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Nr. 227.

Elfter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

Beilage.

Dienstag, 4. Oktober 1921.

S1 Der große Heimatgedanke(

UZ kann nur in einem bodenständigen Blatte Vertiefung finden- Die Kasseler Neuesten == V Nachrichten, deren höchstes Ziel es ist, ein Heimatblatt in des Wortes bester Bedeutung Z F. zu fein, veröffentlichen allmonatlich in ihrer Rubrik .Heimatland" aus der Feder A UZ zahlreicher Mitarbeiter aus dein Verbreitungsgebiet fesselnde Artikel, ine sich des leb- == V basten Beifalles unserer Leser erfreuen. Weisen Sie auch auf diese Rubrik der Kasseler F s. Neuesten Nachrichten bei allen F-reunden und Bekannten hin, die noch nicht zu den Lesern A ZZ unserer Zeitung zählen und empfehlen Sie die Kasseler Neuesten Nachrichten zur Bestellung. GZ

Vatenfchasten.

Aufruf an alle Bauernschaften.

Einen Ausruf der Kreisbauernschasten Kassel, Hofgeismar und Wolfhaaen an sämtliche Orts- bauernschaften und Gutsbezirke eiUnchmen wir: In den VertteterverjÄmmlungen Kassel, Hof- geiSmar und Wolshagen ist cinsüurmig in Äus- toithm« der Kreisvorsitzenden Bespreckmngeu in Kassel und der erweiterten Vorstandssihuug in Marburg die vorbehaltlose Annahme des ge­planten Hilfswerks zur Unterstützung der not­leidenden Kleinrentner ttnb sozialen Anstalten der Kteise, sowie der Stadt Kassel beschlossen wenden und für die Aermstcn der Armen, die nicht mehr arbeiten können und die genau den Zeitpunkt ausrechncn können, spann sie mit ihren Exiistenzmtttcln zu Ende sind, die Einfüh­rung von sogenannten Patenschaften. Eine jede Ortsbariernschaft oder Gutsbezirk wird gebeten, ie nach Größe und LeistnngS- siähigkett eine Anzahl dieser HilfSbedürstigm zur unentgeltlichen Belieferung mit Le­bensmitteln fAr den Winter zu übernehmen, deiren pro Person 3 Zentner Kartoffeln, % Zentner Weizenmehl und 15 Pfund Hülsen­früchte tunlichst zuzusenden wäre. Die Kreis­städte kommen natürlich ebenfalls in Betracht. Es tverden die nächstgclegenen Ortschaften mit der Belieferung betraut. Nachdem nun in die­ser Weife der allergrößten Not gesteuert, wird gebeten, auch denfenigen Personen, die etwas Mehr Einkommen wie 3000 M haben, sowie den sozialen Anstalten, wie Dicchcnhäufer, Krüppelheime, bedürftigen ttriegsbeschädigtrn, KriegAhinterbÄebencn, Kriegerwitwen mit stuc­ken Familien den B-eqng von etwas billigeren Kartoffeln zu ermöglichen. Es soll durch durch­aus freiwillige Zeichnung ein Posten Kartoffeln zum Preise von 30 Mark pro Zentner gesam­melt und den Kceisbauernschalftm zur Vertei- lung angedient werden. Die Stadt hat mit dieser Angelegenheit mchts zu tun, die Ge­schäftsstelle übernimmt die Verantwortung, daß diese Kartoffeln auch in die richtigen Hände kommen. Um jeder Ortsgruppe nun einen Anhaltspunkt für die aufzübringende Menge zu geben, wird vorgeschlagen auf icbn Morgen Kartoffelanbaufläche einen Zentner verbilligte Kartoffeln zu liefern. Für die Be­lieferung von Kasel kommen die Kreise Kassel, Eschwego, Fritzlar, Hofgeismar, Hom­berg, Melsungen, Rotenburg, Witzenhausen, Wolfhagen und Ziegenhain in Frage, in derer Orten ähnliche Aktionen eingeleitet werden. Es ist eine groß« Beunruhigung in *bic städtische Bevölkerung durch die sprunghaft in die Höhe gehenden Kartoffelpreise, .verursacht durch die sinkenden Mark-Rotierungeu, hinetn- get ragen worden. Wo der Verkauf von Kar­toffeln direkt vom Erzeuger zum Verbraucher geschieht, also überall da, wo persönliche Be­ziehungen vorhanden sind, regen wir an benn Preis pro Zentner nicht über 50 Mark hinanszugehen. Bei Verkäufen an Händler, wo keine Kontrolle über den Verbraucherpreis er­zielt werden kann, ist natürlich der jeweilige Tagespreis in Rechnung zu stellen. Landwirte, Landfrauen, offene Herzen, offene Hände. Es muß Euch eine Freude sein an diesem geplanten HiWwerk in opferwilliger Nächstenliebe teilFn- nehmen. Bedenkt, daß Ihr es in der Hand habt, von dem was in harter Arbeit dem Bo­den abgerungen, manche Träne zu trocknen und mancher leidgeprüften Mutter im Hinblick aus ihre Kinder wieder einen Sonnenblick in ihr verdüstertes Dasein zu werfen. Offene Herzen, einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Kartoffelpreise und Betriebsräte.

