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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952

Sonnabend, 30. Juli 1921

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 171.

£te Staffel« Sleueften Sladjridjten erfdjetnm roodfentUd) fed)4mal uno groar abenoS. Ter Lbonneinmttprets beträgt monatlich 6.50 Mart bei freier Zustellung ine HauL. LuL. wärtS durch die Post bep-gen Mo Mark monatlich einschltestltch Zustellung. Bestellungen werden lederzstt °o» der <SeschLf«stelle oder den Bolen ent0«8en0enomme« lruäere. Verlag und Redattion . Echlachthofstraße 28/30. Für unoerlangt etugelandte Belttage lann dre Redaltton etue Beranrmortung »der Semähr ttt keinem Falle übernehmen. Rückzahlung d«r Bezugrgeldes oderLnlorüchewegen em>aig«ratchtordnungrmab>g»r«te.erung ourgeschloffen.

^^c°«,o»«nreuer m «indeimtkche Auftrag«! Die einspaltige Snzetgen-Zetlr St 1.20, di« Ä*« b>

«n 1JS0 »te etnIvaUig« Reklame,eil« TL 8.50, alle« emfchltellltch iwrniOTTOuf

^»tatasteuer.Für An,eigen mit besonder, schwierigem Satz

»ür die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen «u,eigen. TÄte tut $ A.

016 rine @ ernähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht.

6ofSat^ 28/SO6 gZiWMl: «Slntsch« Straß. 6. Telephon Nummer 951 und 952.

Die Sauöertaftif der Entente.

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Rach dem Boischewisten-Sturz.

Neue Fernsprech-Nöte.

Keine AbonnemcvtsgesprLche.

«Eigene Drcchrmeldung.)

Berlin, 29. Juli

Die AuLftihrungsbestimmungen der neuen Fernsvrcchssebuhrcnordnung bringen nicht nur eine Verkürzung der Zeit für Abonnementsge- spräche, sondern, wie schon kurz mitgeteilt, auch eine weitere Bestimmung, die für die deutsche

Beratung der sachverständigen.

Paris, 29 Juli. (Privattelegramm.) Die Konferenz der -Sachverständigen, die vvn den verschiedenen alliierten Mächten zur Prüfung der Festsetzung der ofberschlesischen Grenze be­auftragt worden sind, hat gestern ihre erste Stt- zung im Ministerium des Aeußern achgehalten Nachdem der allgemeine Arbeitsplan sestgefttzt nxrr, wurde sofort mit der Arbet begonnen. Zum Präsidenten ist Laroche gewählt worden.

unter Wegfall der Kontingentierung geführt wer­den. Die Rcichspostverw altung glaubt, nicht unbedingt an den genannten Zeiten festhalten zu müssen, sondern will die Festsetzung der Stunden einer Besprechung mit Vertretern der Organisationen der Verleger, Journalisten und stachrickftei-büros überlassen. Am schwersten wird die Provinzpresse betroffen. Da die AusführungSbeffimmungen bereits in vierzehn Tagen dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden müssen, ist eine sofortige Stellungnahme der Orgauisatiouen der deutschen Presse notwendig.

Abermals vertagt?

Die Besprechung des Oberste« Rate».

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 29. Juli.

Die Gerüchte vertieften sich, wonach die Koii- ferenz beS Obersten Rates noch um einige Tage verschoben werden mutz. Zur Be­gründung wird angeführt, dass der italienische Ministerpräsident Bonomi wegen seiner par­lamentarischen Tätigkeit kaum vor dem 8. August in Paris eintreffen könne. Eine Pariser Zeitung mAdet, dass die deutschen Vertreter, die seit sechs Wochen in Versailles über die Reparation verhandeln, nach Berlin zurückkehren werden, nm neue Anweisung ihrer Regierung einzuholen. ES zeigt sich immer mehr, so fügt das Blatt hin­zu, daß auf der Grundlage der bisherigen bei- derseitgen Vorschläge eine Verständigung sehr erschwert wird.

Der Srnfl der Lage.

London, 29. Juli. (Privattelegramm.) Die diplomatischen Vertreter Amerikas m Europa haben Präsident Hardina eine Botschaft wer- fantot, worin sie mit Rücksicht auf den E rn st der LageinEuropa ersuchen, den ameriranischen Botschafter in London an der Tagung De» C&erften Rates teifnebmen zu lassen.

Die Steuerzahlung.

