Einzelbild herunterladen
 

I

Mckr Neueste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung

$u Raffelet Vieuent* Nachrtchtev erfdjeinett wöchentlich fechrmal und zwar a benb 6. Ter Slbmmemenrrpreir beträgt monatlich 6.60 Mark bei freier Zustellung in» Haus. Lus. wärt» durch die Post bezogen 5.80 Mark monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen werden lederzrit von der (Sefdjäftlfielle ober ben Boten entgegengenommeu. Druckerei, «erlag und Redaktion. Schiachthofstrabe 28/80. Für unverlangt eingefandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung ober Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung bei Bezugsgelbes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht orbnungsmäßiger Lieferung ausgefchlosten.

Hessische Abendzeitung

gnferttonSpretfe-. e) Einheimische Auftrage: Die einspaltige Anzelgen-Zeile M. L2O, die einspaltige Reklamezeile M. 8. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. L80, di» einsaitige Reklame,eile M. 8.60, alles einschlieblich Teuerungszuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonder» schwierigem Sag hundert Prozent Ausschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, baten und Platze kann eine Gewähr nicht übernommen werben. Druckerei: Schlacht­hofftrabe 18/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 6. Telephon Nummer 951 unb 952,

Nummer 206.

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 9. September 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang.

Noch keine Entspannung der Lage.

Der Börsentaumel.

Spekulationslust des Publikums.

Die Umsätze an den deutschen Börsen er­reichten in diesen Tagen eine tarn jemals er­lebte Höhe. Das Geschäft in den dichtgefülltcn Börsensälen hat einen stürmischen Charakter, so­daß die Banken und Bankfirmen den Kanfan- drana nicht bewältigen können und die Borsen- vorstände drei Ruhetage in der Woche einlegen mußten. Stundenweise werden, wie uns gestern mitgeteilt wurde, gar keine Kausanträge mehr angenommen. Die brieflichen und telegrayhi- , scheu Orders gingen gestern morgen in einem solchen Umfange ein, daß deren Erledigung bei den Banken nut teilweise vorgenommen werden konnte. Bezeichnend'für die Haussebewegung ist, daß manches sonst stetige Papier starke Erhöhung M verzeichnen hat.Unit der Teufel lacht b.-yu" nämlich der Spielteufel, der zur Zeit in Deutschland umgeht. Der Zusammenbruch der Sportbanken und Wettkonzerne hat ein erschrek- kendes Bild davon gegeben, in wie weite Kreise die Beteiligung am Wetten gedrungen ist, wie groß die Gewinn- und Wettsucht ist (wobei frei­lich die Hunderttausend^, die zum Kundenkreis jenerBanken* gehörten, aus das falsche Pferd gesetzt habens. Es liegt auf demselben Gebiet, wenn die Behörden sich jetzt genötigt sehen, zu schärferen Mitteln gegen das Ueberhandnehmeu des Glücksspiels M greisen, gegen die wie Pilze aus dem Boden schießenden Spiel- Hubs vorzngehen. Wie man jetzt mit etwas verspätetem Eifer gegen die Wettkonzerne und gegen die Spielhöllen vorgeht, so beraten aller­orten die Börsenvorstände Mer Refor­men, um wenn möglich dem nicht zu bewälti­genden Andrang der Gelegenheitsspekulanten jti steuern. Weite Kreise, deren der Kurszettel früher ein Buch mit sieben Siegeln war, glauben heute das Börsenspiel als Nebenerwerb betrach­ten zu können, und sie riskieren ihre mehr oder minder großen oder Keinen Kapitalien, indem sie vielfach alles aus eine Karte setzen. Beson- ders ernste Beachtung bietet die Gefahr, die da­rin liegt, daß in letzter Zeit eine starke Abwan­derung von den amtlich kontrollierten und in den Kursen registrierten Papieren zum freien Verkehr, zu den unnotierten Werten stattge- stmden hat, wobei die Spekitvation sich zuletzt je­der Kontrolle entzieht.

