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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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11. Jahrgang.

Dienstag, 30. Angnst 1921

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 197

LU »atttUr Neuesten Nachricht« erscheinen «SchenMch iechkmal und kw-r a b« n v «. Der AdonnementKpreiK beträgt monatlich 6.50 Mark bet kreier Zustellung tn< f _ ®tt*e rnins durch die Post beeogen &80 Mark monatltch «tnschlletzitch Zustellung. Bestellungen werben von der S-kchSftsst-ll- ob« bm Bot« nNgeg«g«omm^ Drucke«»,

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Die innenpolitische Spannung.

kenhauS zurückgebracht. Der Tag der Ueberfüh- rung nach Bieberach sieht noch nicht fest.

Berlin, 29. August.

Staatsanwaltschaft Oberkirchen hat das Barver- ahren wegen Mordes an dem Reich'stagsabge- ordneten Erzberger gegen Unbekannte eröffnet. Die von Frau Erzberger übrrreicksien Droh­briefe, die ihr Mann seit Wochen erhallen hat, sind meistenteils mit der Schreibmaschine ge. schrieben. Der Inhalt der Drohbriefe läßt nicht ohne weiteres annehmen, daß es sich um einen politischen Mord handelt. Diese Feststellung mutz erst den wetteren Ermittlungen Vorbehalten bleiben. Bis jetzt hat mau als Anhalts­punkte. daß die zwei Täter ein Blonder und ein Schwarzer sein sollten, grau-gelbliche Anzüge trugen und angeblich sächsischen Dialekt sprechen. Auch hat man Fingerfpuren an einem Stein ent- deckt. Die Retchsregierung hat mit Rück­sicht darauf, daß bei der Ermordung des Abge ordneten Erzberger die Möglichkeit eines politi- schcn Mordes gegeben ist, eine Belohnung von hunderttausend Mark für die Ermittlung der Täter oder der Anstifter ausgesetzt. Für die Verteilung der Summe ist die badische Landes­polizei in Karlsruhe zuständig.

Verfolgung der Täter.

tzuuderrtausend Mark fite die Ermittlung (Privattelegramm)

Die Kabinett-Beratungen.

Die ernste innerpolitische Lag«.

(Privat-Telegrammä

Berlin, 29 August.

Der Reichskanzler ist nach Berlin zurückge­kehrt, wo heute vormittag unter dem Borsitz des Reichspräsidenten ein Ministerrat stattfin­det, der sich mit der innerpolittschen Lage deS Reiches befassen wird. Die Gewerkschaf­te n und die beiden sozialdemokratischen Parteien werden heute eine Abordnung zum Reichskanzler senden, um auf die Reichsregiernng einen Druck in der Ri chtung auszuüben, durch­greifende Maßnahmen gegen die immer mehr sich ausbreftende Reaktion zu unternehmen. Demo- kr a 1 i s ch e Blätter melden, daß gegenwärtig dar­über verwandelt wirdz wie eine Beteiligung der

tnna der politischen Atmosphäre etwas getan toemn müsse. Die Deutschnationalen weisen demgegenüber darauf hin, daß diese Ver­giftung eine Fotze der Revolution und ihrer Erfcknuungea sei. Die Politik und Hetze der Linksparteien habe erst den Gegendruck auf der Rechten erzeugt. So sieht man Umriste sich hcrausbilden zu einer politischen Entwicklungs- Möglichkeit, die in ihren letzten Ausmaßen heute noch gar nicht überblickt weiden kann. *«*

Oppenau (Badens 29. August. (Privatt:le- gramm.) Unter großer Beteiligung aus Nah unp Fern vollzog sich am gestrigen Sonntag nachmit­tag die Einsegnung der Leiche Erzbergers. Sel­ten hat Oppenau eine solche Menschenmenge ver­sammelt gesehen. Am Krankenhause, in dem die Leiche Erzbergers seit vorgestern ausgebahrt war, stellte sich vormittags der Trauerzug zusam­men, der sich dann zur Kirche begab. Bierund- zwanzig katholische Vereine nahmen mit. Fahnen teil. Bor dem Sarge schrftt die Geistlichkeit. Hinter ihm zunächst Frau Erzberger, ge- lritei von der Gattin des Staatspräsidenten

