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Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang

Freitag, 29. J«n 1921

Fernsprecher 951 und 952

Rrrrnmer 170

Fernsprecher 951 und 952

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Rußlands schweres Schicksal

Das Hungergespenst.

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Lrotzlys Sturz?

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Die teuere Kohle.

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AdMneweriksrrett betrögt mcnatltdb tM Mark bet tretet Suflelluna tn< ?®u*. Uu*. wärt» durch Ste Post bezogen MO Mark monatlich elnkchliestltch Austestung. Bestellungen werden >eder,M von der SelchLsttstelle oder Ben Boten entgegengenemmcn. Stu et er ei, «etlaa und «edaltton-. SchlachthoMtaste »/«. tzür unverlangt etngcfanbte Beiträge tarnt sie Redattton eine Wnantroerturtg ober Gewahr In ketnem Kalle übernehmen. Mutlzadlung be« Bezugsgelber oder An,pruche wegen etwaiger nicht orbnunglmübiger üteierung auSgelchlosten.

Rußlands schwere Rat. kPrivat-Telegi annn.)

Petersburg, 28. Juli.

Anlaß der Verschlimmerung der Er-

Jntertionspretse» a) Ein heimische Luttrage i Die etnspalttge Lnzetgen. geile M. L20, die einfpattige Reklamezeile M. st.» b) LuSwarttge Stuf träge: Die einspaltige rvtzeigenzeile M. WM, die einfpattige Reklamezeile M. 8.50, alle« einschließlich Teuerungszuschiag und Lnzeigensteuer. Für Anzeigen mtt besonder» schwierigem Sa» hundert Drozertt Bufschiag Für die RichNgkett aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie sUT Lutnahme. baten und Plahe kann eine Gewähr nicht übernommen werde». Druckerei: kchlacht- hofstratze 28/3'.1. Seschstftrstelle: stölnisch« Straße s. Delephon Nummer 951 und M2.

Berlin, 28. Juli. lPrivattelegramm.) DoS in Berlin erscheinende Orqa»LozialistM'ü West- nif* lder soqialistifche Bote) veröffentlicht solgem- deS Schreiben, das der Kriegskommissar T r otz k y an den stellvertretenden Volkskommissar Drjccha- noto gesandt haben soll. Es lautet: »Werter Ge­nosse! We bekannt sein dürste, hat unser Aen- tralkomitee ssch auf den Standpunkt gestellt, haß die Landluft mir nützlich sein dürste, und da sich bekanntlich in deni Tcrfc Drchangelskkoie bei 2?to88mi die Wertscheka (allen ssischr Mordkom- missionl mtfaehalten hat, hat sie, da sie offenbar für nreine Sicherheit fürchtet«, mich mit bewaff­neten Leuten umgeben. Seien Sie so gut, und schicken Sie für diese hungernden Leute vier Kisten mit Konserven.* Wie das Blatt weiter meldet, soll die zwangsweise UeVerfüh­rung TrotzkyS nach ArchangelSAoje von mehreren Seiten bestätigt worden fein»

nährungSlage finden in Petersburg trotz der ge­ringen Zahl der Arbeiter fortgesetzt in den Fa­briken Bersatmnlungen statt. Auf einer Der- sammlung der AlexandrowSker Werke wurden, wie die PetersburgerPrawda" meldet, nach Kenntnisnahme eines Berichts über die Ber- pflegungslage, den der aus Moskau eingetrof- sene Leiter deS dortigen Bcrpflegungswesens Badajew verlas, keinerlei Resolutionen gefaßt, da kein konkreter AuSweg anS der verzweifelten Lage vorgeschlagen werden konnte.

Schwere Zusammenstöße.

Reichswehr und Schutzpolizei.

(Privat-Tclcgramm.)

Stettin, 28. Juli.

