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Nr. 151. 11. Jahrgang»

Kasseler Neueste Nachrlchte»

Donnerstag, 7. Stell 1921.

gmdniSinnig aufeinander eingestellt, als ob dielangekündigt worden ist, bis dahin im Vres ratte schon lange miteinanver spielten. Die se kämpf ein« Wasfenruhe eintritt!

Letzte Zeveschen

>ea!is-

das

K. F. Dr.

Neues aus Kassel

dem Gebiete

An der Spitze der

gegriffen.

(Sin Gemeingefährlicher.

Vom Schöffengericht ins ZnchihanS.

--- Wie wird das Wetter? Für morgen, Donnerstag, sagt der amtlich« Wetterbe­richt folgende Witterung voraus: Zunächst tret» ken und vielfach heiter; mittags warm.

-t- Aufgegriffencr Fürsorgezögling. Gestern mittag wurde ein Fürsorgezögling, der seiner Anstalt entwichen war, in der Kaftenalsaak-

Kanstlerspiele Heffenland.

Das diesmonatliche Programm ist recht flirt. Da ist zuerst der Vortrags>änger Fritz Salm zu nennen, der mit seinem schmiegsamen, wohl­lautenden Bartton den Abend geschmackvoll ein­leitet. Je schlichter und natürlicher Salm im Gesanq bleibt, desto mehr spricht er an. Marga Marr erscheint in demi-mondöner Ausmachung und spricht Balladen von Freiherrn Börries vo" Münchhausen . . . vielleicht ein wenig 31 vikant! Am besten gelana ibr die DichtungDer Page von Hochburgnnd", die sie jedoch leider gekürzt hatte. Die Krönung des Abends voll­zieht Georg B. Wilde, der in seinen lustigen und ernsten Vorträgen das Haus rasch in Stim­mung versetzt.

Paula S t an l e y, die laut Ankündigung der vormaligen Hofoper in Budapest als Solo­tänzerin aneehört hat, tanzt geschmackvoll mit ungezwungenere Grazie und guter Bewältigung >er technischen Schwierigkeiten. Auch kostümlich chläqt sie manche ihrer Beruksoenossinnen. Die Geschwister S ei ft sind reizend in den Tanz­dielen und Heinrich Löffler, ein sächsischer Komiker, bestärkt mich in dem Glauben, daß al­le Komiker aus Sachsen kommen müssen. Mit dem lustigen Lehmpatzer P. Cotta ,der je nach der Schnelligkeit der Wrtiherschen Musik rasch oder langsam seine Lehmgötzen knetet, findet das unterhaltende Programm seinen Abschluß.

F..se.

Der Pressefeldzug, der fich aus der Stadthal- ken- und aus oer letzten Stadtverordnetenver­sammlung ergeben Hai, wird im Endergebnis, wie alle derartigen Feyden, unfruchtbar verlau­fen, weil je d e Parte« vehauptet, das Recht zur Seite zu haben. Dennoch muß Kassel zu einer Beruhigung kommen, und der BorscUag, -er in der heutigen Erklärung gemacht wird, eine Volksabstimmung in Kassel herbeizufüh­ren, ist u. E. der ernsthaftesten Erwägung wert. Die Gelegenheit dazu, einen VolkSentschtid zu veranlassen, wird sich dann ergeben, wenn die bereits angekündigte Hauptaussprache über bte Tätigkeit des Oberbürgermeisters aus Grund des demnächst zur Vorlegung kommenden Aus­schußberichts beendet ist. Wir sind der Meinung, daß, da nun einmal diese Aussprache als Fort­setzung der Stadtvarlaments-Auseinandersetzung

Braut tötlich traf. Die beiden Angeklagten, die sich gestern vor der Strafkammer zu verantwor­ten hatten, gaben den Sachverhalt unumwun­den zu. M. wurde zu sechs Monaten Grsanq- nis und K. zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt.