Er kennzeichnete Erzberger als einen leidenschaft- , lichen politischen Kämpfer, der der Infamie und I dem Hatz zum Opfer gefallen fei. Das Bolk habe in ihm einen guten Demokraten verloren, wie es wenige besitze. Namens der bad-schen Fentrums- yartet ergriff Landtagsabgeordneter Dr. Schä­fer das Wort Er rief dem Verstorbenen den Dank der Parteien in die Gruft nach und rühmte die stete Bereitsihaft des Ermordeten. Au der Tat fei das deutsche Bolk nicht schuld, wohl aber der Brodem des Haffes, der schon seit lan­gem im Volke umgehe. Den Körper Erzbergers habe man getötet, aber nicht seine Idee. Rach Riederlegnng der Kranzspenden wurde der über und über mit Blumen bedeckte Sarg in das Kran

Die gesstmtpolitrsche Situation scheint sich also darauf zuzuspitzen, nunmehr eine tücre Scheidung der Gerster vorzunehmen. Die Parole wird lau­ten: Hie Monarchisten, hie RevublSaner Der Regierung wird von den Linksparteien auf das schärfste zug-setzt, »von ihren staatlichen Mitteln Gebrauch zu machen, und vor ritten Dingen auch die Aemter und Behörden von den Anhängern des alten Regimes rein zu fegen". Das führende Mitglied der Deutschen Volkspartei, der Präsident des Hansa-Bundes, Geheunrat Dr. Rießer, hat einem Berliner Pressevertreter sein Entsetzen und seinen Abtzheu über den Mord ati Erzberger aus-xsprvche.r und dabei hinzugefügt: .Wenn, wie man sagt, der furchtbare Ton. i» dem manche Zeittmgen schreiben, dazu beigr- tragen hat, die Leidenschaften zu erregen, so ist es höchste Zeit. baf> man zur Selbstbesinnung kommt und sachliche Gegnerschaft auf fach- kichern Wege entscheidet." AuS dieser Aus­lastung glauben die Parteien der Mitte entneh­men zu können, daß auch in der Deutschen Drffks- partet bie Auyassumr besteht, daß zur Eutzts-

tingenaue Angaben.

Karlsruhe, 29. August. (Prtvattelegramm.) In der Mordsache Erzberger waren bis gestern abend in Baden und Württemberg einige zwan­zig vorläufige Festnehmungen erfolgt, ohne daß diese aufrecht erhalten werden konnten. Alle bisher verfolgten Spuren haben sich als irrig erwiesen. Ebenso haben die meisten A n - gaben über die Größe und das Aussehen der Mörder sich als offenkundig falsch herauSge- siellt. Tie Behörde verfolgt fett gestern eine ganz n e u e S p n r. Die Ermittlungen werden jedoch, wenn sie zum Ziele führen sollen, mehrere Tage dauern. Das Amtsgericht Oberkirchen hat gestern die weitere Verfolgung der Mordtat dem zustän­digen Landgericht Offenburg übergeben.

Trunk, dann folgten die zahlreichen Vertreter der Behörden und Korporationen, unter anderem Staatspräsident Trunk, Minister deS Innern Remmele, Finanzminister Köhler als Vertreter der badifckten Regierung, Reichskanzler a. D. Fehrenbach, sämtliche Mitglieder der ZentrnmS- raktion dcS badischen Landtages unter Führung des Vorsitzenden Dr. Schofer, Vertreter der übri­gen Fraktionen deS Reichs- und Landtages. Tie ReichSreaierung war vertreten durch Reichspost minister GieSberts. Domkapitular Weber legte seiner Trauerpredigt die Bibelworte zugrunde:

Wirke, so lange eS Tag,

cS kommt die Kiufjt, da niemand wirken kann." In eingehender Schilderung gab er ein Lebens­bild deS durch Mörderhand ums Leben gekom­menen Mannes, und grüßte dann seine unent­wegte Treue zur katholischen Kirche, die vorbild­lich genannt werden könne. Staatspräsident T r u u t leitete seine Ansprache mit Worten des Trostes au die Hinterbliebenen ein, und gab der Entrüstung des badischen Bottes für die furcht­bare Mordtat auf badischem Boden Ausdruck. Trunk versprach Sühne für das Verbrechen. Rack, ihm sprach Reichspostminister GieSbertS, der zu gleich im Namen deS Reichskanzlers Warnte Worte des Beileids an die Hinterbliebenen sand. Wir wiffen heute noch nicht, führte der Redner dann weiter aus, ob dieses Verbrechen nicht die Einleitung zu neuen politischen Unruhen sein wird. Die Reichsregiernng wird nicktS unterlas­sen, um diesem Wahnsinn des politischen Mordes ein Ende zu bereiten. Minister GieSberts zeich­nete dann die Bedeutung des Ermordeten als Staatsmann und wies darauf hin. Wie Erzber­ger e? als feinen Grundsatz angesehen habe, daS deutsche Bott auS seinen Wirrnissen einem de­mokratisch - republikanischen Staat znzuwhreu. Weiter sprach der vormalige Reichskanzler Fehrenbach

im Rameu deS Reichstags.

