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Hessische Abendzeitung
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Nummer 224
Freitag, 30. September 1921
11. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952
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Die Beseitigung der Meinzollgrenze.
KommendeAufgaben
Die Politik im Winten»
Von
Dr. Hermann Pachnike, M. d. R.
Wir gehen einem ungewöhnlich schweren Winter entgegen. In wirtschaftlicher Hinsicht sind es die Preissteigerungen, welche die Kaufkraft alles Geldeinkommens und Geldvermögens immer tiefer senken, innerpoLtisch die elektrischen Rannungen, die sich irgendwie entladen wollen, außenpolitisch ein Druck, wie er in diesen Größonlverhältnissen noch nie auf Deutschland lastete. Der Haß, nicht die Vernunft, regiert die Welt, und Hatz macht blind. Man sieht nicht die logische Bruchstelle, die darin liegt, daß man von einem niedergeworfenen Staate Leistungen verlangt, die dieser nur vollbringen kann, wenn er die Kraft gewinnt, sich wieder zu erheben. Alan legt uns Zahlungspflichten auf, bi) nur zu erfüllen sind, toeraf wir einen lieber» schütz an Ausfuhrwerten schaffen und für ihn den Weltmarkt offen finden. Statt indes die Schranken zu öffnen, schließt man sie durch An» ftidumpinggesetze. Frankreich will nicht, datz wir wieder erstarken; es übt Gewalt und ist darin von England und Amerika bisher nicht genügend gehindert worden Deutschland mußte sich dem Drucke fügen, Abwehrmittel hat es nicht. Für einen Krieg fehlt alles, was dazu gehört, Geld, Wasfan und schlagbereite Menschen. Das Ultimatum wurde angenommen in der Hoffnung, nicht noch weitere lebnswichtige Gebiete besetzt und die ganze Bevölkerung der Be- ftruernngsgewalt des Feindes unterworfen zu fetzen. Das Ja. das wir gesprochen, gab uns -Zeit, den Erfüllungsversuch ans eigener <ÄN- schließung zu machen. Deutschland will erfnl- len. Ob es kann, das wird sich demnächst zeigen.
Im Augenblick beziffert sich die von Deutschland aufzubringende Jahressumme auf 150 bis 160 Milliarden Papiermark. Davon entfallen vier Milliarden auf den ordentlichen Haushalt, einundzwanzig Mtlltarden aus die Aus- führung des Friedensvertrsgs, etwa elf Milliarden auf die neubewilligten BeanttengehAter, siebenundzwanzig Milliarden beträgt der An- lechebedarf des außerordeniAchen Haushalts, das übrige sind Mtimatumsschulden. Ein so un» geheurer Betrag ist durch laufende Steuern allein nicht zu decke»; das sehen die Regierung und die Regierungsparteien ein. Die höchste Schätzung des Ertrages aus den vorgeschlagenen Finanzvorlagen belief sich »nur' aus acht- zig Milliarden Mark, also auf etwa die Hälfte dessen, was aufzub-ringen ist. Irgend woher muß eine Ergänzung beschafft werden, wenn wir nicht schon in naher Zett unsere Zahlungsunfähigkeit erklären wollen. Lediglich aus dem Ertrag der Volkswirtschaft läßt sich das Defiztt nicht decken, eS muß auch die Subfümz herangr- zogen werden. Dieser Einsicht verschließen sich die Besitzer der Sachvermögen nicht mehr und suchen zusammen mit der RcgiWMg und mit dem Reichstag die dafür geeigneten Formen. Die Verständigung kann nicht auSbleiben, da andernfalls eine weitere, für den Staat wie für die Privaten g(eid> verhängnisvolle GelLentwerwng bucht.
