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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hesstsche Abendzeitung

Nummer 140.

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 24. Zuni 1921

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11. Jahrgang.

Gefahr für die Deutschen im Osten.

Keine Beruhigung.

Zu und um Oberschlefisn.

Die starke Truppcnvermehrung der Alliierten in O b e r s ch l e s i e n, die auf Deutschland s Kosten geht, hat es nicht zuwege gebracht, das schwer heimgesnchte deutsche Land von den polnischen Eindringlingen zu befreien. Im Ge­genteil, in den von den Korfanty-Banden besetz­ten Gebieten richten es sich die Polen durch Uebernahme der Verwaltung ohne Behinderung von feiten der Interalliierten Kommission häus­lich ein, und die Anwesenheit regulärer Holler- Truppen bestätigt nur, daß in Warschau, ob­wohl man dort versucht, seine Hände in Un­schuld zu waschen, die von Frankreich inspirier­ten Drahtzieher der Bewegung unaufhaltsam und tätia am Ruder sind. Die Dokumente häu­fen sich, daß Frankreich den Aufstand nicht nur indirekt durch die Passivität der unter franzö­sischem Kommando stehenden interalliierten Truppen begünstigt hat, sondern den Polen di­rekte Unterstützung zuteil werden ließ, ja sogar den Anstoß zu dem ganzen Verbrechen gegeben hat Die interalliierte Kommission hat es welch großer Sieg! jetzt erreicht, daß sich der deutsche Selbstschutz aus seinen Stel­lungen zurückgezogen hat. Auch ein Erfolg, den bedrängten Deutschen den letzten Schutz zu un­terbinden. ohne selbst den verbrecherischen Ban­den entgegenzutreten! Es wikd nun zwar ver­sichert, daß auch die Insurgenten den Rückzug antreten würden. Wer aber glaubt an solche Märchen? Und in welcher Tonart behandelt Korfcmty die Zukunft Oberschlesiens?

Frankreich hat es verstanden, die Entscheidung .sicher Obcrschlesien, die seit der Abstimmung svruchreif war, hinauszuziehen, um so den Po­len die Wege zu ebnen, dos von ihnen begehrte Land nach und nach zu polonisieren, und dem Obersten Rat, wenn er endlich zur Entschei­dung greift, zu .beweisen", daß Oberschlesien eben trotz des gegenteiligen Abstimmungsergeb­nisses polnisches Land ist. Es wird ein ewiger Schandfleck der Weltgeschichte bleiben, wie hier < in deutsches Land gegen Treu und Glauben und alle moralische Betonung des Selbstbestim- mungsrechtes der Völker vor den Augen der ganzen Welt verschachert wird. Die ReichSre- gicrung steht diesen unerhörten Ereignissen voll­kommen machtlos gegenüber und muß sich dar­auf beschränken, den deutschen Charakter Ober­schlesiens und seine Bedeutung für den europä­ischen Wiederaufbau zu betonen. Ihre aufrich­tige Parole der Versöhnung und Ver­ständigung wird m Paris zum Nachteil Deutschlands weitlich ausgebeutet. Die Alliierten stützen dos Kabinett Wirth in Frank­reich mit auffallender Sorgfalt und äußern nur noch den bescheidenen Wunsch, dasKabinett der Erfüllung" nach links zu verbreitern, weil man einer stark nach links gerichteten Regierung ohne Schwierigkeiten alles bieten zu können glaubt.

