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Sonntag, L vnrret nm,

ÄdfTeTet Neuere 9?4&rfAfett

Rede des Reichskanzlers.

Helfferich wurde die Sitzung vertag-.

Laben, denn dieser ließ Konflikte gar nicht auf- k»armen, weil er eine Gewaltpolitik mit Küras­sierstiefeln nach außen hin verschmähte und da-

in dem Sinne. daß sie für Zahlungen, die die Industrie leiste, bezüglich des Zinsendienstes vielleicht auch der Abzahlung die Garantie über­nimmt. Als zweiter Weg käme ein zweites Reichsnotopfer für die nächsten Jahre in Betracht. Dr. Heim führte dann aus, daß es nicht Aufgabe der Landwirtschaft sein könne, Devisen zu beschaffen, sondern Devisen zu spa­ren. Dieses könne nur dadurch erreicht werden, daß die Landwirtschaft durch Steigerung ihrer Produktion die zwei Millionen Goldmark er­spart, die wir für die Einfuhr ausländisflser Lebensmittel bezahlen müßten. Es sei zunächst nötig, die vielen Kräfte, die im Dienste b-§ Fortschritts in der Landwirtschaft arbeiten, zu­sammen zu schließen, es sei aber auch nötig, daß die Arbeiterschafl an dem Rettungswerk mitar­beite Solange es noch rätselhafte Streiks gebe, solange man an dem schablonenhaften Achtstm:- dentag festhalte, sei keine Hilfe möglich. Wenn die Stränge angezogen mürben, muffe die Re­gierung dafür sorgen, daß alle Stränge gleich­zeitig angrzogen würden.

ter rechts, Lärm IlnT-S.) Die Republik muß ge- geir die reaktionären Umtriebe geschätzt werden. Ter Abgeordnete Scheidemann unter­stützte die Ausführungen des Kanzlers und meint, Abwehrmaßnahmen gegen Mörder und Mordhetzer müßte die Reaierung treffen, foult werde sie selbst sortgefezt und der Bürger-

haben nur geduldet, daß nach dem Fortgänge Bismarcks eine törichte Politik getrieben wurde. Diese Politik ist unser Schicksal geworden. Und

krieg notwendig gemacht. Rach einer WCOT 3 W S unb Dr.^ismarcks Kürassierstiefel Herdeiwünschen! Rein,-r

Helffench wurde die Atzung vertagt. Bismarcks genialen Kopf müssen wir

Unter dem Zeichen einer politischen .Aus­sprache- stand die große Reichstagssitzung vom Freitag. Alles, was an Temperament in der Reichstagspause aufgespetchert worden war, ent-

Demokratischer Varleitag.

Eine Rede des Parteivorsitzenden Petersen.

., Am Kasseler Obe^Motbahnhof wehen die schwarz-rot-qpL^ncn Fahnen der Republik. Sie begrüße hie Teilnehmer am Parteitag der Rutschen Demokratischen Partei für Hessen-Nassau, der gestern abend du der Stadthalle mit einer öffentlichen Versammlung eröffnet wurde. Der Vorsitzende der hiesigen Organisation, Lhzeumsdirektor Dr. Friedrich, zeichnete ein Bild von der politischen Lage und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, daß diese Tagung der hessen-nassauischen Demokraten bedeutungsvoll für die Gesanttem- wicklung der Partei in unserer Heimatprovinz sein möge. Dann hielt der Vorsitzende der Ge- samtpartei, Senator Dr. Petersen-Hamburg, einen einstündigen Vortrag über die Wirt­schaftslage und die Reparationen. Er griff weit zurück und schilderte zunächst die Ursachen des Krieges, die er darin sah. daß un­sere verantwortlichen Stellen die Politik unseres genialsten und weisesten Staatsmannes Bismarck außer acht gelassen haben. Dennoch ist nicht zu sagen, daß wir den Krieg verschuldet haben; wir

Die Devisenbeschaffung.

Aus Industrie und Landwirtschaft.

(Prtvat-Telegramm.)

München, 1. Oktober.

