KaUer Neueste Nüchrichtm
Hessische Abendzeitung
Nummer 164
Freitag, 22. Juli 1921
Fernsprecher 951 und 952
11. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
ObeiMlesien drängt zur Entscheidung
II
=■
Druck aus Briouv.
s
Stollen» Haltung.
lung solcher Verletzungen des Vertrages vom 6.
tischen Botschailer zugcsagle Termen einer scheidung vis Enoe Juli auch diesmal den Alliierten nicht eingehallen wird.
Forderung der liniierten Kommission.
Paris, 21. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Interalliierten Vertreter in Oppeln sandten an Jules Cambon ein Telegramm, in dem die sofortige Entsendung von Truppenvcr- stärknngen und eine schnelle Lösung der oberschlesischen Frage dringend anempfohlen wird.
I
Unter fremden Truppen.
B.eivr Frankreich weiterhin hartnäckig?
Nußlanö gegen Bayern.
Ausweisung des ruffischeu BoltskommiffarS.
eug- Em- vou
Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der Ldonnementspreis betrügt monatlich 6.50 Mark bet tretet Zustellung ins Hans. »u«. wärt» durch die Post bezogen 5.80 Mark monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen werden lederzait von der AeschastSftelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion; Echlachthofstrabe 28/30. jfür unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung ober Bewahr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgewes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschloffen.
Truppensendungen nach Oberschlesien angeord- net. Wohl ha» das Kabinett verfügt, daß in Mailand ein Regiment bereit gehalten wird, aber es fehlt der Alarmbefehl. In Rom erachtet man in der Frage der Truppcnverstär- kungen für Oberschlesien durch die englische Note eine neue Lage für gegeben.
Besuch in Ostpreußen.
Minister auf einer Besichtigungsfahrt.
(Privat-Telcgramm.)
Weitung des Volkskommissars für Finanzen, Krestins ti, aus Bayern richtete Tfchitfche- i
(Eigene Drahtmeldung.) Berlin, 21. Juli. Anläßlich der Verhaftung und Aus-
Roch fein fester Termin.
Berlin, 21. Juli. (Privatlelegrarnm.) An amtlicher Stelle hat man leine Nachricht, ob und manu die Emscheioung der Alliierten über Ober-
Jnserttonspreise-. a) Einheimische auftrage: Die einspaltige «nzeigen.getle M.' N», die einspaltige Reklame,eile M. 3.—. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzelle M. 1.50, die einspaltige Reklame,eUe M. 3.50, alles einschließlich Teuerungszuschlag und Snzeigensteuet. Für Anzeigen mit besonder» schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richttgkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht- hofstrabe 28/30. Geschäftsstelle: kölnische Straße 6. Telephon Nummer 951 und 952.
Paris, 2L JuR. (Eigene Drahtmeldung.) Nach den Pariser Morgenblätteru scheint es sich zu bestätigen, daß der Druck, der von allen Seiten auf Briand ausgeübt wird, doch dazu führen wird, daß die Eittentekouserenz über die Entfck-eidmig in der oberMesifchen Frage nicht bis zum Herbst verschoben weiden soll. In seiner Antwort, die Briand gestern an die englisck-c Regierung gedrahtet hat, stellt sich Briand nur noch auf den Standpunkt, daß die Konferenz unmsttelbar nach den Ferien, also Ende August oder Anfang September, ftattfin- den könne. Bor einigen Tagen war noch die Rede davon, daß vor dem Herbst die Entscheidung über Oberschlesieu nicht reif fei. Die Dtei- nnngSverschiedcnheit zwifckieu Lloyd George und Brimid besteht nur noch in der Frage, ob man die Entente-Konferenz unmittelbar uor oder nach den Ferien abtzält.
rin an den Vertreter des Deutschen Reiches in Moskau eine scharfe Protestnote, in der er diese Maßnahme als eine unerhörte Verletzung aller Normen und Gebräuche des internationalen Rechtes kennzeichnet. Der Protest schließt mit den Worte«: „Das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten ersucht Sie, Ihrer Regierung zur Kenntnis *u bringen, daß die Regierung der russischen söderativen Sowj-trepu- blik sich genötigt sehen wird, alle Beziehungen wirtschastlich und anderer Art mit Vertretern Bayerns zu lösen, falls idr nicht vollste Genugtuung gewährt wird und Maßnahmen getroffen werden, die eine Wiederho-
chlesien fällt; man beginnt aber allgemein der Auffassung zuzuneigen, daß der von dem
Vorteile fftr Eisenach.
