11. Jahrgang.
Dienstag, 11. Oktober 1921
Fernsprecher 951 und 952
Nummer 233
Fernsprecher 951 und 952
Kontier »leueflenRachrtchlen erfcheweuwichenw« fcdjimal «nd zwar abeebfc Der «bonnemmttortie beträgt monatttd) &60 Statt bei freier gufletonj irt« %«». «u«. wirt« bet» die Poft bezogen (L50 M-rk monatlich etnfchNebN» Zustellung. Bestellungen werbe» iederz.-U von der «efchäftsstelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Siedaktton - Echlachtstosstratze 28/80. Kür unverlangt eingefandte Beiträge kann dte Redektton eine Berantwortung ober Gewahr in keinem Kalle übernehmen. Rückzahlung des Bezug «gtide« oder Ansprüche wegen etwaiger ni cht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlolsen.
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Meter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Frankreichs europäische Politik.
Das Abkommen.
Nach der Lnterzerchnuag in Wiesbaden.
Zwischen dem Vertrag von Versailles und den Abmachungen von Wiesbaden liegt ein steiniger Weg. Zwar ist auch das jetzige Sachlte- fertlngs-Äbkommen im Grunde nichts anderes als eine Schlußfolgerung des Diktates von Versailles. Indessen hat man doch begründeten Anlaß, mit Genugtuung festzustkllcn, daß der Geist tton Wiesbaden ein anderer war, als der von Versailles. Es ist jetzt das erste Mal, daß »wischen Deutschland und Frankreich Abmachn.r- pen ohne diktatorischen Druck und vor allem ohne die Drohung mit Anwendung von Waffengewalt zustande gekommen sind. Die Nachwelt wind freilich einmal mit Erstaunen vernehmen, daß drei Jahre nach Friedensschluß eine derartige Tatsache besonders verbucht werden konnte. Sie allein zeigt schon die Qual des, Leidensweges an, den das deutsche Volk in diesen drei Jahren ging. Ader auch noch eine zweite Tatsache nimssen wir festhalten: Wer sich dez lei- denschWftlichen Feldzuges einer gewissen sehr starken französischen Strömung, unterstützt von den maßgebendsten Pariser Presseoiganen, erinnert, wonach man sich gegen jede An von Sachleistungen durch Deutschland sträubte und lediglich bare Zahlungen verlangte, der wird doch auch feststeüen dürsen, daß die Mbmachnn- gen von Wiesbaden einen Fortschritt bedeuten. Die Forderung, daß Deutschland nur in bar bezahlen soll, entsprang vorwiegend politischen Gründen. Deutschland sollte zu Boden gezwungen werden. Das deutsche Wirtschaftsleben tollte ruiniert werden. Auf dem Felde der zu- samAneugeürochenet- deutschen Volkswirtschaft wollte dann französischer Wirtschafts-Jutprna- liSmus sich austoben. Tie Vernünftigeren haben dieses Spiel sehr wohl durchschaut. Die Warnungen von englischer und amerikanischer Seite sind in Frankreich nicht unbeachtet geöl-e- ben. Frankreich hat inzwischen ja auch zur Genüge erfahren müssen, wie eng sein eigenes wirtschaftliches Gedeihen mit d-M Wirtschafts- zuständ Deutschlands verknüpft ist..
So also kam man in Wiesbaden zu dem Grundsatz der Sachleistungen. Es ist ein kompliziertes Werk, das da zustande gekommen ist. Im ganzen soll nach diesen Abmachungen Deutschland bis zum 1. Mai 1925 Sachlieferungen im Werte von insgesamt sieben Milliarden Goldmark (also nach dem heutigen Stand der Valuta weit über hundert Milliarden Potiermark) liefern. Die Lieferungen aus diesem Abkommen dürfen von Frankreich auch nur zum Zwecke des Wiederaufbans vertuen - det werden. Die Kredite, die Deutschland notwendigerweise für die Erfüllung der neuen Verpflichtungen aufnehmen muß, und die Barer - träge und Waren, die zu Gunsten Deutschlands in Frankreich auflaufen, sind dem Zugriff der Reparations-Kommission entzogen. Besonders fällt die Zusage ins Gewicht, daß M den Lieferungen dir deutschen Organe nur in so w it verpflichtet sind, als sie mit den Produk- tionsmögllchk eitest Deutschlands und den Bedingungen seiner Rohstoffversorgung, sowie den inneren Bedürfnissen seines^ sozialen und wirtschaftlichen Lebens vereinbar sind.
