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Nummer 169.
Fernsprecher 951 und 952
Donnerstag, 28. Juli 1921
Fernsprecher 951 und 952
11. Jahrgang.
Sie Truppensevdungen nach Schlesien.
Vrophet Schiffer.
®ie düsteren Ansichten eine« Minister«.
In Remscheid, dem bekannten Jndustrieort «es bergischen Landes/ hat des Reiches Jnstiz- minister eine Rede gehalten. Gegenwärtig, da Ministerreden nicht so selten sind, wie die Inseln im Stillen Ozcan, würde es naturgemäß ganz und gar überflüiffig sein, von der Tatsache, daß em Minister gesprochen hat, be-sonders Notiz zu nehmen. Was die Auslassungen des Justizministers aber erwähnenswert erscheinen läßt, das ist der Umstand daß er Dinge zur Sprache brachte, über die sich nicht jedermann in wünschenswerter Weis« bis jetzt Klarheit verschaffte, daß er gewissermaßen den Propheten spielte un» für einen Augenblick den Vorhang aus- rinanderzog, hinter dem Deutschlands nächste Zukunst ruht. Und dieser Ausblick war nicht erfreulich. Dem, der nicht verlernt hat, im tollen Wirbel der Gegenwart klaren Blickes die Ereignisse zu sehen, dem, der den Mut aufbringt, sich mit der Summe all des Unerfreulichen, das täglich unsere Zeit hervorbringt und unser Dasein bedroht, zu beschäftigen, darüber nachzudenken und zu Schlüssen zu kommen, dem wird Herr Schiffer in seiner Remscheider Rede nichts Neues gesagt haben. Aber leider: Es sind nur We- n i g e, die Zeit zu solchen Betrachtungen finden, und die infolgedessen auch nicht von trüben Geschehnissen überrascht werden. Die weitaus größte Mehrheit des Volkes bat sich schon längst abgewähnt, über UnannehnÄLkeiten und Schwereres nachzugrübeln, teils, weil sie absttnnpfte in all dem großen Leid des deutschen Alltags, das uns seit Jahren umfangen hält, teils, weil sie es als nützlich erachtet, in ödestem Genuß, in »der Phrasendrescherei ihre Tage hinzubringen.
Nichts Neues hat also Justiznnnister Schiffer ■M« ernst Denkenden g »sagt, wenn er der Ansicht Ausdruck lieh, daß von der Entscheidung unserer Gegner Wer Oberschlesien und die .Sanktionen' das Schicksal Deutschlands, mehr noche. das Schicksal der Welt abhämge. Ob man ien- seits des Rheines dieses Malmwoit, das Schiffer hinüberrief, vernehmen, ob man darüber nachdenken wird? Fast möchte man's bezweifeln ... Alles, was Frankreich tut, ist diktiert von einem so blinden Hasse, ist so sinn- und planlos (viel- leicht nur scheinbar!), daß man cs ausgeben muß, an den gesunden Menschenverstand Derer zu appellieren, die zurzeit die Geschicke der „Großen Ration' leiten. Vielleicht nur „scheinbar- ziel- und planlos ist das Verhalten der Franzosen, sagten wir, denn wir glauben, daß das, was ein Fidschi-Insulaner begreifen müßte, wenn es ihm so klar vorgerechnet würde, wie es kürzlich seitens des Herrn Rathenau in Wiesbaden dem französischen Aufbauminister Loucheur gegenüber geschah, schließlich doch auch noch in vas Hirn eines französischen Ministerpräsidenten eindringen müßte. Aber ebenso wie Loucheur erklärt, er vermöge nicht einzusehen, warum Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfüllen könne, wenn ihm Oberschlesien genommen würde, ebenso wird man von Briand erwarten können, daß er nicht „weitsichtiger" zu sein bestrebt ist. Die Mätzchen der politischen Tafchenspielerei, die schon beim Frankreich der Vorkriegszeit im Schwange waren, sind heute zu größter Virtuosität ausgebildet, und wenn der Franzos« vor dem Weltkriege nicht immer die scharfen Konturen der Ereignisse zu erkennen schien, so sieht der Franzmann von heute ganz nach seinem Belieben rar nichts mehr. Ter „Sieger von Wilsons Snaben" ist somit weit Wer seine stühere Be- reutung hinausgewachsen. Er kann es auch gar richt seinem Begriffsvermögen nahebrinMn. daß »er Deutsche, der doch so häufig schon „Ja" sagte, mm mit einem male anfängt, ein Rechenexcmpel aufzumachen und zu verlangen, daß man an der Seine darüber Nachdenken soll. Das ist nach französischem Empfinden ein ganz unerhört dreistes Verlangen des „Besiegten", der doch ganz selbstverständlich nur das eine Recht hat: Zu zahlenbiszumWe'iß bluten! Woher die „Boches" die Zahlungen nehmen, das zu ergründen erscheint dem biederen Briand und den hinter ihm sitzenden Raubvögeln vollkommen überflüssig. Sie sagen: Wir können beweisen, daß Deutschland auch ohne Qberschlesien zu zahlen iermag, ergo: Hat es zu zahlen!
