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Sonnabend, 3. September 192t

Kasseler Neueste Nachrichten

11. Jahrgang. Nr. 261.

barmen mit, den ste dann im Bälde erschos­sen. Der Sekretär Schneider des christlich-sozi­alen Abgeordneten Dr. Mataja, der in St. Mar­garethen weilte, wurde gleichfalls verschleppt u. soll auch erschossen worden sein. Zahlreiche öfter, reichische Gcndarmeriepostcn im besetzten Gebie­te des Burgenlandes wurden durch ungarische Banden verschleppt. Oldenburg unp dessen Umgebung war schon in den letzten Tagen von bewaffneten Banden BterfüHt Die Gntente- u-.ission war wiederholt darauf aufmerksam ge­macht worden. Die Oedenburger Smv Polizei trug Bänder in den ungarischen Nativnolfarben mit der Aufschrift:Nein, Nein. Niemals I««

Die oberMesischm Frauen.

Eine Eingabe an den Völkerbund. (Privat-Telegramm.;

Gleiwitz, 2. September.

Die oberschlesischen Frauen sämtlicher deutscher Parteien, einschließlich der so­zialdemokratischen und unabhängig-sozialdemo­kratischen Parteien, haben an den Völkerbund eine Eingabe gerichtet, in der noch einmal die ganze Entwirrung der oberschlesischen Frage dargelegt wird und alle zugunsten Polens vor- gebrachten Argumente in wirksamster Wei'e wi­derlegt werden. Die Eingabe umsaßt etwa zehn Druckseiten und ist unterzeichnet für die Deut ch- nationale Partei von Frau Maria Lowak, für die Aentrumspartti von Frau Maria Feldnosz, Abg. der Preußischen Nationalversammlung, für sie Deutschdemokratische Partei von Frau Kock- uann, für die Sozialdemokratische Partei von Frau Dr. Hedwig Beck, für die Unabhängige Sozialdem. Partei von Frau Mathilde Strobel.

WieabgerüsLet" wird

Die Franzosen üben sich im Bombenwerfen.

(Eigener Drohtbericht.)

Paris, 2. September.

Gegenwärtig werden in fast allen französi­schen Kriegshäfen unter Mitwirkung von Pri­vatgelehrten und Erfindern Bomb enwurf- nnd S ch i e tz ü b u n g e n auf die an Frankreich abgelieferten und vertragsmäßig zu zerstörenden deutschen und österreichischen Kriegsschiffe veran- staltet. Das englische Heeres, und Marineblatt schreibt, daß das österreichische Linienschiff Prinz Eugen" in Toulon von einem Luftschiff mit Bomben mittlerer Größe beworfen worden ist, die Deck und Seitenpanzer vollständig zer­trümmert haben. Das deutsche Linienschiff Thüringen" ist bei Gavrxs einer Beschießung mit Panzersprenggranaten und chemischen Ge- schosien ganz neuen Kriegsmodells ausgesetzt und dabei vollständig zerstört und in Brand gesetzt worden. Die Zerstörung der deut­schen Unterseeboote bietet den Flottillen in Cher­bourg reiche Gelegenheit zu praktischer Schulung.U 151" ist vor kurzem durch ei­nige wenige mit Sand gefüllte Geschoße von 40 Kilogramm Gewicht versenkt worden. Der ^Temps" meldet, daß die durch das Luftschiff ausgeführcen Bombenwurfübunoen aufPrinz Eugen" so wichtige und überzeugende Erqebniffe gehabt Hütten, daß der Leiter der Hebungen, Fttgattenkapitön Dennin, zure persönlichen Be­richterstattung nach Paris berufen werden ist.

Die (Störung in SnfcieiL

Weitere Ausdehnung der Unruhen.

lEigener Drahtbericht.)

London, 2. September.

