Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Sonnabend, 2. Juli 1921

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 147

Sie Safieler SUueften Nachrichten ertchetn-n irochenMch techtmat und -war a d« ad 6. Der abonnemmtäptetä beträgt monatlich 6.50 Mark bet freier Zustellimg in« Hau . Aus. würts durch die P-st bezogen 5.80 Mark monatlich einschließlich Zustellung. Beftellm^gen werden i-d-r-.>ir oon der SeschäftSst-ll- oder den Loten entgeg.ngenommmDnutocei, Aeriag und RedaMon . Schlackthofstraße 28fl0. Für unverlangt -ing-landt-Beiträge kann die Redaktion «ine Verantwortung oder Bewahr in keinem Falle übernehme». Rütkzahlung des BezugSgeldeS ober Ansprüche wegen etwatgernicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschiosten.

JnlerttonSpreife. a) Binhetmstche Auftrage: Di- einspaltig- Anzeigen-Zsil- M. t.ro, die einspaltig- ReNamezetl« M. 8.. b) Auswärtige Aufträge: Die etnfpaltig- Anzetgenzeile M 1-30, Me einspaltige Reklame,eite M. 3.50, alles einschließlich Teuerung«,Uschlag und Anzeiaenfleuer. Für Anzeigen mU besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aulgegebenen Antigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann -in- Bewähr nicht übernommen werden. - Druckerei: Schlacht- »vsftratze 2^'30. G-schäftSstell«: «ölnische Straße 5. Telephon Nummer 961 und 952.

Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Abbemsung der Amerikaner vom Rhein?

Um dieSanktionen".

Das Loch im 9fe tea.

Die kritischsten TagesproblEe sind gegen­wärtig einmal Vie Frage der Aufhebung der Sanktionen", und zweitens die Frage der Erhaltung eines ungeteilten Oberschle- s i e n s beim deutschen Reiche. Ms die deutsche Reichsregierung das Ultimatum angenommen hat, gab sie sich der Hoffnung hin, daß nun aber auch die schon damals als überaus drückend emp­fundenen Sanktionen militärischer und wirt­schaftlicher Art in Wegfall kämen. Alle Be­mühungen der Reichsregierung in der letzten" Zeit, sowohl bei den Alliierten, wie auch bei an­deren Mächten um Aufhebung dieser Sanktionen haben bedauerlicherweise zu keinem Erfolge ge­führt. Angesichts der Boulogner Konferenz des Obersten Rates, dessen Termin aber immer noch nicht definitiv bestimmt ist, müssen wir in der gesamten französischen Presse und auch im Par­lament ein Sturmlcmsen gegen jeglichen Gedan­ken auf Aufhebung dieser Sanktionen beobach­ten. Man macht geltend, daß mit keinem Wort der deutschen Regierung seinerzeit die Aufhebung dieser Sanktionen, für den Fall der Annahme des Ultimatums, zugesichert worden ist. Wört­lich genommen stimmt das. Aber in den tatsüch- lichen Vorgängen hat die Aufrechterhaltung die­ser als Zwangsmaßnähme vorgesehenen Sank­tionen nicht mehr die geringste Berechtigung.

Nun stellen sich auch die Franzosen auf den Standpunkt und Briand läßt sich von dieser öffentlichen Meinung, die übrigens vortrefflich inszeniert ist, treiben, daß eine Aufhebung b-jKr Sanktionen erst dann in Frage kommen "r$Dwsttzchlond oste Dervilich'nn- g e n e r füllt hätte Wenn man hinter dieser Formulierung einen Etlichen französischen Wil­len erblicken müßte, dann würde Deutschland die Sanktions-Fefleln nicht mehr ab zustreifen ver­mögen. Es ist keine Klarheit darüber zu erlan­gen, welche Verpflichtungen Deutschland erfül­len srlll, um der Aufhebung dieser Sanktionen teilhaftig zu werden. Da hört man nun vielfach den Einwand geltend machen, daß Deutschland noch nicht einmal in der Entwaffnungsjrage völ­lig den Verpflichtungen nachgekammen sei. Aber auch dieser Einwand, der nur ein Vorwand ist, muß nach allem, was unter schwersten Opfern in Deutschland in den letzten Junitagen sich voll- Kogen hat, als hinfällig betrasAct werden. Die Dinge liegen vielmehr so, daß die gesamte fran­zösische öffentliche Meinung auf Grund einer prompt arbeitenden Regie, aus das schärfste ge­gen den Plan der Aufhebung der Sanktionen voreingenommen worden ist. Die Wirtschasts- kreise Frankreichs hoben ein Interesse an der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes, tcr ihnen erlaubt, durch das neue künstlich ge­öffneteLoch im Westen" ihre Luruswaren nach deutschem Gebiet abzuschieben.

