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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952

Mittwoch, 17. August 1921

Nummer 186.

Fernsprecher 951 und 952

Di, gaff der Neueste» Nachrichten erscheine« wöchentlich 1ed)«mal unb groat a b e n b «. j,n abotmemeattotei« betragt monatttch 6.80 Mart bei freier Zastellun? inä HauS «u«- rotit5 vurch die Poft bezogen MO Mark monatlich einschließlich Zuftellmtg. B^ellrmge» werben lederz.-U von der «eschäftrstelle ober ben Voten entgegengenommÄ. Druckerei, Verlag imd «edattton . Lchlachihosstrabe 28/80. Für unoerlangt eingesa-'bte Beiträge tau» die «ebaktion eine Verantwortung oder Sewahr in reinem Falle übernehmen. Ruchahlung be« BezugSgelde« ober Ansprüche wegen etwaiger nicht orbnungemühiger Lieferung aurgeschloften.

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Düstere Zukunst für die Entente?

Dieeanhionen"

teilweise Aufhebung zum 15. September.

Nachdem der Oberste Rat der Alliierten in der v«berschlifischen Frage seine Ratlosigkeit be­wiesen hat, ist wenigstens em Beschluß der letzte der Tagung mit teilweiser Befriedigung zu quittieren. Me Wir durch Drachimeldung berichteten, ist in Paris beschlossen worden, die wirtschaftlichen Sanktionen vom. September ab aufzuheben, vorausgesetzt, daß Deutschland seine am 31. August fällig wer deuden Verpflichtungen erfüllt uno die Aufhebung der Einfuhrbeschränk­ungen verfügt. Dieser Beschluß ist am Tage nach der Abreise Lloyd Georges gefaßt worden, als noch der britische Außenminister Curzon ars Englands Vertreter anwesend war. Curzon hatte beantragt, daß die gesäurten Sanktio­nen, also der wirrschaftlrche und militärische Zwang beseitigt lverden sollteir, aber der franzöi- sische Wiederausbauminister Louchjeur, ebenso der Ministerpräsident Briand erklärten, Frankreich könne vorläufig auf die militärischen Sicherhei­ten nicht verzichten. Da man leider gewohnt ift, daß die haßerfüllten Franzosen fast immer ihre ! Willen durchsetzen, so nimmt es auch nicht wunder, wenn der englische Antrag keine Mehr­heit fand.

Was mag England bewogen haben. Deutfch- land eine Erleichterung schaffen zu wollen? Zwei Gvünve sind dafür maßgebend: die eng- llsche Politik bezweckt, nach außen den Anschein ',u erwecken, als erstrebe cs die Wiederherstel­lung eines Zustandes der Gerechtigkeit, anderer seit- ist es die nüchterne Erwägung, Deutschburd nicht so sehr niederzachaWen, daß es zur Erfül­lung seiner Verpflichtungen unfähig würde. Die geschäftsmäßige Berechnung gibt den Ausschirg. Recht oder Unrecht ist Nebensache. England so­wohl wie Frankreich wissen beide genau, daß die Zwanasmaßncchmen ein schreiendes Unrecht gegenüber "Deutschland sind. Urifprünglich wa­ren die »Sanktionen- nur ein Drohnnttel, nut dem uns das Londoner Ultimatum aufgenöttgt wurde, und obwohl die deutsche Regierung oas Ultimatum angenommen hatte, wurde d o ch der Zwang angewendet, der solange best'yen bleiben sollte, bis Deutschland gewisse Ver­pflichtungen erfüllt halbe. Mit äußerster Nachgi- bigkeit ist es der Reichsregierung gelungen, die feindlichen Blutsauger vom guten Willen ,u überzeugen, daß sie den Befehlen getreulich fol­gen will Es hat der Anspannung aller Nerv>n bedurft, um die großen Lasten, die uns der Ver­sailler Vert.ng und nachträgliche Bestimmungen auferlegen, zu den festgesetzten Terminen abzu- iragen.

