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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 144,

Mittwoch, 2S. Zurri 1921

Fernsprecher BI mtb 952

11. Jahrgang,

Fernsprecher 951 und 952

Dt» »affeter Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und paar abend«. Der SbonnementrpretS beträgt monatlich 6.50 Mark bet freier Zustellung in« Hau«. Lu«, wärt« durch die Post bezogen ch«0 Mark monatlich einschliestlich Zustellung. Bestellungen werden lederzeU von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion-. Echlachthosstrabe 28/30. Kur unverlangt etngefanbte Beiträge kann die Redaktion eine Berantwortung oder Bewähr tn keinem Falle übernehmen. Rüchzahlung de« Vezugigelde« oder Ansprüche wegen etwatgerntchtordnuugSmäßiger Lieferung anrgefchwsfeu.

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Die Griechen und Türken im Kamps.

daß sehr vorsichtig operiert Werben muß, wenn

von der wir die goldenen Eier erwarten. Mit

der mehr oder minder

r

stcigerung gegenüber der Papiermark bei dem Grundbesitz und noch mehr bei Len industriellen Unternehmungen sehr verschieden ist, und es wird zweitens daraus zu sehen sein, daß aus der einen Seite weder eine Hypothekenüber- lastung eintritt, noch auf er anderen Seite Pro­dukt ionstapital beschlagnahmt wird. Auch ist, was die Industrie betrifft, zu beachten, daß ja schon durch die durchaus berechtigte wesentliche Erhöhung der Körperschafts st euer ein Teil des .Goldwertes" erfaßt werden wird. Daß hier wie beim Grundbesitz noch Steuerquellen zu erschließen sind und angesichts der Notlage des Reiches erschlossen werden müssen, soll nicht ge­leugnet werden. Aber schon die Schwierigkeiten, auf die wir hingöwiesen haben, lassen erkennen.

Die Wieberausbaufroge.

Paris, 28. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die Parffer Besprechungen zwischen den deut­schen Vertretern und den Delegierten der französischen Regierung über das Wieder­herstellungsproblem (Forffctzung der Wiesbade­ner Besprechungen) beginnen auch am heutigen Dienstag noch nicht. ES ist wieder eine Verzöge­rung eingetreten. Die deutschen Vertreter, die gestern noch nicht eingetrosfen waren, sollen erst heute abend in Paris ankommen und zwar har Dr. Rathenau selbst um diese Verschiebung nach­gesucht. Heute vormittag wird ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik abgehalteu werden, bei dem der Wiederauf- bauminifter Loucheur wahrscheinlich fein Wie deraufbauprogramm entwickeln wird.

England« und Frankreichs Haltung.

London, 28. Juni. (Eigene Trahtmeldung.) Die englische und die französische Re­gierung sind sich in der Haltung gegenüber Griechenland niibt einig. Während England nach dem Scheitern der VermitüungsaMon ab­warten will, um im geeigneten Augenblick mit einem neuen Angebot auf den Plan zu trete«, geht die französische Ansicht hahin, daß nunmehr Mairnahnren ergriffen werden müßten, um dem unsichern Zustand im Orient ein Ende zu machen.

tim Konstantinopel.

Paris, 28. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Nach der Agenre Havas haben sich dje Grie- <6en auf Jsrnid am Marmarameer zurückgezo- gen, das sie aber ebenfalls am 24. Juni den Türken überlassen mußten. Die Morning- post meldet: In gut unterrichtete» englischen Kreisen hält man das Verschwinden der türki­schen Regierung von Konstantinopel, sowie die Auslösung der kemalistischen Offensive als un­mittelbar bevorstehend.

Kassel, W. Juni.

Die letzte Stadtverordnetenversammlung vor den Sommerferien. Da soll es noch einmal leb­haft zugehen. Schon vorher hört man, daß Oberbürgermeister Scheidemann eine Er­klärung auf die Protest-Versammlung des Bürgertums aibgeben wird. Das besagt genua. Stadtverordnetenvollsteher GrzestnSki erteilt auch richtig vor Eintritt in die Tagesordnung dem Oberbürgermeister das Wort urch dieser beginnt. Er redet lange. Aus das, was Bankier Pfeiffer von seiner außeramtlichen Tätigkeit gesagt hat, geht er nicht ein und behält sich vor, außerhalb des Rathauses darauf zu antworten. Dann geht er zur Verteidigung über und wählt als Waffe den Angriff.

