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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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NurAmer 188.

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 19. August 1921

Fernsprecher 951 »nd 952

11. Jahrgang.

Die Gegensätze in Der Entente.

Neue Gteueesragen.

Die Erfaffunz der Goldwerte.

(Bon einem parlamentarischen Mitarbeiter.)

Wenn eS darauf ankörne, mit Schlagwonon Politik und vor allem Steuerpolitik zu machen, dann würden wir um die Lösung des gegenw.lr tig uns alle beschäftigenden ginanzproblemes nicht besorgt zu sein brauchen. In der An­wendung und vor allem der parteipolitischen Ausnutzung von Schlagworten, die sich ja gar leicht zu gangbaren agitatorischen Münzen ver­wenden lassen, hat sich gegenüber den Method.m von früher auch nicht das mindeste geändert. Ein solches, gefährliches Schlagwort ist auch: das von der «Erfassung der Goldwerte". Es ist aus­gekommen auf Grund einer Denkschrift des so­zialdemokratischen Reichs - Wirtschastsministers Schmidt, der eingehende Vorschläge machte mit dem Ziel, an den Substanzwert des deutsch.".-: Volksoermögens in jeglicher Gestalt zu einem recht erheblichen Teile von Reichswegen heran­zutreten.

Aus dieser Denkschrift werden gegenwärtig in der Presse verschiedentlich Einzelheiten mitge­teilt. Daraus ergibt sich, daß der Wirtschafts Minister den gegenwärtigen landwirtschaftlichen Reinertrag mit den fünfeinhalb bis sechsfachen Friedenswert errechnet. Von dem sechsfachen Friedenswert, der auch für den städtischen Haus, besitz und für die gewerblichen und kaufmänni­schen Unternehmungen angenommen wird, schlägt der Mrtschaffsminister vor, den fünften Teil, also zwanzig Prozent, in die Hände des Reiches zu legen. Das soll geschehen durch Eintragung einer Goldgrundschuld, die mit vier Pro. zeni zu verzinsen wäre. Die Denkschrift berech­net die Grund schuld der Landwirtschaft mit 110, die städtischen Grundschukd mit 67 und den Wert der Anteile bei gewerblichen und Lmstnännischcn Unternehmungen auf 106 Milliarden Mark. Es käme somit ein Gesamtwert der deutschen Der- mögens-Snl'stanz von 285 Mlllarden heraus. Das aber wäre nur Anfangswert, denn die Denk­schrift rechnet mit einer Vergrößerung der land wirtschaftlichen Grundschuld nach Aufhebung der Zwangswirtschaft um weitere dreißig Milliar­den, des weiteren mit eine: Vermehrung der städtischen Grundschu.ld nach einer Steigerung der Mieten mit siebenundsechzig Milliarden und kommt insgesamt auf eine Schätzung der deut­schen Vermögens-Substanz von 382 Milliarden Mark. Aus dem Anfangs-Siibstanzwert, den Die Denkschrift, wie oben dargetan, mit 286 Milliar­den bei einer goldhypothekarischen Erfassung von zwanzig Prozent beziffert, würde sich ein Betrag von insgesamt siebzehn Milliarden zu Gunsten des Reiches ergeben.

Wir sichren diese Skizze ans der Denkschrift des Reichswirtschaftsministeriums lediglich zur Orientierung über das Problem an. Eine prak- rische Bedeutung rst diesen Vorschlägen niemals zuerkannt worden, da das Reichssinanzministerium von Anfang an gegen diese Pläne sich zur Wehr setzte. Das Reichs- sinanMinisierium und auch die Reichsregierung unter Führung des Reichskanzlers stehen auf dem Standpr'nkt, daß, da es mit der Uebertrag- ung des fünften Teiles der deutschen Vermö­gens-Substanz in die Hände des Reiches nicht allein getan ist, sondern gegebenenfalls, wenn die Not es erheischt, diese Werte auch veräußert werden müßten, luir hier vor einer neuen Art von Säkularisation ständen, die nicht verantwor­tet werden kann. Die Rerchsregierung ist viel­mehr der Ausfassung, daß, weil nun einmal das Reich rasch Geld braucht, andere Wege beschrit­ten werden muffen, und sie schlug daher das Bündel von Vermögensabgaben vor, die einen dauernden Charakter erhalten sollen. Die Frage ist aber noch nicht entschieden. Wenn aud) das Neichskabinett in seiner Mehrheit sich gegen die Pläne des ReichswirtschaftsMnisters und für die Anschauungen des ReichsfinanMi- nisters und Reichskanzlers ausgesprochen hat, so darf man nicht übersehen, daß der Kampf hin­ter den parlamentarischen Kulissen noch lange nicht ausgetragen ist.

