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11. Jahrgang.
Dienstag, 12. Juli 1921
Fernsprecher 951 und 952
Nrrrnmer 155
Fernsprecher 951 und 952
3nfertton4prrtfei a) Einheimische Auftrage: Di« etnfpalttg« Anzeigen-Zetle M. IM, die «insp-Ittg« Re!lame,etle $L «.-» b) AuSwLrNge Huf träge: Die «tnfpalttg« »nj eigen,eiie SOI. uo, die einspaltige ReNamezeile SOL 8.50, alle« einschließlich Teuerungszuschlag und Unieigensteuer. Für Anzeigen mit besonder« schwierigem Satz hwideri Prozent Aufschlag Für bte RtchttgieU aller durch Fernsprecher auf gegebenen An,eigen, sowie für Ausnahine- daten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlachthofstraße 28/80. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer 951 und »52,
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung ES Hessische Abendzeitung
Fortgang der Leipziger Prozesse.
Die Wirtschaftslage.
Die Industrie Anfang Juli.
Von
Prof. Dr. Georg Jahn, Braunschweig.
Das Problem Oberschlefien sianp ckuch ♦m Juni noch immer im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung. Acht Wochen Aufstand und zerstörende Kämpfe haben die oberschlesische Industrie anfs stärkste in Mitleidenschaft gezogen, Haben einzelne große Werte zeitweilig ganz st i l l g e l e g t, auf anderen die Arbeit unterbrochen und überall die Leistungen so wesentlich herabgedrückt, daß Kreislaufstörungen im Organismus der deutschen Volkswirtschaft Sie notwendige Folge waren Wenn überhaupt ein praktischer Beweis für die Unentbehrlichkeit Oberschiestens in der deutschen Gesamtwirtschast erforderlich war, die Schwierigkeiten, die die Unterbrechung des Austausches mit der ober- schlestschen Industrie im Gefolge gehabt hat, haben ihn schlagend erbracht und handgreiflich dargetan, welche Schädigungen uns die Abtrennung des oberschlesischen Industriegebietes bringen würde.
Ader auch die Wirkungen der noch immer nicht aufgehobenen »Sanktionen" am Rhein, insbesondere der Rheinzollgrenze, haben sich im letzten Monat außerordentlich verstärkt. Die Langwierigkeit des Aus- und Ein- flchrdewilligungsversahrens Hot viele Unternehmer in der Hoffnung auf eine baldige Aufhebung der nach Annahme des Ultimatums völlig unberechtigten Sanktionen veranlaßt, mit ihren Bestellungen zurückzuhalten. Dadurch geriet der Austausch der in stärkster Wechselbeziehung stehenden Industriezweige diesseits »nd jenseits des Rheins in Stockung' Arbeit.s- luerkü:zugrn, Betrird7'chränku-I- «M und schließlich auch Sti ll e an ng e n'in tipeblichem Umfange waren die Folge. Rach einem Bericht des Regierungspräsidenten zu Köln waren Mtte Juni allein im Regierungsbezirk Köln in der Hüttenindustrie, in den In» dustrien der Metallverarbeitung, in der Maschi- nen-Jndustrie, in der Instrumenten - Jndustrte und in der Textil-Jndustrie etwa zwÄstausead Kurzarbeiter vorhanden. Ta,;u fommten Tausende von Arbeitern, die insol. * von Stillegun- gen entlassen werden mußten. Manche Werke helfen sich vorläufig zwar noch mit Instand- setzungsarbeiten, trat ihre Arbeiter nicht brotlos werden zu Ioffen Lange aber wird auch das nicht gehen, und so muß fortgesetzt das Heer der Arbeitslosen wachsen, da sie nur zu einem kleinen Teile mit jenen Notstandsarbeiten beschäftigt werden können, die die Gemeinden zur Be- kämpfnng der Erwerbslosigkeit in Angriff genommen hab«i.
