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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 186.

Fernsprecher 951 «nd 952

Sonntag, 28. August 1921

Fernsprecher 951 »nd 952

11. Jahrgang.

Teuemngsunmhen in München.

Was wir liefern sollen.

Die Wiesbadener Konferenz.

Gegenwärtig finden bi. Besprechungen zwi­schen dem deutschen und dem französischen Wic- deraufliaummtster, den Herren Rathen au und L o u ch e u r, in Wiesbaden statt. Man mißt dieser zweiten Zusammenkunft Mar eine besondere Bedeutung bei, kann sich aber doch nicht eines gewissen Mißtrauens enthalten, nach­dem die erste Wiesbadener Besprechung eine Enttäuschung hinterlassen hat. Es ist hierbei wie bei allen Verbandlungen. mit den ehemaligen Feinden der gleiche Nachteil für uns, daß wir von vornherein als nicht gleichberechtigt erachtet werden. Das ganze Verhandeln läuft immer darauf hinaus, daß nicht eine Abmachung nach gerechten Grundsätzen abgeschlossen wird, son­dern daß ein Befehlender und ein Bittender zu- sammenLommen. wobei der Eine möglichst viel Vorteil zu erpressen versucht, während der An­dere durch Schilderung feiner kläglichen Lage sein Los zu mildern denkt. Der Franzose stellt über­spannte Forderungen und der Deutsche mach: ge­mäßigtere Vorschläge. Man vergesse doch nicht, daß Frankreich nicht im mindesten sich darum kümmert, ob Deutschland unter den auferlegten Lasten zusammenbricht. -Die französischen Staats­männer sind eben von dem Wahn durchdrungen, daß Deutschland zahlen und liefern könne. Nach einer oberflächlichen Betrachtung des öffentlichen Lebens in Berlin und ähnlichen Großstädten, wo die Papierlappen mit vollen Händen in rau­schenden Vergnügungsstätten und Likörstuben ausgegeben werden, hat es ja den Schein einer Zahlungsfähigkeit. Blickt man aber in die be­scheidenen Verhältnisse der Provinzen, dann be­greift man. warum in den Reichs-, Länder- und Gcmeindekassen eine chronische Untevbilanz zu verzeichnen ist.

Bei den jetzigen Besprechungen handelt es sich darum, festzustellen, was Deutschland zum Wiederaufbau Frankreichs bei­tragen soll und kann In der Hauptsache kom­men die Sachleistungen für die zerstörten Gebiete in Frage. Wäre diese Angelegenheit da­mals in die Hände Deutschlands gelegt worden, dann wäre der Aufbau schon flott im Gange und Frankreich hätte mit der deutschen Arbeit zufrie- den sein können. Aber die haßerfüllten Fran­zosen wollen nicht zufrieden sein. Der ßaiuen Haßpolitik ihrer Regierung wäre damit der Wind aus den Segeln genommen worden, die Indu­strie hätte die deutsche Konkurrenz noch mehr fürchten müssen, und dem Militarismus wäre der Boden entzogen worden, wenn Deutschland die Bedingungen erfüllt hätte, also zur ständigen Gewaltandrohung kein Grund vorhanden ge­wesen wäre. Deshalb verhinderten die franzö­sischen Staatsmänner ein Uebereinkommen, das Versöhnung und Frieden gebracht haken würde. Welchen Zweck hat nun die zweite Ministcr- besprechuM? Wird Frankreich neue drückende Forderungen stellen, oder vielleicht doch den deut­schen Vorschlägen Gehör schenken? Aus verschie­denen Anzeichen könnte man vermuten, daß mau in Paris wirklich anderen Sinnes geworden sei. Frankreich besitzt nicht mehr die volle englische Unterstützung und stellt fick daher auf einen we­niger extremen Standpunkt, wie die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanftionen erkennen läßt. Es wäre also auch möglich, daß es in der Wie­deraufbaufrage diesmal mit sich reden läßt. Allzu feste Hoffnungen darf man aber vorläufig nicht darauf setzen.

