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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

N«MM0. 177

Fernsprecher 951 «nd 952

Sonnabend, 6. August 1921

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Die Komödie von Washington

achtzehn Millionen Russen! einem" V»lk auf Rätzeu Ä*

Sine Dummheit größten Stils.

runp eintreten werde, und zwar i« einer Form, die den Sturz der bolschewistischen Herrschaft bedeutet. ES wird zwar neuerdings in Funk- sprüchen aus Moskau bestritten, daß der Umsan« der Hungerkatastrophe so groß sei, daß dadurch der Bestand der Regierung bedroht sei, aber man weiß ja, was man von derartigen Dementis zu halten hat. Es brodelt in dem russischen Hexen- kcffel und giftige Dämpfe steigen hier und dort ans Was Maxim Gorki als Hrlfeschrei i« die Welt gehen ließ, was Frau Gorki erzählte, mä­ren ersSMtternde Belege für die Wahrheit aller Meldungen über die Riescngrötze des Unglücks.

Saatgutes. Bon diesen Getreidemengen müßen bis zum September fünfzehn Millionen Pud »er- fügbar sein, um das größte Elend zu bekämpfen.

Um die ländkiO-r Bevölkerung zu ernähren, braucht Rußland einundvierzig Millionen Pud (betreibe, ferner siebzehn Millionen Pud für die städtische Bevölkerung und für die Auffüllung bc8 zur Steuer der ersten Rot ausgegebenen

gnferttonSpretfe-. a) 6int)etmifd>e Stuf tragt' ®te etnfpalttgt SInjttgen. Bette M. 1.SO. bte etnfpatttge Reklame,eile M. 3., b) ttuiroärttge »ufttäge: Die einspaltige Anzeigen,eile M. L50, bte einspaltige Reklame,eile m. 8.50. alles einschließlich DenernngS,Uschlag und «neetgenfteuer. stur Anzeigen mit befonbett schwierigem Sa, hundert Prozent Aufschlag Für die Richttglei» aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, baten und PlatzO lann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht­hof sirahe 28/30. SeschäsiLstelle; Kölnische Straße 6. Telephon Nummer 851 und 952.

flächlich beackert werden mußte und auch die kar. gen Niederschläge nicht tief dringen konnten. Sv bat sich Rußlaüd unter der bolschewistischen Fuch­tel seiner Straft ganz begeben. Mrd ihm nun das Ausland wirksam helfen können, und wie soll die Hilfe zu den Unglücklichen gelangen?

Hungerfahr 1891 waren siebenundneunzia Pro­zent aller Eisenbahnwaggons betriebsfähig: im Lunaeriahr 1921 sind es (noch optimistischen Sowjetstatistiken) nur siebzehn Progent!

Seschützbonner au» Kronstadt.

Rotterdam, 5. August. (Eigene Dnchtmeldung) Auz Reval wird gemeldet: In Kronstadt scheinen sich wieder ernsteEreignisse vor. zubereiten. Lian hört in Reval allnächtlich schweren Geschützdonner aus der Rich­tung Kronstadt.

politisches Schachspiel.

Die Komödie von Washington.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 5. August.

Die britische Reichskonferenz hat gestern die letzte Sitzung abgehalten und geht jetzt ausein­ander. Die Einladung der amerikanischen Regie­rung in W a s h i n g tv n hat zur Folge gehabt, daß mehrere wichtige Berhandlungsgegenstände der britischen Reichskonferenz mit erörtert wer­den konnten, so zum Beispiel die ganze Pazi- fikfrage, die dann naturgemäß in Washing­ton selber zur Debatte stehen wird. Das wich­tigste Ergebnis der britischen Reichskonferenz ist die vorläufige Verschiebung der Entscheidung bber die Beibehaltung oder den Ber- zicht eines Bündnisses mitJapan. Auch diese Frage wirr» auf der Washingtoner Konferenz zur endgültigen Erledigung lounyeu, in dem Sinne, daß die englisch-japanische Allianz durch ein Einvernehmen zwischen Eng- land. Amerika und Japan ersetzt wird. AlS Ergebnis der britischen Reichskoustrenz kann verzeichnet werden, daß der englische Mini- sterprästdent überall als Vertreter des gesamten britischen Weltreiches, also nicht nur von Groß. Britannien allein, austritt. Das hat natürlich zur Folge, daß die ganze auswärtige Politik, die in London getrieben wird, der Zustimmung der Dominions unterliegt. Lloyd George hat also in der nächsten Woche auf der Pariser Kon­ferenz die gesamten Völker des britischen Welt, reiches als Resonanz für seine Erklärungen und Vorschläge. (Siehe auch den Leitartikel. Red.)

