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Kasseler Neueste Nachrichten

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gedrahtet,

Unwetter in -Amerika.

Mississippital von einer

weiterer allen Tei-

Nr. 213.

Elster Jahrgang

Augenarzt ®r. Erasmus Pond entdeckt worden, und er macht Wer sein Mittel, dessen Herstellung er noch geheim hält. Mitteilungen vor dem Kon­greß der amerikanischen Akademie für Medizin. Wenn das Serum auch nicht imstande ist, Fälle vollkommener Blindheit zu heilen, so soll es doch möglich sein, die Sehkraft durch eine Einspritzung des Serums wiederherzustellen, so lange bet. Kranke imstande ist, eine vorgehaltene Hand irr einiger Entfernung zu erkennen. Pond arbeitet seit acht Jahren an der Herstellung dieses Se­rums und behauptet, mit einer Behandlung von drei Vis sechs Monaten eine ganze Anzahl saft Erblindeter vollkommen geheilt zu habeir. (Diess Nachricht ist mit Porsicht aufzunehmen.)

frierpunkt gesunken. Die Wetterprognosen besagen, daß die Kältewelle sich nach Osten ausbreiten wird, sodaß in Ncwyork und den Neu-Englandstaaten mit dem Auftreten des er­sten Frostes gerechnet wird. Auch aus Trini­dad und Britisch-Westindien werden schwere Unwetter gemeldet. Port of Dpain auf Trinidad erlebte einen Orkan von enormer Ge­walt, der mehrere Todesfälle und einen in die Hunderttausende gehenden Dachschaden verur­sachte Auf den Windward-Jnseln ist infolge der Wetterkatastrophe die ganze Baumwoll­ernte als verloren anzusehen. Die Stadt Georgetown auf der Insel Tobago ist durch den Sturm völlig z e r st ö r t worden.

Aus aller Welt,

ein Hellseher-Schwindel.

Raupenplage. Man berichtet aus Halle: Die ausgedehnten Buchenwaldungen zwischen der Werra und Unstrut haben in diesem Jahre unter einer außergewöhnlichen Raupenplagc der- artig gelitten daß ein großer Teil der Waldun­gen eingegangen ist. Hunderttausende von Raupen haben die prächtigen Buchenhestände teilweise vollständig kahl gefressen. Um im kom­menden Jahre der Raupenplage zu begegnen, beschloß die Forstbehörde die Förderung der Vo­gelzucht in großem Maßstabe, weil sich gezeigt hat, daß im Seebacher Forst, wo der Besitzer eine großangelegte Vogelzucht betreibt, der Schaden nur in ganz geringem Maße zu bemerken ist.

* Der leere Stadtsäckel. Die Stadt Buch« h o l z im Erzgebirge hat dem sächsischen Finanz- ministerlum mitgeteilt, daß sie in ihren Kassen tcin Geld habe. Damit man bte notwendi­gen Ausgaben bestreiten könne, sei es erforder­lich, die noch nicht gezahlten Staatsbeihilfen zu überweisen oder zu genehmigen, daß die ein­gehenden Reichsstcuerbettäge nicht abgeliesert werden.

Meine Rv-vschau.

Ein Serum gegen Erblindung?

Ein Serum, das das Augenlicht von Perso­nen, die noch nicht volUommien erblindet sind, wiederherftÄlen soll, ist von dem Brocklyner

Beilage.

Sonnabend, 17. September 1921.

* Schlechte Zeiten für die Wettkonzerne. Die Meldungen über Zusammenbrüche Wettkonzerne lausen jetzt täglich aus len Deutschlands ein. Heute wird daß das Koall -> Rennsportsyüdikat in Berlin geschloffen worden ist.

Das schlechte Gebiß.