Deutschland aber kann nicht ohne Ober- Westen und nicht mit den „Sanktionen" ?wh- !en, ergo: muß es z'usammenbr ecken! So argumentierte indirekt mit Recht Schiffer und so argumentieren mit ihm alle Denkfähigen. Diesen Zusammenbruch hat der Minister klar vor Augen gerückt, indem er auf die Unmöglichkeit binwios, daß sich ein Kabinett der Rechten eben* sowenig wie ein solches der Sinken werde halte« können, wenn Wirth und sein Ministerium gestürzt werde durch eine deutsch-feindliche Lösung der oberschlestschen Frage und den Fortbestand der verhängnisvollen Sanktionen. In politischen Kreisen Deutschlands fielst man der Weiterentwicklung der Dinwge mit schwerer Sorge entgegen. Man hat dazu umso mehr Anlaß, als di« Ereignisse der jüngsten Zeit schon wiederholt
gezeigt haben, daß Frankreichs „Rechtsansichtcn" zunächst zwar von seinen Kompagnons bekämpft, dann aber doch' als richtig übernommen wurden.
Aus klarer Erkenntnis erwachsen für die Möri- ner, die über das Wohl unseres Volkes zu wachen haben, beklemmende Schwierigkeiten. Lenkt Frankreich nicht ein, bann bekennt es damit vor aller Welt, daß es iHv» gar nicht darauf ankommt, in Frieden rrm Deutschland zu leben, sondern lediglich darauf, Deutschland zur Unmöglichkeit zu bringen, seinen Verpflichtungen nachzukommen, um über dieses Resultat hinaus seinen tückischen, weitgehenden Wünschen Erfüllung werden zu lassen. ***
Oberschlesiens Schicksal.
Vor weiterer Verschärfung der Saget (Eigen» Drahimeldung.i
Berlin. 27. Juli.
Die oberschlcsische Frage ist fortlaufend Gegenstand von Beratungen und Konferenzen im Reichskabinett. Die beabsichtigte Serienreife des Außenministers ist verschoben worden. Gestern früh sprach Minister Dr. Rosen in der französischen und bald darauf in der englischen Botschaft vor. Auch die Einberufung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten ist in Erwägung gezogen für den Fall, daß in der oberschlesifchen Frage in den nächsten Tagen eine weitere B e r f ch'ä r s u n g eintreten follte, was man, den Nachrichten der letzten Tage zufolge, durchaus nicht für ansgefchlossen erachtet. Französische Truppensendungen über Mainz haben bis gestern abend noch nicht begonnen, obwohl in Mainz in den letzte» drei Tagen erhebliche Berstärkungen eingetroffen sind. Eine weitere Meldung besagt: Das ReichSkaSinett hiSt gestern eine Sitzung ab, an der auch Reichspräsident Ebert teil’ nahm. ES gelangten die im Vordergrund deS Interesses stehenden politischen Tagesfragen zu eingehender Erörterung. Kurz vorher war der englische Botschafter im Auswärtigen Amt erschienen. um Dr. Rosen eine Mitteilung der eng- lifchen Regierung zu machen, über die bisher strengstes Stillschweigen bewahrt wird.
e
Drohung am Rhein.