Don dem Betriebsrat eines großen Kasseler Werkes wird uns geschrieben: Der Betriebsrat gibt sich seit Wochen alle erdenkliche Mühe. ®r die Arbeitnehmer des Betriebes die erforder­lichen Winterkartoffeln zu einem erschwinglichen Preise einzukaufen. Erzeuger sowohl als Händ­ler ließen sich aber auf Preise nicht ein. ^Vetter

Versuch, einen Preis fefizutcgen, stieß auf ®< derstanb Man versteifte sich auf den »Tages­preis" am Tage der Lieferung. Nachdem nun allmählich die Lieferungszeit beginnt, wird auch die Preisfrage etwas durchsichtiger. Erzeuger verlangen schlankweg 70 und 65 Mark für den Zentner ab Gut. Die Händler 5865 Mark -Ab fremder Station in Pommern, Mecklenburg, Brandenburg ustv. Zögert man, diese Preise zu bewilligen, so erhält man die niederschrnet- ternde Antwort:tu ackft Tagen zahlen Sie 75 Mark.' Will man nicht Gefahr lanzen, daß die ganze Arbeitnehmerschaft ohne Kartoffeivorrat dem Winter entgegengeht, so muß man notge­drungen zugreifen. Wir werden zu dieser Fest­stellung gedrungen, weil in den Kreisen der Arbeiterschaft sowohl, als auch aus dem Lande bog Gerücht verstreut wird, die Betriebsräte verteuerten die Kartoffeln, weil sie jeden Preis bieten. Für bte Allgemeinheit ist es von gro­ßem Interesse zn erfahren, ob das Gerichtsur­teil in Geestemünde, wonach Preise über 40 J( als Wucherpreise angesehen werden flöt ganz Preußen maßgebend ist und ob auch dann der Käufer wegen Wuchers zur Anzeige ge­bracht werden kann, wenn er, wie im vorlie­genden Fall, notgedrungen den Wucherpreis be­willigen mußte, um schließlich nicht vollständig ohne Winterkartoffeln dazustehen.

Aus alter Welt.

Streik Im Berliner <KafNvir1«gewerbe.