--- Erweiterung der Snnaaogengemeinde. Seit dem 1. Juli sind laut Anordnung des Regie­rungspräsidenten die in der eingemeindeten ehe­maligen Gemeinde Kirchditmold, sowie in den Gemeinden Harleshausen. Ihringshausen. Oberzwehren. Niederzwehren, Waldau und Sondershausen wohnenden Israeliten, die bis­her keinem Synagogenverbande angebört haben, der Shnagvgengemeinde Kassel zugeteilt worden.

-T- Reue Heimat-Dichtung.In Dunkel und Dämmer auf Bergeshöh^ betitelt sich eine hoch­interessante Dichtung von Heinrich Staub in Obcrzwehren. In 40 Gesängen zeigt der Dich­ter anschließend an eine Wanderung vom Ed- dersee zum Schloß Waldeck den zur geisttaen Höhe führenden Weg des deutschen Volkes, den nur gesunde Vernunft, starker Mut und innige Heimatliebe ermöglichen. Die untre« gewor­dene Geliebte (Germania) wird und muß den Rückweg zur Höbe wieder finden, wenn wir fernerhin Anspruch ans Heimatglück machen wol­len. Nur ein begabter Dichter und Pädagog konnte das Werk schaffen. Möge es freundliche Aufnahme in allen deutschen Familien finden.

-7- Erfolge der Kasseler Hundezucht. Kassel stellte den besten Polizeihund auf der Wander- AuSstellung der Deutschen Landwirtschasts-Gc- sellschast zu Leipzig lind zwar den im Besitz von Auto-Jürgens stehenden deutschen Schäferhund Luchs von der Brache". Er stand bei der Vor­führung der Polizeihundarbeit unter den in Deutschland fertig ausgebildeten besten Polizei­hunden an erster Stell«. Die Vorführung fand im großen Rima des Reiter-Turnierplatzes vor etwa fiinszchutausend Zuschauern statt. Dem Besitzer wurden_von Ausländern bis ins Fabelhafte arei- sende Summen für seinen Hund geboten. Er schlug sie sämtlich ab. Somit kann die Oris- aruppe Kassel und Umgegend des Vereins für deutsche Schäferhunde wiederum ein schönes Er­gebnis buchen.

Vrivate Wohnungebouten.

Die in den nächsten Tagen beendigte Prü­fung und Verabschiedung der beantragten ileberteueru'aszuschässe durch die zuständige städtische Fach-Kommission hat, wie uns aus deren Kreisen mitgeteilt wird, erzeben, daß gc- iviffe Bauzcichner und auch einzelne Unterneh­mer in geradezu gewissenloser Weise ihre Auf- traggober hinsichtlich der tatsächlichen Aussüh- rungskosten und der Erlangung Von Zuschüssen für neue Wohnungsbauten falsch beraten ha­ben. Einzelne den Bauluftigen genannten Aus- sAH-rungssummen bewegen sich. im Verhältnis wie 1:2 was praktisch einen Unterschied bis 100 000 Mark zwischen Kostenanschlag und den tatsächlichen Ansführungskosten äuSmachen würde. Verschiedene Baukustlg« haben, ge- 'äuscht durch solche niedrigen Baiukostenangaben, Neubauten begonen, bezw. auch Vollender und stehen heute vor schwerster Vermögcnsschädi- ciunfl. Es wird daher dringend cmvfohlrn, BanausDhrungen nur gegen bindende Ver­pflichtungen durch die Ausführenden in Angriff nehmen zu lassen. Gewarnt wird auf Grund anonymer An,zeigen, in denen Versprechungen hinsichtlich billiger Bauweisen und Erlangung von Baukostenzuschüssen gemacht werden, irae.ld welche Verpflichtungen einzugchcn.

SudWtoeinemartt.

