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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Donnerstage 4. August 1921

Nummer 175

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Das oberschlesische Durcheinander

SCU Raffelet Keueflen Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und ewar a »«»*. Der vdonnementSpretS detra-t monatNch 6.50 Mart bet freier ZuNellun- In« Hau«. Stu«, märte durch die Pop bezogen 5.80 Mark monatlich etnschttebttch SefteHtmg. Bestellungen werden lederzrlt von der «efdiäftifieUe oder den Koten entgegengenommen. Zräderet. Bering und Kebattton. Schlachthofstraße 28/30. Für unverlangt elngesondte Beitrage kann die Steeattton eine «erantwortun« oder »«wahr In leinem Falle übernehmen. Stüdgablung de« BezugSgeide« oder »niprüche wegen etwaiger nicht ordnnng«mStziger Lieferung uuSgeschloffen.

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Bor Sberschlesimr GWatefhmhe.

Inst zwei sichre sind vergangen, seitdem die mit der umMcklichen Teendigung des Welt­krieges gegen Mes Deutsche einsctzende Hetze zur Vertreibung der in China lebenden Deutschen ge­führt hat. Dreitausendsüin (hundert Pioniere deut­schen Handclsgeistes mußten damals das Reich ver Mitte verlassen, wo sie durch ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit den Namen des deutschen Hausmannes zu hohen Ehren gebracht hatten. Nur wenige Personen über sechzig Jahre uni) die Konsulatsbecunten, die zur Wahrnehmung der deutschen Interessen von der chinesischen Re­gierung eine besondere Erlaubnis erhalten hat- ten. dursten im Sanbc verbleiben. Damit waren die Handelsbeziehungen Deutschlands zu dem asiatischen Niesenreiche, die in mühseliger, jahre­langer Arbeit ««geknüpft worden waren, gelöst. Fast zwei Jahre hat dieser Zustand zwischen den beiden Staaten gedauert. Erst durch das am 20. Mai dei'ses Jahres in Peking von dem Führer der deutschen Kommission, Generalkonsul von Porch, und den chinesischen Minister des Aenßcrn, Tr, Pen, abgeschlossene deutsch-chine­sische Abkommen, durch das gleichzeitig der Kriegszustand zwischen den beiden Landern be­endet worden ist, sind die seinerzeit abgerissenen wirtschaftlichen Fäden in aller Form wieder aus­genommen worden.

Die neuen deuftch-chinestschen Vereinbarungen ycLen bet uns keinen ungeteilten Beifall gesun­den. Man hat sie vielfach als zn ungünstig für Deutschland bezeichnet, Aber die Kritiker des Ab­

land und Amerika, die zweijähriae Unterbrechung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Chrna für ihre Zwecke ausgebeutet haben. Der Seiden-, Tee-, Maschinen, und Baumwofl- handes liegt heute fast ganz in txm Länden eng- ^r'Jrant3Wt^r und schweizenscher Firmen Aber die ehemaligen Arbeitsgebiete des deur- toert Kaufmannes, des Handels mit chinesischen Matten, Lhinw«ohrstöcken, HoEz, Oel, Häuten, Srrohgeslechten nsw. sind auch jetzt noch nicht von der ausländischen Konkurrenz völlig mit Be­schlag belegt. Und der Waren hunger Chinas u«h verschiedenen deutschen Spezialarttkeln, vor allem Glas, Porzellan und StahVvaren, ist grö­ßer denn je zuvor. Ohne übertriebene Hoffnun- gen erwecken zu wollen, kann man sagen, daß die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit China vom Standpunkte des deutschen Kaufman- "?/ al!j,?et^tet,1 unter keinem ungünstigen Stern steht. Dazu kommt noch ein wrfteres Mo­ment zugunsten DeittMandS, das der ehemalige I« panische Ministerpräsident CTirnta anläßlich ctue3 über die künftige Entwicklung

DrulschbandS zusammeuaesaßt hat: .Mcrkmür- k»g, welches Vertrauen die Chinesen zum deut­schen Kaustnann haben.' Dieses Vertrauen hat ^uch der Krteg nicht völlig beseitige können. Und darauf kann sich auch Deutschlands Hoff- uung gründen, daß es sich seine alte Stellung in Wna wieder erobern wird.