Am Sonnabend mittag traten in Berlin ins­gesamt vierzigtausendAngestellte des Gastwirtsge- Werbes in den Streik Der Streikbeschluß Wurde im Laufe der Nacht in sechs großen Versamm­lungen einstimmig gefaßt, weil ihre Forderun­gen von den Arbeitgebern abgelehnt worden wo. ren. Tie Gastwirte, die gegen den Kellnerstreik eine Abwehrorganisativn gebildet haben, be- scklossen am Freitag abend, an ihrer bisherigen Forderung der Umwandlung des Kellnergehal- res, in einen zehnprozentigen Abzug von der Rechnung festzuhaften, während allen andere» Angestellten im Gaftwirtsgewcrbe, die nicht aus Trinkgelder rechnen können und infolgedessen sich den Kellnern gegenüber tot Nachteil befinden, erhebliche Lohnaufbesserungen gewährt worden waren. Die Versammlungen in derNacht verliefen übrigens zum Teil reckt stürmisch, da überall mich starke Strömung für eine Einigung auf der von den Gastwirten vorgeschlagenen Grund- laae vorhanden war. Die Vertreter dieser fried­lichen Richtnna wurden jedoch von radikalen Elementen unterdrückt. Die auf kommunistischem Boden stehenden Kellner unternahmen einen scharfen Vorstoß gegen die Verbands!eitungen. Sie verlangten fcgar, daß daS Personal sofo-rr Schritte unternehme, um die Sozialisierung der Gaststätten dnrchzusehen Im Adlonhotel einigte man sich auf der Grundlage des Schiedsspruches. Die Direktion sah sich zu dieser Maßnahme ge­zwungen. weil sie zahllose Enten!ekornmiffionen beherbergt, die unter allen Umständen eine Wei­terführung des Betriebes verlangten. Da au­genblicklich Berlin einen großen Fremdenzustro-nt zu verzeichnen hat. machte sich der Streik der Kellner sehr empfindlich bemerkbar. Behördli­cherseits trägt man sich denn auch schon mit der Absicht, einen Nocketrieb einzusetzen und even­

tuell in sehr großen Betrieben eine Speisung ans Feldküchen in die Wege zu leiten.

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Elefant und Operateur.

Bei einer Operation, die dieser Tage an Toto, dem großen afrikanischen Elefanten des zoologi- sfen Gartens in Rom, ausgesührt werden sollte, fand der Operateur einen grauenhaften Tod. Der Arzt Dr. CauezzD hatte kürzlich bereits in Ver­tretung des GartenarzteL an dem großen Orang- Utang mit bestem Erfolg eine Operation vorge­nommen; der Asse hatte sich dabei so musterhaft und ruhig betragen, daß der Arzt annahm, das gleiche von betn intelligenteren Elefanten vor­ausfetzen zu dürfen. In dieser Erwarttmg sah et sich indessen getäuscht. Er hatte, um ein Ge­schwür am Halse des Tieres zu öffnen, gerade den ersten Einschnitt getan, als der Elefant den Kopf, der mit eisernen Ketten von den Wärtern gehalten wurde, emporwarf, den Doktor mit dem Rüssel niederschlug und so lange auf ihm hecum- trampelte, bis er nur noch eine unförmige Musse war. Dana ergriff er die verstümmelte Leiche und warf sie gegen die Gitterstäbe seines Käfigs.

* Ein teuflischer Plan. Gin als Schwerver­brecher bekannter Bergmann wurde in Hamm (Westfalen) verhaftet, da er einen teuf­lisch erdachten Mordplon gegen eine Haus Nachbarin vorbereitet hatte. Er hatte eine Schlauchleitung hergcstellt, durch die er in die Wohnung der Frau Gas ein strömen lassen wollte. Als Helfer hatte et einen jungen Mann ansersehen, der aber auf seine Pläne nicht ein­gegangen war.

* Gemeinsam in den Tod. Wie aus Essen gemeldet wird, wurde bei Nerden aus dem Ei­senbahngleis ein schrecklich verstümmeltes Li ebespaar aufgesunden, das mit Stricken aneinander gebunden war In einem hinterlas­senen Testament bitten beide, gemeinsam in ei­nem Sarge beerdigt zu werden.

* Therese Pogl -st. Ans München wird ge­meldet. daß dort die einst berühmte Wagnersän- gerin Therese Vogl im Alter von fünfund- siebzig fahren gestorben ist. Sie war die Gattin Heinrich Vogls und gleich ihm in Wag- ners"Kampfjahren die beste Verkörperung sei­ner Schöpfungen. Wie ihr Gatte der erste und lange Zeit einzige Tristan war, so war sie die erste Isolde.