Die Ursachen dieses wilden, beängstigenden Andrangs zur Börse haben wir dargelegt. Es handelt sich dabei um die Flucht von der Mark M den Sachwerten, als welche die Attien gelten. Da es sich ja hierbei in der Tat um 9(n= teile anGoldwerten" handelt, ist eS verständ­lich. daß viele Anteile entsprechend dem Sinken der Mark steigen Aber sie steigen eben nicht nur entsprechend, sondern wett, zum Teil sogar maß­los darüber hinaus Wenn die Mark, die noch vor einem Vierteljahr sich um das Wertverhält­nis ein Dollar gleich 60 Mark herum bewegte, jetzt den Status ein Dollargleich93 Mark aufiveist, so bedeutet das einen Wertverlust von etwa fünfzig Prozent. Daß dieser Wertver- lusther Valuta sich in den Aktien aus­drückt, ist selbstverständlich, und, wie die Dinge liegen, ist auf eine Besserung der Valuta in ab- sshbarer Zeit schwerlich zu rechnen. Wie ungün­stig die deutschen Ftnanzverhältnisse m den Krei­sen der Alliierten beurteilt werden, zeigt ja die Entrüstung der Franzosen darüber, daß die erste von Deutschland bezahlte Milliarde vor allem an England und Belgien fiel, während Frankreich das Nachsehen hatte. Freilich, wenn die französische Presse schlttßsolgert, da Deutsch­land dem Bankerott zutretbe, müsse Frankreich schnell einbeimsen, was noch zu holen sei, so sollten die Alliierten hieraus vielmehr die Lehre ziehen, daß die Deutschland auferlegten Repara- ttonslasten unerträglich und unerfüllbar sind.

Jedenfalls ist angesichts dieser Milliarden - schrövfungen und angesichts der ungünstigen wirtschastlichen Lage und der neuerdings beson­ders zugespitzten politischen Verhältnisse auf eine Besserung der Valuta schwerlich in absehbarer Zeit zu reckuen, und auf dieser Er­wägung beruht eben der Ansturm auf den Attien- markt. Nun liegen aber die Dinge so, daß die Kurse der Aktien vielfach nm ein ganz Bedeu­tendes mehr gestiegen sind, als die Mark gesun­ken ist. Sind doch zahlreiche Wertpapiere in den letzten Monaten enf das Doppelte und mehr gestiegen. Auch darf nicht übersehen werden, daß der in den Attien steckende Goldwert durch die unterdessen erfolgten umsaffendett Kapital- erhöhungen doch immerhin schon tetlweise ver- wässen ist. Zweifellos ist der Kurs zahlreicher Papiere durch eine wilde Spekulation, die ge- wShnlich von irgend welchen Jnteressenverkäufen ausgsht und die aus Tips hungrigen Mitläufer nach sich zieht, weit über ihren inneren Wert ge­steigert worden. Eben deshalb siegt die Gefahr vor, daß ein e 1 w a i g e r R ü ck s ch l a g. mit des­sen Möglichkeit die Börsentteise gerade jetzt rech­nen, katastrophal wirken könnte, wenn die dann ängstlich gewoidenen Mitläufer und Gelegcn- heitsspekulanten ihren Attienbesitz auf den Martt

werfen, um zu retten, was zu retten ist, wäh­rend diese Tattik vielmehr bewirken würde, daß sie verlieren, was zu verlieren ist. Jedenfalls ist ein dringenderFunkspruch an Alle" die es angc-ht, angebracht, der ungesunden, die Volks­wirtschaft schädigenden und die Privatwirtschaft ernstlich gefährdenden Abkehr von ben soliden, festverzinslichen Werten zur hemmungslosen Mienspekulation endlich Einha.lt zu tun, da an. dernfalls, während bie berufsmäßige Spekula­tion unterdessen in Kenntnis der Sachlage wie der drohenden Gefahren ihr «Schäfchen ins Trok- fene bringt, das unerfahrene Publikum leicht eine ttülbe Erfahrung machen könnte. Dr »k.

Die Krssenftlmmung.

Besprechungen der sozialistischen Parteien. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. September.

Im Anschluß mt die Verhandlungen der Rkichsregierung mit der bayrische« Delegation fand eine Besprechung zwischen den Vertretern der Unabhängigen und der Mehrheitssozialisten statt. Die mehrheitssozialdemokratische Partei vertraten Otto Wels, Hermann Müller, sowie Reichstagspräsident Löbe. Von den Unabhän­gigen waren Crispien, Ledebour, Rosenfeld, Dittmann unb Luise Zieh erschienen. Die Be- sprechungen behandelten die Frage des Zu­sammengehens der Unabhängige« und der mehrheitssozialdemokrattschen Partei in der bay­rischen Angelegenheit. Außerdem wuchen die Beschlüsse, die in der gestrigen Sitzung der Par- teivertreter im Reichstag gefaßt worden waren, besprochen. Zu einem endgültigen positiven Ergebnis haben die Beratungen «och nicht ge­führt. Auch sie werde« heute fortgesetzt werden.

Stellungnahme tn den Ländern.

