Kasseler Neueste Nachrichten
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Hitze erfolgen.
Eine Kohl
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Sorüche der Weisheit.
Nr. 139.
elfter Jahrgang
aufzuhalten versuchten, schossen die Räuber aus die Menge. Das Auto wurde später in einer nicht weit entlegenen Straße teer ausgesunden
enstaubexplosickn kann
Ter Arzt sieht wähl mit feinem Spott.
Wie die Gesunden ihn meiden.
Ach, wieviel Leute gehn zu Gott
Auch wie zum Arzt, nur wenn sie leiden.
Frieda Schanz.
Warum klagst du im Mbendlicht, Daß dir die Stunden wie Wellen verliefen? Verlängern kannst du die Tage nicht. Lern sie vertiefen.
*
Das Unglück schreitet durch goldenes Tor, Ja blühende Gärten voll lachender Pracht, Das Muck springt die bröcklichsten Stiegen empol Und tappt sich durch die dunkelste Nachts
Beilage.
Donnerstag, 23. Juni 1921.
ASSSSSSSSNSSSöSSSSSSSSSSSSSSSiAj |H Die An- und Verkaufsanzeigen in der Rubrik „Kleine Anzeigen" der Kasseler Neu- M g| esten Nachrichten sind seit langem schon der größte Markt Kassels. Die allmonat- M M lich nach Tausenden zählenden Kleinen Anzeigen verbürgen nicht nur die Beliebtheit, M M sondern auch die Werbekraft der Kasseler Neuesten Nachrichten. Versäumen Sie |g| M nicht, sich vorkommenden Falles der Kasseler Neuesten Nachrichten zu bedienen. |g| weBBaBeeBBBaBaeBBBBaBeeeeeeiBi^
* Großfeucr in einer Brikettfabrik. In Halle wurde nachts eine Brikettfadrik von einem großen Brande heimgesucht. Wett ausgedehnte Holzbauten mit Briketts und Preßsteinen wurden ein Raub der Flammen. Der Schaden geht in die Hunderttausende.
* Der Tod ans der Straße. Einem Berliner Kaufmann, der auf der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Leipzig weilte, siel ein Stück Eisen, das sieh von einem Firmenschilde losgelöst hatte, mit solcher Wucht auf den Kopf, daß dem Unglücklichen die Schädeldecke zertrümmert wurde. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein.
* Verhaftete Spritschieber. Nach einer Meldung aus Trier wurden von der Oberstaats-' cmwaltschaft in den letzten Tagen mehrere Personen im besetzten Gebiet verhaftet, darunter auch die Direttoren einer Aktiengesellschaft >n Trier. Wie verlautet, sollen sie int Verdacht stehen, Millionen von Litern Sprit durch angeblich gefälschte Urkunden eingefichrt zu haben.
* Eine amerikanische Spende für dre Ratto, nalstifttmg. Rer Nationalstistung ist von hochherzigen Freunden und Landsleuten in St. Louis (Nordamettka) ein Betrag von 130000 Mark übermittelt worden, welche gemäß dem Wunsche der Spender für die Tättgkeit der Sttf- tung aus dem Gebiete der Heirmmterbringung erholungsbedürftiger Kriegswaisen verwendet werden wird.
* Eine verspätete Offerte. Bei einer Hagener Jndustriefirma sief dieser Tage aus Osnabrück eine Offerttatte ein. Leider konnte man von dem günstigen Angebot keinen Gcbrmtch mehr machen, denn die Katte war veraltet; sie war bereits am 12. November 1895, also vor sechsundzwarrzig Jahren, auf die Post gegeben worden, in Hagen zwar pünktlich einen Tag später eingettoffen, aber erst am 21. Mai 1921 weiter befördert worden und wirkte bei den gegenwürttgen Preissteigerungen wie ein schiech- ter Scherz.
