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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kaffeler Abendzeitung

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11. Jahrgang.

Mittwoch, 6. Znli 1921

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 150

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Deutschland und Amerika im Frieden.

Franzosen und Voten.

Die Gevieter Oberscblefiens.

BiSlmig konnte man im Zweifel sein, wer eigentlich über Oberschlesien befiehlt: der Mann, den die Verbandsmächte mit der obersten Ge­walt über das deutsche Land Oberschleiicn be­traut haben, oder nicht vielmehr sein Helfers­helfer in Beuchen, Herr K o r f a n t y, der, den Tatsachen ein wenig vorgreifend, sich schon die Ehren und Rechte einesWoiwoden" der polni­schen Provinz Oberschlesien mehrere Wochen hindurch anmatzen konnte. Nun aber hat er sich entschlossen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und, wenigstens der Form nach, mit sei­nen Heerscharen zurückzumarschieren, so datz Ge-^ neral Le Rond im Augenblick wieder im Be-, sitz seiner Souveränität ist und aufs neue einem gespannt zuschauenden Publikum der ganzen Kulturwelt zeigen kann, was ein Gebieter von seinen Qualitäten aus einem ihm anvertrautcn Land zu machen vermag. Qualitäten besitzt Herr Le Rond, die kann man ihm nicht bestrei­ten nur datz diese Qualitäten wenig danach sind, um ihrem Träger Sympathien und Be­wunderung seitens der deutschen Landeseinwoh- ner oder von irgendeinem noch mit einem Fun­ken Gereckstigkeits- und Änstandsgesühl ausge- statteten Menschen zuzusichren. Diese Qualitä­ten bestehen zunächst in einer aalglatten Ge­wandtheit, die es fertig bringt, datz Le Rond sich nicht auf einem der Schleichwege handgreif­lich eriappen läßt, die er nun über Jahr und Tag zum Nachteil der deutschen und zugunsten der polnischen Sache zu beschreiten pflegt.

Wie oft schon brachte es irgendein glücklicher Zufall mit sich, daß den Deutschen Obcrschlesiens das eine oder das andere Dokument mi. dem, wie es scheinen mutzte, unwiderleglichen Beweis von Le Ronds offener Partei­lichkeit für Polen in die Hände fiel. Stets noch gelang es ihm, dank einer beneidens, werten Beherrschung aller diplomatischen Ab- leugnnngskünste, die Sache so zu drehen, daß das Dokument nickstdirekt" von ihm herrühr­te, oder auf dermißverständlichen Aufsassung" irgendeines Untergebenen beruhte, wodurch dann seine Regierung in die Lage versetzt wur­de, den ihr natürlich äußerst wertvollen Gene­ral auf * seinem Oppelner Posten zu belassen, ebne sich in den Augen ihrer Verbündeten d°e deutsche Auffaffung ist ihr natürlich völlig gleich- gültig kläglich bloßzustellen. Daß Le Rond nämlich bei der Mehrzahl seiner Kollegen in der Oppelner Kommission nichts weniger als be­liebt, zum Teil sogar geradezu verhaßt ist, ist jedem klar geworden, der nur einmal Gelegen­heit hatte, englische oder italienische Mitglieder jenes Ausschusses unter vier Augen zu sprechen. Die scharfe Oppositionsstellung aus fachlichen und persönlichen Gründen, die der frühere eng­lische Mllitärbovollmächtigte Oberst Percival dem Präsidenten gegenüber einnahm und die sich dermaßen zuspitzte, datz Percival als der Rangniedrigere und, weil er von seiner Regie- runa nicht wie nötig gestützt wurde, das Feld räumen mußte, ist nur ein Kapitel aus der Geschichte ständiger und teilweise sehr heftiger Gegensätze, die das Verhältnis zwischen Le Rond und einer großen Anzahl seiner enge­ren Mitarbeiter charakterisieren.

