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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 163

Donnerstag, 21. Zuli 1921

11. Jahrgang

Fernsprecher W1 und 952

Fernsprecher 951 und 958

Bor SchmmMen innen und außen

kurzem verhängt worden ift

vor

lPrivat-Tekrgr ctnm.)

Hunger leidende« Bevölkerung über P e > tcrsbn rg ter NrlaStzrun^SzuMnd

Site Raffelet Neueste» Nachrichten erscheinen Wöcheuwch iechOmai und -war a b«H 6 *. Der «domiementkpretr beträgt monatlich MO Marl bet tretet Zustellung tx* Hau«, Xu*, wärt* durch die Post bezogen 5.80 Mark monatlich einschliestltch Zustellung. Bestellungen werden tederzeit von der «eschLstriteLe oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion-. Schlachthofstraße W/SO. Für unverlangt eingesandte Beitrüge kann die RedaMon eine Verantwortung »der Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlosten.

preußische Landeskirche!

Derfaffnug und Organisation.

Berlin, 90. Juli.

Die Einberufung der außerordentliche» Sir. chcnvcrstnnmlung zur Feststellung der künftigen Berfaffmk« dcr altpreutzjschen Landes­kirche ist für den 24. September in Aussicht genommen. Ueber den Entwurf zur Berfas- sungsvorlage ist zwischen dem evangeli­schen Kirchenrat und zwischen dem Gcneralsy- nodalvorstand bezüglich der künftigen Verfas­sung der Sirchengemeinden »nd Sirchcnkreise im wesenttichen ein Einverständnis erzielt worden, während sich hinsichtlich der Organisation der Prov.» «. Landeskirchenvertretungen grund­sätzliche Meinungsverschiedenheiten ergeben ha­ben. ES ist deshalb mit Doppelcntwürfen zu­rechnen. deren Vorlage baldigst erfolgen soll.

Llm die Entscheidung.

Die englisch-französische Spannung.

(Eigen' Drahtmeldung.)

Paris, 20. Juli.

SrrserUonsprtzse-.) »tnhetmtsche Lustrüge - Die eiuspaMge vuzetgeu-Z-tle M., die ettlstxtlttge Reklame,eile R. 8.» b) «»Swärttge Lustrüge: Die einfpaMge Lmeigenzetle SS. L50, He einspaltig Reklame,eile M. &5<l, alles einschlieblich DeuerrmgS,Uschlag und «n-etgenfteuer. Für Lu-eigrn mtt besonder» schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher auf gegebenen «n,eigen, sowie für «»knohme. baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werben. Druckerei; Schlacht- Hofstraße 28(30. Geschäftsstelle! Kölnische Straß» 5. Telephon Nummer 851 und Rill.

Das Kabinett Wirch.

Die Gerüchte über Amtsmüdigkeit.

(Prtvat-Tclcgrmmn.)

Deutschland und Frankreich.

Roch kein Ergebnis der Verhandlungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Antsterdam, 20. Juli.

Nach einer Pariser Meldung ist ter am letz­ten Sonntag erwartete Abschluß der deutsch- franzSstschcn Wirtschafts-Verhandlungen ausge­blieben. Die Pariser Presse erhebt von neuem den Einwand, daß die Deutschen ihre zugesagten Unterschriften nicht abgc'üen können und die Unterzeichnung von Tag z« Tag hinausschieben, weil die deutsche Regierung eine bessere Formu­lierung des sranzöfischen Schadens und der ranzöstfchen Forderungen erreichen wolle. Die Blätter entnehmen aus der fortgesetzten Verzö­gerung der Unterzeichnung, daß die deutsch- ranzöfische Einigung noch in weitem Felde liegt. ES ist nicht tefannt ob die deutschen Delegierten noch in Paris bleiben oder abberufcn werde«.

Berlin, 20. Juli.

