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Nummer 205.

Fernsprecher 951 und 952 Donnerstag, 8. September 1921 Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang.

Die Berlin-Münchener Spannung.

Nervosität.

Der redende Reichskanzler.

Me Leichenreden nehmen kein Ende. Man er» test sich angeblich immer noch über Erzbergers Tod und meint doch schon lange etwas anderes. Was jetzt noch den Beweggrund zu den Reden, Verhandlungen und Presseerörterungen bildet, ist ein Streit um die Aufrechterhaltung der innerpolitischen Ntacht. Man hat auf der Linken betont, daß der Schuß von Griesbach ein An­griff auf die Demokratie gewesen sei, und glaubt nun die Republik in Gefahr. Bemüht man sich aber, die Lage unparteiisch zu betrachten, so wird man doch erkennen, daß die Gefahranzei­chen erheblich überschätzt werden, zum Teil bewußt, teils unbewußt. Erstens denken die Führer der äußersten Rechten, denen die Um­sturzgelüste zugemutet werden, wahrscheinlich gar nicht im Ernste an eine Umwälzung, weil sie kei­neswegs geneigt sind, unter den heutigen po­litischen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Verantwortung zu übernehmen. Zweitens wür­den, falls wirklich eine Acnderung der Staats» form von rechts versucht werden sollte, die Alli­ierte» mit Gewaltmaßnahmen kommen und nur die Regierung dulden, die ihnen genehm ist. Man vergesse doch nicht, daß wir ständig unter fremder Aufsicht stehen und uns nicht willkürlich bewegen können. Das Spiel der Katze mit der Maus ist noch nicht ausgegeben. Die Katze hat nur gegenwärtig ihre Krallen eingezogen.

Me sehr die Gefahr überschätzt wird, das Hai man auS den Kundgebungen ersehen, die eine Bewegung der äußersten Linken hervorge­rufen haben, die für die Republik nicht weniger gefährlich ist, wie die der Rechten. Auch heute noch macht sich eine unnötige Spannung zwischen den P arteten bemerkbar. Es ist nichi zu -leugnen, daß zu diesem Zustande der Un­gewißheit in hohem Maße bte halb zornigen, halb ängstlichen Reden des Reichskanzlers Dr. Mrth beigetragen haben. Herr Mrth ist offen­bar hochgradig nervös. Das ist menschlich ver­ständlich und gar kein Wunder, wenn man be­rücksichtigt, daß er ein persönlicher Freund Erz­bergers war und als Finanzminister noch nach Erzbergers Richtlinien gearbeitet hat. In dem Ermordeten hat Dr. Wirth seinen Berater ver­loren. Der Verlust greift ihn Mo in doppel­ter Hinsicht an, woraus die Nervosität leicht er­klärlich ist. Aber wenn er sich in solchem Zu­stande befindet, der dir Selbstbeherrschung aus­schließt, dann sollte er es vermeiden, Reden zu halten. Statt dessen redet er mehr als sonst und erleidet dabei Entgleisungen, die ihm als Reichskanzler nicht widerfahren sollte. Gewiß hat er als Kanzler die Republik gegen innere Feinde zu schützen, doch darf er dabei nicht einseitig vorgehen. Sonst ereignen sich solche Mißgriffe, wie einige Verbote rechtsstehender Zeitungen, die schon nach zwei Tagen wieder zurückgenommen werden mußten, weil sie int» gerechtfertigt waren. Neuerdings sind ja auch zwei kommunistische Blätter toeaen aufreizender Artikel verboten worden, vermutlich, um jetzt Un- patteilichkeit zu bekunden. Die blutigen Aus­schreitungen, die vielerotts von den halbwüch­sigen Linlsrabikalen begangen werden, wurden aber nicht verhütet.