Berlin, 8. Septemiber. (Privattelegramm.) Aus Stuttgart wird gemeldet: Der Präsi­dent des Landtages hat das Verlangen der Frak. timten der württembergischen Burgerparteien und des Bauernbundes auf Einberufung des Landtages zur Besprechung der von ihnen eingebrachtcn großen Anfrage wegen der Reichs- verordnnngen und Ues Verbots der süddeutschen Zeitungen ab gele hnt. Aus Braun- schweig berichtet man: Gestern hat das Staats­ministerium eine KundgebungAn Alle" veröf­fentlicht, in der es den Aufruf der Reichsre­gierung vom 29. August über die zum Schuhe der Verfassung und Republik getroffenen Maßnah­men billigt und begrüßt.

Wettere Äeitungsverbote.

Königsberg, 8. September. (Privattelegramun-^ Das Gauorgan des deutsch-völkischen Schutz- u. TrutzbundesDeutsche Arbeit" ist aus die Dauer von vierzehn Tagen verboten worden Die Ostpreußische Zeittmg", die verboten und dann sreigegeben war, ist jetzt wieder verboten worden.

Bayern und das Reich.

Fortdauer der Berliner Verhandlungen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. September.

Gestern nachmittag wurden die in der vorigen LÄiche unterbrochenen Verhandlungen der Reichsregierung mtt den bayerischen Vertretern im Rcichskanzlergebäude wieder ausge­nommen. Bei Beginn der Sitzung standen sich die Ansichten der Reichsregierung und die der bayerischen Regierung gegenüber. Im wei­teren Verlauf der Besprechungen trat eine ge­wisse Annäherung zutage. Es wurden da­bei mehrere bestimmte Vorschläge erörtert. Do besprach man die Frage, auf welcher Basis eine Aenderung in der Konstruttion der Handhabung des Ausnahmezustandes herbeigeführt werden könne. Alle Fragen find jedoch bei den gestrigen Besprechungen, die sich recht schwierig gestalteten, noch zukeinemAbschluß gelangt. Tie Be­ratungen. die abends abgebrochen wurden, wer­den deshalb heute vormittag fortgesetzt werden. Die Bettreter Bayerns haben beschränkte Voll­machten: ste werden wcrlsrscheinlich heute abend nach München zurückrttscn. um dvtt dem baye­rischen Kabinett, sowie den KoakirionSpatteien über die Borschlktze der Reichsregierung Be­richt zu erstatten. Die Beschlüsse werden dann erst in Viünchen gefaßt werden.

e

Noch keine Entscheidung.

Berlin, 8. September. (Prtvattclegramm.1 Ein amtlicher Bericht über den Verlauf der ge stttgen Besprechungen ist nicht ausgegeben wor­den. da. solange et« Ergebnis noch nicht sichtbar ist, Vertraulichkeit gewahrt bleibe« soll. Man war sich auch gestern auf beiden Seiten «"llkom- men des Ernstes unb der Tragweite ve- zur Verhandlung stehenden Fragen bewußt, ebenso

der Notwendigkeit einer raschen Entscheidttng. Man ist auf der Suche nach der Einigitngs- formel, die Differenzen auf dem Wege des gütlichen Einvernehmens beizulegen. Eine end­gültige Entscheidung darf aber auch von den heutige» Sitzungen noch nicht erwartet werden.

Räuber in Braunschweig.

Betätigung ehemaligerStaatslenker". (Privat-Telegramm.)

Braunschweig, 8. September.

Daß nicht ehemalige Reichswehrsoldaten, son­dern organisierte kommunistische Banden die Uebersälle in dem Lande Braunschweig und die Dynamitanschläge in der Stadt Braun­schweig ausgeführt haben, wird jetzt von der Pressestelle der sozialistischen Reg-enmg bestä­tigt. Wie das staatliche Presseamt denNeue­sten Nachrichten" in Braunschweig mitteilt, ist es bett unablässigen Bemühungen der Staatsan­waltschaft und der Polizei gelungen, nahezu lük- kenlose Auftlärung über jene Kette von Ver­brechen zu schaffen, die seit fast einem Fahre die Bevölkerung des Landes Braanschweig be­unruhigt. Die Neberfälle in Braunslage und Vorwohle, der Ueberfall auf zwei* Postämter in der Stadt Braunschweig uub die bekannten vier Dynamit-Attentate hängen miteinander zusam­men. Sie sind das Werk einer Bcrbrecherbande. Nach einer Mitteilung des staatttchen Presse­amtes besteht die verhaftete Räuber­bande aus zwölf Personen. Einer der Verhaf­teten beging Selbstmord im Gefängnis. An den Dynamit-Attentaten hat sich unter anderem Frau Minna Faßhauer, die in den ersten RevolnttonS- jahren das braunschweigische Kultusministerium (!) innehatte, ferner der Sohn des früheren braunschrvei gischen Präsidenten (!), August Mer­ker, beteiligt. Die Verhafteten find teilweise ge­ständig, teilweise ist aber auch das aufgefundene BeweiÄnaterial so erdrückend, daß es zu einer Ueberführung der Verhafteten avSreicht.