Ern englischer Beamter, der mit einer mi­litärischen Eskorte nach Battambie aufgebrochen war. wurde von einer Bande Moplahs ange­griffen, konnte aber die Angreifer zurück- sMagen. Er hat darauf den Befehl gegeben, daß jeder Eingeborene, der auf den Schienen der Eisenbahn angetroffen würde, sofort er­schossen würde. Die Moplahs, die Berstär- kung erhalten hatten, haben diesen Befehl

ge

gen den Beamten und seine Truppen vor, fodatz dieser sich genötigt sah, aus Maschinengewehren feuern zu lassen. Die Verluste der Eingeborenen sind groß . Die Truppen sind daraus nach Sho- ranur zu rück gekehrt und durch eine Kavallerieab- ieilung aus Bangalor ersetz! worden. Eine wei­tere Moplahbande hat Coraparam angegriffen nm die Kassen zu berauben. Der Bahnhof und die ftaflichen Archive von Sherapalohery wurden von den Aufständischen angegriffen und in Brand gesteckt. In demselben Otte wur­de das Polizeibüro dem Erdboden gleich- gemacht und sämtliche Akten vernichtet. DaS Schatzamt von Periatalama wurde gleich­falls von den Aufständischen angerissen und nie- dergebmnnt. Achttausend Rupien wurden gestoh­len. desgleichen wurde das Gcrichtsgcbäude zerstört und alle Dokumente rerbrann1. Die etwa zwanzig Mann starke englische Wache von Tirurangadi dürste ermordet sein. Die Verluste der Moplahs in dieser Gegend werden auf etwa achthundett Mann geschätzt.

KleM? VO Mische RachricMeri.

Eine ausländische Studienkommiffion in Oberfchlesien Aus Oppeln wird berichtet: Eine ausländische Studienkommiffion, in der sich auch Chinesen und Japaner befinden, bereist gegenwärtig Oberschlesien. Die Kommission De* findet sich zurzeit im Industrieeku et.

Störung von Vorträgen. In Nürnberg wurde von radikalen Elementen eine Versamm­lung gesprengt, in der ein aus der Tschechoslo­wakei stammender Redner über Irrtümer des Manismus' sprechen sollte. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in K i s s i n a e n. Dort wollte ein Redakteur vomVölkischen Beobachter' üi?er das Thema .Die Tenerungsbewegung ein Schwindel' sprechen. Kaum aber hach? er zu sprechen ongesangen, als es zwischen Arbeitern und Begleitern des Redners ru einer Schläge- rei kam, in deren Verlauf ein Arbeiter schwer verletzt wurde. Der Referent und seine Freunde «Nichten unter dom Schutz der Polizei flüchten.

Die Katholiken in Sowfetrußland. Mit ge­spannter Aufmerksamkeit fand auf dem Katholi- fenfae in Frankfurt die Mitteilung d-z Kanoni­kus Glaser auS der deutschen Koloniste - gemeinde Südrußlands Aufnahme, der in einer Geschästsordnungssitzunq mitteil e, daß dre Sowietregiernna vlanmäßig alle Ka­tholiken vom 18. bis 50. Jahre morde. Die Not sei unbeschreiblich. Das Saatqetteide sei den deutschen Kolonisten we^genommen worden. Der Reichstagsabgeordntte Dr. Fleischer forder­te unter dem Eindruck dieser empörenden Tat­sachen. daß die Reichsregieruug dem Beispiel Amerikas folgen müsse und Garantien verlan­gen solle, bevor sie sich an der Hilfsmission für Rußland beteilige.

Kanada gegen feie Einwanderer. Der Han­dels- und Arbeitskongreß von Kanada hat sich zugunsten der Sicherungsmaßnahmen der Regie- tung gegen die Arbeitslosigkeit ausgesprochen Und (Gleichzeitig eine Entschließung angenom­men. nach der allen Einwanderern au5 dem Qrieitt für immer, allen Einwanderern aus ritz, roppäischen Ländern mit Ausnahme den Ackerbauern auf z w e i I a h r e die Em- wanderung in Kanada verboten werden soll

Von feer Abrüstungskonferenz. Aus Newyork wird gemeldet: In einem öffentlichen Aufruf fordert der Arbeiterführer Gompers die 9ti* beiter aller Staaten, die an der Abrü- stungsskonferenz teilnehmen, auf, alle Kräfte zu vereinigen, damit die Arbeiter auf dieser Konferenz würdig vertreten seien Die Arbeiter hätten das größte Interesse an der Ab. rüsinng, denn sie hätten auch die Bürde der- stungen zu tragen. Er erinnert daran, daß der erste Protest gegen den Rüstungswahnsinn von den Arbeitern ausgegangen sei.

iturnen, Spott und Spiel.

