Kasseler Neueste Nachrichten
I
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 151
Donnerstag, 7. Zuli 1S21
11. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 952
Achtzig Milliarden durch Steuern?
Aeüßenmgen der stanzSsisthen Presse lassen eine für uns günstige Deutung zu. K. F. Dr.
ionetl unter der unbewaffneten Volksmenge gern unschuldig beim Ausbruch ci« furchtbares Blutbad «richtete«. Un- 1914 zmn Opfer fielen. Es dürfbe
Deutsche Führer als Geiseln.
Lothringer wurden
mensteuern, die durch eine schärfere Erfassung
Sörperfchastssteuer, die Kapitalertrags» und Ka
guten Soldaten.
Im Zuhörerraum wurde
Weitere Fülle.
pÄnniäre Entschädigung find.
Durch diese
ter anderem wurde ein junger Mann, der sich um eine schwerverletzte Fr« bemühte, mit dem Gewehrkolben erschlagen. Sein Kopf wurde durch Bajonettstiche bis Mr Unkenntlichkeit zerstochen. Die genaue Ziffer der deutschen Toten läßt stch noch nicht feststellen. Abends nach 8 Uhr, nachdem bereits die Straße geräumt war, durchzogen französische Patrouillen die Stadt «nd warfen wichllos Handgranaten ht die einzelnen Häuser.
pitalverkehrssteuer, die Erbschaftsfttuer, die eine mäßige Erhöhung erfahren soll und die eigent- lichc Besitzsteucr, endlich die Bermögenszu- wachsstcuer «nd daS Reichsnotopfer, das veredelt werden soll. Diese Veredelung ist so ge- dacht, daß die EinziehungSsrist von dreißig auf zehn Jahre verkürzt wird. Bei ihrer Bemes. rung soll vom Gegenwartswert ausgegangen, der Geldentwertung also Rechnung getragen werden. Um aber bei der Unsicherheit deS Maßwerjrs Ungerechtigkeiten zu vermeiden, soll die Veranlagung von zwei M zwei oder von drei zu drei Jahren erfolgen. Der Gesamtertrag der Besitzsteuern wird «f vierzig Milliarden Mark geschätzt. 2. Indirekte Steuer« : Die Steuern auf Getränke und Tabak werden nickt erhöht, dagegen sollen Erleichterungen in Fortfall kommen. Die Umsatzsteuer wird von anderthalb Prozent auf drei Prozent erhöht, ferner wird die Kohlen- fteuer eine mäßige Erhöhung erfahren, ebenso die Leuchtmittelsteuer, die ZLndholzsteuer und einige mtbere kleine Steuern. Das Jahresergebnis wird mit etwa zweiunddreißig Mil. liarden Mark angenommen.
Die Freigabe der brutschen Suryabea.
Gens, 6. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Der Herald berichtet «s Newyork: Die in den Bereinigten Stmtte» Mr Frrigocke gelangenden deutschen Werte erreichen «geblich zwei Milliar. den Mark. Die Freigabe wird nicht vor Mitte Juli ausgesprochen werden Man nennt in Finauzkreisen mehrere Millionen Dollar als Höhe der deutschen Guthaben in Amerika. Der Präsident wird am kommenden Donnerstag dir Ernennung HillS zum Botschafter vollziehen.
jfnfertiontprttfe-. i) Ltahetmtsch« Auftrage: Di« «tnfpaMge Dnz-tgm-zeUr M. LX>, btt etwfpalttg« Reklame,tUe M. 3.-^ b) »uSwSrtlg« auftrage: Dle etnfpatttge «n^tgen^Oe M. 1.60, die etnfpatttge Reklame,eil« M. 3.50, alle« elalchlleßltch Teuerung«,Uschlag und Anzelgenfleuer. stur »nzelgen mtt besonder« schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richtigkeit oller durch Kernsprecher ausgegedenen Anzeigen, sowie sür Ausnahme, baten und Platz« kann eine MewLhr nicht übernommeu werden. — Druckerei: Schlacht- hofslraße 28/30. »eschäftrstell«: Kölnische Strotz« 5. Telephon Nummer 951 uud 952.
willksterlichen Verhaftungen zu lenken, denen Taufende von Elfaß-Lothri n-
3m klelnafiatischen Krieg.
Die Stellungnahme der Alliierten.
l'Eigene Drahtmeldung.)
Rotterdam, 6. Juli.