Um den Einfluß festzustellen, den gute und schlechte Zähne auf die Ausnützung der Nahrung ausüben, hat der Kieler Zahnarzt Schütz Ver­suche angestellt. An vier Personen wurden Stosse Wechselversuche vorgenommen, indem die gleiche Nahrung einmal mit einem guten und dann mit einem schlechten Gebiß zerkleinert wurde. Es zeigte sich nun bei der Prüfung einer Nahrung, die aus hartgekochtem Ei. Apfel, Brot, Weitzer Rübe bestand, daß bei schlechtem Gebiß von der Nahrung jedesmal weniger aufgelöst wurde als bei gutem. Auch war die Nahrung bei schlech­tem Gebiß viel weniger zerkleinert. Die Ein­wirkung des Bisses auf die Zerkleinerung der Nahrung ließ sich zahlenmäßig genau angeben, und dabei zeigte sich deutlich, daß die besten Be­dingungen nur mit tadellosem Gebiß zu errei­chen sind. Bei der Untersuchung des Stofstvech- sels zur Feststellung der Ausnutzung der Nah­rung ergab sich bei gemischter Kost, daß das schlechte Gebiß die Ausnützung herabsetzt, jedoch nur um wenige Prozent. Beim Versuch mit Brot war der Einfluß des Gebisses noch weni­ger ausgeprägt. Wie die ausgestellten Tabellen darlegen, findet durch ein schlechtes Gebiß eine deutliche Verscklechterung der Nahrung statt, doch ist die Ausnützung nur in geringem Maße beeinflußt, und es ist anzunehmen, daß die Ge­samtnahrungsaufnahme durch ein schlechtes Ge­biß ungünstig beeinflußt wird.

Die giftige Kobra ist ein Gegner, vor bent! man sich besonders in Acht nehmen muß. Man. kann sie eigentlich nur besiegen, wenn man didi Wenigen Sekunden benutzt, die sie braucht, um nach einem mißlungenen Angriff ihre Haube wieder aufzublkiihen. Man tut nicht gut, den Versuch zu machen, eine Schlange zu töten oder zu fangen, wenn sie zusammengerollt und ge­rade im Begriff ist, emporzuschnellen. Es ist nämlich sehr schwierig, ihre Länge im zusam­mengerollten Zustande abzuschätzen, zumal fid1 meist z. T. unter Blättern verborgen ist. Man- lasse sie daher zuerst selbst einen Angriff unter­nehmen. Wenn sie emporgeschnellt ist, um uns anzugreisen, dann ist sie für drei bis vier Setun- den hilflos (bei einer Heinen Schlange ist es weniger und bei einer großen mehr), denn so lange braucht sie, um sich wieder zusammenzu­rollen. Dann versetze man ihr blitzschnell mit dem schweren Ende des Bambusstockes einen Schlag ins Genick und lähme damit ihre Hals­wirbel, sodaß sie sich nur noch winden kann, wo sie liegt Sie kann sich dann nicht mehr empor- bäumetr und auch nicht fortschlüpsen. Man steckt bann seine Beute in einen starken leinenen Sack und nimmt die erste Gelegenheit wahr, sie zu tö­ten, indem man den Sack mit Inhalt für einige1 Minuten in das nächste Wasser steckt.

Kehrt man bann mit seinem Fang ins Lager zurück, so werben die sterblichene Ueberreste der Schlange in eine Flüssigkeit gebracht, die sie Ion» erviert; das Datum des Fanges wird sorgsül- ig ausgeschrieben: sie wird in Leinwand einge- chlagen und kommt in die große Vorratskiste, von der sie bann als Zierde in irgend ein Mu­seum zur Ausstellung gelangt.

Maria Berditschew.

Eine überlsbende Zarentochter?

In war» ist ein Buch von LharleS unb Henri, Omefia erschienen, das in ganz Frank.ein, bae grStzce Aussehen erregt. Wird doch darin an. geführt, datz eine der enrSchter noch lebt.

