Kasseler Abendzeitung
11. Jahrgang.
Freitag, 5. August 1921
Fernsprecher 951 und 952
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Nummer 176.
Die russische Hungerkatastrophe
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chwerde Wer die Nichtberückstchtigung der ländcr Wünsche seitens der Dteufeifäe:
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Bei verschlossenen Türen.
Di« Unterhaltungen in Pari».
(Privat-Telegramm.l
Paris, 4. August.
Die englische Vertretung für die Pariser Konferenz wird nicht weniger als achtunddrei tzig Personen umfassen. Tie englische Abordnung wird teils im Hotel LrMon, teils in der englischen Botschaft untergebracht sein. Die drei Hauptvertreter Englands sind Lloyd George selbst, Lord Curzon und Sir Robert H o r n e, also der Ministerprästdent, der Aussenminister und der Mnanzurinister. Dagegen dürste General Wilson nickst nach Paris mitkommen. Tic Rolle eines Militarist» Ratgebers wird dem General T h w a i t e s, dem Dirrttor des Nachrichtendienstes im .KriegSmtuisterium, Wer- tragen werden. Für die Sitzung des Obersten Rates ist auch diesmal die Oefsentlichkeit ausgeschlossen. Selbst die Pressevertreter werden diesmal nur beschräntt zu den nicht offi« ziellen Veranstaltungen zugelassen. Im Pariser Ministerium des Aeutzern wurde gestern erklärt, dassderjapanische Vertreter den Beratungen über Oberschlesien fernbleiben wolle. .
Volnische Drohungen.
Selbst über bett Obersten Rat hinweg!
(Eigene Drahimeldung.)
Kattowitz. 4. August.
In Sosnowiee fand vor einigen Tagen eine politische Versammlung der polnischen Führer der oberschlesischen Aufstandsbewe- gung statt. Gegenstand der Verhandlungen war ein vom polnischen Ministerpräsidenten an die oberschlesische oberste Aufstandsbehörde geeichte- teS Schreiben, in welchem erklärt wird, die Warschauer Regierung würde sich mit einem Heine« Teil Oberschlesiens nicht zufrieden geben und sähe sich gezwungen, selbst über das Urteil des Obersten Rates hinweg von Oberschlesien Besitz zu ergreifen (ft. Rhbuik «ud Pleß würden bestimmt zu Polen kommen und sollen schon jetzt befestigt werde«, da sie bei der Besitzergreifung von ganz Oberschlesien die Kampfftützpunkie sein sol- en (ft. Bor allem sollen jedoch politische und militärische Bezirke im Industriegebiet eiug'rich- tet »reden. Songretzpolnische Offiziere, Lehrer, Beamte und Geistliche stehen zur Verfügung, Rn- forderunge« von Geld sind direkt a« den polni- scheu Finanzmiuister zu richten.
Die Hunger-Armee
Milliouen auf der Wanderschaft.
Die $nu>»enmac6t der Entente.
Genf, 4. August. (Privattelearamm.) We daS Echo de Paris aus Oppeln meldet, haben die französische» Kreisronrrolleure i« einem gemeinsamen Schritt bei der Interalliierten Kommission die Verstärkung der Truppen als dringend gefordert, wenn sie bei enct Entscheidung des Alliierten Rates über Ober- schLesien die Verantwortung für die Ruhe Un- Sicherheit Ober schiebens übernehmen sollen.
Sm Dienst der Menschlichkeit.
Paris, 4- August. (Ergrne Drachtmeldun») Es wird hier versichert, datz di« französische Re-
»U Raffelet iteueüen 91a*rid)ten «meinen wöchentlich •““ “be”?*
«hrtrmementßnrele beträgt msnatttch 6^0 Mark bet tretet gnttellunz taS Haar «u8»
VoN bezogen 5.80 Matt monatlich etnf»Uetlt<6 ssuNellmtg. «esteMmgen von bet »eschättsstelle ober ben Boten entgegengenommen, «rwteret, SXanSattZ Lchlachthofttta.e 28/80. Für unverlangt -vtgetandt. Beiträge tann dte eine Verantwortung ober Gewähr in tetnem Falle übernehmen. Wäc^abtong be«
»ejngjgelbe» ober Bnlprüche wegen etwaiger nicht orbnungsmätztger Lielermtg auLgelchlollen.
Frankreich nach isoliert?
