Das Skelett.
Bon
3) Rabindranat Tagore.
„Das Wäre kein schlechter Abschluß", erivi- berte ick nachdenklich. „Die Würde Mar nicht ganz vollständig sein, aber ich könnte ja leicht den Rest der Nacht damit Mbringen, sie irgend wie abzurunden.-
„Aber auf diese Weise würde die Geschichte zu ernst Wo bliebe das Lustige dabei? Und wo bliebe das Skelett mit feinen grinsenden Zäynen?
„Lasten Die mich daher fortfachren. Sobald der Doktor eine kleine Praxis hatte, mietete er im Erdgeschosse unseres Hauses ein Zimmer als Sprechzimmer Ich befragte ihn damals mitunter im Scherz über Medizinen und Gifte, und wieviel von dieser oder jener Arznei dazu gebären würde, um einen "Menschen zu töten. Dieser Gegenstand interessierte ihn, und er wurde beredt. Durch solche Gespräche wurde ich mit dem Gedanken an den Tod vertraut, und so waren Liebe und Tod die beiden Dinge, die meine kleine Wett ausfüllten. — Meine Geschichte ist jetzt bald ?ju Ende. Es ist nicht viel mehr übrig.-
„Don der Nacht ist auch nicht viel mehr Übrig-, murmelte ich.
„Nach einiger Zeit bemerkte ich. daß der Doktor merkwürdig zerstreut geworden war, und es schten. als ob er mir etwas zu verberge t suchte, dessen er sich schämte. Eines Tages kam er herein. Er war sorgfältiger als gewöhnlich gekleidet und lieh sich meines Bruders Wagen jür den Abend.
„Ich konnte meine Neugier nicht länger bezwingen und ging hinauf zu meinem Bruder, um zu erfahren, toaS der Doktor vorhatte. Nachdem ich erst über andere Dinge geredet hatte, fragte ich ihn endlich: „Uebrigens, Dada (der ältere Bruder) wohin will der Tolior heute abend in deinem Wägen?-
Kasseler Neueste Nachrichten
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Nr. 159.
Elfter Jahrgang.
Der Titel des am morgigen Sonnabend beginnenden Romans der Neuesten Nachrichten lautet „Das Geheimnis der Namenlosen". Wie bisher, so bieten mir auch mit der neuen Erzählung in Bezug aus fesselnde Darstellung und klare Entwicklung der Ebaraktere aller handelnden Personen Außergewöhnlich es. Wir sind überzeugt, daß sich ..Das Geheimins der Namenlosen" des gleichen ungeteilten Bei- salls erfreuen wird, wie der soeben beendete und wie alle überhaupt bis letzt tn den Kasseler Neuesten Nachrichten erschienenen. Bestellungen am „die Kasseler Neuesten Nachrichten köirnen jeden Tag erfolgen, und zwar entweder direkt (jchrmttch oder durch Fernsprecher) ober durch unsere Boten, sowie bnrd) alle Briefträger und Postanstalten.
Täter konnte festgenommen Werdeii.
* Japanische Hilfe für deutsche Kinder. Mottoygma. Besitzer mehrere japanischer geSzoitungen, stiftete zur Linderung der deutscher Kinder 3C0 COO Mark.
* Einer, der's versteht. In Stettin wurde ein Angestellter des HauptversorMngsomtes verhaftet, der sick mit Hilfe von Stempeln 140 000 Mark an die Reick-sbanksielle in Belgrad Über- Weisen ließ, wovon er beriets 128000 Mark ab- gehoben hatte Ferner ließ et sich bom Zentralversorgungsamt Berlin 360 000 Mark auf entert Scheck nach Belgrad und 160000 Mark nach Dan.
Beilage.
Sonnabend, 16. Juli 1921
mann- von der Postgobilfin, die mit dem Ab- Milen einer größeren Summe Geldes beschaf tigt war, e-ne Briefmarke, stürzte sich dann plötzlich, aus fi> und entriß ihr einen Betrag von 21000 Marl Womit er das Weite suchte.
Behacken bei Rübenfelder und die Düngung mit Jauche Wird beendet. Streuwiesen und ein- mähdige werden abgeerntet. — Viehzucht: Tie Nachwirkungen der Maul- und Klouenieuche macken sich nodt immer stark bemerkbar, insbesondere im Milchertrag. Im Reich hat die Seuche einen weiteren Rückgang erfahren. Pferde und Schweinezucht Werden strebsam betrieben. Wie beim Rindvieh ist auch bei den SckWeinen der große Ferkelverlust auf ,die Maul- und Klauenseuche zurückzufübren. Die Ziegenzucht gewinnt weiter an Ausdehnung. Vielfach ist die Schafräiche stark verbreitet.