In der LandeNauernkammer besprach der Präsident Dr. Heim die Frage der Deviscnbe schaffung. Er berichtete von der Aussprache, die zwölf Vertreter der Landwirtschaft mit der Reichsregieruna in Berlin hatten. Rach den Worten des Reichskanzlers handle cS sich nicht um eine einmalige, sondern um eite dauernde Hilfsaktion. Plan für diese Aktion stehe noch nicht fest und man wisse noch nicht, wie die Landwirtschaft herangezogen werden solle. Als Wege kamen in Betracht die Bürgschaftsleistung der Landwirtschaft

durch uns Luft und Leben ließ. Deshalb sind die Kürassierstiefel jetzt gar nicht am Platze, viel­mehr müssen wir jetzt jeden Lärm vermeiden, der die Chauvinisten jenlseits der Grenzen immer wieder aufhorchen und gegen uns tätig sein läßt, weil sie meinen, daß wir noch immer zu glimpf­lich dawongekommen seien. Im Zusammenhänge mit dieser Stimmung in Frankreich behandelte er nunmehr die Wiedergutmachung, die uns Lasten auferlege, durch die wir und noch mehr die anderen wirtschaftlich ruiniert würden, weil sie eben auch hier die Weisheit eines Bis­marck vermissen ließen und mit Kürassierstiefeln vorgegangen seien. Die Folgen zeigen sich: in Amerika gibt es sechs Millionen Arbeitslose, das englische Wirtschaftsleben stockt, in Frank­

vor und nach dem Erzbergermord gehalten. <T.4e Bedeutung, die die Ratifizierung des Fried!

Vertrags mit Amerika hatte, wurde dal vergessen. Auf den Tribünen das ü6Ii»ijeLßVt aber auch der Sitzungssaal war ur, *9*.. stark besetzt. An der Ministerban» ^'gewöhnlich ~ " sämtliche Mi-

n/IK-arm Von Diplo-

nister, der Kanzler, ein ( maten. Beamt»» »nb Onwm*. _ .

M. * ........ issEn. Der Abge-

Teuerungsaktion. Der Deutsche Beamtenbund fordere nach wie vor

Sicherung eines Mindesteinkommens Mr alle Beamtengrupvcn, in Sondccheit aber füt dre Angehörigen der unteren Befoldunas- pruppen. Der Deutsche Beamtenbund vertrete keineswegs die Auffassung, daß die ausreichende Besoldung der unteren Gruppen auf Kosten d.r höheren Beamten erfolgen dürfe, halte es im übrigen aber nicht für gerechtfertigt die berech­tigte Forderung der Beamten der unteren Be­soldungsgruppen auf Sicherung ihrer Enstenz unerfüllt zu lassen. Um die dauernde Anpas­sung der Gehälter an die veränderten Preis- Verhältnisse zu gewährleisten, werde die lau­fende Angleichung der Kaufkraft des Eur- kommens an die Höhe (gleitende : Skalai für dringend notwendig gehalten. Ob die Sicher­ung des Mindesteinkommens auf dem Wege be*- Aenderung der Grundgehälter oder durch an­dere Mittel zu erreichen sei, könne weiterer Be­sprechung Vorbehalten bleiben. Die Hauptsache sei, daß der Beamtenschaft schnellstens geholfen werde. Aber auch wenn die Befoldungsfraze der Beamten in diesem Sinne gelöst werde, müsse außerdem weitere Hilfe durch

orone-. H e r g t erhält als erster das Wort. Er proklamierte schon zu Beginn seiner Ausfüh­rungen den ausgeprägttn Kampf gegen d,e Reichsregierung. Es geht wiederholt außerordentlich lebhaft zu, da die Ausführun­gen Hergts von der Linken teils mit stürmi- schem Widerspruch, teils mit Heiterkeitsaus- bruchen begleitet wurden, während die Deutsch­nationalen ihrem Vertreter kräftig sekundieren. Hergt bestreitet, daß irgend welche parteiver- antworflichen Kreise in irgend einer Form au dem Erzbrrger-Morde beteiligt seien. Hergt greift die Ausnahme-Verordnung des Reichs­präsidenten auf das schärffte an und verlangt ihre Zurückziehung. Zmn Schluffe fordert er, von der Linken mit den Zurufen:Heuchler", Schauspieler" unterbrochen, dazu auf, mit dem Vergangenen Schluß zu machen und sich zu ge- meirrsamer Arbeit zu sammenzufinden. Nach Hergt kommt sofort der unabhängige Abgeord­