Sur Flucht bereit?

Das herannahende Millionen-Huugerheer- (Privat-Telegi annn.)

Kopenhagen. 5. August.

Die Nachrichten mehren sich, denen zufolge die Moskauer Sowjetregierung ernstlich bedroht ist. Es ist wenig Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, daß sich die Armee der Hung-rflüchtlinge, die sich auf Moskau zu bewegt, durch militärische Maß­nahmen aufhalten lassen werde. Die Sowjetre­gierung hatdenn auch bereits Anstalten getroffen, um Moskau, wenn notwendig, rechtzeitig v er l a s s e n zu können und ihren Sitz in eine andere Stadt zu verlegen. Dadurch würde aber die Ausübung der Regierungsgewalt eine un­heilbare Erschütterung erfahren. In unterrich­teten Kreisen nimmt man an, daß in absehbarer Zeit, vielleicht schon in den nächsten Wochen, eine Umwandlung der russischen Regie-

Um Oberfchkesien.

Die Pariser Zeitungen bremsen.

(Brivat-Telegramm.)

Genf, 5. August

Süfe Pariser Presse beginnt seit Mittwoch in de» Erwartungen auf eine Entscheidung des Alliierten - Rates hinsichtlich Oberschlesien zu bremsen. DerTemps" ist bestrebt, vor einer Ueberftürzung zu warnen. Alles sei noch in Oberschlefien ungeklärt. DerMatin" schreibt: Tie Entscheidung muß aufDrängen Englands angestrebt werden, aber eS ist sehr gut möglich, daß sie doch erst in einer späteren Konferenz fallen kann. (!) AuchEcho" und Journal des Tcbats" bereite« darauf vor, daß die erwartete Entscheidung doch noch von Bor- auSsetzungen abhängig gemacht würde, die jetzt noch nicht gegeben seien. Rach den vorläufigen Festsetzungen wird in dem Alliierten-Rat zuerst die Entscheidung über die Truppensendun- gen und dann erst über die Zuteilung Oberschlesiens fallen. Die Sachverstän- digen-Konferenz zur Vorbereitung der Entfchei- düng über die »berfchlesische Frage ist am Mittwoch geschloffen worden, ohne daß sie be stimmte Resultate gebracht hätte.

Wenn man die «vorstehende Schilderung <tu8 den russischen £>unpcrq?bietcn liest, dann muß man sich über da5 eifrige Bestreben der Sowjet- Reoierung wundern, angesichts d'r meoerfchmet» ternden Wucht der Ereignisse die Lage im Lande beschönigen zu wollen. Es mag gewiß mancher­lei in den Schilderungen, die auf Umwogen aus Rußland kommen, übertrieben sein, aber wenn dir Lage, wie Moskau glauben machen möchte, gar nicht so schlimm ist, dann hätte sich doch der

Sine andere Lesart.

Riga. 5. August. (Prwattelegramm.) Stek- low, der Chefredakteur der ZeitungJs- wesüja", fordert in einem Leitartikel den russi­schen Bauernstand zur schnellsten Hil­feleistung auf:Wenn der Bauernstand der Sowretregierung bei der Bekämpfung der Hun­gersnot nicht zu Hilfe kommt, dann wird die jet­zige Mißernte definitiv auch unsere Indu­strie zerstören und Rußland wird viele und lauge Jahre ein Land der Armut und des Elends bleiben, wo die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht mehr existiert." Steklow kon- stattert ferner, daß die Panik sich selbst unter den Kommunisten ausbreite.

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Ein Volk auf Rüdem

Bilder ouS dem Hungerlande.