PariS, 27. Kilt. (Privattelegramm.) Wie der TempS meldet, wird Frankreich auf die Ent- sendung von Truppenverstärkungen nach Ober- fchlesten verzichten. Bemerkenswert >st eine Beutzerung dieses Blattes, daß Frankreich sich nach diesem Entgegenkommen England gegenüber mit einer Drohung am Rhein begnügen werde für den Fall, daß deutsche Unruhen in Oberschlesien entstehen sollten.
London und Varis.
Man plaudert weiter.
(eigene Drahtmeldung.)
Basel. 27. Juli.
Der Baseler Anzeiger meldet aus Paris: Der Meinungsaustausch zwischen Paris und London über Oberschlesien hat, wie den Pariser Zeitungsmeldungen zu entnehmen ist, noch keinerlei Annäherung gebracht. Einem sehr objektiv gehaltenen Situationsbericht des Matin ist zu entnehmen, daß in London keine Neigung vorhanden ist, von der bisherigen Erklärung ab- zuweicktrn, und zwar wird der Grund dafür in der Festlegung Lloyd Georges gegenüber dem Parlament erblickt; ebenso ergehe es Briand. Der Matin nennt selbst die augenblicklichen Dis- serenzen zwischen London und Paris eine e r st e ernstliche Gefährdung (?) des Versailler FriedenSvertrage». .
•
Italiens Haltung.
Zürich, 27. Juli. (Privattelegramm.) Eine Turiner Zeitung meldet aus Rom: Die Ueber- nahme der Sforza-Linie in Oberschlefion durch die neue Regierung ist nicht erfolgt. Damit erledigen sich alle ausländischen Meldungen über eine angebliche neue Unterbreitung der Sforzai- fchen Vorschläge an den Alliierten-Rat.
Die Steuerschraube.
Fertigstellung der neuen Vorlage«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin. 27. Juli.
Die neue« Steuervorlagen werden am morgigen Donnerstag »cm Kabinett zugehen. Sie werden sofort durchberaten und teils an den Reichsrat, teils an den ReichSwirtschaftSrat weitergegeben, so daß sich der Reichstag nach seinem Wiederzusammentritt Anfang September damit befassen kann. Die Steuervorlagen sind auf die Tagesordnung der ertzeu Sitzung gesetzt. I« po
litischen Kreisen wird erklärt, daß der Reichstag nur bis zum 10. September zusammenbleibt, und sich bann biS Mitte Oktober vertagen wird, um dem Steuerausschuß des Reichstages Gelegenheit zu intenstver Arbeit zu geben.
Endlich geeinigt?
Die Tagung des Obersten RateS.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 27. Juli.
In London und Paris hat matt sich nunmehr endgültig aus den 4. August alS Beginn der Tagung des Obersten Rates geeinigt. Eine entsprechende amtliche Mitteilung ist bereits er gangen. In der Frage der Truppenverstärkun- gen scheinen sich aber die Meinungsverschiedenheiten verschärft zu haben. Lord Curzon soll dem franzöfifäfen Botschafter in London kategorisch erklärt haben, daß die englische Regierung Truppentransporte nach Oberschlesien auch dann noch nicht zulasse, wenn Deutschland damit einverstanden sein sollte. Donnerstag werden die Sach, verständigen zufammcnt.-ri-m. Lloud George selbst wird an der Konferenz nicht teilnehmen, sondern durch Lord Curzon und Balfour vertreten sein. Jtalienischersrits werden Ministerpräsident B o n o m i e und Außenminister della Torretta teilnehmen. Amerika wird durch den Botschafter in Loudon, Harvey vertreten.
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Die Haltung Belgien».
Haag, 27. Sui;. (Privattelegramm.) Aus den Aeußerungen der französischen und belgischen, sowie in geringerem Maße der englischen Presse ist zu entnehmen, daß Belgien sich tn der Frage der weiteren Behandlung der Reparationsfrage dem englischen Standpunkte nähert. Tie englische Presse nimmt in charakteristischer Weise die Vertretung des belgischen Finanzministers Theu- n i s auf. Belgien macht Ansprüche auf sofortige Auszahlung von 2% Milliarden Goldmark.
polnische Rläne.