Die wirtschaftliche Wirkung dieser Sanktionen auf das davon unmittelbar betroffene rhei - Nische Gebiet, aber auch im Hinblick auf die Beziehungen zwischen dem rheinischen und dem gesamten deutschen Wirtschaftsleben, sind nach­gerade unerträglich. Wir verlieren jetzt sthvn monatlich Hunderte von Millionen Mark an Zoll und sonstigen Einnahmen, die wir durch neue, auf die Gesamtheit dos deutschen Bolles umzulegende Steuern einzuholen gezwungen sind. Darum ist der Standpunkt der Rcichsregie- rung, der auch bei Gelegenheit der Jnterpel- lationsdebatte über die Sanktionen im Reichs­tage mit aller Klarheit und Entschiedenheit be­tont worden ist, der: die Leistungsfähigkeit Deutschlands und die Möglichkeit der Abtragung der finanziellen und sonstigen materiellen Ver­pflichtungen des Ultimatums davon abhän­gig zu machen, daß die Sanktionen aufge­hoben und damit die Hemmnisse einer freien, selbständigen Wirtschaflsentivicklung in Wegfall kommen.

Das ganze deutsche Voll muß sich in dem Ruse vereinigen: Fort mit den Sankrio- nenl Sie sind eine schwärende Wunde am Kör­per des deutschen Wirrschaftslebens. Wir würden bei weiterer Aufrechterhaltung dieser Sanltionen einem wirtschafilichen Siechtum entgegengehen, gegen welches alle von der Rei,t>sregierung itn= ternommenen Mitt-l zur Beschaffung neuer Eiri- nahmequcllm in Gestalt von ungemein drücken­den Steuern nichts ausrichtm könnten. Roch weiter reichend aber sind die politischen Folger., Wie sich notwendigerweise ergeben mühten, venn durch die Aufrechterhaltung der Sanktionen die Ersüllunq der im Ultimatum zugesagten Leistun­gen mmröglich würde. In dieser Form dec Aufhebung der Sanktionen kann und darf es in Tentschland keine Meinugsverschiedenhcit, keine Zerklüftung nach Parteien geben. Es handelt sich um eine nationale Frage allerersten Ranges, um eine Frage unserer nationalen Wirtschaft und damit unserer nationalen Existenz. Es sind sckswere Stunden, in denen wir stehen, und die Entwicklung der nächste Tage und Wochen wird ur5 vor neue Prüfungen stellen. Da muf­fen wir uns rechtzeitig auf uns selbst und vor

allem darauf besinnen, was uns gemeinsam tst: Und das ist doch wohl für jeden Deutschen die Liebe zum Vaterland und die Treue und An­hänglichkeit allen Vollsgenofsen gegenüber. Sv muß in diesen Tagen eine mächtige Be­wegung durch das Land hindurchgehen, die sich kristallisiert in dem in alle Welt hinausdrin- gcuoen, von allen deutschen Vollsgenofsen ein­hellig erhobenen Rus: Fort mit d.en Sank­tion e n!

Amerikas Friebensneigung.

Zurückziehung vom Rhein?

iPrivat-Tcl-gramm.)

Köln, 1. Juli.

Aus Washington wird gemeldet, daß die amerikanischen Truppen am Rhein zurückgezogen werde« sollen. Präsident Harding soll entschlossen fein, die amerikanische Besatzung entweder unmittelbar bei der Unter­zeichnung der Friedensresolutiou, oder doch bald nach dieser Unterzeichnung zurückzuru- fcn. Die Fricdensresolution wird wahrscheinlich noch vor dem 4. Juli (dem amerikanischen Na- tivnaltagj angenommen werden und man glaubt, daß die Zurückbcrusung der amerikanischen Truppen am Rhein anläßlich der Nationalfeier erfolgen soll. Die französische, belgische und englische Regierung seien von dieser von dieser Absicht der amerikanischen Regierung bereits be­nachrichtigt worden, damit sie sich darauf vor- b~- -pen, fetr amerilani'chen Truppen in», ffe* biet von Koblenz abzulösen.