Wie Wied Loh« und Gehalt besteuert?

tim Schlesiens Grenze.

Roch ein letzter Appell.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. Juli.

Die Reichsregierung ist in den Besitz von Miteilungen gelangt, wonach in der oberschlest- schen Frage noch keinerlei Festlegung der Alliierten aus eine bestimmte Grenz­linie erfolgt ist. Es wird an unterichteter Stelle überhaupt bestritten, dass irgendwelche binden­den Beschlüsse der alliierten Kabinette vorliegen können. Die deutsche Regierung hat erst in den letzten Tagen der Pariser Konferenz noch einmal eine Zusammenstellung aller der Rechtsmomente zugehen lassen, die eine vom Ergebnis der Volksabstimmung abweichende Entscheidung über Oberschlefien zurückweist.

Hinter den Kulissen.

Der Kampf um die Macht.

Wenn zu irgend einer Zeit in der Geschichte politische Ränke und unehrlich Tiplomften- spiel Triumphe feierten, so ist's in diesen Nach­kriegszeiten. Als man daranging auf.Seiten un­serer Gegner nach Deutschlands militärischem Zusammenbruch .Kulturtaten" zu verrichten und sich in der Pose der Weltbcglucker auf Grund der vierzehn Verbrecherpunkte, die dem verkalk­ten Hirn Wilsons entsprossen, gefiel, faselte nun vom Völkerbünde, durch den ewiger Schalmei- cnklang tönen und Friede und Eintracht zu konstanten Einrichtungen der ganzen Welt wer­den sollten. Wer sich darüber klar war, daß sich die Löbens- und Zukunftsnotwendigleiten von Völkern und Ländern nicht in Paragraphen schmieden lassen, daß sie sich letzten Endes doch immer wieder eitern und eisern selbst ihren Wog bahnen müssen, der wußte was er hinter dem großen Bundrummel und der FMe von Bluss, mit dem der Gedanke der allgemeinen Völker- vereinigung umrankt wurde, zu slkchen hatte. Worläiusig wMten die großen Sieger, die Deutschland erst nach Jahren niederzwauzen ganz unter sich sein. Deutschland sollte erst nach vollzogener Läuterung für würdig erachtet wer­den neben den Andern auf der Bank zu sitzen. Und als man den Völkerbund gründlich bebrü­tet batte, da fing ein großes Rüsten an. Frank­reich illustrierte täglich neu seine Ansicht, daß Vorsicht der bessere Teil des verewigten Frie- densgedankens sei und Miss seine Bajonette, England war der Ansicht, daß man zum Krrege rüsten müsse, wenn man den Frieden wolle, Amerika und Japan waren im Verein mit Ita­lien der gleichen Ansicht. So kommt es, daß man im Zeitalter des Völkerbundes die Welt in Waffen starren sieht, die angeblich alle bereit ge- Balten werden, um das gefährliche Deutschland, wenn es irgend welche Anzeigen von wieder- kehrendem Lsben zeigen sollte, sofort vollends

rb zutöten.

Nachdem Wilson wankenden Schrittes, em Opfer der Gehirnerweichung und damit vorge­schrittener Geistesschwäche das Weiße Hauz ver­fassen, betrauert weder in Deutschland noch in Amerika, hat in Washington ein klügeres Divlomatenspiel angehvben. Es ist Ovar nicht nützlicher für Deutschland als das von Wilson betriebene aber darum in all seinem Ernst doch scherzhaft. Scherzhaft aus dem Grunde, weil es uns zeigt, wie mau jetzt bestrebt ist, die Figu­ren auf dem polittschen Schachbrett zu dirigie­ren. England, Frankreich, Uncle Sam und der Japs werden ihre Geschicklichkeit erproben, wenn es nunmehr gilt auf der großen Konsewng in Washington zu zeigen, was man durch den Krieg gelernt hat. Selbstverständlich muß auch jetzt wieder der Alle seligmachende Friedens­gedanke herhalten, der logisch nur durch die Ab­rüstung oder RWungseinschränkung der D.-r- wirklichuna nahegebracht werden kann. Und darum wurde die Uraufführung einer der größ­ten Komödien der Weltgeschichte angesagt.