Außenpolitisch hat die Regierung Wirth in der Tat eine Festigung erfahren, die, nicht nur innenpolittsch, bereits zu mancherlei Trug­schlüssen verleitet hat. Don dieser Regierung der Erfüllung, die sich um des Friedens und der Freiheit willen widerspruchslos den Forderun­gen der Feinde unterwarf, erwartet man wahr­scheinlich in Paris, daß auch die Entscheidung über Oberschlesien, wie sie auch auSfallen möge, willig hingenommcn werden würde. Also auch unseren ehrlichen Willen, die schwersten Ver­pflichtungen zu tragen und endlich eine At­mosphäre der Verständigung zu schaffen, beulet man noch gründlich aus. Der Reichstag hätte es immerhin in der Hand gehabt, der Regie­rung in mancher brennenden Frage den Rücken zu stärken. Angesichts der drohenden oberschle- sischen Gefahr und der nngerechtferttgten Auf- rechterhaltung der Sankttonen wäre es bei aller Bereitwilligkeit, die übernommenen Verpflich­tungen zu erfüllen, wohl möglich ivnd ange­bracht gewesen, eine nationale Einheits­front bis weit inS linke Lager hinein zu schaf­fen, die daS Programm der Regierung zwar un. terstützt, gegen alle unberechtigten und dem Frie­densvertrag widerprechenden Forderungen und ErpressunMN aber einmütigen Protest erhoben hätte, wie daS in anderen Ländern, in erster Linie in Frankreich und England, ganz selbst­verständlich der Fall gewesen wäre.

Statt dessen behandelt man im Reichstage in wüsten Debatten, die bis zu Handgreiflichkei­ten mißarteten, den an sich höchst verdammens­werten Fall Gareis, wettert im Zusammenhang damit gegen den angeblichen ,Wethen Schrecken" in Bayern los und läßt dabei die Parteilei« denschafteu in einer Tonart au stoben, wie sie bisher bei allen schon erlebten Stürmen in diesem Hause noch nicht regiftriert wurden. Die Ultraradikalen, die sich programmatisch die Auf­gabe gestellt haben, die Parlamente, die sie be­kämpfen. zu stören und von der weiwernehmba« ren Tribüne des Reichstags aus ifcte Brandreden

ins Volk zu schleudern, haben den Reichstag terrorisiert und die Mehrheit der Volksvertreter mit den übelsten Methoden vergewaltigt. Und die Mehrheit schwieg. Und die widerrechtlich besetzten deutschen Gebiete seufzen unter der Last der feindlichen Ausbeutung, und Oberschlesten steht in Flammen! Das Bedauerliche ist, daß alles dies geschieht, während uns die Sicgerstaa- ten auf dem Nacken sitzen. Die englische Welt­politik, die nach dem Westen ebenso intensiv ge­richtet ist, wie nach dem nahen und fernen Osten und ihre Hauptaufgabe darin erblickt, Arm m Arm mit Amerika die gelbe Gefahr für alle ZA-- ten zu erledigen, hat die bemerkenswerte Folge, daß Frankreich vorderhand die bedeutende Aufgabe zufällt, Mitteleuropa zu »konsoli­dieren". Tie Aufrechterhaltung der Sanktionen im R h e i n l a n d e, die England schon zur Zeit der Annahme des Ultimatums als ungerechtfer­tigt eiflärte, und die empörenden Ereignisse in Oberschlesien, die wie ein Hohn der Welt­geschichte anmuten, sind eine Bestätigung dieser Politik.

Gämng an der Ostgrenze.

Die Ausschreitnngen «egen Deutsche.

(Eigener Drahtbericht.)

Bromberg, 23. Juni.

Die Ausschreitungen gegen die Deutschen in Bromberg haben den Charakter einer bolsche­wistischen Bewegung angenommen. Trotz polizeilichen Verbots sande» neue Ver­sammlungen statt. Am Sonntag abend zog die polnische Menge nach einer Versammlung durch die Stadt, verübte t-eue Ausschreitun­gen und Plünderungen. Deutsche und jüdische Bürger wurden mißhandelt. Völlig zerstört find bisher die deutsch« sozialdemo­kratischeVolksmacht", das Weinrestaurant Wil- te, daS jüdische Geschäft von Friedländer, das Schneidergeschäst von Simon. Die Demonstran­ten wandten sich nicht nur gegen die Deut- scheu, sondern auch gegen reiche Polen. Das Kaffeehaus Bristol wurde geMrmt und sämtliche Gäste hiuauKgejagt. Das polnische Stadttheater wurde von den Aufruhrern eben­falls geMrmt und die Theaterbesucher aus dem Gebäude hinausgetrieben.

^ote und Verwundete.