Die Finanzierung wird aller Vortiks- sicht nach am meisten in den kommenden Debatten bekrittelt werden. Tas Finanzierungssystem ist allerdings auch recht verwickelt. Deutschland werden in den ersten viereinhalb Jahren nur sünfunddreitzig Prozent des Wertes der Srch- lie'crungen ans ReparationÄonto gutgeschrieben. Wenn in einem Jahre weniger als eine Milliarde Goldmark an Sachlieferunzen herauskommt, so werden in diesem Jahre fünf, undvrerzig Prozent des Wertes dieser Lieferungen gutgeschrieben. Der Höchstbetrag, der Deutschland in einem Jahre für solche Lieferungen gutgeschrieben werden darf, ist eine M'l- liarde Goldmark. Ans dieser Zahlungsform ergibt sich der eigenartige Zustand, daß sür die nächsten viereinhalb Jahre Deutschland zu fünf» undscchzig bezw. fünfundsünsziq Prozent Gläubiger Frankreichs wird, oder wie die französische Presse es einmal ausdrückte, als Bankier des französischen Gläubigers für giert Die Differenz, die sich aus dem Restbeträge am 1. M»u 1925 ergibt, wird in zehn gleichen Jahresrate!! bis zum 1. Mai 1936 nebst fünf Prozent Zinsen gut geschrieben. Mit dieser ZahSunasregulierung will sich Frankreich eine gewisse Bevorzugung sichern, die es mit der Notwendigkeit eines raschen INederaukbaus begründet. Frankreich hat weiter das Recht, das Abkommen jederzeit mit einjähriger Frist zu kündigen. Die deutsche Regierung kann eine solch? Kündigung jedoch frühestens am 1. Mai 1923 für den 1. Mai 1924 ausfprcchen. Damit ist -nrmerhin zum Ausdruck «bracht, daß Veränderungen des Abkommens vorgenoemnLn werden können, wenn der Versuch yt einer Verwirklichung die Notwendigkeit dazu ergibt.
Tie Wiesbadener Abmachungen werden die deutsche Wirtschaft erneut vvr schwere Aus
gaben und Lasten stelle«. Sie werden das! MedergutmachnngsproÄem, das in solcher Ungeheuerlichkeit und Größe noch keinem Volk der Erde aufgebürdet worden war, nur noch ettoct* tern. Jetzt ist es daran, das Wort wahr zu macken, daß wir uns durch Arbeit von den Fesseln des Versailler Vertrages freimachen. Denn das muß immer wieder betont werden, daß auch durch die Wiesbadener Abmachungen an" dem Versailler Vertrag nicht gerüttelt worden ist. Allerdings bedeutet diese Besprechung in so fern einen realpolitischen Fortschritt, als sie erkennen läßt, daß die Kriegs-Pspchose unter dem Druck wirtschastpolitischer Realitäten doch allmählich zu verblassen beginnt. J. B.
Bnanös politische Rede. Aus den Pariser Preffestimme«.
(Eigene Drahtmeldung.j
Paris, 10. Oktober.
Die meisten Morgenblätter beschränke» sich nur auf die Wiedergabe des Wortlautes der Rede BriandS, ohne eingehend dazu Stellung zu nehmen. Aus den wenigen Kommentaren, die indessen bereits vorliegen, seien die Grundgedanken wiedergegeben. „Eclair" schreibt: Die Rede Briands ist klipp und klar und zeugt von einer eltencn politischen Aufrichtigkeit. — In der „Liberty" heißt es: Die Sprache, die Briand geführt hat, wird im Ganzen wohl mit warmer Zustimmung ausgenommen werden. Der Ministerpräsident hat an den gemeinsamen guten Willen aller französischen Bürger appelliert. Er hat mit Bescheidenheit seine Entschlüsse dar- gelcgt. „Repnbliquc Fratwaisc" meint: Die Rede von St. Nazaire hat uns keine Klarheit über irgend welche gegenwärtig schwebende» großen Probleme gebracht. Die Rede ist von einschläfernder Wirkung. Sie bringt uns nichts Neues, besonders nicht über die Reise nach Washington. Wir glauben, daß die Kammer sich mit einem so armseligen ExposS nicht begnügen wird. Der Ministerpräsident hat der deutschen Regierung das Vertrauen ausgesprochen und hat zugegeben, daß die Verpflichtungen von Deutschland bis heute erfüllt werden sind. Er hat aber dem Gedanke» nidft die logische Folge gegeben.