Man hat ihn dort im Laufe der ein und ein­halb Jahre gemeinsamer Tätigkeit zu gründlich kennen gelernt, man spricht u. a. ziemlich offen von dem berühmten Ehrenwort, das Le Rond seinerzeit dem deutschen Bevollmächtigten gegeben hat, die Versicherung nämlich, daß. so­lange er in Oppeln sei, kein polnischer Insur­gent in Oberschlesien einfallen werde. Kurze Zeit später verließ Le Rond Oberfchlefien aus irgendeinem Grunde, und eben in diesem Äu­genblick brach, natürlich ganz zufällig, der Auf­ruhr los, nicht zu früh und nicht zu spät, um das Ehrenwort des französischen Generals nicht durch handgreifliche Tatsachen empfindlichst bloßzustellen. Man erzählt sich auch, daß vor etwa drei Wochen der Jnsurgentenhäuptling Korsanty, eben derselbe, mit dem Le Rond, wie er wiederholt feierlich versichert hatte, nie. maW in Verhandlungen einzutreten gedachte, im Oppelner Regierungsgebäude mit dem Präsidenten der Jnterälliierten Kommission und seiner engeren französischen Tafelrunde fest­lich zu Abend gespeist und dabei die Ehren ge­nossen hat, die seiner äußeren Gewandung,ent- sprachen, nämlich die Ehren eines polnischen Generals.

Es versteht sich wohl von selbst, daß solches .Gebühren bei denjenigen fremdländischen Re- gierungsvertretern in Oppeln, die sich noch etn Gefühl für politischen Anstand gewahrt haben, alles andere denn Beifall findet und das erklärt auch die scharfen Kritiken, denen Le Rond neu­erdings in der Presse der Frankreich verbünde­ten Mächte, oft in heftigster Form. auSgesetzt ist. Aber das alles rübrt ihn und feine Regierung

außerordentlich wenig, wie es ihm umgekehrt im polnischen Lager eitel Bewunderung und Der- ehrung einträgt. Dutzende, ja Hunderte von Beweisen für fein und seiner Organe polen- freundliches und deutschfeindliches Verhalten liegen vor, aber anstatt seinem verhängnisvollen und ränkereichen Treiben ein Ende zu machen, haben sie augenscheinlich nur den Erfolg, daß seine Stellung sich immer noch mehr befestigt. Le Rond und seine Oppelner Tätigkeit bilden eins der skandalösesten Kapitel unserer an un- erfteulicken Erscheinungen wirklich nicht armen Zeitgeschichte.

Der Friede mit Amerika.

Frankreich ist mißtrauisch. (Privat-Telegramm.)

Paris, 5. Juli.

Nachdem in Amerika der Friedenszustand mit Deutschland und Oesterreich ausgesprochen worden ist. macht sich in Frankreich schon Miß­trauen und Furcht bemerkbar. Der Pariser Temps" schreibt: Es ist sehr wichtig für uns, zu erfahren, ob A m e r i k a sich von den Gren­zen. den Reparationen uno den anderen wichti­gen Bestimmungen entfernt, auf denen der Vertraa von Versailles ruht. Wenn Amerika sich jetzt dafür als nicht interessiert zeigt, so ist der Friede Europas nicht feit, denn die Deut­schen, die eine Politik der Abenteuer und der militärischen Revanche verfolgen (?), werden sich dadurch ermutigt fühlen und statt eines programmatischen und wohltuenden Friedens werden wir zu Streitigkeiten zwischen den Völ­kern kommen. Europa wird dann Stößen aus­gesetzt sein, aus die wir uns vorbereiten müssen. (DerTemps" verkennt natürlich, daß nichi Deutschland, sondern Frankreich der Frisdens- störer in Europa ist.)

Frankreich nud Amerika.

Paris, 5. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) An­läßlich des amerikanischen Unabhängig, keitsfestes sind die öffentlichen Gebäude und auch viele Privathäuser hier beflaggt. Die Zei­tungen heben die Bedeutung des Tages hervor und geben der Sympathie Frankreichs für Ame­rika in längeren Artikeln Ausdruck.

Gesetzes-Vorlagen.

Schwierigkeiten in der Beamtenbefoldung.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. Juli.