Während so die Leistungsfähigkeit des deutschen Hanptindustiriegebietes bedenklich geschwächt wird, fluten über die geöffneten G r e n. zen im Westen aufs Reue französische und belgische Lnruswaren herein, die in verderblichster Weise unsere Kaufkraft schwächen. Und das in einer Zeit, in der die gewaltigen Zahlungen an die Entente begonnen haben. Bon der ersten Milliarde wurden bekanntlich noch int Mai hundertfünfzig Millio - nen Galdmark (d. s. etwa zweieinviertel Milliarden Papiermark) in Dollar bezahlt, während der Rest in Schatzscheinen mit drei Monaten Laufzeit hinterlegt wurde, die bis Ende August eingelöst werden müssen. Das bedeutet eine Jn- anfpruchnachute des Devisenmarktes, die bei fortdauernder Einfuhr der notwendigen Lebensmittel. Rohstoffe und Halbfabrikate selbstverständlich nicht ohne Einfluß auf den Stand der Mark bleiben kann. In der Tat sehen wir die Wirkungen bereits in den Tageskursen zum Ausdrucke gelangen. Denn während sich die Mark nach Annahme des Ultimatums bis Erde Mai recht gut erholt batte, ist ihr Kurs seitdem wieder bedenMch gesunken und hatte Enoe Juni das Minimum vom 9. Mai bereits wieder erreicht. zum Teil sogar unterschritten. Das sind bedenkliche Anzeicfen für die deutsche Wirtschaftsentwicklung. Denn wenn auch sinkende Kurse die Ausfuhr beleben, so bedeuten sie doch gleichzeitige Verteuerung der eingesührten Le- bensmittei und Rohstoffe, die wir nun einmal nickst entbehren können. Nehmen wir dazu, daß große neue Steuern in Vorbereitung fmv die Produktion und Kmffurn überlasten werden, so scheint eine neue Periode der Preissteigerung die unausbleibliche Folge.
Es wird unter solchen Umständen höchste Zeit, daß die durch die .Sanktionen- gehemmte Ausfuhr sich wieder belebt. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, daß die Reichsregierung endlich Klarheit darüber geschaffen hat, ob die Erpor- teure für die ihnen im Auslande auferlezte Ausfuhrabgabe entschädigt werden oder nicht Belebend auf die Wirtschaft hat auch die Aussprache zwischen den Ministern Sou» cheur und Rathenau gewirkt. Denn wenn sie zunächst auch noch kein direktes greifbares Ergebnis gezeitigt hat, so hat sie doch Verhandlun. gen in Dana aedracht, die der deutschen Indu
strie voraussichtlich umfangreiche Aufträge brin-, gen und dautch zur Hebung des bedenklich gesunkenen Beschäftigungsgrades beitragen werden. — (Voraussetzung ist dabei, daß Frankreich nicht wiedec in seinen alten Fehler der Haßpolitik zurückfällt. Die letzten Tage haben eine bedenkliche Wendung in der französischen Geistes- verfassuna hewergerufen. Die rachedurstigen Chauvinisten unter Poincarees Führung haben wieder einmal die Oberhand gewonnen und sie suchen die leicht reizbaren Volksleidenschaften durch die Hetze gegen das Leipziger Reichsgericht zu schüren. Es ist sehr bezeichnend für die Zustände in Frankreich, daß selbst die Regierung diesem Treiben nachgibt und Protestnoten an Deutschland sendet. Desgleichen werden ttns die Augen geöffnet durch Englands Zustimmung zu diesen Protesten. Die Alliierten leben immer noch in einer Welt des Wahns. Es muß sich nun zeigen, ob die Macht der Tatsachen stärker ist, das heißt, ob die fran- zösffche und englisiche Jndtfftrie- und Handelswelt eS durchsetzen kann, daß der wirffchaftliche Wiederaufbau höher steht als chauvinistischer Rummel. Die Schrfftleitung.)
Die Leipziger Vrozeffe.
eine neutrale Anschauung»
(Eigene Drohrmeldung.)
Basel, 11. Juli.
Tie Baseler Nachrichten beschäftigen sich eingehend mit dem Urteil des Reichsgerichts im Prozeß Stenger-Crustus- Sie schreiben, daß weder in Bezug auf die materielle Seite noch in Bezug auf das völkerrechtliche Problem eine befriedigende Lösung durch den Prozeß gegeben worden ift Aber, so schreibt das Blatt, kann überhaupt eine lolch^ Lösung gebracht werfen? Wäre es gerecht und menschenmöglich gewesen, den an Krücken gehenden General von Stenger zu bestrafen, nachdem von Zeugen und Sachverständigen eine Reihe von entsetzlichen französischen Greueltaten erzählt wurden, um die sich keine Justiz kümmert."