Gitte dem Reichskanzler nahestehende Seite behauptet weiterhin, daß sich Dr. Wirth mit Rücktrittsgedanken trage. Obwohl der Reichskanzler ständig Beweise gegeben habe, daß er ernstlich bemüht ist, die Londoner For­derungen auSz« führen, zeigt sich Frankreich dauernd unversöhnlich «nd macht es ihm unmöglich, seine Politik fortzu führen. Der Reichskanzler hat das Gefühl, da Frankreich immer nette Forderungen stellt, je mehr man nachgebe. Die Verschleppung ter oberschlesischen Frage mache der deutschen Regierung jcdeS Disponieren un>, möglich. Die deutsche Regierung sieht mit Besorgnis in die Zukunst. Trotz aller Bemühen, gen, mit der Entente mtszukommen, häufen sich die Schwierigkeiten für «ns und treibe« zur Katastrophe. Unter diesen Umständen, so heisst es, sei das Kabinett Wirth zur Erkenntnis gekommen, datz die Politik der Erfüllung beim schlechten Willen ter Entente, mit dem in diese« Umfanq nicht gerechnet werden konnte, nicht durchführbar ist, wenn Frankreich immer neue Verwicklungen herbcisühre, um neue (Sanktionen ergreifen z« können. Frankreich stürzt damit selbst die angeblich ihm so ange­nehme Regierung Wirth. Halbamtlich wird dagegen mltgeteilt, daß die Gerüchte, daS Reichskabinett wolle zurücktrete«, nicht zutreffen.

Hunger und pest.

Rußlands selbstverschuldete Rot.

(Eigener Drahtbericht.)

Riga, 20. Juli.

Die Cholera greift in Russland immer mehr um sich. Rach den letzten amtlichen Fest­stellungen erstreckt sich die Epidemie von Ufa im Osten bis zur Düna im Westen. Besonders stark Wittel die Seuche an der Wolga. Die Zahl der Todesfälle nimmt täglich zu. Alle Hospitäler sind überfülilt. Die Zu­stände darin spotte« jeder Beschreibung. ES fehlt an Aerzten und Jfoliervorrichtungeu. Auch mehrere Fälle von Beulenpest werten ge­meldet. Ein Funkspruch auS Petersburg besagt, daS infolge von Krawallen zwischen der unter

Vor inneren Kämpfen?

Stellungnahme gegen die weitere Teuerung.

(Pri vat-Tekegramm.)

Berlin, 20. Juli.

Die Gewerkschaften erklären, datz sie infolge der BrotpreiSerhöhung und des sonstigen Anziehens der Preise einem Lohnab­bau in absehbarer Zeit nicht zufkmme« würden. DerVorwärts-' betont in einem Artikel, ter der Brotvertenernng gewidmet ist, dass die ge­plante Erhöhung des Brotpreises »eueLohn- kämpse ter Arbeiter und nette Lohnforteruu- gen der Beamten kennzeichnen werte. Der Mit. telftaud werde jämmerlicher als bisher darben. Der Artikel schliesst mit dem folgenden Satz: »Zur Zeit haben die Gewerkschaften das Wort und wir hoffen, dass es ihnen gelingen möge, dem arbeitenden Volke neues Elend zu ersparen. Ihre Aufgabe wird es fein, wenn nötig, die po­litische Macht der breiten Masse in Deutschland zu Hilfe zu rufen." In Berlin sind bereits in einer graften Anzahl Betriebe der Maschi- nenindustrie Lohnforderungen do« drei­ßig Prozent geltend gemacht werten.

England will baldige Beratung.

Paris, 20. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Petit Journal" glaubt zu wissen, datz die englische Antwortnote in der Frage >er Ententekonserenz gestern dem englischen Bot- chafter in Paris zur Uebermittlung an Briand telegraphiert worden sei. Die englische Regie- rung hält die Entsendung neuer Truppen nach Oberschlesien M nicht notwendig und besteht darauf, dass die Ententekon- seren, sobald als möglich abgehalten wird. Wie aus Berlin gemeldet wird, wird die Antwort ter deutschen Regierung aus die ranzöfische Rote in ter oberschlesischen Frage morgen dem Botschafter Laurent überreicht.

Die offenbar recht frostige Ausnahme, die nach den hier vorliegenden Blätterstimmen die französische Rote in den politischen Kreisen Eng­lands gesunden haben mutz, scheint auch Paris wieder zur Besinnung gebracht zu haben. Man erkennt unschwer die neuen Richtlinien des französischen Ministeriums teS Aeußcrn, wenn die gestrigen Pariser Abendblätter bereits zum Rückzug blasen und übereinstimmend ver­sichern, datz Briand keineswegs ein Hinausschie- ben der oberschlcsisclsen Entscheidung auf ungc- wiffe Zeit beabsichtigt habe und daß nichts im Wege stehe, wenn der Oberste Rat sofort nach der Entscheidung ter Sachverständigen zusam­mentritt, um die oberschlesischen Gren­zen endgültig zu regeln.