Oesterreich und Ungarn.

Entwicklung eines blutigen Kampfes.

(Eigener Drahtbericht.)

Wien, 8. September

Bei Kirchschlag haben fich die nngarischen Insurgenten bis an die Grenze zurückgezo­gen nnd sich auf ungarischem Gebiet eingegrabe». Von den letzten Kämpfen werden zusammen 25 Tote und 124 Verwundete auf österreichischer Seite gemeldet. Eine große Anzahl Wehrmän­ner wird vermißt, ebenso vierzehn Mann der Zollwache und vier Gendarmen. Soweit bis zur Stttnde Nachrichten vorliegen, strht fest, daß Kirchschlag gestern mittag in der Hand der Oesterreicher war. Aus den Berichten geht her­vor, daß der Einbruch in Nicder-Oesterreich von regulärem ungarischen Militär verübt wurde, dem sich allerdings Banden zngesellt haben. Der Kampf trägt jetzt bett Charakter eines Stel­lungskrieges. Beide Parteien haben Schützengräben aufgeworfen.

Sin Herd weiterer Llnruhen.

Wien, 8. September. (Eigene Drabttneldung.) Ein angesehener ungarischer Banden- s ü h r e r, der gewesene Obergespahn Dr. Egan, sagte über den Bandeneinfall nach Oesterreich folgendes aus. daß er von dem der Partei der Keinen Landwirte angehörenden Abgeordneten Hir für die Führung der Insurgenten in feinet Heimatgemeinde angeworben worden sei. fieber den Zweck des Aufstandes gab er zu Protokoll: Ich hoffe, daß Oesterreich, wenn cd auf Wider- stand stößt, West-Ungarn aufgibt und wir uns gemeinsam gegendie Entente wenden un­ter Mithilfe Deutschlands. (?) Besonders hoffen wir. daß die westungarische Frage einen Krieg mit der Tschecho-Slowakei und in der Folge ver­schiedene Anfstände in den Grenzgegenden, auch in Rumänien, nach fich ziehen wird.

Englands irische Schmerzen.

Beratungen im Londoner Kabinett.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 8. September.

Im brittschen Ministerrat wurde eine Kom­mission gewählt, die sich mit der Antwort an Irland befassen soll. Diese setzt fich zusammen aus Chamberlain, Lord Curzon, Sir Worthing- ton. Evans, Churchill und anderen. Diese Kom miffimt ist eingesetzt worden mit unbeschränkter Vollmacht, was ihr erlaubt, allen Schwierigkei­ten, die fich anS der Situation ergeben könnten, gerecht zu werde«. Sie wurde eingesetzt in der Absicht, den Gang der Verhandlungen zu be­schleunigen «nd wird mit größerer Schnelligkeit handeln können als das Kabinett.Daily Ttte- graph" meldet. Lloyd George sei entschlossen, dem irifchen Parlament ein befristetes Ul­timatum zu fendcn. Dor der Kabinetts- Sitzung hatte Lloyd George eine Desprechnng mit König Georg, die Mei Stunden k uerte.

Kriegsblindenfürsorge

Anregung zur Betätigung.

Die beste Silfe, die man den Blinden bringen tann, ist die, baff man ihnen Beschäftigung gibt, lieber den Stand der striegsbiindeusür- forge schreibt Geh. Sanitätsrat Professor Dr. Groenouw, Angenarzt in Breslau, Folgendes» Unter allen Kriegsbeschädigten verdienen zweifellos diejenigen uiiser größtes Mitleid, welche im Kampfe für das Vaterland ihr Augen­licht verloren haben. Leider ist ihre Zahl nicht gering, ste betritt in Deutschland mehrere Tausend. Pflicht der Allgemeinheit ist es, Mr diese Opser des Krieges zu sorgen, aber nicht dadurch, daß ihnen ein bequemes, sorgenfreies Löben verschafft wird, sondern, daß sie wieder nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft werden. Arbeit, nicht Wmosen foll man den Minden geben. Zur Erreichung dieses Zweckes müssen die Verletzten zunächst Blinden­schrift lernen, um wieder lesen und schreiben zu können. Diese Schrift besteht aus Punkten, welche, ähnlich wie die Augen der Dominosteine, zu verschiedenen Figuren angeordnet sind und mit einer Nadel in ein Matt Papier gestochen werden, so daß ste auf der Rückseite ccks Keine Erhabenheiten zu fühlen stnd. Der Mind« tastet ste mit den Fingerspitzen ab und kann bei einiger Uebung fast ebenso rasch vorlesen wie wir.