Bern, 4. August. (Eigene Drahtmeldung.) Der Berner Bund meldet aus Paris: Briand sprach zu dem Vertreter der Echo, datz Frankreich mit seinen Vorschlägen über die GrcnzreMlie- rung Oberschlesiens Vorläufig isoliert im Obersten Rat dastehe. Er hoffe nur noch auf dte Einsicht der beiden anderen verbündeten Mächte. Frankreichs Anträge in der oberschlesi- scheu Frage bleiben nach verschiedenen AuSlaf- sungen unv»!ändert. Die Tagung des Obersten RateS soll jedoch unter allen Umstanden das oberschschlestiche Problem zur Lösung bringen.
Mit vereinten Kräften.
Di« Organisation der Hilfe. ।
(Privat-Telegrannn.l '
Paris, 4. August, i
Die ftanzösische Regierung gibt auttlich bekannt, datz sie die Frage der Intervention «ege» die Hungersnot in Russland aus der Pariser Konferenz zur Sprach« bringe« wird und zwar im Sinne einer von der Regierung der Union angeregten Operation. Es scheint sich zu bestätigen datz die Intervention tatsächlich von Washington aus veranlatzt wurde. Jnsolgedeffen ist anzunehmen, datz nicht nur die Ententestaaten, sondern auch die deutsche Regierung von selten der Washingtoner Regierung um Beteiligung an dieser Intervention ersucht worden ist. Eine solche Intervention hätte auch aus verschiedenen politischen Gründen nur dann Aussicht auf Erfolg, wen» Deutschland sich daran beteiligen würde. Tie bereits mehrsach genannten Verhandlungen zwischen Deutschland einerseits und den Ententestaaten anderersertS über die technischen Bedingungen zu einer gemeinsamen Operation gegen die Hungersnot in Rutzland gewinnen nunurehr an Wahrscheinlichkeit, da diese gemeinsame Intervention von vonchereiu jedes politischen Eharalters entkleidet ist.
bezeichnet. datz Frankreich die Anerkennung der russischen Vorkriegsschulden verlangt. Dies an-- dert jedoch nichts daran, datz die Sowjetregie- rung, nachdem sie nunmehr auf das Eingreifen des Auslandes angewiesen ist, daraus auch die Folgerungen zieht und gewisse Verhältnisse wie. der hersteÜt. Wahrscheinlich wird, da es sich um eine nicht politische Massnahme handelt, das internationale Rote Kreuz- Bureau mit der Organisation dieser gemein- sauten Hilfeleistung beauftragt werden.
fenen Gebiete keine Unterstützung aus Distrikten firtben können, die über eine Mittel- oder wenigstens schwache Ernte verfügen. 5riefst das Verhängnis in seiner ganzen Schwere herein. Es treibt den Dauern von seiner Scholle, es treM ihn hin zu den Städten, wo er Nahrung zu finden hofft und wird ihn doch erbarmungslos au dem Wege zum ersehnten Ziele niedermähen. Millionen auf der Wanderschaft! Eine Völker- wanldertmg voll schwerster Tragik. Eine Summe von Uicheil und Schrecken. Und nirgends ein Ausweg, nirgends eine Hoffnung, datz sich eine Besserung herbeiführen lietze. Die Länder des westlichen Kontinents leiden selbst unter Nahrungsmangel. Sie können Rutzland nicht ausgiebig helfen, und ob Amerika mtt seinen unerschöpflichen Bodenschätzen, mit seinen riesenhaften landwirtschaftlichen Betrieben rechtzeitig das Schicksal von Millionen hungernder Menschen
Rußlands höchste Not.
Lenins voll« Ailfsloftgkeit.
(Eigene Drahtmeldung.)
Stockholm, 4. August.
Nach Meldungen, die hier aus HelsingforS einlaufen, geht Lenin in diesem Augenblick der höchsten Rot mit dem Gedaitken um, sich an die russische» Emigrant-nkomitees im Aus. lande und an die Rumpfdmna in Paris zu wenden, um die russische Katastrophe aufzuhalten und um einen Teil der Verantwortung aus diese zu übertragen. Wie man aber in Bätsche- wistenkreisen über derartige Pläne Lenins, wenn sie wirklich bestehen sollten, denkt, geht auS einem Artikel der „Prawda" hervor, in dem eS heisst: „Wir werden vielleicht gezwungen sein, Russland zu verlassen, aber wir werden nicht abreisen, ohne vorher die letzten Reste der Vergangenheit zerstört zu haben. Diejenigen, die nach uns kommen werden, sollen das neue Hau« »«seinem Kirchhof aufbauen'." Von Helsingsors sind am Montag drei TÄigenladungen mit Lebensrnitteln für die hungernden Gelehrten in Rutzland abgegangen. Frankreich hat dafür achthunderttausend Kilo Lebensmittel zur Verfügung gestellt und Norwegen, auf daS Betreiben von Professffor Frietjof Nansen, für fiebenhunderttausend Kronen. Eine Stockholmer Zeitung meldet, datz Russland von einem Arbeiterauftzand bedroht sei, der sich tiur ganz allmählich, aber sicher, unter der Führung der Menschewisten entwickle.