-Mkegsverbrechen."

Betrachtung vom ethische» Standpunkt.

Der Einzelne ist geneigt, auf alle Handlun­gen, auch die, die der Staatsnotwendigleit ent­springen, dieselben sittlichen Grundsätze, denen er als Bürger, Christ und Mensch zu folgen hat, anzulegen. Das führt zu ungerechter Beurtei­lung. Denn ter Staat hat anbere Gesetze wi­der einzelne Mensch; ter Staat muß vor allen Dingen für seine Erhaltung, seine Macht sor­gen, unt imstande zu sein, seine Aufgabe zur Erziehung des Menschengeschlechts zu erfüllen. Für den Einzelnen dagegen ist die Selbstechal- tung nicht oberstes irdisches Gesetz, sondern im Gegenteil der Dienst am Staate. Daher sind auch Handlungen im Kriege, soweit sie der Erringung teS Sieges und damit der Erhaltung des Staates diene», nach anderem Maße zu messen, als Ha-ndLungen, die der einzelne tot eigenen Interesse ausführt. Clausewitz sagt: »Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, in dessen Anwerckung es keine Grenzen aibt.-

Der englische Admiral Fisher betont mehrmals in seinen Erinnerungen: Das We­sen des Krieges ist Gewalt; Mäßigung ist Dummheit. Sir Perch Scott, neben Fisher einer der hervoragendsten englischen Admi- rale, sagt: Im Kriege ist alles barba­risch. Uetenrll ähnliche Urteile, die uns war­nen, auf di« anormalen Zustände des Krieges die gleichen Vorstellungen von Gut und Böse, die für normale Zeiten gelten, anzuwenden Im Krieg verliert der einzelne seinen eigenen Ml- len, in weit höherem Maße als sonst jemals, er hat ihn dem Leben, der Erhaltung, dem Sieg seines Staates unterzuordnen. 'Solange der Soldat sich diesem Dienst ganz und uneinge­schränkt weiht und aufopfert und sich von überflüssigen Härten in ter Kriegfüh­rung freiHütt, handelt er gut und recht. Ueber den Begriff .überflüssig* werten ost die Auf­fassungen auseinandergehen, tefonders zwischen Lenten, die Verantwortungen zu tragen haben, und solchen, die keine zu tragen baten. Man hüte sich vor Schlagwörtern in der Beurteilung solcher Dinge.

Brotgetreide vom Auckland.

Berlin, 20. Juli. (Privattelegramm.) Zwi- schen ter Einfuhr gesrllfchast flut Getreide und Fütterungsmittel ist mit Zuftim- mung der interessierten Ministerien mit einer Gruppe englischer Banken ein Abkommen auf einen Kredit von drei Millionen Pfund Ster­ling getroffen worden, die zum Ankauf von Brotgetreide im Ausland für die näch­ste Zeit verwendet werden fallen.

Wutuntersuchung Bleierkrankungen schon im frühesten Stadium sicher sestzustellen, womit für bereu Behebung unendlich tiie$ gewonnen ist. Tatsache ist ferner, datz nach ter teutigen Tech, aik Bleiweitz nicht $tt ersetze« trab nickt z« entbehren ist, auch nicht tat Malier- und Dnstreickcrgewerbe; das Wirtz selbst von ter Deutschen Zinkweiß-Konvention, deren Erzeugnisse nach dem Genfer Memorcmterm in erster Linie Äs Ersatz in Frage kämen, beton* bet. Tatsache ist aber vor allem, das Deutsche land auf die industrielle und gewerbliche Aus- Wertung seines Naturschatzes Blei nie und nim­mer verzichten tarnt, ohne feine wirtschaftliche Existenz aufs Spiel zu setzen. Ein Dkerwerß- terbot im Maler- und Anstreictergcwerbe wür- de neben der blühenden Bleifarbenindu­strie in erster Linie die Pleihütten tref- en. Aber nach eine Reihe anderer Indu­strien würde in Ermangelung von Bleifarben mehr oder weniger zum Erliegen tomtnen, so die keramische, die Buntfarben-, Linoleum- und Wastach-, Buch und Steindruck-, Emaille-, Lack-, Kitt-, Tapeten-, Kabel-, Gummi-, Kaut- schul- Mumulatoren- und Kristallglasindustri?.

