Kasseler Neueste Nachrichten
AUS aller Welt
M Weimii ter MaaMti
Roman von M. Birkner.
6)
Nr. 165.
Elfter Jahrgang
gcfähr sechstausend Morgen Wcrldbestand vom Feuer ergriffen. Auch die Baracken stehen zum Teil in Flarmnrn.
• In den Bergen verschollen. Seit Ende Mai werden drei junge Leute, zwei Wencr und ein Linzer, die sich nach Salzkammergut begeben hatten, vermißt. Daß sie schwierige Bergtouren gemacht und dabei verunglückt sind, erscheint nach Lage der Dinge ausgeschlossen. Es wird vermutet, daß sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Die Polizei hat umfassende Nachforschungen eingeleitet.
* Öffentliche Chevernntüungsstelle. In W i e n hat sich unter dem Vorsitze des ehemaligen Ministers Dr. Victor Mataja ein Ausschuß gebildet, der über die Gründung einer neu. artigen einwandfreien öffentlichen Ehevermitt- lungsftellc berät.
Beilage.
Sonnabend, 23. Juli 1921
Humor in ernster Zett.
* Beim Gramen. Professor (aus die Brust ei* nes zu prüfenden Mediziners deutend): „Wo komme ich hin, Herr Kandidat, wenn ich da. hineinsteche?" — Kandidat: »Ins Zuchthaus, Herr Professor l"
kein Wort mit ihm gesprochen hatte. Und jeden Morgen wartete sie in zitternder Unruhe auf dem Luginsland auf sein Erscheinen. Kam er einmal nickt vorüber, dann schien ihr der Tag ein verlorener zu sein. Das reiche Liebesempfinden ihres unberührten, jungen Herzens, das sich ltets batte verschließen müssen, weil es auf leinen Menschen ausströmen konnte, konzentrierte sich mit einer schwärmerischen Innigkeit auf diesen ihr doch ganz fremden Manu.
Es half nichts, daß sie sich sagte, es sei ein Unrecht, nach dem Verlobten einer anderen zu sehen — sie konnte nicht anders. Wie maane- tisch zog es sie jeden Morgen nach dem Luginsland und ihre Augen hingen an Dr. Friesen, solange er in Sicht war. Mit fieberhafter Ungeduld wartete sie darauf, daß er in Berndorf seinen Besuch wiederholte, aber er kam nickt. Rur Herr "von Thorau kam noch einige Male und als Frau von Berndorf ihn eines Tages fragte, ob ihn fein Freund nicht wieder einmal begleiten würde, .erwiderte er lachend:
»Er ist ein sonderbarer Mensch, für ihn gibt es eigenttick nur zwei Tinge auf der Welt — feine Arbeit und seine Braut. Bis zu seiner Verlobung hat er einzig nur für feine Arbeit Interesse geheckt."
»Also ist er ein sehr fleißiger Mensch?" fragte Käthe.
»Ja, unheimlich fleißig. Und vielleicht vergißt er eines Tages über feiner Arbeit, daß er eine Braut hat. Wenn er nickt bis über beide Obren in sie verliebt wäre, hätte er sie wohl schon vergessen. Fräulein Rothberg beklagte sick schon neulich bei mir. daß ihr Verlobter fcin:r Arbeit mehr Zeit widmet, als ihr."
„Run, wenn sie weiter keine Nebenbuhlerin hat, als seine Arbeit, daun braucht sie sich nickt zu beklagen. Darein müssen wir Frauen uns alle fiioen. daß der Beruf des Mannes der Hauptinhalt feines Lebens ist und kluge Frauen finden sich darein," bemerkte Frau von Berndorf lächelnd.
Herr von Thorau machte ihr eine Verbeugung.
»Gnädige Fran — Sie sind auch das Muster einer Gattin und Mutter, darin sind alle einig, die Sie zu kennen oie Ehre haben. Aber um
Ein neuer Weg der Vorhersage.