In Stettin haben üch schwere Zusammen­stöße zwischen Reichsmehrangehörizen und Schutzpolizisten zugrtragen. Nachdem bereits am 25. Juli abends durch Angehörige des Reichswehr Pionier-Botts. Nr. 2 die öffentlich' Ruhe und Ordnung in den Grabower Parkan­lagen, insbesondere in unmittelbarer Nähe des ParkhanfeS, in erheblichem Maße gestört worden war und Reickswehrangehörige der Feststelltkng ihrer Personalien mit blanker Masse Widerstand entgegengesetzt hatten, kam eS gestern abend ge­gen 10 Uhr abends zu einem abermaligen von Angehörigen deS Pionier-Btl. Nr. 2 gemeinsam mit radaulustigen Zivilpersonen vorbereiteten Angriff auf die ihren Dienst in den Parkan­lagen versehenden Polizeibcmnten. Letztere sahen sich plötzlich einer größeren angreifcnden Menge gegenüber, aus deren Mitte etwa fünfzehn scharfe Schüsse stclen. Gleichzeitig drangen Sol­daten mit gezogenem Seitengewehr, an ihrer Spitze Janhagel, auf die Polizeibcamten ein, die ihrerseits nunmehr gezwungen wurden, von der blanken Waffe in Abwehr diekes Angriffs Gebrauch zu machen. Tie Rübe und Ordnung wurde Vinnen kurzem wieder bcrge'tellt. Eine Anzahl Ruhestörer, bestehend aus Soldaten «vH Zivtlpcrsonen, wurden m Polizeiwache geführt. Unter ihnen befanden sich mehrere durch Säbel­hiebe verwundete, die nach Anlegung eines Not- verbandes zum Garnisonlazarett bezw. zum Trupventeil durch Kraftwagen befördert wrrr den Auf Seiten der Schutzpolizei gab es keine Verwundete. Die eingehenden Erhebungen sind bis jetzt noch nicht zum Abschluß gelangt.

Die Wt-deraushausrage.

Basel, 28. Juli. (Pftvattelegramm.) Bis jetzt haben zwei Sitzungen der deuffchen und fran­zösischen! S «^verständigen in der Frage des Wiederaufbaues stattgefunden. Die Wetterfüh­rung der Besprechungen ist auf den 5. August vertagt worden. Die offiziöse Pariser Presse widerspricht der Auffassung, daß durch die bis­herigen Konferenzen Ergebnisse von besonderer Wichtigkeit erzielt worden wären.

per Herumschneide, seine Aufgabe mutz e» in je­der Stunde sein, das Weltgewiflen wachzurüt­teln. Tie Entscheidung über Oberschlesien muß im August fallen, sie darf durch keine Diploma­tenschliche abermals vertagt werden. Oberschle­siens Schicksal ist Deutschlands Schicksal! Alles muß sich vereinigen, was noch an Enr- schlutzkraft im deutschen Potte ruht, um die Re­gierung zu veranlassen, endlich auf vollste Klar­heit zu dringen und Entschließungen herbeizu- fiibren in einem Wune, der die Sklavenkette, Vie rohe Casaren um deutsche Hände legten, nicht noch tiefer und schmerzender In unser Fleisch eiw schneiden läßt. ***

Kölligshütte, 28. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Arbeiterschaft in Königs Hütte hielt dieser Tage eine Protestversammlung gegen die Ver­teuerung der oberschlesischen Kohle ab. Man for­derte energisches Einschreiten der Interalliierten Kommission. (Diese hat inzwischen die Preis­erhöhung gebilligt D. Red.) Sollte die Kob- lenverteuerung nicht rückgängig gemacht werden, so müsse ein« Lohnerhöhung von dreißig Pro­zent gewährt werden.

Aus dem Reichskabinett.

Die Besprechungen dauer« an.

tBrivat-Tclegramm.)

Berlin, 28. Juli.

Auch die gestern stattgefundene Sitzung deS Reichskabinetts beschäftigte sich wieder mit der oberschlesischen Frage. Nach einer Er­klärung des französischen Botschafters ist ein weiterer Schritt Frankreichs in der Frage oc Truppensendunyen nach Oberschlesien erst nach der Sitzung deS Obersten RateS am 4. August zu erwarten. Der Gesamtkomplex der Steuern or. lagen steht auf der Tagesordnung der Sitzung des Reichsftrbinetts am heutigen Donnerstag. Rach einer Mitteilung aus parlamentarischen Kreisen schließt die neue Steuervorlage mit einem Betrage von rund hundert Milliarden ab, während nach den früheren Regierlmgser- klärungen die gesamten Steucrvorlagen um sieb­zig bis achtzig Milliarden erbringen sollte«.

Dir Fernsprechnoi wachst.

Berlin, 28. Juli. (Eigene Trahtmeldung.) Eine weitereReform" im Reichspostministr- rium Wirtz angekändigt. Die bisher bis 8 Uhr früh zulässigen billigen AVonnementsge- Ipräche, die besonders stark von der deutschen Presse in Anspruch genommen werden, sol­len demnächst Wesfällen. AbonnemevtSgespräche sollen in Zukunst nur noch in der Zeit bis sieben Uhr früh Wgelassen Werden.

In Gklavenfesseln.

Et« Appell a« da» Weltgewiflen.