Das ReichSkadinett hat in dieser Frage noch Nicht das letzte Wort gesprochen. Tie sozialde­mokratische Presse geht mit größter Schärfe ge­gen die Pläne des Kabinetts vor, und sie kommt immer und immer wieder auf den Gedanken ganz zurück, den der Recchswirtschaftsminister Schmidt in seiner oben skizzierten Denkschrift darlegt Jedenfalls müssen wir uns heute schon daraus einstellen, daß dieses Problem der Sachwert-Er­fassung das strittigste der ganzen künftigen Fi­nanz- und Steuerreform sein wird uni> daß sich um dieses Probleines und seiner Lösung willen die schwersten politischen und Varianten- tarischen Kämpfe mit all ihren kritischen Zuspitzungsmöglichkeiten wobl kaum vermeiden lassen werden. Weite Volkskreise erblicken in dieser Steuerart ein sehr gefahrvolle? Unternehmen, denn sie würde bei der Ein- schätzuna der einzelnen Vermögen zu vielen Uu gererütigfeiten führen. Sowohl in landwirt- schaftlichen als auch in kaufmännischen Betrieben

würde eine heillose Verwirrung geschaffen w.r- den, die in ihrer Wirkung ir einen Rückgang der Produktion und folglich eine Schädigung der gesamten Volkswirtschaft brächte.

Vorlage der Regierung.

Berlin, 18. August. (Privattelegramm.) Von zuständiger Seite wird bestätigt, daß unter den der Regierung vorliegenden Steuerplänen auch die Vorlage zur Heranziehung der Sach- und Goldwerte sich befinde, die zur Deckung unserer Schulden und unserer Verpflichtungen an das Ausland dienen sollen. Das Organ der Unabhängigen, dieFreiheit", fordert in ihrer heutigen Morgenausgabe, daß die Reichs­regierung die Denkschrift über die Goldwer­te in vollem Umfang zur Veröffenüichung bringt.

Die Variier Gegensätze.

Briand erwidert auf Georges Rede«.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 18. August.

Nachdem der englische Ministerpräsident sich in der oberschlesifchen Frage günstig für Deutsch­land ausgesprochen hat, äußerte sich der franzö­sische Ministerpräsident zu Pressevertretern dar­über. Er sagte u. a.: Fch fühle, offen gestanden, kein Bedürfnis, die Polemik des Obersten Rates fortzusetzen. Diese hat lange, genug gedauert. Jetzt ist die Angelegenheit dem Völkerbund, rat Überwiesen, der aus acht Mitgliedern be­steht die aöe Unabhängigkeit besitzen. Ich habe, was mich betrifft, volles Vertrauen zu ihnen. Einer bet anwesenden Journalisten unterbrach den Ministerpräsidenten und fragte ihn:Kön­nen Sie nicht einige Worte sagen, was Sie da­von halten." Briand zögerte einige Momente tntb sagte sodann: Herr Lloyd George führt mit Unrecht unsere Haltung aus die einzige Sorge unserer Sicherheit zurück. Wir sind ge­nau wie Lloyd George für eine gerechte Aus­führung des Friedensvertrages. (?) Unser Standpunkt teilt sich nur ht der Auslegung des Artikels 88 und in der Bedeutung deS Geistes, aus dem heraus die oberschlestsche Abstimmung beschlossen worden wer. Das Gutachten des Bölkerbundrates wird hierin entscheiden.

