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Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 211» Fernsprecher 951 und 952 Donnerstag, 15. September 1921 Fernsprecher 951 und 952 11. Zayrqanp

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Kein Ende der Keift in Gicht.

Nord und Süd.

Ist immer noch kein Ausgleich in Sicht?

In Bayern hat sich die Lage durch ben Rücktritt des Gesamtministeriums wesentlich verschlechtert. Es geht aus der neuesten Entwicklung hervor, daß die ablehnende Haltung gegenüber Berlin nicht nur die persön­liche Auffassung des Ministerpräsidenten von Kahr gewesen ist, sondern daß auch die anderen Minister v. Kahrs Standpunkt vertreten. Daher ihr gemeinsamer Rücktritt. Sie führen verfas­sungsmäßig die RegierungSgeschäfte bis zur Bildung eines neuon Kabinetts weiter. Die Krise ist ein äußeres Zeichen der tiefen Ver­stimmung in Bayern, die selbst in die bürger­lichen Kreise trennend eingedrungen zu sein scheint. Wahrend die Regierung, unterstützt von der Rechten, aus aste Fälle auf ihrer Forderung bestehen zu müssen glaubte, daß der Belage­rungszustand erst aufgehoben werden solle,fo bald es die Verhältnisse erlauben*, hat sich selbst ein Teil der Mittelparteien gegen diese ein­schränkende Klausel ausgesprochen. Die Dreinun­gen in der Bayrischen Volkspartei waren übri­gens auch verschieden, denn nachdem der Abge­ordnete Held den Reaierungsvorschlag befürwor­tet hatte, verwarf ihn der Abgeordnete Speck, beide von derselben Partei. Man ist Wohl der Ansicht, daß die bayrische Staatsautorität auf­recht erhalten werden müsse, sieht aber doch auch ein, daß ein schroffes Entgegenhandeln gegen die Reichsreaierung den Konflikt zu einem dau- rrnden Zustand machen würde.

Daß man nach dem zehntägigen Streite jetzt geneigt ist, zu einer Verständigung mit Berlin zu kommen, ist aus den Ausführungen des Ab­geordneten Speck im Landtagsausschuß ersicht­lich, der ernstlich ermahnte: Wenn es nicht ge­länge, durch guten Willm sich aus einem mittle­ren Weg zu einigen, dann lagen die Dinge für Bayern politisch außerordentlich ungünstig. Bei einem Konflikt mit dem Reiche wäre Bayern im Hintertreffen, und eS wäre gefährlich die Sache aus die Spitze M treiben, da das Reich alle Trümpfe in der Hand habe. Nicht Prestigerück­sichten, sondern nur die Sache müsse im Vorder­gründe sichen. Deshalb sei der einzige Aus­weg der, sich auf den Boden des vermit­telnden Abkommens zu stellen. Der Ab­geordnete betonte: »Mr sind gute Bayern, aber auch treue Deutsche." Keiner wolle einen Ver- faffungsbruch begehen, und es bleibe somit nichts anderes übrig, als sich aus den Boden des Abkommens pi stellen. Diese Worte sagen sich mit aller Schärfe von der äußersten Rechten los und deuten damit eine Mäßigung an. Es wird sich in diesen Tagen wohl auch Heraus­stellen, wie groß das Gefolge bei dieser Schwen­kung sein wird. Die zunächst um sich greifende Erregung in Bayern nmß bald einer ruhigen Betrachtung der Lage Raum geben, denn durch rine Spaltung im bürgerlichen Laaer würde Bayern seine Sache nur noch verschlechtern und müßte dem Reiche vielleicht mehr nachgeben, als der Kompromißvorschlag versah.