nete Ditimann zum Wort, um die zum .Schutze der Republik" vorliegenden unabhängi­gen Anträge zu begründen. Die Deutschnatio- nalen und die Deutsche Volkspartei verlas­sen geschlossen den Saal. Nur hie und da läßt sich die eine oder andere Persönlichkeit auf kurze Frist im Saale blicken. Drttmann kämpft ungemein schroff gegen die Deutschuetionalcn. Er sagt von ihnen, daß sie mit verteilten Rol­len spielen und auch in der Erzberger-Hetze und beim Erzberger-Morde gespielt hatten. Es folgt dann die angekündigte

Umstellung der Wirtschaft von der Regierung gefordert werden. Schon iept bittet der Deutsche Beamtenbund, an der Lösuna der großen Wirtschaftsfragen in i» selben Maße wie die übrigen Gewertichafren der Arbeiter und Angestellten mitöcieisigt zu werden. Werden diese beiden Forderungen des Deutschen Beamteubundes nicht erfüllt dann bestehe die Gefahr, daß die Besolbungs - frage organisatorische Auswirkungen zeitige, die polttische Gefahren in sich tragen dürften. Der Herr Reichspräsident antwortete in eingehenden Darlegungen über die gemachten Ausführungen und bekannte sich grundsätzlich M dem von den Vertretern des D. B. B. ge­äußerten Standpunkt. Merdmgs oah er zu bedenken, daß an eine Aenderung der Be- soldungsordnung tot Augenblick wohl kaum gedacht werden könne wegen der gesetzgeberi­schen und auch politischen Folgewirkungen, die eine so kurz nach der Verabschiedung der Be­soldungsgesetze vorzunehmende Aenderung a:is- löfen würde. Er werde aber bemüht fein, die vorgetragenen Forderungen bei der Reichsre­gierung zu unterstützen.

Aussprache im Reichstag.

Die Erregung dauert an.

(Eigener Bericht.)

Berlin, 1. Oktober.

3| Dor Ausbruch des Krieges erteilten die Kasseler Neuesten ff

J* I * Nachrichten auf Anfragen, die ans ihrem Leserkreis gestellt s= würben «nb sich auf alle Gebiete bezogen, kostenios Auskunft. Während bet letzten S

= ,.tl9t6ri.f -Briefkasten' wegen ber Beschränkung, die ben Zeitungen durch W

W behördliche Papierzuteilung auferlegt war, nicht mehr erschienen. Wir lassen sie W M reboch nunmehr wieder ausleben unb geben unseren Lesern anheim, mit Rechtsfragen W =1 l* Angelegenheiten aus allen anbeten Gebieten sich an uns zu wenden. Die Aus» M J fünfte roerben an unsere Abonnenten kostenfrei erteilt. Wirb briefliche Be- W antwortung gewünscht, so ist eine Gebühr von 60 Pfennig für Porto beizulegen.

An den Anfang seiner Ausführungen stellte er die Erotterungen, über die Bayernfrage Er rühmt die Loyalität der neuen bayrischen Re­gierung und er gibt dem Wunsche Ausdruck, daß auch in Zukunft in dieser gleichen Weise, wie bis jetzt, mit dem Grafen Lerchenfeld verhandelt werden könne. Wenn gegenüber dem Kompro­miß davon gesprochen würbe, daß es sich um einen Rückzug der Reichsregierung handle, dann !?ge er: Ein guter Rückzug, der zum Siege luhtt, ist besser als eine verlorene Schlacht, die alles zmrichte macht." Hinsichtlich Bayerns sei es der Reichsregierung daraus angekommen, ge- politischer Brunnenvergiftung in Deutsivland allmählich zum Versiegen zu hrin- gen. Im weiteren Verlauf der Rede kam esu heftigen Zusammenstößen mit den Deutsch- nattonalen. Dr. Wirth sagt, die Deutschnationa­len hätten die Verordnung der Regierung v--.- höhnt und verspottet. Der Redner Ltztz/ alle, die politisch guten Willens fäenfkb von ^^-^5'Eaation-rlen flbtoeir-jen ErffrbeiL Att ?en ^rieb'et«-telängewou der Rech­