Die beiden Verfasser des Buches erzählen darin vollkommen unparteii'ch und sachchlich bic außerordentlichen Erlebnisse eines Fräuleins Marie Berditschew, das behauptet, die frühere russische Großfürstin Ana' stasia zu sein und sich aus wunderbare Weise bei der Ermordung der ganzen Zarensamifte gerettet zu haben. Das Problem ist. schreiben die Autoren kurz: Ist Maria Berditschew, wie sie behauptet, die legitime Erbin der Romanow und die einzig Uebcrl:b:nde der kaiserlichen Familie, die in Jekaterinburg hingemordet wurde, ober befinden wir uns vor einer merkwürdigen Vi­sionärin ? Die Geschichte wird dies eines Tages feststellen müssen. Was uns betrifft, so hoben uns die Erzählungen des jungen Mädchens fo tief erschüttert, wenn auch nichr cndgülttg über- zeugt, daß wir uns nicht das Recht zuerkennen, ihnen einen systenia'ischcn Unglauben entgegen« zusetzen und daß es uns gerecht erscheint, das, was Maria Berdttschew borbringt, der großen Oeffentlichkeit nicht vorznenthalten. Trotz den zahlreichen Berichten, die seit einem Jahre in der Presse der ganzen Welt von Zeit zu Ze« nnftauchen, sind die Umstände der furchtbaren Nacht des 16. Juli 1918 im Dunkeln geblieben. Die Ermordung und Verbrennung des Zaren,, der Zarin und ihrer Kinder geschah so ungeheu- er rasch, so brutal und in solcher Verwirrung, daß die Annahme, eine Großfürstin könne ihren Henkern entronnen fein, nicht so ohne weiteres zurückgewiesen 'werden darf. Offiziöse Doku­mente. die aus Sowjetkreifen stammen, sprechen merkwürdigerweise von dem unerWrlichen Ver­schwinden des Leichnams eines der kaiserlichen Opfer in der Zeit zwischen dem fürchterlichen Drama im Hause Ipatjew und dem Brande, den die Menge von Jekaterinburg einige Augenblicke später entzündete. Die Erzählung bei Maria Berditschew ist höchst einfach und klingt sehr plausibel.

Ich bin, so erklärt ste, bte Großfürstin Ana­stasia. Ich wurde von mehreren Revoilverschüs- fen im Verlaufe der entsetzlichen Nacht vom 16. Juli 1918 getroffen und als tot neben meiner '

* Elektrische Fernbahnen. Die Eröff­nung der elektrischen Bahnsttecke Leipzig- Bitterfeld wird am 22. September erfol­gen. Die Inbetriebnahme der erweiterten Strecke Magdeburg-Bitterfeld und Leipzig-Hallle wird innerhalb der näch­sten asA Monate streckenweise erfolgen.

* Folgenschwere Kabelstörung. Infolge einer Kabelstörung in Wetzlar find rund hundert­zwanzig Anschlüsse an das Elektrizitätswerk in der Richtung nach Garbenheim und Niedergir­mes gegenwärtig außer Betrieb.

* Ungültige Bürgermeisterwahl. Der Kreis- ausschuß in Groß-Gerau hat die Wahl des Geometers Georg Fischer zum Bürgermeister von Bischofsheim auf Grund des Paragraphen 57 der ßanbgemeinbeorbnung für ungültig erklärt.

* Ein Zusammenstoß in Kattowitz. Ein zweirädriges Fuhrwerk der sranzösrschen Besatzungstruppen stieß an einer schar­fen Straßenecke auf einen Straßenbahn­wagen. Dem Führer des Straßenbähnwa- gens war es nicht möglich, einen Zusammenstoß zu verhindern^ Es kam zu einer Keilerei zwi­cken Besatzungstruppen und Swatzenbahnper- önal, die damit endete, daß die Angestellten der Straßenbahn an der weiteren Ausübung ihres Dienstes gehindert und fefigenommen wur­den. Gegen das Vorgehen des Militärs hat

Äm Tropen-Llrwald.