* Eine große Unterschlagung. Aus Oppeln wird gemeldet: Der Apobecunte Plachetla von der Oppelner Apo begab sich gestern mit einem Scheck der Apo, der auf 8G2ÖfiO Mark lautete, zur Oppelner ReichSbank, hob daS Geld ab und ergriff die Flucht.

* Camburger Gespenster. In dem thüringi­schen Städtchen Camburg wurden kürzlich Leute, die nachts am dortigen Friedhof vorübergingen, durch lange weiße Gestalten ersckftcckt, die sich «den Gräbern bewegten. Man erwischte

h zwei Sckso-sserlchrNnge, die Hobe Müt­zen aufgesetzt und Hemden über die Kleider ge­zogen hatten. Sie werden wegen groben Unfugs zur Verantwortung gezogen werden.

* Der schwerste Man» der Welt gestorben. Der schwerste Mann der Welt. Gütgemann, der in Wattenscheid in einem Restaurant auftrat, ist tot Marieuhospital zu Wattenscheid einer

Lungenentzündung erlegen. Gütgemann, der aus Köln stammt, war 46 Jahre alt, wog 530 Pfund und galt allgemein als der schwerste Mann der Welt.

* Ein Dampfet gestrandet. Einem Telegramm aus Helsingsors zufolge ist der große amerikani­sche Dampfer23 asco', mit einer Mehlladung nach Petersburg unterwegs, im östlichen Teil Bei Finnischen Bucht aus Grund gestoßen. Der Dampfer ist so schwer beschädigt, daß er wrack werden wird. Die Besatzung mutzte das Schiss verlassen. Ihr Schicksal ist unbekannt.

* Ucbersall auf einen Schupobeamten. Wäh­rend eines Tanzvergnügens im Lokal eines Gastwirts Haase in Mersin bei Lauenbuiq in Pommern belästigte und mißhandelte der Höker Krack aus Saulin in betrunkenem Zustande ein Alädchen. Dieses suchte Schutz bei einem Schupo­beamten. Run richtete sich dir Wut des Krack gegen diesen. Er holte mehrere seiner Freunde herbei, die sich auf den Beamten stürzten und ihn niederschlugen. Der Beamte griff tu dcr Nokvehr, am Boden liegend, zu seiner Schußwaffe und gab auf seine Angreifer zwei Schüsse ab. Ein Schutz trat den Kopf, der zweite den Unterleib des Krack, bet nach wenigen Augenblicken starb. Die eine Kugel verletzte leider auch eine Frau aus Mersin, die ins Krankenhaus gebracht werde« mutzte.

Der GOatz des Seeräubers.

Zwanzig Millionen Mark Wert.

Dor knrzent wurde ein grotz er Schatz 6et Zamstedt tm Kreise Neuhaus a. d. Ostsee gefun­den: trott einigen Seiten wurde et sofort als der tierfditoitnbene Siörtebecker-Schatz be­zeichnet. Vom Archivar des Kreises Hadcln wird diese Vermutung jetzt bestätigt: Eine Prüfung des entdeck!en Schatzes hat ergeben, datz es sich nicht nut um Silber handelt, sondern datz alles, was auf den ersten Blick als Messing angesehen wurde, teineS Gold ist. lieber den Um­fang des Sckrntzes konnten genaue Feststellungen noch nidrt gemacht werden, da aus wiffenschastli- chcn Gründen ohne weiteres keine Teile entfernt ober eine größere Anzahl Stücke zur Prüfung herausgenommen werden dürfen.