* Kecker Juwelenraub in Paris. Dor einer Juwelenhandlung in Paris hielt dieser Tage ein Automobil mit fünf Insassen. Drei dersel- bcn stiegen aus, erbrachen das Schaufenster, bemächtigten sich rasch einer Anzahl Juwelen, stiegen wieder in das Auto und fuhren schnell davon. Als einige Zeugen des Vorfalles das Auto
«amnnbfen, her kühne Forscher nnb Entdecker det Südpols, hat seinen DersuA auU den Nordpol gu bezwingen nnnuiehr anfgegeben. Er h, sich» wie aus Amerika gemeldet wird, «eie. grapisch an das norwegische Storthing gewendet, um weitere Mittel für eine neu« Expedition zn erhalten. Hier,» wird UN« von einen» gelegentlichen Mitarbeiter geschrieben
durch eine offene Flamme allein nicht ausgelöst werden; hierfür bedarf es wett höherer Hitzegrade. Aber diese werden bei jeder Schlagwettcrerplosion erzeugt; denn sie erhitzt die Grubengase auf mehr als 8000 Grad Celsius, wodurch wiederum die Gase sich um das Zwanzigfache ihres Volumens innerhalb des winzigen Bruchteils einer Sekunde ausdebnen. Dieser Umstand erklärt die gewaltigen Verwüstungen, die eine Explosion schlagender Wetter stets zur Folge hat. Aber die ungeheure Hitze und die gewaltige Erschütterung hat oft weitere schlimme Folgen. Der in den Stollen überall vorhandene feine Kohlenstaub wird dadurch aufgewirbelt, und hurch die hohen Temperaturen wird der Kohlenstaub augenblicklich gewissermaßen destilliert. Am verhängnisvollsten für die Belegschaft eines von einer Erplosion heimgesuch- tcn Schachtes wirkt die Vrischüttttttg der Strek- fen. durch die großen Teilen der vor Ort arbeitenden Knappen der rettende Weg abgeschnitten wird. Es kommt hinzu, daß nicht nur die ungeheure Explostonshitze, sondern auch das giftige Gasgemisch, die sog. Nachschwaden, die Belegschaft unter Tage mit dem Tode bedroht. Meist fallen die zahlreichsten Ovfer nicht der Explosion selbst, sondern der augenblicklich tötenden Hitze anheim. Das Gasgemisch der Nach- schwaden erhält eine Giftigkeit durch da? Köb- lenoxvd, das in Mim enthalten ist; es besteht außerdem aus Kohlensäure und Stickstoff, zwei Gase, die ebenfalls betäubend, wenn auch nicht * unmittelbar tödlich wirken.
Rechtzeitige Zuführung vou Sauerstoff würde die Betäubten wieder zu Bewußtsein ^bringen können, wenn nicht das massenhaft vorhandene Kohlenoxydgas meist den Too schon herboigefichrt hätte. Überdies ist die Zuführung atmosphärischer Luft nach einer kahlen- stau.be rplosion dadurch gefährlich, daß das Koh- lenoxydgaZ selbst wieder explosibel ist und sich sehr leicht entzünden tarnt, worauf auch der Um. stand zurückzufirbren ist, daß gelegentlich der ersten noch eine zweite Explosion folgt. Zur Der. ringerung der durch den Kohlenstaub verursach, ten Gefahren strebt die bergmännische Technik seit langen möglichste Vermeidung der Staub- brlduna, besonders durch umfangreiche Wasser- berieseluug aller Stellen des Bergwerks, die durch Starib gefährdet erscheinen. Außerdem wählt man für die heute noch unentbehrlichen Sprengungen des Gesteins, die sogenannte Schieß arbeit, solche Sfreeugsroffe, durch die bei bestimmten Lademengen der Kohlenstaub nicht mehr entzündet wird.
Aus aller Welt.
Freche« Raubgesindel.
In einem Dorfe unweit von Salzwedel kemen dieser Tage zwei Wanderburschen in das Haus des Gemeindevorstehers. Sie trafen dort nur die beiden zweieinhalb- und zehnjährigen Kinder an, da die Eltern auf dem Felde beschäftigt waren. Das kleinere Kind ließen die Leute ungeschoren, dagegen zogen sie dem zehnjährigen Jungen einen Sack über den Kopf, banden ihn am Treppengeländer fest und drohten ihm mir Erfchießen, falls er wagen sollte, um Hilfe zu rufen. Das ganze Haus wurde nun durchsucht und alles, was des Mitnehmens wert er- dien gehen. Das ist wie ein Märchen. Ich freue mich, Sven," sagt: sie lebhaft, wie ein glückliches Kind.