Der allmonatliche sogenannte Ferkelmarkt auf dem Kasseler Schlacht- und Viehhof erbrachte heute einen großen Auftrieb. Die ganze Schlachthosstraße und die Mombachstraßc war dicht mit Geschirren der Händler und Landwirte besetzt. Letztere waren vorwiegend. Der Markt nahm lange Zeit in Anspruch. Trotzdem die Preise gegenüber dem letzten Monat einen nied­rigeren Stand hatten, gestaltete sich der Verkehr langsam. Um die Mittagsstunde war noch ein erheblicher Ueberstand. Es wurden gezahlt für das Stück: Ferkel: bis 6 Wochen alt von 65 bis 125 Mark, von 68 Wochen alt von 125 bis 275 Mark, von 813 Wochen alt von 250350 Mark; Läufer: von 34 Monate alt von 325 bis 450 Mark, von 45 Monate alt von 450 bts 600 Mark, über 5 Monate alt von 6001000 Mk.

Gegnerschaft von recht« unv link«.

Rom. 6. Juli. (Eigene Drahtmelduug.s Die Radikal-Sozialisten find zur Opposition gegen das Kabinett Bonami übergegangeu. Schärfste Gegnerschast sagen auch aus Geheiß ihres FNH. rers t> Anmmzio die vereinigten Fasziften, Rr. tionalisten und Rechtsliberalen an. Auch her- vorrageude Giolittianer sind unzufrieden. Selbst die Fraktionen, aus deren Vertreter sich daS Ka­binett zusammensetzt, sind nicht zufrieden. Ver. schiedene Zeitungen sehen in dem Kabinett eine» gehorsamen Diener Frankreichs.

Lavdarbeltrrstrrkk.

Berlin, 6- IM. (PrrvatteLgramm.) Der Landarbeiterstreik in der Mark hat auf eine An­zahl weiterer Güter Überaegriffen. Der Land, arbeiterstreik auf den städtischen Gütern dauert jetzt schon die vierte Woche. Die Ernte ist in Gefahr, nicht eingebrmhr zu werden.

Stallens Kabinett.

(Eigener Drahtbericht.)

Zürich, 6. Fulk.

Die endgültige Ministerliste lautet: Minister» Präsident und Innenminister B 0 n 0 m i, Außen. Minister Torretta, Kolonien: Girardini, Justiz: R 0 d i n 0, Finanzen: S 0 l c r i, Krieg: Gafparotto, Schatzminifter: Denova, Marineminister: Bergämasro, Unterricht: Corbino, Ackerbau: Mauri, öffentliche Ar­beiten: Micheli, Industrie Belottj, Arbeit: Benedure, Post u. Telegraph: Giuffrida, befreite Gebiete: Raineri. Tie ^Informa­tion" vernimmt ans Rom, daß in dem neuen Ministerium die Katholiken eine vorherrschende Stellung bekommen werden wegen der bevor, stehenden Versöhnung zwischen Qnrrinal und Vatikan, was von besonderer Bedeutung ist.

Die Außenpolitik.

Zürich, 6 Juli. «Eigene Drahtmeldung.t DieTribuna" teilt über die Auslandspolitik des neuen Kabinetts in ihrem Leitartikel mit, daß Italien keine Verschiebung der bisherigen Machtverhältniffe in Europa wünsche. Die Re­gelung in Mitteleuropa müsse vorläufig sein. Die Regierung sehe in der Anschlußbewegung in Oesterreich eine Bewegung, zu der sie eine Stel­lungnahme ablehnen müsse.

3n Acht und Bann,

Die Auflösung der Orgesch.

In Erläuterung des dieser Tage amtlich mit geteilten Erlasses des Ministers des Innern, wonach die Organisationen Escherich aufgelöst sind, gibt der Kasseler Polizeipräsident bekannt, daß die Organisation Escherich in all ihren Sei­ten, also der Zentralverband, die Landes-, Pro» vinzial-, Orts- und der sonstigen Gruppen von der Auflösung betroffen sind. Jeder künftigen Betätigung dieser Gruppen ist mit aller Schärfe entgegenzutreten. Gegen alle Mitglieder der Or- ganisatton, die die Auflöfungsversügung außer Acht lassen, wird unnachsichÄich die Einleitung des Strafverfahrens veranlaßt. Organisationen oder Vereine, die sich korporativ der Organisa- tton Escherich angeschlossen hat:en, sind mit de­ren Auflösung aus dieser Verbindung gelöst u. die verantwortlichen Vorstandsmitglieder solcher 'elbst von der Auflösung nicht betroffener Ver­eine machen sich strafbar, wenn sie für den Ver­ein die Verbindung aufrecht zu erhalten suchen.