Aus dem rhemisch-weftfÄischen Jndustrie- öezrrk sind wahrend der letzten Zeit bereits Mit- ^-sfuhr dortiger simh Cbma emgetvaffen. Die rheinischen J^tstric^n sind der Meinung, daß sich das Geschäft, das nach mehrjähriger Pause soeben noch kleinem Umfange be- hat, rasch wetter entwickeln wird, denn man wer« rn deutschen indMriellen Kreisen ganz ?">au, ime dte Chinesen deutsche Fabrikate toct» davon.WerMtgt, daß man in Klarbett darüber verschosst hat, be- tt Waren in hervorragender Güte nur aus beziehen zu können. In dieser letztverflLssencn Jahre die htncsischeu Händler noch bestächt haben, denn

satz, als 1901, wo China zur Unterzeichnung eines «chevensprotokollS und zu Handelsoerträ- gen gezwungen Wunde, die seine Souveränität ntcht unangetastet ließen. Richt alle Wunsche DeutschLands konnten freilich erfüllt werden Ab« m den beiden entscheidenden Fragen der Zolle und der Freigabe des beschlagnahmten und zum Teil schon liquidierten deutschen Eigentums ist eine zufriedenstellende Lösung gefunden wor­den. Deutschland hat zwar die chinesische Zoll- taristruwnomie grundsätzlich anechennen müssen, aber China hat dafür ausdrücklich zugestan-den. daß deutsche Einfuhrwaren Zölle nach den all­gemeinen Zallbestimmungen bezahlen, bis die autonomen Zollbestimnumgen allen Staaten ge- Sfxr zur Anwendung gelangen. Gegen Zah- eines Teils der chinstsche« Kriegsschäden durch Deutschland hat sich ferner China verpflich­tet, das noch vorhandene deutsche Eigentum den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben und alle werteren Liquidationen einzustellen. Damtt ist unsere Kaufmannschaft in die Lage versetzt, ihre alte Tätigkeit in dem Reiche der Mitte wieder »uszunehmen.

_ Cs ist keine Frage, daß die Hauvtkonikurrenten

Dle Sachverständigen ohne Kenntnisse. Alle Vorbereitungen der Konferenz auf dem toten Seieife. Redereien ohne Zweck. Die franzvfifche Division. Exminister Heinze redet über Polen: Was wird aus Mrtv? Dor der Schicksalswende i

Paris, 3. August. (Privtttelegramm.) rnng zögert nicht, festzustrllen, daß sie die Enl- Es wird von einer Pariser Zeitung bestätigt, schciduug des Obersten Rates anerkennen wird, daß die Sachverständigrn-Kommission für Ober- schlcsien keine Fortschritte mache. Die fran­

zösischen Vertreter hätten alle Anstrengungen ge­macht, um ihre Kollegen von der Entente vom französischen Standpunkt zu überzeugen »uv ihnen denselben verständlich zu machen. Aber je näher man die neue Grenze von Gemeinde zu Gemeinde festsetzen wolle, wir der Versailler Vertrag eS vorschreibt, umso m-hr sehe man die Schwierigkeiten e'm, eilte Grenze fcstzu setzen, die die Abstimmung und die Vedürfniffe des wirtschaftlichen Lebens berücksich­tigt. Berzweiftlt stellt die Zeitung fest, daß. wenn das oberschlefische Problem den europäi­schen Frieden bedroht, hierfür diejenigen verant­wortlich z« machen seien, welche im Versailler Vertrag »«anwendbare Bestimmun­gen festgelegt haben, um die Verantwortung von sick, abzuladr«. Der Matt« gibt zu, daß die ge- meindeweise Festsetzung der Grenze den wirt­schaftlichen Erfordernissen znwiderläust.

Der große Häuptling nutz London.

Paris, S. August. (Eigene Drahtrneldung.s Mau spricht davon, baß Llohd George an der Pariser Konferenz nur die ersten Tage teil­nehmen wird und zwar nur solange, bis die Hairptfrago. nämlich die Frage von Ober­schlesien. entschieden ist. Alle anderen Fragen würde Lloyd George seinem Stellvertreter Mer- lassen und der engusche Ministerpräsident dürste nach wenigen Tagen noch London zurückkehre«.

