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Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang

Dienstag, 16. August 1921

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 185

Aushebung der rvirkschastlicheu Sauktiouen

Das oberschlefische Problem. 3m die Tuberkulose.

Baldige Besprechungen des BötterbnndraLes. Wieder polnische Angriffe.

Paris. 15. August. «Eigene Drahimeldung.) Die Sitzung des Bölkrrbundsratö über Lber- fchlesien so» auf den 22. August angcsetzt wer­den. ES ist noch nicht bestimmt, ob die Sitzung in Paris od-r Genf statifinden wird. Polen soll ringeladen werden, einen Vertreter für die Sondersitzung zu schicken, auf der über die obcr- schlesische Frage verhandelt wird. Deutsch­land soll eingcladen werden. Mitglied des Völkerbundes zu werden und alS soltzres einen Vertreter zu entsenden. Der gegenwärtige Prä­sident des Völlerbundtntes, der Fnpnnrr Jsstiy. hat sich mit dem Gcneralsckretariat des Völker­bundes in Genf in Verbindung gesetzt, um im Einverständnis mit ihm das Datum und den Ort zu bestimmen. Fshiy hat weiter dem Wunsch Ausdruck gegeben, zuvor noch einige seiner Kol- legen im Bölkerbundsrar z» befragen,von dencn sich die meisten aber in Ferien befinde«.

(Entscheidung, die ihm in dieser Hinsicht gemäß Artikel 88 deS Vertrages von Versailles obliegt, vertagt. Der Oberste Rat ist sicher, daß die Be völlerung Oberschlesiens die Gesinnung zu wür­digen wiffen wird, die ihn dazu geführt hat, eine überstürzte Lösung abzulehnen Im übrigen wird nichts unterlasten werden, damit dieser ünf schub so kurz wie möglich ist. Der Oberste Rat rechnet fest darauf, daß die deutsche Regie­rung ihrerseits das deutsche Volk auffordcrn wird, biS zur endgültigen Entscheidung die größte Ruhe zu bewahren und gleichzeitig ihren ganzen unmittelbaren und mittelbaren Einfluß auf die Bevölkerung Oberschlesicns auS- ttben wird, damit diese die Autorität der Inter­alliierten Kommission achtet. Der Oberste Rat lenkt insbesondere die Aufmerksamkeit der deut­schen Regierung ans die schwere Verantwortung, die sie auf fich laden würde, wenn sie es unter­nehmen sollte, auf ihrem Gebiet, insbesondere an den Grenzen Oberschlesiens Maßnahmen zu tref fen, die darauf abziclen, die Unruhen in dem Abftimnlungsgebiet zu fördern, oder wenn sic nicht jede Zufuhr vor« Waffen und Munition und jeden Urbertritt von Banden oder Bewaff­neten streng umerbiudet. gez.: Briand.

gung werde die Zurücknahme der fran­zösischen Truppen aus dem Abschnitt Düsseldorf besprochen werdew

Inf er tionipretfe-. a) etntjetmtttSe »uftragt: lie etafpattiae Stn«tgen-3etU 9R. L», Me etofpaltlge flenameiette M. 3.-. b) «utroartige äUtittige: Die k^lvaltt«« A»z-ts--u«n° «l 15ti bi* «nfpattigt SettamewU TL Mo. alle» einfäBeSltd) ZeuerunaSaufdita« nnb «nieiaenfteuCT. Für ««eigen Bitt befonttrrts schwierigem Satz hundert Dro«enr »«Mchi-g Aür die Richti«!eil aller tratet) .vernfprecher anfgegebenen Anzeigen, atfiiabme«

baten und Platz« tarnt eine »«währ nicht übernommen werden. - Druckerei: e®la®i- tzosftrabe 28/3». SelchästLstelle: Uöluische Straße ». Telephon Nummer -toi inb 962.

GMLmng zum Auffchub.

Ermahnung vom Obersten Rat.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 15. August.

Der Oberste Rat hat dem deutschen Geschäfts- träger in Paris am 13. dieses Monats nach­stehendes Schreiben übermittelt: In Anbetracht der Schwierigkeiten, welche die Festsetzung einer Grenze zwischen Deutschland und Polen in Oberschlesien bietet, hat der Oberste Rat die

Dl« Befielet Neueileu Nachrichten erscheinen wöchentlich iechllmal and zwar oben»6. Der «bettnementeptei# beträgt monatlich 5.50 Mart bet freier K-M-vim- i»r k-u- «u«. wart* tmrtb Die Poft bezogen 6:80 Mart monatlich einschliebUch ßuftcttimg. tocfteUungen werde» ,eder,.1t von der W«fd>dft*fteUe ober cen 'Loten entgegeugenommen. $tuderei. «ertaa m» Redattiou . Schlachthosstratz« 28/8». Für unverlangt emgesandte Beitrage tann bie «ebetttem eine «erantworlmtg ober «-wahr in feinem Falle nvernchmen. Rückzad^ngdeS Bezuglgeldell oderLnlprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung suegeschloneu.