Viehmärkte: Lanasam aber stetig ist ein Zurückaehen der Schlacht- urtb Nlttzviehvret,» zu beobachten Der große Mangel an Dürr- und Grünfuter veranlaßt ein starkes Abstößen von Vieh. Auf die Entwicklung der Zuckt wird dies nickt ohne Einfluß bleiben. Die Schweine- und Terkelpreise zeigen im allgemeinen noch Festigkeit — H äut e und Felle: Die Stimmung am Nobbäutemarkt ist fest. die Preistru- denz steigend, wie es auch der Verlauf der letz ten Häuteaukti onen ergeben bat. — Arbeitsmarkt: Infolge der bevorstehenden Getreideernte verweist sich die Landwirtschaft für Rr- feitaträfte sehr aufnahmefähig. Die Zahl der Stellenangebote steigt. Vielfach gelingt es auch, Industriearbeiter auf das Land zu vermittln. — A u s l a n d - Die diesiSbrige ungarische Ernte Wird auf 11,4 Mill. Meterztt. Getreide geschätzt. — Svanien rechnet Heuer mit einer außergewöhnlich günstigen Ernte.
Aus der Heimat.
Landwirtschaftliche Umschau.
Nach dem Stande bom 13. Juli 1921. Stand der Fluren: Die Berichte über den Stand des Getreides lauten im allgemeinen günstig Vor allem ist auch eine reiche Strohernte zu erwarten. Roggen, Weizen und Haber befriedigen mehr als Gerste. Vielfach klagt man wieder über Trockenheit, die besonders dem zweiten Grasschnitt. Klee, Rüben und Kartoffeln zusetzt. Einzelne Gegenden werben vom Mäusefratz heimgesucht Der Stand der Zuckerrüben ist im allgemeinen sehr hoffnungsvoll. Ter Reben- stand Wird im Durchschnitt mit 2,8 (i. V. 2,1) gegen 2,7 im Juni angegeben. Der Heuwurm tritt überall stark auf und richtet beträchtlichen Schoden an Die Hopfen stehen in Süddeutschland recht befriedigend. Die ausgedehnten Gewitterregen haben eindämmend auf die Ungc- zieferblage gewirkt. — Arbeiten: In günstigen Lagen bat die Getreideernte begonnen. Das
* Liebenau (Dez. Kassel), 15, Juli. (Neuer Verein.) Hier bat sich ein Spiel-, Sport, und Turnverien gebildet. Der Verein Will außer dem Rasenfvort in den Mntermvnaten Geräte- und volkstümliche a Turnen. sowie geselliges Beisammensein WTeaen.
* Großropperhausen, 15. Juli. (Der neue Pfarrer.) Seit dem ersten Juli ist die durch Versetzung de? Pfarrers Kersting nach Schmalkalden frei gewordene Stelle durch den Pfarrer Hartwig aus Gudens berg Wieder besetzt. _
* krankender« 15. Juli. (Henernte nnd S-ur trnfhmb.) Die Heuernte ist beendet. Der Ertrag war befrtebigenb. Die Halmfrucht fleht teilweise sehr gut. Die H ackfrüchte bedürfen des Reoens.
* MeerhÄz. 15. Juli. (Israelitische Lehrerwahl.) Die israelitische Gemeinde Wählte den Lehrer B. Kleeblatt (geb. aus RKirenfutth) bisher ReNoionslehrer in Angenrod, zum Lehrer und Varsäneer.
* Hersfeld, 15. Juli. (Ziegenmarkt.) Zu dem Prämien-Ziegenmarkt, der in dieser Woche stattfand. waren fünfzehn Lämmer an- getrieben von denen zehn präm'iett wurden. Die Preise waren fünf nnd zehn Mart-
* Marburg. 15. Juli. (Bost-Personalien.) Zu Postasststenten wurden befördert die Post- betriehSafftfitnten Krrmemann, Dauzenroth. Ruvv. Kappeler, Kraft. Sc Hing, I. Beter. Meß, Beppler. Weber. Siebecker Zarges: »>' Telegra- vhenossistenten Althans,, Körben. Reicher.