Vor einiger Zeit wurde über den Arbeiter Heinrich Mander aus Burghasungen berichtet, der sich hier in Kassel als Gastwirt aitsgab und und verschiedene Gäste um Spirituosen be­schwindelte. Außerdem berief er sich in einem Leinengeschäft auf einen Kaufmann seines Hei­matortes und entnahm auf dessen Namen einen größeren Posten Leinen. Ttie Schnäpse und das Seinen verkaufte er hier in Kassel, um bald darauf in die Hände der Kriminalpolizei zu fallen. Nun stand er gestern vor dem Schöf­fengericht, das bekanntlich in der neueren Zeit auch Zuchthausurteile ausspricht. Der ...... ..........................

Amtsanwalt ging mit dem Angeklagten streng Anstalt entwichen war, in der K a st e n a l s g a s- ins Gericht. Er bezeichnete ihn als einen ganz s e von einet Streife der Sicherheitspolizei auf- gemeingefährlichen Verbrecher und verlas ein *:t-~ langes Sündenregister des Mander. So ist die­ser u. a. schon wegen Raubes im Zuchthaus gewesen. Wie der Amtsanwalt beantragt hat­te. erkannte auch daS Gericht: Ein und einhalbes Jahr Zuchthaus sowie sechshundert Mark Geldstrafe s Nur von der gleichfalls beantragten Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte wur­de noch einmal Abstand genommen.

deckischen Städtetag wird am 15. Juli in Mnl- sungen der Verbandstag des Verkehrsver­bandes für Hessen und Waldeck stattfinden. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Neugestaltung der behördlichen und gemeinniützigen Verkehrs­förderung und eine Aussprache übet die künfti- gen Aufgaben deS Verbandes. Die in der .Reichszentrale für deutsche Verkehrswerbung" geschaffene neue Grundlage für die Fremden- Verkehrspolitik macht einen weiteren Ausbau des Verbandes in Verbindung mit anderen Fachverbänden dringend erforderlich

-T- Vor dem Schwurgericht. Die Raub-r, Steinbrucharbeiter Wilhelm Peters, sein Bruder Friedrich Peters und Karl Ernst aus Dorla, die sich gestern vor dem Schwurgericht wegen Raubes zu verantworten hatten, wurden zu mehrjährigen Zuchthausstrafen und zwar die Brüder Peters zu sechs Jahren und acht Mo­naten und Ernst zu sechs Jahren verurteilt.

-T- Fahrlässige Tötung der Braut. Wieder­holt Haden sich UngWckssälle ,;u getrogen, wenn Personen, die nicht befugt waren, mit Schuß­waffen umzugeben» dennoch damit hantierten. Der vierundzwanzigjährige Fabrikarbeiter M., der seine. Braut in Hohenkirchen besuchte, traf unterwegs seinen Freund, den Bureaugehilfen K. aus Speele. Sie gingen zusammen und probierten ruf der Landstraße einen kurz vorher erworbenen Revolver. Bei seiner Braut einge- troffen sagte M. zu ihr:Soll ich Dich mal schießen?" und schon frorftie ein Schuß, der die

4- Der Zusammenschluß des Handwerks. In einer in Zwesten abaehaltenen gut be­suchten Handwerkerversammlnng hielt der Vor­sitzende des Kreishandwerkerbundes Fritzlar, Schuhmachermeister Neumeyer, einen Vortrag über neue Handwerkerfragen. Seine Ausfüh­rungen führten zur Gründung einer Bezirks- gruppe Zwesten, die die nördlichen Orte des Amtsgerichtsbezirks Jesberg umsaßt. Am Schluß der Versammlung wurde für die Hinter­bliebenen eines verstorbenen Kollegen eine Sammlung veranstaltet, die ein recht guter Er- gebnis zeitigte und zur Linderung der Notlaoe wesentlich beitragen wird. In Jesberg selbst wird demnächst eine Versammlung stattfinden.