Dr. Mrth ist jedenfalls in seiner Offensive gegen seine GeMer der Rechten weit über das Ziel hinausgerannt, wenn er Erzberger als einen ebenso großen Mann wie Bismarck be­zeichnet, oder wenn er den Mord von GriesbÄh mit dem Mord von Serajewo an Bedeutung aleichsetzt, oder wenn er das deutsche Groß­kapital der Sabotage beschuldigt. Dir Zah­lung der Goldmillrarde an die «örterten sei durch die deutschen Großkapitalisten erschwert worden, weil ste sich egoistisch, gewinnsüchtig und unpatriotisch verhalten hätten. Das ist ein Satz. i*r, im allgemeinen öffentlichen Interesse, noch zu beweisen fft. Bemerkenswert ist der Umstand, daß diese Beschuldigung in dem halbamtlichen Wolff-Bericht über die Sönntaas-Rede gestrichen wurde. Vertreter der Großbanken haben bereits eine Konferenz abgehalten, um den Angriffen zu begegnen. Was der Reichskanzler mit dieser Aeußerung an gerichtet hat. ist ihm vielleicht erst später klar geworden. Er hat damit den Alli­ierten ein Argument in die Hand gegeben, worauf sie sich stützen können, wenn sie verlan­gen, daß wir noch mehr Gold zahlen sollen. Unter dem Eindruck der unerwarteten Wirkung seiner Worte sucht sich jetzt Dr. Mrth zurück- zuziehen. Er hat gestern an den Reichstagsabge­ordneten Geheimrat Rießer (D. Voilksp.) ge- schtteben, daß er nicht die Großkapi­talisten angegriffen habe, sondern vielmehr von einer Epoche des HochkapitaliSmus, tote ihn die Börtenspekulation zeige, gesprochen habe. Weiter hckbe er sich auf einen Satz aus dem Berliner Tageblatt bezogen, worin auf den Egoismus der Dsvffenbesitzer hingewiesen wor- b«t sei.

Eine weitere Wirkung der Kanzlerrede war, daß die Verhandlungen zwischen der Reichs- tegicrung und der bayerischen Staatsregierung

Kraftprobe der Regierungen?

Zweidrittel deS Baheruvolkes hinter Kahr. Die Lage ist ernst.

Berlin, 7. September. (Privattelegrcamn.) Der bayerische Gesandte in Berlin, Dr. von Preger, äußerte sich unter anderem etwa folgen­dermaßen: Man kann im Augenblick von einer sehr kritischen Situation sprechen. Die Haupt- Ursache der Disserenzen ist ganz wesent­lich in der Ueber.Unttarisieruug zu er- blicken, wie ste in der Weimarer Reichsverfassung zweifellos beschlossen ist. I» Bayern steht man größtenteils die Lage so an. als ob die Reichs­regierung es aus eine Kraftprobe mit der bayerischen Regierung ankomrneu lassen wolle, ohne indessen das Alleräußerste heraufzubeschwö­re«. Es darf wohl nicht übersehen werden, daß

hinter der Regierung Kahr etwa zwei Drittel des gesamten bayerischen Volkes stehen. Falls die Reichsregierung auf ihrem Verlangen, den Ausnahmezustand auszu­heben, bestehen bleiben sollte, so tritt die Gefahr in den Vordergrund, daß die Regierung Kahr zurütttritt. Ob dieser Mdtritt jedoch ohne wei­teres glatt vonstatten gehen würde, mag dahin­gestellt bleiben. Die Regierung Kahr genießt in Bayer» eine so große Popularität, daß ei« durch die ReichSregieruug erzwungener Rücktritt des bayerischen Ministeriums unter Umständen so­gar eine Bewegung im Volke auslösen könnte, deren Tragweite vor der Hand nicht zu übersetzen ist, und die dem Gedanken der Reick^cinheit auf keinen Fall förderlich sein würde. Die Lage ist gewiß sehr ernst, aber ich hofft von der Beson­nenheit beider Teile, daß dft Sttnation nicht noch mehr verschärft wird. Dft Drohung mit dem Generalstreik ist meiner Meinung nach nichts an- bered als ein Bluff. Auch dft Drohung mit einer Abtrennung Nord-Bayerns ober Frankens vom bayerischen Staat ist kaum ernst zu nehmen.

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Weitere Verhandlungen.