Wie die Pariser Blätter andeuten, soll in Wiesbaden in der Hauptsache Über die Lieferung von Fertigfabrikaten, die für den Wie­deraufbau der zerstörten Gebiete in Betracht kom. men, beraten werden. Ueber Holzhäuser wird allerdings nicht mehr gesvrochen werden, weil angeblich die französische Holzindustrie in der Lage sei, Holzhäuser beffer und billiger zu lie­fern als Deutschland. Dagegen werden noch die gegenseitigen Ein- und Äusfuhrfragen auf der Tagesordnung stehen, womit auch die wirtschaftlichen Folgen, die ans der demnächsti- gen Aushebung der Rh ein Zollgrenze entstehen werden, erörtert werden. Rathenau wünscht einen möglichst freien Handel zwischen den bei­den Ländern. Es scheint demnach, daß diesmal einige neue bedeutsame Probleme in den Vor­dergrund gerückt sind, dann wird es sich darum handeln, auf der Grundlage dieser Verhandlun­gen die deutsche Winschast auf die Leistmigs- mMittteit nmmstcllen Man wird vor allem Vorkehrungen treffen müssen, unsere Produk­tionsverhältnisse ans eine breitere Basiszu stellen. Tenn die deutsche Regierung wird sich bemühen, eine etwa in Wiesbaden zu­stande kommend« Vereinbarung zu unterstützen, weil Deutschland besser in der Lage ist, die Re­parationsschulden durch Sachleistungen abzutra- gen anstatt durch Geldzahlungen. Voraussetzung ist dabei natürlich, daß Frankreich sich in ver­nünftigen Grenzen hält. Verpflichtungen, wie sie von Paris mehrfach angeregt wurden, wonach wir neben Mei Milliarden Material­lieferungen noch vier Milliarden in bar zechlen

Mathias Grzberger ermordet.

Don zwei jungen Leuten erschossen. Die Tater werden verfolgt.

Bad Griesbach (Bad.), 27. Aug. (Priv.-Tele- gramm.) Gestern vormitt, ist der Reichstagsabge- ordnete Erzberger, der mit seiner Familie hier in der Sommerfrische weilte, von zwei jungen Leuten durch zwölf Revolverschüsse getötet wor­den. als er auf dem Kniesbis mit dem Reichs­tagsabgeordneten Diez spazieren ging. Die Tä­ter werden verfolgt. Ueber den bedauerlichen Vorgang erhalten wir folgenden genauen Bericht: Die beiden Abgeordneten Diez und Erzberger gingen in der Zeit zwischen zehn und elf Ubr auf der von Griesbach nach Freudenstadt führen­den Landstrasse spazieren. In naher Entfernung folgten ihnen Mei Männer. Den beiden Abge­ordneten wurde die Sache ungemütlich. Sie mach­ten kehrt und ginge» an den beiden vorbei. Olme irgend ein Wort zu sagen, zog einer der Fremden dabei eine Schusswaffe und drückte los. Dunst den Schutz wurde der Abgeordnete Diez an der Schulter verletzt und stürzte zu Boden. E r z- b e r g e r sprang über die Böschung der Straße, um sich den beiden Unbekannten zu entziehen Diese eilten ihm nach und feuerten mehrere Schüsse aus Erzberger ab. Bei der Verfolgung brach Erzberger zusammen. Die beiden Töter feuerten nun unausgesetzt auf den am Boden lie­genden Mann, der, von zwölf Kugeln durchbohrt, alsbald st a r b. Diez war wieder aufgestan­den und hatte sich zu Erzberger begeben, der be­reits verschieden war. Tie beiden Täter standen in nicht allzu grosser Entfernung, um sich zu überzeugen, datz Erzberger tet war. Den Abge­ordneten Diez liessen sie unangefochten. Als die­ser sich vom Platz wegbegab, um Hilfe zu holen, verschwanden btt beiden. Diez fand in Peters- ball Aufnahme. Er wird heute das Offenbacher Krankenhaus aufsnchen. Seine Berlenung ift nickt bedenklich. Die Leiche Erzbergers blieb den ganzen Nachmittag auf dem Tatort liegen. Der Tatort ist in weitem Umkreise abqespcrrt. Die Verfolgung der Täter ist aufgenommen.

