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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 221

Dienstag, 27. September 1921

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Die Finanz- und MMärkontrolle

tionenpolitik zum allen Ersen zu werfen.

LLnsere Zahlungen

Unter Finanzkontrolle.

Im nächste« Jahre.

Die «achschüden.

vorangehe und bereits ein schaftslebon geworden sei.

3nfertton4pretfe-. a) Einheimische Auftrage Die einspaltige Anzeigen-Zeile M. L50, die einspaltige Reklamezeile M. 3.50. b) Auswärtige Auftrage: Die einspaltige Anzeigenzeile M. L60, die einspaltige Reklame,eile M. 4., aller einschließlich Teuerungrzufchlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebencn Anzeigen, sowie für Aufnahme­daten und Platze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hofstraße 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 6. Telephon Nummer 951 und 952

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Sank- <TO»

tot im Wirt- ;en eine Mono.

Noch MeioullgsverschiedenveKen I

Paris, 26- September. (Eigene Draht rnff- duntz.) Im Echo de Paris brMigt Prrtinax, daß» wie bereit# berichtet, in der Frage der A«s»

Wic uns anS Frankfurt a. M. gemeldet wird, werden die Frankfurter Messe« im nächsten Jahren tit den Wochen vom 2. bis 8. April und vom ÄL bis 80. September abgehalten werden. Die diesjährige Herbstmesse dauert bis etnskUießlich Samstag, den L Oktober.

Unterftüßung In Amerika»

Paris, 26 September. (Eigene Drachtmel- dung.) In Frankreich befürchtet man, daß Deutschland vielleicht auf der Washingto­ner Konferenz, deren Programm fld» im­mer mehr von dem ursprünglichen Ziele ent­ferne, unerwartet Unterstützung finden werde. Das entspreche dem Interesse, daß das von einer Wirtschaftskrise und zunehmender ArbritS- sosigkeit bedrohte Amerika an einer vernünf­tigen Ordnung der Tinge in Europa und vor allem an der Wiederherstellung der europäi­schen, besonders der deutschen Kaufkraft habe.

Am die Sanktionen.

Die Aufhebung steht bevor.

(Telegraphische Meldung.)

Berlin, 36. September.

Die Pariser Nachricht, wonach ei« Kompromiß über die Ueberwachung der deutschen Ein» und Ausfuhr zuftrnde gekommen sei, und zwar in dem Sinne, daß Deutschland keinen Staat dabei bevorzuge, wird vo« dem diplomatischen Mitar­beiter desDaily Telegraph" bestätigt. Dieser svricht von rinrm vorläufigen Abkommen der wirtschaftlichen Sanktionen. Anch an biester zuständiger Stelle ist man, obwohl eine Nachricht über den tatsächlichen Abschluß der Vereinbarung zwischen Loudon, Paris und Rom noch nicht vorlicgt, von einer nahe bevor­stehenden Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen überzeugt.

Für gemeinsame Arbeit.

Verband nationaldeutscher Juden.

Man schreibt uns: Der kürzlich gegründet« Verband nationaldeutscher Juden hat nunmehr mit der ersten Nummer eines Mitteilungsblattes seine Werbearbett ausgenommen. An erster Stel­le enthält das Blatt einen programmatischen Ar. tikel des Vorsitzenden Dr. Max Naumann. Der Verband will danach die Grundlaae schaffen für gemeinsame Arbeit nationaL>eutscher Ju­den und Richt-Juden zum Wiederaufbau des armen, zerschlagenen Vaterlandes. Diese fob len davon überzeugt sein, daß nicht ein Jude ffk wie der andere, und jene, daß nicht ein Antisemit ist wie der andere. »Der dbinsemitismus oä3 Gruppenerscheinung kann nicht bekämpft, er muß abgcdaut werden." Fern von jeder Gemeinschaft, die nur äußerlich gegeben scheint, aber auch fern von jeder AusdrinalicAeit will der Verband ei-