England und Irland.

Das letzte englische Angebot.

(Eigener Drahtbericht.!

London, 15. August.

Das englische Autzenamt hat am Samstag abend die gesamte Korrespondenz zwischen Llohd Georg: und de Valero veröffentlicht. Das eng­lische Angebot war folgendes: Irland erhält die Rechte eines selbständigen Dominions, ähnlich wie Kanada. Australien und Indien. Irland er. hält die Steuer- und Finanzhoheit. Es mutz allerdings an der nationalen Schuld und an den KriegSpenfloncn deS Vereinigten So- nigrerchs einen Anteil übernehmen. Irland er­hält weiter eine eigene Rechtsprechung, eigene Militär- und Polizeihoheit, das heißt eine eigene Landarmee, jedoch mit der Einschränkung, daß diese Streitkräfte der irischen Armee ün Verhältnis zu seiner Bevölkerung stehen muffen. Daneben wird eine eigene irische Bost eingerichtet. Auch daS Er­ziehungswesen, das Acker- unb Wegewesen, das Forstwesen, Arbeiter- und Arbeitslosenpflege, die öffentliche Gesundheitspflege. das Berficherungs- wcsen usw. sollen rein irisch« Anstalten sein. Alle diese Angebote werden englischerscits an die Be­dingung geknüpft, daß die englische Flotte die irische Ser und die irischen Häsen, sowie ihre ffitftc beherrschen kann. Irland darf keine Kriegs- marine haben. Auch ist Irland gehalten, für die Lustschikfahrt der englischen Regierung alle Erlcichteruugen zu gewähren.

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Irland lehnt ab.

London. 15. August. «Szene Drahttneldnng.) De Balera hat in seiner Antwort erklärt: Die Bedingungen der englischen Regierung würden Irland in einen Zustand hoffnungsloser Ab­hängigkeit versetzen und könnten deshalb nicht gutgeheißen werde« De Balera verlantzt völlige Lostrennnng. England habe kein Recht, des irische Land zu verstümmeln. Irland müffe seine eigenen xolitschen Angelegenheiten selbst regeln können. In der Antwo-t, die Lloyd Ge­orge am letzten SamStaq «ach der Ministerrars- sjtzung nach Dublin gesandt hat, erklärte der eng­lische Ministerpräsident, eine Lostrennung vom Bereinigten Königreich sei ausgeschloffen.

A!« eine der beirüblUbften Folge S-scheinnngev de« Kriege» tnuB die Serif«* gelten, d<-tz die Zahl bet Subertwlefefäne detrSitziitch gertiegea i,t. ein gelegentlicher eott tat »etter sende« ans die nacbiolgende Dettnehinng Uder da« Umfi til­gte tfen dielet »ntr«,«taten «eitzrl der Wenjchhei«.

Londoner Weilunsug.

Rotterdam, 15. August. (Eigener Drahtbe­richt.) Wix der C-ourant aus London meldet, standen bei Lloyds in Loudon am 12. August die Wetten für eine Entscheidung der Obersten Rates über Oberschlesien bis Ende August un­verändert auf drei M eins.

Sine Milderung.

Aufhebung der wirtschaftliche« Sauktko« eu (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15. August.

In der Sonnabend-Sitzung hat der Oberste Rat, wie aus Parts berichtet wird, beschlos­sen, die seit März bestehenden wirtschaftli­chenSanktionen" aufzuheben. Es wird die Bedingung gestellt, daß Deutschland am 31. August seine Verpflichtungen erfüllt, d. h. eine Milliarde Goldmark bezahlt, gemäß dem Ultimatum von London. Trotzdem soll bei dem deutschen Büro, das die Einfuhr«»- loubnis ZU eretilen hat, eine alliierte Kon­trolle eingesetzt werden, um zu überwachen, »b Deutschland die Neutralen bei Erteilung von Einfuhrerlaubnis nicht zu «ngunsten der Alliier­ten bevorzugt. Zum Schluffe der Tagung hieü Briand eine Rede, worin er feststellte, daß der Oberste Rat recht schwierige Augenblicke zu über­winden hatte, daß es aber gelungen fei, die Einigkeit aufrechtzuerhalten Die militäri. schen Sankttone» im Ruhrgebiet bleibe» vor­läufig bestehen, aber Briand versprach, in der nächsten Sitzuna des Obersten Rats auch ihre Aufhebung beantragen z« wollen.