Wie man Schlangen sängt.

Die Schlangenjagd erfordert wohl mehr De« weglichkeit, Geschwindigkeit, KattbMigkeit und Geistesgegenwart, als irgend eine andere Jagd. Ein Forschungsreisender, der im tropischen Ur­wald viele Schlangen gesammelt hat, plaudert darüber: Die Schlange hat vor dem Menschen, den Vorteil, daß sie auf dem ihr gemäßen Grund und Boden kämpft. Ein Ort, an dem die Schlangen sich wohlfühlen, undurchdringliches Dickichit, Sumpfliand usw., ist für -en Menschen ein sehr schwieriges Terrain. Schweigsam, wachsam, mit dem Boden durch ihre Schutzfär­bung zur Einheit verwachsen, entdeckt uns die Schlange, bevor wir ste entdecken. Sie schnellt auf den Jäger zu, entweder empor aus deck Tiefe oder von irgend einem Baumzweige her-« unter ober auch hervor aus den Felsspalten, «r, denen e map vorbeigeht. So umgibt den Schlan­genfänger im Urwald beständige Todesgefahr^ Die Beine sind in erster Linie verwundbare Man schützt sich daher, indem man dicke Zei­tungsblätter rund um jedes Bein bis unter das, Knie rollt unb sie festbindet. Außerdem trägt man dicke eisenbeschlagene Schuhe mit Laschen' von starkem Leder, damit die Schlange nicht- durch die Zwischenräume hindurchstechcn kann- Erne Flinte mitzunehmen, hat wenig Zwecks Mit der Kugel beschädigt tnant das Exemplar,,- das man möglichst unversehrt haben möchte, unb'- außerdem verfehlt man oft fein Ziel. Em starkes, feinmaschiges Netz in der linken Hand, in der rechten einen dreißig Zoll dicken Sam* busstab, der an einem Ende mit Blei beschwert ist, das sind die Waffen des ScUangenjägers.

Maschinenschreiben. Und wenn Mutter auch schimpft: vor elf, zwölf Uhr wird nicht aufge- stamden. Und daS Mädel lächelt froh über diese Aussicht....

Ein stattlicher Herr schimpft zu seinem Nach­bar. Mein Gott, diese ewige Pinselei im Hals; man kann doch nickt, jetzt in der Saison, stun­denlang vom Geschäft wegbleiben. Ndan ist doch kein Caruso, das bißchen Heiserkeit wird von allein auch Weggehen. Er wird es heute dem Doktor energisch sagen. Aber der Doktor wird auch etwas sagen unb der vielbeschäftigte Herr wird brav und pünktlich morgen wieder zum Pinseln kommen.

Auch das ff eine Bübchen, das in den ersten Tagen immer so ängstlich geweint hatte, ist rühm und heiter geworden. .Es tttt gar nicht mehr fo weh" sagte es tapfer, .wenn Onkel Doktor die böse, schmerzhafte Wunde reinigt unb neu ver­bindet." Und lutscht mit einem lachenden und einem weinenden Auge on dem Bonbon, das der Onkel Doktor dem Kinde in den Mund gesteckt hat.

Es sind auch ernste, traurige Fälle ba; doch die Wartenden tröffen einander: .Meine Tante batte dasselbe und ist ganz gesund geworden. Und der Arzt ist so tückttg. der wird es schon schaffen". Und ein beglücktes Hoffnungslächeln spielt um den Mund auch der Verzagten.

