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11. Jahrgang

Mittwoch, 21. September 1921

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 216

Fernsprecher 951 und 952

JnserlwüSpreif«. a) Eivheftatsche Auftrage- Die ctnfpatttge Anzetgen-Zeile M. 1.50, die rtnfpatttg« RettamejeHe M. 3.50. b) Auswärtige Aufträge: Di« einspaMge Anzeigenzetle M. L60, di« «tuspaMge Rellamezetle M. 1., alle« etuschüebltch TeuerungSzuschlag und Ari^igeusteuer. Für Anzeige» mit besonder» schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, baten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hofstratz« 28/30. Geschäftsstelle: KSlutfL« Stratze ä. Telephon Nummer 951 und 952

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sseler Nemste NachOtm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Die Zahlungen an die Alliierten.

Mrtschafts-Kredtte.

Die Jndustrishrlfe für das Reich.

Der P7äii, der in diesen Tagen Wer die pri­vate Kredit-Hilfe durch deutsche Indu­strie und Großbanken in die OcMntlich- keit gedrungen ist, zeigt eine Ausgabe und ein Ziel auf, deren Größe und Bedeutung nicht leicht überschätzt werden kann. Um das Problem kurz zu formulieren, müßte man sagen, daß es sich darum handelt, die deutschen Repamticms- zahlungen vom ArrSlandÄtredit loszulösen uns dafür einen eigenen deutschen Privat- Kredit in Anspruch zu nehmen. Die Trag­weite eines solchen Unternehmens kann mau er­messen, wenn man erwägt, daß es im GffeLt daraus hinauskäme, daß die in der deutschen V-ollswirtschast steckenden Goldwerte nicht an AuslandsoMubiger überantwortet würden, son­dern in den Händen und damit in freier Ver- sügungsgewalt der Wieder der deutschen Wirtschaft blieben. Sie würden lediglich als Psand-Unterlage für den in Anspruch ge­nommenen privaten Auslands-Kredit der deut­schen Industrie und der Großbanken dienen.

UM diese begrüßenswerte Idee der Kredit­hilfe der deutschen Industrie für das Reich einigermaßen in ihrer ganzen weitgreifenden Bedeutung einschätzen jix können, mutz man sich oergegenwärtigen, daß Qe nur durch einen lücken­losen Zusammenschluß <Äler deutschen Wirtschaftsglieder sich verwirklichen Letze. Es käme akfo eine Zusammenfassung der gesamten deutschen Wirtschaft in Betracht, die sich ver­pflichten müßte, ihre Goldwerte zum Unterpfand eines im Ausland zu beschaffenden privaten Kredits m mache i und die auf diele Weise ge- Hwrorw ter .*> ax» J1?

regierung für die Reparatiomgen Kütfac*) ir Verfügung zu stellen. Die <S*V * ** sich ans einer solchen Aktion ergebe» .owrden, kann man heute nur mutmaßlich schützen. Voraus­sichtlich würden sie aber eineinhalb bis zwei Milliarden Goldmark betragen, und le enger und geschlossener die Wrtschastsfront wäre, umso höher wäre der zu erwartende Goltmmrk-Betrag. Es sind gegenwärtig auch Verhandlungen im Gange, um nicht nur die Industrie, sondern auch die Landwirtschaft mit ihren großen Sachwerten und den in ihnen steckenden Gold- krediten für das geplante Unternehmen heran- zuziehen Der von dem Reichsverband der deut­schen Industrie ausgegangene Gedanke zu die­sem Unternehnten beruht auf der Erkenntnis, daß die Besitzer realer Werte, oder wie schlag- wortartig vielfach gesagt worden ist, der.Gotd- toertc*, im PrinAip die Berechtigung Mr For­derung einer höheren Mitwirkung dieser Werke zur Erleichterung der Finanzlage des Deutschen Reiches anerkennen. Die nunmehr vorgeschla­gene Mion will auf freiwillige Weise die­nen, um zu verhüten, daß die Ucberantwortung privaten realen Besitzes an das Reich erfolgt, wenn auch nur zu einem Teil und auf Grund einer formulierten Reichsbetsiligung. oder, wie hei Grundstücken, durch eine Reichshypothek