Alljährlich- werden von den meteorologischen Stationen der Erde gewaltige Zahlen von Em- zeibeobachtungen gemachst. Die Gesamtheit der so jährlich beobachteten Momrtsmittel dürste sich aus mehr als zehn Milliarden belaufen. Dieses Riesenmaterial zahlenmäßig auszuarbeiten, ist natürlich ganz unmöglich. Es muß daher die Statistik der Meteorolgie Methoden finden, die eine bequemere und doch prakttsch wertvolle Ver- arbeitmrg gewährleisten. Ein Mittel dafür, das zugleich einen neuen Weg der Wettervorhersage darstellt, gibt E. Szolnoki in der .Naturwest senschastlichen Wochenschrift" an.
Seit kurzem versucht man eine einfache Aufarbeitungsmethode, indem die Zahlenwerte der Angaben außer Acht gelassen werden und man nur ihre Tendenz, die Häufigkeit und die Regel ihrer Aufeinanderfolge untersucht. Auf diese Weise gelingt eS, JahreSzeittyPen zu schassen. So hat man z. B. in Men festgestellt, daß die Wnter in den letzten Jahren immer eine posittve Temperaturanomalie hatten, dagegen die Sommer immer eine positive Bswöst lungsanomalie. Noch auffallendere Regelmä. ßiqkeiten im Verlaus der einzelnen Jahreszeiten ergaben sich wenn wicht nur ein Wetterelement geprüft wurde, sondern wenn man mehrere Wettermerkmale, den natürlichen Verhältnissen entsprechend, zusammen und gleichzeitig beobachtete. Man fand, daß in den letzten dreißig Jahren die bewölkt-kalt-nassen Sommer und die be» wölkt-warm-naffen Winter in ganz überraschender Weis« häufiger wurden. ES mutz also zwischen diesen beiden Erscheinungen ein innerer Zusammenhang bestehen. Aus Grund der positiven und der negativen Anomalien der wichtigsten Wette veleme ute, nämlich Bewölkung, Temperatur, Niederschlag, lassen sich acht verschiedene Typen für jebe Jahreszeit ausstellen: 1. bewSM-warm-naß, L bewölkt-wannchcocken, 3. bswölkt-kalt-natz, 4. klar-wanm-natz, 5, klar- kalt-naß, 6. klar-warm-trocken, 7. bewSlkt-kalt- trocken, 8. klar-kalt-trocken.
Man hat nun für Wien ausgerechnet, wie oft in den letzten drei Jahrzehnten auf einen be« wölkt-kalt-nassen Sommer ein bewölkt-warm- nasser Winter folgte. Auf zehn Sommer vom Typus 3 folaton im Jahre 1890—99 drei Wnter vom Typus V 1900—1909 vier und 1910—1919 sieben. Auf die anderen Typen entfielen' im ersten Jahrzehnt sieben Winter, im zweiten sechs, im dritten sieben. Der WahrscheinlichSeitSfattor hat Äso in den letzten drei Jahrzehnten nach einer geometrischen Reihe Angenommen, und man kann annehmen, daß er im kommenden Jahrzehnt Weiter zunehmen wird. ES besteht also die allergrößte Wahrscheinlichkeit, daß aus einen bewöllt-kalt-nassen Sommer ein bewölkt- warm-nasser Wnter folgt. Auch für andere Jahreszeiten lassen sich durch Ausstellung solcher vereinfachenden Typen charakteristische Aufeinanderfolgen finden. Da diese JahreSzeittyPen für die Landwirtschaft Von höchster Bedeutung sind, so hat die Feststellung einer Regelmäßigkeit in der Aufeinanderfolge mich ihren bedeutenden praktischen Wert.