Hat die Zurücknahme der Truppen.

Basel, 15. August. (Eigene Drahtmeldung.) Tie Baseler Nachrichten melden aus Paris, daß Anfang September in Lvntwn eine neue Ta­gung des Obersten Rates fiattsinden wird. Bis dahin würden einige der eingesetzten Ausschüffe zur Berichterstattung bereit sein. Auf dieser Ta­

la n z l e rhat unter diesen Umständen das Bedürfnis empftmgen, sofort den Prä­sidenten des Reichstages. Lobe, und den Vorsitzende a des Auswärtigen Ausschusses, bet: Abgeordneten Stresemann. zu einer Besprechung nach Berkin zu berufen. Dieses Vorgehen ist nur zu billigen, denn der deutschen Volksvertre- rnng muß unverzüglich Gelegenheit gegeben wer­dend zur Lage Stellung zu nehmen, und es muf­fen beizeiten alle Vorkehrungen getroffen wer­den, damit das Parlament über die durch die zu erwartende Pariser Entscheidung notwendig werdenden Maßnahmen sich schlüssig machen kann. Das deutsche Volk geht fürwahr jetzt einer schweren Prüfungszeit entgegen.

Die im Gefolge des Krieges ausgetretene allgemeine Schädigung der Volksgesundheit hat auch die Erkrankungen und die Todesfälle an Tuberkulose aufs neue außerordentlich stark hinaufschnellen lassen. Das gilt nicht allein für die durch die Blockade besonders geschädigten Länder der Mittelmächte, sondern auch für die der Entente angehörenden Rationen. Ein gro­ßer Teil der vor dem Kriege hn Kampf gegen bie Tuberkulose erzielten Erfolge ist wieder der. loten gegangen, und Mediziner wie Hygieniker müssen heute vielfach in diesem Kampf wieder von vorn beginnen. Von befonderer Bedeutung mb bie Verhandlungen auf dem kürzlich in Lon- oon stattgehabten internationalen Tuberku­lose-Kongreß. Der bekannte Forscher, Proseffor A. Calmetto vom Institut Pasteur in Paris, hat hier dieser Tage einen Vortrag über die bedeutsame Frage gehalten inwieweit eine Verbreitung der Tuberkulose durch anscheinend gesunde Bazillenträger erfolgt. Der Redner ging von bet Impfung mit Tuberkulin aus, die man anwendet, um eine, wenn auch latente, tuberku­löse Infektion im menschlichen Körper festzuftel- len. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, in allen Fällen, auch bei ben farbigen Raffen, mit hin­reichender Genauigkeit ben Prozentsatz von ba­zillenfreien und infizierten Individuen in ir­gend einer Familie, einer Stadt oder einem Dors, einer größeren oder kleineren sozialen Schicht zu bestimmen. So war durch Versuche während einer Reihe von Jahren bis kurz vor dem Kriege nachgewiesen worden, daß in gewis­sen Gegenden eine Infektion mit Tuberkulose nicht bestand oder wenigstens sehr selten war; dahin gehörte zum Beispiel das Gebiet der afri­kanischen Negerstämme in der Nähe des Aequa- tors, zu denen bie Zivilisation noch nicht vor- aedrungcn ist. Auf btt anderen Seite ist die Krankheit in bett großen Städten und unter den zivisisierten Völkern aller Himmelsstriche am verbreitetsten.