Die Sowjetregierung am Ende?
Kopenhagen, 4. August. (Privattelegramm) Die Sowjetregierung kann dem Vorwärtsdrin- gen der hungernden Massen keinen Widerstand mehr entgegensetzen. Sie ist der Lage in Rntz- iand einfach nicht mehr gewachsen. Gerüchte wollen wissen, datz das allrussische Hilfskomitee in dem die Bolschewisten nur schwach vertreten sind, bald die Macht übernehmen werde.
Wenn di« Nachrichten zutreffen, die »euer» dings durch die Presse gehen, dann bestände tu England eine große Neigung, statt der grün-rot* Ureigen Fahne den Union-Jack auf dem jetzt ent* festigten und wieder zum Bade-Idyll geworde* nen Felfeneilatw zu hissen, unb es wird fagtt behauptet, datz dies« Bestrebungen bei einem Teil der Helgoländer ernsthafte Unterstützung finde». Änaelckich will der englische Delegierte im Völ- kerbundsrat, Fisher, in der Seprember-Sitzung einen Antrag cinbrirogert, Helgoland der deutschen Reichshohett zu «atz te he», ein Vorgehen, das durch eine Denkschrift der britischen Admiralität, wonach Helgoland zu einem britischen Flottenstützpunkt gemacht werden solle, unterstützt werde. Die letztere Meldung ist von britischer Sette rundweg dementiert worden, und es hat sich unter Mi en herausgestellt, dass es sich vielmehr um eine Denkschrift hau. beit die von der Interessenvertretung der Jnfel* bevölkerirrvg den maßgebenden Faktoren der fie* setzgebeniben deutschen Körperschaften zugestellt werden soll. Es handelt sich jedoch hierbei nicht um eine Los-Won-Deutschland-Bewegung, sondern, so viel bisher bekannt, um eine Art Beschwerde über die Nichtberückstchtigung der Helao*
gnf.rtlonipietie w ®ta»elmtfd>e «ufträge- Die etafpaMg««n,elgen.3eNe «^-0. die etatoatttge -Kellarn-,-U« M. 8,-s b) Kairo artig« «uftrüge; Dl« etafpalttge an^igentdli M. uo ble etafpalttge Reklame,eil- M. 8.80, alle« etatoltetttd) teuerungiiuWag unb «nietgenfteuer. Für ««eigen mtt befonber« schwierigem Satz »unber: «rojent «uHftiag Mr die RichNskett aller burch .lemfprecher ausgegebenen «nietgen. sowie tar Lutaatzme baten unb Platze kann eine »ernähr nicht übernommen werden. - «ruderet: Echtacht- »osstratze 18/30. »eschastrftell«; »ötatsch« Strato 6. Lelephon Nummer «1 unb 9S2.
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Die Mitzvergnügtheii der Helgoländer ist nicht erst neuesten 'Datums. Schon im Jahr 1919 batte sich die Bevölkerung der Insel, die sich durch bas Vorgehen ber revolutionären Regierungen und inslresondere durch das des damaligen Mi» nisters des Innern, des Sozialdemokraten Seve- ring, benachteiligt fühlte, inkommentmätziger Weise an den V ö l k e r b u n d gewendet, bei dem k um Schutz gegen die sozialistische Preußische Regierung nachsüchle. Der Völkerbund lehrte korreftevweise diese Einmischung in die inner- politischen Verhältnisse Deutschlands ab, indem er die Eingabe in den Papierkorb versenkte. Unterdessen bemächtigte man sich aber in Eng* land, wo man Helgoländer Morgenluft witterte, der Sache, was durch die Awweseniheit der englischen Kommission zur Entfestigung Helgolands erleichtert wurde, und es mutz bedauer- iidretttveife feftgestellt werden, daß die Helgolän* der auch hier den Engländern in die Hände arbeiteten Als im Vorjahr das allgemeine Wahlrecht auf ber Insel eingeführt werden sollte, er* suchte eine Helgoländer Abordnung die britische Vertretung in Berlin um eine Interpretation der Uebergabevertrages trott 1890. Durch eine Verfassungsänderung wurde damals ein Kotyprv- mißwahlreckt für Helgoland geschaffen, _ das Pte Eingesessenen vor der Majorisierung in der Gemeindevertretung durch die bei. der Ent* feftigung beschäftigten Arbeiter sicherte. Diese Sickerung hat sich auch als ausreichend erwiesen; denn die Gemeindeverttetung besieht aus sechs Vertretern der Althelgoländer, zwei Sozialdemokraten und einem unbestinrniter Färbung.