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Wendung zur europäischen Politik.
Paris, 10. Oktober. (Eigener Dr-chtbericht.) Im „Oeuvre" wird gesagt: Tie Rede BtiandS ist mehr als ein Ministerprogramm. Briand hat nicht alS Sieger gesprochen, der mit den Sporen klirrt, auch nickst als Geschäftsmann, der seine Teilhaber einwickeln will, allch nicht als Diplomat. Briand hat als ein Europäer gesprochen. Er hat die Anfickst gehabt und geweckt, daß alle menschliche Voraussicht durch die Ereignisse überholt worden sei, daß man eine neue Politik machest müsse, die dem Bedürfnis einer neuen Welt anaepatzt ist. Die wichtigen Grenzen dieser neuen Politik dürfen nicht auf einzelne isolierte Staaten, sondern auf ein ganzes Staatensystem angewendet werden. Die Interessen Frankreichs können von denen Europas nicht losgelöst werden und die ganze Welt, die an der Wiederherstellung Europas interesflert ist, ntüsse daran helfen, die Grundsätze dieser Wiederherstellung festzusetzen Diese Rede war die Sprache cmes großen Politikers.
Entscheidung in (Senf?
Aufteilung zu Angunfte» Deutschlands.
(Eigener Drahtbericht.j
Pari«, 10. Oktober.
Die Genfer Entscheidung über die ober- schlesische Grenzfrage ist gefallen. Briand dkafte am Dienstag in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Oberste» Ententerats die Entscheidung amtlich an die deutsche und die polnische Regierung sowie an die Entente-Kabinett te bekanntgeben. Bor der Hand soll die Entscheidung geheim gehalten werden. In der Pariser Presse verlautet jedenfalls noch nichts darüber. In der unmittelbaren Umgebung Briands fiftW man dagegen bereits davon, daß Pole» 60—62 Prozent des oberschlesischen Kohlenreviers und 50—55 Prozent des Industriegebiets zugewiesen feien. Mau ist jedenfalls sehr geneigt, a» eine für Deutschland ungünsti, auSgefalle- ne Entscheidung zu glauben. Deshalb vermutet mau, daß eher von deutscher Seite Ausschreitun gen £?) beim Bekanntwerden der Entscheidung
erwarten seien, als von polnischer. Jnzwtt n hat die Botschafterkonserenz die Maßnahmen beschlossen, die gemäß Artikel 88 deS Versailler Vertrags unmittelbar nach der Entt cheidung der obcrschlesische» Frage zu treffen ind. GS handelt sich darum, die Uebergabe der deutsche gebliebenen Gebiete an die deutsche Staatsgewatt und diejenige der polnisch gewordenen Gebiete an die polnische» Behörde» z« gewährleisten. Worin diese Sicherungsmaßnahmcn bestehen, darüber verlautet bis jetzt noch nichts. Sie werde» zweifellos j» der Besetzung der der neuen Grenzlinie am nächsten liegenden Orte im oüerschlesische» Gebiete bestehen.
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Rückzug nach einem Monat?
Genf, 10. Oktober. (Eigene Draytmeldung.f Eine» Monat nach dem amtlichen Bekanntwerden der Entscheidung sollen gemäß Artikel 88 des Versailler Vertrages sämtliche Entenietrup- pen aus Oberschlesien zurückgezogen werden. Auch die interalliierte Kommission in Oppeln würde spätestens binnen einem Monat vcm Schauplatz ihrer Tätigkeit verschwinden. Man rechnet hier darauf, daß die Regierung Wirth auch eine ungünstige Entscheidung in der oberschlesischen Grenzfrage annehmen wird und man hofft, daß pe km Falle des Eingreifens irregulärer Truppen derselben Herr werden würde. Man ist osfenbar im Begriff, die Frage der Räumung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort gegen eine nachgiebige Haltung der Berliner Regierung i» ver ober schlesischen Frage und deren Entscheidung aus schlesischen Frage ausznspiele».