Die «ufmerkfantkeit DeutfwIandS tnue gegen, *Oa***a wie#» nnr nad» Weste», sondern auest na<Ä Otten gerichtet sein. Don beiden Rirbttewgew drohen Desahre» die nirhl gu gering veranschlagt werden dliefen Heber die griHe rilfgsch« Hunger, «a-astroph« gibt die «achfolAnd. «WA tung wertere, sehr dcachtenowerte Anssihliiffe. Der Umfang der russischen Hungerkatastrophe aus einem Kartogramm hervor, das nach »mstellen Sowsetmelduugen entworfen wurde. Bon der Mißernte ist nämlich fast dieselbe Strecke wie int Jahre 1891, ein Gebiet mit über dreiuudzwanzig Millionen Menschen, betroffen DaßdasEl^tz abct furchtbarer als damals und selvit als trn grausamen Jahre 1873 ist, liegt ichon in den beionderen Umständen unserer Zeit der traurig berühmten kommunistischen Aera Kc-meniew, den die BoGchewicki an die Spitze der Kampagne gegen den Hunger stellten, berechnete, daß neben dem Brat, das den Hun- gernden unverzüglich verschafft werden mußte, noch weitere zwölf Millionen Pud Sarnen, und zwar nicht später als im September, notwendig iL" r die Aussaat zu sichern. Kamenjew hi> tet sich natürlich, zu sagen, daß ein Samenmangel °uch Ichon letzten Herbst festgestellt wurde, daß- aber seine Regierung keine Eile hatte, tm dessen Einfuhr zu denken.

Die Panik, die sich der ruMschen Bevölke- rung, die doch an Mißernten nicht ungewohnt ist, biNn^tAte, zeigt die ganze Tiefe des von den Bolschewisten aufgetanen Abgrunds. Die Zei- tungPrawda" spricht das hehre Wort von

Moskau abgehalteuen Kongreß der Agronomen wurde ftstgestcllt. daß man im Gouvernement Llmbtrsk für ein Pud Getreide das beste Bauernhaus mit allen Gebäullchkei- ten dazu leicht erwerben kamt An der Wolga sind stellenweise Zehntau sendevonFuhr- werken angehäuft, und die weitere Flucht dieser beweglichen Lager wird $um Teil nur da- exfämert, daß die Hungrige, ihr Di eh al-- schlachten An diesen Ansauunlungspunften ist deshalb der Fleischpreis auf tausend Rubel das Pfund .gesunken", während das Pfund Brot zehntausend Rubel kostet! Die Volkskommissärs sehen sich veranlaßt, den Wanderstram nach den Hauptstädten aufzuhalten, und »der rechte Mann am rechten Platz", Trotzki, soll zu diesem Zweck beretts nach Tambow abgereist sein, nut diktatorischen Vollmachten- ausgestah^ nnd von elf Jnsanterie- und zwei Kavalle» rredivisionen begleitet!

Aus jüngsten Meldungen gcht übrigens nicht allem die hUbirrfte Berantwortuna den roten" Machthaber für das ungeheure Elend, sondern selbst ihre unmittelbare Schuld hervor. So schildert ein ausführlicher Bericht der sozial- revoluttonären Zeitung -Wolja Rossii", wie die Masseuabwanderung außer auf die Hungersnot noch auf den brutalen Bürgerkrieg znrückzufüh­ren ist, den die Bolschewisten im Wolgagebiet gegen die Aufständischen führen. Das Derpflc- gungSkonmussariat hatte hier von den Bauer« die Naturalsteuer beretts erhoben, aber noch nicht ausgeführt. Als die Lage kritisch wurde, ver­langten nun die Bauern teilweise Rückerstattung des Getreides, und als es ihnen verweigert wurde, stürmten sie stellenweise die Speicher. Moskau antwortete daraus tmt fürchterlichen Strafexpeditionen, vor denen die Ein­wohner von ihrer Scholle fluchteten, besonders, wie es heißt, zahlreiche deutsche Kolo- nisten. Und eine weitere Verquickung der un­seligen Politik mit der Hungerbalastrophe kotnmt darin grell zum Ausdruck, wie mangelhaft die Felder bestellt werden mußten.

Verfügt der rufstfche Bauer in diesen Jahren auch ohnehin nicht gerade über zahlreiche Vi^» bestäude, so nahmen ihm die Sowjetbehörden im Herbst noch die letzten Pferde und Ochsen, offenbar für ihre Kriegsabeuteuer. Alle Klagen und Warnungen der Landwirte halfen gar nichts, und das Ergebnis war, daß der Boden nur ober»

Der Monn vom Weißen House.