München, 7. September. (Prkvat-Tele- gramm.) Dft Sitzung des ständigen Landtags­imsschusses und des Minifterrates zog sich bis in dft späten Abendstunden hinein. In der krtti- schen Frage der Reichsverorvnung und des baye­rischen Ausnahmezustandes ist eine vorläu­fige Einigung innerhalb des Ausschusses insofern zuftandegekommen, al? fich sowohl die Vertreter der Koalftionspatteien. als auch die der Regierung Kahr damit einverstanden erklärt haben, daß die mündlichen Verhandlungen mit der Reichsregierung unverzüglich wie­der ausgenommen werden. Zu diesem Zwecke begab sich heute nacht eine Abordnung der Lan­desregierung und der Landtagskoalition nach Berlin. Die Aufnahme des deutschnationalen Parftiführers i« die Abordnung zeigt die Ab­sicht der bayerischen Rechtspartei, bei der Reichs- regierung mit allem Nachdruck ihren Standpunkt dahin zu vertteftn, daß die Aufrechterhaltung des Ausnahmezustandes in Bayern vorerst noch eine Ledeusnatwendigkeit sei.

Versuche der Karteten.

Bayrische demokratische Landtagsfraktion.

(Privat-Telegrmmn.1

München, 7. September.

Die demokratische Landtagsfraktion hat ge­stern znsammen mit dem erweiterten Landesvor- stmid der Partei, wobei Vertreter aus dem gan­zen Lande anwesend waren, über dft Lage be­raten. Dft Bersannnelftn waren einig in dem geschlossenen Willen alle Schritte zu unterstützen, dft zu einem Ausgleich der zwffche« dem Reich und Bayer» entstandenen Spannung fich tat können. Dabei wurde als selbstverständlich erachtet, daß dft Rechtskraft der Reichsverfügun gen als verpflichtend anzusetzen ist. Im übrigen wurden die kürzlich vom Landesvorstand und bat Fraktionen erlassenen Richtlinien gebilligt.

Sozialdemokratische Forderungen.

München, 7. September. (Privattelegramm ) Beim Ministerpräsidenten von Kahr wollte gestern eine Abordnung der Gewerffchaften vor. sprechen, um ihm die sozialdemokratischen For­derungen zu sofortiger Erfüllung zu «nftrbrri - text DieMünchener Post" kündigte gestern an, daß dies mit der Drohungalle Machtmittel an- zuwenden", geschehe« soll Der durch" anderwei­

tige Verhandlungen dauernd in Anspruch gcnom mene Ministerpräsident hat den Empfang dieser Abordnung für heute inAusficht genommen.

Die Berliner Beratungen.

Bayrische und Reichs-Vertreter.

lPrivattelegramm)

Berlin, 7. «September.

Gestern nachmittag besuchte der bayerische Ge­sandte von Preger den Reichsminister des Innern Dr. Gradaauer, um mtt chm über die beiden bekannten Telegramme des Ministers an die bayerische Regierung, die fich mit den De. monftrationen in Kobuog und dem Einschreiten gegen die veuffchnationaleMünchen-AugSburger Abendzeittmg" beschäftigen, Rücksprache zu neh­men. Am Nachmittag 6 Uhr begannen dann die Verhandlungen der Reichsregierung nrit dem Vertreter der deutschnationalen Partei. Im Lauft des heutigen Vormittags ttifst die b a y e- rische Delegation, bestehend aus drei Ver­tretern ver bayerischen Regftrung und drei Ver- ttetern der Koalitionsparteien aus Bayer« wie­der in Berlin ein. Heute nachmittag vier Uhr werden alsdann oft Verhandlungen nrit der Reichsregierung ihren Fortgang nehme«.

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Vrotestversammlungen in Bayern.

München, 7. «September. (Prtvat-Telc- gtantm.) Am DienStag haben in ganz Bayern Versammlungen stattgefunden, die gegen ein weiteres Nachgeben der bayerischen Staats­regierung protestierten. Die Meldung norddeut- scher MMer, daß fich in Nürnberg eine Abtren- nungsbeweMNg Nord-Bayerns vorbereite, wird an amtlichen bayerischen Stellen als freie Erfin­dung erklärt. Auch beute früh ist dieMünchen- Augsburg-r Abendzeitung" wieder erschienen.