Ter jetzige Beschluß soll eine Anerkennung dafür sein. Loucheur sagte, in Anerkennung des guten Willens, den das Kabinett Wirth gezeigt Ijial&e, fei Frankreich bereit, der Aufhebung des wirtschaftlichen Teils der Sanktionen znznstim- men. 58 c bi n g it n g ist, daß bis Ende dieses Monats eine Milliarde Go Id mark an die Alliierten gezahlt ist und daß die Waren der Alliierten nicht mehr in Deutschland boykottiert werden. Das al-fio ist des Pu­dels Stern. Frankreich würde sich noch nicht so bereitwillig gezeigt haben, hätten die französi­schen Handeltkreise nicht dahinter gesteckt. Durch das Einfuhrverbot gegen gewisse französische Waren und infolge des Boykotts der Feind­bundwaren bei den deutschen Verbrauchern hat die französische Ausfuhr so großen Schaden er­litten, daß man jetzt klein beigibt. Die Aufheb­ung der wirtschaftlichen Sanktionen ist ein Kom­promiß. Frankreich will das Zwangsmittel nur au streben, wenn Deutschland dafür etwas bietet. Wir dagegen müssen nach wie vor fordern, daß der wirtschaftliche Zwang beding­ungslos und dazu auch der militärische Zwang, d. h. die Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort, vollkommen besei­tigt wird, denn die Sanktionen sind vertrags­widrig. Es Wird -war von Frankreich in Aus sicht gestellt, daß die genannten drei Städte von den Truppen befreit werden sollen, aber wann und ob es geschehen wird, ist eine offene Frag: Zu solchem Mißtrauen sind wir umso mehr ve- r-ch-tigt, als die wirtschaftlichen Sanktionen er am 15. September aufgehoben werden sollen, ob­wohl das ebenso gut heute geschehen könnte.

Werden wir wirklich von dieser Kette befreit, io ist das für Deutschland immerhin von großer Bedeutung, denn damit verschwindet die Zollmauer am Rheiu, die eine Erschwo- rung des deutschen Handels im eigenen Land: war, da die Waren, die aus dem unbesetzten Deutschland ins besetzte Gebiet gingen, verzollt werden mußten. Der Beschluß des Obersten Rais ist al? eine Milderung zu begrüßen. Di: deutsche Regierung wird sicherlich $it einem Ent­gegenkommen bereit sein und das erwähnte Einfuhrverbot mäßigen. Es ist sehr zu über­leben, ob Deutschland allen französischen Waren, also auch den Lnrusartikeln, die Grenze öffnen soll. Durch eine uneingeschränkte Einfuhr wird Deutschland mehr Schaden als Nutzen haSen,

da der Abfluß deutschen Geldes wieder nacht ei- lig auf unsere Valuta wirken würde, die ohne­hin schon infolge der bevorstehenden Teuerung und Lohnkämpse ein bedauerliches Sinken wird erleiden müssen. Das »Loch im Westen* wäre dann wieder offen Die Zeit bis zum 31. Aivgust wirb voraussichtlich zn. Verhandlungen zwilchen der deutschen Regierung und den Alliierten be­nutzt werden, denn Deutschland muß auch sor >ern, daß die geplante alliierte Kontroll­kommission nicht eingesetzt wird. Erst dabei kann sich zeigen, ob Frankreich wirklich bei Willen hat zu einer Verständigung zu gelanKm, die auch Deutschland das Recht zum Aufatmr.r zuerkennt. F- ür-

Deutschland wird pünktlich zahlen.

Berlin. 18. August. (Privattelegramm.) Die volle Milliarde Goldmark wird am 31. August, vielleicht auch schon einige Tage rüher, voll gezahlt sein. Aus Paris wird ge­meldet: DerTcmpS" bespricht die Aufhebung der wirtfchaftlichen Sanktionen. Bemerkenswert t dabei das Eingeständnis deS Blattes, daß die tzt verschwindenden Zollschranke« am Mein wenig Flüchte für die Alliierten trugen.

Gegensätze in der Entente.

Dor weiteren Schwierigkeiten.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 16. August.

Im Unterhaus- wurde gestern angekündigt, daß Lloyd George heette Erklärungen über die Verhandlungen in der Pariser Konferenz über die oberschlefische Frage im Unterhause abgeben werde, wielleicht auch noch über andere Frage«. Lloyd George ist bei seiner Rückkehr von einem Vertreter desManchester Guardian« be­tagt worden. Der Premierminister gab nur eine kurze Erklärung. die von den bevorstehen- ben weiteren Schwierigkeiten zwischc« den Alliierten handelte und die mit de« Worten schloß: Ich sehe die Zukunft durchaus düster an, wenn nickst zwischen den Alliierten, die sich zum Siege verbündet hatten, dasselbe Vertrauen zu herrschen beginnt, das sie während deS Krie­ges stark und erfolgreich gemacht Hal.