Erste holländische Mannschaft in Kassel.

Am morgigen Sonnabend aibend wird Sport eine holländische Mannschaft zu Gast haben und zwar den bekannten, beste holländi- sche Ligaklasse repräsentierendenFootball Der-

een .Rigtersbleef, Enschede'. Die Gäste gehören der oschollanbi scheu Liga an und sind in West­deutschland durch ihre vornehme SpisÄveise be­sonders beliebt. In den vergangenen Wochen wurden in Holland dei Verbanospokalspiele aus- getragen, in benen am Dorsonntage die Rig- terSbleek-Enschcde gegen Tubantia-Hengelo <ln welcher bekanntlich Tempel, Torhüter der hollän­dischen Olympiade-Mannschast in Antwerpen, sowie die beiden ostholländi'ch.m Repräsentati­ven Nyhoff und Kott hoff mitntirfen) einwand­frei 2:0 gewann. Durch diesen Sieg haben sich die Gäste für die Zwischenrunde qualifiziert. Da Svort diesmal sicher mit voller Mannschaft an­treten wird dürste ein interessantes Spiel ge­währleistet fein.

Die Ligaelf von Spott teilte mit drei Ersatz­leuten nach auswärts und verlor gegen den Ballfpieloerein 06 Essen-Altenessen (Gauliga) mit 6:3 (Halbzeit 3 2). Altenessen machte in den ersten zwanzig Mnuten drei Tore, da die Svortmannschast auf dem ungewohnten Sand­boden sich nicht zurecht fand, insbesondere war die Verteidigung reichlich unsicher. Das erste Tor für Svort erzielte darauf Müller, dem Grasmeier bald ein zweites folgen ließ, au5 einer wunderbaren Vorlage Bocks, der in btefem Sviel ber Beste auf bem Platze war. Nach Halb­zeit vermochte in der ersten Minute Bock mit blendendem S«buk dm Ausgleich herzustellm. Sports Mannfchast nahm nun eine Zeitlang das Heft völlig in die Hand, vermag jedoch trotz die. fer Ueberleaenbeit Bei der guten gegnerischen Ver- teidiaung n-chts zuwege zu bringen. Verschiede­ne glänzende Torschüsse hielt der Attenessen-r Torwächter ebenw gsön-end. Fast schien es, als ob das unentlchiedene Ergebnis bestehen bleiben sollte. Altmessen kommt iedoch wieder auf und kann bis zum Schluß noch drei Tore anbrinaen; Svo-rls Torwächter hatte einen schlechten Tag. Am folgenden $aae machte bc Cronenberger Sportklub seine 3:1-Niederlage von Kassel wie­her wett i'nb gewann gegen Sports Mannschaft mit 45> (Halbzeit 3:1). Das erste Tor erzielte Sborts Ersatzmittelbürmer O Muth bereits 4 Minuten nach Spielbeginn. Der schußfreudige Eronenberger Sturm gleicht jedoch bald aus und kann bis Halbzeit noch wettere 2 Tore vorleaen. Sports Torwächter hielt diesmal einige Stt-üffe inttlmdender Form. Nach .l^albzeit ist das Svi 'l völlig ausgeglichen: ruf beiden Seiten werden viel Torchancen a"sgelassm. Wenige Minuten vor S*>luß spielt sich Graßmeier gut durch und sein scharfer S«stuß finde« unter der Torlatte entlang seinen Wer ins Netz. In der letzten Minute antworte« Cronenberg noch mit einem weiteren Tore. Bttde Spiele tourben mit äußer­ster Schnelligkeit in einwandfreier, fairer Weife duvchreführt und haben einen guten Eindruck hinterlassen. W. E.