A. Eisenach erhofft durch einen Anschluß an Hessen-Nassau eine Wrundung feiner bisherigen Verwaltungs- und Gerichtsgebiete. Von den preußischen Amtsgerichten dürften die folgenden zum Landgericht Eisenach anzugliedern fein; Vom Landgericht Kassel: Wanfried, Eschwege, Friedewald, Sontra, Renderschausen, Netra, Schenk-Lengsfsld. Vom Landgericht Hanau: Ederfeld, Hilders. Vom Landgericht E r f u r t: Treffurt. Vom Landgericht Meiningen: Die preußischen Amtsgerichtsbezirke Schmalkalden und Suhl. — Das Landgericht Eisenach wäre selbstverständlich dem Ober- landesgericht Kassel unterstellt. Hierdurch würde für die preußischen Gerichte der Borte« erreicht, daß das unverhältnismäßig große Landgericht Kassel entlastet und das autzedge- wohnlich Meine Oberlandgericht vergrößert würde.
3. Di- Bezirksdirektion, tiinftta Landratsamt. in Eisenach würde durch preußische Ge. bietsteile entsprechend abzurunden sein die Be- zirksdirektion Dermbach würde als Landratsamt zu erhalten fein.
C. Eisenach erhofft weiter durch einen An- chluß an Preußen die Herverlegung weiterer Behörden (Verwaltungs-, Finanz-, Forstbehör- den und eventuell Wiedererrichtung der Forst- akademie).
v Weiter steht zu erwarten die Förderung und Vergrößerung der bereits vorhandenen Reicbsbehörden (Eisenbahn, Post, Finanzamt, Reichskanalamts und eine allgemeine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. Gegenüber den Vorteilen, die Eisenach erhofft, darf kurz auf den
Gewinn für Hessen-Nassau
Aus dem Reichskubmett.
Die Antwort an Frankreich.
(Privat-Tclcgramm.)
Berlin, 21. Juli.
Der Ministerrat befchäftigte sich gestern mit der durch die Frgnzofen gefchaffenen Lage und der zu erteilenden Antwort. Man wurde sich über die Art, wie die Antwort erteilt werden soll, nicht einig. Der Reichskanzler und der Minister des Aeußern hatten einen Wortlaut vor geschlagen, der die französischen Forderungen zurückweift. Die übrigen Mitglieder des Kabi netts fanden diesen Wortlaut zu wenig energisch. Es wurde deshalb über eine neue Fassung beraten. in der sestgeftellt wird, daß, wenn in Oberfchlefien die Gefahr neuer Unruhen besteht, tiefe nur von polnischer Seite drohen. Die Antwort, die heute dem französischen Botschafter zugestellt werden wird, soll in diesem Sinne abgefaßt sein.
Kasseler Abendzeitung <
Itoeil sie den Friedensvertrag verletzen, weil sie die rheinische Industrie ruinieren, '.veil sie das Arbeitslosanelend vergrößern, weil sie ein Loch im Westen für französische Lurusgüter geschaffen hüben, weil sie die Erfüllung der Reparationsleistungen durch Deutschland gefährden und überhaupt, weil sie die f ch r e i e n d st e und e m - pör endste Schikane sind, die je gegen ein Volk angewendet worden ist.
Königsberg, 2L Juli.