Die Flurklingcl hat ausgehört Neumikomm- linge anzumelden das Wartezimmer wird leer. Aufatmenv erkennt der Arzt, das fein: -Der Nächste bitte! zwecklos ist. Tie Türe -um Ordinationszimmer bleibt offen. Die Flug klingel ist stumm geworden da schrillt das Telephon. .Ja?! Wie? Natürlich, ich komme sofort!" Einen Schluck Kaffee, ein Paar Züge aus der Zigarette auch das Ordinationszim­mer wird dann leer. Durch die Sttlle tönt der itbeme Klang einer Meinen Porzellanuhr...

lückenlose Kenntnis aller Menschen und Dinge, die auf das Zarentum bezug haben und wofür Maria Berdttschew in jedem Augenblick unwi­derlegliche Beweise gibt. Gewiß wird man, um ihre ideellen Ansprüche zu entkräften, auf die drei ober vier falschen Zarensöhne Hinweisen, die feit bem Tode des Prinzen Alexis in Rutz- lanb auf getreten sind und deren Schwindel zu entlarven nickt schwer war. Es ist auch merk­würdig. daß die noch lebenden Mitglieder der kaiserlichen Familie bisher nicht versuch! haben, der angeblichen Tochter Nikolaus und Mexan- dras den ihr gebührenden Rang Wied - zu ge­ben Ww dem auch sei, authentisch nt erfun­den, die Erzählung der Maria Berdit chew ist höchst interessant. Wenn sie die aben.euerliche Rettung vor dem Tod, ihre übermenschliche Irr­fahrt durch die Ebenen Sibiriens, die verschie­denen Attentate, die die Feinde der Zarenfami­lie in den Vereinigten Staaten gegen ste unter« nommen haben, wenn sie die politischen und fen- ttMentalen Intrigen, von denen sie sprechen ge­hört hat unb berichtet, wenn sie ihre Entrevueu mit Wilson ober bem Exkaiser Wilhelm bloß gc= träumt ober erfunden hat, so sind diese Träume oder Erfindungen dennoch bic aufregenbste

- " erfunbenen Geschichten.

der Betriebsrat der Schlesischen Kleinbahn A. G. öffentlich Protest erhoben.

* Rücktritt Nansens von der russischen Hflss- attion? Aus Genf wird gemeldet, daß Frithzof Nansen infolge des allgemeinen Widerstandes, den seine Pläne überall gefunden haben, sein Mandat als Organisator der internationalen Hilfe für Rußland niederlegen wolle.

* Maffenverhastungen in Liverpool. Wie aus England gemeldet wird, sind in Liverpool hundertundsechzig Personen infolge der Un­ruhen vom vorigen Montag verhaftet worden.;

Kommen und Gehen.

Von

J. M. Merich.

Ein wenig Salon ein wenig Raritätcu- «winett Den Möbeln sieht man es an, daß sie einmal wo anders gestanden Häven. Nippes urck hundert erotische Sachelchen erzählen von Kunst­verständnis, sind Reise-ttnnevurigen aus Nord und Süd. Auf dem Tischchen, das vor dem ge­musterten Salondivan steht, mischen sich die Achte verlesener Zeitschriften und Plospette rneinan - ' Dazu die Abendzeitung von vorgestern und etn indes Album mit photographischen Ab­bildungen irgend einer Gegend. Dieses Album ist oft durchgeblättert worden wahrscheinlich viel öfter als Vie Bilder darin erforderten, Bil­der, die nicht immer beachte, wurden, wenn die Hande nervös die Blatter umwendeten und die Augen ruhelos über die Landschaften und Volkstypen daraus hinglitten.

Um den Tisch stehen Fauteuils und Sessel, und andere Sitzgelegenheiter. sind noch in bem schmalen, länglichen Raume versteut: Ledersessel, Korbftühle, seidenüberzogene Tabourette sie sehen aus, wie rasch aus verschiedenen Räumen .zuiammengeholt um unvermuteten Gästen zu dienen. Alt und gediegen ist der Teppich, er hat viel ausgehalten, viel Straßenschnmtz wird trotz der einladenden Inschrift und Kratzbürste Hereingetragen, und ungeduldige Füße scharren darauf hin und her.