Nun ist eS eine anerkannte Tatsache, daß Menschen, die anS irgend einem Grunde vom allgemeinen Weltverkehr abgeschnitten waren, sich als ganz besonderes empfänglich erwiesen. Die Verbreitung der menschlichen Tuberkulös-: vollzieht sich aber durch Bakterien, unb die Ucbertragung dieser Bakterien geschieht in bet Regel burtf» an Lungenschwindsucht leidende Personen. Neue Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß als Krankheitsverbreiter solcke Personen nicht allein in Betracht kommen. Es gibt eine große Anzahl anscheinend gesunder Individuen, die dennoch von einer allerdings nur durch Tuberkulose-Impfung festgestelltcn Infektion ergriffen wird, die bisweilen Bazillen ansscheiden und so ihre Umgebung ansteSen können. Wenn sich daher Tuberkulose da iCigte, wo bisher kein Fall bekannt geworden war, so geht daraus hervor, daß die Krankheit sich durch einen sogenannten Bazillenträger verbreitet hat, bet dem Anschein nach ganz gesund wat. Es ist danach zu verstehen, daß tue Krankheit durch Reisende, Seefahrer und Handelsleute all-nah- lich auch noch denjenigen Teilen der Welt vor- drang, die in ihrer Isolierung ben wirksamsten Schutz gegen bie Ansteckung besaßen, unb bie auch keine der Tuberkulose unterworfenen Tiere beherbergten. So war es mit den malaiischen unb polynesischen Inseln, sowie mit Grönland und Lappland. In solchen noch nicht lange von der Tuberkulose ergriffenem Ländern find aber die schweren und rasch verlausenden Fälle eine Erscheinung, die man in unseren Gegenden bet kleinen Kindern beobachtet hat.

Die neugewonnene Erkenntnis macht nun freilich den Kampf gegen die Tuberkulose schwie­riger. als wenn er fich vor allem darauf zu rich- ten hätte, die Lebensweise und die nötige Ab­sperrung der Erkrankten zu regeln. Die sich daraus ergebende Aufgabe besteht darin, daS Svstem des Nachweises der Krankheit aufs ge­nauere auSzubilden. Es ist klar, daß wir nicht daran denken können, verdächtige Personen da­von abhallen zu wollen, gewisse Berufe zu er- greifen.*lrnd daß wir sie nicht hindern wollen, zu reifen ober in Gemeinschaft mit Gesunden zu leben. Aber wir müssen sie durch, Beobach, tur.g unb Belehrung möglichst unschädlich ma­chen. Danach müssen alle Organisationen, bie sich ben Kampf gegen diese Geißel der Mensch« bett zum Ziel gesetzt haben, unb bie Gesnnd- beitsbchörden aller Länder streben Auf bem Lonboner Kongreß war auch ber Schweizer For­scher Spahlinger anwesend, dessen Heiler» folge in Fällen vorgeschrittener Tuberkulose , Aussehen erregt haben. Die Diskussion, Leer sein Verfahren wurde jedoch bis zum nächsten

Die unzufriedenen Voten.

Warschau, 15. August. (Eigene Drahchteldung.) Der Minister rat har beschlossen, an die alliierten Mächte eine Note zu richten, in ber erklärt wird, daß bie Vertagung ber Lösung bet ober» schlesischen Frage Polen einen nicht wieder gnt- zumachenden Nachteil verursach«.

2n schwerster Krisis.

Die weltpolitische Lag«.

von parlameutarttcher Sette geht UH» au:- Kerlin bie nachso geube Betrachtung über Me durch das «erlagen brt a". ifer Konferenz geschaffene Vage Ul Die weltpolitische Situation befindet sich zur Stunde im Zustande schwerster Krisis! Da letz­ten Endes die Entscheidung daS deutsche Volk un- inittclbar angeht und da von dieser Entschei­dung wirtschcfMck unb politisch für Deutschland nodmere.bc alles abhängt, so müssen wir mit der harten Tatsache -echnen, daß diese schwere Krisis auch unser politisches Tun und Lasten ersaßt hat. Die Dinge in Paris haben eine unerwartete Wendung genommen. Es hat sich wieder einmal gezeigt, oatz man nie weiß, woran man mit Lloyd Ge er g e ist und was mau von feiner, taktischen Schach zögen letzten Endes zu halten hat. Wir missen es auch, welche Rc-lle schon öfter das Bedürfnis Lloyd Georges für seine persönliche Ruhe am Wochenende bei der Erledi­gung. ja sogar bestimmenden Formulierung selbst großer weltpolitischer Entscheidungen ge­spielt hat. Mit der Uhr in bet Hanb ist so man- d;er für die gesamte Wiltpolitik entscheidende Beschluß zustande gekommen, weil es Llovb Ge­orge nickt mehr paßte, noch länger den Debat­ten zuznhöreu, unb weil er sich in bie Ruhe fei­nes Landhanfes ®m Freitag begeben wollte Ein solcher verhängnisvoller Freitag war auch wieder der 12. August Die Versuche, bei den verschiedenen Frühstücks und Tiners unter vier Augen zu einer Einigung zu kommen, um bann in der offiziellen Körperschaft zum Ziele zu ge- ,\ langen, würden toir an sich gewiß mcht zu vcr- I urteilen brauchen Aber es sind doch so viele CvllMhciten über diese intimen Zusammenkünfte beffilmt geworden, di» zeigen, daß man auf der einen ober anberen Seite nicht nut bei Tee, Speck unb Spiegelei ein unerhörtes Ränkespiel zu in­szenieren versuchte, während anoererseits bie Ge­fühle derjenigen, die diese Entscheidung unmit­telbar angehl, reckt empfindlich verletzt würden. Bei einer derartigen Besprechung soll nach Pariser Blältermelbungen Lloyd George zu Bri- and gesagt haben: .Es gibt zwei Methoden, mit einer Kuh umzugehen: man kann sie mel­ken und man kann aus ihr Beefsteak machen. Ich halte di« erste Methode für bes­ser." Darauf hat Briand erwidert: »Ich auch, aber ich habe Furcht, daß die Kuh mit den Hör­nern stößt Alle Versuche aber, bei dem diver­sen Frühstück Lloyd George endgültig zum fran­zösischen Standpunkt zu bekehren, haben nichts gefruchtet. Lloyd George hat allerdings auch wieder entgegen feiner ersten nachdrücklich be­gründeten Auffassung von ber Unteilbarkeit des oberschlesischen Industriegebiets einen plötzlichen Umfall vollzogen unb bann mit feinet Zusage, diese Teilbarkeit anzuerkcnncn. fein Entgegen­kommen gegenüber Frankreich erschöpft.