Was das für Deutschland, das heute mehr denn je auf den Weltmarkt angewiesen ist, um leben zu können, bedeuten würde, bedarf keiner weiteren Worte. Der lachende Dritte aber wür­ben die Vereinigten Staaten von Amerika fein, der größte Bleiproduzent der Welt. Sie gehören dem VöVerbund nicht an, stehen außerhalb des 2«i»tnationalen ArbeilZ-

Etmge Beispiele mögen zeigen, was gemeint ist: Eine eigene Batterie beschießt eine feinte ttcke, setzt durch glücklich« Treffer sämtliche Ge­schütze außer Gefecht. Soll auf die Ueberleten- den der feindlichen Geschützbedienung, voraus^ gesetzt, daß sie nicht gefangen genommen wer­den kann, weiter gefeuert werden? Das Schlag- wort und persönliche Weichherzigkeit antwortet: Airs kampsunsähige Truppen schießt matt nicht; die Kriegs* und Staatsnotwendigleit gebietet: da diese überlebenden feindlichen Truppen, wenn auch z. Zt. wehrlos, morgen als Bedienung Neuer Geschütze wieder erscheine» und dann wahrsckeinlick den Tod eigener Trup­pen herbeiführen und so unsere Kriegsübrung schädigen würden, so sind sie mtt allen Mitteln zu vernichten Tas Schlagwort und die Weichherzigkeil sehen oberflächlich nur das brach­ste. die Verantwortong geht vom Kriegszweck und ter Sorge um die eigenen Trup* Pen aus; wer von beiten steht auf höherer Warte wer handelt .moralischer-? Oder im Seekriege: Ein U-Boot trifft dicht unter feindlicher Küste bei glatter See einen Truppen- ttansporter mit Tausenden frischer, feindlicher Kampftruppen und versenkt ihn. Der größte Teil der Truppen schwimmt in Rettungsbooten, Flößen als .Schiffbrüchige um das U-Boot her- trat,- Was hat das U-Boot zu ton? Die Phrasr und Verantwortlichlosigkeit entscheidet: Auf Ret­tungsboote schießt marre-icht. Der Verantwott- lrche ragt sich: Tie »Schiffbrüchigen- kommen, wenn ich sie ziehen lasse, alle an Land, stehen in wenigen Tagen an der Front und fügen meinen Landsleuten schwersten Schaden zu; vielleicht töten sie als Flieger ober sonstige Spczmltruppe ein mehrfaches ihrer eigenen An­zahl, entscheiden ein Gefecht oder erobern eine wichtige Stellung. Mitnehmen und als Gefan­gene in die Heimat bringen, kann das U-Boot sie nicht, also bleibt nichts übrig als ihre Vor- nichtung. Wer von beiden entscheidet von höhe­rem Standpunkt ans? Glaubt man, es fällt dem, der vor sokhe Konflikte und schweren Ent, schlüsse gestellt wird, leicht, solche Entscheidun­gen, wie die vorstehend angeführten zu treffen? Wer aber steht sittlich höher, ter, der um der Ruhe seines Herzens willen seinen wei. <ten Gefühlen Raum gibt und ihr die Sorge für die Sache seines Landes und das Leben seiner Landsleute opfert, oder der, der seine Gutmü­tigkeit unterdrückt und das tut, was ihm die Pflicht gegen seinen Staat befiehlt?

Das Gesetz für den Staat vor allem im Kriege lautet, sich selbst zu erhalten; das Gesetz sur ten Einzelnen im Kriege lautet: für dielen Staat sich selbst opfern, sein Leben, seine Gcsund- h-rt, seine Stimmungen, ja auch seine meist übertrieben bewerteten und doch so veränd-tli- chen .Ueberjeugungen-. Nirgends gilt der Satz-

Aus der Bleiindufirv

®etr Völkerbund gegen Deutschland.

Bon

Dr. Klaus Buschmann, Darmstadt.