Deutschland und die Entente.

Fristablauf am 30. Juni.

(Privattelegramm)

Berlin, 1. Jüll.

Mit dem 30. Juni ist die F r i st für » 'ne Reihe nichtiger Bedingungen deö Ultimatums abge­laufen: Die Auslösung dcrSelbstschutz-Or- ganisatione«, die Ablieferung der in ihrem Besitz befindlichen Waffen und die Abliefe­rung des über das zuläfsige Maß hinausgchcn- den H e e r e s g e r ä t e s. In allen drei Punkten ist die Fristdurchgchalten und der inter­alliierten Kontrollkommission Mitteilung genracht worden. Tcr Reichskommisiar der Entwaffnung, Peters, ist von der Rcichsregierung mit der end­gültigen Abwicklung der Geschäfte beauftragt.

*

Frankreich lehnt alles ab.

Paris, 1. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Havas meldet: Die beiden ersten Verhandlungs- tage haben die A b l e h n u u g der V o r fchl ä g e der deutschen Delegierten hinsichtlich einer Abän­derung der deutschen Naturallieferungen gebracht. Auch die deutschen Vorschläge, über die Zurückgabe des durch Deutschland während des Krieges beschlagnahmten Materials neue Aüscknitzungcn durch die Sachverständigen vor- zunehmcn, wurden von den Vertretern der fran­zösischen Regierung nicht angenommen.

ObersOlefiesrs Räumung.

Auflösung des Selbstschutzes.

(Eigene Drahtmeldung.)

BrcAair, 1. Juli.

General Hoefer, der Führer des deutschen Selbstschutzes, hat einen Ausruf erlaffen, in bau es unter anderem heißt:Der B o r m a r s ch der interalliierten Truppen hat begon­nen. Das Interesse unscrer Heimat fordert es, daß toir uns der Interalliierten Kommission fügen. Sie ist nun einmal zurzeit die gesetz­mäßige Regierung im Lande. Machen die Polen Ernst mit ihrer Räumung, dann besteht für dcu Selbstschutz kein Gründ zum Weiterbestehen. Schutz von Leben und Eigentum der Bevölle- rung ist gesichert. Wären wir gegen den aus­drücklichen Willen der Entente vorgegangcn, dann hätten wir das Verbleiben LberschlesieuS beim deutsche» Reiche gefährdet. Wir danken unseren Landsleuten, daß sie bte zuletzt in Treue sich zum Deutschtum bekannt hüben. Wir wer - deu uns auflösen. Auch dabei werden wir die Selbstzucht wahren." Zum Schluß spricht Hocker die Hoffnung auf eine bessere Zuknnkt bcS

armen oberschlesischen Heimatlandes und des ge- samteu demschen Vaterlandes aus.

Äm besetzten Gebier.

Steine Immunität deutscher Abgeordneter. lPrivat-Telcg» amm.)

Köln, 1. Juli.

Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete hatte die Interalliierte Rheinlandkommisston darauf aufmerksam gemacht, daß die militärischen Besatzungsbrhördcn im besetzten Gebiet zu wie­derholten Malen Haftbefehle gegen Abgeord­nete des preußischen Landtags erlassen hatten und mit Rücksicht auf diese Vorkommnisse erfüllst, ganz allacmein deutschen Parlamentariern im besetzten Gebiet das Recht der Immunität zuznerkennen. Tie Antwort der Rheinlandkom- mission acht dahin, daß ihrer Meinung nach keine Bestimmung des Friedensvertrages oder des Rhcinlandabkommens irgendwie das Jm- «cunitätsrecht deutscher Abgeordneter im Rhein­land anerkennt, im Gegenteil sehe Artikel 3 des Rheinlandabkommens ausdrücklich vor, daß die «Liierten Militärgerichte das Recht hätten, iede im besetzten Gebiet sich aushaltende Person ihrer Jurisdiktion zu unterwerfen.

DayernsSinwohnerwebren.

Ei« Srlatz zur Auflösung.

lPrivat-Telcgramm.)