Nach Srzbergers Tod.

Trauerfeker für den Ermordeten. Gegnerschaft zwischen links und recht«

für Einzahlungen errichtete.

Der Zusammenbruch des Elbtal-Konzerns.

Der Inhaber der Elbtal-SPvrtgeseMschaft ul b H in Dresden wurde verhaftet. Das Bureau, das von Hunderten von Menschen um­lagert ro.tr, wurde polizeilich geschloffen. Einzel- heitcn sind noch nicht betont. Wie verlautet, soll der Inhaber in den letzten Tagen etwa zwei Millionen Mark vereinnahmt und die ganze Summe für sich bis auf einen Rest von 35000 Mark verbraucht haben An dem Eingang des Bureaus hängt ein Plakat mit der Aufschrift: »Elvtal-Sportgescttschaft m. b. H., zahlungsun­fähig. Versammlung wird in den nächsten Tagen begannt gegeben. Verschiedene Gläubiger."

Steuer-Auskunft.

Gefährliche Wirkung einer Anfrage.

Wer in den verwickelten Sreuergesetzen sich nicht genau auÄkennt und das sind die meisten Menschen, holt gerne Auskunft auf den Fi­nanzämtern. Daß eine solche Frage auch ihre Schattenseite für Den Lnftager haben kann, zeigt folgende Begebenheit, die uns Dr. jur. Walter Niemann-Kassel, Syndikus des Hessischen Bank­vereins. 9L»@., schildert. Er schreibt unter ande­rem:Wie erstaunt war da vor kurzem ein An- fragcr, der auf eine Anfrage bei einem Finanz­amt die erbetene Antwort erhielt, aber gleichzei­tig inquisitorisch ersucht wurde, mitzuteilen, ob der geschilderte Fall nur ein gedachter Fall fei. ober aber einen praktischen Fall zur Grundlage habe. Es wurde tsseichzeitig, falls das letztere zuträfe, darum ersucht, den Namen desjenigen anzugeben, den der Fall beträfe. Der Anfragen lehnte es ab, dr« erbeten« Aus­kunft zu geben. Vielmehr wandte er sich durch eine geeignete Vermittlungsstelle an den Herrn Reichsminister der Finanzen mit der Bitte um StelkungrvabMe. Und dieser fällte un­ter dem 11. M-qust 1921 (3 R. 23070) eine recht interessante Entscheidung, eine Entscheidung, wie sie geradezu ungeheuerlich ist und für die Zu- fünft jedermann abschreckcu muß. sich überhaupt mit Anfragen an ein Finanzamt zu wenden. Der Herr ReichSfi nanzminister erklärte nämlich, daß das fragliche Finanzamt seine

Bestrgniffe nicht überschritten habe.

Rach Paragraph 177 der Reichsabgabenordnung, der die Auskunstspfliclu dritter Personen be- stirmnt. seien Auskunstsersuchen hinsichtlich sol­cher Tatsachen zulässig, die in einem Steuerevmit- tekwsSverfahreu für die FeststeAms Von Sten«-

Der Wettbankenkrach.

Verschmelzung der Konzern«?

»er «»flehen erregende SutammenBrtt» tH«U» Eportdnnkea dehnt stch wette» an«. Wettend« auo gatts Deutschland miiffen Verluste erleiden

polllifcheLlmbildung?

Folgen des Lrzberger-MordeS.