Im Laufe der Kriegsjahre ist auf dem fernen Jnselreiche im Stillen Ozcan eine Weltmacht von strotzender Gesundheit herangewachsen: Ja Par-. Selbst sogenannte kriegführende Macht, hat es doch das Verständnis dafür aufgebracht, daß der politische Kriegsgewinnler besser sei als der Bankerotteur, und so hat es denn noch emsiger an sich gearbeitet, hat seine Arsenale erweitert und in schier unglaublich kurzer Zeitspanne eine Unabhängigkeit erreicht, die man selbst bei diesem rührig-verschlagenen, gelben Volke nicht erwartet hätte. Nicht zur Ader gelassen, sondern voll strotzender Gesundheit ist es in den Frieden ge­gangen. seine Kriegs- und Handelsflotte ist stark sein Heer schlagfertig wie nie zuvor. Was Wun­der, daß ein solches Volk wenig Neigung trägt, an dem Washingtoner Komödienspiel teilzrmeb- men. in dem man ihm ja doch nur eine unter­geordnete Rolle zuznweisen bestrebt sein wird. Japan aber will keine Unterordnung, es will eine Machtstellung, die es befähigt, all seine hoch- iliegenden politischen Pläne zunächst im Fernen Osten, zu verwirklichen. Später mehr! Bcrück- sichligt man dagegen, daß das Rüstungspro- qramm von Washington sich fast ausschließlich auf die maritimen Machtverhältniffe beziehen wird, dann wird man zu der Ueberzeugnng ge­langen. daß diese Fragen sich nicht cm grünen Lisch im Weißen Hause erledigen lassen. Die Kon­kurrenz solch drei gctoaltiger Seemächte, wie sie gegenwärtig durch England, Amerika und Japan repräsentiert werden, ist vom Standpunkte der Machtpolttik jedes einzelnen dieser Länder und Volker nickst zu ertragen! Ob die notwendige Entwicklung der Fragen, die sich ans dieser Tat­sache ergeben, in absehbarer Beit, oder erst in einer ferneren Zukunft vollzieht, ist im Grunde durchaus nebensächlich, sie wird aber noiwen- digerweffe zu Ergebnissen führen, die weder mit dem Bölkerbundgedanken, noch mit der Idee der Abrüstung in Zusammenhang zu bringen find.

Den Lauf der Dinge zu beschleunigen, oder zu verlanajchmeil. daS ist der Hintorgedanke der Be­

sprechungen in Washington In Tokio ist man allem Anscheine nach vollkommen Herr der diplo­matischen Situation. Man wiegelt ab und macht Einwendungen. Man will auch nicht mehr auf geschehene Dinge zu sprechen kommen. Man will sich auch nicht das Geringste von dem wieder abhandeln, oder aus den Händen winden lassen, was man in so bequemer Form und fast un­blutig von Deutschlanderbte. Darauf aber kommt es den Veranstaltern der großen Komödie an. Für ims Deutsche kann bei dem $u erwar- ton,den Geplauder nur Nützliches herauskommen. Wir werden sehen, daß der Freundschastsbund unserer Gegner einem gesprungenen Gefäße gleicht, aus dem der Inhalt tropfenweise rinnt. Die Zeit ist ein, wenn auch vorläufig nur schwacher, Bundesgenosse für uns, und darum halten wir es für nützlich, wenn man sich in Washington einmal hinter den Kulissen unter­hält Man lernt sich bei solchen Gelegenheiten immer am besten kennen und schätzen. ***

lohnes treten. _

§ 47. Die im 5 46. W. 2, 9tr. 2 iwreefefe« Ermäßigung ist auf Antrag auch für mittellose Angehörige zu gewähren, die von dem Steuer- pflichttgen unterhalten werden. Heber den An­trag entscheidet das Finanzamt.

§ 50. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich vor Beginn eines joden Kalenderjochres oder vor Beginn eines Dienstverhältnisses von der Ge- meindebshörde seines Wohnortes ein Steuer- buch ausstellen zu lassen. SSetft der Ar»m» nehmet vor Ablauf des ersten Kalenderviertel - jahres oder vor Beginn eines Dienstverhaltnif-- ses nach, daß die Zahl der Personen fui die der Abzug am Arbeitslohn sich gemäß § 46, Ab- igtz 1, Ziffer 2 und tz 47 ermaMt, um wenig, stens zwei großer ist, als nn Steuerbuch ange. geben, so bat die Gemeindebehörde auf seinen Antrag diese Tatsache im Steuerbuche zu vor- reifen In diesem Fälle tritt die Ermagignug für die neu hinzugerommenen Personen bei der, f- en Lolmzohlung im zweiten Kalenderviert-w- jahr in Kraft. Arttkel 2. Das Gesetz zur er- aäraenben Regelung des Steuerabzuges vom Ärtoeitslohn vorn 21 Juli 1930 wird aufgeho­ben. Artikel 3. Die Ermäßigungen deS etn®». behaltenden Betrages nach § 46, Ab-s. 2 Rr. 2

