
.Daily Expretz" äußert sich sehr pessimi» st i s ch zu der Sage im Stillen Ozean und behauptet, überall in der Welt rechneten t>ie Staatsmänner, Bankiers, Geschäftsleute und Diplomaten mit der Wahrscheinlichkeit, datz es Mischen Japan und Amerika innerhalb kurzer Zeit $u einem Konflikt über die Herrschaft im Stillen Ozean kommen werde. Es sei fraglich ob die bevorstehende Washingtoner Konferenz imstande sein werde, diese Gefahr gut beseitigen. Falls es nicht gelinge, seien die britischen Interessen in Kanada in Gefahr und hn fernen Osten ernstlich bedroht. Dcher sei es eine Lebensfrage für England, in Washington durch seine besten Männer vertreten zu sein, Balfour, Donar Law und auch Curzon Hütten er- ßärt, nicht abkömmlich zu sein. Llotzd George, der sich, wie das Blatt behauptet, von dieser Konstrenz Wenig verspreche, sei der Meinung, er könne wegen der irischen Unterhandlungen nicht reifen. Der .Daily Expreß" sagt demgegenüber, daß die irische Angelegenheit eine Nebensache im Vergleich zu der Gefahr eines neuen Weltkrieges fei. ’ Deshalb müsse Llohd George seinen Beschluß revidieren, da er unter solche" UmisiLndin in Washington unentbehrlich für England sei.
Das Blatt Weift im übrigen nach einer Meldung des .Berliner Tageblattes" auf die ver-
Jeder innere Streit müsse jetzt schweigen. — Auch die Deutsche Volkspartei Oberschlefiens hat an den Reichskanzler und an Dr. Stresemann je ein Telegramm gerichtet, worin sie für die Erhaltung des ungeteilten Oberschlefiens Eintritt
Entrüstung in Oberschlesien.
BreSlau, 13. Oktober. (Privattelegramm.) Tie Bereinigten Verbünde heimattreuer Oberschlesier sandten an den Bölkerbundrat ein Telegramm, in Dem fl? betonen: Vic unb nimmer werden wir uns durch politischen Schacher verkaufen lassen. Von Deutsckfland aber verlangen wir, datz es die Reparationspflichten nur dann erfüllt, wenn das deutsche Recht beachtet wird. — Die Deutschen der Stadt Kattowitz buben an den Bölkerbundrat an Lloyd George, Briand, Bouomi und den japanischen Botschafter in Paris telegraphisch die Belassung von Kattowitz bei Deutschland gefordert.
LandivlrtfchaftS>Hilfe.
Der Kredit für die Regierung.
®ie Verhandlungen mit »er Regierang nur Beschallung von Garautteu und Krediten gehen Wetter, obwohl da» Ergebnis davon abhängig ist, ob Sbersthiesle« nugeteil» für Deutschland bleibt. Reden der Industrie ist bekanntlich auch di« Landwirtschaft zur Mitwirkung bereit r In diesen Tagon berät der Reichsaussch»ltz her deutschen Landwirtschaft in Berlin darüber, ob und in welcher Weise auch die deutsche Landwirtschaft nach dem Vorbilde der Industrie an
Die Krisis.
Zerstörungspolitik der Alliierten.
Die Alliierten bemühen sich mit Erfolg, uns fron Zeit zu Zeit begreiflich zu machen, datz sie unser Schicksal nach Wie vor in der Hans haben und daß sie gewillt sind, uns jedesmal Hinab- zustoßen, Wenn wir uns emporzuarbeiten versuchen. Man sagt, ein Eririnikender greife nach einem Strohhalm, in der Hoffnung, sich ret- ten zu können. In der gleichen Lage ist das deutsche Volk. Sagt ein englischer oder französischer Ättniisler einmal ein paar freundliche Worte, sofort sieht man in ihm einen Helfer, von dem man Wunderdinge erhofft. Aber die Wunder bleiben immer aus und der deutsche Michel hofft Weiter. Einmal, so denkt er. werden die ehemaligen Feinde — die auch heute noch unsere Feinde sind — zur Einsicht kommen. Währenddessen kann Deutschland zugrunde gehen. Schien das Wiesbadener Abkommen zu dem Glauben zu berechtigen, daß auf Grund eines Wirtschaftlichen Zusammenarbeitens zunächst zwischen Deutschland und Frankreich eine Annäherung erfolgen Werbe, so erkennen wir jetzt schon, nachdem der Inhalt des Abkommens bekannt ge- iwrben ist, daß wir Pflichten übernommen haben, die eine sehr schwere Last für unsere Industrie, Landwirtschaft und Arbeiterschaft und damit fürs ganze Volk, bedeuten. Jmmerlhm tragen Wir die Last Willig, in dem Gedanken, dadurch uns langsam aus dem Elend heraus- znarbeiten. Aber auch das soll noch mehr erschwert und letzten Erches unmöglich gemacht
dafür sorgen, daß möglichst Wenig Devisen für die Nahrungsmittelbefamfftrng ersordeÄch sind. In dieser Beziehung scheinen sich die Verhältnisse langsam zu bessern, Poraussetzung ist aber, daß der LarMvirtjchaft die Mittel für einen intensiven Betrieb bleiben. Weiter biürfett ater auch feine Devisen vergeudet Werden dadurch, daß Wir Lurusartikel emfiihren. Das gesamte deutsche Volk mutz mehr arbeiten und Weniger Bedürfnisse zeigen als vor dem Kriege. Hierdurch sowie durch vertrauensvolle Zusammen- arbeit der in einer Schicksalsgemeinschaft verbundenen Kulturvölker Wird es sodann auch möglich sein, die deutsche Valuta zu bessern. Der Stand der Mark richtet sich nicht allein nach dem Am»- und Erport, sondern vor allen Dingen nach dem Vertrauen, das Wir im Auslande genießen. Die Devisenbeschaffung durch die Kr- dustrie» sei es durch Exjwn oder durch Ver- pfÄndung ausländischen oder inländischen Besitzes kann natürlich nur von vorübergehender Bedeutung fein. Vor allen Dingen darf hierdurch teilte zu starke Schwächung des deutschen Mrtschaftslebens eintreten. Unsere Aufgabe mutz fein, dafür zu sorgen, datz das deutsche
Wirtschaftsleben leistungsfähig bleibt,
alle Dolksteile Beschäftigung und angemessenen Verdienst finden. Nur dann Wird es möglich fein, tn dem nächsten Jahrzehnt hohe Betrage für die Reparation zu beschäsfen." Diese Auslassungen sind um so bemerkensWerttr, als Dr. Crone-Münzebrock hier nicht nur als Abgeordneter und landwirtschaftliche Persönlichkeit spricht, yonldern Weil in den Bauernvereinen zahlreiche Mitglieder aller Parteien gesammelt sind. Die Entschlietznngen der lWidWirtschrstli- chen Vertreter werden ahhürgig fein von dem endgültigen Beschluß der Vertreter der deutschm Industrie Aber deren Stellungnahme.
Visen beschaffen, sie kann lediglich durch Steigerung der Produftion v
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