* Bad Homburg. 15. Juli. (Folgen bet Dürre.) Die Futt-rnot ist infolge der Trockenheit in einzelnen Taamusoegenden, namentlich für die Besitzer von Kleinvieh, aufs Höchste gestie-
gen, sodaß meHrera-^Dberförftereien schon Er- laubnis erteilt haben, den Wald zur Aufbringung des Futterbedarfs heranzuziehen, was im W c ft e r w a l d nnd den angrenzenden Gebieten durch Regierungsverordnung gestattet werden soll.
* Wiesbaden, 15. Juli. (Ein großer Waldbrand.) Ein Brand Wütete im Distrikt W.e h e- ner Wald. Sechs bis sieben Hektar wurden vernichtet.
* Frankfurt, 15. Juli. (Französische Strafen.) Ein Hausbnrsche aus Frankstttt a. M. der versucht hatte, achtzehn Kilogramm Zigaretten aus Griesheim in das besetzte Gebiet zu schmuggeln, wurde vom französischen Kriegsgericht zu emem Monat Gefängnis und 15 000 -Oöark Geld!träfe verurteilt Ein Händler aus Wiesbaden, der 32 Kilogramm Tabak vom besetzten ins unbesetzte Gebiet schmuggeln wollte, erhielt eine Geldstrafe von 10000 Mark... Man steht, die Franzosen versieben es, Strafen zu verhängen, wenn — es sick um Deutsche handelt. _
• Frankfurt, 15. Juli. (Obft und Gemüse, preise.) Auf dem jüngsten Obft- und Gemuse- martt kosteten Kartoffeln neuer Ernte cms dem Inland 110 Mark der Zentner, auslLndische 120—135 Mark. Es Würbe weiter gezahlt pro Zentner für Buschbohnen 250—280 Mark, Stangenbohnen 320—350 Mark, Kernerbsen (Groß- handel) 100 Mark, Erzeuger 130—150 Marft gelbe Rüben 110—120 Mark, ausländisches Weißkraut bei reichlicher Anfuhr 120 Mark, Wirsing 120—130 Mark. Kopfsalat war nur schwach angefahren Und kostete 60-80 Pfennig pro Kopf. Gurken reichlich 2—4 Mark das Stücks Blumenkohl noch immer hoch im Preis 6—8 Mark. Am Qbstmarkt war vor allem der Rückgang in der Heck elbeerzufuhr auffallend. Sie Degen tm Preise von 310 Mark auf 340-370 Mark, Birnen 240—280 Mark, Haferpflaumen 340—360 Mark, Johannisbeeren schlecht 300—350 Mark.
2kus den Nachbar-Gebieten.
* Niesen, Kreis Warburg, 15. Juli. (Ein wertvolles Pferd verendet.) Ein prachtvoller Meijähttger Hengst, auf dem Kreistierschaufest ru Warburg und auf dem Bezirkstierschaufest zu Brakel preisgekrönt, bekam hier auf dem Abtransport vom Tierschaufest einen Kolikanfall, der binnen einer Stunde das Verenden des wertvollen Tieres herbeWhrte. Am Morgen waren für das Tier 80000 M. geboten worden
zig verweisen.
* Die neuen Briefmarken. Don bett neuen Briefmarken mit den großen Zahlen, den Zif 'ernbildern, wie sie amtlich heißen, sind bis jetzt die zu 10 Pfennig int Verkehr. In diesen Tagen will auch die Reichsdruckerei mit der Verschickung der neuen Marken zu 15, 25, 40 und 50 Pfennig beginnen. Auch gibt es bann solche Marken ju 40 Pfennig in Rollenform.
* Verzweiflungstat ejnes Familienvaters. Der Lehrer Emil Lembke in Erfurt hat im Glauben, feine FarniMe nicht mehr ernähren zu können, seine Frau und seinen dreizehnjährigen Sohn mit einem Hammer erschlagen und sich dann selbst aufgehängt.
* Der Tod in den Bergen. Der Asiffi-ent der Innsbrucker Ohrenklinik, Dr. Eichner, ist nach einer Meldung aus Innsbruck bei einer Klettertour zu Tode abaestürzt.
* Enn englischer, Fischdamvfer bei Helgoland gesunken. Der enalffche Fisckdamvser „1161" ist bei Helgoland gesunken. Die aus neun Mann bestehende Besatzung konnte gerettet Werden-
* Folgenschwere Feuersbrunst in Paris. Eine Feuersbrunst zerstörte in Paris das Gebäude, in dem sich die Wohnung und das Geschäft -drs Senators Millies-Lacroix befinden. Bei den Rettungsarbeiten stürzte eine Mauer ein. die zahlreiche Personen unter sich (begrub. Es sind bereits elf Leichen geborgen.