PariS, 5. August. (Privattelegramm.) Präsi. deut Hardtng hat wieder eine optimistische Rede gehalten. Er erklätte: Ich glaube, daß di« >anze Welt (?) entschlossen ist, mit den Rü­stungen aufzuräumen nnd ich freue mich erklären « ^ amerikanische Regierung im

Begrifft ist, ein Unternehmen in die Welt zu tu. fen, welches ohne dem Nationalismus und der Freiheit Abbruch zu tun die Ursachen für künftige Kriege beseitigen kann. Ich glaube, dieser Versuch wird uns gelingen °

Bericht geht hervor, daß Duratti in seiner gro­ßen Kammerrede sagte: Italien dürfe sich nicht dem fronzöslfsichcn Standpunkt gegenüber dem englischen an-schließen und dadurch die Opke rungOberfchlesienS,, eine Dummheit und ein Verbrechen größten Stils, unterstützen.

Rußlands Hunger.

®i« Rundfunkspruch au« Moskau.

(Eigene Drahimeldung.)

Moskau, 5. August.

3fn einem Rundfunkspruch teilt T s ch i 1 s ch c- rin, der russische Volkskommissar für auswär­tige Angelegenheiten, mit, daß alle Meldungen über die katastrophale Lage in den Hungergebie­ten übertrieben (?) sind. Tatsache ist, daß die Lage sehr ernst ist. Das Elend ist groß, aber alle Meldungen über Hungerrevolten, Aufstände und Pogrome sind aus der Lust gegriffen. Alle Regierungs- und GewerkschaftSorgane, sowie alle öffentlichen Organisationen find in den Hilfs- dienst eingestellt, die Bevölftrnng in den nicht von der Hungersnot befallene« Gouvernements geht Hand in Hand mit der Sowjetregierung, :tm dem Elend zu steuern. Tschitscherin erklärt ausdrücklich, daß alle ftemden Organtsattvnen, die zur Bepämpsung der Hungersnot beitragen wollen, völlig freie Hand haben, der freien Entfaltung der Initiative solcher Organi­sationen wird fein Hindernis in den Weg gelegt Zum Schluß stellt Tschitscherin ftst: Es hun-

facher» ein Paroli zu bieten vermocht. Für uns bedeutet Japan, wie schon vor einigen Tagen an dieser Stelle ausgeführt, nickt wenig. Es werd nur die Frage sein, i-Mvieweit unsere Diploma­tie der Situation gewachsen ist und inwieweit sie Vorteile auS der gegenwärtigen Politischen Lage zu ziehen versteht. Japan, das reiche Volk, ist heute ein Faktor, mit dem auch die Angelsachsen zu rechnen haben und den sie in alle ihre politi­schen Betrachtungen einbeziehen müssen. Vor allem aber kann Frankreich von der Wendung der Dinge nicht unbeeinflußt bleiben, denn mit der angelsächsischen Weltherrschaftsidee ist Frank­reichs europäische Machtstellung ganz und gar nicht vereinbar. Man muß somit auss Aeußersie gespannt sein, wie sich die japanische Frage ent­wickeln wird . ***

Eye gewesen sein und Japan hätte in An- Rom. 5. August, (ffiatne Drabtmerduu» i lehmmg an uns seinen angelsächsischen Wrder-sAus dem jetzt veröffentlichten stenographischen

ÄM Mikado-Reich.

Japans politische Ernüchterung.

Gedenken wir in diesen Augusttagen der Stunden der Erregung und stärkster nationaler Erhebulig, die wir vor nunmehr sieben Jahren durchlebten, dann werden wir auch nicht an den , Zetten großer Ernüchterung in unserer Erinne­rung vorübergehen können. Zu den großen Ueberraschungen des Kriegsbeginnes zählte, wie allen erinnerlich, die vom Zaune gebrochene Kriegserklärung Japans, die man in Deutschland wohl am allerwenigsten erwartet hatte. Richt das geringste Moment schien gegeben, das für Japan Veranlassung zu einem Schritte von so weittragender Bedeutung sein konnte, nicht die geringste Zwistigkeit war zwischen Berlin und Tokio. Im Gegenteil! Alle Welt war sich dar. über klar, daß die Summe der Dankbarkeit Ja- Pans an Deutschland wohl nie ausgeglichen wer­ben könnte, der Dankbarkeit, die hervorgehen mußte aus den Diensten, die wir dem Jwselreicke im Fernen Osten geleistet. Aber die Politik kennt keine Gefühle. Sie schre-tet über Regungen des Herzens hinweg, wenn es sich darum handelt, an die Stelle des Guten ein Besseres zu setzen. Ja­pan, das Land der aufaehenden Sonne in kul- mreller und in politischer Hinsicht, war bei Kriegsbeginn noch freier als vielleicht jedes an­dere Volk von Empfindsamkeit. Es hielt es für geratener, sich in die Gefolgschaft des beherr­schenden britischen Weltreiches zu begeben und die Hand auf deutschen Besitz zu legem Ki- autschou, unsere Gerechtsame in Schantung, un­sere blühenden Südsee-Eilande reizten die To- Uoter Regierung, und hier lagen denn auch die Wurzeln der Entschließung, in die Reihe der zahllosen Feinde Deutschlands zu treten, getrie­ben zudem von den englischen Machthabern, die mit Japan in Vovaussehung kommender Kriegs­verwicklungen mit Deutschland ein Bündnis ab­geschlossen hattem