ten Set%SSutn§erQÄ?^S i scheint hütoi^i- b boven Trrtf^e Befürchtungen noch übertros- binü^rf sie doch bis nach Oberschlesien

Wir danken Allen, die mit den Wfi- , oer HaNd dort um die deutsche Scholle ge- . -------- -------to3«pft haben. Die badischen Ettthüllungen be­

lud sich in kräftigstem Ausbruch. Es wurden .vifen, daß es sich um den V e r s u ch zu einem immer noch nutzlose Reden über die Vorgäna neuen Kapp-Putsch gehandelt hat. (Geläch-

11. Jahrgang. Nr. 228.

reich sei die Wirtschaft völlig zerrüttet, denn da wir mit Gold bezahlen müsse«, verschleudern wir mehr und mehr unsere Warrn, um nur ge­nug Devisen auf diese Weise zu beschaffen. Red­ner trat für die deutsche Industrie und ihre na­tionale Gesinnung ein, er leitete über zu der Frage, was uns zu tun übrig bleibe, um diese wirtschaftlichen Sanktionen überhaupt erfüllen $v können. Es sei eine Arbeitsgemeinschaft tot Sinne Friedrich Naumanns notwendig, wie sie jetzt durch den Görlitzer Patteitag und die Ver­breiterung der Regierungsmehrheit gegeben sei, die für das WiederaufbÜihen Deutschlands von entscheidender Bedeutung sein werde. (Sehr leb­hafter Beifall.) Frau Prof. Dr. Bluntschli- Frankfurt behandelte sodann vom Standpunkte der Frauen die Notwendigkeit einer verständnis­vollen Mitarbeit künerhalb der Arbeitsgemein­schaft und sie appellierte gerade auch an dir Frauen, bei dem Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft mit tätig zu sein durch größte Spar­samkeit und die Ablehnung der auslän­dischen Waren, die Goldgeld erforderten Ruch ihre Ausführungen fanden lebhaften Bei­fall. Eine Ausfprache wurde nicht beliebt; von den angekündigten Rednern waren Minister Dr. Walter Rathenan, Frau Dr. Gertrud Bäumer und Staatssekretär a. D. Prenß nicht erschienen. Die Verhandlungen des Parteitages umfasse« zwei Tage.

Turnen, Sport und Spiel.

Fliegerradrcnnen.

Im vorigen Jahre wurde zum ersten Male in Kassel ein Fkiegerradrenuen veran- haltet, das noch in guter Erinnerung ist. Das zweite, das sich wiederum nur auf Kasseler Ge- biet abfpielt und besttmmt ist, weitere Kreise und Anhänger für den Radspott zu interessieren, wird am Sonntag, den 9. Oktober, nachmittags auf der Kaisersttaße stattfinden, veranstaltet vom Stahlradklub Kassel 1894". Was in anderen größeren Städten auf Radrennbahnen geleistet wird in diesem Sportzwcig, soll hierbei auf ebe­ner Strecke gefahren werden. Im Laufe des Jahres haben unsere hiesigen Radler auf langen Straßenwettfahrten und auf auswärtigen Rad­rennbahnen ihr Können gezeigt und nicht ohne Erfolg. ÄU diesem Sonntag sollen diese Fa­voriten Proben ablegen. Don privaten und in­dustriellen Kreisen sind Preise gestiftet worden, um die Fahrer noch mehr anzu spornen. Das Programm besteht aus verschiedene« Läufen. DaS Ganze ist als ein Ersatz für eine Rennbahn geplant. Die Fahrstrecke auf der Kaiserstraße hat sich als sehr geeignet erwiesen.