Berlin, 26. September. (Privattelegramm.) Aus Frankreich verlautet: Die Finanzkontroll­kommission bleibt nach den bisherigen Dilpofl. tionen bis MUte Oktober in Berlin. Die französische Regierung wird über die Aufgabe der Kommission Mitteilungen au die Oeffent- lichkeit erst geben können, wen« die Kommission ihre Forderungen der deutschen Regierung auf amtlichem Wege überreicht haben wird.

feit, was das deutsche Volk heute freiwillig an Reparationen gibt. Daran mögen die Alliierte, denken, wenn es ihnen schwer fällt, ihre

Ludwigshafen, 26. September. (Privat, tdegromm.) In der Sondersitzung des Ge­meinderats am Sonnabend teilte der Bürgrrmei- üer mit. daß die vorläufige Schätzung der in oer Stadt Ludwigshafen verursachten Sach­schäden zwei bis zweieinhalb Millionen Mark übersteigen würde. In der Friesenheimer Straße sei die Hälfte der Häuser so schwer beschädigt, daß sie voraussichtlich geräumt und wahrscheinlich auch abgetragen werden müiiin.

Die RheinzoNgrenze Abbau der Sanktionen.

Frankfurter Messe.

Die Eröffnung am Sonntag.

Wie bei der gestrige» Eröffnung der Wege vv» den dkednern vetont wurde, ist toteber eine 3«- nähme der Aussteuer zu verzeichnen. Neuer den ersten Tag. wird un6 Folgendes berichtet,

Frankfurt a. 26. September.

Die fünfte Frankfurter Herbstmesse prägt dem Frankfurter Städte bild, wenigstens in der Bahn- hofsgegend. ihren Stempel auf. An den Stra­ßenzügen nach dem Messeplatz, wn der Hohen- zollernallee, flankieren ReKmneplakate von meist recht eindringlicher Farbe und manchmal auch wenig geschmackvoller Art. Auch dic Sandwich, männer mit ihren seltsamen Vermummungen, so Sportsleute in ihren buntfarbigen Trikots, eine ganze Reihe schiebt sich als wandernde Zi­garetten durch die Straßen, und eine Kette net­ter weiß gekleideter Blondköpfchen mackst fiir eine hygienische Zahnbürste allerliebst Reklame. Die offizielle Eröffnung der Messe wurde gestern vormittag im Saale des Hauses Werkbund bei Anwesenheit von Vertretern der Behörden, der Presse und anderen geladenen Personen vorge- nommen. Konsul Kotzenberg begrüßte da­bei namens der Messeleitung, im Namen des abwesenden Stadtrats 8attmann, und süi die Handelskammer die Erschienenen. Er be­merkte, daß die Handelskammer zwar nicht no­minell, aber tatsächlich die Trägerin der Messe sei; denn sie fei sich bewußt, was die Messe für die internationale Wirtschaft bedeute. An die Frankfurter Messe, so versicherte der Redner, icten die Handels- und Jndustriekreise mit größ­ter UnSkgennützigkeit heratmegangen. Eine Ge­sundung des Wirtschaftslebens könne nm durch die

SÄrkung der Produktion erfolgen. Direktor Modlinger gedachte zu­nächst des Unglürks in Oppau und begrüßte die Versammlung im Namen der Messeleitung. Dann stellte er fest, daß die Messe gewach­sen fei. langsam und vorsichtig ihren Weg

Auffindung von Lebenden.

M a n n h e i m. 26. September. (Eigene Draht- mekdung.) Am Sonnabend nachmittag ist es ge­lungen, fcstzntzellcn. daß sich in einem Keller der zerstörten Fabrikanlagen nochLebende befin­den, die sich durch Klopftöne bemerkbar machten. Ihnen wird durch Rohre Speise znge- führt. Ihre Befreiung war noch nicht mösslich. An einer anderen Stelle hat man drei Lebende gefunden, von denen einer irrsinnig war.

daß nun in Bälde die Sanktionen ausgehoben werden, sondern Deutschland nmß auch verlan­gen, daß sich solche Verstöße gegen den Friedens- vertra«, wie sie die militärischen Sanftionen darstellen, in Zukunft nicht mehr wiederholen Wichtiger noch als der Abbau der Sanftionen ist der Abbau der Sanktionspolitik der Entente, die nur Schaden und keinen Nutzen gestiftet bat. Deurschladtd hat den Beweis erbracht, daß es bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu er­füllen bereit und entschlossen «st. Keine franzö­sischen Bajonette und keine wirtschaftlichen Druckmittel können der Entente je das verschaf-