Alles, was Bankier Pfeiffer gesagt, bezeichnet er als schiefe Darstellung und direkt objektive Unwahrheit. Die Geschichte von dem Schulvor­steher, der vom Stadtschulrat zu ihm und aus seinem Amtszimmer dann wieder zum Dezer­nenten geschickt wurde, wird als Märchen ab­getan. Auf der Linken hört man Hört Hört. Der Oberbürgermeister glaubt, Bankier Pfeiffer hat die Unwahrheit gesprochen, weil er positiv ange- logen worden ist. Den Vorsitz in Kommifstonen hat er abgelehnt, Grund: Er will sich nicht mit fremden Federn schmücken. Seine Mitarbeiter, die auch sonst die Arbeit leisten müssen, sollen auch di« verdiente Ehre eircheimsen. Persön­liche RücksichtAosigkeit und persönliche Verlet­zung liegt ihm nicht. Wann»-«, vedltniS« mäßig wenig das Wort nimmt? Er gehört »ich; zu den Wiederkäuern. Darin wenigstens sollte man sich ihn zum Vorbilde nehmen. Warum er nicht eingriff, wenn ein temperamenwolles Mitglied des Hauses gewisse Redewendungen gebrauchte? Die Sitznngspolizei übt der Vor-

Gcheidemann.

Die Verteidigung des Oberbürgermeisters» (Von unserem Mitarbeiter.)

Gold-oderNealwerte.

Die steuerliche Erfassung.

In letzter Zeit hat der erschreckte Steuer»

Vorläufiger Rückzug.

Gleiwitz, 28- Juni. (Eigene Drahtmeldunq.) Die beuffdje Bevölkerung, der sich infolge des polnischen Ueberfalls eine große Erregung be. mächtigt hatte, versammelte sich vor der Woh. nnng des Stadtkommandeurs und verlangte energisches Eingreifen. Daraufhin leitete der französische Kommandeur Verhandlungen mit den Insurgenten ein und um 8 Uhr abends ließen sich die Polen herbei, den Rückzug an­zutreten. In den von ihnen besetzten Werken haben die Insurgenten wie Räuberbanden gehaust, die Einrichtungen zum Teil zerstört und die Büros geplündert. Der dadurch dem «cherschfesischen Wirffchastskörper zugefüqte -Schaden läßt sich noch nicht übersehen. Aus Berlin wird berichtet: In einer neuen Note weist die deutsche Regierung auf neue große militärische Rüstungen der Polen in unmittelbarer Nähe bet deutschen und oberschlestschen Grenze hin.

dem schön klingettlden, aber durchaus schiefen Schlagwort Erfassung der Goldwerte oder auch der Realwerte ist es davon dürste sich auch der geplante Steuerausschuß des Reichstages bald Werzeugen nicht getan. Schlagworte sind immer noch keine Finanz quellen! P=k.

Die Krisis im Osten.

Liu neuer Balkankrieg st (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 28. Juni.

Oeffentlichkeit, Presse und Parlament rech­nen mit einem bevorstehenden neuen Krieg im Orient. Die beschlossene große Offensive der griechischen Armee gegen die Türken sei nur die Einleitung zu einem gewaltigen Ringen um den Besitz Konstantinopels, das die anderen Balkanstnaten nicht neutral lassen werde. Bereits jetzt werden aus Belgrad und B n - korest allgemeine MobikisierungS- matznahmen gemeldet. Das Eingreifen Englands werde zu neuen und schweren inter­nationale» Konflikten führen. Nach Meldun­gen aus Konstantinopel ist der griechisch- türkische Feldzug bereits im Gange und die Türke» habe» bereits eine» beträchlli- kben Erfolg errungen. Die Griechen haben Js- tttib geräumt. Ein englischer Kreuzer soll in JSmid die alliierten Staatsangehörigen holerr.

Neue polnische Angriffe.

Liusall der Ausrührer in Gleiwitz.

(Eigene Drahtmeldung.)

Oppeln. 28. Juni.