Diese verabscheuungswürdiae Tat, die aller Wahrscheinlichkeit nach auf politische Ursachen zu- rückzuführen ist, wie aus den berichteten Umstün­den hervorgeht, ist ein trauriges Zeichen unserer Zeit Es ist begreiflich, daß infoLze des unglück­lichen Kriegs cmsganges und der zerrissenen in- nerpolitischen Verhältnisse empörte Volksteile sich gegenseitig beschuldigt haben, aber die fortschrei­tende Zeit, die schließlich alle Wunden heilt, sollte doch die Menschen zur Vernunft gebvacht haben. Durch einen politischen Mord wird nichts gebes­sert. Deshalb ist eine solche Tat, ebenso wie ans rein menschlichen Gründe», entschieden zu verwerfen. Wir dürfen nicht die Unsitten der beißblütiaen Südländer oder der kalt wüaenden Orientalen annebmen. Es ist höMe Zeit, daß alle Parteien auf Rückkehr zur alten deutschen Besonnenheit hinarbeiten. Erzberger batte viele Feinde, aber sein Fleiß und seine Tatkraft wur­den auch von den Gegner» anerkannt, da er sich aus kleinen Anfängen zu einem bedeutenden Pe- litiker emporgearbeitet hat. Seiner Familie wird niemand das Mitgefühl versagen. Er hat ein Aller von nur 46 Jahren erreicht.

Die VorteiMdrer.

Berlin, 27. August. (Privattelrgrcrmm.) Die Parteifühier hatten gestern wieder eine Be­sprechung beim Reichskanzler über politische Fra­gen. Bei dieser Gelegenheit sagte Reichstaas- vrästdent Loebe in einer Ansprache:Wir stehen alle unter dem erschütternden Eindruck der Nachricht von dem gröblichen Mord, die wir so­eben erhalten haben. Ich finbe nicht Worte, um bad Verbrechen zu kennzeichnen, über besten po­litischen Ursprung wohl kein Zweifel möglich ist.

aber ich werbe auch von dem Einbruck nicht frei, datz diese Revolverkugeln nicht nur unteren Reichstagskollegen Erzberger, sondern die Ruhe und den Frieden unseres Volkes getroffen haben und dass diese Tat unberecktenbare Folgen für unser unglücklick-es Voll und Vaterland haben kann. An dieser Stelle beschränke ich mich dar­auf, den Fraktionsfreunden des Ermordeten un­tere herzlick-e Teilnahme auszusprechen." Alle Anwesenden hörten diesen Nachruf für Erzberger, woran sich noch andere Worte für den verstorben neu Abgeordneten Trimborn und für Burlage ansckloffen, stehend an. Im weiteren Verlauf der Besprechungen kündete der Reichskanzler eine Kundgebung der Regierung zu dem Morde an, sobald genaue Einzelheiten über die Tat vor­liegen. Ein Beileidstelegramm hat der Reichs­kanzler gestern an die Witwe gesandt. Auch der Reichspräsident hat Beileidstelegramme an die Gattin Erzbergers, sowie an die Zentrinnsfrak- tion des Reichstages gerichtet. Man kam überein, den Reichstag nicht früher als zum festgesetzten Termin am 27. September einzuüerusen.

Einfluß auf die Börse.

Berlin. 27. August. (Privattelegramm.) Die Nachricht von dem Tode Erzbergers löste noch gestern abend in den Banken sind auf der Börse eine erhebliche Aufwärtsbewegunq für ausländische Zahlungsmittel aus. Don Fachfeite wurde diese Entwicklung damit erklärt, daß man wirtschaftliche politische Schwierigkeiten nut/zr Entente befürchtet, die in der Person itftb dem ausgeprägten politischen Einfluß Erz- bergertz eine Gewähr für die Durchsetzung ihres politischen Programms für Deutschland erblickt habe. (?) Alle massgebenden Kreise der Ne­gierung empfinden tiefe Enttüstunq über die grässliche Tat. Die Ermordung Erzberners und die sich anS dieser Tar ergebende allgemeine Lage war Hauptgegenstand der Kabinetts» sitzung am gestrigen Nachmittag.

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Versonaweschreibungen der Täter.