dn« ganz wesentliche Umformung jegenöbe* den urfprüngllch«» Bestimmung«» deS Ein- kommenfteuergesedeS haben die Dvrfchrifieu Uber die Besteuerung von Lohn und Gehalt- kur, vom «rbeitaeintommen durch dl« Novell« von, 11. Juli 1921 erfahren. Bei der Wichtig. it und Dringlichkeit aste« -iufchlSgigen Fragen geben wir nachstehend den Wortlaut der bezüg­lichen neuen gesehlichen Bestimmungen nach de» Deröffentlichuug im »Reichsanzeiger" weiter«

Artikel 1. § 45. Arbeitslohn im Sinne trtM sez Gesetzes sind alle Einkünfte, die in oiffenttU eben und privaten Dienste beschäftigte oder an» gestellte Personen aus dieser Beschäittgung oder Anstellung beziehen, ferner auch Wartegelder- Ruhegelder uPw. .

§ 46. Der Arbeitgeber hat öoan ArbettslA-t einen Betrag von gehn vom Hundert unter Be­rücksichtigung der vorgesehenen Ermäßigungen für Rechnung deS Arbeitnehmers einzuhalten.

Der Betrag von zehn vom Hundert des Arz beitslohnes ermäßigt sich L für den Steuerpflich­tigen und für seine zu seiner Haushallung Ah- lende Ehefrau a) im Falle der Zahlung des Ar« beitslohnes nach Stunden um je 0,10 M für W »toei angefangene oder volle Stunden, bl tut Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Tas gen um je 0,40 M täglich, e) im stalle der Zah-> lung des Aibeitslohncs nach Wochen um Je 2,40 M wöchentlich, d) im Falle der Zahlung deS! Arbeitslohnes nach Monaten um je 10 -^mo­natlich, 2. für jedes Mir HEshaltung des Steu­erpflichtigen zählende mtnderiahrige Kind a) 'ne Falle der Zählung des Arbeitslohnes nach Stunden um 0,15 X für je zwei angefangene aber volle Stunden, b) im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Tagen um 0,60-« täg­lich, c) im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Wochen um 3,60 M wöchentlich, d) tm Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Monaten ;tm 15 Jt monatlich. Kinder im Alter von mehr als 17 Jahren, die Arbeitseinkommen beziehen, nach 6 13 des Einkommensteuergesetzes zuläs­sigen Abzüge, Werbungskosten, Schuldzinsrn, narben nicht gerechnet. 3. Zur Abgeltung der Aufwendungen für Bersicherimtgen, Berusster- bände, gemeinnützige und politische Zwecke ußw. a) im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Stunden um 0,15 M för je zwei angefangene aber volle Stunden, b) im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Tagen um 0,60 M sich, c) im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Wochen um 3,60 M wöchentlich, d) tm Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Monaten um 15 Jl monatlich: auf Antrag ist eine Erhöh­ung dieser Betrage MMlassen, tixmn ber Cteuee- pflichtige nachwoiist, daß die ihm zustehenden 9C6siüge im Sinne des § 13 den Setrafl brat 1800V« um mindestens 150 * ötoerfteigen. lieber den Antrag entscheidet das Mnanzamt.

Stehen Abzüge in wirtschaftlichem ZufE' meuhange mit anderem Einkommen als Ar­beitslohn, so sind sie Mnächst von dem anderen Einkommen ahzusetzen; nur insoweit diese M>- -iüae das andere Einkommen übersteigen. Md sie in die Abgeltung des Ws. 1 eirtbegitften. Für die nach 1, 2 ckbzusetzenden Betrüge ist der ,Fa­milienstand des Arbeitnehmers am 1. Oktober des vorangegangenen JahreS für ein Kalender- iachr maßgebend. Der Rsich^ünrster der FU- nanzen kann einen anderen Stichtag fttttetz-n. Bezieht ein Steuerpslichttger neben den laufen- den Bezügen sonstige, insbesondere einmalige Einnahmen. Grattfikattonen itfto. fo 'hnrt ber von diesen Einnahmen einzubehalteiwe Betrag von zehn vom Hundert ohne Berucffichtigung der riben vorgesehenm Beträge oEfgezogen. Läßt sich bei vorübergehender Arbeit im Akkon» die Arbeitszeit nicht feststellen, so kann an Stelle der Ermäßigungen nach Absatz 2 eine feste Er- Mäßigung von vier vom Hundert des Snaw