Zu den alten Blindenberufen: Korb« flechten, Bürstenmacherei und Seilerei, Haden fich eine Anzahl neuer hinzugesellt. In Fabrik­betrieben, welche Llaffenwaren Herstellen, wie eleltrische Lampen, sind vielfach Blinde mit Erfolg beschäftig!. Sie bohren mit geeigneten, für sie besonders eingerichteten Maschinen Löcher in MetaMlötze, wobei ein Anschlag den bearbei­teten Gegenstand in die richtige Lage bringt, ver­packen Massenartikel, prüfen Schraubcngewinde und dergleichen. Für die Bedienung einer Fernsprechzentrale, in welcher der An­ruf nicht durch Aufleuchten einer Lampe, son­dern durch das Herabfallen einer Klappe ge- schreht, stnd Blinde ebenfalls geeignet. In der Landwirtschaft betätigen ste sich am besten nur dann, wenn sie früher bereits derartige Ar­beiten verrichtet haben. Natürlich ist hier bte Hilfe und Aussicht eines Sehenden, zum Beispiel der Ehefrau, nötig. Bei entsprechender Schul­bildung können Blinde auch an der Schreib­maschine arbeiten, indem ste nach Diktat schreiben, oder eine Art Phonographen benutzen (Dittaphon. P^rlograph), in welchen der Text hineingesprochen wird, um später abgehört und niedergeschrieben zu werden. Personen, welche vor ihrer Erblindung das Universitätsstudium begonnen hatten, können es in vielen Fällen eine Ausnahme machen im wesentliche«! mtt die Mediziner und Naturwissenschaftler, wenn auch unter erschwerenden Umständen: fottsetzen. In Marburg ist ein Heim sür erblindete Stu- enten eingerichtet. Eine Schwierigkeit ist da­bei dir Beschaffung geeigneter Lehrbücher, welche von Sehenden in Blindenschrift übertragen wer­den müssen. Auf diese Weise ist es möglich ge­worden, eine ganze Reihe von Kttegsblinden mehr oder weniger arbeitsfähig zu machen. Bei den rein mechanischen Arbeiten leisten ste zuwei­len sogar mehr ccks ein Sehender.

Um den Minden von seiner Umgebung uns abhängig zu machen, ihm namentlich die Mög­lichkeit zu geben, allein ohne Führer auszugehen, finden die Blindenhunde Verivendung. Diese Tiere stnd darauf dressiert, den Minden zu führen und ihm jedes Hindernis, wie einen vorbeifahrenden Wagen: durch Hinsetzen anzu­zeigen. Der Minde kann so einen bestimmten Wär, welchen der Hund kennt, gehen, oder auch einen beliebigen anderen. Wer welchen er sich vorher, etwa mittelst einer Mindenkarte, genau unterttchttt hat. Er leitet dann den Hund an den Wegkreuzungen nach der getvünschten Rich­tung hin. Endlich fit noch ein Punkt zu erwäh­nen, der für Kriegsblinde sehr wichtig ist. Sie sollen nämlich, wenn möglich, eine sehende Frau heiraten. Freilich ist es ein schwerer Entschluß für ein Mädchen, die Ehe mit einem blinden Manne einzugehen, über es gibt doch eine ganze Anzahl derartiger glücklicher EHm. Ein Bedenken hinsichtlich der Nachkommenschaft besteht nicht, da sich erworbene Blindheit nicht vererbt. Auf die geschilderte Weise ist es mög­lich geworden, vielen Kriegsblinden ihr hartes Los zu erleichtern und ihnen ein immerhin erträgliches Dasein zu schaffen.

Fernsprech-Automaten.

Eine neue Münze zum Einwersen.

Die Gebühr für die Benutzung der öffenttt» chen Sprechstttlen im Ortsverkehr, die vom L Oktober ab 50 Pfennig beträgt, soll von da ab in Reichsmünze nicht mehr erhoben werden, weil noch immer Mangel an 10 Pfennig-Stücken besteht, die Einlegung von fimf einzelnen 10 Pfennig-Stücken die Abfertigung des Benutzers außerdem verzögern würde und die 50 Pfennig- Stücke M zum Betriebe der Münzfernsprecher