Allerdings haben diejenigen Kreise, die eine solche Mion aus sich heraus zum Vorischlag bringen, ein Interesse daran, daß nun auch steuerpolitisch nichts geschieht, was geeig­net wäre, diese Eingriffe in die realen Werte zwangsmäßdg zu gestalten, Es ist erklärlich, daß diese Forderung gerade die Verteidiger der .Er­fassung der Goldwerte- stutzig macht, und wir hören ja heute auch schon das Echo in der Presse. Allerdings muß man zugeben, daß der Plan der Industrie eine verblühende Grotz- «stqzjgkeit an sich hat, und daß er einer eingehen­den Prüfung sehr Wohl wert ist. Ja, man be­gegnet, wem: auch noch nicht öfsenMch, so doch im engeren Gespräch der Meinung, daß hier ein Weg gezeigt werden könnte, der, wenn auch nur für die nächsten Jahre, uns Wer das Schlimmste hinweghelfen tonnte. Gegenüber anderwärts austretendom, allzu großem Optimismus mutz man sich allerdings vor Augen halten, daß diese Mion keine dauernde sein kann, daß es sich vielmehr nur darum handeln tonnte, für die n ä ch st e n Jahre der Reichsregierung die Er- füllung der Reparationsanfgabe zu er­leichtern. Würde daS Unternehmen dieses Ziel erreichen, so würden innerwirtschaftlich und iunerpolitisch gleicherweise die Vorteile greifbar sein. Namentlich würde die dann einsetzende Epoche der Beruhigung und der Stetigkeit un­serer wirtschaftlichen Verhältnisse der deutschen Mrtschrst selber zum größten Nutzen gereichen.

Richt Werseben darf man bei alledem, daß hinter diesen Fragen auch starke politische Mo­mente stehen. Schon bei den vorkÄHigen Be- sprechungen der Vertreter der Industrie mit dem Reichskanzler ist die Frage der Erweite­rn n g der parlamentarischen Basis an­geschnitten worden. Rach £a®e der Dinge würde es sich um die Einbeziehung der Deut­schen Volkspartei in die gegenwärtige Regie- rnnqstoalitio« handeln. Man macht mit vollem Recht geltend, daß gerabe in der Deutschen VvMsvartei das Jndirstrie-KaÄtal seine poli­

tische und parlamentarische Vertretung zu einem großen Teile gefunden hat, und daß es darum dieser Partei auch ermöglicht werden muß, au der Bestimmung all dieser Dinge aktiv mitzu- wirken So rollen sich tn diesem Zusammen­hänge Probleme von sehr weitreichendem Aus­maße auf. J. B.

Mebemutmachungösragen.

Wie tonnen wir zahlen?

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, M. September.

Das alliierte Garantiekomitee wird sich im Laufe dieser Woche erneut nach Berlin begeben. DaS Komitee hat bei seiner letzten An­wesenheit in Berlin eine Reihe von Sitzungen abgehaltcn, an denen Vertreter der deutschen Re­gierung teilgenommeu haben. Im Verlaufe die­ser Sitzungen hat man Erörterungen darüber an- gestellt, aufwelcheWeifedie festen JahreS- zechlungen in Höhe von zwei Milliarde« Gold­mark und die wandelbaren Zahlungen in Höhe von sochSmtdzwanzig Prozent der deutschen Ausfuhrwerte gedeckt werden können. Man hat Lieferungen in Waren und Eintreibung gewisser Steuern (?) inS Auge gefaßt. ®lan studiert ebenfalls die Möglichleit des Einflusses der Zah­lungen in fremden Devisen auf den Geldmarkt Die Berhandlmrqen sind in der Zwischenzeit schriftlich fortgesetzt worden. DaS Garantie- komttee rechnet damit, im Laufe seines erneuten Aufenthaltes in Berlin alle schwebenden Fragen ohne weiteren Aufschub zu lösen.

Steuern für dte Alliierten.

Berlin, 20. September. (Privattelegramm.) Der RcichSwirtschastSral Hal aus die Tagesord­nung seiner Sitzung am kommenden Sonnabend die Erledigung der aus der Wiedergnt- machungskommission zurückgckommeuen Steuervorlagen gesetzt. Voraussichtlich wird eS auch im Plenum des ReichSwirtschafts- roteS zu einer eingehenden Besprechung der neuen Steuervorlagen kommen. Im Wiedergut- machmlgsausschutz teilte Ratheuau mit. daß die Erfüllung der Reparationszahlungen an dje Entente eine schleunige Erledigung des SteuerkomplereS im Parlament verlange.