Presse ausserordentlich schwerwiegend ist. Da­nach sollen dringende Preflegespräche in der Zeit von 912 und in der Zeit von 2 bi3 6 Uhr Über. Haupt nicht mehr zugelafsen werden. In der übrigen Zett kSnnen dringende Preffege- ------....-----

spräche unbeschränkt zur einfachen Gebühr undlsche'n Regimes ab»uwarten.

Prag, 29. Juli. (Privattelegramm.), Nach Informationen aus den Kreisen der russischen Sozialisten haben die Bolschewisten die e o zialrevolutionäre aufgefordert, ein P o- ntftec zu bilden, das in dem Falle, daß sich die bolschewistische Produküon in Rußland als nicht haltbar erweisen würde, die Regierung Wcr- neHinen soll. Infolgedessen sind die rusgzchcn Sozialrevolutionäre von Prag adgereist, um <m der Grenze den Sturz des bolschewistr»

Gerdatt Hauptmann.

Das deutsche Scherflei« für Rußland.

(eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 29. Juki.

Gerhart Hauptmann richtete soeben auS Agnetendorf an den amerikanischen Journalisten Frank E. Mafen folgende Kundgebung für die russische Hungerhilfe:Im Geben sind die Armen den Reichen oft vorangegangen. Warum sollten wir nicht dies Recht der Armut für unö in Anspruch nehmen? Selbst ein kleines Stück Brot ist teilbar. Ich kann heute noch nicht sagen, wie wir unser Scherflein zur russischen Rothflfe beitragen werden. Vermutlich werden wir wackere Männer, Aerzte, himmS- fenben imb sie mit Medikamenten ausstatten. Sie werden einen schweren, aber endlich ein­mal einen guten Kampf zu kämpfen haben. Dem Hunger selbst werden wir freilich nicht «- sotgreich begegnen können. Das ist die hei­lige Aufgabe Derer, welche die Korn­kammern der Welt verwalten."

Rußlands düstere Lage.

Die Lage t« Petersburg.

. (Privat-Telegramm.) Petersburg, 29. Juli.

Die Leitung der Petersburger Kommune hat ein neues Proje« der Beamtenbesoldnng ansge- arbeitet, das auch bei der Moskauer Zentralre-' giernng Nachahmung finden soll. Während ge genwärtig die Beamten ein sehr geringes Geld- gehalt beziehen, das durch LebenSmittelrationen ausgeglichen wird, beabsichtigt der Entwurf die Gehälter um das Zwauzigtausendfache (!) im Vergleich zu den Friedensgehälteru zu er­höhen. Der Freihandel breitet sich in Peters­burg immer mehr auS; es werden fast täglich neue Kaffees und Restaurants eröffnet, auch Ge­schäfte, hmivtsächlich der LebenSmittelbrauche, die hre Waren zu ausserordentlich hohen Preisen »erkaufen: so kostet z. B. ein Pfund Wurst (400 Gramm) 30 000 Rubel usw. Die LebenSmiitel- preife in Petersburg sind überhaupt im Zusam­menhang mit der Steigerung der Eisenbahnta­rife um das doppelte gestiegen. Die Bevölke­rung gibt sich der törichten Hoffnung hin, dass Petersburg zur freien Stadt erklärt werden würde, dass die Engländer ihre eigene Miliz mitbringen und die Versorgung Petersburgs übernehmen würden. Petersburg leidet sehr un­ter der Hitze und unter einer ungeheuren Flie­genplage, deren Massenauftreten auf den trost­losen sanitären Zustand der Stadt zurückzufüh­ren ist. In ben Kirchen werden Bittgottesdienste um Rettung vor Hunger und Dürre abgehalten.

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Trotzki als Diktator.

Stockholm, 29. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Etner diesigen Zeitung wird aus Moskau ge- meldet: Trotzki sei zmn Diktator mit unbe­grenzten Vollmachten ernannt worden, um den Kampf gegen den Hunger und die im Lande wütenden Seuchen aufzunehmen. Diese Nach­richt bedarf einstweilen noch der Bestätigung.