Der Schatz besteht zur Hauptsache aus aller­hand Eegenständen. Bechern, Schüsseln, großen Ringen. Kannen, jedoch sind irgendwelche Mün­zen noch nicht gesehen worden. Die Gegenstände sind in einer vollständig vermoderten, mit Essen beschlagenen Kiste untergebracht, die eine Länge von mindestens Zwei Metern und eine Breite von etwa achtzig Zentimetern hat. Noch in einem Meter Tiefe liegt Metall, sodaß es sich um etwa zwei Kubikmeter Gold und Silber handelt, das schon allein an Metallwert minde­stens zwanzig Millionen Mark Wert hat, abge­sehen von dein Kunskwert. Aus dem Fundort, etwa drei Kilometer vcm Lauf der Oste entfernt, in der Marsch, sind keine einwandfreien Schlüsse über die Herkunft der Gegenstände zu ziehen, es ist aber sehr gut möglich, daß dieser Schatz seinerzeit von den Seeräubern hier vergraben worden ist. da er auch bei der Su. che nach dem Störtebecker-Schatz gesunde» wur­de, und außerdem nur eine Stunde weiter e i n Schiff in der Marsch gefunden wurde, das bis­her nickU gehoben wurde, daher sein Alter unbe­kannt ist.

Ebenfalls nicht weit von der Fundstelle ent­fernt liegt das Gut Ost en Hagen, von dem erzählt wird, daß eS einst dorn Störtebecker ge­hört habe. Da der Entdecker des Schatzes nur ideale Ansachten htt, und die Zeit der wissen- schaftlichen Hebung desselben ruhig abzuwarten bereit ist, soll mit der Ausgrabung so lange ge­wartet werden, bis einwandfrei feststeyt, wem der Millionenschatz heute zusteht, und die Sichet« beit gegeben ist, daß er nicht ins Ausland ver­schoben wild Zuizeit fehlt noch die Antwort der Regierung auf diese wichtigen Fragen. Nach dem alten Gesetz gehört alles dem Besitzer deZ Grundstückes und zehn Prozent dem Finder.

15) Roma« von Dorothea Goebler.

Es »ruß jedenfalls ein sehr seltsames Haus sein,' mischte sich auch Frau Marianne in die Unterhaltung, und dabei kam in ihr Ge­sicht derselbe Zug. mit dem sie am Nachmittag Vir Beziehungen zu des Sohnes Jugendliebe zurückgewiosrn. als wollte etwas Unreines zu ihr heran. Sie sagte:Ich weiß nicht, Richarv, der Mann ist verheiratet, eine Fran steht sei­nem Hanse vor, ich darf nach Deinen Wörter Wohl annehmen eine Dame, und wen emp­fängt er? Wen empfängt liefe Frau? Wer geht bei ihnen ein und aus? Ich las den 91a- men einer russischen Balleteuse, deren Aben­teuer beinahe ebenso berühmt sind wie ihre Kunst, wenn nicht noch berhümter.*

Dir Dobruschka!* Ter Sohn lächelte leise. Also das haben sie hier auch berichtet? Lieber Himmel, was doch unsere Zeitungen alles für wichtig halten. Eine Balleteuse ist die Dobrusch» ka übrigens nicht. Mutter Sie tanzt ihre eige­nen Tänze und ihre Tänze sind schön tote Träume, Märchenbilder aus einer anderen Welt. Sie ist eine große Künstlerin! Hubert van Ecken bat sie ja auch gemalt. Du liebit', und nun Hatter er plötzlich den leichten Plau- betton wieder,Du siehst, die Freundschaft hat eine sehr natürliche Erklärung.' Aber Fran Marianne warf den Kopf mit einer sehr be­stimmten Bewegung zurück: ^Ich bade nichts dagegen, datz er sie malt, aber gemalt wird ja uwhl im Atelier und das Atelier ist nicht in3 Hans. Me hat sogar in seinem Haus gewohnt drei Wochen lang, nein, Richard, ich könnte mich nicht erwärmen für einen Marm, der in Bezug auf sein Haus so weichcrsigen Grund­sätzen huldigt wie dieser Herr van Ecken.'