Die gesamten Linksparteien rufen $u ge- wattigen Kundgebungen auf, die am Tage der Beerdigung Erzbergers, am M i 11 w o ch, 31. August, nachmittags 5 Uhr, in ganz Deutschland ; statt,lnveu sollen. Es sollen Demonstrationen für die Republik sein. Die Sozialdemokraten, und die Unabhüngrgen werden aus diesem An- laß gemeinsam marschieren. Die Kommunisten gehen ihre eigenen Wege, sie vertrauen ganz un­verhohlen daraus, Unbesonnenheiten und Fähr- lichkeiten, die sich aus solchen Kundgebungen sehr leickt ergeben können, ffür ihre eigenen umstürz, lerischen Ziele zu nutzen. Die geplanten Demon- strationen werden unternommen auf ausdrück­lichen Beschluß der obersten Partei-Instanzen der Mehrhertssozialdemokraten wie der Unab­hängigen. Reben dieser Mion geht noch eine ganz andere, die in ihren unmittelbaren, wie in chren weiteren Wirkungen für die ganze Innen- Politik weittragende Bedeutung gewinnen ton. Zunächst bereiten sämtliche Gewerkschafts- Organiscrtionen, also die christlichen, die dem gentium, die Hirsch-Dunkerscheu, die den Demo- aten uahestehöu, sowie alle sozialdemokratischen Gewerkschaften und Vereine eine gemeinsame Aktion bei der Reichsregierung Wie in der Oef- sentlichkeit vor, mit dem Ziele, von den verant- wörtlichen Stetten umfassende Maßnahmen zur Dekämpsnng des politischen Moides und seiner Quelle zu verlangen. Die Bedeutung einer so!- chen Mion darf man nicht unterschätzen. Sie würde die erste Verwirklichung des Einheits­front-Gedankens sämtlicher Arbeiter darstellen. Dazu kömmt, daß die beiden sozialdemokratischen Parteien geschloffen von der Regierung die Er­greifung sofortiger Gegenmaßnahmen durch An­wendung aller gegebenen staatlichen Mittel for­dern, um, wie er in der Kundgebung deS .Vor- WÄrts" heißt:$it erreichen, daß in Zukunft kein« provokatorische Demonstration der Militaristen und ihres deutfchnationalen Anhangs ohne Ge­gendemonstration der gesamten Arbeiterschaft ge­duldet werden wird". In einem weiteren Auf­ruf fordert der .Vorwärts": .Dem Fascisten- Regimeitt der Hakenkreuzler und Stahltzeltnleute muh ein Ende gemacht werdem"

Sportleben zu entfernen.

Auch der Westdeutsche Sportkonzern wantt.

Als eine der letzten Sänken der unnatürliche Gewinne verheißenden Sportkonzerne steht im Westen noch der Westdeutsche Sportkonzern Ueb- bing und Co. in Dortmund. Wer auch diese Säule ist geborsten und ton über Nacht stürzen, denn, wie verlautet, hat die Staatsanwalt­schaft sich veranlaßt gesehen, den Geschästsbe- trieb dieses Sportkonzerus sich etwas näher an- zusehen und die Geschäftsbücher einer Prüfung zu unterriehcu. Welches Ergebnis diese staats- anwaltschastliche Neugier haben wird, ist für Kenner der Uebbing-Gesettschaft nicht zweifelhaft. Sie haben sich sehr gewundert, daß die Staats­anwaltschaft beziehungsweise die Polizei nicht eher dahinter gegriffen hat. Der Träger deS Westdeutschen Sportlonzerns. Kaufmann August Uebbing, betrieb bisher unter der Firma Ueb- bing und Co., Komman dttgcsellschast, ein Tabak- geschüft; allerdings war ihm der Handel mit Ta- bakfabrikaten wegen wiederholten Vergehens ge­gen kr i egs-w irisch a stliche Anordnungen untersagt worden. August Uebbing hat außer erheblichen Geldstrafen wegen verbotenen Tabakhandels auch mehrere Male Strafe wegen Betruges und an­deren Dclitten erlitten. Mit welcher Unver­frorenheit Uebbing arbeitet, geht daraus hervor, daß er, als der Krach in die Sportkonzerne ge­kommen, in Hamm i. W noch eine Annahmestelle

Nachforschung mit Volizelbunbrn.

Oppenau (Baden), 29. August. (Privattele- gromm.) Ein Kommando Berliner Kriminal - Polizei ist mit Polizeihunden in GrieSbach eingetroffen und hat bereits eine umfangreiche Streife in den weiten Waldungen unternommen. Erzberger war im Tode wenig verändert. Der Sarg wurde erst kurz vor der Ueberführuug am Sonntag vormittag geschloffen. Der Kopf deö Toten war von zwei Schüssen durchbohrt, die ein Verband verdeckte. Ferner hat Erzberger zwei Schulterschüffe und vier Leibfcküffe erhalten. Am Tatort fand man noch eine Patrone und acht Pattonenhülsen.

christlichen Gewerkschaften und der demokratischen Hirsch Drmkersckun Gewerkschaften au dem Schrftt ermöglicht werden kann.