Dollsentfchelb in Kassel?

Neue Erklärung im Oberbürgermeister-Konflikt.

Don der Deutschen Demolratischen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnatio­nalen Volkspartei, dem Zentrum und dem Bürgerbund geht uns folgende gemeinsam unterzeichnete Gegen-Erklärung zu: In einer Erklärung, die Herr Oberbürgermei­ster Scheidemann am 4. Juli den Kasseler Zei­tungen übersandt hat, rückt er von feinen Neuste-. rungen weit ab, dtt den letzien Anlaß zu der Protestkundgebung der überwiegenden Mehrheit von Kassels Bevölkerung gegeben haben. Er be­zeichnet es als objektiv unwahr, zum gemeinsa­men Kampfe der Arbeiter gegen Alle aufgefor­dert zu haben.

Wir müssen den damit Herrn Pfeiffer ge- marfiten Vorwurf der Unwahrheit mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Die Ausführun­gen des Herrn Scheidemann, die Herr Pfeiffer in seiner Stadthallenrede eingehend besprochen hat, sind von uns ganz so aufgefaßt worden, wie sie von Herrn Pfeiffer wiedergegeben sind. Sie sind auch von Scheidemanns eigenen Zuhö­rern so verstanden worden. Beweis dafür ist das Volksblatt, das in seinem Berichte über Herrn Scheidemanns Rede ausdrücklich schreibt: Stürmischer Beifall durchbrauste das Haus, als Scheidemann mit einem flammenden Appell für eine einheitliche Kampffront der Arbeiterschaft mit dem Rufe schloß: Seid kampfbereit!"

Wenn jetzt Herr Scheidemann seinen Worten eine andere Auslegung gegeben wissen möchte, so sehen wir darin das Zugeständnis, daß er ft* künftig besser als bisher auf seine Pflicht b'- smnen will, als ober,ter Beamter der Stadt nicht trennend, sondern etnigeub zu wirken. Nunmehr muß sich zeigen, oh die Taten und Worte Herrn Scheidemanns von jetzt ab dieser Pflicht ent­sprechen.

Sollte der Herr Oberbürgermeister noch ir­gendwie im Zweifel sein, daß sein Verhalten und seine Tätigkeit seit seinem Amtsantritt von der Mehrheit ver Kasseler Bevölkerung gemiß- billigt wird, so stellen wir ihm anheim, gemäß seinem wiederholten Bekenntnis zu wahrer De­mokratie einen Volksentscheid in Kassel zu veranstEen.

Der Berliner Korrespondent derTimes* meldet: Die Aufgabe der Garantielommisston besteht in der vollständigen Aufsicht über die deutsche Finanzverwaltung auf L____ ~."_

der Finanzen und der Zölle. A

Zollabteilung wird ein statistischer Beamter in Berlin stehen. Er hat einen Stab von Beamten zur Jnspettion aller Zollämter und zur Rach. Prüfung der Einnahme der deutschen Zentral- Verwaltung. An der Spitze der Mnanzverwal- rung wird ein Fachmann die deutsche Finanz- »erwaltunp im ganzen überwachen. Auch er hat einen Stab reisender Beamten für die Ja. fpettion der Einnahmen der örtlichenFinanzver- Wartungen. Im Hinblick auf die von Deutsch, land zu machenden Reparationszahlungen hat die Kommission getrennte Finanzentwürfe für das Jahr 1921-22 und für das folgende Jahr aufzustellen.

1 *

Reue Beratungen.

Paris, 6, Juli. (Eigener Drohtbericht.) Dee Intransigent" metoet, daß die nächste Tagung des Obersten Rates nicht in Boulogn^ sondern in Paris oder Brüssel stattfindet. Die­selbe Zeitung meldet, daß die alliierten Finanz- Minister am 15. Juli in London eine Beratung abhalten werden. Die Garantiekommission fährt nach der Sitzung des Obersten Rates nach Ber­lin zurück. Sie wird ihre Vorschläge bis dahin fcrtiggestellt haben.