Noch aber bestehen die am 7. März Über das Rheinland von der Entente verhängten mili­tärischen und wirtschaftlichen Sank­tionen fort, obwohl die Aushebung der letzte­ren von der Entente zum 16. September in aller Form angekündigt worden war. Frankreich hat wieder einmal einen fadenstheinigen Grund ge­sucht und schließlich auch gefundon, um die Aus­hebung bet wirtschaftlichen Sanktionen am Rhein, die nur zum größten Schaden Deutsch- ftinds ein halbes Jahr über das Rheinland ver­bargt sind, zu verzögern. Die amtlichen deut­schen Erklärungen haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Schuld für bie#fe Verzögerung, die Frankreich sofort wieder Deutschland in die Schuhe schieben wallte, einzig und allein bei der Portier Regierung liegt, die eS nicht einmal der Muhe wert gefunden hat, zur rechten Zeit aus die deutsche Rote eine Antwort zu erteilen. Pa­ris spreizt sich ctekt mit Händen und Füßen va- gvgen^ die vertragswidrigen Sanktionen außer Kraft zu setzen, wett es deutlich Whlt, daß da­mit wieder ein Stein aus dem Gebäude feiner Gewaltpolitik gerissen wird, dessen Bestand den ^audn-sten Frankreichs gefährdeter denn je er» Hietn^. trotzdem ist sich wohl auch Herr Briand

-I, ; F*11' 2n<i die Tage der Sanktionen ge- slnd. GA-, abgesehen davon, daß die deutsch^-Rew'si!ng Mittel und Wege finden wird, ^n.^nzSsischen Scheingrund sur die^is,^ -6« Nichtaushebung aus der Welt tu schaff-d,.^. auch in englischen diplvmatiscben Kreisen em« starke Strömung vorhanden die Sanktionen am Rhein außer Kraft zu setzen. Wtr feiten keinen Grund, van den Engländern besondere Schonung zu erwarten; aber die Ge­rechtigkeit gebietet, zu sagen, daß England im Gegensatz ru Frankreich nicht gewillt ist, den Versailler Vertrag zu mißachten. Denn in Lon- dE sagt man sich mtt Recht, daß damit der deutschen Regierung eine Waffe aus der Hand genchmnsn wird, von der sie bisher allerdings noch keinen richfiaen Gebrauch machen konnte, die aber eines Tages doch gefährlich werden konnte.

In unseren diplomatischen Kreisen besteht die Auffassung daß mit der Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen nn Lause des näckistm Monats gerechnet werden kann. Und man glaubt, daß auch die Befreiung der Rbetmtadte von der militärischen Besetzung nicht viel länger auf sich warten lassen wird. Dieser Optimismus gründet sich vor allem aus Nach, richten, die aus London eingelaufen sind, und erkennen lassen, daß man dort bei aller äußeren liebere infttmmnm6 mit Frankreich in der Frage der Aushebtmg der Sanktionen doch wesentlich anders denft als Paris. Für Deutschland wird die Beseitigung der Awangsmaßncch- men cm Rhein eine wesentliche Erleichte­rung bedeuten. Es genügt aber nicht für uns.