rheinische Kultur. Bon seinen Lehrern werden Vorträge gehalten für die Mainzer Katholiken. Hier ist eine franzöfische Hochschule errichtet mit einer juristtschen und einer landwiri- schasMchen Fakultät. Außerordentlich anschau- lich intb naiv offen hat über diese Dinge der bis. berige Leiter des Mainzer Gymnasiums, Albert Malaurte in der „Revue des deux mondeS" geplaudert, und Poincaree hat ausdrücklich die Bedeutung dieser TagebuchblStter unterstrichen. Die Napoleonfeier jüngst bot den Franzosen reichlich Gelegenheit, ihre ganze Regie und Gewandtheit für politische Festfeiern zu zeigen. Man knüpfe bewußt an die Reste der Napoleonverehrung in den Rheinlanden an. Die Revue Rhenane, eine technisch wie inhaltlich erstklassioe Zeitschrift, feierte den großen Korsen in einer wertvollen Sondernummer. In Rheinland sind jetzt sechs französische Archivare tätig, die die rheinische Geschichte durchforschen sollen, um die rheinischen Sympathien für Frankreich in der Revoluttons- und Napoleonszeit ins rechte Licht zu setzen. Die Buchpropaganda hat außerordentlichen Umfang angenommen, überall werden
französische Buchhandlungen
errichtet, die zugleich der Modepropacanda dienen. Die Franzosen haben zwar die Versendung von Propagandabüchern jetzt nicht mehr so stark wie bisher betrieben, dafür ist aber in französischen Vuchläden reichlich Ersatz geschaffen. Besonders sorgfältig kckoitt man das katholische Empfinden der Rheinländer, um die Gemeinsamkeit der Religion zu erweisen. Ein französi- scher Llnnedbischof ist von dem Lande der Treu- nuna von Staat und Kirche angestellt worden.' Man hat in der Pfalz versprochen, bei einer etwa kommenden Trennung von Kirche und Staat die Gehälter der Geistlichen zu garantieren. Ächz rheinische Pilgerfahrten nach Lourdes sind ins Auge gefaßt. Dstl Kult der Jungftau von Orleans, der lothringischen Rachejungfrau, möchte man in den Rheinlanden volkstümlich machen. Die Comedie sraneaise reist im Rheinland umher, um den Rheinländern die französische Schauspielkunst in der edelsten Form vor Augen zu führen. Das französische Vortragswesen wird besonders gepflegt. Die Darbietungen haben nicht selten eine gewisse Anziehungskraft dadaurch, daß mit dem Vortragenden zugleich auch ftanzösifche Sängerinnen reisen und das Gebotene vollkommen kostenlos ist. — Solange nicht in Deutschland diese ftanzösifche Kulturpropaganda als brennende Verhöhnung des deutschen Kulturempfindens erfaßt wird, so lange können sich die Rheinländer mit vollem Recht beklagen über mangelhaftes Verständnis. Man muß in Deutschland lernen, die Einheitlichkeit der Kulturpolitik in den französischen „Ottmarken" begreifen. Und es war ein gutes Wort, wenn in der jüngsten Rheinland-Debatte im Berllner Reichstag ein Redner den nachfolgenden Satz prägte: „Was das Elsaß war, was das Saarland ist, wird das Rheinland in Kürze fein."
der Verteidiger das „Kriegsverhältnis" das immer zwischen Richter und Angeklagten bestehl und meinte, der Gefangene habe sich in der Lage eines eingesperrten Bogels befunden, dem man die KäfiMr offen gelassen habe Das Gerickst sah trotzdem in dem Einfchließen des Richte cs eine Freiheitsberaubung für vorliegend an erkannte auf vier Wochen Gefängnis.
Franzosen am Mein.
VerwelschungS.Bestrebunaen.