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Deutschland und Frankreich.

Berlin, 20. September. (Privattelegramm.) Wie wir aus parlamentarisch«! Kreisen hören, wird sich die R e i ch s r e g i e r u n g voraussicht­lich in ihrer morgen stattsindenden .Kabinetts­sitzung mit dem Wiederaufbau-Abkommen, das femerjeit zwischen den Ministern Louchenr und Ratheuau getroffen worden ist, und der Frage seiner Ratifizierung beschäftigen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dabei auch das Da­tum der neuen Zusammenkunft der Minister Ratheuau und Loucheur besprochen werden.

tim die Besatzungtruppen.

Unnütz ansgegebene Gelder.

(Eigene Drahmieldung.)

Paris, 20. September

Die Alliierten haben bekanntlich ein Abkom­men getroffen, in dem man sich bamtr beschäftigt, daß die Okkupationsarmeen in Deutsch­land zu teuer sind und daß diese unnütz auS- gegebenen Gelder nützlicher der ReparationSkom- misfiov überwiesen werden tonnen. Der Stand der Besoldung im besetzten Gebiet ist augenbiuT lich etwa folgender: Ein fronrösischer Soldat kostet pro Tag etwa 15,25 Franken, ein belgischer 16^2 Franken, ein italienischer 22 Franken, ein Engländer 14 Schilling und ein Amerikaner 454 Dollar. Während der letzten Sitzung des Ober­sten Rats wurde die Frage aufgeworfen, die Kosten einheitlich zu regeln oder wenigstens einen Maximaltarif festzusehen. Es verlautet hier, daß die Alliierten wieder Verhandlungen in Brüssel in den nächste» Tagen aufnehmen werden. Die neue Konferenz soll in der belgischen Hauptstadt zwischen dem 15. und 25. Oktober zusammcn- treten und endgültigen Beschluß fassen.

XüdRxrltaung der Franzosen.

Berlin, 20. September. (Privattclegramm) Die französische Regierung Hal der deutschm Regierung folgende Rote vom 19. September übersandt: Die sranzöstsche Regierung hat die Rückverlegung der im Mai ins Ruhrgebiet entsandten Truppen nach Frankreich beschloss, n. Diese soll alsbald besinnen und mit Ende Sev-

tember beendet sein. ES handelt sich hierbei am die sogenannte Ruhr-Armee. Die Rückverlegung hat mit der deutschen Forderung auf Aufhebung der Sanktionen nichts z« tun.

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Kindische Furcht in Parte.

Genf, 20. September. (Eigene Drahlmoldung) Der Pariser Ausgabe des »Rewyork Herald" zufolge wird Frankreich auf der Wafhingw- ner Konferenz die Bereinigten Staaten bitten, sich formell zur Leistung militärischer Hflfe, wenn nötig zum Schutz der französischen Grenze, im Falls eines Angriffes durch Deutsch­land (?) zu verpflichten.

Die bayrische Krise.

Schwierigkeit in der Kabine^sbildnng.

(Privattelegramm)

München, 90. September.

Nachdem Herr von Kahr die Uebernahme deS Ministerprästdimns nuS bett von uns bereits angegebenen Gründen abgelehnt hat, ist un­ter den Kandidaten für die Ministerpräsident - schast Dr. Karl Meier vom Justizministerium zu nennen, ebenso der eben zum RegierungSpräst- denteu der Pfalz ernannte Dr. von Winkerstein, früherer Hochschulreferent int Kgl. Kultusmini­sterium und Regierungspräsident in der Rhein- Pfalz, wo ihn die Franzosen vertrieben haben. DieMünchen - Augsburger Abendzeitung" be­hauptet, daß die Bemühungen der allen Koali- Herrn v. Kohr wieder zur Hefter« nähme des Präsidiums zu bewegen, von den Demokraten durchkreuzt worden seien. (Bon an­derer Sette verlautet, sie Laitdtagsmehrhrit be­absichtige, Herrn von Kahr zum Staatspräsiden­ten zu ernennen. Diese Möglichkeit sei in der Verfassung bereits vorgesehen. Man mich aber diese Meldung mit Vorbehalt «rnfnehmen.)