Schul-Wettkämpfe.

In der nächsten Woche werden die höheren hiesigen Knabmschulm wieder wie im vorigen Jahre turnerische nnd sportliche Wettkkämp- f e um das von der Stadt Kassel bei der Tau­sendjahrfeier gestiftete Banner veranstalten. Die VottHhrunam fetten diesmal gegen Eintritts­geld zugänglich gemacht werden. Näheres wird noch bekannt gegeben.

Neues aus Kassel.

Die £>erbftferien.

Rach einet Verfügung dez Oberprästdenten beainnen die Herbstferien für die höheren Schulm im allgemeinen am Freitag» den 30. September und dauern bis Dienstag, den 18. Oktober. Dieselbe Ferienordnung gilt für die mittleren und Volksschulen an denjenigen Ot- *en, an denen sich höhere Schulen unp Lehrerbil- dungSanstaltm befinden. Im Regierungsbezirk Kassel bezieht sich dies für alle höheren, mittle­ren und Volksschulen in Kassel, Eschwege, Fran- kenberg, Fritzlar, Fulda, Gelnhausen, Hanau, Hersfeld, Hofgeismar, Homberg, Marburg, Melsungen Rinteln. Rotenburg a. F., Schmal­kalden und Schlüchtern. Die israelitischen

Volksschulm in diesen Städten find an diese Fe» rienordnuug nicht gebunden; vielmehr begtnnm wegen der israelitischen Herbstfeiertage die Fe­rien für genannte Schulen am Sonntag, den L- Oktober und währen bis Mittwoch, den 26. C£= -ober Für die übrigen Orte des Regierungsbe­zirks Kassel, denen an Sommer- und Hera iten 48 Tage zur Verfügung stehen, erfolgt die Verteilung unter Berücksichtigung der durld die Ernten gebotenen Sittlichen Verhältnisse durch die Landräte und Kreisschulräte im gegenseitl- aen Einvernehmen und nach Anhörung der Ortsfchulbehördeu.

Deamten-Fragen.

Versammlung der Deuffchen Volks-Partei.

Die Ortsgwpe Kassel der D. V. P. hatte fut gestern abend eine Bearnttn-Versammlung nach dem großen Saale des Evgl. Vereinshauses ein- heruicn. Der Vorsitzende, ©tubienrat Dr. Becker mußte einen schwachen Besuch feststellen. Tann entrollte ReichStagsobgeosdnerer Postiuwettvr Morath ein Bild der politischiwirtfchastiichen Verhältnisse, um die Auffassung seiner Partei entgegen ber des preußischen Finanzministers Dr. Südekum rrnd der Reichsregierung aufzu- zeichnen, denn bereits hier sind die Ausfassunaw so abwegig, daß sich daraus die Gegensätze er- goben, die gerade in den Fragen der Beamlen- völittk zwischen D. V. P. und Reichs- und i- derrearerung herrschen, und zwar nach vielfacher Rttchttmg. Der hauptsächlichste Unterschied in der Meinungsverschiedenheit zwischen Reichsre­gierung und Leitung der D. V P. ist die Auf­fassung, daß die jetzige Teuerungswelle nicht eine alsbald vorübergehende fei, die wesentliche Ver- änberunaen der Grundgehälter und Dienstve- vüfle kaum erforderlich mache, wie dies dir Reichsreaierung annebme, während die maßge­benden Leiter der Partei aleich ihm annebmen, daß das -»rutsche WirtschastNeben noch längst nicht seinen Tiefstand erreicht habe, vielmehr unsere Währung noch den gleichen Weg wie in Oesterreich und Polen gehen werde, wo man das Papiergeld schon nicht mehr zähl:, son­dern nur noch wiegt unb wo bie Beamten in ihrer Gesamtzahl sich nur badurch über Wasser halten können, daß sie ein Stück ihres Haushal- res unb ihrer Bekleidung nach dem andern ver­kaufen. um überhaupt nur das Leben zu fristen, nachdem sie einwandfrei feststellen mußten, daß ihre Lebenshaltung bereits weit unter die der Arbeiter gesunken sei und auf dieser Linie sich nunmehr bedauerlicherweise halte. Redner gab dann einen Ileberblick über die Arbeiten zugun­sten der Verbesserung der Lebmshattung der Be­amten, hob hervor, daß es nach vieler Mühe ge­lungen sei, doch wenigstens die Unterbeamten oeu Arbeitern gleichziistellen und stellte fest, daß die Arbeiterorganasationen für die Forderungen der Beamten nicht viel übrig hatten, behandelt; die Lrtsflassenfraae und schloß mit derFor­derung, daß Reich und Volk einsehcn müßten, daß das Wohl des Landes von der Erhaltung eines tüchtigen, kenntnisreichen unb ehrenhaften Beamtentums abhängig sei.