München, 1. CuH

Der Ministerpräsident Dr. von Kahr hat ge­stern an den Landesverband der Einwohner- xCu Bayerns einen Abschiedserlatz ge richtet, worin er dem Landesverband und seinen treuen Mftglieder im Ramcn der bayerischen Staatsregierung den allerherzlichftcn Dank für die der Allgemeinheit geleisteten großen Dienste ausspricht, besonders aber dem Landeshaupt­mann Eschcrich und seinen verdienstvollen Mitarbeitern. In Bayerns schwerster Zeit aus dem RechtSgesühl des Volkes herausgewachsc», hätten die bayerischen Einwohnerwehren an der sittlichen und vaterländischen Hebung des Volkes hervorragend mitgearbeitet und seien nicht nur von dem bayerischen Volk, son­dern auch in weiten Kreisen des übrigen deutschen Reiches als das sestefte Bollwerk gegen jede Um- sturzgcfahr angesehen worden. SckMerzlich be­rührt von dem Schicksal, dem nunmehr der baye­rische Selbstschutz verfällt, hat der Ministerpräsi. deut doch die feste Ueberzeugun«. daß der von den Einwohnerwehren ausgestreute Samen auch irt Zukunft noch reiche Früchte tragen werde zum Besten des Vaterlandes.

Oesterreichs Volitik.

Erklärung des neuen Bundeskanzlers.

lEigeu" Drahimeldung.)

Wien, 1. Juli.

Der neue Bundeskanzler und Minister des Aeußern Dr. Schober empfing die Vertreter der auswärtigen Presse. In einer Ansprache führte er aus,' daß der Vertrag von St. Ger­main ohne ausreichende Kenntnis der tu Betracht kommenden wirtschaftlichenBcr- hältnisse zustandcgekomrnen ist. Oesterreich habe sich trotz aller Schwierigkeiten als ein Ele­ment der Ruhe und Ordnung in Europa erwie­sen ES sei daher ein Staat, mit dem man in aller Rirhe geschäftliche Beziehungen eingchen könne. Als eine der dringendsten Rotwendigkei- ten bezeichnete er die Beseitigung der Ab­sperrung in Wirtschaft und Verkehr. Die Anschlußbeweguna berührte er mit der Bemerkung, er werde bestrebt fein, die Hinder­nisse aus dem Weg zu räumen.

Der klemasiatrsche Krieg

Griechenland und feine DertragSrechte.

lEigonc Drcchrmeldung.)

Paris, 1. Juli.

Nach Londoner Meldungen fall der Begin:: der Kriegsoffensive unmittelbar brvor- stehen. Die Königin von Griechenland fei in Smyrna eingetroffen. Der griechische Minister­präsident Ghunaris hielt in Smyrna eine Rede, aus der das Programm der griechischen Politik in Kleinasien hervorgeht. Der Kampf um die Befreiung der Christen in Kleinasien werde mir äußerster Energie durlligefüyrt wer­den. Griechenland werde keinesfalls die Ge­biete aufgeben, die ihm nach dem JScttiag von Sövres zu kommen. Mit dieser Erklärung ist Ghunaris weit über die Note an die Entente hinausgegangen. Diesmal lehnt er es rundweg ab, die Bedingungen der Entente, betreffend de» uriednfdjcn Verzicht auf Snttjrnn, anzunehmen.

Neue Wasserwege.

Gelegenheit zu Notstandsarbeiten.

Di« toeU»er6eettete erbettel o^gtet« tonn eine Milderung babuxtf) erfahren, vag die lang« aeblantcn «anale in Devtfchlan» gebaut wer. bcu eilt doppelter Gewinn würde damit er- »leit, denn außer bet Arbeitsbeschaffung er. stünden die notwendigen neuen Verkehrswege.

Aus parlamentarischen Kreisen wird geschrie­ben: Durch den Nachtrag des Relchsvertehrs- ministeriums (Abteilung für Wasserstraßen) zum Haushalt 1921 sollen die in Preußen begon­nenen Notstandsarbeiten am Kanal von Han­nover nack: Peine uitb am Zwei Banat nach Hildesheim behufs energischer Fortfüh- runa mit einer neuen Bewilligung von achtund­vierzig Millionen Mark ausgestattet werden. Der Mehraufwand soll dazu dienen, um durch Einlegen von Doppelschichten die Arbeitszeit zu verlängern und eine größere Anzahl vcm Ar- beitÄoseu zu befckMstigon, wodurch mich eine wirtschaftlichere Ausnutzung des gesamten Ar- beiiSaPparats sich würde erreichen lassen, fer­ner werden sünftinddreißig Millionen Riart Mr weitere Notstandsarbeiten am Mittelland­kanal östlich Peine angcfokdcrt. Bereits früher nb die Mittel für den Bau des westlichen Teils des