Ans Gleiwitz wird berichtet, daß in der Nacht zum Sonntag nach heftigem Gewehr- feuer morgens neun Uhr ein polnischer Panzerzug in den Bahnhof einfuhr, dem eine Horde Insurgenten entftieg. Nach kurzer Zelt besetzten die Insurgenten die Wagenwerkstätte der Eisenbahn, die staatliche» Hüttenwerke und daS der oberschlesischen Eisenbahnbedarss - Aktien­gesellschaft gehörige Stahlröhrenwerk. Die Werk- tätteu wurden von deutschem Selbstschutz energisch verteidigt. Die deuffche» Arbeiter zogen geschlossen auf den Marktplatz und bewogen die Italiener und später auch die Franzosen zum Eingreifen. Rach de» Berichten von Augenzeu­ge» haben die Franzosen auf die Werke gefeuert, dagegen auf die Polen lediglich mit Platzpatro­ne» geschossen. Vier Angehörige des deuffche» Selbstschutzes und zwei Frauen sielen den Kugeln der Insurgenten und der Franzosen zum Opfer.

Die Leipziger Prozesse.

Aus dem Lager in Riederzwehren.

lPrivat-Telegramm.)

Leipzig, 28. Juni.

Am Mittwoch »»erden vor dem Reichsgericht in Leipzig die ersten von den Franzosen verlang­ten Verführen gegen Kriegsbeschuldigte verhan­delt werden, und zwar gegen den General Stenger und den Major a. D. Crusius. Ersterer wird beschuldigt, de» Befehl gegeben zu haben, keine Gefangenen zu machen und alle hin­ter der deuffche« Front aufgefundenen Franzose» zu erschieße». Lettterer soll diese« Befehl weiter- gegtben haben. Die Anklage lautet auf Mord. Im Falle Saute handelt es sich um die Erschie­ßung des sranzösist^u Hauptmanns Rigard durch de» Oberleutnant Saufe. Rigard hat sich gegen Laufe zur Wehr gesetzt, als er. in Gefan­genschaft geraten, ausgeforderi wurde, feine Lachen abzugehen Die Generale Schnack und Kruska find beschuldigt, durch Bernachlässi- gung sanitärer Einrichtung:» im Lager Rie­derzwehren de« Tod vieler Gefangener »er- ursacht zn haben. Möglickierweise wird auch noch gegen die beiden Oberleutnants zur See Boldt und D i t h m a r verhandelt, denen die Vorgänge bei der Versenkung des LazarettschiffesLau-

sitzende aus und außerdem: In der ExoduS-Stt» , jung war er gar nicht anwesend!

Was den Fall des Studienassessors angeht, ; so ist die Pfeiffersche Darstellung einseitig und schief. Würden die Details bekannt, so schnit­ten Herr Pfeiffer und einige seiner Freunde nicht gut ab. Dann der Vorwurf der Protefe tioiiswirtfchast: Die Millionenanf träge, die f r ü h e r die Stadtverwalttlng gab, fielen zufäl­lig Herren zu, die Stadtverordnete waren. Wen« sich Herr Pfeiffer untersteht, den Vorwurf zu erheben, daß Korruption herrsche, dann bringe er Beweise. Sonst hüte er sich, in dieser Weise zu reden! Von dem im Rathaufe tagenden sozial­demokratischen Beamten-Verei» erfuhr er erst aus der Pfeiffer-Rede. Dann die Mahw.mg, mehr Kleinarbeit zu leiste» es ist nicht Aus­gabe des Oberbürgermeisters, hinter jedem Feld­hüter oder Laternenanzünder herzu laufen, ob er auch ja seine Pflicht erfüllt. Man kann die Konnnnnalpolitik vom Frofchteich über von hö­herer Warte aus betrachten ... er zieht das Letztere vor.

Herr Pfeiffer hat von de» Vorteilen der Stadt aus persönlichen Beziehungen gesprochen. Dabei kann er sich über die ungeheuer folgen­schwere Tragweite seiner Aeußerung nicht klar gewesen sein. Ganz allgemein gesagt, fv bemerkt der Oberbürgermeister: Ich empfinde eS ÄS eine Infamie sondergleichen, damit hausieren z» gehen und die Stadt zu schädigen. Seine per­sönlichen Beziehungen erreichten nur, daß er mit den zuständigen Persönlichkeiten überhaupt sprechen konnte. Oftmals sprach er an einem Vormittag vier Minister, während andere Leute wochenlang in Berlin warten, bis sie nur vor einen Geheimrat kommen. Jetzt werden sich natürlich all diese Herren hüten, etwas zuzusa­gen, wollen sie sich nicht nachsagen lassen, ihr Entgegenkommen Kassel gegenüber beruhe auf persönlichen Beziehungen zu chm. Diese Aeuße­rung des Herrn Pfeiffer unter dem Jubel der uninformierten Bevölkerung kann der Stadt Kassel ungeheuer viel Geld kosten! Uebrigens: Keiner seiner Vorgänger, die sämtlich Mtglieder des Herrenhauses waren, reiste weniger nach Berlin als er (Zurufe links: Mehr!), der stets dabei städttsche Interessen wahrnehme.