OberMefleirs Verwirrung.

Vorbereitung eines neuen PolenauffiaudeS.

(ßigene Drahtmeldung.)

Oppeln, 6. Juli.

Die über die Grenze gegangenen Jnsurge»- tcnverbände stehen, regulär zufammengefatzt, hinter der Grenze und halten dort militärische Uebnngen ab. Die im Aufstandsgcbiet zurück- gebliebenen Insurgenten und Haller-Soldaten sind nur bis zum 17. Juli beurlaubt. Auch 6e- ziehen die Haller-Soldaten ihre Löhnung weiter und sollen sich für eine baldige Verwen. dungbereithalten. Es verlautet, daß der diesmalige vierte Ausstand am 10. Juli mit einem Streik beginnen und sich dann zu einem Generalstreik ausdehnen soll, um am 17. Juli, wenn die ersten Nachrichten in Paris eintreffen, zu einem neuen Ausftand sich zu entfesseln.

.-r- Veranstaltungen am Donnerstag. Neues Theater:Alma, wo wohnst bu?5, 7% Uhr. Residenz-Operetten.Theater: Grigri", 7% Uhr. K. d. W.: Vorsicht! Hoch- fpannung! Lebensgefahr' Konzerte: Stadchallen-Garten 4 Uhr; Karlsaue 47, 810 Uhr. Ausstellung.Deutsche Künstler", Kunsivcrein.

Lokalnachklchtm vom Tage.

-T- Die Fleckfieber-Epidemie Im Kasseler Ge­fangenenlager. Der Reichsgerichtsprozeß gegen den ehemaligen Garnisonältesten von Kassel Generalleutnant a. T. Hans von Schack und Ge­neral Bruno Kruska, den Lagerkommandan­ten, die verantwortlich gemacht werden für die große Typhusepidemie anfangs 1915 im Gefan­genenlager in Niederzwehren findet nun- mehr am 8. Iufi statt. Die Anklage baut sich auf Vernachlässigung von Einrichtungen des Lagers und ungenügende Aufsichtsführung auf. Für diesen Prozeß sind 11 deutsche und aus­ländische Zeugen, sowie verschiedene Sachver. ständige geladen. Unsichtbare Zeugen werden die 36 deuffchen Unteroffiziere fern und der Ma­ler Professor Knackfuß, die in aufopfernder Pflichterfüllung der Epidemie, die von den Rus­sen eingeschleppt wurde, zum Opfer gefallen sind!

Berkehrsverbaud für Hessen-Waldeck. In Verbindung mit dem diesjährigen HeMsch-Wal-

AlS vermißt gemeldet Die Kriminalpoli­zei (Zimmer 47) erbittet Mitteilung über den am 29. Dezember 1904 geborenen KausmannS- lebrling Hermann Mangel, der seit Sonntag nachmittag vermißt wird. Der junge Mann ist 1,701,72 Meter groß, schlank, hat hellblondes Haar, ist bartlos, trägt flein-karierten braunen Anzug, schwarze Schnürschuhe, weißes Leinen­hemd, braunen Filzhut und mattgrünen Som­merüberzieher.

Wer an Hühneraugen leidet »°!"L Messer zu schneiden. Völlig gefahrlos, dabei erstaunlich schnell wirkend ist das in allen Dro­gerien und Apotheken erhältliche Hühneraugen- Lebewohl, während Hornhaut auf der Sohle durch Lebewohl - Ballen - Scheiben verblüffend schnell entfernt wird. Die Mittel verrutschen nicht und bleiben nicht am Strumpfe kleben. Preis 2 u. 3 Mark. Drogerien: A. Finger, Kölnische Straße 15, K. Kellner, Grüner Weg 22, J. Lieberum, Lutherstraße 5. E. Rind. Untere Königstraße 76.