Der Absicht des Rcickstagspräfidenten Löwe, das Besoldungsgesetz noch in der lause» den Woche zu erledigen, stellen sich neue Dchwic- rigkeiten entgegen, um deretwegen der Reichstag vielleicht länger, als ursprünglich geplant, zn- sammenbleiben dürfte. Der Reichsministcr der Finanzen Hut nämlich an den Präsidenten des Reichstages ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:Zu meinem Bedauern hat der Dreiuud- zwäiizigermisfchuß (Beamtenangelegenheiten) Beschlüsse gefaßt, die für die Reichsregierung u n- annehmbar sind. Desgleichen find bereits in Aussicht gestellte Anträge zu erwarten. Hier­nach muß ick mir Vorbehalten, im Plenum ein­gehend zu den Beschlüssen des Dreiundzwanzi- gerausschusses Stellung zu nehmen, sodaß mit einer langwierigen Beamtendebatte zu rechnen ist, falls es nicht doch wider Erwarten geling » sollte, mit dem DreiundzwanzigerauSschuß $u einer Einigung zu kommen."

Kritik an Sieuerplänen.

Berlin, 5. JE. (Privattelegramm.) Der Abgeordnete Helfferich beabsichtigt, die Bruch stücke von Steuerplänen, die bisher in die Oefftntlichkeit gelangt find, die seiner Ansicht nach einander widersprechen, sowie dicverschie- denen programatischen Reden des Reichskanzlers Dr. W i r t h noch vor den Ferien im Reichstage zu kritisieren Helfferich will so die Bekanntgabe der Steuerpläne erzwingen.

Mahnung zur Einigkeit.

Darlegung eines Demokraten.

(Privat-Telegramm.)

Stuttgart, 5. Juli.

Auf einem demokratischen Parteifest sprach Reichstagsabgeordneter Dr. Haas über Deutsch­lands Gegenwart und Zukunft. Er erklärte, daß er zu denen gehöre, die seinerzeit gegen die Unterzeichnung des Ultimatums stimm­ten. Schoa heute zeige sich, datz die Durchfüh­rung des Ultimatums auch von dem Stand-

puntte der Entente ans unmöglich sei. lieber Oberschlefien urteilte Tr. Haas ungünstig. Es werde da auch wieder zum Kompromitz zwischen den Ententestaaten kommen auf Kosten Deutsch­lands. Unsere Reichsregierung werd-: dann in eine schwierige Lage kommen. Bürgerschaft und Arbeiterschaft sollten sich auf einer breiten Front der Mitte die H ä n d e r e i ch e n.

Das bevrSngteOberfGlesten.

Brutale Uebergriffe der Franzosen.

(Privat-Telegramm.)

Oppeln, 5. Juli.

Als gestern die in Beuthen einziehenden Eng­länder von der Bevölkernua unter Absinguug vaterländischer Lieder begrüßt wurden, hieb die französische Besatzung mit G »m- miknü-Ppeln und Kolben auf die M.n- schenmenge ein. In der Verwirrung fielen Schüsse, durch die ein französischer Major er­schossen und mehrere Franzosen verletzt wurden. Als die Menge versuchte, einen verwundeten Zivilisten in ein Haus zu bringen, rückten die Franzosen von neuem gegen dir Menge vor. Durch das Vorgehen der französischen Soldaten kauten mehrere F r a ue n und K in der ums Leben. Bald nach diesem Vorfall nahmen die Franzosen zwanzig Bürger von Beuthen als Geiseln in Haft, darunter den ersten und zwei­ten Bürgermeister. Die deutschen Parteien und Gewerkschaften OberschlesienS Übergaben der Oefsentlichkeit eine Denkschrift über den P o- lenaufstand vom 1. Mai bis 12. Juni, wo­rin es unter anderem heitzt: Das über Ober­schlesien hereingebrocheite Elend ist furchtbar und ist durch das Verhalten Frankreichs, das die Bernichtungspoliiik gegen Deutschland diktiert, einzig und allein veranlaßt worden.

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Ungünstige Aussichten.