polstellung im Messewesen würde sich die Messe- leitung wenden, sie wolle selbst kein Monopol schassen und habe deshalb gerne der Wiener Messe ihren Beistand geleistet. Dem Werkbun- de, der die Sichtung der kunstgewerblichen Ge- genstände vorgenommen hat, und allen denen, die zum Zustandekommen der Messe beigetragen haben, sprach der Redner den Dank der Messe- leitvug aus. Im Namen des Werkbundes er­griff Professor Riemerschimidt»MÄnchen das Wort und legte dar, was hier geschehen fei, solle ein Beispiel fein. Professor Schmidt- Frankfurt a. M., Mitglied der kunstgewerblichen Kommission, dankte der Messeleftnng dafür, daß sie die Anregung zur Schaffung des Hauses Werkbund gegeben hat. Herr Moritz Sond. Heimer-Frankfurt a. M. sprach als Angehö­riger des deutschen Buchhandels seine Freude über die Schafftmg der Buchmesse ans. Reichs- kunstwart Dr. R e d a l o b würdigte als Vertre­ter der Regierung den Umstand, daß sich auf der Messe der Grundsatz der QuaLiMsschau durch­gesetzt habe. Damit war die Zechl der Redner erschöpft. Bet dem nun folgenden Rundgang durch die Messe hatte man ein schönes Bild von der Leistungsfähigkeit der deutschen, Industrie. In allen Abteilungen such ausschließlich Pro­dufte von vortrefflicher Qualität aus- gestellt. Der Zustrom von Besuchern nach der Messe war von morgens bis in die Abendstun­den recht bedeutend.

Tmuerferer in Oppau.

An den Ehrengräbern der Verunglückten.

(Eigener Drahtbericht.)

Ludwigshafen. 26. September.

Gestern vormittag elf Uhr fand an den Ehrenaräbern der bei der Explostvnskata- urvptie Getöteten, unter Beteiligung einer gro­ßen Anzahl von Arbeitgeber-Vereineu und Ge­werkschaften, eine Trauerfeier statt. Die Zahl der Teilnehmer an der Trauerfeier wird auf siebzigtausend geschätzt. An der Feier nah­men teil: Reichspräsident Ebert, der bayrisch: Ministerpräsident Gras Lerchenfeld, der 6a- difche Staatspräsident Funk, der badische Mi­nister des Jnnern Demmele, Bettreter der hessischen Regierung, Reichs- und Landtagsabge­ordnete der verschiedenen Länder, die Oberbür­germeister der Städte Mannheim und Ludwigs­hafen, der Vertreter der Besatzungsbehörden. Dieser sprach dem badischen Ministerpräsidenten und dem bayrischen Ministerpräsidenten fei« Bei­leid aus und legte an den Gräbern einen kost­bare« Kranz nieder.

Im Namen der Reichsregierung und des Reiches dankte der Reichspräsident Ebert dem General für feine Teilnahme und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß um Grabe der Opfer die Meafchlichkeit auch über die Landesgreuzeu reiche. Den Worten des Reichs­präsidenten schloß sich Graf Lerchenseld an. Im Romen des Generals Degonte rmd der fron- z ö f i f ch e n Brniee fprach General Dougan aus Landon Beileidsworte, auf die der Reichspräsi­dent und der bayrifche Ministerpräsident antwor­teten. Die Vertreter der Besatznngsarmee verab- fchjedeten sich hierauf mit der Begründung, die nationale Feier für die Toten nicht durch ihre Anwesenheit stören zu wollen.

Die eigentliche Trauerfeier wurde dann mit einem Musikstück und einem Chorgesang sämtlicher Männergesangvereine von Ludwigshafen und Borotten eingeleitet. Daun sprach zuerst der Oberbürgermeister von Ludwigshafen, hierauf Vertreter der Arbeiter­schaft und der Gewerkschaften und der Direttion der badischen Anlliu- und Sodasabriken. Reichs­präsident Ebert sagte in seiner Rede unter an­derem: Wir beNagen an dieser Stelle den Tod so vieler pflichttreuer Arbeiter, die einer furcht­baren Katastrophe zum Opfer gefallen find. Weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hat das surchtbare Unglück Teilnahme erweckt Für die nterftätiße Hilfe spreche ich hiermit mfferen herz­lichsten Donk aus.

Bemühungen von Regierung und Industrie, i (Eigene Drahimelduug.)

Paris, 26. September.