Man feilschte bann tagelang über die Gren­zen, bie gezogen werben sollen, und man kämpfte auf beiden Seiten verbittert buchstäblich um je­

des Nückchen Boden. Noch einmal versuchte Lloyd George am Donnerstag den 11. August, pormittag bei einem Frühstück, Briand unb Lou- ckeur zu einer Einigung zu bringen. Alle Ver­suche nach dieser Richtung hin aber scheiterten. Mau erzählt in ber Pariser Presse, daß bu De­batten bei biefem Frühstück ungemein kaut unb lebhaft gewesen seien, so baß man bie Gespräche der Minister bt5 auf ben großen Gang bes flleb eben Stockwerks hin hören konnte. Der Pariser .Jntranstgeant" läßt bie Katze aus bem Sack, indem er mitteilt, baß bei dieser Besprechung Brianb zu einem Punkte gelangt fei, ben er nicht mehr überschreiten könne, er hätte nämlich erklärt, baß er auf bie wirtschaftlichen, militäti­schen und finanziellen Verpflichtungen Rücksicht nehmen müsse, bie Frankreichbe- reits an Polen binben. Da wäre es also heraus: bas Eingeständnis, daß Frankreich hinter dem Rücken seiner anderen Ententegenof- ftn mit der polnischen Regierung bereits be­stimmte Abmachungen über die Verteilung deS oberscklesiscken Felles getroffen hat. Man wird nicht sehlgehen in bet Annahme, baß Llovb Ge­orge b i e f e Situation (über die er aber im Grunbe auch schon vorher unterrichtet fein mußte, zum Anlaß nahm, um sich verärgert zu- rückzuziehcn Do stanb man also unmittelbar vor der Gefahr eines Bruches. Unter solchen Umständen mußte bie Zuspitzung bet Dinge in Irland für Lloyd George ein willkommener An­laß zur Abrrife fein.

Wir haben an ben Dingen, wie sie sich in Paris entwickelt haben, ein ungeheuerliches, ein brennendes Interesse Die äußerlichen, oben ge­schilderten Umstände haben für uns nur histori­sches Interesse, sie sind Beiwerk. Wir müssen aber auf das ernsteste befurchten, daß man sich letzten Endes doch wohl zu einem Kompto- m t ß zuf-nnm en finden wird, was nichts anbetee hebeuten würbe, als baß es auf bem Rücken Dentschlanbs ausgetragen würde! Wir haben nach allen bisherigen Erfahrungen Anlaß zu stärkstem Mißtrauen, Der Reichs-

Volnlsche NuhestSrer.

Breslau. 15. August. (Eigene Drahtmeldnng.) Bus Oppeln wird berichtet, daß bie englischen Tnrvpen in ihren Abteilungen fest Donnerstag im Mobilzustande fich befinben. Die pol niscken Angriffe auf die Posten, namentlich ,ur Nachtzeit, nehmen bedenklich zu. Der Koo respondent der Morningpost stellt starke Teup- penansammlrmgen jenseits der Grenz« fest.

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