So der Oberbürgermeister. Dann führt er noch aus, daß Herr Pfeiffer die städtischen Be­amten gelobt und dann wieder so hingestellt habe, als könne man ihnen nicht über den Weg trauen. Siehe die Herren von den gewerblichen Werken. Weiter spricht er von dem-Gefühl, Herr Pfeiffer habe erst als Stadtverordneter aus­scheiden müssen, um bann seine Ratschläge zu erteilen, die er sonst nicht gegeben habe. Das Lob, das ihm von Herrn Pfeiffer wurde ... auf dieses Urteil lege er keinen Wert! schließlich sei er der dritte Oberbürgermeister, gegen deu ein Kesseltreiben veranstaltet werde: Erst kamen Hannovc bann München und nun er! Was die Kommunalverwaltung in Kassel geleistet hat, zeige« ein Blick in unseren Etat, die Entwück»

domesy Castle zur Last gelegt werden, doch hängt diese Verhandlung von dem rechtzeitige» Eintref­fen der englischen Zeugen ab. Der U-Bootkom- manbant Patzig ist flüchtig.

Die pariser Beratungen.

Ger französische Militarismus.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris. 28. Juni

Heute findet eine Sitzung des fogenannten Obersten Rates für Landesverteidigung unter dem Vorsitz des Präsidenten Millerand statt. An dieser Sitzung nehmen teil: Ministerpräsident Briand, der Kriegsminister, der Finanzminister, der Marineminister, der Kolonialminister, der Minister des Innern, sowie die Marschälle von Frankreich, der Generalstabschef und die drei Un­terstabschefs der französischen Armee. Der Ge­genstand der Bemtungen des Landesverteidi- dungS-Ausfchuffes ist ein Konflikt zwischen dem Kriegsminister und dem Finanzminister über die Armeckredite für das Jahr 1921. Der Finanzminister hat an dem von Barthvu verlangten Srcbtt für die französischen Garni­sonen im Orient und in Oberschleste» Abstriche von über einer Milliarde Franken gemacht, und da sich auch der Geueralstrb mit diese» Abstriche» nicht einverstanden erklärt, mutz der Lau- des Verfeidjgungs-Ausschuß darüber entscheiden, ob diese Kredite erhalten bleibe» solle» oder nicht. Die Sitzung bezieht sich also auf eine Frage, die die ganze auswärtige Politik berührt.

Zahler des öfteren wortreiche Auszählungen all der Steuerprojekle vernommen, mit deren Hilfe mau das Riesenreichsdesizit und die noch rieten- hasteren Reparationsbeträge aufzubringen ge= denkt Demnächst soll nun, wie im Reichstag verlautet, dem Hause der gesamte Rahmen des Steuerprogramms jedoch noch nicht die einzelnen Entwürfe vorgelegt werden, rmd man wird vermutlich eine besondere Steuerkommission einsetzen, um, wenn möglich, in dieser eine gewisse Klärung für dir iw Herbst cinsetzende große Steuerkampagne im .................... ......

Plenum des Reichstags z» schaffen. Bisher hat wir nicht die Henne zu Tode operieren wollen, mau jedenfalls den Eindruck, als ob es sich bei ..... ~

den Plänen der Regierung nicht so sehr um ein wirkliches Finanzprogramm als vielmehr um ein Sammelsurium von Steuerprojekten handelt, die ------ .... großen FindiAeit der ein­zelnen Referenten ihr Dasein verdanken. Daß der Verantwortliche Leiter unserer Reichsfinanzen, der im Neben- oder Hauptberuf zugleich Reichs­kanzler ist, sich noch nicht zur völligen Klarheit über dieses Steuerprogramm durchgerungen hat, gehl am deutlichsten aus seinen Aeußerungen über den Punkt seines Programms hervor, der »och dem verfchleietten DarsbWe gleicht. Wir meinen die Erfassung der sogenannten Gold­werte, die er zuerst in seiner Antrittsrede tut Reichstag am L Juni ankündigte und dann neuerdings in der Essener Rede ganz besonders lebhaft anpries. Es ist nun ausgefallen, daß Dr. Wirrh in feinen jüngste» Auslassungen im Re- varati onsausschvß des Reichswirtschrstsrats bei - -- - gff ' Kollektivauszählung der Steuerpläne die