Gelingt es uns, auf diese Weife Goldanleihen aufzubringen, so sind wir für die nächsten Zahlungsterurine, den 15. November 1921, den 15. Januar und 15. April 1922, gedeckt und haben di« Atempause gewonnen, die mit der Zu- sttmmung zum Ultimatum bezweckt war. Frankreich hat bis dahin de» ersehnten Vorwand zum Einmarsch in das Ruhrgedi^ nicht erhoffen, und den Engländern ist es leichter gernacht, Frankreich, das jetzt mehr ihr Rivale als ihr Bimdes- gencffe ist, zu zügöln. Ueber diesen Zeitraum hinaus vermag auch das schärfste Auge nicht zu blicken. Die Entschließungen, die später zu treffen sind, sind abhängig von der dann vorhandenen Lage. Durch die Mirbeteiligurm der Industrie, des Handels uitb ber Landwirtschaft wird der weitere Vorteil erzielt, daß der Reichstag die ihm unterbreiteten Finanzgesctzentwürse mit größerer Ruhe behandeln kann. Was der Reichswirtfchastsrat über den Gesamtplan und dessen Einzelheiten zu sagen wußte, war wenig belangreich. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor m der gewählten VoM- vertretung. Sie prüft, sie entscheidet, sie übernimmt zusammen mit dem Reichsrat die Verantwortung. Ihr muß deshalb die zu einer gründlichen Beratung erforderliche Zeit gegeben werden, damit nicht wieder überhastete und mehrmaliger Umänderung bedürftige Vorschriften herauSwmmen. Die Vorlagen sind sowohl als Ganzes nach dem Verhältnis der Belastung des Besitzes und Verbrauches Äs auch in üb ten Einzelheiten genau zu unterftnheu. Sachter- standige aus allen beteiligten Gewerbegpvppcn find heranzuziehen, schon weit sich die schließlich zu treffenden Entscheidungen ohne den gute« ÄiSctt der Beteiligt^ gar nicht duochfuhren
lassen. Gesetzgebung und Rechtsbewußtsein müssen miteinander in Einklang gebracht werden.
Lebhafte Debatten werden sich auch an den Gesetzentwurf über die Arbeitszeit knüpfen. Die höhere Arbeitsleiftungeist es, die uns retten kann. Sie aber hängt da, wo es sich um Ma- schinenbcttieb handelt, auch von der Arbeits- dauer ab. Der Gesetzentwurf steht für Notfälle und aus Gründen des Gemeinwohls eine elastischere Regelung vor. Ist die Arbeiterschaft bereit, mit Rücksicht auf die Not des Vaterlmrües diesen Vorschlägen zu folgen? — Die Bewältigung dieser und aller anderen Aufgaben, die noch kommen werden, ist nur durch eine P ol i - tik der Mitte möglich Die Mitte breit und stark genug zu machen, liegt denjenigen Parteien ob, welche sich davon überzeugt haben, daß heute nur auf diesem Boden regiert werden kann. Hier läßt sich die Probe auf die vaterländische Gesinnung machen, und wir wollen hoffen, daß- die Mehrheit der Wähler und Gewählten diese Probe schon in nächster Zeit besteht.
Aufhebung der Sanktionen.
Die Beseitigung den Rheinzollgrenze.
(Pvivat-Telegramm.)
Berlin, 29. September.
Halbamtlich wird mitgeteilt, daß sich an die offizielle Mitteilung von der Aufhebung der wirtschaftliche« Sanktionen folgende Forderungen ansMetzen: Die Alliierte» laden die deutsche Regierung ein, mSglichst bald ihre Delegierten zu bezeichnen, die zusammen mit den alliierte« Sachverständige« die Richtlinien festsctzen werden, nach denen die Lizenzen geprüft und ansgeführt werden in Ueber- eiustiurmung mft der Entscheidung des Oberste» Rates vom 13. August ISA. — Die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen zmn 30. Septem, her ist gestern der französischen Presse dnrch ein halbamtliches Communiquä mttgeteili worden.
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Geteilte Beurteilung in FravkrelH.
Paris, 29. September. (Eigene Drahtmel- dung.) Die Aufftebunq der wirtschaftlichen Sanktionen wird in der Pariser Morgenpresse ausgiebig besprochen. Es macht sich allgemein eine gewisse Zurückhaltung geltend selbst in den Blättern, die der Aufhebung der Sanktionen nicht vollkommen ablehnend gegenüber- standen. Wie vorauszusrhen war, wenden sich die rechtsstehende« Blätter «mverhotzlen gegen die Maßnahmen und benutzen diese mehr ober weniger offenen Angriffe auf die Polftik des Kabinett BriandS ÄS Agitationsmittcl.