Gau-Liga-Spiele.

Rach den neueren Terminen flehen atü Sonntag nur vier Vereine ftn Kampf. Von großer Bedeutung für die Gestaltung der Spit- zengruppe dürste das Treffen zweier Lokalgeg­ner in Kassel fein. Sportverein Kurhefsen emp­fängt auf seinem Sportplatz an der Frankfurter- straße Spielverein Rothenditmold 1906. Ge­rade die letztere Elf gilt als typische Mannschaft für Meisterschaftsspiele, da sie mit ungeheurem Eifer kämpft bis zur letzten Minute. Die spielstarken Borussen aus Fulda mußten die Ueberlcgenbeit der Rothenditmokder anerken­nen. Bei Kurhessens Mannschaft ist die Auf- stellung stets schwankend g-wesen, sodaß ein l'Lrres Bild über die Leistungsfähigkeit nicht vorhanden ist, die ganze Mannschaft muß sich zusammenreißen, wenn nicht das zweite Spiel verloren gehen soll, der eigene Platz gibt ein kleines Plus für den Platzverein. Schiedsrich­ter Uhl T. u. R. wird als Unparteiischer Wir­ken. Das zweite Spiel der Gauliga wird in Marburg ausgetragen. V. f. B. Marburg wird nach den hier gezeigten Leistungen den t. Sportklub Göttingen 1905 auf eigenem Platz die Punkte nehmen. Bringt jedoch Göttinger« die volle Mannschaft heraus dann ist ein Sieg der Marburger in Frage gestellt.

Kreisliga.

In Kassel kommt nur ein Spiel zmn Auf­trag. Sp. V. Wrlhelmshöhe empfängt auf eige­nem Sportplatz in Wilhelmsböbe die spielstark» Mannschaft des Turn- und Sportvereins Bet-

8. des Monats das erste Viertel, der 24. Okto­ber das letzte Viertel, und am 30. Oktober ist wieder Neumond.

Die Sonne hat zu Beginn des Monats schon eine südliche Abweichung von 3 Grad 5 Min. die sich bis zum 31 auf 14 Grad 2 Min. er­höbt. Demgemäß nimmt auch die Mittagshöhe des Tagesgestirns im Lause des Oktober stark ab, und zwar von 34, 7 aus 23,7 Grad, berech­net für die geographische Lage von Berlin und dem mittleren Norddeutschland. Auch Sonnen- auf- und Untergang verschieben sich im Oftober sehr stark in winterlichem Sinne; während am 1. des Monats die Sonne um 6 Uhr 7 Min. vorm .auf und um 5 Ubr 44 Min untergebt, sind die entsprechender Zeiten am 31. 7 Ubr Vorm. und 4 Ubr 38 Min. nachmittags. So ist am Ende des Monats der Tag schon um sechs Stunden kürzer als im Juni. Die Abnahme der Entfernung der Erde von der Sonne be­trägt im Oktober 175 000 geographische Meilen. Am 4. Oktober befindet sich die Erde in ihrer Babn genau um das astronomische Einheits - maß vom Mittelpuntt der Sonne entfernt Diese Entfernuis beträgt 20 144 500 georgra- öbische Meilen. Es ist das der Abstand, dm die Erde bei kreisförmiger Bahn und bei JP- nebaltung ihrer jetzigen Jahreslänoe ständig ton der Sonne innehrftcn mußte. Die größte Annäberuna an die Sonne erreicht die Erde jeweils Anfang Januar, ihre größte Entfer­nung Anfang Juli.

Refwenz-Operetten-Xheater.

Die Postmeisterin".