Llnterfeeboot-Kommandavten.
London, 11. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Der englische Generalstaatsanwalt Sir Pollak ist nach Deutschland abgereist, um an der am Dienstag beginnenden Reichsgerichlsverhandlung gegen die Oberleutnants z. S. B o l d t und Dith- m a r teilzunehmen, denen Mr Last gelegt wird, gegen die Bestimmungen des Völkerrechtes ein Hospitalschisf versenkt zu haben.
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Besprechung im Kobinetttrat.
Berlin, 1L Juli. (Privattelegramm.) Unter dem Vorsitz des aus Breslau zurückgekehrten Reichskanzlers fand am Sonnabend nachmittag ein Kabinettsrat statt, der sich außer mit den laufenden Angelegenheiten auch mit der A b- berufung der französischen Vertreter beim Reichsgericht beschäftigte. Die dadurch geschaffene Lage wurde eingehend erörtert. Beschlüsse sind jedoch nicht gefaßt worden.
Abrüstungs-Theater.
Sin amerikanischer Fühler.
(Eigener Drcchtbericht.)
Berlin, 11. Juli.
Das Weiße Haus in Washington hat amtlich folgendes bekanmgegeben: Der Präsident der Vereinigten Staaten hat angesichts der großen Bedeutung der Abrüstungsfrage an alle Mächte, die unter dem Namen alliierte und assozierte Großmächte umfaßt werden, zwar nicht amtlich, aber völlig klar genug die Bitte ausgesprochen, ob es diesen Mächten, also England, Frankreich, Italien und Japan angenehm wäre, an einer internationalen Abrüstungskonferenz in Washington teilzunehmen. Der Zeitpunkt würde gemeinsam festgesetzt werden. Wird dieser Vorschlag als annehmbar bezeichnet, so wird man zur Entsendung von Vertretern zu einer solchen Konferenz schreiten. — Die Abrüstungs- srage ist miss Engste verknüpft mit der Frage des Fernen Ostens. Präsident Harding hat die Anregung gegeben, daß die an dieser Frage besonders interessierten Mächte prüfen, was auf die Lösung dieses Problems Bezug hat, damit ein neues Abkommen über die Grundsätze der Orientpolitik zvstandekommt. Auch Ching wurde eingeladen, an dieser Erörterung über das Pro blem des Fernen Osten teilzunehmen.
Beendigung de« Krieges?
London, 11. Juli. (Eigene Trahtnreldnng.> Die gesamte englische Presse stellt fest, daß P.ä- sidont Harding weit über alle Erwartitngen hiu- ausgegangen ist. Er scheint ein Abkommen zustandebrinaen zu wollen, das alle Großmächte der Welt umfaßt, und zwar in der Rich
tung, daß er die Abrüstungsfrage in den Vordergrund stellt, um eine Katastrophe zu verhindern. Wenn nicht von Deutschland ge. sprachen wird, so ift M bedenken, daß Deutsch, land die einzige Großmacht ist, die bereits die Abrüstung vorgenommcn hat. Sollte das Washingtoner CommuniquS Erfolg haben, so hätte es insofern Bedeutung, als es eine amerikanische Einmischung in der Frage der Beendigung des Krieges und der Organisation des neuen Friedens wäre.
Kein günstiger Frieden.
Der amerikanische Entwurf.
(Ei gen» Drahtmeldung.)
Berlin, 11. Juli.
Nach dem Beschluß des amerikanischen Senats und Repräsentantenhauses erhebe« die Bereinigten Staaten von Nordamerika A n - spruch auf alle Rechte, die den Alliierten ans dem Versailler Vertrag zustchen. In Berliner politischen Kreisen wird der Entwurf noch nicht günstig beurteilt. Der „Tag" bezeichnet den an- gebotenen Vertrag als Schandfrieden und u n - annehmbar und erklärt, daß kein von Nord, amerika gebotener wirtschaftlicher Vorteil wertvoll genug sein kann, Deutschland zu veranlassen, freiwillig den Versailler Schandfrieden mit allen seinen Demütigungen und Entbehrungen und mit seinem deutschen Schuldbekenntnis noch einmal zu unterschreiben. — Das „Berliner Tageblatt" bemertt: Jedenfalls werden besondere Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen ausgenommen werden müssen, damit man sich über die Friedensbedingungen verständigen tourt. Mit einer einseitigen Friedenserklärung, wie sie in der amerikanischen Friedensresolution vorliegt, ist die Frage natürlich noch nicht gelöst.