DkeVolizei-Rote.
Gegen die Aufiöfnngsforderung der Alliierten sPrivattelegramm)
Berlin. 29. September.
Amtlich wird mit geteilt: Gestern fand im preußischen Ministerium des Innern eine Bc. sprcchung mft den Vertretern aller Polizei- verbände des Reiches und Preußens über die letzte Rote des Bierverbandes statt, die ein Gegenstand schwerer Beunruhigung der beteiligen Beamtenschaft ist. Diese hat sich einmütig auf bat Standpunkt gestellt, daß Reich und Staat einer starken Polizei be. dürsen zur AufrechterhÄtung der Ruhe und Ordnung, zugunsten des Wiederaufbaues des Landes und der Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen des Friedensvertrages. Rnr diesen nicht militärischen Zielen ist die jetzige Polizei zu diene« bestimmt und jeder Eingriff in ihre Organisationen würde ihre Zerrüttung bedeuten, die Beamtenschaft aus das schwerste schädige» und Reich und Staat ihrer festen Nütze berauben.
Vor dem Zusammenbruch?
Die schlecht« deutsche Finanztetge- tBrivateTclegramm.)
Berlin. 29. September.
In entern Artikel schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung": In der Well gewinnt die Ueberzeugung. daß Deutschlands finanzieller Zusammenbruch bevorssrU, und daß bei der nächsten Reparationszahlung, die im März fällig ist. die schwölle ftrife aller Zeiten nur durch ein Wunder ahgewendet werden kann, immer mehr Raum. Wcun dnrch eine AnnnlNerung der Schulden der AMerten in Amerika diesen ihr« drückende Last abgenommen werden könnte, könne über eine Revision des Vertrages mü D-entschla«d ge- fpWch« »erben. HerM meldet, aus Kew-
York: Morgan und die Großbanken bestreiten die Meldung der „Sun", daß Verhandlungen über eine Stützung des AftlrÜurses durch eine Dollaranleihe schweben.
Am Oberschlesien.
Die Beratungen im Volkerbundrat.
(Eigene DraHtmeldung.)
Genf, 29. September.
Dar Dimes-Korrespondent meldet seinem Blatte, daß der Ausschuß des BÄkerbuud- rates bereits einen Beschluß gefaßt habe und zwar auf Grund der englischen Vorschläge. Die Formulierung des Beschlusses sei sehr umfangreich. Der Bericht habe am Montag abend noch nicht dem Vorsitzenden des Bölkcrbundrates Vorgelegen. Man habe auch nicht mft dem Zusammentritt des Völkerbund- rateS vor Sonnabend oder Montag zu rechnen. — Die Vorschläge des Ausschusses sollen am Freitag dem Plenum deö Bölkerbundrats zugehen, der in den ersten Tagen der nächsten Woche in die Beratung der oberschlestschen Frage eintreten wird. Daß die Beratungen des Ausschusses vorläufig beendet find, bervcist auch der Umstand, daß der Belgier Huysmmi« am Montag abend auf acht Tage nach Brüssel gefahren ist.
Dor der Entscheidung.
Genf, 29. September. (Eigene Dia-imel- dung) Es verlautet, daß die Entscheidung des Bölkerbumdrates sich nach einer Grundlinie orientiere, die etwa der Sforza-Linie entspreche. Man versichert außerdem, datz der Rat bei seinen Beratungen den Ansichten Rechnung getragen hat, die von den deutschen und polni- jchrn Arbeiterorganisationen in Ober schlesien ausgedrückt worbet sind, sowie der Ansicht der Internationale in Amsterdam, ine dem Rat ein Memorandum übergebe« haben soll
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Voinische Ausschrrkiungm.