Der preußische Finanzminister Saemisch unser Landwirtschastsminister WarMbold befinden sich mit mehreren Ministerialkommtssaren auf einer Informationsreise durch Ostpreußen. Sic besuchten Trakehnen, Rominten, Insterburg und begaben sich nach Königsberg, wo heute Besichtigungen der Stadt erfolgen, insbesondere des Meffegeländcs und des Hafens; nachmittags ist eine Fahrt durch den Seekanal nach Pillan in Aussicht genommen. Danach kehrt der Land- wirtschastsminister nach Berlin zurück. Am 22. Juli wird sich der Finanzminifter imch Lötzen zur Besichtigung des Wiederaufbaues begeben und weitere Fahrten zum gleichen Zwecke nach Arys, Nikotaiken, Sensburg und Oriels- burg unteriehmen. Am 23. Juli sind Besichtigungen unter anderem in Neidenburg und Hohenstein, am 24. Fahrt durch den Bezirk Marienwerder, bei der neben verschicdeutlichen Besprechungen eine Besichtigung d.ö Aufschlußgeländes für den geplanten Hafen an der Nogat angeseyt worden ist. Am Abend des 24. Juli erfolgt die Rückreife nach Berlin.
Zürich, 21. Juli. (Eigener Drahtbericht.) 1—vom a D-r Corriere della Sera meldet aus Rom: Tie Mai diefes Jahres und Mißachtung des inter ^aliemsche Regiermra bat bisher keine neuen i nationalen Rechtes (?) unmöglich machen."
Kassel und Eisenach.
Die Anschluß-Frage.
Da« kn «tsenacv feit langem bestehende Bestreben, da« westthtirlngiflhe Gebiet an die preutzische Nachbar-Provinz anznglie- bern, gewinnt immer mehr Anhänger, wie an« fotgenden Darlegungen ersichtlich ist. Nach Ansicht der Eisenacher Bevölkerung in Stadt und Land hat die Thüringer Regierung und Volksvertretung in Weimar das Eisenacher Land nicht gebührend berücksichtigt. Dies wurde besonders empfunden bei der Frage der Kretsetnteilung, wie bei der Verteilung und Abgrenzung der Gerichtsbezirke, namentlich im Zusammenhang mit dem foyenamtten Oberland in der Rhön. Man wünscht nun den Anschluß des Bezirkes Westthüringen, umfassend Eisenach Stadt und Laand, sowie die angrenzenden Rhöngebiete an die Provinz Hessen-Nassau. Bei größeren Versammlungen aller Art ist ein starker Wille der überwiegenden Mehrheit zum Ausdruck gekommen, den Anschluß von Eisenach Stadt und Land an die Provinz Hessen- Nassau zu verlangen. Diesem Volkswillen Rech- nun« tragend, war am 13. Juli eine Deputa- tion von Eisenacher Bürgern zu einer Besprechung beim Oberpräsidium in Kassel. Die Vertreter der preußischen Regierung, für den Oberpräsidenteu Herr Oberpräsidialrat Dr. Dyes und Regierungspräsident Dr. Springe- rum, wünschten zum Schluß der eingehenden Besprechung eine schriftliche Festlegung der beim Anschluß an Preußen gedachten Veränderungen. Hierzu sei auf Folgendes hingewiesen:
Im Rheinland.
Die Schädigung durch die Sanktionen.