England und Irland.
Friedensneigung durch Verhandlungen.
(Eigene Drahimeldung.)
London, 11. Juli.
Der Jrenführer de Valero hat sich zu Verhandlungen in London bereit erklärt und Lloyd George hat ihm mitgeteilt, er werde glücklich fein, ihn zu empfangen. Weiter bat er nm die Mitteilung, wann de Valera in England ein = trifft, um die Verhandlungen über den englischirischen Frieden anzubahnen. Valera hat eine Proklamation in Irland erlassen, in der er seine Parteigenossen ausfordert, alle Angriffe auf britische Negierungstruppen und englische Bürger sowie jede militärische Attion überhaupt einzustellen. Auch die englische Regierung hat Anordnungen getroffen, wonach die Polizei alle Streifen tmd Haussuchungen einzufiellen hat. Die in Irland befindlichen englischen Truppen werden vorläufig beurlaubt. Diese neuen Anordnungen treten heute in Kraft.
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Die Iren hoffen auf Erfolg.
London, 11. Juli. Eigene Drahrmeldnng.) Die Beschlüsse der Dubliner Konferenz haben in Süd-Irland große Freude hervorgerufen. Es fanden feierliche Kundgebungen auf Straßen und Plätzen statt. Wo sich de Valero zeigte, wurde er von der Menge umringt und freudig begrüßt, de Valera macht es im Anschluß an die Verkündung des Waffenstillstandes jedem Einzelnen zur Pflicht, die Bestimmungen des Waffenstillstandes strengstens einzuhalten. Er gibt die Versickerung. daß die Vertreter Irlands bei den kommenden Verhandlungen ihr Bestes tun werden, um fett Streit durch einen gerechten Frieden nunmehr zu beenden.
Der kleinasiatische Krieg. Unklare Haltung der Grieche«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 11. Juli.
Heber London wird aus Athen die Meldung verbreitet, daß der griechische Ministerpräsident Gunaris «nvermfttelt nach Athen zurückgekehrt ist Was diese plötzliche und überraschende Rückreise bedeuten kann, ist noch nicht klar. Die Presse beleuchtet dieses Ereignis in außerordentlich belebter Weise. Es wird darauf aufmerksam gemacht, die Rückreise nach Athen sei des hchb erfolgt, weil ein längeres Verweilen des Ministerpräsidenten in Smyrna so ausgelegt werfen könnte, als ob das bereits vollständig versammelte griechische Kabinett ein rasches Ende des Krieges vorbereite. (?) Die Gerüchte häufen sich, wonach das griechische Kabinett den Versuch mache, eine güttiche Einigung mit der Regierung von Angora berbeizuführen.
Hoben Hagen.
Kundgebung der Deuffchen Demokrat. Partei? Eine Rede des Reichswchrministers Dr. Geßler.
Auf »cm Aohon Sagen bei Oberscheden heran stattete gestern die Deutfche Demokratische Partei bei mehrtansenbkSpsiger Beteiligung ein Sommersest, ba« zur Kundgebung grotzen Stil« surReichSeinheit u.Daiktzeinigung würbe. Unser bortyin entsandter «.«.»Mitarbeiter berichtet. In aller Frühe macht sich die Jugendgxuppe der Deutschen Demokratischen Partei in Kassel fertig zur Fahrt nach dem Hohen Hagen. Auch „Mittelalter- und ältere, aber futztüchtige ©e* mefter, gesellen sich zu. Von Munden geht 8 über den Andreesberg, durch Wald und Oberscheden über die „Nase" empo-r zu dem Gauß. Turm, 508 Meter hoch. Hier finden sich die Mündener und Göttinger Demokraten ein, auch sonst aus der Gegend zwischen Kassel und dem südlichen Hannover strömen die „Mittelpartci- ler* zusammen, der Nachmittagszug bringt weiteren Zuwachs aus Kassel und bald entwickelt sich eine Art Volksfest bei Musik, Kaffee, Kn- chcn, Würfelbuden, Karten- und Schriftenvertrieb, bis die „offizielle" Seite gezeigt werd. Professor Dr. F. Schulz- Göttingen zicht ans der Tatsache, daß das Fest vor 14 Tagen des schlechten Wetters wegen abgesetzt wurde, worauf doch ein schöner Sommertag kam, die Folgerung- Die Demokraten müssen nicht rmmer so ängstlich sein ... sind sie auch bisher vom Po- lilischen Wetterglück wenig begünstigt, schließlich wird der Himmel doch ein Einsehen haben! Tann spricht, mit Deisall empfangen, ost mit Händeklatschen unterbrochen und mit groß«» Erfolge
der Reichs-Wehrminifier.