Beuthen, 29. September. (Eigene Drcchi- meldung.) Nachdem der Ort Hindenburg wochenlang ohne jeden polizeilichen Schutz dem Terror polnischer Banden ausgesetzt war, hat dieser Ort am Dienstag eine Hundertschaft B b - stimmungspolizei erhalten. Als die Beamten in den Ort einrücken wollten, wurden von einem Polen aus der Menge vier Revol- Vorschüsse abgegeben. Ein sranMfcher Offi- zicr nahm ihm die Waffe ab, ohne ihn zu verhaften. 11) Bald darauf rückte die französische Besatzung an, die die Menge auseinandertrieb.
Die KabineiiSsragen.
Beratungen zwischen dr« Parteien.
iPrivat-Trlegramm.)
Berlin, 29. September.
Sowohl im preußischen Landtag wie auch im Reichstag fanden Astern Frattionssitzungen der einzelnen Parteien statt, ohne datz es zu einer Klärung in dec Frage der Kabinettsnmbfl- dung gekommen wäre. Minifterprästdent Steger- wald weilte gestern abend beim Reichskanzler. MU ihm die Führer der KvÄitions- parteien und der Abgeordnete Stresemann. Die Regierungsbildung im Reiche und in Preußen bildete ausschließlich den Berhandlungssteff. Heute wird man mit einem endgültigen Beginn der Verhandlungen durch den preußische« Ministerpräsidenten rechnen könne».
Eisenbahn-Verteuerung.
Erhöhung der Fahr- und Transportpreise. (Privat-Tclegramm.)
Berlin, 29. September.
Amtlich Wird mitgeteilt: Dnrch die am L August erfolgte Erhöhung der Gehälter und Löhne der Beamte« und Arbeiter, sowie durch die Steigerung der Preise aller MateriÄien erwächst der ReichseisenbahnverwÄtung eine jährliche Mehrausgabe von rund siebe« Milliarde» Start Der vorläufige ReichLeisen- bahwwt hat gestern dem Vorschlag der Reichs- otsenbahnoerwÄtimg zugestimmt, zur Deckung der Kostnl eine Fahrpreiserhöhung von dreißig Prozent vorztmchmcn. Die Erhöhung wird für den Güter, und Tierverkchr zmn L November, für den Expreß- und Per- soneuverkehr zum 1 Dezember dnrchge- führt werden. Auf eine Reihe von Sonderwün- fch« erwiderte das RcichSverkehrsministrrium, daß die vorbereitenden Arbeite» uns bete» Prü tune bereits ctnselettet feie».
Das Handwerk.
Cine volkswirtschaftlich« Beurteilung.
Seb«« bi« Frag«, „Handwerk ober gnbttftrir* nnb übe« die Dcveutang vor SallbwcrkS.E«. aeugniffe gehen uns vom S»ei<h«vervaav M Beutfcben Hanb>^?rk« solgendeAuSfithrnngen am Neuerdings gehen verschiedene Schriftsteller daran, von einem lieber gang der Handwerks- angehörigen zu der heute dominierenden Betriebform, das heißt zur Großindustrie, zu sprechen. Sie betrachten die historisch gewordene Stellung des Handwerks in der Vvlks- wirtfchaft als einen überstandenen Standpunkt. Wer irgend welche volkswirtschaftliche Erörterungen über diese Stellung anstellt, kann dies nur unter zwei Gesichtspunkten tun: das »Land' inert Äs Berufsstand" und das Handwerk Äs Gewerbeftand". Das erstere geschieht durch die Betrachtung der sozialen Gliederung u. die Verteilung der beirr ebswirtschaft- lichen und technischen Produktionsfuuttionen der im Handwerksbetrieb tätigen Personen (Lehrlinge, Gesellen, Meister), und den vadurch bedingten AnsbNdungKgang. Der Gewerbestand charatterisiert sich durch die wichtige Tatsache, daß die dezentralisierte gewerbliche Produktion von Waren und wirtschaftlichen Leistungen nicht von einem maschinenmäßige» Ara beitsprozeß, wie in der Fabrik, abhängig fft und beeinflußt Wird. Die OeffenÜichkeit und weitere wirtschaMche Kreise «Ässen sich zunächst davon befreien, daß als Handwerksbetrieb im allgemeinen nur Betriebe mit zehn bis zwanzig Personen gelten können. Für die fBenrteHunft ob ein Betrieb handwerksmäßig ober industriell ist, kann im wesentlichen nur