Rach dem Artikel 270 des Friedensvertrages öon Versailles behalten sich die alliierten und assoziierten Mächte vor, „für das deutsche, von ihren Truppen besetzte Gebiet eine eigene Zollordnung sowohl für die Einfuhr wie für die Ausfuhr in Geltung zu setzen, sofern ihnen eine solche Maßnahme erforderlich erscheint, um die „wirtschaftlichen Interessen der SBetröOerung* dieser Gebiete zu wahren". . Für die Zollgrenze am Rhein, die insonderheit' auf Betreiben Frankreichs errichtet wurde und aufrecht erhalten wird, und die den gefährlichsten Teil der „Sanktionen" ausmacht, gibt es keine Stütze im Friedensvertrag, als diesen Artikel. Und gerade dieser Artikel beweist das Unrecht, das Deutschland mit dieser Zollinie angetan wird. Es ist hier ausdrücklich von Wahrung der Interessen der Bevölkerung die Rede. Die Zollgrenze aber ist die schwerste Schädigung der Interessen gerade dieser Gebiete. Sie ifi ein offener Bruch des Friedensvertrages. Die verheerenden Mrkungen der Sanktionen auf die Arbeitsmarktvechattnisse in der Rheinprovinz häufen sich Nach einem Bericht der Düsseldorfer Regierung sind bis Ende Mai zweiundsiebzig Stillegungen und Betriebseinschränkungen im Regierungsbezirk gemeldet worden. Vom 1. bis 24. Juni sind, wie das Landesarbeitsamt meldet, weitere siebenundzwanzig Betriebe still- gelegt beziehungsweise einaeschränft worden. Außerdem wird m fast allen Fabriken unter den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die durch die -^.^olvschikanen ausgeMt worden sind, die 9(rWt gestreckt Dabei ist $u beachten, daß in vielen Fabriken, um den alten Stamm der Arbeiter
: hingewiesen werden. In erster Linie entsprächt eine erbindung mit Eisenach auch der überwiegenden Stimmung der Beoolkerung der entsprechenden an Eisenach angrenzenden hessisch- rreußischen Gebietsteilen. Gan, allgemein mutz für jedes deutsche Gebiet eine Stadt wie Eisenach als bekanntester und beliebtester Ausflugs- und Wallfahrtsort, als die wohl am meisten besuchte Kongreß - und Fremden st adt Mitteldeutschlands einen außerordentlich wertvollen Zu. wachs bedeuten. Die Naturschönhelten von j Eisenach und seine Wartburg sind bekannt. Dazu kommt die Bedeutung Eisenachs auch als Industriestadt und ebenso die Bedeutung des Eisenacher Landes als eines der ergie« bigsten und größten Kaligcbiete Deutsch- lands, ebenso bekannt ist der Forstreichtum des Eisenacher Landes. Ferner wurde eine Angliederung von Eisenach eine natürliche Verbindung der Provin, Hessen-Nassau mit Schmalkalden etc. darstellen. Ferner mutz es für die Provinz von Bedeutung sein, eine Stadt von der Größe Eisenachs mit einundvier,igtausend Einwohnern zu gewinnen. — Der Eisenacher Landkreis (3. und 4. Verwaltungsbezirke zähLte am 1. Dezember 1910 119 571 Einwohner und hatte eine Flache von 121312,56 Hektar. — Förderer der Eisenacher Anschlußbcweaung find die Herren Ferd. Oehrtng, Fabrikbesitzer, Ludwig Isenberg, Bankdirektor, Fritz Apell, Fr. Zim- mermann. Syndikus. G. Lauser, Dr. Sovnner- keld, Justizrat. Sie baben die vorsiedenden Tar-
Durch die notwendigen Ein- und Ausfuhr- iewllligunzen für Waren im Verkehr zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet und die dadurch entstehenden Verzögerungen werden die Schwier: .leiten noch mehr gesteigert. Allein bei der Ein- und Aussuhrstelle in Ems laufen alltäglich zwischen zehn- und fünfundzwanzigtausend Bewilligungsgesuche für den Warenverkehr ein, zu deren ^Bearbeitung ein Personal von mehr als fünfhundert Köpfen notwendig ist. Natürlich stockt alles. Auch der Außenhandel wird gelähmt, wie aus dem starken Rückgang der auswärtigen Aufträge bemerkbar wird. Das Arbeitslosenelend wÄhst von Tag zu Tag. Die Fabriken müssen fortschreitend Arbetterentlassungen vornehmen. Sic haben nicht nur weniger Aufträge, sondern auch die Kohlenversorgung ist gefährdet. Den Betrieben werden im allgemeinen nur fünf, tmdzwanzig Prozent des ihnen zustehenden, ohnehin schon geringen Kontingen iz zugewiesen. Der Frachtenverkehr auf dem Land- und Wasserweg finkt mit der B rschlechterung der BeschäftigungsvechÄtnisse. Es wird höchste Zeit, daß die f»genannten Sanktionen, für die fett der mahme des Ultimatums durch Deutschland nicht einmal ein Dorwand mehr besteht, verschwinden. Sie müssen aufgehoben werden.
su erhalten, Aufräumungs- und sonstige unproduktive Arbeiten vorgenommen werden, und daß gleichzeitig allenthalben die tarifmäßiger! Beurlaubungen der Arbeiter stattfinden. Und trotzdem keine Erleichterung.
s i r¥
's
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 21. Juli.