Vroteft in letzter Stunde? Verzögerung der Entscheidung.
(Eigener Drahtberichts
Genf, 10. Oktober.
In der oberschlefischen Frage, die kurz vor der Entscheidung stand, ist eine unerwartete Wendung eingetreten. Die Entscheidung des BölkerbundrateS dürste nicht vor Donnerstag zu erwarten sein. Die Mächte verhindern ihre Vertreter, dem Vorschlag in der oberschlefischen Frage die Zustimmung zu geben, toemt nicht gewisse Aenderungen borge- nommcn werden . Daß die jetzige Lage überraschend eingetteten ist, geht daraus hervor, daß alle Mitglieder des BölkerbundrateS bereits ihre Plätze zur Abreise für Montag belegt hatte». Unter diesen Umständen wird der Schiedsspruch des BölkerbundrateS lediglich eine Entscheidung deS Obersten Rates sein. Weiter verlautet das Gerücht, England habe gegen die vorgeschlagcne Grenzlinie Protest eingelegt, weil Königshütte und Saüowitz de» Polen zugesprochen werden sollten, obwohl Lloyd George auf der Pariser Konferenz diese beiden Städte Deutschland belasse» wollte.
Regierungs-Ambildung.
Die Bediuguusen der deutsche« DolkSpartei. (Eigener Bericht.)
Berlin, 10. Oktober.
Die „Deutsche Tageszeitung- läßt sich cnS München melden: Das Mitglied der Deutsche» Bolkspartei Rechtsanwalt Dahn ist von den Berliner Regiernngs-Berhandlungen zurückgekehrt und teitt mit, daß unter folgenden Haupt- bedingungen die Deutsckfe Bolkspartei in die Koalitionsregierung eiuzutrrten gewM sei: 1. Anerkennung der Unerfüllbarkeit deS Ultimatums durch den Reichskanzler Dr. Wirth. 2. Aufrollung der Schuldfrage von Reichswegen. 3. Verwerfung der sozialistischen Vorschläge zur Erfassung der Sachwerte.
Eine sozialdemokratische Etevungr-atzme.
Stuttgart, 10 Oktober. (Privaüele- gramm.) Die sozialdenwkratifche Partei Württemberg und Hohenzollem hielt am Sonnabend und Sonntag ihren Landesparteitag ab. Gestern sprach der Borfitzende der Partei. Hermann Müller, über die politische Lage im Reich. Eine Loalttionspolitik fei hier das einzig Möglich». Für de» Eintritt der Deutsche« BolkS- partei tn die Regierung fei Voraussetzung, daß sie sich restlos für die Republik erkläre. In dem Programut bet künftigen Koalitionsregierung müsse der gesctzlick/e Schutz der Republik, eine Justizrefvrm und die Festlegung der Regierung enthwten sein. Witth und Rathenau trieben die zur Zett einzig »ö^lichr Politik.
Oberschicht».
Sine An terreduug mit dem Reichskanzler.