Inzwischen hat das R eichskab inett Stellung dazit genommen und weiterhin seine Bereitwilligkeit zu Besprechungen erklärt. Die Reichsregierung muß natürlich darauf bedacht fein, so schnell wie möglich den Normalzustand herzustellen, also ebenso den Zwist innerhalb Bayerns überbrücken zu helfen, wie ein festes Abkonrmm zwischen dem Reich und Bayern zu schaffen, damit Reichs- und Landesregierungen endlich wissen, wie ntit ihre Befugnisse gehen. Dies festzustellen. ist gerade jetzt am allernot­wendigsten. svenn m Bayern noch kein stän­diges Ministerium Vorhänden ist. Bei Lichte be­sehen. findet man, daß die gegenwärtigen Schwserigkette» noch bedrohliche Möglichkeiten in sich bergen. Was soll beispielsweise ge­schehen, wenn eine Käbineikbildung jetzt nicht gelingt und die Verhandlungen nicht zu Ende geführt werden können? Wirde d:cRetcks - regierung dann zur Exekutive schreiten ohne eine bayrische Regierung? Das wäre zwar die Maßnahme, die vcn den Linksparteien schon seit mehreren Tagen empfohlen wird, aber wie das die Bayern ausfassen würden, weiß heute noch niemand. Es würde daun nicht mehr bei dem aktuellen Streit um den Belagerungs­zustand verbleiben, sondern die von altersher bestehenden Gegensätze zivischen Berlin und München würden wieder aufleben und weiter; Hindernisse bilden.

Alles weist darauf hin, daß in diesem Augen­blick aus beiden Seiten, sowohl in Berlin als auch in München, größte Gesch-.ckllchkeit walten muß mit dem ernsten Bestreben, sich zu fried­lichem Atlsgleich entaegetizukommen. Die w e i- <eren Verhandlungen sollen nun auf dem Wege über die ständige Vertretung, den bayrischen Gesandten von Prager und den Ab­geordneten Deherlr, geführt werden In Min- chen besteht vorläufig die Meinung, es werde in liefern Monat nicht mehr gelingen, ein neues Kabinett zu bilde«. Man ist sehr in Ver- leaerrheit um einen Miniüeivräkiden-

ten. Rechtsstehende Kreise tragen sich mit dem Gedanken, das Ministerium v. Kahr zurückzu- rusen. Dies scheint aber nicht nur in Bayern auf Widerstand zu stoßen, sondern man fürchtet auch, daß es die bayrische vckn der Reichsregie- rung noch mehr entfremden würde. Wie aus Berlin verlautet, wäre man dort geneigt, einer gemäßigten bayrischen Regierung, von der mar. annehmen könne, daß sie mit Berkin Werein- stimmend wirken werde, größere Selbständigkeit zu gewähren. Mit einer Verzögerung der Ka­binettsbildung um einige Wochen würde sicher nichts gewonnen. Was man im Oktober föhnen wird, kann man bei gutem Willen auch schon im September. K. F. Dr.

Die bayrische Krise.

Am die NenbUdung dos Kabinetts.

(Privett-Telegramm.)

München, 14. September.

Nach Lage der Dinge ist mit einer Neubil- düng der bayrischen Regierung kaum vor Oktober zu rechnen. Der Landtagsabgeord- nite Dr. Heim kommt morgen zur Frattions- sitzung der Bayrischen Volks Partei nach Blünchen. Lehnt v. K a h r die Uebernahure des Minitzerpräsidiums und die Neubildung der Regierung ab, dann würde auch Justizminister Dr. Roth endgültig ausscheiden. Ein Mini- erium Speck bedeute vermutlich nichts anderes als ein Nebergangsministerium zur Aufhebung des bayrischen Ausnahmezustandes; es wäre ein Ministerium, in das dann die Sozialdemokraten eintreten könnten, wenn sie der Einkachbeit hal­ber nicht gleich ausgenommen werden. Der sozialdemokratische Abgeordnete Gruber kün- digte in einer Parteisitzung schon die Bereit­willigkeit der Sozialdemokraten an, im Interesse der Gesamtheit der Pflicht der Bereinigung mit den bürgerlichen Par­teien sich nicht zu entziehen, wenn nicht ein Munn von hartnäckigem Eigensinn, sondern ein ehrlicher Reichsverfassungsfreuud zum Mini­sterpräsidenten berufen würde.

DerMiesbacher Anzeiger".