Zusammenstöße in Votsdam.

Liaksradikale gegen Deurschnationale. lPrivat-Telegramm.)

Potsdam, 29 August.

Am Sonntag nachmittag zogen Tausende von Angehörigen der Links-Parteien nad) Potsdam zu einer Demonstration gegen die Tannen» berg-Feier der dentschnattonale» Jugend. Auf der Straßenbahn wurden die Passagiere nach Hakenkreuzen durchsucht. Ein großer Trupp des deutschnationalen Jugendbun­des wurde überfallen. Zwei junge Offi­ziere wurden niedergeschlagen und dem Fahnenträger die schwarz-weiß rote Fahne ent­rissen. Zu einem Zusammenstoß kam es später am Kanal mit zwei ReichSwehrfoldaien die das eiferne Kreuz trugen. Sie wurden angegriffen und verprügelt. Ein Schutzpolizist kam den ReichSwehrfoldaien zu Hilfe, wurde aber zu Bo­den geschlagen und durch Fußtritte schwer ser- letzt. «m Boden liegend feuerte er zwei Schüsse ab, durch die zwei Arbeiter ge­tötet wurden. Rach Verhandlungen der Ar­beiterschaft mit dem Potsdamer Polizeipräsiden­ten rämnten die Demonstranten den Lustgarten und traten die Rückfahrt nack Berlin an. Rach den bisherigen Berichten kam es. zu keiner Störung der Lmmenberg-Fei«.

Aus Berlin wirb geschrieben: Der Schutze verband der deutschen Sportd-rnken und Wett- konzerue hielt eine Versammlung ab, in der die Anregung erfolgte, alle deutschen Wettkonzerne zu verschmelzen und eine monatliche Drvrdenve von insgesamt zehn Prozent zur Ausschüttmig zu bringen. Ein besseres Eingeständnis von der «Ai.-», - niiunii diese Konzern« bedrohenden Katastrophe ---iu

fange aus die Dauer nicht lebensfähig. Bei dem Projekt des Schutzverbanbes handelt es sich nur um den Versuch, der drohenden Katastrophe zu entgehen und die Gläubiger ohne Staatsan. wattfchast und Skandal zu befriedigen. Es Ware dies in der Tat auch der einzige Ausweg, um die üble Erscheinung solcher Wettkonzerne sowohl aus der «Ieffentlichkeit wie aus dem deutschen

Aber auch nach anderer Seite hin scheinen die unmittelbaren Auswirkungen des Erzberger- Mordes PMklsch zu reffen. Die Fvlgen werden fvch in der preußischen, wie in der Reichspolitik möglicherweise dahin geltend machen, daß ein Zusammenschluß aller auf dem Boden der gegenwärtigen StaatSverfaffung stehenden Par- reien Platz greift. Das würde bedeuten, daß zu­nächst die preußische Regierung ungebil­det wird, indem die Sozialdemokraten wieder m

Er kennzeichnete Erzberger als scheu Streifen die ummttelbar nach der iLrmor-^.. unfHifrfirtt Kämpfer der

düng Erzbergers im Hauptausfchuß des preußi-! p?tUl'^cE. ?an!v!c^. Ä

fchen Landtages Von dem MiuisterPrLsidente r Stegerwald geurachte Aeußerung, »daß er eine breitere Regierungsbasis von rechts bis m die Streife der äußersten Linken für er­forderlich halte". Auseinandersetzungen zwischen Saziakdemskratie und Deutscher Volkspartei werden dann voraussichtlich um deswillen vorge- nommen werden, weil die Deutsche Vokkspartri in der gegenwärtigen preußischen Regierurg. aber nicht in der Reichsregicrung vertreten ist. Die MehrhrttSfozialdemokratie wendet sich zwar immer iroch gegen eine Zusammenarbeit mit den Rechtsparteien als solche, also auch mit der Deut­schen DoWsipartei. Die Sozialdemokratie fordert als Voraussetzung eines Zusammengehens, daß die Deutsche BoKSPartei ebensozwischen sich und den Deutsämativnalen den entschiedenen LremlungSstrich zieh«, den die Sozialdemokratie gegen die Linksradikalen gezogen hat". In die- ter Fvrm untschreibt derVorwärts" das Pro- Mem. Man gebt wobl nicht irre in der An­nahme, daß diese Aeußerrrng eine Drücke, ja geradezu eine gewisse Aufforderung zu einer Gegenäußcrung darstellen falle.