Fünf wichtige Tagesbefehle.
(Privat-Telegramm.)
Breslau, 27. Juli.
Die „Schlesische Zeitung" veröffentlicht aus der heutigen Nummer des „Schwarzen Adler" fünf polnische Tagesbefehle beS sogenannte» Armeestabes Ost-Oberschlesien. Der Tagesbefehl vom 10. Juli teilt mit, daß am 25. Juli die Offensive zu beginnen hat, und zwar hat der erste Abschnitt am 7. August vor Pofen zu stehen, der zweite vor Oppeln, der dritte vor Kreuzburg und der vierte aus der böh- m i f ch e n Seite. Bis zum 20. Juli ist der Bericht über die Bereitfchast zu diefer Offensive vorzulegen. Unterzeichnet sind die Befehle: „In Bollmacht Lisetzky, Hauptmann und Adjutant." Der „Schwarze Adler" druckt weiter die Entlaf- fungsfartc der Insurgenten ab. auf denen es ausdrücklich heißt» daß die Insurgenten nur bis zur Wiedereinberufung entlassen sind.
• Unveränderte Lage.
Berlin, 27. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die in OberschLesien ausgegebene Generalstreikparole ist Breslauer Telegrammen zufolge nicht einmal tm Kreise Rhbnik befolgt worden. Es kam nur zu einzelnen Streiks von untergeordneter Bedeutung. Im allgemeinen ist die Sage :» Oberschlesien immer noch unverändert.
Spanien in Marokko.
Die schwere Niederlage.
(Privat-Telegramm.)
Madrid, 27. Infi.
Hier treffen Einzelheiten über die fchwere spa nifche Schlappe in Marokko ein. welche die Niederlage alS bedeutend größer erfcheinen lassen. Die Spanier fallen sünftaufend Mann verloren haben an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Die Reste der Armee des Generals Sylvestre sind von Melilla gänzlich abgefchnitten Seit vierundzwanzig Stunden hat man keine Nachrick^ mehr von ihnen. Das letzte, das man von ihnen weiß, ist, daß ihnen die Munition aus ging. Der Flughafen in der Nähe von Melilla mußte geräumt werden. Die Apparate wurden verbrannt. Es ist infolgedessen unnkög- lich, Flieaererkundignngrn über daS Verbleiben der abgescknittenen Truppen eftiznbolen. Ganz Kabelien fall am Ausstand beteiligt fein. Sämt licke Küstenstämme haben sich der Revolte anae- schlosscn. In Melilla sind fechs Infanterie« bataillone und zwei Kavallerieregimenter als Verstärkung eing-troffen, um wenigstens diesen Platz halten zu können. Die Garnison von SI - didiris hat sich ergeben müssen.
Die grüne Insel.
Dominion oder Republik?
®ad irische «Problem hat während der letzte» Zeit wieder in ganz besonders hohem Grade 61« allgemeine Ansmerksamteit ans sich gezogen, di« nachstehenden Ausführungen eines gelegen», licheu Mitardeire-S dürften deshalb nicht nur unseren Lesern willkommen sein, sondern auch zum DerftänduiS der irischen Frage beitragen.
Die Londoner Meldungen, die über den guten Fortgang der Verhandlungen zwischen Lloyd George und De Palera zu berichten wissen, stehen in schroffem Gegensatz zu den Verlautbarungen von irischer Seite. So hat das Pro- paganvabüro der Sinnfeiner-Organisation bte bemerkenswerte Feststellung gemacht, daß bisher überhaupt noch keine Konferenz stattgeftm- den habe, sondern daß es sich nur um Besprechungen über die Möglichkeit handelte, die Grundlage für eine Konferenz zu finden. In der Tat lassen die Erörterungen der englischen Presse immer deutlicher erkennen, daß sich dem Bestreben, den Jaibrunderte langen Kriegszustand zwischen England und der „grünen Insel" zu beenden, von beiden Seiten die größten Schwierigkeiten entgegenstellen, sodaß der Ausgang die. ser Friedensoerhandlungen noch gar nicht ab» zusehen ist.