IM Verlaufe ber Aussprache wünschte Stadt- verordneter Kreiß eine präzise Antwort, welche Stellung der D. V. P. inbezug auf die Beamten- kammeru einnehme, ferner bedauerte er, daß der Redner nicht lebhaster den Gedanken ausgespro- dien habe, daß gerade die D. V. P. mit ber Dcutfchnational-n Pattei in allen btcfen Fragen Schulter an Schulter kämpfe unb daß daher bie Stellungnahme ber beiden politischen Parteien und bei von ihr vertretenen Beamtengruppen ber entgegengesetzt sein Mülle, die von ben ge­werkschaftlich organisierten Angestellten unb Be- anten eingenommen werde. Regierungsrat Diet­rich als Vorsitzender des Ortskartells des dent- schen Beamtenbundes, erklärte sich 'M wesentli­chen mit ben Ausführungen des Abg. Moratd einverstanden, polemisierte jeboch besonbers ar­gen die unheilvolle Staffelung ber Teue. rungszulagen, gegen bie ber Beamtenbund sich wenbe unb bie auch von der D. V. P. gebil­ligt werd-, obgleich sie viele Ungerechtigkeiten ut ich schließe. Im übrigen sei er über erfreut, daß die Partei des Redners lebhaft dafür eintreten wolle, daß d?r Lage der Diätare, der Anwärrer und auch der unteren und mittleren Beamten gebessett werden sollte, wozu ja die jetzigen Bei­

Die Stiftskirche. Ausgrabungen in den Heräfelder Ruinen.

3« den Ruinen der s-rsfelder Stiftskirche find in bleiern Sommer Ausgrabungen Vorgenom. >nen worden, die bereits ein sehr wertvolles Ergebnis erziel« Haden. Don unserem Il.-Mit- arbeitet wirb un« ans Hcrsfelv geschrieben.

Uraltes heiliges Land ist es, auf bem die Ruinen der Stiftskirche in Hersfeld «mporrage-l. Wir wissen, daß hier die Stätte des heiligen Lullus gewesen ist, des Gefährten Bonifa- cius, des Apostels der Deutschen. Vieles ist be­kannt, die Mauern haben gesprochen, die schwa­chen Restt ehemaliger Malereien, doch die W.s- senschaft verlangte mehr zu wissen unb so gelang es, die Bohördu, vornehmlich bie preußische Regierung unb ben Bezirksverband zu interss- [teren, ferner bie Hersselder Industrie unb* eine ut ben letzten Augusttagen ab gehaltene V:-:- sanrmlung der ?>ersfelder Mufeumskommission gah Aufschluß über Wesen unb Art ber Ans- SaBungen, die in Verfolg bes erwähnten wis- rschaftlichen Sehnens in ben Hersfelder Stifls- ruhten vorgenommen worden sind.

Professor Vonderau, der in Gemeinschaft mit dem Bezirkskonservator, Baurat Holtmever, sowie dem Kasseler Museum-direktor Dr. Bohlau eine hervorragende Rolle bei den Ausgrabung;n spielt, teilte in der vorgenannten Versammlung mit, daß die Ausgrabungen, deren bisherige Er. göbnisse erhalten bleiben sollen, im nächsten Jahre fortgesetzt werden. So soll der Ostteil freigelegt werden zu dem Zwecke der Feststellung, in welcher Beziehung der freistehende Glocken- tircm zu bei Kirche flöht. Besonders wertvoll ist die Erwartung der beteiligten Stellen, daß man bei den Grabungen auf vorgeschichtliche Spuren kommen wird. Das ist deshalb wich- txg, weil daraus zu erkennen sein wird, wie bie älteste Ansiedlung gewesen sein mag, die sich an ber Stelle ber Kirche befunden haben muß.