Bromberg, 23. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Eine über zweitausend Köpfe starke Menge, hauptsächlich aus dem Bromberger Janhagel bestehend» dem sich in größerer Zahl polnisches Militär angeschloffen hatte, zog vor das Rat­haus, um den als deutschfreundlich verschrienen Stadtpräsideuten Dr. Macinschek her- auszuholen. Der Stadtpräsident versuchte, an das Volk eine beruhigende Ansprache zu halten, wurde aber von seinem Standplatz herabgeholt und schwer mißhandelt. Er lief dann unter dem Schutze eines Offiziers auf das Amtsgericht zu. in dessen Nähe neu nach Bromberg zugezoge- neS Militär, Offiziere und Schüler der Offizier­schule, postiert waren, die von der Garnison Bromberg allein noch der Regierung treu geblie­ben waren. Trotz aller Warnungen versuchte die Menge sich immer wieder auf Offiziere und Offi- zierschülcr zu stürzen. Um 12 Uhr nachts machten diese von der Waffe Gebrauch und eröffneten auf die Menge Maschineugewehrfeuer. Nun flutete alles auseinander. Neun Tote und etwa! fünfzehn Verletzte blieben aus dein Platze, darunter einige Soldaten, die an dem Aufruhr teilgenommen hatten.

Weitere Unruhen sind zu erwarten.

Bromberg, 23. Juni. (Privat-Telcgramm.) Der chwer mißhandelte Stadtprästdent Tr. Ma- cinschek wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Menge, die das Gefängnis Mrmen und die Ge­fangenen befreien wollte, wurde durch Offizier­schüler auseinander getrieben. Die Nacht verlief ruhig. Am Dienstag war Gewitterschwüle und die Unnchestister verbreiteten, daß sie sich die reichsten polnischen Bürger der Stadt zur Se» strafung für ihre Schiebereien während des Krieges holen wollten.

Protest der Relchsregierung.

Berlin, 23. Juni. (Privattelegramm.) Die deuffche Regierung hat der Botschafterkonferenz in Paris eine Rote überreichen taffen, in der ge­gen die Ausschreitungen der polnist^n Bevölkerung von O st r o w o gegen die Deut- schen protestiert wird. Die Note weist darauf hin, daß die sechshunderttausend in Deutsch­land lebenden Polen jeden Schutz genießen und

sie verlangt, daß ein gleicher Schutz den Deutschen in Polen zuteil wird.

Deutschland und die Entente.

Nach den Wiesbadener Besprechungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 23. Juni.

Im französischen Senat Hai Briand einige Erklärungen zu den Wiesbadener Besprechun­gen gegeben. Aber offenbar hat er dabei die größte Zurückhaltung an den Tag gelegt Es wird übereinstimmend festgestellt, es sei noch zu früh, die Ergebnisse dieser Wiesbadener Besprechuna vorauszusagen und da der Gegen­stand dieser Besprechungen vor allem Finanz­sragen betraf, so scheint Briand mit dem Hinweis darauf ausgewichen zu fein, daß die Verhandlung dieser Fragen weniger eine Sache der Kommission des Auswärtigen, sondern viel mehr eine Angelegenheit der Finanzkommission des Senats sei. Man erwartet nunmehr auch weitere Erflärungen in der Frage vor der Kammerkommission des Auswärtigen.

Die deutfchen Zahlungen.

Rotterdam, 23- Juni. (Eigene Drahtmel­dung.»Daily Telegraph" zufolge eiöätte sich die ReichSkvnferenz der englischen Kolonien mit dem vorgelegten englischen Reparati­onsplan für 1901 bis 25 einverstanden. In der Frage der deutschen Kolonien wurde aumstli-Ä, daß über deren endgültige Zuteilung der Völkerbund entscheiden soll. DieTimes" wissen auS zuverlässiger Quelle zu melden, daß die englische Regierung vorstellig geworden ist daß ein Viertel der deutschen Reparations­zahlungen i« englischer Währung zu leisten ist

e

Steuern und Zölle.