Der zweite Schmerz der Helgoländer war und ist der, den jeder Staatsbürger empfindet, wenn er Steuern zahle» soll. Die Helgoländer fühlen ihn besonders stark, einmal, weil Helgoland in den dreiundachtzig Jahren englischer Herrschaft (bis zum Jahre 1890, wo es durch den heißumstrittenen Kolonialtausch in deutschen Besitz kam), sich der eigenen Steuerhoheit er* freute, und zweitens, weil die Helgoländer, die während des Weltkrieges evakuiert worden waren und erst nach Kriegsende auf die Insel zu- rückkchren konnten, dort in der Tat zunächst sehr geringe Erwerbswöglichkeiten vorsanden »nd sich besonders über die verzögerte Auszahlung der Entschädigung für die erlittenen KriegssckLDen beklagen Durck den Krieg und seine Nachwirkungen ist der Fischereibetrieb stark beeinträchtigt, und die Haupterwerbsguelle, der Badebettieb, leidet sehr unter der von den Alliierten diftierten 6ntfeftigung und der Sprengung der Hafen- anlagen. Reichst und Staatsregierung sind nun in diesem Punkt den Insulanern weit entgegengekommen, und der Minister Dominicus hat der Deputation, die bei ihm vorstellig wurde, zugesagt, daß das auf Preußen entfallende E i n • kommensteuer drittel nicht gezahlt zu werden brauche. Die Helgoländer haben demnach nur nvck ein Drittel des Struereinkowniens zu tragen, da das zweite Drittel der Gemeinde, als» ihnen selber, zusällt Aber auch hiermit wollen sie sich nickt begnügen, sondern sie verlangen, fo- liel man hört, in der erwähnten Eingabe auch die Usberlassung des letzten Drittels. Mit dieser Eingabe werden sick demnächst die zuständigen Behörden und auch der Reichstag zu beschäftigen haben, in dem die Helgoländer Frage durck eine von deutsch,rationaler Sette eingebrachte Jntei^ ire Kation angesck'nitten werden soll. Es wird sich dabei zeigen, wieweit ein Entgegenkommen gerechtfertigt und möglich ist, wobei jedenfalls die schleunige Auszahlung der Ent- fckädrgung für die Kriegsschäden
Keine Phantasie, sei sie noch so ausschweifend, I wird die Größe der Katafttophe zu erfassen vermögen, die gegenwärtig über Rutzland herein- bricht und deren riesenhafte Ausmaße sich Wohl auch heute noch dem Blicke der Fernstehenden entziehen. Aus bem, was uns kümmerliche Rach* richten melden und aus dem. was wir aus dem Munde von Reisenden und aus dem Rotschrei Gorki- wissen, formt sich schon ein Bild voll fürchterlicher Schrecke». Die Hungersnot, die in Rutzland zum Ausdruck gekormneu ist und an die Bit Röte zaristischer Zeiten auch nicht im Entferntesten heranreicken, hat zu Erscheinungen geführt, die in der Geschichte der Meschheit kaum ihresgleichen finden. Atag man an die Volke» Wanderung denken, mag man sich des Zuges der Hunnen erinnern, »tag man das Rücksluten des napoleonischen Heeres aus Rutzland im Gedächtnis aufleben lassen, alles das ist nur ein schwacher Abglanz der nngeheueren Erscheinungen, die man jetzt in Rutzlanb beobachtet, tmb di« nicht nur das Riesenreich selbst, sondern auch die ganze Welt bedrohen. ,
9üi8 den Hungerdistritten an der Wolga haben sich Millionen auf den Weg gewacht, die, getrieben von Verzweiflung; plan- und ziellos nack Moskau irren, wo sie Erlösung von ihren Leiden zu finden hoffen. Städte unb Dörfer, die von dieser Flutwelle einer modernen Völkerwanderung berührt werden; fallen Raub und Plünderung anheim, alles wird vernichtet, Tiere werden abgeschlachtet und die letzten Reste von Nahrungsmitteln werden aufgezehrt. In Moskau ist man voll banger Sorge um die kommenden Ereignisse. Man schickte den vor der Peitsche deS Hungers Fliehenden rote Armeen entgegen, aber diese militärische Mauer wurde nieteraeiif- Jen, sie löste sich auf, und Weiter ergoß sich der Strom der Flüchtenden. Lilles Menschliche scheint von diesen hungernden Massen gewichen. Man- «et verlassen ihre Frauen, Ettern ihre Kinder «nd die Zahl der an der Straße Sterbenden Wächst in die Tausende. Und im Gefolge der Flüchtlinge gehen Cholera, Typhus und, wie neuerdings gemeldet wird, auch P e st.