Weitere Kandidaten.

München. 20. September. (Privattelegvamm.) MS Ministerpräsidenten düiste, laut Berliner Tageblatt, die Bayerische Volkspartei den Staats­sekretär im Reichspostamt, Stingel, Präsentieren. Dagegen ist nach der Deutschen Allgemeinen Zei­tung anzunehmen, daß entweder der Staatsrat im Ministerium des Inneren, Schmelzle, die bisherige rechte Hand KahrS, ober der frühere Kultusminister von Knilling mit der KabiuettL- bilduua betraut werden wird.

Forderung des Reichskanzlers.

Berlin, 20. September. (Privattelegramm) In den Verhandlungen mit Bayern ist gestern ein neuer Schritt des Reichskanzlers bei dem bayerischen Gesandten in Berlin erfolgt Dr. Wirth verlangt in bestinimter Farm, daß der Erlaß des Reichspräsidenten bis 30. September in Bayern zur Durchführung gebracht wird und erklärt erneut die Bereit Willigkeit, daß diese Durchführung im Verhand­lungswege erreicht wird.

Oberschlesiens Zukunft.

Zn bee Kommission des DSlkerbundrats. (Eigener Drahtberlcht)

Genf, 20. September.

Eine Persönlichkeit, die über die Berhanvlun- gen des BSlkerbundsrats After OberMesien wohl informiert ist, teilt mit, daß die Regelung der Angelegeuhett auf gutem Wege ist. Jedes her vier Mitglieder der Kommission hat eS über, nommen, das Problem unter einem besonde­ren Gesichtspunkt zu betrachten und hat zu diesem Zwecke eine Sammlung van Fragen ausgestellt, die von de« Sachverständigen bereits zum größten Telle beantwortet find. Der BölkerbundSrat werde wahrscheinlich in der La­ge sei«, wenige Tage noch AuSeinondergehen der Hauptversammlung deS Völkerbundes feine Ent­schlüsse kundznaeben. Weiter wird - berichtet daß in letzterer Zeit eine ganze Reihe von maß- gebenden alliierten Persönlichkeiten sich nach Oberschlesien begeben hat. Dies geschah nicht, nm eine allgemeine Untersuchung vorzunehmen, sondern es handele sich darum, für den Vierer - anSschntz gewisse dunkle Punkte anfzuklären, be­sonders Über die Tenden, der Arbettergrwerk- kckaften (?) und sonstigen BamkSverbände.

Minister Giesberts.

Seine gestrige Rede in Kassel.

Sn bet- gestern abenb von bet Raffelet ZentenmS« Partei im bichtdeseftten Saale des Evangelischen Beteinsyanses unter der Leitung von Rauf- mann abgehalteueu Gedenkfeier

für die leytverstordeueu Zentrumsfiihrer, ins. besondere Erzderger, hielt SteichSpoftminifter SieSbertS etnebeifäUig aufgenommene Rede fit» die Reichseinheit und über die politische Lage. Der Herr Reichs Minister hat das Wort. Er spricht gleichmäßig, ruhig, fast phlegmatisch. Er entwirft kurze Bilder der Bedeutung eines Grocber, Trimborn, Hitze, Burlage nab der- weilt begreiflicherweise besonders bei Erz» Verger. Ueber die Niottve zu seiner Ernwr- dung, sagt er, gibt es keine Zweifel mehr: Erzderger ist das Opfer Politischer Verhetzung, einer Art politischer Verschwörung geworden, einer niederträchtigen, gemeinen Hetze! Darm schildert er Erzbergers Entwicklungsgang vom «einen sozialen Agenten an; feinen Arbeitseifer, seinen Fleiß und erklärt: Wenn man Erzderger nachsagt, er habe seine politische Tätigkeit aus­genutzt, um sich zu bereichern, so ist das eine ganz ehrlose Verdächtigung! Er, der Patriot durch und durch gewesen, war berufen, ie Deutschland noch eine hervorragende Rolle zu spielen! Die Aktion bei Frieden-sresvlution vor 1917 leitete er ein, weil er als Vertrauens, mann Bethrnann-Hollwegs die wahr« Lage Deutschlands klar übersah und erkannte, daß ohne Konzessionen an Belgien kein Friedt mit Frankreich und England zu erwarten War, Er übernahm es, den LÄffenftillstand abzuschlie» ßen, auf das Drängen der älteren Parteifreunde. Giesberts hatte vorher abgcratrn und gesagt: Laß die Finger davon, überlaß es denen, dir den Krieg versaut haben! Kein Anderer wollte es machen Erst wenn Jahre vergangen sind, wird Erzbergers Handelst richtig erkannt wer­den. Nur Schurken können behaupten, er hätte das Vaterland verraten oder gar Nebenabsichten gehabt. Erzderger hat Deutschland vor kriege­rischem Einmarsch beschützt. Und später sagte er: Wenn wir leben wollen und die Reichsemhett erhalten wollen, müssen wir unterschreibe» Immer wieder Betonte er: Wenn wir