Vielleicht handelt es sich bei dem irischen P r o b l em nm die ernfteste Gefahr, die daS britisch? Imperium bedroht, jedenfalls nicht minder bedroht, als das gleichfalls in vollem Umfang ausgerollte Orientproblem. Die Dinge liegen heute fo, daß die Homerule-LSsnng, die man in England noch vor wenigen Jahren hätte halben können (auch eine Politik der verpaßten Gelegenheiten) ein für alle Mal erledigt ist, und daß es sich nur noch um die Frage handeln kann, ob die Iren sich mit der Mmen angebote- nen Domintalautonomie begnügen, öder ob sie auf der nicht etwa nur von den Dinusei- nern (die gaelischen Worte Sinn-Fein bedeut.'« „wir selbst-') proklamierten völligen Selbständigkeit Irlands auf der irrische« Republik bestehen.
Darf doch nicht übersehen werden, daß D« Valera, der bte Verhandlungen leitet, von seinen Landsleuten als der „Präsident der irk- schert Republik" gefeiert wird. Die Iren meinen eben daß, was dem einen recht fei, dem andern billig fein müsse, und sie wollen von dem Selbst, bestimmungsrechr Gebrauch macheil, mit dem die- Engländer in Anlehnung an die vierzehn Punkte Wilsons während des Weltkrieges hausiert hatten, freilich nur, soweit dies Recht ihnen in den Kram paßte Um die dem brittschen Imperium von der Fortsetzung des irischen Bürger- krieges drohende Desahr astzuwenden, hat man sich, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, zu weitgehenden Zugeständnissen entschlossen, Das unter dem Vorsitz Lord MerbhS ausgestellt» Maximalprogrcmm der Koalittonsunionisten hat den Fron, soweit aus den darüber verbreiteten, ausfallend dürftigen Nachrichten z« en^ nehmen ist, etwa die Stellung der Dominions zt,gedacht. Hierbei ist zu beachten, daß die durch die unlängst abgehaltene Reick'skonferenz gekennzeichnete. bei aller Betonung des Mitbestim- ungsrechteS doch letzten Endes auf einen engeren Zusammenschluß zwischen Mutterland und Kolonien gerichtete Bewegung nicht geeignet ist, den Iren dies Linsengericht schmackhafter zu macken. Auf der andern Seite weiß man nicht, welche Fußangeln Llopd Georges Konzessionen sonst noch enthalten. Hat die britische Regierung sich doch nur auf Betreiben der Reichston- feren, und vor allem des Generals SmutS zu diesen Zugeständnissen entschlossen.
Gegen die sich nicht nur in England eine starke Oposition geltend macht. Hier ist eS besonders der rechte, der Koalition nicht angehörende Flügel der Unionisten, der sich mit aller Entschiedenheit gegen jenes Zugeständnis Tträitbt. und ,n diesem Widerstand gesellt sich der der irischen Provinz Ulster, die infolge der Zugehörigkeit der Minz überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung znm CalvinismuS schon in schroffem restgiösen Geaensatz zu dem rein katholischen sogenannten Südirland steht, das aber fünf Sechstel der grünen Insel umfaßt. Diese Widerstände sind so stark, daß sie sich sogar innerhalb des Kabinetts bemerkbar machen und bereits mit der Möglichkeit einer Kabfnetts„ krisis gerechnet wird, ebenso wie Llovd George zu der Drocknna mit der Auslösung des Unterhauses und der Ausschreibnns von N e u- wählen seine Zuflucht nimmt Macht sich so ins der einen Seite ein sehr ernstlicher Widerstand gegen das Zugeständnis der Tominial- autonomie geltend, so ist auf der andern Seite b»r größere Teil der Fren mit dieser Konzession bei weitem nicht zufrieden und fordert ungestüm die Auspflanzung bes grün-weiß-orangefarbenen Banners der Republik Ob angesichts so tiefgehender G-genfirtze eine (Einigung mit „Fokin Bulls andererZstrsel" in Aussicht steckt, das ist alles eher als sicher. Fed-mialls find die ovttmi- stifcken KommunigueeS der englischen Regte, runasvresse mit allen Vorbehalten ausKunehnten,