„Daily Mail" berichtet auS Konstantinopel: Die alliierten Truppen sind hier in Alarmbereitschaft und auch die Flotte in den Dardanellen befindet sich in alarmbereitem Zustande. Vierundzwanzig alliierte Schiffe liegen vor jkonstantinopel. Vortruppen der kemalisti- schen Armee haben sich der türkischen Hauptstadt aus etwa fünfzehn Kilometer genähert. — „Echo de Paris" meldet, daß die Alliierten das Man- dat für Konstantinopel «nd Kleinasien England übertragen haben. Der „Matin" meidet, daß die Lage in Konstantinopel täglich etn-
Aiften und Beamte gesehen, die sich Ser-' ach e n, Geld, das unseren Brüdern gehörte, aneigneten. — Wir unterbreiten ihnen gern die Alten der Internierten: Das Regime der niederen Polizei und der Verleumdung wich, rend des Krieges lastet schwer auf den unschuldigen Elsaß - Lothringern. Diese Märtyrer.
Der Beuthener Zwischenfall.
Lngehaueeliche frauzSsische Scene,taten.
(Eigene Drahtmeldung.)
Oppeln, 6. Juli.
Bon Augenzeugen wird aus Beuthen bcrich- tet, daß bei dem blutigen Zwischenfall anläßlich des Einzuges der englischen Truppen französische Mannschaften mit gefälltem Ba-
£te ÄafUlet Sieuefie» Stachrtchitu erlchetnen wothenMch ttch«mot unb zwar o ben b 4. Ter «bennemeittlpret« betrogt monatlich 5.50 Mort bet freier ftustelluu, in« fau« «u«. wört« durch bte Post bejogen 530 Dtark monatlich einschllcbltch Zustellung. Bestellungen werben eber,.‘ü von der Geschäftsstelle ober ben Boten entgegengenommen. Trucker et, «erlag anb Redaktion Echlachthosstratze 28/30. Kür unverlangt etngefonbte Beiträge kamt bte Rebaktion eine Verantwortung aber Lew ähr tn keinem stalle übernehmen. Rückzahlung bei Be-llg«ge.de« ober Ansprüche wegen etwoiger ntcht orbnimgtmätzsger Lieferung ausgeschlossen.
Um die ÄahlungSpflichten.
Berlin, 6. Juli. (Privattelegramm.) Heute nachmittag wird der Reichskanzler Ltzer das Reparationsproblem und die damit zusammenhängenden Steuerfragen sich äußern, nachdem er sich heute vormittag im Aus- chuß des ReichSwirtschastsrates über dieselben Probleme ausgesprochen haben wird. Bom ReichswirtschastSrat liegt dem Aeltestenrat ein Antrag vor auf Berttetung in den Kvmmiffio- «eu des Deutschen Reichstages.
Neue StmerplSne.
Die Einigung im Sleichskabinett.
lPrivat-Tclegramm.)
Berlin, 6 Juki.
Ueber die im Kabinett erfolgte Einigung über die Steuervorlagen wird berichtet: Der gesamte Betrag der zur völligen Deckung des Inlandsbedarfs und der sich ergebenden Berpslich- tungeu durch Steuern ausgebracht werden soll, beläuft sich auf rund achtzig Milliar. den Papiermark. Diese Summe soll zur Hälfte durch direkte, zur anderen Hälfte durch indirekte Steuern aufgebracht werden. Es ergibt sich ungefähr folgende Gliederung: 1. B e- sitzsteuern: Zu diesen gehören die Einkom-
Beifall laut. Die Urteilsverkündung wird hcme, Mtttwoch nachmittag, erfolgen.
Elsaß-Lothringer.
Wie die Franzosen ihre »Brüder" behandel«.
64 ist gererbe jecht- *« die Franzosen daraus beftel/ett, datz ben von ihnen desthnldtgten Deal, sehen vor bem«el<6«gerieft in Leipzig der Prozetz gewacht wird, »lehtig zu erfahren, wie die Frau-
Frankreichs Wiederaufbau.
Die deutsche» Lieferungen.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 6. Jüli.