Berlin, 23. Juni. (Ptivattelogramm.) In der gestrigen Sitzung des ReparattonsauSschus- seS des ReichSwirtschaftZrates sprach Reichs­kanzler Dr. Wirth über dir Frage der Dek­ln ng der aus dem Mtimatmn erwachsenden Verbindlichkeiten. Reben den bereits bekannten neue» Steuern ist eine Erhöhnng der Zölle, insbesondere auf Kaffee. Tee, Kakao und Kaffee-Erzeugniffe vorgesehen. Ueber die zu erwartenden Ergebnisse äußerte sich der Kanzler nur vertraulich.

Am Oberschlesien.

Di« französische Beeinflussung Englands.

tEigene Drahtmeldung.)

Paris, 23. Juni.

lieber die gestrigen Erklärungen Briands vor der Senaiskommision für answärttgc Angelegen- heilen liegen nunmehr einige Andeutungen vor. In der oberschlesischen Frage hat sich Briand darauf beschräntt, zu erklären, daß die engli­sche Auffassung sich der französischen nähere und daß es nunmehr abgemacht zu fein scheint, daß keine Entcntekonferenz über Oberschlesten abgehalten werden wird, bevor die interalliierte Kommission in Oberfchlesien eine Einigungslösung gefunden hat, sei es auch mit Hilfe der technischen Fachleute, der Diplomaten, der Ingenieure und Juristen, die man drr Kommission zuteilen will. Aus den Erflärungen Briands Über Oberschlesten geht ferner hervor, daß das Gerücht über den Abgang Leronds falsch ist. Lerond bleibt

Wieder eine französische Rote.

Berlin, 23 Juni. (Privat telegramm.) Bei der deuffch-n Regierung ist eine Rote der fran­zösischen Regierung über Oberschlesien eingctrof- fen. Es wird in der Rote behauptet, daß die Bemühungen der Interalliierten Kommilsiou sehr ost von Erfolg gewesen seien und daß die polnische Regierung nicht den Aufständisck^n die­jenige Unterstützung zuteil werden lasse (?), die die deutsche Regierung annehme. Die polnischen Aufrührer hätten i^re gute Absicht (?) für die Beendigung des Aufstandes bereits durch Taten bewiefen. Es käme im Augenblick nicht darauf an, irgendwelche Ausschreitungen der Vergangen­heit ans Licht zu ziehen. Bei General Höfer handle es sich um Unterwerfung. Tas fei das Einzige, was jetzt in dieser Sage gegeben sei.

Füi-dleLandwirWast

Eindrücke von der Ausstellung.

®ic feit der Vorkriegszeit jetzt wieder «um etitcumal veranstaltete landwirtschaftliche Ausstellung hatvwl SXcue6, Anregendes und Brauchbare» vorgcfllhrt.woraus die Land­wirtschaft allgemew Ruhen ziehe» wird. Aus Leipzig wird uns geschrieben: Dir große landwirtschaftliche Ausstellung am Fuße des VölkerfchlachtdenkmalS war dieser Tage das Ziel vieler Tausender, die au5 Sachsen und aus ganz Deutschland gekommen waren, um zu sehen, auf welcher Stufe die Landwirtschaft von heute steht. Und alle staunten. Staunten vor allem über den hohen Stand der Technik, die trotz Krieg, Friedensvertrag und Sanktionen ohne Ende nickst stehen geblieben ist, sondern kraftvoll sich zn einer Höhe emporgeschwungeni hat, die Ehrfurcht abgewinnen muß. Man stellt daher mit frohem Geftihl im Herzen fest: Deutschland ist nicht das Land, das sich durch Rachsucht, Neid und <DH6gunft kurzsichtiger Fein­de ins Verderben reißen läßt. Deutschland ist noch immer das Land der Arbeit, die steten Fortschritt zeitigt. Tas kam nir­gends besser als auf der am Dienstag zu Ende gegangenen Leipziger Ausstellung der Deutchen Landwirtschafts-Gesellschaft zum Ausdruck, die nicht nur einen Riefendesnch aufwies, der alle früheren Zahlen derartiger Veranstaltungen weit in den Schatten stellte, sondern auch ge­schäftlich einen vollen Erfolg brachte. Vo» Hunderten von Maschinen und Gerätschaf­ten lacht das Schild .Verkauft!" und Hunderte von Firmen haben ihre Notizbücher mit Aui- rragsbestellungen gefüllt. Tas Geschäft, das sich auf diesem Gebiet in ander-n Formen bewegt, weil vom Fabrikanten meistens direft au den Verbraucher verkauft wird, wickelte sich ohne jede durch die Konjunkturschwankungen beding­ten krankhaften Nebenerscheinungen ab, die so häufig hemmend in den Verlaus der Leipziger Messen Eingreifen. Auch hörte mau nichts von übertriebenen Preisforderungen. Dafür umso häufiger einstimmiges Lob. Der Hauptan­ziehungspunkt der Ausstellung blieb nach wie vor der imposante