Englische Worte für Deutschland.

Rotterdam, 18. August. (Eigene Drahtmel­dung.) Der Courant meldet ans London: In der Debatte, die sich an die Rede Lloyd Georges über die auswärtige Politik Englands anschlotz, führte Oberst Moore aus, daß nach dem Willen deS ganzen englischen Volkes Oberschlesien zu Deutschland gehöre und daß Lloyd George von dieser Politik nicht abweichen dürfe. Das Recht Deutschlands auf Oberschlesien sei so gewichtig, daß die Verletzung dieses Rechtes selbst in England Unruhe schaffen würde. Eng­land habe längst aufgehört, Deutschland als Feind anzusehen. (?) Die Rede Moores rief den stürmischen Beifall der ganzen Koalition herbei.

Französische Befürchtungen.

Paris, 18. August. (Eigene Drahtmeldung.) DerTemps" wendet sich gestern gegen die von Llovd George in der Unterhausrede begründete Anschauung, daß bei Völkerbund das Recht hät­te, irgendein Tribunal einzufetzen, um die ober- schlesische Frage zu entscheiden, denn dadurch würden die Rechte der alliietten Mächte vollstän­dig preisgegeben werden. Es wäre ein schwerer Konflikt zu befürchten. Man müsse sich der Ent­scheidung von vornherein beugen. DasJour­nal de Debats" glaubt, daß sich der Völker­bund von dem Ergebnis der Abstimmung in Oberschlesien leiten lassen werde.

Deutschlands -Zahlungen.

Die Engländer gegen Frankreichs Habgier.

(Eigener Drcchtbericht.)

London, 18. August.

TerDaily Telegraph" beschästigt sich mit der Konferenz der Finanzminister in Paris und er­kürt, daß eS in England und den alliierten Län­dern nicht geringe Ueberraschung erregte, daß Frankreich seine Unterschrift unter die Beschlüsse der Finanzkonfercnz verweigern wolle. Das 8Ratt erinnert daran, daß Frank­reich taftächlich dreihundert Millionen Goldmark für seine Besatzungskosten durch deutsche Ratttralleistungen erhalten habe, die es zurückerstatten müsse; dieser Mehrbetrag solle Frankreich von den übrigen JahreSzahlungen ab­gezogen und England überwiesen werden. Wenn

sich Frankreich dagegen wende, daß die Saar- ko h l e n als deutsche Naturalleistungen gebucht werden, so vergesse eS, daß durch das Abkommen von Spa, das derDaily Telegraph" als das neue Evangelium der Sachverständigen bezeich­nete, dies ausdrücklich festgelegt sei. Endlich er- Nart das genannte Blatt, daß die Konferenz der Finanzminister den Beschluß faßte, die Re­parationskommission aufzufordern, das Abkom­men zwischen Loucheur und Rathenau zu prüfen.

Bessere Beziehungen?

Die teilweise Aushebung der Sanktionen. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 18. August.

Die Londoner Blätter beschäftigen sich mit der bevorstehenden Beseitigung der Rheinzvll- grenze. Nach ihrer Meinung erscheint die Be­fürchtung, daß die Bedingungen für die Auf­hebung der wirtschaftlichen Sanflionen den bis. herigen Schikanen einen neuen Weg eröffnen könnten, unbegründet. Auf Grund von Erkundigungen an maßgebender Stelle ist festzu­stellen, daß die K o m m i s s i o n für die Prüfung der deutschen Zollpolitik nach englischer Ansicht dazu berufen ist, die Ausführung der Artikel 264 bis 267 des Friedensvertrages zn überwachen. Die Kommission wird Vertreter Englands, Frankreichs, Belgiens und Italiens enthalten nnd deutsche Vertreter zur Mitberatung heranziehen. Der Sitz wird wahrscheinlich Koblenz sein. Bisher war die Tätigkeit dieser neuen Kommission eine Teilarbeit der Rhein- landkommission. Die englische Regierung er­wartet davon keinerlei Unzuträglichkeiten.

Die zwecklose Rheinzollgrenze.