London, 5 Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Wie entgegen anders lautenden Nachrichten mit- geteilt wird, besteht vorläufig keine Aussicht, die Konferenz des Obersten Rates in Boulogne in absehbarer Zeit zusammentreten zu lassen So­weit sich die Dinge übersehen lassen, muß vor Optimismus über die endgültige Lösung der oberschlcsifchen Frage gewarnt werden. Es hat den Anschein, daß die hiesigen politischen Streife entgegen ihre anfänglichen Haltung im­mer mehr einem Kompromiß zuneigen, und als Kompromitz zwischen dem englischen und frn t= zöstschen Standpunkt beginnt man auch hier den italienischen Vorschlag anzusek>en. ob­wohl dieser dem Abstimmungsergebnis keines­falls gerecht wird und den Polen fast alle ihre unberechtigten Forderungen erfüllt.

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Die Räumung.

Oppeln, 5 Juli. (Eigene Trahtmeldung.) Das französische Havasbüro meldet, daß die deutschen Selbstschubtruppen ihren Rückzug im Norden und Süden entsprechend dem Räu mungsplan fortsetzen. Sie lassen aber Teile ihrer Verbände auf den großen Domänen na­mentlich im Gebiete von Groß Strehlitz zurück, die bewaffnet fein sollen. Man befürchtet hier- durch (?) neue Schwierigkeiten. Die letzte Zone in Oberschleflen ist am Montag mittag von den polnischen Insurgenten geräumt. Nach Po­len sind mehr als zwanzigtausend Insurgenten unter Mitnahme von Waffen und Munition übergetreten. Aber zahlreiche Insurgenten sind als Zivilsten und Arbeiter vertteidet geblieben.

Der kleinasiatische Krieg.

Grieche» und Türke» im Kampf.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 5. Juli.

Tie »Times" meldet aus Konstantino­pel: Die türkische Regierung hat auf Veranlas­sung der alliierten Schiffe den Kriegs gefah- renzustaud in Konstantinopel proklamiert. Die kleinasiatischen Küstenbefestigungen sind von englischen T'uppen besetzt. Aus Konstantino­pel wird weiter gemeldet, daß das griechische Ge­schwader fort fährt, die Küste des Marmaramce- res zu bombardieren. Tie griechischen Ma­rinetruppen, die im Golf von Jsmid geland't find, haben Kara-Mussel und mehrere Dörfer eingeäschert. Rach weiteren Berichten haben sich die bei Glqth umzingelten griechischen Bataillone ergeben.

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Ginmischung 6er Bolschewisten.

Riga, 5. Juli. (Eigene Drahtmeldtmg.) Der Revaler Berichterstatter derMorningpoft" er­fährt, datz die Sowjetregierung die Festnahme sämtlicher in Rußland befindlichen Griechen und Japaner, mit Ausnahme der Kommunisten, befohlen habe.

Was ist Luxus?

Unüberlegte Besteuerung der Ware«.

Wie s<»wirrig es ist, bei der übereilten neuen Gesetzgebung, Sachkunde und Zweckmähigkeil toalten ju iasien.geht ans nachstehenden AuSfiitz. rnngen hervor, die uns der Sanfabnn» schreibt. Ms die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Sezessionskrieg in schwerster Finanz­bedrängnis waren, führten sie eine Steuer auf alle Warenumsätze ein: Don der Robe des Geist- lichen bis zum Strick des Gehängten unterlag alles einer gleichmäßigen prozentualen Steuer. Bei uns in Deutschland hat man in der Finanz, not ebenfalls zu diesem Mittel gegriffen, aber man hat nicht einen einheitlichen Steuersatz ein« geführt, sondern die Umsätze in notwendigen Lebensmitteln einem niedrigeren Satz, die Lu. xuswaren einer besonders hohen Steuer unter- worsen. Das war populär. In dieser Zeit der Not sollte man keinen Luxus treiben. Wer es dennoch tat, sollte dafür wenigstens gründlich steuern. Freilich dem Publikum kommt das nicht zum Bewußtsein: es empfindet nur den hohen Preis der Ware: und der Verfasser des Ge- setzes bedauert in feinem Kommentar ausdrück­lich,daß nicht durch die getrennte Berechnung der Steuer auf das Publikum eine erzieherische Wirkung dadurch ausgeübt wird, daß es vor Luruskaufen gleichsam nochmals gewarnt wird." Aber- Was ist Luxus? Die Ltttussteuer trifft nicht die Sektgelage der Schieber, nickt die Jagden und Spielklubs, nicht den wirklichen itnnbtiaen Aufwand, sondern sie ist in ihrer praktischen Anwendung eine rein fiskalische