Wcscr-Elbe-KanalS

von Hannover bis zu dem Punkte in der Nähe von Peine angewiesen worden, wo die damals in Frage kommenden beiden Linien (Mittel­und Südlinie) gemeinsam verliefen. Die Aroer- ten sollen jetzt bis nach Braunschweig ausgedehnt werden, einmal, um die anwachsonde Arbeits­losigkeit in dem berührten Gebiet zu mildern, an­dererseits, um den Kanal an die verkehrswich­tigen Orte Peine und Braunschweig heranzun-h- ren und dadurch auch daS Stück Hannover-Peine wirtschaftlich zu matten. Die neu in Angriff zu nehmende, fünfundzwanzig Kilometer lange Strecke würde nach heutigen Preisen zwerhun- dertundsiebenimddreißia Millionen Mark erfor­dern. lieber die Linienführung Peine- Braunschweig sind zurzeit noch Ausciuan- dersehiingen mit den beteiligten Ländern in der Schwebe. Der Plan für die Verbindung des Mittellandkanals mit Leipzig sicht einen Ausbau der Elbe von Niegripp bis zur Saalemuns düng vor. Bei Magdeburg ist ans bautedmi» scheu Gründen ein Umgehungskanal geplant, dcs-- sen Abmessungen für die größten Elbfchifs« aus- reichen sollen und dessen Anlage einem dringen­den wirtschaftlichen Bedürfnisse Rechnung tragen würde. Die Inangriffnahme dieses Kanals ist umso dringlicher, als Magdeburg stark unter Ar­beitslosigkeit leidet. Die Baukosien des neun Kilometer la,tarn Kanals würden einhundert- drejßig Millionen Mark betragen, von denen sünfimdsiebzig Millionen Mark.1921 gebraucht werden. Im Ganzen sind für die

Fortsetzung des Mittellandkanals

in diesem Jahre noch fürrfundvierzig Millionen Mir' bereitzustellen, wobei vorausgesetzt wtrd. daß die betulieten Länder ,»stimmen und em Drittel der Kosten übernehmen. Da Preußen bereits 1920 einen größeren Betrag auSgegeben hat, sind nur die Beiträge anderer Lauder mit zehn Millionen Mark anzusctzen, so daß im Nach­trag semi fünsunddreißig Millionen Mark ein zu- fteflen waren. Wie ans der Sitzung des Reichs­wirtschaftsrates bekannt, werden zwanzig Mil­lionen Mark als erster Teilbetrag für den Aus­bau des Hunte-Ems-Kanals von Olden­burg bis Kampe angefordert. Der Kanal ist für die Entwicklung der dort aufstrebenden Tock- industrie und der Landansiedlungen von maß­gebender Bedeutung. Die betreffenden Kanal- txutten sind aus über hundert Millionen Mark veranschlagt, von denen das Reich im kaufenden Jahre zwanzig Millionen Mack aus sich zu neh­men Hütte, unter Anrechnung der sür die pvoduk- nve Ertocrbslosenfürsorge zu leistenden Mittel. Man nimmt an, daß die Kanalabgaben eine« erheblichen Teil der zu ihrer Errichtung gomach- ten Aufwendungen Wieder einbringen werden.

Englische Gewalttaten.

Wie England die Ire» regiert.

Lloyd George übernimmt tu tiefen Tage» erneut einen Schritt zur Lösungin der infdjen Frage. Die offiziöse Pceste laßt dnrchbkcken, daß es der letzte Versuch einer gütüchen Eiui- gung fein werde. Demgegenüber betonen die Vertreter Irlands, auch dieser letzte Appell der Londoner Regierung an den gesunden Menschen­verstand sei weiter nichts als ein Manöver, um einen unerhört grausamen Feldzug, eine Nieder­werfung der irischen Bewegung nnt brutaler Ge­walt, um den beliebten moralischen Hintergrund zu schaffen. Die zur Bezwingung Irlands not- ivendige Armee stünde schon bereit, und tote au» immer die Antwort des Präsidenten der irische, RcpiMik, de Valero, aussaüen möge, an dem festen Entschluß der Londoner Regierung, der Bewegung mit allen, auch den unmenschlich^» Mittel, i, Herr zu werden, sei nicht zu zweifeln.