Wettere Verbote.

Keine Regimentsfeste «nd Sedanfeier«. (Pvivat-Telsgramm.s

Karlsruhe, 7. September.

Die Regierung hat vier RegimentS- feste,die in der nächsten Zeit in Rastatt statt­finden follten, verboten, weil, wie im Reichs­anzeiger amtlich gefchrftben wird, nach den Er­fahrungen bei ähnlichen Veranstaltungen die Be­sorgnis begründet ist, daß diese Versammlungen nrißbraucht werden könnten zu ErStterungen der im Paragraph 4 der Reick/sverordnung vom 29 August bezeichneten Art, durch dft der innere Frieden gefährdet werden würde. Die von der Deutschen Bolkspattei Leipzig für gestern abend an gesetzte Sedanfeier, auf der der Reichstags - Abgeordnete Mittelmann sprechen sollte, ist polizeilich verboten worden. Wie schon den Generalen von Lettow-Borbeck und von Weisberg das öffentliche Reden über rein militärische Vorgänge verboten wor­den ist, so ist jetzt auch ein Vortrag des Admirals a. D. Scheer in Konstanz über die See­schlacht am Skagerrak verboten worden.

Beschwerden der Bettungen.

Berlin, 7. September. (Privattelegramm.) Am Freitag den 9. September, nachmittags vier Nbr, tritt der auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten gehißte te Reichsratausschuß zusammen, um über die vorliegenden Be- schwerden der verbotenen Zeitungen zu beschließen. Die auswätts erscheinende« Zei­tungen find zu diesem Termin geladen.

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Immer neue Ruhestörungen.

Berlin, 7. September. (Privattelegramm.) In K i e l ist es zu großen Ruhestörungen gekom­men. Mehrere Hundert Kommunisten durch­zogen die Straßen, drangen in die Hotels ein, prügelten die Gäste und entftrnftn die Bil­der nnd Büsten ehemaliger Herrscher. Dft Polizei sah viesem Treiben zur Empörung der Bürger­schaft ziemlich untätig zu. Am Sonntag setzte eine Abordnung der Kommunisten bei dem Ka­pitän eines Hamburger Dampfers durch, daß er die schwarz-weiß-rote Fahne herunter holte. Wie aus Halle a. S. berichtet wird, wurden dort an zwanzig Kommimisten und ebenso die Mitglieder deS Arbeiterbildungsvereins wegen Beteiligung an der Störung des Stiftungsfestes des Kriegervereins in Hast genommen. Die werden des Laudftiedeusbruches beschuldigt.

erschwett worden sind. Dr. Mrth versicherte zwar, er bemühe sich, versöhnend zu wirken und den Konflitt mit dem bayerischen Volke zur ver­meiden, in Wirklichkeit heißt er es dber gut, daß Verordnungen für Bayern über den Kopf der bayerischen Regierung hinweg in Bersin erlassen werden. Gleichzeitig bringt derVorwärts" eine sozialdemokratische Patteiankündigung, die als eine Bedrohung für die bayerische Re­gierung auszusassen ist. Es heißt darin:Dis bayerische Regierung soll sich über den Ernst der Situation nicht täuschen, zumal die Arbeiter» schäft und insbesondere bte Sozialdemokratie bereit ist, alles zu unternehmen, um die Reichs» ettcheit zu schützen und der Maßnahme der Reichsregiernng Nachdruck zu verleihen. Wr glauben richtig informiett rät sein, wenn wir darauf Hinweisen, daß die Vorbereitungen zur Verwirklichung dieser Schritte bereits getroffen sind." Diese Drohung kann mancherlei bedeuten. Ob sie aber gerade letzt angebracht war, wäh­rend zwischen Bersin und Mnchen auf eine Ver­ständigung hingearbeitet wurde, sei dahingestellt. Es zeigt sich Mo immer wieder, daß nicht eine Ueberbrückung der Gegensätze, sondern eher eine Verschärfung eingetreten ist. Wohin soll das führen? K. F. Dr.