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Halbamtlich wird mitgeteilt: Verschiedene Zei­tungen brachten die Meldung, daß das Verbot desMiesbacher Anzeigers- infolge der Auf­hebung des gegen neun rechtsradikale Zeitun­gen verhängten Verbots nunmehr auch aufge­hoben worden sei. Diese Auffassung ist irrig. Auf das erste Verbot des »Miesbacher Anzei­gers-, das durch die Entscheidung des Reichs- ratsausschusses aufgehoben wurde, erfolgte das zweite Verbot desselben Blattes auf Grund eines Tatbestandes, der durch die Ent­scheidung des Reichsratsausschuffes nicht betrof­fen wird. Dieses zweite Verbot des Blattes besteht also heute noch zu Recht.

Ein Vermittlungs-Angebot.

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Im Konflikt zwischen Reich und Bayern haben zwei süddeutsche Staaten ihre Vermittlung angeboten. In Berlin erwartet man, unge­achtet aller alarmierenden Nachrichten, eine friedliche Berständigung mit München.

Die gesunkene Mark.

Gründe für die derzeitige Devisen-Hausse.

-Mgene Drahtmeldung.)

Paris, 14. September.

ImJournal" beschäftigt sich ein bekannter Pariser Bankier mit den Gründe« der in Deutschland erfolgten Valuta-Hausse, durch die auch Frankreich betroffen wird. Er führt «ms: Die Gründe für den Niedergang der deutschen Mark sind außerordentlich kom­pliziert. Man darf nicht vergessen, daß Deutsch- lanv seine erste Milliarde mit Kredite« be­zahlt hat. Diese müssen im nächsten Jahre zu- rückbc-ahlt werden. Im Augenblick leiht Deuttchland von dem einen, um es dem anderen zu geben. Seine Schuld hat sich also nicht um einen Pfennig verringert. Andererseits wird der Sturz der Mark durch die Steuerpr». jette der deutschen Regierung beschleunigt.

Valuta und Teuerung.

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Der deutsche Wirtschaftspolitiker Landsberg meint, daß die Ankündigung der Steuer- pläne der Reichsregierung das Publikum dazu an getrieben habe, alle seine verfügbaren Geld­mittel in fremden Devisen cknzulegen, aus Funkst vor denk Fiskus und in der Idee, sich unpfäudbare Werte zu schaffen und das Kapital zu retten. Aut diele Weife bereichere sich der

Deuffche jedesmal, wenn die Mark heruutergehe, weil dann der Sterling und der Peseto, die .-r gekauft habe, automatisch steigen. Tie Bereiche- nmg ist allerdings nur scheinbar, denn auch die Teuerung tritt damit automatisch in Kraft.

Wiederaufbau-Fragen.

Der Vertrag mit Frankreich.

(PrivatÄelc gramm.)

Berlin, 14. September.

Nachdem Minister Rathenau jetzt von seinem Urlaub zurückgekehrt ist. wird, wie das Berliner Tageblatt aus parlamentarischen Krei­sen hört, die Reichsregierung wahrscheinlich in einer der nächsten Kabinettssitzungen zu dem Wiederaufbauvertrag Stellung nehmen. Die französische Regierung hat in amtlichen Auslassungen erklärt, daß sie ihre Haltung zu dem Vertrag erst festlegen könne, wenn sich die deutsche Regierung dazu geäußert hat. Die Reichsregierung hat naturgemäß besonders we­gen der Wirkung des Valutasturzes auf die Re­parationsfrage ein Interesse an einem möglichst baldigen Abschluß des Vertrages, der in gewis­sem Umfang die Ablösung der Goldleistungea durch Sachleistungen Vorsicht. Die Rati- fizienmg des Mederaufbmlvertrages wird also voraussichtlich zunächst erst von beutfdjer und dann von französischer Seite erfolgen.

Wirkung ob i. Oktober.

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.l Aus Regirrungskreisc« verlautet: Da der Wie- deraufbauvettrag mit Wirkung ab 1. Oktober vorgesehen ist, kann man anu-hmen. daß die Ratifizierung noch vor diesem Termin ge schehen wird. Auch die neuen Besprechun­gen zwischen dem Minister Rathenau und Lou- cheur, die sich mit dem sogenannten Nebcnver- trag befasse« sollen, werden voraussichtlich noch vor dem L Oktober beginnen. Eine Beröffeat- lichimg des Wiederanfbauvertrages im gegen­wärtigen Augenblick hält die Reichsregierung mit Rücksicht auf die noch nicht abgeschlosse­nen Beratungen nicht für günstig.