Mit lähmender Schwere Liftct die Glutiivellc iei Sommers über dem Lande. Die Parlamente sind tat di« Serien gegangen, aber von Ruhe in ber Politik, von einem verlangsamten Gange her Staatsmaschine kann keine Rede sein. Hinter sen Kulissen herrscht Hochspannung, und die Männer, die gegenrvärttg das deutsche Staats­schiff lenken, sehen vor sich Klippenfclder und zischtige Brandung. Ter Kampf um Obrrscklesien hat mählich Formen angenommen, die für die Dauer unerträglich sind, und die deshalb Der- anlaffnns boten, immer dringender darauf hin. eelfen, daß der Zustand der Ungewißheit so

cll alS möglich beseitigt werden müsse. Die-

Drän-gen und der eigenen Ansicht über tzi- unermehlichen Gefahren, die der Fragenkomplex, den das eine Wort: .Oberschlesien" in sich sckssießt, hat man sich jenseits des Kanals nickt Verschließen können, und auch in Rom hat man sich davon überzeugen müssen, daß der Weg, den man biS dahin g-gangen, notgedrungen zu d«n schwerst-m Erschütterungen deS politischen und Wirtschaftlichen Lebens nicht nur für Deutschland sondern auch für den ganzen Kontinent fübren müsse. Daß «S trotzdem seither nicht möglich gewesen, der Tragödie der bemitleidens­wertesten preußischen Provinz ein End« zu machen und danrit den Vorhang über der K o» mödie, die Frankreich der ganzen Welt Vor­spiel:, fallen zu lassen, ist ein untrüglicher Be­weis für die Machtstellung, die Frankreich ge­rade jetzt innerhalb der Entente einnimmt, und die es veranlaßte, manckerlei. auf eigene Faust gegen Deutschland zu unternehmen und ihm teue Drangsal auftzubürden.

D-> hat sich schon seit langen Wochen Mischen »en Diplomaten <tm Quai d'Orsav und in Dow- tting-Street im Stillen ein Florettkompf der An- sichten abgespielt, der zu »f f e n e r F e h d e auS- znarten schien. Aber in zwölfter Stunde fand man sich doch immer wieder zu einmütigen Be­schlüssen zusammen Au» dieser Tatsache Wirtz man praktisch zu pessimistischen Ansichten üb ec den Spruch deSObersten Rates" in der ober- schlesischen Frage ki mmen müssen, wenn man sick bei großen Enttäuschungen bewahren will. Am 4. August sollen die Beratungen in Paris be­ginnen. denen eine ganze Welt mit höchster Span­nung folgen wird. Seltsam mutet in der Nach- richt, die in großer Kürz« den Zeitpunkt der Be- ratungKbeginneS registriert, der Umstand an. daß LloydGeorge nicht erscheinen, sondern durch Lord Curzon und Balfour vertreten sein werde. Umso auffälliger muß das Fernbleiben einer der Hauptakteure in dem großen Drama sein, als ja in Paris nicht nur über Oberschlesier' iwd die .Sanktionen" debattiert werden muß, sondern auch über das Orient-Problem, die St-l- lungnavme zu Rußland, die Hilfs-Aktion für Oesterreich und Mitteleuropa, die Balkcmfrao« und über die Verhältnisse im Pazifischen Ozean. Es wäre o!fp grundfalsch, wenn man in Deuffch- lantz der Ansicht sein wollte, daß sick die Entente nur über Deutschland und Oberschlesien den Kopf zerbricht. Man wird vielmehr gut daran tun, txrmit zu rechnen, daß es den Winkelzügen fran­zösischer Diplomatie gelingt, daS aroß« Pro­gramm so zu formen, daß eine endgültige Rege- hmg der uns Deutschen am nächsten liegenden Fragen auch diesmal nickt stattfindet, und daß damit den Franzosen Gelegenheit ge­boten wird, ihre Maulwurfs arbeit in Ober- kblesien sortzufetzen. die eS fernen hinterlistigen Zielen näherbringen soll

In den Kreisen der Entente spricht man jetzt allgemein von einem Kompromiß. Wäre man bei dem Hin und Her deS Handels Mi­schen Paris und London zu diesem Resultat« gekommen, so würde damit betet den fein, daß Brinnd in dem Spiel der Diplomatie die Oberhand bebiett. denn das englisch« Unterhaus hat ja in einmütiger Entschließung den franzö- ffßcken Standpunkt in der oberfchlesiscken Frage auf das Schärfste angegriffen und aeiadett. Da konnte er, so sollt« man meinen, Kompromisse irgendwelcher Art nickt mehr geben. Der prak­tische Sinn der FeindeS-Divlonmten wird eine Entschuldigung vor dem Weltgericht für eine abermalige Deitagamg der oberschleiischeii Frag« finden. Er wird argnmentteren: ES stehen An- prfeaenbeiten zur Erörterung, deren Tragweite erheblich über die Bedeutung Obcrfchlesiens tzinauSgeht.