Endlich einmal eine Operette, die Sinn und Verstand hat, eine das jetzige Niveau über­ragende Musik und einen Rcchinen, der des Ganzen würdig. Das Libretto ist von August Neidbart, die Musik vomSchwarzwaldmädel"- Komponisten Leon Jeflel. Im Mittepuntt steht Prinz Louis Ferdinand von Preußen, dertolle Prinz', der bei Saaffeld den Heldentod fand. Er, der uns von Kindesbeinen an als Jdealgestalt bekannt, als Operettenflgur...? Daß er hier als der gute Mensch gestbildett wird, der nur leicht­sinnig verliebt, versöhnt. Und die Postmeisterui ist eine komplizierte Natur wie grauet über­

haupt!. Sie ist auch eine deutsche Frau, die dem Frainzmann hatte Nüsse zu knacken gibt Der Prinz, dem sie aus der Patsche hilft, erscheint ihr als Sternschnuppe in den Laurentius- nächten...!

Diese Operette spielt tot Hessischen. Man merkt allerdings wenig davon/denn die Auf­führung Namniert sich an das Berliner Vorbild. Nun ... bei einer Operette, noch dazu einer gu­ten, gebt man nicht so streng ins Gericht! Mehr als eine Unwahrbaftigleit in historischer und kostümlicher Beziehung sei deshalb übersehen. Umso reizvoller ist die Ausmachung, die der Regie des Direktors Rueff ein gutes Zeugnis ausstellt und die Musik des Kapellmeisters Haase- Wernicke verdient wiederum ehrlichstes Lob. Das Residenztheater muß sich glücklich schätzen, diesen Orchester-Reformer und seinwirleniden Musiker zum Bestand zu zäAen. Dlwtda Hoffmann ist wirklich erstklassig Ihre Postmeislerin war stinmflich und spielerisch auS einem Guß. AlS Slowakin" fand ich sie geradezu entzückend. Sie fand auch den ungeteiltesten Beifall und ... ei war verdienter Lorbeer. Hugo Roussel fiat- tete den .tollen Prinzen" mit Entfaltung all sei­nes stimmlichen Könnens aus und mit einem satinierenden Auftreten. Ein gewisser Adel ging von ihm und feiner Leistung ans.

Dollsten Erfolg hatte der neue Buffo Willi Co per. Ter kleine Herr hat alles Zeug, der allgemeine Liebling zu werden. Er verfügt über natürlichen Humor, über schöne Stimme und ist obendrein ein brillanter Tänzer. Sein Spiel und seine Mimik... bravo! Ilse König (Pauline) wie immer flott und frisch, und dann Josef Schreiber, der herzig-liebwette Pastor. Hugo Grauer war gut, nur sollte er mehr dem Operettencharakter Rechnung trotten. Eine schöne schauspielerische Leistung bot Walter Alexan­der. Alle Aihtung! In öcinerett Rollen ge­fielen Marg. Babinski, Frieda Bergmann und ...dir Kinderchen! O, die wckren so süß! JL kann nur sagen: Geht hin und seht selbst! »a»

Verwandte Seele«».

Verwandte Seelen knipst der Augenblick de? ersten Sehens mit diamantenen Banden.

Shakespeare.

Gonntagsgedanken.

Frohlocke, sing', scherze.

Von

Reinhold Braun.

Die nachfolgenden Bedanken unserer Mitarbeiters sind dem im Edda-Aerlag.Uasssl erschienenen BucheKraft" von Reinhold Braun entnommen. - Dom hohen Chore in St. Thomae in Leipzig hang die süße Knabenstimme:Mein gläubiges Herze, srühlocke, sing', scherze!" In meinem J:i- nem wird das Hingen bis ans Ende meinet Zeit. Drei fesrliche Tage lang schwang um mich die Kare Schönheit des Meisters Johann Sr- daftian Bach. Und vieles wurde mir neues, un­vergeßliches Erlebnis. Dies aber:Mein gläu­biges Herze, frohlocke, sing', scherze!" stcht über allem als ein schimmerndes Krönlein. Was ift's, daß mich das Lied nimmer loslüßt? ... Es ist des Melsters kindheilige, kindjubelnde Gottselig­keit, die aus dem Liede sicy osfmbatt. Sie wär das Tieffte in ihm und schuf das Höchste, sie war die Quelle des leuchtenden Stromes.