Während wir tat Verzweisilungskampfe fitt Oberschlestens, für die Aufhebung ber .Sanktionen-, die Beseitigung der Zoll­schranken am Rhein, noch mitten drin stehen, ist, saft unbemerkt, am Horizont bereits eine neue Wetterwolke hochgestiegen, die näher «nd nähe»- kommt. Ich meine das Genfer Memo^> randum des Internationalen Arbeitsamtes des Dölkerbudes, daz im Frühjahr sämtlichen beteiligten Regierungen zugirrg und sic von der Notwendigkeit eineD Verbots ter Bert Wendung von Bleiweitz im Maler­und Anstreichergewerve zu überzeu­gen sucht. Das mag manchem auf ten ersten Mick als eine Angelegenheit von untergeordne­ter Bedeutung erscheinen, ist es aber keines­wegs, denn ein solches Verbot würde in feinen Folgen das deutsche WirHcha streben nickt we­niger schwer Heimsuchen wie die bisherigen Drangsalierungen. Ist doch Deutschland neben Spanien ter größte Blerproduzcnt Europas, seine Bleiindustric ist aufs höchste entwickelt und gibt zusammen mit den von ihr abhängigen Werken Hunderttau senden Arbeit und Brot. Ein BleAveitzterbot aber würde nur ber erste Schritt sein auf dem Wege zu ihrer Vernichtung. Be- sondere Beachtung verdient auch die Tatsache, datz die Frage des Bleiweißverbotes im Jahre 1919 auf dem Washingtoner Kongreß des Inter­nationalen Arbeitsamtes gerade von französi­scher Seite aufgeworfen und daraufhin auf die Tagesordnung des tat Oktober d. Fs. in Genf tagenden Kongresses gesetzt, ein in Washington beschlossener paritätischer AuSschutz von Regie- rungsveriretern, Arbeitgebern und Arbeitneh­mern aber, ter an den unbedingt erforderlichen Vorberatungen telknehmen sollte, bis Henle we­der gebildet noch ztrsammenberufen wurde. Mehr als bedenkliche Vorgänge, und die Vermutung liegt nahe, datz mit dem genannten französi­schen Anträge unter dem Deckmantel sozialer Motive rein politisch« und nationa$to«rt» schaftkicke Zwecke verfolgt werden, datz beste sichttgt ist, Deutschland auch noch ans Umwege« mehr und mehr zu schwächen.

Auf die sich nicht immer reimenden DaÄ« Rungen und Behauptungen des Genfer URetttOH randums näher einzugehen, fehlt hier ter Raum. Sie werten In einer kürzlich erschiene­nen Denkschrift ber Düsseldorfer Hanbels Sam­mer und in einer erschöpfenden Antwort teS Vereins Deutscher Weifarbenfabrikcmten tratet Beibringung unzähliger Gutachten und Belege aus der aÄerjüngsten Zeit restlos als völlig un­haltbar nachgewiesen. Tatsache ist danach, daß die Bleivergiftungsgefahr ganz ge­waltig übertrieben wird, daß man genü­gend Vorbeugungsmaßnahmen treffen kann, im Maler* und Änstreichergewerte jo gut wie in al­len anderen bleiveraWbeitenden Industrie«. I« Deutschland, wo schon durch BundesratSverorte nung von 1905 weitestgehende Schutzbesttammw- rch getroffen wurden, kommen Todesfälle als unmittelbare Folge von Bleivergiftung heute überhaupt nicht mehr vor; auch ist eS der bart* chen medizinischen Wissenschaft (Professor Dr.

.Der Mensch ist so viel wert, als er sich für seine Brüder oder für eine höhere Sache aufzuopsern imstande ist-, mchr als im Kriege. Es zeigt sich also, daß bei der Beurteilung von Handlungen mt Kriege, soweit sie vaterländischen Zwecken dienen, ter Beweggrund des Han­delns entscheidend berücksichtigt werten muß. Bei ten Konflikten, die sich mit Naturnotwen­digkeit ergeben, liegt daS bessere Recht, di« tiefere Sittlichkeit da, wo die eigenen Interessen mögen sie sich auch in sonst verständlichen Ge­fühlen und Auffassungen kund tun der höheren Pflicht geopfert werden. DaS sollten wir uns auch bei Beurteilung ter Män­ner vor Augem halten, die sich in Letpzig wegen .Kriegsverbrechen!- zu verantworten haben.

Korvettenkapitän Lützow.