eingeführt werden. Die Einfuhr von Auslands« getteide ertorbert aber, zumal in anbetracht beS immer ungünstiger werdenben Stanbes unserer Währung, bie Aufweichung überaus hoher (Sum­men. Bei den Anforderungen bet zur Brotver- billigung vorn 16. August ab nötigen Mittel wurde ein Preis von sünftausenb Mark für bte Tonne Auslandsgetreide zugrunde gehegt. Der Ankauf der genannten zwei Millionen Tonnen im Auslande Würde also etwa zehn Milliar- den Marx beanspruchen. Nun hängt es von der Marktlage und vom Stande unserer Valuta ab, oh der Preis von fünftaufenb Mark für die Tonne aus reichen wird. Die internattonale Markttage ist zurzeit nicht ungünstig, aber der Stand der dentschen Währung fft alles ander« als befriedigend. Die Selbstkosten der Reichst getteidestelle für daz zur Brotversorgung be­nötigte Getterds werden daher ausschlaggebend durch den

Preis für Auslandsgetreide beeinflußt. Demgegenüber fällen bie Preise Dr das Umlagegetreibe au3 inländischer Ernte wenig ins Gewicht. Auch sie haben ange­sichts der Verteuerung der Erzeugungskosttn gegenüber den Getteidepreifen des vorige« ErntejatzreS eine nicht unerhebliche Erhöhung erfahren müssen, sind jedoch auf den unbedingt notwendigen Umfang beschränkt worden. In dem am 15. August 1921 zu Ende gegangene» Wirtschaftsjahr hatte eine sehr erhebliche Brot- Verbilligung gegenüber den tatsächlichen erwach, senen Einstandskosten stattgesunben. Das Reich batte für diese Zwecke über zehn Milliarden Marx aufaewendet, die es sich nur durch stärkere Inanspruchnahme der Notenpresse beschaffen tonnte, und die letzten Endes aus den Steuer- ertragen wieder abgedeckt werden müssen. Auch in anderen Ländern, so vor allem in Jtasien, England und Frankreich, bestand während der Kriegszeit und auch in den folgenden Jahren em apolitischer Brotprefs". d. h. eine Verb-tl- liaung des Brotes unter Zuhilfenahme von Staatsmitteln. In Erkenntnis bet Un­möglichkeit, eine solche Wirtschaftspolitik weiter- Nffübren. sind diese Länder ttotz weitgü-nfstgerrr Finanzlage berettS dazu überaegangen, bie Der. bilsiguna des Brotes durch Staatsmittel ein» zustelle«. -* Auch Deutschland muß notge-

Der neue Brotprels.

Ursachen der Verteuerung.

Der NeicbSzuschutz zum Einkauf von (Befrei»« und Mehl ist von zehn auf vier Milliar­den herabgesetzt worden, um die ReilhSkaff« gtt entlasten. Infolgedessen ist die PreiSer- Höhung von den Derb»anchern zu tragen. Mt de»! 15. August ist die vielversprochene Brotpreiserhöhung Tatsache geworden. Die Kosten für nie Lebenshaltung der Familie, dis ohnedies schon den größten Teil des Verdienstes! verschlingen, sind noch größer gewvrden. Ueber bie Gründe der Brot Verteuerung herrscht in wetten Kreisen noch Unklarheit. Darum seien ste in folgender noch einmal bargelegt: Zur Deckung des inländischen Brotbedarfs, soweit sie durch Abgabe von rationiertem, auf Brotmarken verabfolgtem Brot erfolgt, ist nach dem Gesetz über die Regelung des Verkehrs mit Getteide eine Umlage von insgesamt zweieinhalb Mil» lionen Tonnen Getteide ausgeschrieben worden. IN Deutschland sind annähernd fünfzig Millio­nen versorgungsberechtigte Personen, bie sich nicht aus eigener Ernte versorgen. Es werben beshalb bei Anfrechterhattung der gegenwärtig aTageskopfraiion von zweihundett Gramm l für die Ausgabe des rationierten Btotss jährlich vier bis viereinhalb Millionen Tonnen Getreide erforderlich fein. Etwa zwei Mile lionen Tonnen müssen Mo

aus dem Auslande