In den Verhandlungen, die gegenwärtig zwischen der deuffchen Regierung und den Ver­tretern der deutschen Bank- und Jndustriekreise geführt werden, fleht ei« großer Tell der fran­zösischen Presse die Gewähr dafür, daß Deutschland in der Tat alles tue. um seinen Verpflichtungen gerecht zu werden. Die Mobilisation der Milliarden fei in der Tat kei­neswegs leicht, wie man sie sich in Frankreich vielfach vorzupellen scheint. Man habe in Ber­lin vo« Aafaag an eine internationale Anleihe im Auge gehabt, um mit einem Schlage einen Tell der Reparationsschuld abzu- tragen. Ma« werde daraus wieder zurückkom- men, denn dieser Gedanke sei schon damals der richtige gewesen und er sei es auch heMe noch Die Reichsregierung habe dadurch zunächst Ruhe und könne dem Inland die Finanzreform schaf­fen. die für die Rückzahlung notwendig sei.

Hebung der wirtschaftlichen Sanftionen noch im­mer erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwi­schen England und Frankreich bestehen.

Gegen die Schutzpolizei.

Dauernd« Schikanen durch die Entente.

(Privattelegramm)

Berlin, 26. September.

Die militärische Kontrollkommission der En - teilte hat der Reichsregierung eine Rote über­reicht, die sich gegen die angeblich militärische Form der Schutzpolizei wendet. Das Ka- bi nett hat sich am Sonnabend, unter Hinzu­ziehung von preußischen Dienststellen, mit der Rote beschäftigt. Die Reichsregierung hofft, im Wege der Verhandlungen den Standpnnft der Kontrollkommission ändern zu können. Man geht dabei von der Erwägung aus, daß die Rote nicht allein rechtlich unbegründet, son­dern tatsächlich auch unausführbar sei. Ge­genwärtig wird von preußischen Dienststellen Material gesammelt, auf dessen Grundlage sich die Reichsregierung über ihr Verhallen gegen­über der Entente schlüssig werden wird.

Voll Jiigrimm hat Frankreich seine .glor­reiche" Ruhrarmee nach rückwärts in Bewegung gefetzt. Es war für die französische Regierung ein schwerster Entschluß, die Truppen, die zu der heitzersehnten Besetzung des Ruhr- gebietes auserfehen waren, zurückzunehmen, und damit gewissermaßen symbolisch den Verzicht auf ein Ziel zu erklären, das in den letzten Monaten sozusagen das Ziel der großen Pariser Politik gewesen ist. Nach der Annahme des Ultimatums im Mai dieses Jahres sehtte dieser Armee an sich jede Berechtigung zum weiteren Verbleib aus deutschem Gebiete. Aber Frankreichs Vertreter im Obersten Rat verstanden es damals, der übrigen Entente plausibel zu machen, daß Frank­reich seine Truppen erst darr« zurückziehen könne, wenn Deutschland auch wirklich den Beweis ge­liefert habe, daß es die Londoner Bedingungen nicht bloß unterzeichnet habe, fo-ndern sie auch erfüllen wolle. England war damit eiiDerstan- den, und mm einigte sich auf Anfang Juli, do bis zu diefem Zeitpunkte die Einwohnerwehren aufgelöst,fein mußten, und England die Erfül­lung dieser Bedingung als einen genügenden Beweis für Deutschlands ehrliche Absicht zur Er­füllung des Londoner Diktats erachtete. Als der Termin der Arrflöfnng der Einwobnerwehren verstrichen war, machte Frankreich trotz sei­ner früheren Zusicherungen neue Schwie­rigkeiten. Obwohl die englische Regie­rung seitdem verschisdenllich ans die Zurück- ziehung der Ruhrarmee, die der englische« Politik läivgst ein Dorn im Auae war, drängte, verstand es Frchckreich doch, bis vor fr fattAbpl Tagen diese Truppen am Mein marffWfi't stehen zu lassen. Und man hätte sie wohl auch jetzt noch nicht, ttotz des sich verstärkenden eng­lischen Druckes, zurückgezogen, wenn man in Pa­ris nicht vor der Washingtoner Konserenz recht­zeitig hätte einen guten Eindruck schinden wol­len. Ws Erzmilitarist weiter in Amerika an- g-schrieben zu sein, erscheint aber offenbar auch Herrn Briand ekn gewogtes Stück. 'So hat man rn Paris schließlich getan, was man gerne ge­lassen hatte. .