Goldwerte austieß, aber er hat dies in der Frei­tagssitzung des Reichstags nachgeholt, dabei je­doch etwas vorgenommen, was wie eine Schwen­kung aussieht, zumindest mr Namen, wenn nicht in der Sache.

Er bezeichnete es nämlich als neue große po­litische Aufgabe, .nachzuprüifen, ob und inwie- toett jene Träger von Besitz i» Realwerten, die ich einmal als Produktionsmittel bezeichnen will, gegenüber den anderen, die schon Opfer ge­bracht habe», bei den neuen Steuergesetzentwür­fen gebührend zu berücksichtigen fenb*.Diejeni­gen, deren Besitz durch die Geldentwertung um 85 Prozent heruntcrgcdrückt worden ist, haben bet dem Notopfer ein großes und doppeltes Opfer gebracht. Mancher der Herren Kollegen hier tin Hause, die früher sehr wohlhabend wa­ren, muß heute ein geradezu recht bescheidenes Dasein führen. Die Kreise, die ich hier im Auge habe, der gute bessere Mittelstand, die sind die eigentliche» Opfer der großen politischen Katastrophe." Der Reichskanzler ilprach also hier zum erstenmal nicht von Goldwerten, sondern von Realwerten, und er machte dabei die merlwürdige Einschaltung: .Man hat das Schlagwort .Goldwerte' geprägt, tch will aber dieses Wort in Zukunft gar nicht mehr verwen­den/ Diesman" ist merkwürdig. In der Oef- fenflichkeit galt bisher Dr. Wirch als Verfasser des Schlagwortes, das er nicht mehr verwenden will. In Wahrheit ist die schiefe Bezeichnung, wie der Plan selbst, im ReichswirffchastSmini- stertum entstanden, das in seiner bekannten Denkschrift die Sache wie folgt auseinander­geklaubt hat:Goldwerte sind der ländliche und städtische Grundbesitz und die in industrielle» und kauf m än Nische» Unternehmungen angelegten Kapi- takten."

Dr. Wirth will also das unglückselige Schlag­wort fallen lassen, die Sache selbst aber weiter betreiben. Das Reichswirtschoftsminifterrum ver­stand unter den Goldwerten solche Sach- werte, die von der We rtveränd e ru n g des Geldes nicht betroffen wurden. Gewiß gibt es solche Werte. Aber es sind nicht die in der Denkschrift genannten, sondern beispielsweise das wirkliche Gold und nicht minder die Edel­steine, die ihren Fffedenswert behalten haben. Wenn diese Goldwerte steuerlich erfaßt werden könnten, so wäre das ein Ziel, des Schweißes der Edlen wert, aber die steuertechnischen Hindernisse sind hier leider unüberwindlich. So hat denn Dr. Wirth jetzt den Sprung von den Goldwerten z» bvn Realwerten gemacht. Denn wenn der ländliche und städttsche Grundbesitz und die in* ditstriellen und kaufmännischen Unternehmen auch nicht so wie das sonstige Kapital unter dem Palutaschwunü gelitten haben, so wird doch nie­mand behaupten wollen, daß ihr Werl heute nicht stark vermindert fei; es sind also keine Goldwerte.

Der Vorschlag des Reichswirffchastsmini- fteriumö gehl nun dahin, den Grundbesi tz durch eine Art von Goldhhpotheken zugun­sten der Allgemeinheit zu belasten, während man bei den JndustrieunternebmuMgen das Reich dttrch Aukolgung von Aktien oder Ge- i nußscheinen beteiligen will. Ob dieser Ge- i danke und inwieweit er in der Praxis durch- i Zufuhren ist, wird sehr sorgsam zu prüfen sein, i Demi es ist einmal zu bedenken, daß di« Wert- i