Um ObersHleflen.

Berlin, 16. August. (Privattelegramm.) Da« ReichSkabinrtt ist für heute 10 Uhr vor­mittags zu einer neuen Sitzung ewberufen. Es verlautet, daß auch' die neue Sitzung sich mit der durch die Pariser Verhandlungen ge- schaffene Lage in Oberschlesien befassen soll. Aus London wird berichtet: Lloyd George er­klärte im Unterlaufe, daß den Vertretern Deutfchland« und Polens zweifellos Gelegenheit gegeben werde, ihre Sache vor dem Völkerbund z« vertreten. Dem japanifchen Botschafter, bem Borfitzcnben deS Völkerbund- tatet, war es bisher nicht möglich, die Mitgkie der sämtlich telearaphisch zu erreichen. Alle bis- berigen Nachrichten über den Zufammenttitt deS VSlkerbnnbsrats an einem bestimmten Tage sind zwar verfrüht, dock dürste wahrscheinlich am 25. August dieser Rat zusammentreten.

Keine Entscheidung in Aussicht.

Rotterdam. 16. August. (Eigener Dnchtbe richt.) Der Courant meldet aus London: Dre Oberschlesifche Frage wird sicher auch in Gens noch nicht enttckieden werden, denn die Be- scklüffe oes Völkerbundsrates müssen einstimmig sein, unb das ist bei Frankreichs Haltung imS- geschloffen. Darum bleibt die ganze oberschle­sische Frage in bet Schwebe.

Am Rußlands Schulden. «ngttsch-franzSfifche Ansetnonderfehnng.

(Eigener Drohtbettcht.)

Paris, 16. August.

Die französische Regierung veröffentlicht den Schristwechfel, den fie mit der Londoner Regie­rung in der Fraae der russischen Anleiheschulden hatte. Am 25. November 1920 hat Frankreich den Grundsatz aufgestellt, daß die Frage der Handelsbeziehungen und dic'enige der russischen Schulden nicht unabhängig voneinander behandelt werden können. Franzö- fifdjerfeit« wurde daran erinnert, daß im Fe­bruar 1918 die Vertreter von vierzehn Entente­mächten unb sechs neutralen Staaten auf diplo­matischem Wege in Petersburg gegen die Abnn- derung der russischen Anleiheschulden oder deren Konfiskation protestierten. Im März 1921 hat Lloyd George >m britischen Unterlaufe die Son­derrechte Frankreichs auf das Guthaben in Rußland anerkannt und versichert, daß England Frankreich bei einer allgemeinen Erör­terung dtefer Frage unterstützen werde. Im Aprll und Mai protestierte Brianv gegen gewisse Be-

timmlmgea de« englisch-russischen «b- omme«S vom 18. März 1921, besonders be- züSich der eveutucllen Verwendung beS Goldes der Staatsbank seitens der Sowjetregierung, so. wie über das Eigentum der Ausländer. Die brv tifche Regierung stimmte Frankreich zu uub stell« fest, daß England keinerlei Maßnahmen zu tief- srn beabsichtigte, um Gold oder Kapitalien zu be­schlagnahmen, abgesehen von Gegenständen, die das Eigentum der englischen Regierung seien.

Folgen der Teuerung.

Forderungen des Deutsche« Dcamtenbundes.

(Pnvat-Telegramm.)

Berlin, 16. August.

Eine Tagung des Deutschen Beamtenbundes hat am Montag in Berlin begonnen, die stch nach Scheitern der Verhandlungen mit den Ge­werkschaften mit der Aufstellung eigener Gc- haltsforderungen zu beschäftigen hat. Zunächst wurde ein Ausfchuh eingesetzt, der am Dienstag Bericht erstatten soll. Bundesdirrktor Völker kam in seinem Bottrage zu dem Schluffe, bafl die ursprünglichen Forderungen der Beamten ansrecht erhaltrn und energisch durchgesetzt werden müßten. Am heutigen Tage dürste es bei der Erötterung bet Besprechungen mit ben freien Gewerkschaften zu Mrmischen Auseinandersetzungen kommen.

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Die Gieuergrenzr.

Berlin, 16. August. (PrivattÄegrarmn.) Die Unabhängige« haben im Reichstag den Antrag eingebracht, daß das steuerfreie Existenz­minimum, angesichts bet neuen TeuerungS welle auf zwanzigtmrsend Mark festgefetzt wirb.