Börsen-und Marktberichte.
Butterversteigerung.
Hamburg. 14. Juki- Versteigert Wurden gestern erste Qualität 661 Faß zu 2419 M. tm Durchschnitt. Höchster Preis 2455,— Jt, niedrigster 2350,— M; zweite Qualität 5 Fatz zu 2328 M im Durchschnitt.
** Frankfurter Börsenbericht. Da Vie Mark geistern zu Beginn der Börse leicht angeboten war, begann sich auch der Devisenpreis etwas zu senken. Er lag schwankend und unsicher, setzt? Ober zu festerem Kurse ein. Die Börsenhaltu'ng war infolge dieses Vorganges nicht einheitlich und es trat Wieder Verkaufsneigung hervor, bte aber infolge neuer Kaufaufträge einen Einfluß nicht zu gewinnen vermochte, das Kursgebiet konnte sich im Gegenteil auf den meisten Gebieten etwas heben. An der Abendbörse, die hn allgemeinen ruhiges Geschäft aufwies, konnte sich die feste Stimmung behaupten. Es kam $u regeren Umsätzen namentlich im freien Verkehr. Die Abendbörse schloß in fester Haltung. — Polennoten —. ReWyork 1,33, Wien 1023, Prag —, Paris —, London 273,75, Kopenhagen 8.45, Stockholm 6.35, CHristiania 9,95, Holland 4,2t Schweiz 8,06. .
** Berliner Produktenmarkt. Gestern machte sich wegen der durch die Devisenbefestigung geschaffene Unsicherheit Zurückhaltung stärker bemerkbar. In Hülsensrüchten erwiesen sich die Warenbesitzer im Gegensatz zu bisher ver- kattsslustiger, doch kam es nur zu geringen Umsätzen. Auch in anderen Artikeln Wie Lupinen, Seradella und Oelsaaten machte sich GeschäftKille stärker bemerkbar. Für Mais bestand Nachfrage nach in Hamburg befindlicher Lokoware.
D/r
Herr
Ta-
Not
Aus aller Wett.
Der reiche Adowd Hoffmann.
Für den kommunistischen Reichstags- ; abgeorbneten Adolf Hoffmann, der immer die • Teilung des Besitzes und die Beschtagnahme der : großen Wohnugcn verlangt, ist der bei ihm ver- - übte Einbruch ein Reinfall geworden. Ta er i g-wet Wohnungen besitzt, eine Stadt- und • eine große Landwohnung, Wird ihm eine davon i beschlagnahmt. Wie er mit irdischen Glücks- . gittern gesegnet war, zeigt folgende Aussttl- ■ lung de" gesteÄenen Sa., en. ■
Die Einbrecher erbrachen alle Schränke und Behältnisse, zertrümmerten viele Möbelstücke < und nahmen mit: 44 große und kleine Bettbe- ; züge, 26 L.tten, viele große und kleine Tifchtü- . cher, zwei Dutzend Servietten, mehrere Dutzettd : Damen- und Herrenhemden, ferner Damen- und ■ Herrenunterwäsche, Anzüge, Kleider und vor allem Schmucksachen. So wurden gestohlen eine Brosche und Ohrringe mit Schrauben in Türkisen mit Silbereittsassung, eine Korallen- broscke und Korallenohrringe, ein goldenes Armband mit Korallen, eine längere und eine kürzere Korallenkette, eine Ernaillebrofche mit kleinen Perlen, ein goldener Stab mit großer Perle und in der Mitte einem Brillanten, ein goldener Anhänger mit Rubin, ein viereckiger Anhänger mit Smaragd in Goldfaffung und goldener Rahmung, ein silberner Anhänger schwerer Rosenprägung mit kurzer Kette, eine lange silberne Kette, ein dickes silbernes Kettenarmband mit einem Taler der Leipziger Dö'ker- scklacht (!) als Anhänger, ein silbernes Armband mit russischen Münzen (!), eine goDene Krawattennadel mit Saphir, ein goldener Ring mit größeren Brillanten, ein goldener Ring mit zwei kleinen Brillanten in Scklangensorm, zwei goldene Ringe mit Perlen und Rubinen, ein silberner Ring mit durchbrochenem Blumen orn"- ment, eine Bernsteinbrosche, ein Paar alte goldene Ohrringe, eine alte goldene Brosche, ein goldener Kneifer mit feinem goldenen Kettchen und ein zweiter goldener Kneifer mit Ziehfeder und schließlich eine kleine Standuhr, die die Diebe beiseite gestellt haben und die um 9,50 Uhr stehen geblieben ist. Die Diebe haben sich offenbar längere Zett in der Wohnung aufgehalten und haben dort nicht nur geraucht, sondern auch von den Lebensmittelvorräten gegessen.