Immer im Kreise.

Die Redereien der SachverstKndige«.

(Eigene Drahttneldung.)

Gcnst 3. August.

Neber die Montagssitzung der Sachverstän­digen. die die Entscheidung über Oberschlcsien vorbereitcn sollten, meldet die Zeitung Temps, daß die Sachverstäiwigen keine konkrete« Vorschläge dem Obersten Rat unterbreite« wolle«, sondern ihre Aufgabe al« er- füllt (?) mischen werden. Die Beratungen der Sachverständige« werde« vorauSstchflich am Don­nerstag geschloffen werden. Auf Grund der vor- liegende« Erklärungen Frankreichs wird in der Sitzung deS Oberste« Rates die Entscheidung über Oberschlefien gefällt werden. Die französtfche Regierung wird sich der Einstimmigkeit der Ent- schlietzung im Obersten Rat nicht hindeftich zeigen.

Frankreich« Xrupprnsendungen.

B e r l i n, S. August. (Privattelogrcnmn.) vis heute war immer «och kein Schritt der Botschaf­ter in der Frage der Truppensendungen nach Oberschlesien erfolgt. Eine Ankündigung deS Sol- lektivschrittes im Auswärttge« Amt ist ebenfalls bi« jetzt noch ni$t erfolgt, so daß man vollkom­men darüber im Unklaren ist, wann die Rott durch die Skttschuster überreicht werde« wird.

Deutschlands Standpunkt.

De» französische Truppentransport.

(Privat-Tekegramm.)

BerNn, 3. August.

Eine hiesige Zeitung veröffentlicht dem Brief Dr .Rosen« n« den französischen Botschafter Laurent in einer Uebersetzung aus dem Man. chester Guardian. Dieser Brief lautet: Ich bin jetzt in der Lage, Ihnen de« deutschen Stand­punkt mitzuteilen, den die deutsche Regierung in der Frage der Beförderung einer französi­schen Division durch Deutschland ein- ninttttt, die bat Gegenstand verschiedener Erörte­rungen gebildet hat. Dtt seutsche Regierung hat genau den von Euer Exzellenz zum Ans- druck gebrachten Wunsch geprüft und keineswegs die Absicht, diese Frage lediglich vom juristischen Standpunft aus zu verhandel«. Inzwischen ist bekannt geworden, daß der Oberste Rat i« ei­niger Zeit zusammentreten wird, um auch über diese Frage zu verhandeln. Dtt deutsche Reatt

Das große Problem.

Unterhaltungen im Kammer-Ausschutz." (Eigen- Drahtmeldu«g.l

Rom, 3. August.

Dtt Ausführungen des Generals d e M a r i - ni« vor dem Kmnmerausschutz für auswärtige Angelegenheiten gipftlttn nach BtSttermeldungen darin, daß man das oberschlesische Problem nicht damit lösen könne, daß mau nach Sforza schem Muster die beiden früher vorgesehenen Grenz- linttn etwas östlich oder westlich verschiebe. Ra­tionell sei vielmehr nur sein (be MariniS) eige­nes. mit Parsifal ausgearbeitetes Grenzyvo- jett. da« Polen sein Recht auf dtt polnischen Be­zirke gewähre, dabei die ttchnische, wirttchafttiche Einbett des JndustrttrevttrS nickst zerreiße und beiden Nachbar« eine für die Verteidigung geeig- «ett strategische Grenze zuspricht. Auf einzelne ffir. | vvn ifvuin sUtfUe vt

MariniS noch aus. die Franzosen hätten dort im Lande nickst nur eine doppelt so starke Truppen­macht wie die Engländer und Italiener zusirm- men, sondern sie hielten damit auch gerade das zentrale Industriegebiet besetzt. Wirtschaftlich stellt Oberschlesien die wichtigste Kohlenreserve Europas dar, deren Besitz für die Zukunft ge­radezu ausschlaggebend sei. Auf eine weitere Frage antwortete de MariniS, italienische Arbri- ter könnttn in Oberschlefien nickst nur ihr Brot finde«, sondern fie würden von de« Deut, schen geradezu begünstigt werden. Die Regierung schweigt noch über die Haltung, die fie in der Sitzung de« Oberste« RatS cinnehmen will.

ststatvenaos abgeleynttr Wunsch.