die Neichseinhett retten, kommt Deutschland wieder hoch! Die Einheiv lichkeit des Verkehrswesens, des Finanzwesens und der Wirtschaftsregelung damit hat Erz» berget die einzelnen Länder fest an daS Reich gekettet. Die spätere Geschichte wird ihm auch da Recht geben. Reichsminister Giesberts er­zählt eine Episode vom Tage der Annahme deS Versailler Vertrags. ReichsprüWwrtt Ebert hatte die Teutschuatlonalcu gefragt, ob sie ein Stirn» stcrium der Rechten bilden wollten, das den Vertrag ablcdnt. Es gab keine bestimmte Aitt- n-ort. Dei Demokraten lehnten eineu Eintritt in ein Kabinett der Rechten glatt ab. Später kam Viktor Naumamr vom Answürtigen Amt und überbrachte eine ErNärung der übrigen Parteien, daß sie es nicht als vaterlandsffeind-- lich und antinatiimal ansehen, wenn das Zen­trum mit den Sozialdemokraten den Vertrag unterzeichnen würde Ms diese Brücke gebaut war, erklärte sich das Zentrum bereit! Der Red­ner teilt werter mit, daß Ergberger kirchlich auf seinen Tod vorbereitet und mit seinem Gott ausgesöhnt war. Warum ist Erzberger ermor­det worden? Minister Giesberts kombiniert: Erzberger sollte im Herbst wieder tn dte Frak­tion ausgenommen werden, nachdem er in «ei­nem Meineidsprozeß gerechtfertigt worden wir. Wenn er drei Wochen in der Fraktion tätig ge­wesen wäre, hätte man ihn, der für die Partei unentbehrlich, wieder herangeholt. Bassermann hat einmal von Erzderger gesagt:Schade, daß der Kerl nicht zu unserer Partei gehört!" Die­ser Mann sollte beseitigt werden. Der Redner hofft, daß durch die Vorgänge der letzten Zeit den Leuten auf der Rechten die Augen geöffnet werden, daß sie erkennen, cm welchem Abgrund Deutschland stebr Die Arbeiterschaft wird sich die Errungenschaften der Staatsumwälzung nie­mals nehmen lassen.

Jeder Gewaltversuch, die Verfassung von Weimar zu stürzen, wirst Deittschland in den Abgründ. Die deutsche Zu­kunft sicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Neichseinhett. Auch in den näch­sten Jahren noch wird es notwendig sein, die Neichseiicheit im Sinne der Verfassung von Weimar zu schützen. Aller Putschismus von Rechts oder Links muß rücksichtslos bekämpft werden, als Sckiädling der Politik, die wir ein» geschlagen haben. Ist der Friedensvertrag^auch der Not gehorchend gegen die innere Ueberzeu- Sj unterschrieben worden, so muß er doch er» werden Wir müssen noch ganz andere Steuern zablen, als wir bis jetzt gewohnt ge­wesen sind Besitz und Vermögen müssen ohne Rücksicht auf Eigentümlichkeiten herangewä-n werden. Es kann und darf nicht alle Last auf die Angestellten und Arbeiter fidegt werden. Was Wir weiter brauchen, ist Achtung vor dem Gesetz und vor de« Mhrern. Vvhe. Dtibmmfl,