Ans Dr. Geßlers großangelegter Rede, die den Ernst der Lage kennzeichnet, ist von Bedeutung die Fesfftellung, daß das Reich die deutsche Einigkeit, das Vaterland und die Heimat in Gefahr sind. Roch besteht bei unseren Nachbarn im Westen vor allem di- Angst: Solange daS 61» tionale Werk der deutschen Einigung uns nicht genommen ist, wird man in Fratckreich nicht in Ruhe schlafen können. Wo immer bei den Deutschen sich Hader und Zwietracht zcigt^äleich ist man da, bereit, ins Feuer hmreinzublasen. Das ift das Ziel der Politik Frankreichs, der größten Militärmacht des Kontingents, uns de» Fangstoß zu versetzen. Nicht um die nationale Würde geht es in diesen Tagen. Die liegt auf anderem Gebiet. Seit toii_ wehrlos sind, können wir unsere nationale Würde den Feinden gegenüber nicht mehr verteidigen, aber ... ein wehrlos Mißhandelter ist nicht ein »»ehrloser Mrloser! Wir kämpfen um die «ackte Existenz unseres Reiches, unseres Staates, um die Z e i t, die uns Reifen muß. Man kann ^utschland nicht mit Gesten, Singen wttib Klang retten — das alles setzt uns nur neuen Demütigungen aus und trügt Hader und Zwietracht in unser Volk hinein. Die wahre natiomÄe Wuchs müssen wir in uns selbst suchen: tu der Würfe, wie wir unser Schicksal tragen, in der Art, wie wir unsere äußere Lebenshaltung führen, tote wir die Klassen unseres Volkes zusammenbringen, mit einander verbinden, nicht aber in Äeußerlichkeiten, nicht durch Titelsucht, die lächerlich macht und $u einer Krankheit für wette Volkskreise geworden ist und andere äußerlichen Kinkerlitzchen. Machen wir unS frei davon, frei auch vom Schieberttrm und von dem Vorwurs, daß wir im letzten Jahre für 10 Millionen Sekt getrunken haben gegen 6 im Frieden, wübrend wir gleichzeitig für unsere Kinder im Auslande betteln gehen. Darin liegt unseresittliche Erneuerung? ES gilt, die innere Eigenart der deutschen Stämme, die Heimat, fern großen Ganzen dienstbar zu machen. Wer sich heute ab- settS stellt, too das Reich zu retten ist, wer ben Klugen spielt und sich auf Taktik einfiellt, wer heute Wahlpolitik treibt, übt keine berechtigte Eigentümlichkeit. Der wirkt heute national, der still und schweigend an die Arbeit geht, um zu Verbindern, daß noch mehr ein fällt, al» schon eingestürzt ist. Das haben die Demokra- ten getan, selbst aus die Gefahr hin, die Partei tu sck-ädigen. Schließlich ist die Partei nicht Selbstzweck, sie kann nur Mittel sein zu dem höheren Zweck, alle Kreise feS Volkes zu lebendiger
Anteilnahme am Staat
und an fern Geschick des Volkes beranpmehmen. Wenn nur das Vaterland gerettet wird, dann mag auch eine Partei zugrundegehen! Mit aller Entschiedenheit müssen wir nnS dagegen wctzren, daß versucht wird, wieder Denffche erster, zweiter und dritter Klasse zn schaffen. Der Franzose ist in erster Linie Franzose, der Engländer Engländer, nur beim Deutschen werden in parteiegoistischem Interesse immer wieder Unterschiede gemacht. Rationale Gesinnung. ist, mit aller Liebe und Treue an der Heimat zu hängen und, tocun nötig, bis zum Tode dafür cinzutteten. Wer Volksgenossen die nationale «Gesinnung ablvricht,' weil er anders über' die