Rotterdam, 18. August. (Eigene Drahttnel- dung.) LautCourant" bestätigte Chamberlain im brittschen Unterhaus, daß die Rheinlandzölle den Alliierten keine Vorteile gebracht ha­ben. Die Einnahmen seien zwar um fünfzehn Prozent höher als der Voranschlag gewesen, da sie aber auf die deutschen Reparationsleistungen verrechnet würden, seien sie ohne Einfluß auf die Einnahme für Wiederguttnachungszwecke.

Die schwarze Schmach.

Avsschreitnngen der farbigen Franzosen.

(Privat-Telegramm.)

Dicz an der Lahn, 18. August.

Hier wurde gestern abend eine Polizeipa­trouille plötzlich auf Hilferufe einer weiblichen Person aufmerksam und konnte hinzueflend fest­stellen, daß ein farbiger französischer Soldat ein Mädchen überfallen, zu Boden geriffelt und eben dabei war, es zu vergewalttgen. Bei dem Erscheinen der deutschen Polizeibeamten er­griff der Soldat die Flucht, konnte jedoch festge­nommen werden. Er griff dabei mit blanker Waffe die deutschen Polizeibeamten an, doch wurde er niedergeschlagen nnd dann der franzö­sischen Behörde Übergeben, die die weitere Der. folgung der Angelegenheit in die Hand genom­men hat. Dieser Vorfall ist innerhalb vier Wochen bereits der fünfte unsittliche Angriff, der hier durch farbige Soldaten verübt wurde.

Gegen polnische Ausrührer.

Warnungen der Engländer. (Privat-Telegramm.)

Breslau, 18. August.

Die englischen KreiskontroLeure haben veröffenüichte polnische Hetzaufrnfebe- schlagnahmt Die Kommandobehörden der englischen Truppen haben eine im energischen Ton gehaltene Warnung vor einer neue« Erhe­bung erlassen. Der Kontrolleur der englischen Truppen hat für den von den Engländern besetz, ten Teil des Aufstandsgebietes die sofortige Auflösung der Einwichnerwehren verfügt. Ein entsprechender Bericht an die ntteralliierie Kom­mission in Oppeln ist erfolgt. In dem Bericht wird der Nachweis geführt, daß ein erneuter polnischer Putsch in Kürze unvermeidlich ist, wenn nicht diese Sammelstellen der Insur­genten baldigst unschädlich gemacht würden.

Fremde Auffassung.

Amerikanische Betrachtung über Deutschland em drutswer Prrffevertrerrr hatte eine Unter- redrrng mit <pro,eg»r Soor au« Rewtzork, einen» früheren Deutsehenfeind, der jetzt eine Studien- reise butd) Deutschland unternimmt. An« seinen SieuBerunflen ist ,N entnehmen, daß der unter einseitigem Vorurteil stehende Amerifaner feine Meinung in mancher Hinsicht geändert hat

Prof. Coat erklärte: .Die Wirkung des Frie- densvertratzes auf Deutschland beurteile ich als höchst schädlich und mit Beziehung auf die ganze, künftige Weltlage als äußerst bedenklich. Ich mache durchaus fein Hehl daraus, daß die gegen­wärtigen, sich aus dem Friedensvertrag ergeben- den Zustände in mindestens vier Hauptpunkten ab geändert werden müssen, ehe überhaupt an eine Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts bei den führenden Völkern der Welt gedacht werden kann. Die vier Punkte, die sich einem jeden vorurteilslosen Beobachter je länger je mehr aufdrängen müssen, und die sich auch mir aufgedrängt haben, trotz der Stellung, die ich vor dem Kriege, während des Krieges und auch beim Friedensfchluß eingenommen habe, sind die folgenden: 1. Abschas fnng der Sank­tionen. 2. Abschaffung des Ausfuhrzolles, 8. baldmöglichste F r e i g a b e der besetzten Gebiete, 4. schleunige Regelung der oberschlesischen Frage und zwar so, daß mindestens das indu­strielle Gebiet dem Deutschen Reich zugeteilt wird. Die öffentliche Meinung der Welt ist für Deutschland nicht günstig. An Amerika herrscht die Auffassung, als ob Deutschland, statt den Friedensvertrag zu ersMen, ihn aitf jeglich: Weise zu umgehen bestrebt gewesen wäre. Man hat sich gar keinen Begriff von den Schwie­rigkeiten gemacht, mit denen die deutsch« Reichsregierung sich adzuftnden hatte, besonders nicht von der