Klirrling-klirrling! Zweimal täglich, am Morgen unb am Nachmittag, ertönt die elek­trische Glocke, zwei bis drei Stunden lang, in kürzeren und längeren Zwischenpausen. Ohne sie zu hören, fühlt man die stereotyp- Frage: ob der Herr Doktor zu Hause sei unb ob schon viele Leute »warteten Dann bie gleichmäßig freund liche Stimm: des öffnenden DienstmädckeuS oder der Schwester. Ein schüchternes Klopfen nur die zum erstenmal Kommenden glauben dies tun m müssen die Zahl der Umhersitzendm hat sich wieder um eins vermehrt.

Zuweilen ein höflicher Gruß, der teilweise erwidert wird. Ein kurzer, neugieriger Blick von da und dorr ein schwaches Lächeln des

Mutter und meinen Schwestern liegen gelassen und dann von einem braven Tischler von Jeka­terinburg, namens Fedor Fedorowitsch Raskin, gereitet, der in der Rocht mich in meiner Olmmacht forttrug und mich so der Wut des Pöbels entriß. Nach einer Flucht, die meh­rere Monate gedauert hat, unb burch bie sibiri­sche Steppe ging, langten mein Retter unb ich in Wlabiwostok an. wo wir uns nach Japan ein* schiffen konnten. Von da fuhren wir nach den Vereinigten Staaten. Hier erwarteten uns tau­fend neue Gefahren. Da ich einen Eid geleistet habe, auf meinen Titel wie auf die Erbschaft meiner Eltern zu verzichten, ist mein einziges Bestreben, wenn ich heute meine Erlebnisse schil­dere und sage, wer ich bin, das Andenken der Meinigen zu verteidigen.

Die Verfasser des Buches fahren fort: Wäre das junge Mädchen eine Abenteuerin, fo wäre ihre Sorge ohnezweisels gewesen, die Güter aus der väterlichen Erbschaft, die außerhalb Ruß­lands existieren namenllich die bedeutenden Summen, bie her Zar in Bankhäusern Londons unb Kopenhagens hinterlegt hat, zu beanspru­chen. Das geschieht jedoch nicht. In keinem Au- genblick versuchte diejenige, die sich die Großfür­stin Anastasia nennt, ihre unbestreitbare Aehn- lichkeit mit den Töchtern des Hauses Romanow zu irgend welchen materiellen Zwecken auszu- nutzen. Handelt es sich um eine Kranke, die ihre Visionen als Wahrheit nimmt? Dies scheint allerdings der Eindruck der Behörden und Legationen zu fein, mit welchen Maria kBer- dttschew bisher in Berührung gekommen ist. Was aber besonders verwirrt, ist jedenfalls die

8 Suchen Sie in Ihren Ruhestunden nach einer Zeitung, die sich nicht täglich in ödestem 8 £ Parteiklatsch ergeht, sondern die das Bestreben hat. Sie unbeeinflußt über alle Gescheh- § 8 uiffe zu unterrichten und Sie gleichzeitig in fesselnder Form zu unterhalten, dann greifen 8

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Wie aus Chicago gemeldet wird, ist das ganze Mississippital von einer Sturmflut heim- gesucht worden, die man meteorologisch als Auswirkung unb Teil her Wetterkatastrophe an­zusehen hat, bie Vor einigen Tagen über bie Stadt San Antonio in Texas hereingebro­chen war. Im ganzen Süden des Staates Texas wüten Stürme und Regenfälle wie man sie seit langen Jahren nicht erlebt hat. Die Regen­güsse haben zwischen Corpus Christi unb Laredo große Teile der Texas-Mexikanischen Eisenbahn unterspült und weggewaschen. Zwischen Laredo und Nuovo Laredo wurde eine Pontonbrücke über den Rio Grande, der gewaltig angeschwol- len und an vielen (Steifen über die Ufer getre­ten ist, weggerissen. Im Nord westen der Ver­einigten Staaten haben die Regengüsse Schneefällen Platz gemocht. Die Tempe­ratur in Montana ist bereits unter den G e-

Erkennens, wenn schonöfter Dagewesene" kommen.