Don
Peter Hartmann.
eine nmfaffen»« Pr»pagand-- mache» Me Fran. io(en tat Sihelnlandc nn» zuvor 6c6i«uen sic sild der tultureeUen Methoden, um die Drvdl, lerung leichter zu gewinnen. Der nach?tehrnSe Aufsatz flltit beachtenswerte Beiipiele, au« denen di«Mahnung erklingt »Deutsch-leid wachsam-,
In weiten Kreisendes unbesetzten Deutsche fand erschöpft fick heute das Interesse an dem Rheinlandschiclsal in der deutlich bei unbeten Abschau vor der sogenannten Schwarzen Schmach. Dies ist deswegen bedauerlich, weil ücr gesunde Kern dieses Älbscheus, die Taifache, daß Frankreich zu unnatürlichen und bedenklicher Mitteln greifen mutz, um seine kÜnMche militärische Vormachtstellung in Europa zu behaupten, well dieser an sich richtige Gedanke Henle leider über- wuchert wird von dem üppig ms Kraul geschossenen scrualpathologischen Beiwerk Viel tiefer aber müßten das nationale Bewußtsein, ben deutschen Kulturstolz verletzen, die sorgfältig abgewogenen Bemühungen der Franzosen, das kulturelle Antlitz des Rheiulandes allmählich nach Westen zu richten, nach, und nach in diesen urdeutschen Gebieten eine f r d n z ö - si sch - rheini fche Mischk il ur zu schaffen. ganz wie im Elsaß. Man wendet deswegen auch bereits das erprobte elsässische Rezept am Rhein ganz planmäßig an: Zuiläckst pseudo-pa- zififstsch' Erweichung der nationalen und kulturellen Zusammenhänge mit Mtdeaisckkand, bann übermcßiges Unterstreichen der kuumelleu rhei- nischen Eigenart, hierauf Betonen der angeblich so zahlreichen Gemeinsamkeiten mit Frankreich mit lautem Preis der Doppelsprachigkeit usw. Das wahre Ziel all dieser Phrasen ist natürlich, genau wie im Elsaß, die politische
Eingliederung des Rheinlands
in die französische Republik, so sehr man dies auch offiziell leugnet. In der gesamten nationalistischen Presse, in der zahlreichen ftccmzösischen Buchliteratur über die Rheinfrage, fit der ganzen amtlichen Feskberedsamkeit Frankreichs hört man immer nur den einen Ton: „Der Rhein ist unser traft des Rechts der natürlichen Grenzen, unser traft des gemeinsamen kelto-ro- manischen Blutes, der Gemeinsamkeit der religiösen und politischen Ideale. Solange die Trikolore nicht am Rhein dauernd weht, ist das Gleichgewicht Europas un der Welt gefährdet." Um nun dieses angebfich den Franzosen vom Schicksal bestimmte Ziel zu erreichen, um das sie böser Wille »nd Torheit in Versailles betrogen, sucht man jetzt einen feineren, aber deshalb um so sichern Weg als die rnachtpolittsche militaristische Annexion, man wird «die Seele des Rheinlandes" erobern statt militärischem Zwang, darum Kultnrpropaganda. Einige der jüngsten Beispiele sollen Ziel und Methode dieser Verwelschungspropaganda am Rhein beleuchten: Im Schloß des Großherzogs von Luxemburg in Biebrich sowie im Paulinen- schlößchen in Wiesbaden haben die französischen Behörden dieser Tage eine Kunstausstellung eröffnet. Sorgfältig ausgewählte Zusammenstellungen sollen nicht nur für Frankreichs Kunst, wirtschaftlich werben, sondern dem Rheinländer soll die Verwandtschaft der rheinischen und der französischen Kunst vor Augen geführt werden. Diese Ausstelltmgspolittk ist eines der gern und mit Erftstg benutzten Mittel der ftanzöstschen „Kulturarbeit" am Rhein. Wir sahen sie bisher in Saarbrücken, in Saaigemünd, in Zweibrük- ken usw. In Mainz, dem eigentlichen Kern dieser VerWÄschungskbestrebllngen sind jetzt Pläne im Gange, die einen
Kinderaustausch von Mainz und Paris
tn die Wage leiten sollen Um die Mainzer gefügig zu machen, verspricht man ihnen Nahrungsmittelzuschüsse aus französischen Heeresbe- fißnben. Hier ist das französische Gymnasium das Herz aller dieser Angriffe auf die
Es half ihr auch nichts, daß sie nun wußte, datz es Wirklich Dr. Friesen, Lisa Nothbergs Verlobter war — sie hatte ihr Herz auf den ersten BNck an ihn verloren und mutzte immerfort in ihn denken.