Die irische Streitfrage.

England unb Irland vor der Entscheidung (Eigener Drahkbericht.)

London, 16. August.

Durch die Veröffentlichung des Schriftwecy- fels zwischen Lloyd George und de Valero tff jeder Zweifel darüber behoben, daß Lloyd Ge­orge Gründe hatte, am Freitag Paris zu vrr- ltzffen. Er mußte die Antwort an de Valero so reckstzeittg versoffen, die die nationalen iri­schen Abgeordneten, die am heutigen Dienstag zusammentreten, noch zwei Tage zum Ueberlegm hatten. Die Bedeutung des Beschluffcs, der heute z« faffen ist. greift weit über die Grenzen Groß-Britanniens hinaus. Die Zivil- und Mi­litärchefs Md bereit« noch Dublin zum VizekS- nig berufen worden. Ebenso find die Generäle der engttfchen Stteitkräste in Irland zur Knbi- nettSfitzung nach London gerufen worden. In nerpolitifch bedeutet die heutige Entscheidung sür England, wenn fie negattv ansMt, allgemelie Neuwahlen. Der Lordkanzler hat im Oberhause mit Bestimmtheit gesagt,, jedermann in England bis tief in die konservative Richtung hinein, wünscht heute die Einigung mit Irland.

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Das neue Sren-üXartamem.

London, 16 August. (Eigener Drahtbericht.) Die heutige Eröffnungssitzung der Sin ns ei- nerparlamentS ist öffentlich. Die eigent­lichen Verhandlungen über die Vorschläge bet englischen Regierung sollen erst om Mittwoch be- ghnten. Diese Sitzung werde streng geheim sein. Die Sitzung wird im Rathaus von Dub­lin abgehalten. Das Dmnstinerparlament De« steht aus 140 Mitgliedern, von denen 14 lan­desabwesend find. Man erwattet, daß die übri­gen 126 Mitglieder vollzählig erscheinen. Zu der öffentlichen Sitzung herrscht großer Andrang des Publikums. Man spricht fetzt davon, daß die Sinnfeiner als möglichen Ausweg eine Bolksabfiimmnna in Irland vyrfchlagm werden. Die Aussichten der heute beginnenden Tagung in Dublin werden fehr verfchieden de- urtclit. Lloyd Georges und de Baleras Stand­punkt stehen fcharf einander gegenüber, fodnß eine gütlich« Vereinbarung ausgeschlossen fei« würde, wenn nicht auf Seite« der Ire« die par- lamentarifche Lage durchaus unNar wäre.

Wettere «eldstSndigseitssorberunsen.

Rotterdam, 16. August. (Eigene Draht- meldung.) DemDaily Expreß" zufolge verlan­gen die Irländer außer dem eigenen Parla­ment auch eigene Ministerien und die Befetzuug aller irifchen «erntet durch Irländer Die om Montag uuterbr-chencn Befprechungeu werden am Mittwoch fortgesetzt.

Die Teuerungswelle.

Rene Forderungen der Beamten.

3afelge bet BeOotftcfyenbcn leuetuug, Me fick auf da« gange ErnshrUngsgedte« uno daeübe- Mnau# au«judehneu droht, find bereit» Lari,'- »erhandtuugen der Reich», und Gemeinde- Dearnten begonnen worden. Darüber liegt der nachfolgende Bericht au» Berlin »er.