Ausstand in NordsrankreiH.

Die Arbeitsniederlegung ist allgemein.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 14. September.

In dem nor'ofranzöfischen Streikgebiet ist die Lage unverändert. Die Ruhe ist bisher nir­gends ernstlich gefährdet worden. In Roubaix haben Trupps von Streikenden in den wenigen Betriebe«, wo noch gearbeitet wurde, die E i n - stellung der Arbeit erzwungen. In allen Industriestädten ist die ArbeitSruhe allgemein. Selbst die Zeitungen haben ihr Erscheinen eingestellt. Auch die Tram­bahnen verkehren nicht mehr und sogar Kaffeehäuser und Gastwirtschaften sind geschlossen. DaS Streikkomitee hat Maß­nahmen getroffen, um die Lebensmittelversor­gung der Städte sicherzustellen. Einer Aufforde­rung des Streikkomitees Folge leistend, haben die Eisenbahner-Gewerffchasten eine Erllärung abgegeben, datz sie sich jedem Versuch. Truppen in das vom Streik betroffene Gebiet zu be­fördern, Widerfetzen würde«.

Der kleinafiattfche Krieg.

Noch keine Entscheidung in Aussicht.

(eigener Drahtbericht.)

London, 14. September.

Du? Konstantinopel wird dem »Daily Tele­graph^ mitgeteilt, das griechische Komi­tee für die nattonale Verteidigung in Konstan­tinopel, das ausschließlich aus Venizelisten zirsammengesetzt isst habe einen Brief von Veni- zelvs erhalten, in dem dieser feinen Anhängern empfiehlt, mehr als je an ihren Zielen fett w« hatten und um keinen Preis den König Kon­stantin anzuerkennen. Die »Agence Havas" meldet: Die Türken haben einen Waffen- ftiIIftanb in Athen nachsuchen lassen. Die griechische Generalnwbilisierung ist am letzten Freitag durch Erlaß des Mnisterrais ausge­sprochen worden. Die »Times-" berichtet aus Konstantinopel, daß die griechischen Trup- pön nach dem Schlag vor Angora sich nach Weöen rnrü gezogen haben.

Die Arbeitsmoral.

Abkehr vorn Glücksspiel.

»«der die Schädliche«» der immer mehr utti sich greifende« Steigung, mühelos Geld zu verdiene«, wobei die Arbeit zn kürz kommen mit8, schreibt dir »WirtschaftSwarte" im Verlag der Äultttrliga, Berlin, Folgendes!

Von gewissen internationalen Plätzen und auch von ganzen Ländern sagte «mn früher, sie seien das Dorado für Abenteurer und Glücks­ritter aller Art. Im Gegensatz hierzu nannte -man Deutschland gern das Land der soliden Arbeit und der Sparsamkeit. Dieser Rymbus ist dahin. Jür allen Berufs schichten und -klaffen macht sich das Streben gellend, möglichst viel aus möglichst vielen Quellen zu schöpfen, ohne Rücksicht darauf, ob die Quellen gesund und rein sind. Vor siebzig Jahren wurde das Pro­blem des »gerechten Lohnes* erörtert. Man konnte Mar nickt genau festtegeii, wie hoch der wirkliche Wert der Arbeit fei; man hatte aber doch eine lebhafte Vorstellung davon, daß das Entgelt zur Arbeitsleistung in einem gewissen Verhältnis stehen müsse. Wenn heutzutage ein Gelegenheitshändler durch die einfache Vermittlung eines vielleicht nicht ein­mal erlaubten Geschäftes Zehntausende verdient, so müßte eigentlich das VoWZrmpfindrn sich da­gegen auflehnen. Je länger, je mehr kann aber von einer Auflehnung nicht die Rede sein; viel­mehr wird bei den meisten anderen nur der Neid geweckt und das Streben entfacht, gleiche Gewinne einzuheimsen. Torheit hat Tausende vonaufgeflätien Städtern" in die Garne der Wettkönige geführt. Die Hamsterei von Sachwerten, ausländischen Roten und Devisen, sowie das in immer tiefere Schichten des Vol­kes einbringenbe Börsensptel sind die untrüg­lichen Zeichen für den Verfall der deutschen Ar­beitsmoral. (Man kann dasselbe Zeichen i» allen besiegten Länderst wahrnehmen.)