Abgabe auf alle Qualitätsware geworden. . Ta^.ber ist Mn pitr«*. V>aene teil: Schlechte Ware ist tm Gebrauch teurer als gute. Ein Volk, das zur Spar­samkeit erzogen werden soll, muß vor allem dar­an gewöhnt werden, gute Ware aus echtem Material zu kaufen, die länger hält als die aus Erfatzmaterial geschaffene, die daher auch lange nicht so sorgfältig gearbeitet wird. Wer viele reisen muß. weiß, daß er mit einem guten rindledernen Koffer viel sparsamer fährt, als mit einem billigen, aus Pappe, Wachstuch öder Kunstleder. Aber der lederne Koffer, den man aus Sparsamkeit anschafft, gilt der Finanzbehörde als Luxus, selbst der ans dem billigeren, nicht ganz so haltbarem Spaltle­der gemachte. Und wenn ein Stock der Sorte, von der im Frieden ein ganzes Dutzend eine Mark kostete, poltert ist, so ist erLnruS- wäre". Dabei dient das Polieren, ebenso wie bas Ueberziehen von Metallwaren mit edlerem Metall Vernickeln, Versilbern doch in er­ster Linie der größeren Haltbarkeit wie der leichteren Reinigung. Die LuxuSsteuer wird beim Hersteller erhoben und ist Hjie bie Umsatzsteuer von ihm

in den Preis der Ware hineinzurechnen; 15 Prozent des Verkaufs- Preises sind aber damit 17,65 Prozent des Preises, den der Hersteller für sich für die Ware nimmt. Der Großhandel, der seine Spesen be­redetet. ist verpflichtet, dem Kleinhändler 1,5 Prozent Umsatzsteuer in den so erhöhten Preis einzurechnen. Und dieser Vorgang wiederhott sich, bis die Ware in die Hände des letzten Verbrauchers kommt. Dadurch steigt für diesen die Belastung der Ware durch Luxussteuer und Umsatzsteuer auf die enorme Höhe von fünfunb- zwanziag bis viertzig Prozent. Diese unge- steuerlichen Sätze können aber von der LuruS- industrie oder richtiger gesagt: Qnalilätsindu- strie nickt getragen werden. Der Jnlgnds- verbrauch geht in dieser Zeit, wo sich die all­gemeine Verarmung erst recht geltend zu mache» an fängt, furchtbar zurück, wendet sich neige- drnngen der momentan billigeren, im Gebrauch freilich wesentlich teueren, minderwerttgen Ware zu. Damit aber mich die Qualitätsware deS deutschen Gewerbes, auf die war stolz find, zurückgehen. Es ist auf die Dauer unmöglich Qualitätsware nur für den auswärttgen Absatz zu fabulieren, für -en Jnlandsmarkt aber min. derwertige Ersatzware herzustellen. Kun-stge- werbe wie Qualitätsarbeit können, wenn fie sich auf der Höhe hakten wollen, die stündige Anregung nicht entbehren: die ein verständnis- nnd geschmackvolles, heimisches Käuferpubli­kum gibt. Deshalb wird unser Knnstaewerbe wie unsere QuaLftätsindnsttie ohne kaufkräfti­gen eigenen Markt schließlich anderen Staaten gegenüber auch auf auswärtigen Märkten ir Hintertreffen kommen.

Ans die Ausfuhr findet die Lurussteuer keine Anwendung, sofern der Vertragsabschluß dirett zwischen dem inländischen Hersteller und dem auswärtigen Kunden und die Ware auch direkt ins Aus­land versandt wird. Die Hauptausfuhr findet aber durch die meist in den Hafenstädten sitzen­den Erporthäuser statt, die die Ware vom Her­steller kaufen und fie an den Ausländer weiter