In einer in Berlin tagenden Konferenz der Spi(Neuorganisationen der deutschen Reichs« l ander- und Gemein de beamten, sowie der großen gewerkschaftlichen Orgaur. a t i ß n e n wuche ein gemeinsames Vorgehen der Gehalts- und Lohnempfänger herbeizusüh- icn versucht Die drei großen Eisenbahneror- ganifatiouen- der Allgemeine Deutsche Eisen- vahuerverband, die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner und Staatsbedieusteter und der deutsche Eisen babnevrerband hatten in vorauf- gegangenrn Verhandlungen eine Einheitsfront geschaffen, während die vierte Eisenbahnergroß- organisation, die Reichsgewerkschast deutscher Eisenbahnbeamten und Anwätter diesem Bünd­nis zunächst nicht beiireten konnte, Weil fie ver­pflichtet war, die Entscheidung ihrer Spitzenvr- gauisation, des Deutschen Beamtenbundes, ab- zuwatten. In den Verhandlungen verlangte um» die Beseitigung aller Unterschiede in den jetzigen Teuerungszulagen und in den Zuschlägen zu den Kivderzusihlägen, wie sie durch die Äktto^ nett im letzten Januar entstanden waren. In der Hauptfrage, ob eine Abänderung des Grund­gehaltes de: Beamten verlangt, oder eine Er­höhung der geltenden Teuerung^- und andere Zuschläge verlangt werden sollte, und ob der Grundlohn der Arbeiter erhöht oder auch hier das Znschlagssystem beibehalien werden sötte, kam es zu außerordentlich lebhaften Debatten. Der Deutsche Beamtenbund verttai den Standpuntt, daß eine Erhöhung der Grundge- kälter und der Grundlöhne für seine Mitglie­der durchaus erforderlich sei. Die Verteter der gewerkschaftlichen Organisationen wies:« oaaeacn daraufhin, daß eine derartige Erhöh­ung der Gehälter unb Löhne eine Abänderung des Besoldungsgesetzes notwendig mache unv nur durch das Parlament nach langen Erör­terungen möglich sei. Diese Aktion werde aus aesetzestechnischen Gründen sehr langwierig ft in. während Beamten und Arbeitern nur nut schleuniger Hilfe gedient sei. Man müsse des­halb an dem nicht gerade schönen System der Zulagen und Zuschläge zunächst festhalten, da

auf bem Wege des Etatgesetzes diese Hilse verhältnismäßig sehnell kommen könne. Gvtmdsätzlich sei eine Erhöhung der Grundgehälter und Gr und lohne an- zusttsben, und deshalb wolle man die bevor« bestende Aktion der Gehalts- und Lohnempfän­ger in mehrere Etappen teilen. Gegenwärttg fei n och gar nicht ab tuschen, bis zu welchem Grade die neue TeuerungÄvelle sich auswirken werde, und man müsse deshalb der Regierung, wenn sie die Zitstimmung zu prinzipiellen Echöhungcn der Gehälter und Löhne geben sollte, genauestes Matenal überreichen, um diese Forderung zu stützen. Man wolle im Oktober etwa der Re« gierung Material unterbreiten, um dann zu Be­ginn des neuen Jahres über die grundsätzlich:« lSrhöhunge« verhandeln z« können. Zunächst wolle man den AntragausErhöhungoer Zuschläge stellen. Nach langen Debatten schlossen sich die Vertteter des Deutschen Denm- tenbundes diesen Erwägungen an. Der Allge­meine Deutsche GewerkschastSlmnd, der Gewerk­schaftsbund und der GewerkschaftSrina brachten bann bie Forderungen zum Borttag, die sie ms unerläßlich ansehen. Danach verlangen sie für die Arbeiter eine Zulage von 1.50 pro Stunde oder eine Erhohnnq des Gesamtlohnes um 3600 Pro .Fabr. Für die Beamten sollte nach dem Vorschlag der genannten Orgcv- iitfationcn ebenfalls eine Teuerungszulage von 3600 M gkeickmäßig für alle Kategorien erhoben werden, wobei dieser Betraa audt als .peo- sionsfäbig" betrachtet werden sM. Der Deutsche Gewerks'chaftsbtmd konnte sich mit, diesen For­derungen nicht einverstanden erklären, sondern forderte und so

scheiterte die geplante Einheitsfront

für seine Mitglieder einen Zuschlag von 850t M jährlich gleichmäßig für ave Beamienkatego- rien. Die änderen Organistttionen erhoben ge­gen diese Forderung Einspruch, die allseittg als zu hoch gespannt betrackie wurde. Um einen Älbbruch de: Verhandlungen zu vermeiden, cinigie man sich dahin, eine Kommission zu bil­den, in der Vertreter aller Organisationen faß n und in der man auf dem Wege des Kompromff- ses sich entgeaenkommen wollte. In dieser Kom­mission gaben die Verirrter de? Deutschen Be amtenlnrndes zun-ättst nach und einigten sich auf eine Fordermcg von 3600 X Als dann das Plenum wieder zusammentrat, erhoben die zahlreichen anwesenden Vertreter der Beamt enor- ganisation jedoch Einspruch, und der Deutsche Baamteubund erklätte nunmehr, daß er für feine Mtgsteder eine Mindestforderung in Höhe von