®er sleikbsk-urzle» Dr. Wirth empssn« in Frei' bürg im Breisgau ben Äoi-refponbentett bet „‘Basier gtationalaeitnng" unb gewahrte ihm eine UnUrrebung, Vie folgenden Derlanf nahm, Frage: Wie steht eS mtt Oberschlesien? — Antwort: lieber den Stand her oberschlesi- schen Angelegenheit kann ich Ihnen bestimmte Angaben nicht machen. Wir wissen weder, ob die Meldungen zutreffend find, daß der Spruch des Völlerbundrates in den nächsten Tagen be- lanntgegeben wird, noch wissen wir, welchen Vorschlag sich der VöAerbundrat zu eigen macht Ich kann mich weder pessimistisch noch opti- Anstisch äußern: für uns gibt es nur eins: unser fester, unbeirrbarer Maube an das Recht. Frage: Wie denken Sie, Herr Reichskanzler, über die Zukunft des Landes, wenn das Gebiet bei Deutschland bleiben sollte? — Antwort: Was die staatsrechtliche Seite Ihrer Frage betrifft, so kann ich Sie nur auf die Antwort verweisen, die der Herr Reichsminister des Innern am letzten Freitag auf dre Anfrage der schlesischen Abgeordneten abgegeben hat. Dr. Grad- naucr erftärte im Einvernehmen mit der preußischen Regierung, daß das Gesetz, betreffend Oberfchlefien, vom 27. November 1990, das sogenannte Autonomiegesetz, unter allen Umständen durchgeführt wird, so daß in jedem Falle die oberschlestfche Bevölkerung selbst durch Ab- t immung über die Bildung des Landes Ober- chlesien entscheiden wird. Ich kann das nur nochmals unterstreichen: Was durch Gesetz de» Oberschlssiern zugesagt ist, das wird auf jeden Fall gehalten werden. Drs Schicksal deS Landes ist somit
in die Hände der Bevölkerung selbst
gelegt. Die Bestimungen der Weimarer Verfaf» ung bieten ja bereits die Gewähr, daß in Ober» chlesien die natürlichen Rechte der Bevölkerung erhalten bleiben, die sich aus den Besonderheiten dieses Landes ergeben. Niemand wird ton Gebrauch seiner Muttersprache, sei es deutsch oder polnisch, irgendwie behirckert werden. Selbstverständlich ist auch die völlige Freiheit der Religionsübung. I» einem Lande Oberschlesien kann die BwöNerung überdies ja noch die Maßnahmen tn gesetzgeberischer Form zur Durchführung bringen, die sie für die Erhaltung der kulturÄlen Eigenart Oberschlesiens für notwendig erachtet. — Frage: Was hatten We, Herr Reichskanzler von der Beiföh- nungsbewegung in Oberschlesien? — Antwort: Ich glaube fest daran, daß eine Politik der Versöhnung die allerbeste Lösung der öfter« schlesischen Frage, wie sie sich jetzt darstellt, sein wird. Ich glaube auch daran, daß eine solche Politik, di- einzige, die wir betreibe« Wunen, Erfolg hat, weil sie Erfolg haben muß. Nur Versöhnung kann diesem Lande den langersehnten Frieden geben. Die deutschen Kreise m Oberfchlssien sind ehrliche Anhänger des Versöhnungsgedankens. Sie haben nach dem Plebiszit ihren polnische» Gegnern die Hand geboten. Da kam der Aufstand, der zunächst jede Versöhnung zunichte machte, der neues Blutvergießen über das Land brachte. Aber die Ergebnisse des dritten polnischen Aufstandes haben doch gezeigt, daß nur
Bersöhmmg als Heilmtttek
ist, das allen helfen kann. Die oberschleftsche Bevölkerung darf überzeugt sein, daß niemand aus seiner Haltung vor, während und nach der Abstimmung irgendwie Schaden und Nächtest erwachsen wird. Wir müssen aber auch von ben Oberschlesiern erwarten, ine am 20. März ihre Stimme für Polen abgaben, daß sie, toemt die Entscheidung über Oberfchlefien gefallen ist, ehrlich und loyal am Wiederaufbau Oberschlesiens Mitarbeiten. Wir glauben das auch erwarte» zu dürfen, da eilte gemeinsame WiederaUstmu- arbeit aller Bevölkerungskrekse dringend vonnöten ist, wenn die furchtbaren Wunden geheilt werden sollen, die die AbstftmnungSzekt dem Lande geschlagen hat. Inzwischen blicke» alle Augen in Deutschland mach Genf. Ei« Ent» schetdnng, die unserem guten Recht nicht entspricht, würde nicht nur jede Möglichkeit eines Wiederaufflieges für das unglückliche Overschlesien vernichten, sie würde auch das demokratische, friedliche Deutschland ins Herz treffen. Gebe Gott, daß sich diese deutsche und auch europäische Lebensfrage zum Guten wendet
Amerika als Gläubigem •#
Keine Annullierung der Schulde«.
(Eigener Bericht.)
Berlin, M. Oktober.
Aus Washington wird über das Schul dl Verhältnis zwischen de» alliierte« Länder» und Amerika folgendes berichtet: Ter Sekretär des Schatzamtes Mellon erklärte vor der Budgetkommisfion des Repräsentanterchanses, daß der Kongreß so rasch wie möglich alle Maßnahmen ergreifen müsse, ihm alle Äollmachieu