Karlsruhe, 27. August. (Privattelegramm ) DasKarlsruher Tageblatt" meldet zur Ermor- düng Er.zbergerS: Feldjägerabteilungen, die noch am Freitag mittag sämtliche Schwarzwald- ftationen besetzten, haben eine umfangreiche Kon­trolle der Reisenden vorgenommen. Ueber die Mörder liegen ziemlich bestimmte P e r s o. nalbeschreibungen durch beit verwunde­ten Abgeordneten Diez, sowie durch Frau Erz- berqer unp den Stratzenwärter vor, mit dem sich einer der Mörder kurz vor der Tat längere Zeit unterhalten hat. Die Verletzungen des Abgeordneten Diez, des Begleiters ErzbergerS, sind schwerer als zuerst angenommen wurde. Tie Arm- und Schulterschüste haben erhebliche Kno- chenabsplttterungen im Gesolge gehabt. Am Freitag abend war Diez nur beschränkt verneh. mungssähig. Erzbergers Frau sagte bei dem letzten kurzen Verhör in Oppenau aus, dass sie die Täter schon vor einigen Tagen in dem Da- dchotel in Griesbach, wo sie mit ihrem Gatten fünf Tage lang weilte, ebenfalls gesehen habe. Es scheint sich demnach ohne jeden Zweifel nm einen planmässig vorbereiteten und kaltblütig durchgeführten politischen Mord zu handeln. Bis Mitternacht konnte noch keine Spur von den Tätern gefunden werden. Die badiscke und die württembergiscke Oberftaatsanwaltsckaft haben gemeinsam die Untersuchung der Straftat übernommen. Heute erfolgte sowohl von der württemberÄscken wie von der badiscken Staafs- anwalftchaft die Aussetzung von je fünftausend Mark Belohnung für die Ermittlung der Mörder.

sollten Jahreszahlungen und Ausstrhrabaobe wären ganz unerträglich und daher nicht er- fällbar. Es liegt lediglich am ftcmzSsifchen ^gu­ten Willen", ob wir endlich zum Frieden gelan­gen, oder ob französische Gewaltpolitik weiter­hin Deutschland hudlet und Europa in Ver­wirrung hält. K.F.Dr.

Protest gegen die Teuerung.

Zusammenstöße in München.

(Privattelegramm)

München, 27. August.

Die für gestern abenb vom Münchener Ge- werksctziftSverein «nd den Münchener Betriebs­räten in dem Kindl-Keller veranstaltete Demou- sttationsversammlung gegen Wucher und Teuerung hatte einen Massenbesuch aufzu­weisen. In den nöchstcMegenen Kellern wurden ebenfalls Versammlungen abgehalten. Die Maj- sen stauten sich trotzdem noch in den benachbarten Straßen, wo verschiedentlich Reden von erhöhter Stelle aus gchcttten würben. Rach Beendigung

bet Versammlungen zogen bie Teilnehmer in ge­schloffenem Zuge durch die Stadt. Erst am Marienplatz wurde der Zug von Schutzleuten aufgehalteu. Der grösste Teil der Menge zer­streute sich dabei. Ein Trupp von Kommunisten blieb aber zurück. Es stchr schliesslich ein Pan­zerauto an nnd es kamen auch Verstärkungen der Polizeitruppen, vor allem auch eine erhebliche Menge Schutzleute in Zivil, die gegen die Menge vorgingen. Gegen zehn Uhr abends waren je­doch auch die letzten Teilyehmer am Demonfira- tionszug in einzelne Gruppen zerstreut.

DorflGttmaßnadmen.

München, 27. August. (Privattelegramm.) Bei den gestrigen Zusammenstößen in der inne­ren Stadt mit den demonstrierenden Kommu­nisten gab es einen Toten und vierzehn Verwundete. Um Mitternacht herrschte Ruhe. Für heute find trotz des behördlichen Ver­bots neue Massenversammlungen einberusen. Starke AbteilunMN Reichswehrtruppen patroutt- tterten heute früh durch die irmcre Stadl.

Versorgungs-Gesetz.

Beschleunigung der Durchführung.

Infolge umftilnblirffee Vorschriften wurde ba< Verfahren der Versorgung von Kriegebeslhiid ig, ten bisher start verlangsamt- Das soll nnn andere werden, wen» sie von amtlicher Stell« bcadsichrigte Besktzleunignnq durchgefilhrt wird Da«-auPtver,orgungSamt schreibt «nS darüber Um den beledigten Klagen der Kriegs­beschädigten über zu langsames Fort- fdyreiien der Durchführung des Reichsversor- gungsgesetz abzuhelfen, hat daz Reichsar­beitsministerium sich entschlossen, die Uman- erkeunung der Beschädig-en nicht mehr vo« den Hauptversorgungsämtern, sondern von den Versorgungsämtern vornehmen zu taf­fen. Während bisher Vie Versorgungsämter nur bet der Vorbereitung der erstmaligen Neufeststel- lung der nach früheren Mitttärverforgungsyeset- zen berechneten Beschüdigtenrenten Mitwirken' konnten, die Feststellung selber aber den Haupt- verforgungsänttern Vorbehalten war, soll diese Arbeit in Zukunft grundsätzlich von den Ver- sorgungscimtern selbständig ausgeführt werden. Das bisher geübte Verfahren war notwendig ge­wesen, weil in Anbettacht der grundlegenden Neuerungen des Reichsversorgungsgesetzes eine einigermaßen einheittich« Durchführung bet der Handhabung des Gesetzes durch über dreihun­dert Versorgnnasämter nicht gewährleistet schien. Nachdem aber die Kenntnis des Gesetzes im Laufe eines Jahres Allgemeingut aller Ver- saorgungsbehörden geworden ist, erscheint die erforderliche