Paris, 3. August. (Privattekegramm.) Der Temvs wiederholt die bereits Wm Petit Parisis« gebrachte Meldung«. daß Rathenau den Wunsch nach einer neuen Zusammen­kunft mit Loucheur ausgesprochen habe. In der Annahme, daß dabei auch die oberschle- fifche Frage angeschnitten werden könnte, habe Loucheur im Einverständnis mft dem Minister- Präsidenten geglaubt, eine solche Diskussion im Augenblick vermeiden zu sollen. Frankreich wolle über Oberschlesien nich-iS anderer, als die An­wendung des FriedensvertrageS.

Trübe politische Ausblicke.

WaS Doktor Heinze meint.

(Pvkvat-Telegramm.l

Dresden. 3. August.

Der frühere Vizekanzler Dr. H e i n z e erklärie in S » h l a n d (Sachsen), daß, falls Oberschlesien verloren gehe, da« Ende deS Kabinetts Wirth da sei. Das Ausland müsse unter allen Umständen darüber anfgeNStt werden, dnß Deutschland nicht schuld sei am AuS- bruch de« Krieges. Deutschland sei cber zu friedliebend getoefen. Zur Rechtfertigung seiner Zustimmung zur Aimahme deS Ultima­tums erklärte Dr. Heinze, die Annahmeverweige­rung hätte von vornherein die völlige Bernick- tnnq Deutschlands zur Folge gehabt. Er g l a u b e andererseits nicht, daß wir die Forde- rungen erfüllen könnten. Das Ultimatum bedinge eine Unsumme von Steuern. Die Frage der Aufbringung sei vom allge­meinen nationalen GesichtSpuntt zu lösen.

Reue« Raubgesindel

Prag, g. August. (Eigene Drahtmeldung.) Auch die Tschechen möchten ein Stück von Oberschlcsien haben. Anläßlich einer Jr- terpellationsbeamwortuna erklärt: Außenm-Nl- ster Dr. B e n i sch die Grenzen der Tsihecho-Slo- wakei mit Oberschlcsien Ur unbefriedigend. So­wohl strategische wie zollrechgische Rücksichten kor der dringend ihre Berichtigung. Hierüber werde im Zusammenhang mit dem Schicksal Lberschlesiens entschieden werden. Besonder« wichtig sei für die Tscheche-Slowakei die Erlver- !>ui«a von sechzehn Gemeinden nahe Troppau. (-)

man wird ihnen seitens Englands und Frank­reichs vor Augen geführt haben, daß zwischen den deutschen Fabrikaten und denen der Entente» länder immerhin einige Unterschiede bestehen. Gerade die Tatsache, daß der ^Handel mit China in so kurzer Zeit nach dem Abschluß unseres Ab­kommens wieder cmstebt und sich von Woche zu Woche mehr entwickelt, bietet eine Gewähr iw für, daß sich unser Waren-Austausch in Verhältnis- mäßig kurzer Zeitspanne wieder zu einem new nenswcrten Umfange entwickeln wird. d.

Weiß gegen schwarz.

Ein furchtbarer Raffenkampf,

Zn Tulsa in ten bereinigten Staaten hat kürz IK6 tasrlang ein fneehtvaocr Siastei-tantvi ge­tobt. ES war ein Slnsvruw de« Satze« zwischen der «eigen unb der schwarzen Ratze im Süden der norbamerikanischen Union. Neber da« Er. eigni# liegt bie nachfolgende Schildern»« vor.