Herr von Thorau begrüßte die jungen Damen mit einem SiegSrlächeln und machte ihnen ein wenig den Hof. Aber er konnte Seine Eroberung machen. Käthe ließ ihn lustig und übermütig abfallon und Dagmar reagierte überhaupt nicht. Sie zeigte sich ihm sehr ernst und zurückhaltend. Bon allem, was Herr von Thorau sprach, interessierte sie nur, was Dr. Günter Friesen betrat. Sie hörte, daß dieser den ganzen Sommer als Gast m Herrn von Thoraus Hanse wohne» und jeden Morgen nach dem Gute seines künftigen Schtvieqervatcrs reiten würde, um seine Braut zu besuchen. Und der Weg führte am Berndorfer Park vorüber.
Dagmar Ruthart batte von diesem Tage an für den Luginsland eine noch größere Vorliebe als bisher. Und sie sah Dr. Friesen täglich an der Parkmauer borüberteiten. Zuweilen war er allein, zuweilen in Herrn von Thorqus Beglei tung. Jedesmal klopfte Tagmars Herz bis zum Halse hinaus, wenn der Reiter auf dem Schimmel au stauchte, und sie hielt den Atem an. um ja nicht in ihrem Versteck entdeckt zu werden.
Es fiel ibr auf, daß er meist ernst und düstcr vor sich hinsah. wenn er allein war, und es wollte ihr scheinen, als verschärfe sich der düstere Ausdruck feiner Züge von Tag zu Tag. Das glückliche, sehnsüchtige Leuchten, das sie im Anfang zuweilen in feinen Augen gesehen hatte, war schließlich nie mehr zu entdecken.
„Er sieh: nicht sehr glücklich aus", sagte Käthe eines Tages, als sie neben Dagmar auf dem Luginsland saß und Dr. Friesen vorüberreitcn sah.
Dagmar schwieg dazu — aber in ihrem Herzen fragte sie sich beklommen:
„Warum follte er nicht glücklich sein?"
Jä>enfaLs batte Dr. Friesen einen fiesen Lindruck auf Dagmar gemacht, trotzdem sie noch
nochmals aus meinen Freund Friesen zu kommen — er konnte sich das Leben wirklich etwas leichter machen. Es ist unheimlich wie schwer er alles nimmt. Er ist in unerquicklichen Fami- lienverhälMissen ausgewachsen und daS hängt ihm noch immer an. Ich fürchte, Fräulein Rothberg wird sich noch manchmal an seiner tiefgründigen Art stoßen. Sie ist eine absolut heitere und lebenslusttge Natur."
„Das sind Sie dock auch, Herr von Thorau, und kommen anscheinend doch trotzdem gut mit Dr. Friesen aus," warf Käthe ein.
Thorau lächelte ein wenig überlegen.
„Mein gnädiges Fräulein, in der Liebe ist das ganz etwas anderes als in der Freunb- fchast. Wir sind vielleicht gerade deshalb so gute Freunde geworden, weil wir so große Gegensätze sind. Die Gründlichkeit und der tiefe Ernst im Wesen meines Freundes hat mich von mancher leichtsinnigen Torheit zurückgehalten — ich sage von mancher, nicht von allen — und meine leichtherzige Höflichkeit hat meinen Freund davor bewahrt, noch ernster und düsterer zu werden. Draußen in der Wildnis, die wir zusammen durchforscht haben, ist er sogar zuweilen sehr vergnügt gewesen. Er ist ein Tatenmenfch, dessen Freudigkeit wächst, wenn er gegen Hindernisse aller Art ankämpfen muß. Ta ist er eine bewundernswerte Vollnatur. Und er wird sicher eines Tages ein berühmter Mann. ES ist enorm, was er leistet. Seine zähe Tatkraft überwindet jede Schwierigkeit. Ich kann beim besten Willen nickt mit ihm Schritt halten, so sehr ct Mich auch anfeitert. Und jetzt habe ich das Bedürfnis, auszuspannen, das kennt er aber gar nickt, er arbeitet mit eisernem Fleiß."