Er sah sie lächelnd an.
„Du mußt aber in zwei Monaten meine Frau werden und reisefertig sein."
Sie errötete jäh, sagte aber dann tapfer:
„Es wird alles gehen. Mama wird freilich außer sich fein, wenn ich sie so schnell verlassen muß-“
„Deine liebe Mutter wird sich mit mir trösten müssen, meine liebe SDtaja. Ich muß mich ja auch mit deut Gedanken absinden, daß Sven mich so bald verläßt. Und gerade jetzt gebe ich ihn nicht gern her,“ sagte Frau Renate.
Sven zog ihre Hand an die Lippen.
„Diesmal bleibt wenigstens Vater bei dir, liebe Mtitter. Und wir wollen nicht an die Trennung denken, sondern nur an das Wiedersehen."
So war es beschlossene Sache, daß Maza mit Sven nach Indien ging.--
Roch an demselben Abend wurde während der kleinen, intimen Verlobungsfeier der Termin für Svens und Majas Hochzeit festgesetzt.
Mazas Mutter war wirklich zunächst außer sich. Dies Tempo benahm ihr den Atem, das ging nicht so schnell in ihren Kopf hinein. Und daß sich die Hochzeitsreise des jungen Paares so weit erstrecken und bis Weihnachten dauern sollte, erschien ihr unfaßbar.
Am liebsten hätte sie es gesehen, wenn Maja und Susanne an einem Tage Hochzeit gefeiert hätten. Susannes Hochzeit war für den achten August festgesetzt worden, und das erschien Frau Major Römer schon ein viel zu früh« Termin. Und nun sollte Majas Hochzeit gar noch einen reichlichen Monat früher fein.
Aber sie mußte sich schließlich doch fügen, weil sie überstimmt wurde.
Susanne hatte mit unbeichreiblichen Gefühlen zugehört, als Sven so dringend bei ihrer Mutter für den frühen Hochzettstermtn eintrat Das Gegenteil wäre ihr verständlicher erschienen. Ueberhaupt — es beleidigte sie geradezu, daß dieses Brautpaar durchaus keinen unglücklichen Eindruck machte.
Daß cS in Sven nicht so ruhig aussah, als er sich den Anschein gab, ahnte sie nicht, aber
Gcskbwindigkeit südlich statt nördlich trieb. Hier sich der Trift, wie er beabsichtigt hatte, anzuver» trauen, war natürlich unmöglich, da Amundsen auf diese Weise ja von seinem eigentlichen Ziel in entgegengesetzter Richtung hinweggeführt worden wäre. Er setzte, nachdem die „Maud" vom Eise losgekommen war, deshalb Kurs nach Südosten, und es blieb ihm nichts übrig, als bei der Ayon-Insel zu übcvwiniern, nachdem inzwischen der September bereits verfttichen war und keine Aussicht mehr bestand, weiter zu kommen. Im Frühjahr 1920 wurde die „Maud" wieder flott; am 23. April des Vorjahres lief die erste Nachricht von ihm ein, die besagte, daß er Ende Juli in Nome (Maska) eintreffen werde. Um nicht noch ein volles Jahr zu verlieren, ging er mit der „Maud" schon nach vierzehn Tagen wieder in See. ohne auch nur die für ihn bestellten Ausrüftungsgegenstände fänttlich an Bord genommen zu haben; diese trafen mit einer Hilssexpsdition vierundzwanzig Stunden, nachdem die „Maud" die Anker gelichtet hatte, in Nome ein; die „Maud" war aber nicht mebr zu erreichen. Amundsen hatte die Abstatt gehabt, in der Nähe der Wrangell-Jnsel in Eis zu geben, um sich von hort aus etwa fünf Jahre lang über den Pol hinaus bis in die Gewässer zwischen Spitzbergen und Grönland treiben zu lassen. Aber schon am 21. September vorigen Jahres lief aus Seattle an der Pazifischen Küste Amerikas die Meldung ein, daß sich Amundsen wiederum in Gefahr befinde, und daß er gezwungen fein werde, fein Schiff aufzuaeben, da dieses vom Eis eingeschlossen sei und jeden Augenblick in Stücke