Ein verbällnismäßia unbede>ltender V-orfall veranlaßte Lirzlich in den Vereinigten Staaten viele Zehntausende Menschen, sich vts zu den Zähnen MU bewaffnen und tagelang in den Stra. ßen M kÄnpfen. Schließlich errangen die Weißen die Oberhand und steckten das Aegcvviertel in Brand. Dreitausend Neger verließen die Stadt fluchtartig, während zwölftausend Neger obdach­los ohne Hab und Güt zuvückblivben. Die Zahl der Berwundeten betrug mehrere hundert, die der Toten dreißig, einnndzwanzig Schwarze und neun Weiße. Der Kommandant der Truppen­macht, die zur Unterdrückung der Kämpfe ent­sendet wurde, erklärte, er habe während seiner ganzen Dienstzeit nie solch wilde Szenen erlebt wie in Tulsa, als 25 000 bewaffnete Weiße durch die Stadt zogen, ohne Mstcksicht mos Gesetz und Ordnung. Automobile, aus denen nach allen Richtungen Gcwebrläufe ragten, sausten durch die Stadt und feuerten nach WiPlür. AVer mcrk- wiftdig ist die Erklärung des Kommandanten Aber die Ursache des abscheulichen Raffenkampfts. ,E-rn unsittlicher Regerknckbe, ein hysterisches Mädchen und ein arrfgeregier Zeitungsbericht­erstatter verurfagten diese traurigen Ereignisse." So sagte der Kommandant.

Der unmittelbare Anlaß der Gewalttaten war der gewöhnliche: Ein junger Neger Verübt ei« sexuÄes Delikt an einem weißen Nlädchen; er wird von der Polizei verhaftet und hinter Schloß unb Riegel gesetzt, aber ein kleiner Teil der weißen Bevölkerung, der Straßenpöbel, ist damit nicht zufrieden und will den Reger aus dem Gefängnis holen und ihn «ruf dir eine oder andere abscheuliche Weise ermorde«. Bis dahin lassen sich die Vorkommnisse aus de« Ursachen er­klären, die der Truppenkamimandant nennt Daß aber im Laufe der Begebenheiten die Kamps- truppe der Weißen auf viele Tausende omschwillt, daß viele .ehrenwette" Bürger der Stadt auf die Straße eilen und sich an Straßcngefechten betr­ügen, daß schließlich auch die Polizei auf Vie Seite der Weißen tritt und alle Msamlmen mm Wer das Negerviertel herfallen und Massen­mord. VergewAltigimgen, Schändungen, Raub, Dttystahl und DrandffÄstMtgen verüben, das alles hat viel tiefere Ursachen. Die sozialen ur.b wirtschaftlichen Verhältnisse in den SAdstaaten der nordann-rikanischen Union sind schuld daran, wenn immer wieder derarttge barbvrislche Ver­breche« verzeichnet werden müssen. Solche Er­eignisse sind eine Explosion. Es gärt ununter­brochen, immemnehr häufen sich die Klagen der unterdrückten und stets übervorteilten Rester, die Weißen beginnen langsam ihre Vorbereitungm zu ttesfen, um die Unzusriedenen zur Ruhe zu bringen, die Spannung wächst mit jedem Teig, und irgend ein sonst an nnd für sich belangloser Zwischenfall wirft wie der Zündschlag in eh» Pulverfaß.

Dem unvoreingenommene« Beurteiler wkrd jetzt dank der Untersuchung der Angelegenheit allmählich klar, daß die Zustände in Tulsa schon feit geraumer Zeit unerquicklich waren. Sett dem Fallen der Baumwollpreise wurde dieses Petrolemngebiet von Negern überströmt, die in Industriegebieten Arbeit rn finden trachtete« Den Schwarzen wurden Hindernisse aller Art bereitet. Wegen geringfügiger Vergehen wrrrden sie verhaftet imd zu Zwangsarbeit verurterlt. auch ,Peonage", die moderne Art der Sklaverei in den Südstaaten Nordamerikas durch Schuld­knechtschaft, war im Stz^>unge, insbesondere ringS um Tulsä. Die Neger wurden boykottiert and auf die schändlichste Weise von den Haus­besitzern ausaewuchett. Aber das genügte alle- noch nicht. Ein Gewaltstreich mit Vertreibung der Schwarzen war unbedingt notwendig,' weil zahlreiche Neger im Besitze von Grund und Bo­den waren, der pettoleumhaltig ist ober auf dem man Petroleumqquellen zu entdecken hofft. Da die schwarzen Grundeigentümer keine Lust zeig- :cn, ihren Grundbesitz nm billiges Geld Herzuge, den, mußte ein förmlicher Krieg herausbeschwo­ren werden, um ihnen das Land vauben $v können.

Wenn man von solchen Massenlynchun. gen hört, muß man sich stets vor Augen hatten, daß sie nie die Folgen eines einafenen Zwischen-