Dann Austausch von Begrüßungen und Fra­gen über Befinden unddie Kvankheit"; das schier unerschöpfliche Thema. Die Krankheit die Behandlung der Arzt Nebenbei auch ern- geftreute Bemerkungen über Geschäfte, über Moden, übers Wetter, über Politik.

Die Unterhaltung wird in jenem gedämpften Tone geführt, der dem Raum entspricht: nur sel­ten versteigt sich jemand zu einem lauten Wort, zu einem hier besonders fdmff klingend:n Lachen erstaunte, etwas mißbilligende Blicke sind bie Folge. Jähes Verstummen, verlegenes Räuspern

Die Tür zum Orainationszimmer öffnet sich in unregelmäßigen Zwischen räumen: her Kopf des Arztes oder der Ordinattonsschwester er­scheint für einen Augenblick und wiederholt in gleichmäßigem Tonfall:Ter Nächste, ' bitt:!" Mit einer sonst ungewohnten Sanftmut respek­tiert man hier die Reihenfolge des Kommens und laßt Berechttgten den Vortritt. Nur G>euu ein besonderer Fall eintritt, der rascheres Ein­greifen erfordert, wird eine noch freundlichere Ausnahme gemacht Aber Bemerkungen,Gott wie ist es heute wieder fpät! Ich habe keine Zeit mehr zu warten", finden stillschweigende uitd ablehnende Nichtachtung

Wenn man zum Arzt in die Ordinations stunde geht, muß man entweder sehr früh kom­men ober warten. Das ist bekannt. Sich dage­gen wehren ist überflüssig und lächerlich.

Wan kann, bis die Reihe an einen kommt, die Blümchen oder Streifen am Tapeterr.nuster Een, wenn man alles andere schon in bem Raum betrachtet und alles Lesbare durckgeseheu hat. Aber interessanter ist es. bie Menschen zu beobachten: Schlüsse aus ihrem Verhalten zu ziehen, wie sie bas Kranksein ausnehmrn.

Kranksein ist eine traurig- Sache aber nicht alle Menschen sinb traurig, bie im Wartezimmer sitzen Das junge Mädcken in ber Ecke ist schein­bar recht vergnügt: es weiß, was ihm bevc-rstM: blutarm, acht Tage arbeitsunfähig, vielleicht so­gar vierzehn Tage. Das bedeutet, sich eine Woche ober länger gründlich ausschkafen zu kön- i nen, so richtig ausfaulenzen von dem ewigen 1

Wie vor einigen Tagen gemeldet wurde, hatte ein int Auftrage eines Mannheimer De- teftivinstituts hypnotisiertes Medium bis ins Einzelne gehende Mitteilungen über bie Mürber Erzbergers, ihre Flucht nach ber Schweiz unb weiterhin nach Ne­apel gemacht. Die Schweizer Behörden haben diese Angaben zum Gegenstand eingehender Un­tersuchungen gemacht. Hierbei wurde festgestellt, daß e n t g e g e n den Angaben desHellsehers", bei der Ankunft des Rachtschnellzuges in Basel weder ein schweizerischer noch ein deutscher Grenzbeamter eine Kontrolle vorgenommen hat, daß in keinem Baseler Hotel an bem genannten Tage bie von bem Hellseher angegebene Zim­mernummer belegt war unb bie beiben Perso­nen ohne Paß den Badischen Bahnhof in Basel überhaupt nicht hätten verlassen können. Ebenso entbehren bie Angaben bezüglich des Auf­enthalts in einem Züricher Hotel, der Erhebung eines Schecks von breißigtaufend Francs und der Anwesenheit der Flüchtlinge in Lausanne jeglicher Grundlage. Es scheint sich also hier nur um einen bewußten oder unbe­wußten Schwindel zu handeln.