Dettacktet man die MeinungSverschiedenhei- ten Mischen England und Frankreich, wie sie während der letzten Wochen zutage getreten sind, »ann wird man zu der Ueberzeugung kommen, daß e» sich nur um eine M acktfraqe Mischen der englischen und französischen Stellung in der Woltvolirik handelt und daß hierbei da» ober- scklesische Problem nur eine untergeordnete Be­deutung für die beiden Rivalen bat. Aber was hat Deutschland mit dem Machtkitzel größen­wahnsinniger Polittker zu tun? Seine Aufgabe muß cs in jeder Stunde fein, darauf zu achten, daß man nicht noch weiter an seinem siechen Kör-

die Protokolle über die bisher geführten Bespre­chungen zu redigieren. Solange diese Arbeit nicht breirdet ist, wird die französische und dir deuffche Regierung das Abkommen nicht ratifizie­ren können. Nach demPetit Paristen" bleiben selbst nach der Ratifikation in der Praxis noch große Schwierigkeiten zu überwinden. Inzwi­schen übersandte die französische Regierung allen Alliierten ein Memorandum über den Verlauf dieser Besprechungen. Ties geschah deshalb, weil sich die englische Regierung in einer Note über diele Berhaudlungen beschwerte.

Kasseler Neueste Nachrichten

' ' Hessische Abendzeitung

Gommer-Schrecken.

Di« europäische Dürre. *

®an» Europa stellt unter dem lahmenden Eli» stutz abnormer Sitze und einer Dürre, die naeth gerade die ernstesten Bedeuten fUr die Sank» wirtschaft lockt«. Unser meteorologische Mit­arbeiter übersendet uns nachfolgenden Ar Mel.

Je weiter der diesjährige Sommer fort» schreitet, nmso ähnlicher wird er dem wegen sei, ner Hitze und Trockenheit noch unvergessenen Sommer von 1911. Auch vor zehn Jahren tonn, ten wir uns eines zeittgen, warmen Frühjahr- erfreuen, dem trotzdem nach frühzeitiger Wärm» scharfe Mckfälle nicht fehlten; wie in diesem Jahre verlief ein Teil des Monats Juni recht kühl und unfreundlich, und nachdem cs im Juli heiß u. hochsommerlich geworden war, dauerten PundStagshitze und Trockenheit bis an di« Dcbwell- des Herbstes ununtevbnochen fort. So weit sind wir nun allerdings in diesem Jahr« noch nicht; aber dafür hat der bis jetzt »er* strickene Teil des Sommers das gefahrdrohend« Merkmal der Dürre und Hitze bereits wett schärfer ausgeprägt gezeigt, als es vor zehn Iah, ren der Fall gewesen ist. Denn 1911 begannen di« eigentliche Hitze und Trockenheit erst in dv zweiten Juli hälfte.

Die Merkmale des trockenen Hitzesommer» sind in diesem Jahre umso auffüMaer, als ste sich nickt allein aisf Mitteleuropa beschränken, son, dem außerordentlich weite Gebiete deS Erdteils heimsuchen. In dieser Hinsicht iss der Sommer 1921 in der Witterungsgeschichto der letzten Jahre ohneBeispiel, Zuerst hat sich der Reaenmangel in Westeuropa geltend fle« macht; Frankreich und die Brittichen Inseln ba, ben becettZ ein volles Vierteljahr käst anuute-:* brotirenen heiteren, trockenen und sehr warmen Hochdruckwetters hinter sich, und unbeschadet der Negenfälle die neuerdings in den WesMndern eingetreten sind, und deren Mengen kaum irgend» too so erheblich gewesen sind, um die herrschrudo Trockenheit für länger als ein Paar Sage Mt be* heben, kann man sagen, daß Hitze und Dürr« dort immer noch anhalten. Beide meteorolo* gische Erscheinungen stehen naturgemäß in imtt» gern Zusammenhang; die feit vielen Wochen in Westeuropa erreichten Temperaturen sind durch- sckntttlich um fünf Grad höher als in normalen Sommern, dergestalt, daß in diesem Jahre mit* heftend ebenso ost 35 Grad Celsius erreicht wer­den. wie in anderen Jahren das Quecksilber hist auf 30 Grad Celsius steigt. Es versteht sich von selbst, daß schon dieser Umstand den Boden weit rascher und stärker austrocknen läßt, und die gteiche Erscheinung beobachten wir in Mittel­europa, wo sich der Mangel an Regen verhält» niSrnÄtzig plötzlich und besonders nachhaltig bemerkbar gemacht hat. Herrscht zurzeit doch in allen den Gebieten Deutschlands bereits h öchst bedenkliche Dürre, in denen während der vierwöchigen JuniLWe an Regen kein Mangel gewesen ist.