Die Kraft war sie, aus der Lieblichkeit klang lmd Himmelsmächttgkeit rauschte. Aus ihr Wuchs die herrlich gemalte Welt seiner tönenden Seele empor. Ans ihr wurden Himmel und Erde eins. Aus ihr war er der Einfache, Reine und Ehrliche, der Tröstende und der Enthüller der königlichen Schätze unserer Seele» der liebende Entwirrer, wenn in uns das Chaos braust, der «ns zu unserer tiefen Wirklichkeit immer neu Erlösende, dessen klingende Gottesgeborgenheit «ns etnhullt wie eine lichte Wolke. Dem Ein­samen ist er der Schenker hoher Gemeinsamkeiten mtb dem Umwirbelten der Führer in die große Stille. Der Jmmer-Sichere und -Starke ist er, der den ewigen Rhythmus wunderbar Wieder- tönende.

Er ist der reine HymnuS selbst! Meister, Nr ast aus Gott war dein Wesen. Da saßest du ht deiner Kantorei, die die Kammer der Armut war und stachest dir mit erblindenden Augen selber die Noten deiner Wette, weil keiner sich fand, der ihrer sich annahm. Wie wenig hast du geruht I Immer warst du der Mttende! Kraft aus Gott ließ dich U-übergroßes vollbttngen! Du darbtest mit ben Deinen und littest mit ihnen

bittere Rot. Dir stwb drin Weib vor Em- behren. Kraft auS Gott ließ dich Uebermensch- liches trugen. Aus duntten Wogen hob sich immer wieder ein schimmerndes Krönlein:Mein gläubiges Herze, frohlocke, siug', scherze!"

Der Himmel im Oktober.

Die bevorstehende Mondfinsternis.

Von ben beiden Finsternisperioden des Frh- res 1921. deren erste in den April gefallen ist, bringt der Oktober die zweite unb damit eine in ganz Europa sichtbare, zwar parttelle, ab-r bedeutende Mondfinsternis. Zuerst ereignet sich allerdings eine totale Sonnenfinsternis, die je­doch hier unsichtbar bleibt. Sie fällt auf den 1. Oktober, beginnt um 11 Uhr 27 Minuten vormittags bei Jquigue in Chile unb enbet um 3 Uhr 44 Min. nachmstags als partielle Fin­sternis im südlichen Eismeer Die totale De- deckrtng beginnt um 1 Uhr 0 Min. unb enbet um 2 Uhr 11 Min, nachmittags, diese Totatt- tätszone fällt völlia in die südlichen Meere; die pattielle Verfinsterung ist auch nur in der süd­lichen Hälfte von Südamerika und in den be­nachbarten Meeresgebieten sichtbar.

Sehr günstig ist dagegen in Europa die par­tielle DMondfinsternis zu I»eobachten. Sie ereig­net sich in der Nacht vom 16. zum 17. Oktober, beginnt um 10 Uhr 14 Min. abends und endet um 1 Uhr 34 Mn. morgens am 17. Ovober. Die Mitte der Finsternis ist um 11 Uhr 54 Mto. abends, die Größe der Verfinsterung betrügt dann 0,938, es werden also mehr als neun Zehntel des Monddurchmeffers durck» den Erd- schattm bedeckt. Die Sichtbarkeit der Mondfin­sternis erstreckt stch Üher Asien, den Indischen Ozean, Europa, Afrika, den Manfischen Ozean die nördlichen Polargegenden, die östliche Hälfte von Nordamerika und über Südamerito. Bei uns steht bei Mond während der Finster­nis in der Nähe des Meridians, etwa 46 Grad über dem Hottz-ont, fod. ber Verlauf des Na­turereignisses sehr gut beobachtet werden Dann. Die beiden Finsternisse bezeickmen gleichzeifig die zwei wichtigsten Mondphasen; den aus den 1. Oktober fallenden Neumond und den Voll­mond am 16. Oktober. Demgemäß bringt der