Es ist nicht anzunehmen, daß die Führer bet großen Arbeitnehmer-Organisationen die Gefahr een der Entwicklung verkennen. Fast in jeder großen Versammlung erhält der krittsche Zue Hörer den Eindruck, daß die Masse des Volkes nicht nut die Besitzer der Produktionsmittel und ihre Stellvertreter in leitenden -Stellen, sondern sogar die deutsche Wirtschaft selbst als ihren Feind ansieht, dem möglichst viel abzujagen ein Hauptziel der Arbeitenden fein sollte. Die Füh­rer der Organisationen bringen jedoch mit ihren Meinungen nicht durch; der Beifall gehört den Schreiern und den Vertreter« überspannter For­derungen. Wer in einer großstädtischen Ver­sammlung den Nachweis verfrüht, daß ufer­lose Forderungen die Volkswirt- schäft vernichten mtd amh den Arbeiter- maffen auf die Dauer nichts nütze«, setzt sich nicht nur hestigster Opposition, sondern oft ge­radezu ernster persönlicher Gefahr aus. In allen Schichten unseres Voltskörpers ist die Arbeits­moral auf dem Abstiege. Ueberall Hütt die Mehrheit unsere nationale Wirtschaft für Frei­wild mrd versteht nicht, daß die Selbstsucht der Einzelnen den Nährboden jedes Einzelner zerstört.

Mit der Arbeitsmoral ist auch der Spar» trieb in Verfall geiatett Die Grundlage des Sparens ist die Gewißheit, daß das Sparen r ü tz t. Diese Gewißheit ist göschwunden. Wer heute spart, hat leider die Gewißheit, daß er sich gegenwärttgeu Verbrauch versagt, um später viel weniger zu haben. Aus der Sparsamkeit ist die Hamsterei geworden. Hamstervorräte sind ober lediglich Verbrauchs-, nicht aber Produk- ttonsgütcr. Das deutsche Volk sucht sich von seinem Gelbe zu trennen und überläßt dem Auslände eine allerdingS nicht sehr aus­sichtsreiche StoeMation & la Hausse. Mit dem deutschen Gclve kaust aber das Ausland unsere Wirtschaftswerte auf und macht uns das Hans- herrurrcht in der deutschen Volkswirtschaft strei­tig. Gelänge es, alle diese Tatsachen und Ver­knüpfungen dem deutschen Volke begreiflich zu machen, so bestände einige Aussicht, eine Gegcn- betoegnng zu entfachen, die Arbeitsmoral und Sparsamkeit wieder zu Grundpfeilern unseres wirtschaftlichen Lebens machen würde. Es scheint aber, als ob die Vernunft erst unter einem ge­wissen äußeren Drucke in die Hirne und Herze« unseres Volkes einzubringen vermag. W. W,

Abzug vom Einkommen.

Berücksichtigung des Familienstandes.

Don sackckunbiger Seite wirb uns geschrieben; D'e Tatsache, baß Steuerpflichtige mit einem Einkommen bis zu hunberttaufend Mark Er­mäßigungen des Steuerbetrages nach dem Fa- mUienftanbe beanspruchen dürfen, legte die Frage nahe, welcher Tag für die Anrechnung dieser Ermäßigung auf den Sleuerahqug maß­gebend ist. Das am 11. Juki 1921 beschlossen: Gesetz über die Einkommensteuer vom Arbeits­lohn verfügt, daß hinsichtlich der für die Ehe­frau, die minder-jährigen Kinder und mit­tellos«, vom Steuerpflichtigen zu unterhalterw-