Bisher wußte man nicht, was zwischen dem achten Jahrhundert und der früheren Geschichte vor sich gegangen ist, war vielmehr auf Vermu­tungen angewiesen und für diese Vermutungm sdllen die Ausgrabungen den Beweis erbringen. Dieje Ansicht geht dahin, daß Lullus, als er zur

Gründung des Klosters Hersfeld schritt, nicht etwa eine beliebige Stätte der vorhandeuen Waldwildnis erwählte, sondern eine schon vor­her bestandene Siedelung in Anspruch itahm. Gelingt es, auf die Reste einer solchen vorge­schichtlichen Siedelung ,u stoßen, dann müssen auch Funde gemtcht werden, die von hoher Be­deutung sind. Was hier gefunden wurde bis­her wertvolle Kapitale unb noch gefunben werden wird, ist Eigenttim des Staates, weil btt Grund und Boden der gewaltigen Stistsrnine dem Staate gehört.

Aus alledem acht hervor, daß es sich bei den Ausgrabungen in der Stiststuin^ um eine Arbeit von hohem wissenschaftlichen Wett handelt. Tic Kosten sind erheblich, aber Opfersinn weiter Kreise wird sie aufbringen. So viel sttht nach ben Auslassungen des Bezirkskonseivators Dr. Holtrnever in ber artgezogenen Sitzung fest, baß die bisheng-n Ergebnisse der Grabungen wert­vollen Aufschluß über die Entwicklung der Bau­geschichte geben, daß sie aber vor große Rätsel gestellt haben über die Gestattuna des Grund­risses. Soll hier eint Lösung erfolgen, so ist noch eine Spatenaibiit von mehreren Iahr-n er­forderlich Auf alle Fälle wird sich in der näch­sten Zeit die allgemeine Aufmerffamkeit mehr als bisher auf die Ausgrabungen in der Hersfeldcr Stiftsruine lenken müssen.

SouMeurs Ehrentag.

Viktor Feig! war gestern der Mittelpunkt zahlreicher Ehrungen. Die Intendanz der Staatlichen Schauspiele hob in einem ehrenden Schreiben die Verdienste des Opernsouffleurs hervor: sie hatte auch «inen Griff in die Kasse getan. Die gesamte Künstlerschafr und bie Kunstwelt von Kassel stellten sich bei bem Jubi­lar ein, dessen Wohnung einem Blumengarten glich. Ekne Hochflut von Geschenken ging ein unb es geht die Sage, daß bie Depeschenbot-N wegen b?r Fülle ber Telegramme von hier unb weither, bie .himmelhoch- geschleppt Werber mußten, an einen Streik gebacht haben. Abends imTroubadour' war der Kasten festlich ge­schmückt. Das Solopersrnal. Orchester und Chor gedachten besonders des treuen Mitarbeiters

und abends trug das Soloquartett der Chorsän­ger prächtige Lieder vor. Ein kleiner künstleri­scher Abend schloß den Dag dez Silberjubiläums von Viktor Fei gl ab.

Sin Menzel-Funv.

Aus des Meisters Jugendtagen.

Ein vollkommen unbekanntes Jugend­werk Menzels, eine Lithographie des Bres­lauer Fürstbischofs Emanuel von Schi­mon ski, wird von Conrad Buchwald in Ser .Kunstchronik' veröffentlicht. Dos Blatt, ein repräsentatives Kniestuck im Stil des achtzehn­ten Jahrunderts. ist deutlich bezeichnet alsnach bem Leben gez. unb lithogr. von Ad. Menzel b I.', unb im Verlage von C. E. Menzel, bem Vater des Künstlers, erschienen. Für einen Dreizehnjährigen ist dieses Bllduis in einer damals ganz neuen Technik eine stau­nenswerte Leistung; es scheint nur in drei Exemplaren erhalten zu fein. Der beste Beweis dafür, daß mau dem jungen Menzel schon da­mals viel zmraute, ist die Tatsache, daß ber höchste fürstliche Würbemräger Schlesiens fern Jungen persönlich Modell saß und mit dessen Leistung so zustieden war, daß er die Erlaubnis zur Verbreitung des Blattes gab.