Der recht ansehnliche Besitz an Schmucksachen könnte zu der Vermutung führen, daß Adolph Hoffmann ein Juwelenhändler ist, aber er ist wirklich nur Buchhändler. Das Blatt der Unabhängigen ist so boshaft, die Meldung von diesem Einbruch bei seinem früheren Parteigenossen mit einem Hoch auf den Kommunismus zu versehen, urtb solche Betrachtungen liegen ja bei einem Mann wie Adolph Hoffmann nähe. Es ist bezeichnend, daß die „Rote Fahne-, die sonst Zeter und Mordio schreit, wenn einem Kommunisten auch nur ein Haar gekrümmt wird, über diesen peinlichen Vorfall nut Stillschweigen hinweggeht, denn es Wäre auch gar zu blamabel, Wenn die Leser erfahren würden, Wie behaglich es sich einer der bekanntesten kommunistischen Führer in zwei großen Wohnungen mit Lebensmittelvorräten und einem ansehnlichen Privatbesitz in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung einzurichten gewußt hat.
* Explosion in Wilhelmshaven. Bei der Verbrennung von Pulvervorräten, die in Wilhelmshaven auf Befehl der Entente stattfindeu muß, ereignete sich am Deich in der Nähe des Hafens eine schwere Pulverexplosion. Fünf Personen wurden verletzt, zwei von ihnen sind inMischcn gestorben.
* Brand eines Kohlenflözes. Aui der Zeche „Holland* bei Essen geriet ein Kohlenflöz in Brand. Die an der Unfallstelle beschäftigten Bergarbeiter wurden durch Brandgase abge- schmtten. Durch die sofort vorgenommenen Rettungsarbeiten gelang es jedoch, die Arbeiter in Sicherheit zu bringen.
* Gefaßter Dieb. Aus dem Postamt in Selm forderte ein Bergmann von der.Zeche „Her -
WaldrmchtlgE
Don
Philipp Heinrich Welcher.
In weihrauchduftenden Föhrenkronen,
In immergrünen Tannengärten,
Wo Balsamtropfen im Schatten sich härten Und stille Gedanken einsam wohnen,
Da Weckst du den schlafenden Widerhall, Gebirgstochter, Wäldnachtigall!
Begeisternde Säng'rin, deine Lieder
Vernahm ich schon früh in der Blätterklause. Bei beinern Gesang im grünen Hause Entschlummert das Wild, erwacht es wieder.
Es ziehn deine Töne, ein lieblicher Traum, Von Bergen zu Bergen, Von Baum zu Baum.
Wenn schneeig noch blitzen die Höhen int Norden, Wenn Nebel noch kämpft mit Somienglanze, Wer weckt dann Erinn'rtmg am Hüg^krauze Uns hohe Lust mit den Frühlinr.sa'korden?
Du weckest den schlafenden Widerhall Vergangener Zeiten, Waldnachtigall
Die Hochzeitsfeierlichkeit sollte spät am Abend stattfinden. Bevor der Dottor aushrach, sollte er mit meinem Bruder draußen auf der Terrasse ein Glas Wein trinken, Wie sie es alle Tage zu tun pflegten. Der Mond war gerade aufgegangcr.
Ich kam lächelnd zu ihnen und sagte: „Haben Sie denn Ihre Hochzeit vergessen, Doktor» Es ist Zeit aufzubrechen.» .....
Ich muß hier noch eine Kleinigkeit erwähnen. Ich war inzwischen in die Apotheke h:n- untergegangen und hatte ein kleines Pulver geholt, das ick nnbemertt in des Doftors Mas geschüttet hatte.
Der Doltor leerte fein Mas auf einen Zug und sagte bann mit vor Erregung erstickter Stimme und mit einem Blick, der mir in die Seele schnitt: „Tann muß ich fort."