Vielfach sind in diesen mittel- und ostdeut­schen Gebieten auch im Juli wiederholt Tag« mit Regen vvrgekommen; nur Waren die gefal­lenen NiederfiMugsmengen so gering oder mtß so enge Gebiete begrenzt, daß ihr landteittschakt- lickrer Nutzen nicht ins Gewicht gefallen isst. Man kann daher bis znm Augenblick auch noch nicht eigentlich von langdauernder Regenlosigkeit sprechen, wenigstens nicht für den größeren Teil Deutschlands. In früheren Jahren sind schon weit längere Trockenperioden vorgeihmmen; wenn jetzt trotzdem die Dürre vielfach schon k* tastvophal für die Landwirtschaft zu werden be» S" mt, so hat das seinen Grund einmal, wie on erwähnt, in der immer wiederkehrenden großen Hitze, dann aber, und dieser Umstand ist! bisher nickt genügend hervorgechoben worden, in dem NiederfchlagSmangel bei ver* gangenen Herbstes und WinterS. So War m großen Distrikten des Lande» besonders der Hetbsst von einer so ziemlich beispielSlosen Trok- kenhett, die am 23. September 1920, genau mit dem kalendarischen Herbstbeginn einsetzte, nach« dem ein sehr feuchter und herbstlicher Rachsonr. mer vorangegangen war. Der Untrrschted in dieser Hinsicht war ungemein rfttrafteriftito; von dem genannten Doge bis znm Ende des Monat» November hatte eS in manchen Gegenden 'M ganzen nur sieben Tage mit ganz geringen Sie» gerrmenMn gegeben.

Ebenso war die Regen» tntb Schneearmm des eigentlichen Winters keine nur auf ein eng-el Gebiet beschränkte Erscheinung. Dem schneelo­sen Winter folgte wiederum, wie im vorange« gangenen Jahre, ein abnorm zeittge», warmes und gleichfalls niederschlagsarmes Frühjahr, an das sich «in ebenso frühzeitiger, ausnehmend Set Poricmmier anschloß. Dem Erdreich ist it bereits feit zehn Monaten viel zu wenig Feuchtigkeit zngeführt teorden, und besonders cer FouchtigkettSmangel der kal­ten Jahreszeit wirkt orsahrungsgemäß im kom­menden Sommer verhängnisvoll, sofern dieser nicht dauernd Regenfällc in normaler Meng« crufweist. Mederfchläge. die im Herbst und Winter fallen, brauchen, do« ffl efeic Wfteheiide,

Deutschland und Frankreich.

Di« wirtschaftliche» Verhandlungen- «Sigene Drahrmeldung.l

Basel, 28. JuN.

DieBaflct Nachrichten" melden aus Pari»: Die deutsch-französischen WittschastSverbandlun- gen sollen diese Woche wieder oufgeiumuncn wer. den. Gegenwärtta beschäftigt man sich damit.

Oberfchlesiens Lage.

Di« Rot der Erfonindnstrie. lPrivat-Telegr-amm.l

Oppeln, 28. JuN.

Zurzeit wird die obcrfcklcsifchc Eifcnindustrie nur notdürftig durch diejenigen Aufträge über Wasser gehalten, die das Reich erteilt hat. oder in sickere Aussicht stellte. Aber auch diefe Staats- .-xVtS-e.tzfftzen o-t und für sick keinen Anreiz für die Aufrechterhaltung der Betriebe, weil die Preife in gar keinem Verhältnis zu den Ge- stchungSkostcn stehen. Trotzdem wird es der ober, fcklcsifchen Eisenindustrie nicht möglich fein, höhere Preife zu fordern, weil sie sich nicht in Gegenfaß zu he» Preisen auf dem Weltmarkt stellen kann. Es wird daher notwendig werden, eine besondere Aktion des Reiches einzu leiten, durch welche den oberschlesischen Eisenwer­ken wieder ein Teil der Millionenverluste zu- sließt, die während deS Polcnaufstandes zu ver­zeichnen waren. Zurzeit ist die Lage tatsäiUich die, daß einzelne Werke kaum nach über ein ge­nügendes Betriebskapital verfügen und dmck- aus nicht in der Lage sind, an Neuanschaffun­gen und Rescrvestellung zu denken.