Mutter, das sagst Du und besitzest doch sein Bild?' Richard wceS empor zu der Frau im Goldrahme.a, .wer Frau Marianne erwiderte kalt:Das ist natürlich etwas anderes, ich kann daS Werk vom Menschen trennen.'

Und bet Mensch wurde also keine Guave finden vor Deinen Augen!' Er sah sie lange

und nachdenflich an:Wie, wenn ihn nun bis Schicksal einmal hderherweht, meinen alten rö­mischen Freund?'

Hoffen wir, datz das Schicksal bas vorläu- sia nicht tut, lassen wir doch überhaupt endlich mal Maler und Bilder und was dazu gehört.' Der Freiherr schnitt nut einer unmutigen Haud- bewegung das Gespräch ab und trat wieder an den Tisch zu den anderen: »Ich dächte wir ha­ben jetzt wichtigere Dinge zu erledigen, als die­sen Hern van Ecken und seine Freunbe und Freundinnen. Richard, Du hasst Deine .tlte.t Zimmer oben bereit gefunden, ich beule, es wird Dir recht fein, zunächst ganz so zu woh­nen wie einst.'

Und ob es mir recht ist, Vater ff Er rief es mit warmer Herzlichkeit, und fast mit einem Aufatmen, als wäre anch er froh, heikle unb gefährliche Gebiete verlassen zu können, fuhr er rasch fort:Du kannst dir nicht denken, wie mir zumute war, als ich wieder oben eintrat, alles wie einst, nach fo langer Zett wieder zu Haus!' Er reckte die Arme, und feine Augen leuchteten. Dann bückte er sich rasch, nahm bei Mutter Hand und küßte sie.Utto Mutter hat mir alles so be­haglich gemacht, vom ersten Schlitt cm war ich wieder heimisch im alten Rest.'

Das ist mit lieb zu böten,' der Freiherr nickte befriedigt.Ich habe mit inzwischen noch manches überlegt, wir schreiben jetzt Mitte Sep­tember, nimm die Zeit bis zum Oktober noch als eine Art Ferien! Sieh dich um, hier in Dlan- keufelbe, in Eichhof, in der Nachbarschaft. Nur, daß du mal erst richtig wieder festen Fuß fassest unter Verhältnissen und Menschen, vom Oktober fange bMt an zu arbeiten. Paul mag dich in die Wirtschaft einführen. Du kannst dir keinen besseren Lehrer wünschen als ihn, unb ich denke, er fottb es gern tun.'

Mit bem größten Vergnügen, Onkel.' Paul beritte sich, eS zu versichern.Wenn sich Richard mir cnOertraut*

Ich wüßte nicht warum et es nicht sollte! Et kann bann anch mit dir zusammen gleich »och einige Kurse auf bet landwirtschaftlichen HochschLtte hören. Pauk hörte sie seit einem, Jahr,' wandte er sich erklärend zu dem Sohn. Also einverstanden?' Richard schwieg.

Der Vater zog die Augenbrauen hoch:Ober hast bit etwas anderes im Sinne?'

Anderes, Vater*, Richard machte eine Handbowegung,nein, es ginge ganz gut so, ausgezeichnet sogar! Es ist nur,' er zögerte ein wenig, dann aber hob er den Blick und sprach mit rascher Entschlossenheit weiter:Ich kann es dir heute noch nicht sagen, Vater, wenigstens nicht, tib ich schon Oktober damit ansangen kann,' fügte er rasch hinzu.Es ist möglich, daß ich Ende Oktober nach Men muß.'

Muß?' Der Freiherr horchte auif,was für ein Muß?'

(Sine Verabredung, Vater, die sich nickt um­gehen läßt wenn ich darum gemahnt werde; ober wie gesagt, es ist noch in der Schwebe, Relleicht verzögert sich die Sache bis zum Som­mer, es kann aber auch gang vbö-tzlich kommen.'