Aufmarsch der Maschinen, die in mannigfaltiger Aussührung Tausende von Interessenten anlockten. Nach dem, was diese Ausstellung auf diesem Gebiete zeigte, mutz der Laie jedenfalls seine frühere Anschauung über den landwirtschaftlichen Prodnktionspro- zeh erheblich umstellen. Man darf sich den mo­dernen Lamdwirt beileibe nicht nur mit dem Ackergaul und Handpflug vorstellen. Die Tech, n! k macht dem Ackerpferd das jahrtausendelang beherrschte Feld in jeder Richtung strittig und sucht durch Dampf, Elektrizität, Benzin, Oel oder sogar durch die Energie der Lust atmosphä­rische Pferdesräfte an die Stelle des braven Ackergauls zu setzen. DieseLos-vom-Pserd- Bewegung" ist das auffälligste Merkmal der Maschinenschau. Und es sind nicht nur Großi landwirte, die sich die Vollkommenheiten dieser Maschinen zunutze machen, sondern auch zahl­reiche kleine Landwirte, die die segens­reichen Vorteile der technische» Errungenschaf­ten der Neuzeit erkannt haben und anwenden. Ganz zu schweigen von den zahllosen Heinen und kleinsten Maschinen und maschinellen Neu­heiten, die den landwirtschaftlichen Betrieb 6er« einfachen und verbilligen. U a. sicht man als eine der letzten Neuheiten die äutzerst sinnreiche Konsttuktion einer Melkmaschine, die das Mel­ken der Kuh selbsttätig ohne Melker besorgt. Er» elektrischer Fliegenfänger läßt die Fliegen einem Tod durch Kurzschluß finden. Uebechanpt scheint

die Eletkrizitäl,

seitdem die Ueberlandzentralen eine erheblich« Ausdehnung erfahren haben, Hauptfaktor des landwirtschaftlichen Nutzbetriebes werden zu feilen. Dieser Eindruck erhärtet sich jedenfalls, wenn man durch die große Halle wandert, die die vielseitige Verwendungsmöglichkeit der Elek­trizität im Dienste der Landwirtschaft an zahllo­sen Beifpieleu demonstriett. Hier sind kühur Kräfte am Werk, um den landwirtschaftlicken Handbetrieb von Grund auf zu revolutionieren. Zu einer beachtenswerten Vervollkommnung sind auch die durch Windturbinen getriebenen Anlagen gediehen, die ihre Kraft aus der Luft schöpfen und zahlreiche Arbeitsgeräte mit Ener­gie speisen. Dieser koloffale Erfolg der Technik, gesehen im Verein mit den Forschungsergebnis­sen der Wissenschaft auf dem Gebiete der Land­wirtschaft ergeben ein eindrucksstarkes Bild von den hohen kulturellen Fortschritten unserer deut­schen Landwirtschaft, die vorbildlich in der Welt ist. Das wissen auch die Ausländer. Holländer und Norweger, die auf der Leipziger Ausstellung waren, erklärten offen, daß die ame- rikanifchen Erzeugnisse nicht im entferntesten an die Güte der deuffchen Erzeugnisse heranreichen. Dementsprechend waren auch ihre Einkäufe auf der Leipziger Ausstellung. Die Deuffch« Land-