Einheitlichkeit gewährleistet» auch wenn die Versorgungsämter selbständig die Entscheidungen auf Grund des ReiÄsverl sorgungsgcsetzes zu treffen haben. Das bisher geübte Verfahren hatte den Nachteil, daß bei den Hauptversorgungsämtern zahlreiche von den Versorgnugsänttern vorbereitete Versorgungs­akten eingingen, die das Hauptversorgungsamt mit seinen Arbeitskräften nicht erledigen konnte, das heißt, die Arbeit der Hauptversorgubngs- ämter konnte mit der der Nachgeordnete« Ver­sorgungsbehörden nicht Schritt halten. Auch mußten bei bcan früheren Verfahren stets meh­rere Dienststellen an dem gleichen Versorgungs­fall nacheinander arbeiten. Durch den Fortfall der Tätigkeit des Hauptvcrsorgungsamtes wird also zweifellos eine große Beschleunigung in der Durchführung der BeschÄdigtenversor- guna nach dem Reichsversorgungsgesetz erreicht werden. Die bei den Hauptverforgungsämtern freiwerdenden Arbeitskräfte sollen einerseits der Beslennigung der Umanerkennuna der Hinter­bliebenen, die nach wie vor bei den Hauptver­sorgungsämtern erfolgt, zugute kommen, ande­rerseits sollen sie zum Teil den VersovgungsäAi- tern zur Verfiigung gestellt werden. Die vom Reichsarbeitsministerium erlassene Verordnung wird

im Saufe bet nächsten Monate in der Weise durchgeführt werden, daß bis zum 1. Januar 1922 im allgemeinen alle Versor- gungsämter mit der selbständigen Bearbeitung beauftragt werden. Bis dahin sollen die Versor­gungsämter, die noch nicht selbständig entscheid den, doch die Vorbereitung weiter als bisher durchführe«, sodaß die Mten hui noch einer Ueberbiüfung durch bas Hauptvetsorgungscmv bedürfen. Für ben Bereich der Hauptver­sorgungsämter Berlin und Stuttgart, bei denen die Verbältnisse besonders geartet sind, ist der Zeiwunkl für die Durchführung die­ser Regelung nicht bindend. In Berlin ftnb bereits sämtliche Berforgungsäntter mit der selbständigen «Bearbeitung beauftragt worden, während im Bereiche des Hauptversorgungsam­tes Stuttgart zunächst «ur die in Stuttgart selbst befindlichen Versorgungsämter dazu ausersche« sind. Der Fortgang der Umanerkennung wird seitens oes Reichsarbeitsminisieriums überwacht werden, um da, wo zu langsam gearbeitet wird, Abhilfe schäften zu können. Wenn alle an der Bearbeitung der Versorgung beteiligten Stellen verständnisvoll Hand in Hand arbeiten, ist von der Neuerung eine wesentliche Beschleunigung mit Sicherheit zu erwarten.

Oberschlesiens Industrie.

Aufstieg der Eisenwerke.

Aus Oppeln wird uns Folgendes berichtet: Bei den oberschlestschen Werken ist eine deutliche Besserung der Nachfrage unverkennbar. Das Preisniveau ist fester geworden, an einen toei- teren Rückgang für die einzelnen Erzeugnisse ist nicht zu denken. In vielen Fällen arbeiten die Werke Noch mit enchfindkichen Verluste«, fodaß es höchste Zeit ist, datz eine Wendung eintritt. Die Bautätigkeit auf den Hüttenwerke» bleibt noch zurückgestellt bis nach der Entschei­dung, doch spürt man deutlich, daß Bedarf vor­liegt. Die Eisenhütten fragen öfter wegen B e- triebsmaschiue« und EmrichtmWM ga