Unb das wird sich wirklich nicht ändern lassen?' Der Freiherr suchte des Sohnes Mick. Ich denke, Richard, du wirst ettrsehen, daß bas Reise- und Wanderlelron jetzt ein Ende haben muß Du bist jetzt wieder hier, cm bet Stelle, wo dein künftiger Wirkunasplatz ist, das bringt denn doch etwas andere Aufgaben, als das Le­ben in bet Fremde.' Eine tiefe Erregung bebte in seiner StimmeDu mnßt dick doch auch endlich selbst um Eichhof kümmern,' fuhr er nach kurzer Pause fort

Ach Gott! Das besorgt doch Herr von Tachl- witz ganz ausgezeichnet! Es wat Hildes Stimme, die plötzlich bell und lachend in das curffteigende Gewitter hineinSang.

Herr von Dahlwitz? Was weißt denn du von Herrn von Dahlwitz?' Der Freiherr wandte sich zu ihr hinüber und matz sie mit einem lan­gen unb ernsten Blick.Kommst du den Herrn? Woher?'

Ach, Väterchen, es kam ja aauz einfach,' sie trat zu ihm und schlang bie Arme um seinen Hals: war im Sommer mal rübergelaufen

nach Eichhof. schließlich, man will doch mal sehen, wie es bei feinem Bruder ausschnut,' sie zwinkerte Nicharb zu,und da habe ich mich ver­laufen, utto dann kam Herr vc-n Dahlwitz und war furchtbar nett, er sagte mit Bescheid und brachte mich zurück auf den rechten Weg. und nachher haben wir uns noch öfter mal getroffen

im Wald unb am See. zufällig nur natür­lich!' Sie errötete.

Das setze ich voraus, meine Tochter, und davon haben wir nie etwas erfahren? Heim­lichkeiten, Hilde?'

Nun ja,' sie schmollte,es war ja doch hier alles verpönt, was mit Eichhof znfammenhing.'

Eigentlich für dich ein Grund mehr, meine Tochter, überhaupt nicht hinzngehen. Hilde, du wirst mir neuerdings etwas zu selbständig. ich werde Taute Ursel und Mutter bitten müssen, dich etwas schärfer beim Zügel zu nehmen.'

Paul nickte Beifall:Ja, ich bttbe auch schon darüber sprechen wollen, du bist unvorsichtig, Hilde, immer so allein durch» Wald Md Feld'.

Soll ich vielleicht erst warte«, bis du mit* kommen kannst?' Die hielte ihm schnippisch den Rücken, aber Richard tief:Tu es, Hilde, du läusst dann bestimmt nicht Gefahr, dich noch ein­mal unerlaubterweise in meine Gebiete zu ver­irren'

In gutem Schutz stände sie jedenfalls.' Der Freiherr hatte ben Doppelsinn in des SohneS Worten wohl heraus gehört, und sein Auge flammte auf. aber er unterdrückte den aufsteigen» den Zorn und fuhr beherrscht fort:Ihr müßt mäh jetzt entschuldigen. Ich werde mich zurück- ziehen, es war doch ein anstrengender Tag. Richard, wir besprechen morgen früh das Wei» irre, ich erwarte dich gegen zehn in meinem Zim­mer. Mariarure, darf ich bitten * Er stützte sich schwer auf bei Gattin Atm. Sie sah angstvoll z>l ihm empor unb sah daun bi trüber zu dem Sobn. Sie empfand mit zitternder Seel« den Mißflang, mit Vern dieser erste Abend schloß unb versuchte noch einmal einwlenken:Aber Ihr bleibt noch alle hier, ja? Richard, bu auch? Ich komme nachher noch einmal herunter, dssr plau­dern «och ein Weilchen * (Fortsetzung folgt.)

$mnov In ernster Zeit.

Liebenswürdig Ein Master, wohlbeleib» Irr Herr stieg aus daS Trittbrett edier automafb schon Wage, warf einen Groschen in den Schlitz unb wartete. Die Wage war kapitt. Die zeigte ein Gewicht von zwölf Kilogramm an.Don­nerwetter,* sagte ein Herr, der daneben stand, ich glaube. Sie sind bohl'*