Die französische Antwort an Lloyd George, die heute noch nach London geht, gibt die Absicht Frankreichs wieder, den bisherigen Standpunkt aufrecht zu erhalten. Briand ist der Ueber- zeugung, daß der Oberste Rat, wenn er Ende Juli zusammentritt, nur die Frage der Entsendung von Truppenverstärkungen erwägen timte. Es habe daher keinen Zweck, besondere Einladungen zu einer Konferenz ergehen zu lassen, umfo mehr, als die Vertreter der Alliierten in Oppeln, der englische Vertreter einbegriffen, einstimmig die Notwendigkeit der Entsendung von Truppenverstärlungen bekannt gegeben haben. Um das oderschlesische Problem selbst zu lösen, müßten zunächst genügend Dokumente für die Aussprache gesammelt werden. Außerdem fei es aber notwendig, geeignete weitere Maßnahmen für die Aufrechterhaltung der Ordnung in Oberfchlefien zu treffen.
Entente-Spanmrrig.
England will Entscheidung um Oberschlesien. (Eigener Drahtbericht.)
London, 21. Juli.
Die englische Regierung betont in ihrer Rote erneut die Notwendigkeit einer T a - gung des Obersten Rates und hält es für dringend erforderlich, daß diefe Tagung fchon für die Zeit vom 27. bis 30. Juli nach Boulogne einberufen wird. Die englifche Regierung hält die Lage in Oberfckfiesten für außerordentlich gefährlich und erklärt, daß jeden Augenblick ernste Unruhen ausbrechen könnten, die sowohl von deutscher (?) wie von polnischer Seite möglich seien, und daß diese Unruhen umso gefährlicher würdett, je länger der jetzige Zustand anbaure. Die Note weist ferner darauf hin, daß Lloyd George im August von London abwesend fein wird. Die Tagung des Obersten Rates müsse daher noch Ende dieses Monats abgehalten werden. -Zeit zu kur; ist, wird eS nicht
mehr möglich fein, vorher Beratungen der Sachverständigen stattfinden zu lassen, wie es von der französischen Regierung gewünscht wird.
Die französische Zollordnung für den Rhein errichtet bekanntlich eine doppelte Zoll- mauer mitten durch deutsches Gebiet. Für alle von dem unbesetzten Gebiet nach dem Rheinland eingeführten Güter werden fünfundzwanzig Prozent der Sätze des deutschen Zolltarifs in,Goldmark erhoben. Also das orei- bis Vierseche der ZolltariMtze in Papiermark. Für die aus dem besetzten Gebiet ins unbesetzte Gebiet gehenden Waren müssen die Sätze des deutschen Zolltarifs in Papiermarkt gezahlt werden Die Fabriken im besetzten Gebiet sind in der Konkitrrenz mit den Unternehmungen im unbesetzten Gebiet aufs schwerste benachteiligt. Für die französischen Luxusartikel gibt es kein Hindernis, sie können durch das neue Loch im Westen einströmen und unsere Valuta'noch mehr entwerten. In einem Bericht der Jntereffen- gemeuischast der Düsseldorfer Arbeitgeberver« bände in Gemeinschaft mit den Gewerkschaftsund Angestelltenbünden an den kommandierenden General der ftanzösischen Besatzungstrupven werden geradezu erschütternde Tatsachen über die Schäden der Sanktionen mitgeteilt. Aus allen Teilen der Industrie wird geklagt, daß die Schwierigkeiten in der Beschaffung der Rohstoffe und Halbfabrikate wachsen und daß deren Verteuerung immer mehr steigt. Neue Aufträge bleiben aus. Schon erteilte Bestellungen werden wieder rückgängig gemacht. Viele alte Geschästsbenebungen sind unterbrochen und verloren. Der Auftragsbestand der Papierindustrie ist um fünfzig Prozent zu- rüdgegangen. Die Maschinenfabriken haben etnen Rückgang der Aufträge bis zu sechsundsechzig Prozent zu verzeichnen. Auch die Nach- fragen und Anftagen sind durchweg auf die Hälfte gesunken.