Französische Blätter veröffentlichen Einzelheiten 66er das Abkommen, das zwischen den deutschen und französischen Delegierten ferttggr- stellt wurde. ES handelt sichumWaffenlie- feruugen und Rohmaterial im Werte von fünfzehn Milliarden. Außerdem kommt der Ankauf von fünchundert deutschen Lokomotiven und sünftmdzwanzigtauseud Eisenbahnwagen In Frage. Mit der Liefe- rung der Modelle sür die Holzhäuser wird in der nächsten Zeit der Anfang gemacht werden. Die Zahlungfrist für Frankreich ist nicht festgesetzt worden. Der Austausch der Unterschriften durch Louchcur und Ratheuau soll in Wiesbaden in wenigen Tagen vorgenommen werden.
geladen. — Am 8. Juli beginnt der Pritzeß ge- gen den Kasseler General KruSka, wofür drei Tage vorgesehen find. Für den 12. Juli ist Termin gegen die Oberleutnants z. S. Boldt und Ludwig Dithmar angesetzt.
des Krieges 1914 zmn Opfer sielen. Es dürfte Ihnen flicht entgehen, daß große Irrtümer und Ungerechtig- leiten in jener sehr anfgeveizten Zeit begangen worden sind. Die Militär- und Zivilbehörden ließen plan- und ziellos bedauernswerte Elsaß« Lothringer als Spione oder Verdächtige festnehmen, ost auf eine verleumderische Denunziation oder einen lügenhaften Bericht hin, wogegen die Spione ganz too anders zu suchen waren als unter den verhafteten Elsatz-LothrinAera. Dieser Mißgriff zeitigte sehr bedauerliche Folgen, die man mit dex Antwort abzutun suchtet „ Man hat Böcke geschossen, doch kann man nichts daran andern." Diese unschuldigen Elsaß-
sion. Die Zahl der verhastetrn Geiseln soll vierzig übersteigen. Weiter wird gemeldet: Beuthen ist von der Außenwett abgeschlossen. Der verschärfte Belagerungszustand, der gestern über die Stadt verhängt wurde, gestattet der Bevölkerung nicht, die Stadt zu verlassen. ES sind infolge deS gestrigen Borkommnisscs fünf weitere Geiseln und geistige Führer der deutschen Parteien und Gewerkschaften fefigenommrn w-orden.
Breslau, 6 Juli. (Privattelegramm.) Außer über Beuthen ist gestern auch über Katto - will der Belagerungszustand verhängt
zungS-weise auf ausländische Zufuhr angewiesen waren. Aohnlich war die Vermehrung der Erzeugnisse in den anderen europäischen Ländern. Die Wirkung machte sich in Amerika alsbald stark fühlbar, da die Waren auf den La gern und in den Speichern liegen Milben. Es herrscht dort ein Uebersluß an Getreide, an Baumwolle, an Eisenwaren ttnd anderen Rohstoffen, sowie auch an Fertlgfabrikaien. Bedarf ist in der Welt wohl Vorhänden, aber infolge der allgemeinen Valuta-Entwertung in Europa ist die Absatzstockung nicht nur auf Amerika begrenzt geblieben, sondern es entstand die W e lt- m a r k t k r i s e. die noch heute alle Länder nachteilig beeinflußt. Es wäre auch gir keine Aen- deruna zu erwarten, wenn nicht bte europäischen Verhältnisse geklärt würden. Da die alliierten Regierungen tn ihrer Verblendung keinen Aus- weg finden, kann jetzt nur durch Amerikas Ent lchluß eine Wandlung herbei geführt werden.
Was als günstige Tatsache in die Erscheinung tritt, ist daz Bestreben auf beiden Setten, toteber die geschäftlichen Beziehungen in Gang zu brin- pen. Die bisherigen Abmachungen zwischen den Schiffahrtsgesellschaften, der Hamburg-Amerika-Linie und dem Harriman - Kott- zerrt, wobei von amerikanischer Sette der Haupt- reil des Kapitals und der Schiffe Mr Verfügung gestellt wird, wogegen von deutscher Seite hauptsächlich die Qrgantsattonsatbeit geleistet und das sachkundig arbeitende Personal gegeben wird, sind ein bedeutsamer Anfang. ES ist damit schon eine feste Grundlage für den Wie- deraufb au des Handels und Verkehrs geschaffen, unb man darf wohl Hoffnung auf weitere Besserung haben. Eine unmittelbare Wirkung der amenfttnischen Friebensresolution macht sich bereits an den beutschen Börsen geltend, wo man mit raschem Opttmismus rtne für DeutsÄanb günstige Entwicklung erwartet. Der Wrin der Hoffitungssteudigkeit ist allerdings stark mit Wasser verdünnt, da kein Vertrag zwischen den Regierungen abgeschlossen worden ist. Es bleibt Amerika Vorbehalten, die