Die Musik begann zu spielen. Ich ging in mein Zimmer und Leid eie mich in meine Braut- geWämber von Seide und Gold. Ich nahm meine Juwelen und Schmucksachen aus dem verschlossenen Schrank und legte fie alle an; :ch malte das rote Abzeichen meiner FrauenwÄrde ouf den Scheitel meines Haares. Und bann bereitete ich mir unter dem Baum im Garten mein Lager.
Es war eine wundervolle Nacht. Der sanfte Südwind küßte die Müdigkeit der Welt hinw.'g. Der Duft des Jasmins und der Qu'tteustlüten füllte den Garten mit berauschender Freude.
Ws die Klänge der Musik leiser und leiser wurden und Has Lickt des Mondes blasser und blasser: als die Welt mit ihren altvertrauten Vorstellungen von Heim und Verwandten meinem Bewußtsein wie ein Traum zu entschwinden begann. — da schloß ich die Augen und lächelte.
Ich glaubte, daß Wenn die Leute kommen und mich finden Würden, jenes Lächeln noch auf meinen Lippen Weilen würde wie die Spur von rotem W.'in. daß ich jenes Säckeln mit mir ueh men und das es mein_ Antlitz verklären Würbe, Wenn -ch so hinüberkchl'"nmerte tn mein ewiges Lrautgemach. Aber ack. Wo Meb das Brantgenmch? 'S2s die Rrautoewänder von
Seide und Gold? Als ich von einem raffelnden Geräusch in mir erwachte, fand ick drei kleine Buben, die an meinem Skelett Osteologie lernten Wo einst in meinem Busen Freude und Leid pochten und die Blutenknospen der 3W gertb sich eine noch der andern erschlossen, da war jetzt der Lehrer geschäftig mit seinem Zeichen stock und zählte meine Knocken auf. Und jenes etzte Lächeln. daS ich mir so sorgfältig einstudiert hatte, haben Sie davon eine Spur bemerkt?
Nun, sagen Sie mir, wie gefällt Ihnen die Geschichte?"-
„Sie war Wundervoll" Tagte ich.
In diesem Augenblick begann der Hahn zu ,'räheu. „Sind Sie noch bat* fragte ick. Niemand antwortete. Durchs Fenster dämmerte der Morgen.
— Ende. —
„In den Tod", antwortete mein Bruder kurz.
„Ach, sag' es mir doch", drängte ich „Wohin Witt er tn Wirklichkeit?"
„Er will sich verheiraten". War die etwas deutlichere Antwott.
„Ach, wirklich!" sagte ich und brach in ein langes, lautes Gelächter aus.
Ich erficht allmählich. daß die Braut eine reiche Erbin sei, die dem Doktor ein großes Vermögen mit bringen würbe. Aber Warum kränkte er mich indem er mir bieg alles verbarg? Hatte ick ihn je gefleht und gebeten, sich nicht zu verheiraten, weil es mir das Herz brechen würbe? Man darf ben Männern nie trauen. Ich hatte in meinem Leben nur einem einzigen Mann getraut, unb nun machte ich diese Entdeckung.
Als der Doktor nach getaner Arbeit hereinkam unb im Begriff War auizrtbrechen. sagte ich lachend ju ihm: „Nun Dottor, Me Wallen sich beute abend verheiraten?"
Meine Heiterkeit brachte ihn nicht nur aus der Fassung, sie verletzte ihn auch
„Aber wie komntt es denn,' fuhr ich fort, .daß Wir keine JMuminatian und keine Musik kapelle haben?"
Er erwiderte mit einem Seufzer: „Ist eine Hochzeit denn ein so froher Anlaß?"
Ich brack in ein erneutes Gelächter aus.
„Nein, nein", ries ich, „dies geht Wirklich nicht. Hat man je von einer Hochzeit ohne Lichter unb Musick gehört?"
.Ich quälte meinen Bruder so sehr, daß er sofort alles bestellte, Was zu einer vergnügten Hochzeit gehört.
Die ganze Zeit schwatzte ich in einem sott luftig von der Braut, von dem bebon'tebenben Fest und was ick tun Wollte, Wenn die Braut ins Haus käme. „Unb, Toktort, fragte ich „Werben Die nun noch fort fahren, den Leuten ben Puls 3'-t fühlen?" Hahaha > Wenn mut auch nickt sehen kann, Was in einem Mensche r, besonders in einem Mann, vergeh' so Will ich doch darauf schwören, daß meine Worte den Doktor wie Dolck-ftö-ße ins Herz trafen.