völligen Umwertung

aller früheren wirtschaftlichen Zustände. Mit be­dingungsloser Bestimmtheit darf ich hoffen, daß nun die jetzige Stellungnahme Deutschlands in bezug auf die Erfüllung des Ultimatum- einen sehr günstigen Eindruck in Amerika ge­macht hat. lieber die europäischen O st f r a g e n, soweit Deutschland in betracht kommt, hat sich noch kein Urteil in Amerika herausgebildet. Posen. Westpreußen ufto. sind dem Amerikaner unbekannte Größen. Für Polen besteht noch immer eine gewisse Sentimentalität» dis darauf beruht, daß der Amerikaner das Polen- tum in Kosciusko, Paderewski ufto. verkörpert sieht. Der polnische Vorstoß jedoch gegen Wilna, und ganz besonders die Korsanty-Geschicht» ha­ben keinen guten Eindruck in Amerika gemacht. In Amerika hat man im allgemeinen kein Ver­ständnis für die ungeheuren Schwierigkeiten, die durch den polnischen Korridor entstanden ftnlb. Rein politisch betrachtet, erscheint die Trennung des deutschen Gebietes durch den polnischen Kor­ridor als ein Unding. Das in Deutschland herr­schende Gefühl in bezug auf die W i l s o u s ch e Politik der vierzehn Puntte hat durchaus keine ^Berechtigung. (?) Wilson meinte es ernst mit feinen vierzehn Punkten, da er aber in der Veröffentlichung dieser Punkte weder das ame- rflanische Volk, noch die Regierung als ein Gan­zes Vertrat und auch nicht Vertreten konnte, wie man in Deutschland angenommen hat, so war diese PMtik eben nur eine Politik, die einzig und allein durch die Macht seiner Persönlichkeit hätte durchgefetzt werden können. In Amettka scheint die Ansicht mehr an Boden zu gewinnen, daß ohne eine wirtschaftliche Wiederherstellung der europäischen Länder Amerika selbst kaum auf bessere Zeiten für sich hoffen darf. In den Ver­einigten Staaten liegen die

wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht.

Die Industrie liegt bei uns fast brach, die Zahl der Arbeitslosen steigt auf eine unerhörte Weise, und wenn nicht bald eine Aenderung in den ganzen wirtschaftlichen Verhälmissen eintritt, so wird das amerikanische Volk im Laufe dieses und des kommenden Jahres Verluste zu ertragen haben, denen gegenüber seine eigenen Kriegs­schulden nur eine Kleinigkeit bedeuten. Die Be- fchlagnahme von Pttvatbesitz hat man als eine zeitweilige Kriegsmaßregel entschuldigt. Aller- dings regt sich hier und da in gewissen Streifen Amerikas das Bestreben, aus dieser Beschlag­nahme Nrtt en zu ziehen. Man hört jetzt vielfach das Wort ..Amerikanisierung" der Jndusttie spre­chen. Ir. diesem Fall.« würden aber den deut­schen Teilnehmern die beim Treuhänder nieder- gelcgten Summen wiedererstattet werden. In Amerika fürchtet man die auf Grund des deut­schen Erfüllungsprogramms eventuell entsetzende Konkurrenz Deutschlands, und aus dieser Furcht ergibt sich die neue Tarifpolitik. bei der man deshalb solange verharren wird, als diese Furcht von gewissen Interessenten wach gehalten werden kann. Die Einwanderungs­sperre ist verlanat worden, weil der Ameri­kaner sich klar darüber geworden ist, daß fein eigenartiges Volkstum schwer bedroht worden ist durch die übermäßige Einwanderung von Men­schen, die für dieses Volkstum noch kein Verstand-