Rechte des Versailler Vertrages in Anspruch z» nehmen, ohne daß Deutschland Bedingungen fielldu könnte. Ein solcher Zustand ist auf die Dauer unhaltbar. Energisches Streben der deutschen Regierung muß es sein, ein gesondertes Vertragsverhältnis zu schaffen. Die vorläufigen amerikanischen Maßnahmen, wonach das beschlagnakmte deutsche Privatngen- n*m freigeaeben tmb die Truppen vom Rhein zur, ckgezogen iverden sollen, sind die ersten amtlichen Friedenshandlungen, von denen namentlich die erstgenannte freudig begrüßt wird. Mögen nun balp die Wege zur Erneuerung der Handelsbeziehungen völlig unb mit gleichen Rechten geöffnet toetben. Di« mißtrauischen
Leipzig. 6. Juli. (Privattelegramm.) Die nächsten Kriegsbefchuldigtcnvrozesse, die vor dem Reichsgericht zur Berhandlung kommen, finv folgende: Am Donnerstag, den 7. Juli steht zur Berhandlung der Prozeß gegen den Oberlcut- nant a. D. Adolf Laube aus Eharlottcnburg. Es handelt sich hierbei um ähnliche Anklagen wie in dem Prozeß gegen den Generalleutnant Stenger und Major Ernsius. Es sind siebzehn deutsche Zeuge« und zwei Aerzte aus dem Elsaß
von einem Gefängnis ins andere geschleppt, um schließlich in den berüchtigten Konzentrationslagern im Innern interniert oder nach Inseln an den Küsten Frankreichs (Frtattl, Tatihon. Grrtir usw.) abgeschoben zu werden, wo sie ben Härtesten EntbeHrungen mrsgesetzt waren. Sie imterftanben einem efei* haften und unzureichenden ErnäHrungsre- gime. Sie waren genötigt, auf einem Häuflein Stroh zu schlafen, ohne Decke, oder auf glatten Strohsacken mit einer abgenutzten Decke, die mit Ungeziefer überfüllt waren Diesen Unglücklichen wurden die grausauosten Ernisdrigutt. gen zuteil und zwar im vollsten Gegensatz z« den von der Regierung gegebenen Dersprechnn- gen. Die internationalen Konventtonen, di« unter den Kriegführenden abgemacht waren, wurden mit einem empörenden Ehnisumts verletzt. Ohnmächttge Greise, kranke oder schwangere Frauen, Kinder, die noch an der Mutwo, vrust lagen, wurden erbarmungslos in Geftn- genschast geführt. Viele starben in der Verbannung und v'ele andere starben nach ihrer Frei- laffung an den Folgen ihrer Internierung. Während dieser Zeit machten diese tmschulidigen Opfer, ohne sich verteidigen zu können; alle Schrecknisse des Hungers und der Durstes durch, denn man verweigerte ihnen das Men und Trinken, indem man sie als richtige Stromer behandelte. Diese gefangenen Nsatz-LoMiftiZ« wurden gekettet abgefiohrt, mit bloßen Füßen den Strick nm ben Hals und an bi e Pferde ihre Begleitmannschaft gebunden. Bor Mü- digkeit ermattet, nicht mehr imstande zu gehen, wurden diese Unglücklichen mit Lanzen gestochen, bis sie vor Erschöpfung «uffiÄeu.
Unterwegs warf der gegen sie aufgepeitschtr Pöbel mit Steinen nach ihnen. Es gab unter ihnen einige, die mit Keulen geschlagen wurden, andere wieder erhielten Messerstich«. Ekne große Anzahl wurde in den GesB-ngnissm und Kouzentratiionslagern mißhandelt, bauptsächlich im Arreschaus in Belfort, wo der Oberausseher sie mit einem Knüttel bearbeitete oder ihnen mit einem großen Schlüssel solange auf den Kopf hieb, bis sie im eigenen Blute badend umfielen. In anderen Gegenden, wo die grauen sich der Lustbarkeit ihrer Wächter nicht unterstellen wollten, wurden sie genotzüch- ttgi. Die internierten Elsaß-Lothringer, die unmenschlich behandelt wurden, sind zu Beginn ihrer Inhaftierung tote Sträflinge zur Arbeit gezwungen worden. Mele starben an den Folgen der Krankheiten, die sie sich während der Tage in dem Gefängnis und in den KonzentraticnSlagern ziigezogen hatten. Viele kehrten in ihr ausgeplündertes und zerstörtes Heim zurück, die Gesundheit für immer verloren. mit Tuberkulose behaftet, ohne alle jene zu zählen, die ihre Stellung verloren haben und ohne irgend welches Einkommen sind Unglücklicherweise zählen wir unter den unglücklich Ver^ Moppten auch solche, die
unheilbar verrückt geworden
mb, und die in Irrenanstalten untergebracht werden mußten. Wir haben Gendarmen, Polt-
Der Friedenszustand.