Eine Katastrophe von welterschütternder Br- beutnng spielt sich ab. Der große Golgatha-Weg, ben das arme russische Volk nun schon seit Jahren zu pilgern gezwungen ist, scheint nunmehr an der letzten Station angelangt zu sein. Rußland ist am Ende seiner Kraft uno mit ihm auch, wie angenommen werden darf, die Herrschaft der Bolschewisten, die so ungeheures Leid über dar Riefnrreich brachte, dem man vor Jahren ein: leuchtende Zukunft vorzugaukeln bestrebt war. great man sich nach dem Grunde der ftucht- rren Zustände, die jetzt in Rußland herrschen.
-raibt sich, datz die Gegensätze zwischen Stadt ___) Land zu einem Umfang der Verschärfung gekommen waren, der notgedrungen zum Zusammenbruch führen mußte, wenn elementare Ereignisse eintraten. Sengender Sonnenbrand hat russische Fluren weithin vernichtet. Alle Wasserläufe trockneten aus und die Ernte war verloren. ... AlS di« russischen Machthaber, die sich von vornherein darüber War waren, daß sie ihre Ideen ohne kräftige Hilfe des Bauernstandes nicht durchzuführen vermöchten, $u einer Enteignung des Großgrundbesitzes und zu einer Verteilung der Ländereien an die Klein- Bauern schritten, waren die Letzteren mit der Gestaltung der Verhältnisse einverstanden. Sie wurden mit einem Schlage von der früheren Hörigkeit frei, sie kamen mit einem Schlage in den Besitz von Grund und Boden. Aber in einem Umfange, der für ihre Kutturverhältnisse und ihre Kenntnisse schier erdrückend sein mutzte. Ms dann äber Lenin-Trotzky erklärten, datz der Boden zwar ihr Eigentum, die Ernte aber Gemeingut deS ganzen Volkes sei, da gingen die Muschil!s sehr bald dazu über, nur noch so viel anzubauen, als sie für ihr« eigenen Bedürfnisse brauchten. Mit einem solchen Verfahren mußte selbstverständlich eine durch Witterungs- Verhältnisse heraufheschworene Mißernte zu katastrophalen Folgen führen.
Run. wo die von der Mißernte schwer betrof-
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Grün ist das Land...
Das Felseneiland der Nords««.
Srun Ul bas Laub, rot t» He Rant.we.fi t»be*
Straub, das sind bie Karben von ©elgota»
abzuwenden vermag, steht dahin. ES handelt sich'Gerung ihrerseits keinerlei politische nhr-t txinim. den russischen Bauer, der, gepeinigt B ed 1 n gung en an eine Hilfeleistung geknüpft vom Hunger, seine Scholle verlützt und sich auf hat und datz man auch die Nachricht als unwahr die Wanderschaft begibt, wieder heimkehren zu lassen, denn dermaleinst mntz ja der Tag kommen, an dem alle Länder der Welt mit Rutzland wieder in geordnete Beziehungen treten, an dem Rußland vieles zu geben hat, waS es aber niemals geben tarnt, wenn das russische Volk von der Hungerkatastrophe dieses Jahres dezimiert öftrer vollends in die Arme des Bolschewismus getrieben wird. Man verstehe in allen Kabinetten die lodernden Feuerzeichen, die aus dem Osten zu uns herüberleuchten^ man sorge für Nah- tuna und Ordnung dann nur läßt sich die größte Katastrophe der Wevgesckichte vermeiden. Man sorge auch, datz das ruMsthe Volk, das nunmehr sein Golgatha erreicht, sich wieder durchzuringen vermag zu erträglichen und geordneten Verhältnissen. Die Kultur-Mächte der Erde, die sick tu diesem Bestreben einen, werden sich damit selbst den besten Dienst erweisen. ***