Dagmar hatte diesen Worten mit atemloser Aufmerksamkeit gelaufcht. Alles, was Herr von Thorau über Dr. Friesen sagte, machte ihr denselben noch sympathischer.
„Was arbeitet Dr. Friesen eigentlich?" fragte Käthe.
„Er ordnet jetzt erst einmal die wissenschaftliche Ausbeute unserer Reise. Ich habe ja immer nur als fern Gehilfe fungiert und mich an den Forschungen nur beteiligt, wenn ick gerade Lust dazu batte. Deshalb kann.ich ibm auch jetzt wenig helfen und ich mache mich ihm da
* Die Liebe und die Feuerwehr. Durch Bochum ging dieser Tage ein Mädchen mit einem Brief in der Hemd. An der Kirch- und Bahn- hofsttaßen-Eckr bheb sie vor einem Brieflasten stehen, warf noch einmal einen innigen Blick auf den Brief, tastete mit der Hand nach der Verschlußklappe des Kastens und — zog den nebenan befindlichen Feuermelder. Sofort zeigten sich die Folgen des verhängnisvollen „Irrtums". Es bildete sich ein Auflauf: „Wo brennt's?" und schon brauste auch die Feuerwehr heran. Natürlich mußte die Webrrnann- schäft unverrichteter Sache wieder abziehen, denn es brannte nirgends als im Herzen des Mägdeleins und da konnte sie nicht löschen.
* Alt gefreit. .. Auf dem Standesamt in Rathenow a H. ließ sich ein Paar trauen, das zusammen hunbereinundKnszig Jahre zählt. Der Bräuticam, der mit seiner ersten Frau bi- gol- ,bene Hockzeit gefeiert hatte, ist einunbachtzig, bie Braut siebenzjg Jahre alt.
* Eine vergrabene Millionenbeute entdeckt. Die Polizei in Danzig hat dieser Tage eine vergrabene Milliouen-Tiebesbeute entdeckt. Für die polnische Regierung war im April dieses Jahres aus England mit einem dänischen Dampfer ein Geldtransport nach Danzig angefomtnen, der hier nmgeladen und nach Warschau weitergeleitet werden sollte. Es handelte sich um die neuen, noch nicht im Umlauf befindlichen Gulden, die in England für Polen hergestellt worden sind Das Geld wurde aber gestohlen. Es ist jetzt gelungen, die Diebe zu ermitteln und zu verhaften. Es sind ein dänischer Staat s a nge höriger und ein Danziger Bewohner, die beide damals zur Schiffsbesatzung des dänischen Dampfers gehörten.
* Ein schwerer Raubüberfall. Aus Gräfenhainichen bei Bitterfeld wird gemeldet: Der Buchhalter Lacken von der Elektroschmelze in Zschornewitz, der im Auftrage feines Werkes von einer'Bank in Gräfenhainichen einen hohen Geldbetrag für die Lohnauszakflung abgehoben hatte, wurde auf der Landstraße plötzlich vor zwei Wegelagern überfallen, die durch einen vorgehaltenen Revolver die Herausgabe des Geldes verlangten. Als der Uebersallene sich zur Wehr ,u setzen versuchte, wurde er durch eine Kugel getötet Das Geld hatte der Ermordete einer ihn begleitenden Kollegin übergeben, die während des USberfalleS entflohen war. Die Mörder eilten der Fliehenden nach warfen sie zu Boden Und schlugen auf sie ein. Durch sofort angestellte Nachforschungen, an denen sich zahlreiche Bauern mit Hunden, der Landrat und die gesamte Landarbeiterschaft des Kreises beteiligten, gelang es. die Wegelagrer wenige Stmiden später in einem Kornfelde festzunehmen.