Auswahl des Stückes ist vom Standpunkte des Schauspielers sehr geschickt, denn es besteht aus dankbaren Rollen und ist durch die neckischen Zwiegespräche kurzweMg und unterhaltsam allerdings nur für gereifte Menschen. Jugend- klche ,bte in ihrer Unerfahrenheit jedes Theater für .eine Erziehungsstätte Hal en, lasse man zu- Hause. Rudolf Lothar ist einer jener modernen Dichter, die sich aus das Bühnenwirksame ver­stehen, die nicht nur aus dichterischem Ide mus, sondern aus realer Berechnuna für Publikum schreiben.

Der Inhalt ist kurz wie folgt: Die Grafen Kurt von Weyer und Erich von Weyer, Vater und Sohn, werben um dieselbe Frau, Carla von Helsfenberg. Der Vater, ein eleganter Fünf­ziger, tut es aus alter abenteuetsicher Gewohn­heit, der Sohn, ein schwärmerischer Künstler, aus ehrlicher, junger Liebe. Als der Alte ein Stelldichein mit der umworbenen jungen Frau, die in unglücklicher Ehe lebte, verabredet hat, behauptet der Junge, nicht ohne sie leben zu können. Da aber Vater und Sohn wie Freun- de miteinander stehen, einigen sie sich dahin, daß der Vater verzichtet und der Sohn zum Stell­dichein gebt Dieser erklärt ihr seine Liebe und verspricht ihr, sie zu heiraten. Im Dunkel der Nacht glaubt die liebesselige Frau, daß der Vater der stürmische Werber sei. Dadurch ent­stehen am anderen Tage tragikomische Mißver­ständnisse, bis fich durch einen Zufall die Ver­wicklung löst, der junge Graf seine Angebetete heiratet und der Alte froh ist. dem Abenteuer entronnen zu fein.

Die Darstellung war in jeder Weise vorzüg­lich Bodo Bronsky stand diesmal selbst auf der Bühne als Graf Kurt (Vater). Mit dieser Hauptrolle belebte er das ganze Sp-el In Sprache und Mimik zeichnete er den eleganten Lebemann mit so feinen Abtönungen, daß er eine vollendete Figur gestaltete. Eine äußerst ge­wandte Gegenspielerin war Hildegard Röhrs als Carla. Sie ist eine hMsche Bühnenerschei- mmg und spielt mit frischer Natürlichkeit und doch vornehmer Gemessenheit, was ihr als be­sonderer Vorzug anzurechnen ist. In ihren schmückenden Gewändern sah sie reizvoll au8 Den jungen Grafen gab Albert Gornai', im Auftreten ein wenig ungelenk, aber mit autem Bemühen, den richtigen Ton zu treffen Gerade durch das Ungekünstelte war er für diese Rolle sehr geeignet. Einen in seiner Art ganz ausae- zeickmeten Austritt schuf Paul Hildebrandt als Baron von Helffenberg. Mrt einer charak­teristischen Maske in Sprache und Haltung brachte er den verkommenen Gatten und Spie­ler flirt zum Ausdruck. Als Diener war Rudolf Mucha am rechten Platze. Er brachte die Szene mit dem aften Grafen zn bester Wirkung. Den guten Einzelletstungen und dem ausge­glichenen Gesamtfpiel war eine geschmackvolle Ausstattung angepaßt. Die Darstellung fand starken Beifall. - - -

Die QlnfWfung de« Selbstschutzes.

Breslau, 6. Juli. (Privat Telegramm.) Ueber Breslau sind bist Dienstag abend nahezu sechstausend Mitglieder des deutschen Selbst­schutzes in Oberschleflen nach dem Reiche ab­transportiert worden. Die Stärke des deutschen Selbsifchntzes in Oberschlesien wird ans 32 000 Mann angegeben. Von Schwierigkeiten bei der Auslösung des Selbstschutzes liegen au Oppeln bisher keine bestätigenden Meldungen vor.

Unter fremder Aussicht.

Tie nllicrten Garantickommissionen.

lEiaeuer Drohtbericht.)

London, 6. Juli.