Tie Bedeutung Japans für die Zukunft der politischen Geschichte wird noch nickt überall hin­reichend gewürdigt. Die alten Differenzen zwi­schen Amerika und Japan sind bekannt. Neben- her gehe» Rivalitäten zwischen John Bull und Uncle Sam. Es resultiert daraus unzweiselhaft für bte Angelsachsen das Bestreben, zunächst den Machtfaktor, der, erstarkt in den letzten sieben Jahren, in ostasiatischen Gewässern sich Geltung verschaffte, wieder lahmzulegen. Japans Diplo­matie, war Wohl nie der Ansicht, daß der Kampf mit Amerika, den man lange schon als nnauS- bl eidlich erachtete, für alle Zett vertagt sei. Aber sie rechnete zweifellos damit, daß zunächst die Differenzen zwischen London und Washington zur Erledigung gebracht würden und knüpfte vielleicht daran auch das fülle Hoffen, daß in­zwischen das niedergeschlagene Deutschland so weit erstarkt sei, daß man in irgend einer Form Anlehnung suchen könnte.

Die britische Diplomatie, gerissen wie immer, griff den Gedanken einer Erneuerung des Bünd­nisvertrages mit Japan auf. Amerika, in Er­wartung des Sprunges der Schlitzaugen, ver- gestützt auf die britischen Dominions, die Schachfiguren und rief, was alis eine der tak­tisch geschicktesten Machenschaften der letzten Jahre ougeiehen werden muß, die (sogenannte) AL- rNstungSoersamimliMg nach Washington ein. Das war nur eine Verschleierung der wirklichen Ab­sichten, die sich gegen Japan richteten. Es war nut der Versuch, und dieser scheint gelungen zu fein, England von einem neuen Bündnisvertrag mit Japan abzuhalten und es zu einer Jnteres- ftngemeinsckaft mit Amerika zu bringen. Das konnte unzweiftlhaft nur durch weitgehende A^echungen tn bezug auf den ostasiatischen Markt, es konnte nur durch das Versprechen der Teilung der Beute geschehen. ... So sieht sich deute Japan der nicht angenehmen Lage gegen- über, daß ferne Berechnungen nicht stimmen, und daß die schlummernde Gegnerschaft zwischen Amerika und England in eine ungewisse Zukimft verlängert erscheint. Dagegen aber droht ihm das vereinigte Anaelfachsentum. In Tokio war man mH der wirklichen Motive, die Harding zur Einberufung der Konferenz nach Washington der- amaßten, durchaus bewußt. Mau sträubte sich deshalb auch mit Händen und Füßen gegen die Geplanten, Besprechungen, weil man wußte, daß «ue osüqiatvfchen und pazifischen Dinge zur Sprache kommen sollten und daß man dann in Gefahr fei, vieles von dem, was man durch Klug-, beit und Geduld errungen, wieder zu verlieren.

Heute steht Japan vor der Einsicht, daß es eine fatale Uebeieilung war, sich seinerzeit von London ins Schlepptau nehmen zu lassen und gegen Deittschland ins Feld zu zicheu. Würde es. gestützt auf seinen Vrttrag, sich einer völligen Neutralität ergeben haben, so wäre der voll­ständige Zusammenbruch Deutschlands, an dem Japan an und für sich nicht das geringste Inter­esse hatte, reutet worden. Stand Deutschland aber heute auf einer wirtschaftlich gesünderen Basis, jo würde es Japan eine weit bessere Stütze gewesen sein und Japan hätte in An-