Der entschlüpfte Vogel.
In Rostock befand sich ein früherer Angesbll- tcr der Kreisbehörde etwa acht Wochen in U i- tersuchungshast, da gegen ihn ein Verfahren wegen Veruntreuung von Lebensmittelkarten schwebte. Die Voruntersuchung und die, damit verbundene Hast bauerte ihm -zu lange, so daß er den Plan faßte, um jeden Preis zu entfliehen. Als er zu einem Verhör zum Untersuchunzsrichter geführt wurde, dachte er, jetzt oder nie, entwischte im geeigneten Moment, schloß die Tür hinter sich zu, und das umgekehrte Spiel war vollendet. Bis der gefangene Unter« suchungsrichier und fein Kanzlist, die sich e.st durch Klopsen an der Tür, Läuten usw- bemerkbar machen Mußten, aus ihrer mißlichen Lage befreit waren, war der Angeklagte längst über alle Berge. Bei der Gerichtsverhandlung betontei
* Bluttat eines Taubstummen. Entsetzliche Slirtfjenen spielten sich im Gemeindshause in Reinickendorf ab. Dort stürzte sich ein Taubstummer auf seinen Stubengenossen August Mark und tötete ihn durch einen Dolchstich. Hieraus brachte er dem Wächter Heinrich Pötbke mehrere leichte Verletzungen bei. Schließlich stürzte er sich auf eine Insassin, des Hauses, die er durch Stiche am Kopfe verletzte. Dan» schnitt er sich den Unterleib aus, ergriff eine Axt und spaltete sich fast den Schädel. Er liegt in hoffnungslosem Zustande im Reinickendorfer Krankenhaus.
* Großer Waldbrand bei Magdeburg. In der Nähe des Truppenübungsplatzes A l t e n g r a - b o w bei Magdeburg ist ein Waldbrand zum Ausbruch gekommen, der in kurzer Zeit eine gewaltige Ausdehnung annahm. Zurzeit sind un-
durch nützlich, daß ich feiner. Braut die Langeweile vertreibe, wenn er sich zu lange in fei« Arbeit vergräbt."
„Aber Dr. Friesen reitet doch fast täglich hinüber zu seiner Braut," sagte Käthe.
„Ja — das tut er. Aber er ist eben zu ernsthaft. Und er will ein großes wissenschaftliches Werk über feine Forschungsreise schreiben — hauptsächlich über die Entwicklung der Tropenflora in der Wildnis. Wahrscheinlich wird er im nächsten Jahre nochmals eine Forschungsreise antreten."
„Damit dürfte freiMch seine Brant nicht sehr eirtberftanben sein", meinte Frau von Berndors lächelnd.
Herr von Dbonm zuckte mit einem seltsamen Lächeln die Achseln.
„Wer weiß!"
Dagrmrr war bisher ganz still gewesen. Jetzt frayte sie mit verhaltener Erregung:
„Ist solck eine Reise nicht mit vielen Gestch- ren verknüpft?"
Mt ervbermngMrstlgen Augen sah Thorim sie an.
.An Gefahren aller Art fehlt es habet freilich licht und ich für meinen Teil habe von der einen Reise vöMe genug. Aber Dr. Friesen laßt sich dadurch nicht schrecken, er ist ein Mensch von unerhörter Kühnheit. Er meistert alle Gefahren. Ich habe ihn ruhig und überlegen Situationen gegenüber gesehen, wo andere den Kopf völlig verloren hätten. Mir schien oft, aks sei ihm fein Leben gar nichts wert."
„Nun er verlobt ist, wird es Amt wertvoller rrsckeinen". saqte Frau von Berndors lächelnd.
Dborau strich über fein flottes Lippen- bärtcken. (Fortsetzung folgt.)
Ren h'mzutreterrben Abonnenten wird der Anfang unfereS Romans, soweit de? Vorrat reicht, unentgeltlich nachgeliesert.