Deutschland unb Amerika.
Seit dem 4- Juli, dem amerikanischen Ratio naltage, befinden sich die Bereinigten Staaten von Nordamerika mit Deut'Mand und Oesterreich im Friedenszustand, ha drüben die Parlamente und Präsident Hadding durch feine Unterschrift bte für den Kilegszu^and geltenden Gesetze ausgehoben haben. Die erste Frage, die sich uns Deutschen aufdräugt, ist natürlich die: welche Wirkung wird für uns daraus entstehen? Man muß eine gewisse Vorsicht bei der Beantwortung walten lassen, denn unsere Hoff- nunzen, irgend eine Hilfe in unserer bedrängten Lage zu finden, sind bisher immer enttäuscht worden. Mir hoffen allzu schnell, weil man so gerne das glaubt, was man ersehnt. Die Er- fahtung sollte uns klug gemacht haben, wenig- stens sollten wir durch die beiden AachfriegK- foihre so wett politisch gereift fein, daß wir nicht mehr allein das Gefühl sprechen lassen, sondern in erster Lime realpolitisch denken. Haben wir uns biefen Standpunkt zu eigen gemacht, bann werden Wir nicht mehr fragen: Wie wird Amerika uns helfen, fonbern; Wie berechnet Amerika feinen wirtschaftlichen Gewinn. Nachdem also die Vereinigten Staaten den Frir. derrsMstand hergestellt haben, besteht die Gewißheit, daß sie sich davon einen Vorteil versprechen. Bei der gegenwärtigen Weltwirtschaft, ttchcn Sag» dürfen wir allerdings damit rechnen, daß dieser Vorteil sich auch aus Deutsch land überträgt, denn die Friedenswirtschaft bedingt die vroduttive Zusammenarbeit, im Gegensatz einer Kriegswirtschaft die nur bte eigene Entwicklung auf Kosten der Andern kennt
Die Vereinigten Staaten Nordamerikas befinden sich1 seit einem Jahre in ■ einem Zustande der Beharrung. Der zügellose Absatz amerikanischer Waren in Europa, bei nach Beenbigung be§ Krieges namentlich das ausgehungerte- Deutschland überschwemmte, hatte aufgehört und war einer fasst völligen Stockung ge» wichen. Deutschland hatte sich verausgabt, die gesunkene Valuta hatte die Kaufkraft erschöpft, Uno so behalf man sich mit dem Nottvendigsttn. Die Nahrungsmittel-Erzeugung im eigenen Lande besserte sich, so daß wir nur noch ergin-
#cr werde und durch bte uulttartschen Ruftun- Jnrckibares gelitten haben, zeigen, wie gen Serbiens und Rumäniens sich in gerecht ihre Ansprüche auf eine moralische und bedrohlicher Weife «t enttoidetn beginne. pekuniäre Entschädigung sind. Durch diese
Die Vereinigung der Während des Krieges in Frankreich interniert gewesenen Elsaß- Lothringer hat, wie der „Elsi-Lothr. Finanzen, zeiget" berichtet, nachstehenden offenen Bries an sämtliche Deputierten gesandt: Sehr geehrter Herr Deputö! Wr haben die Ausmerftamkett auf die Verf toilkkfierlichen Verhaft
. „ .. J worden Unter den in Beuthen von den Frm,-
rtrogrercher geMtet werde« solle«, dte erhötzre ^fr« testgenomtm-nen Geiseln befindet sich ° * *“ i*'*_i ° auch der zweite Bürgermeister, der Pofcdirektsr
und der Dorsitzende der Gewerkfchaftskommif-
Die Leipziger Vrozesse.
Schlußwort des Generals Stenger.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin. 6. Juli.
In dem Prozeß Stenger-Erusius beantragten die drei Verteidiger Freisprechung. Zum Schluß sagte Generalleutnant Stenger zu seiner Rechtfertigung: Es gereicht mir zur höchsten Genugtuung, mich hier verteidigen zu dürfen, und deshalb vor Gott und der ganzen Welt hi«, ausrüfeu zu können, daß ich niemals etwas getan habe, was das Licht der Sonne zu scheuen hätte. Hocherhobenen Hauptes stehe ich hier und erbitte meine Rechtfertigung vor ben Augen der Well. Ich habe nichts anderes getan, als das geliebte Baterland uud vor allem mein geliebtes Boll zu schützen. Ich habe nichts anderes getan, als meine Pflicht und Schuldig- kett int Interesse beS Lebens meiner tapferen und