Ueberhaupt hat Menzel, wie Buchwakd be. tont, schon als Knabe in seiner Vaterstadt Bres­lau, die er mit noch .richt fünfzehn Jahren ver­ließ. als Wunderkind gegolten. Auf den Breslauer Kunstausstellungen waren nämiich unter Werken damaliger Berühmtheiten auch Ar­beiten des zwölf- ober dreizehnjährigen Schülers der Elementarschule 6. A- Menzel, ausgestellt. Es waren dies eilte Kopie eines Steindruckes, eine Kreidezeichnung eines Kopfes, eine Musterschttft Das Vaterunser', eine historische Komposition eigener Erfindung' und ein Bildnis nach dem Lcb-en. Dicdiswrtschc Komposition', die aus der römischen Geschickne stammt, ist bereits län­gere Zeit bekannt; dasBildnis nach dem Le­ben' dürste das jetzt entdeckte Porträt d:s Fürst- bisckoss sein. Die Kopie eines Stzindruckes war einesäugende Tigerin' nach Rubens. Dieses Blatt, das zur Erinnerung an den begabten Schüler in her Schulklasse aufsehängl worden

war, wurde 1892 ins Breslauer Schulmuseum überführt. Dort sah es Menzel 1393 und schrieb damals:Wäre das Kuriosum in jener Schul­klasse, seiner Brutstätte, belassen, nicht doch mehr am Platze gewesen? Als jetzt aus wohtzverbien. ter Vergessenheit gezogen, als fremder Tropfen an jenem ernsten Ort die ernsten, fachmäßig in­teressierten Besucher so gut Wie die Gaffer in die Verlegenheit zu setzen, nolens volens Enthusias­mus heucheln zu müssen.'

Trotz dieser Ablehnung dervorsintflutlichen Sunde' durch den Meister haben bie frühesten ugenbatbeiten doch einen großen geschichtlichen unb biographischen Wert für bie Erkenntnis fei­ner Begabung unb seiner Entwicklung.

Kleine Kunst-Rundschau.

** Kein Bachfest- Das Bachfest in Eisenach das für ben 3. unb 4. September dieses Jahres geplant war, muß, wie gemeldet wird, mehr, facher Hindernisse halber, völlig aufgegeben werden.

** Goetheabend in Münden. Ein Goethe- abend, den die Primaner unb die Schulkapelle des Mündener Gymnasiums zum besten ihrer Dchülerhilfsbibliothok veranstalteten, hotte solchen Erfolg, baß viele vor ber überfüllten Aula nm- kehren mußten. Die Folge bestand aus einer abgerundeten Reihe von Rezitationen und Sze- nenvorttägen dramatischer Art, rnuftkalischsn Darbietungen und Liedern, die Frl. Großjohann in liebenswürdiger Weife beisieuerte. Besond'rs angenehm berührte die künstlerische Geschiossri- heit des Programms.

** Die Caruso-Kerze. Zn Carusos Gedächtnis Wird zurzeit in Amerika eine Riesen-Wachskerze von sechs Meter Höbe hergestelli, die ein Ge- wicht von tausend Pfund haben wird. Die Ker­ze soll alljährlich am Allevseelentage brennen c. soll für fünftausend Jahre (h ausreichen. Wenn te ununterbrochen brennen Würde, so würde sie dreizehn Jahre sieben Monatt Vorhalten. Die Kerze soll als Geschenk eines von Caruso fett dauernd beschenkten Waisenhauses nach Neapel geschickt werden, um dort in der Kirche der Ma­donna von Pompeji ausgestellt zu werden.