der Borgang der Arbeit ausschlaggebend sein, keinesfalls aber die Un« ternehmullgsfonn oder gar die «ach dem ®e» brauctz des Handelsrechtes gebräuchliche kaufmännische Einrichtung. Es wird ja ohne weiteres schon zugegeben, daß ganze Gewerbezweige mit vorherrschendem Kleinbetrieb zum Handwerk gezählt werden und daß im Kleinbetrieb daz Kapital eine unwichtigere Rolle spielt, u. schließ' sich die leitenden Funttionen vom Inhaber ohne HilfspersonÄ auSgeführt werden können. Diese Unterscheidungsmerkmale sind aber überholt, denn es gibt Mittel- und Grotzbetticbe im Handwerk, in denen alle Unterorgane eines kaufmännisch geleiteten Industriebetriebes (®e’ schäftsführer, Büropersonal, Techniker usw.) vertreten sind. Leider fehlt über das Eindringen modern industtieller Merkmale in das Handwerk eine Statistik. Das Handwerk der Vergangenheit ist allerdings vom Begriff des Kleinbetriebes nicht zu trennen, das Handwerk der Gegenwart ist wesentlich darüber hin- ausgewachsen. Gegenwärtig bebarf schon ein kleinerer Betrieb bei der komplizierten wirtschaftlichen Struktur der kaufmännischen Bearbeitung der Steuervorschrifteu und ähnlichem. Damit ist aber bereits das notwendigste We» sensmcrkmÄ der industriellen Unternehmung auf das Handwerk übergegangen. Die Betriebs- aröfee, kaufmännische Angestellte, Verwendung von ArbeitSunterftützungs- und Kraftmaschinen. Werkmeistern, Gefchäsisführen, Absatzorganisationen sind grundsätzlich keine wesentlichen Merk' «teile der Industrie mehr, sonder« Haupte lgeu- schaften
der freien Unternehmung überhaupt, welche Äs Oberbegriff dem industriellen nnb' handwerklichen Berufsstand in gleicher Weise gebührt. Der Unterschied liegt lediglich in der sozialen Gliederung per im Handwerk tä‘ ngen Personen (Meister, Gesellen, Lehrlinge) «• in ihrem Ausbildungsgang und darin, daß die HandwerksprodnMon mehr dezentrÄisiert n«v von keinem mechanischen Arbeitsprozeß abhÄr- gig ist. Wenn die Frage nach der Bedeutung des Handwerks in der naüonÄwirtfchastlichen Pro- drcktion aufgerollt wird, dann sollte man sich vor« erst darüber klar werden, daß exakte Ergebnisse auf Grund von statistischen Unterlagen, auSge- drückt etwa in Milliarden Mark Mehrwerterzcu- gung, nicht vorhanden sind und auch nie bescvasir werden können. Die handwerkliche Produktion ist eingestellt auf die Befriedigung
lokaler individueller Bedürfnisse, welche der Funkbetrieb nicht bieten tarnt, denn dort spielen die Haupttolle die Maflenarttkel. Ast es nicht vollkommen versehlt tot Hrnb.ick auf den gesamten Umfang des Handwerks ironisch zu fragen, wieviel die gesamte Betätigung dieses Berufsstandes ausmacbt, gemessen an der Gesamtproduktion eines Volkes? Der Massenproduktion und ihrer Mehrwertevzeugung sind immer noch bestimmte Grenzen gezogen durch den Geschmack deS Publikums. Die Uniformierung der Fabrikware verkörpert sichtlich den ganzen emgeistigten industriellen Ar- beitsprozeß, mit den fozialwirrschaWchen Krank, heitserscheinungen, die sich i« dc» Zicken »nd Forderungen der Arbeitermasse» auswirkeu.