geschlagen werden könne. Seither hatte man von der Expedition nichts mehr gehört, und es ist nicht bekannt geworden, inwieweit sich jene letzte Meldrmg von der ihm drehenden Gefahr bewahrheitet hat. Aber auch wenn Amundsen die „Maud" aus der drohenden Umklammerung deS Eises noch rechtzeitig hat frei bekommen können, müssen die Schwierigkeiten, die sich seinem wetteren Vordringen nach Norden entgegengestellt haben, so unüberwindlich gewesen sein, daß er nach abermaliger Ueberwinterung in diesem Frühjahr von neuem Hilfe suchend Kurs auf Maska gefetzt hat. Denn das eingangs erwähnte Telegramm aus San Franzisko ist wohl so zu verstehen, daß ein Dampfer oder wahrscheinlicher noch ein kleiner Walfischfänaer die „Maud“ mit Amundsen an Bord unweit vom Hafen Nom» auf hoher Ser angettoffen hat. Gewiß wird es dem zähen Norweger auch jetzt wieder gelingen, seine Expe- dition neu auszurüsten, um seinen Versuch zum dritten Male zu unternehmen. Hoffentlich ist er nun endlich wieder mehr vom Glück begünstigt, als während der letzten drei Iahte.
Men, zufammengeiragen. Mit Flei ich, Dauerwaren und sonstigen Lebensmitteln, sowie neun- tausend Mark Geld (darunter hundert Mark in Silber) reich bepackt, machten sich die Burschen dann aus dem Staube. Als alles ruhig geworden war, rief der angebundene Junge das Brüderchen herbei und schickte es nach dem Felde, um die Eltern herbeizuholen. Mtt den Eltern kam auch der Knecht heim, der sich sofort mit einem GewHr bewaffnete und auf dem Fahrrad den Banditen zu folgen suchte. Nach kurzer Zeit hatte der Knecht denn auch zwei Männer eingeholt, die ihm verdächtig vorkamen. Aus seinen Anruf drehte sich sofort einer der Kerle um und drohte, mit dem Revolver zu schießen. Ter Knecht kam il*m jedoch zuvor, schoß ihm eine Schrotladung in den Unterschenkel und, als der Räuber weitere Angttfft versuchte, eine zweite Ladung in den Oberschenkel. Durch den zweiten Schutz wurde das Bein fast ganz vom Rumpf abgerissen. Ms nun auch der zweite Kerl schießen wollte, bekam diefer einen Schuß in die Hand, sodaß ihm der Revolver entfiel. Die geraubten Gegenstände und das Geld wurden dem Gemeindevorsteher wieder zurückgegeben.
Durch Nacht und SiS
Eine mißlungene Steife Amundsens.
Kohlenstaub-Explosion.
Die Grubenkatastrophe bei Herne.
Wieder einmal hat die Entfesselung der unheimlichen, im Schoße der Erde schlummernden Kräfte gewaltige Opfer an Menschenleben gefordert. Schlagende Wetter und Kohlenstaubexplo- Ronen sind die verderblichsten Feinde des Berg- manns, den sie bei seiner Arbeit auf Schritt und Tritt umlauern, um ost bei der geringsten Unachtsamkeit Tod und Verderben über ihn und seine Genossen zu bringen. Bei der Katastrophe auf der Zeche Mont Cenis war es eine Kohlenstaubexplosion, die das Unheil auSgelöst hat. Es ist das stets die verhängnisvollere Gestalt des unterirdischen Unheils; 't>enn während Explosionen schlagender Wetter meist nur auf verhältnismäßig kleine Stolleugebiete beschränkt bleiben, wirken Kohlenstaubexplosionen durch chre ost gewaltige Ausdehnung stets verheerender. Nun stehen allerdings beide Atten von Explosionen oft in enger Verbindung, derart, daß durch eine Explosion schlagender Wetter die Kohlenstaubexplosion erst ausgelöst wird. Aber auch ei« versagender Sprengschuß mit seiner glühenden Stichflamme vermag zur Kohlenstaubexplosion zu führen. Die Explosion kann bei 700 Grad
Frau Majas AM.
28) Noma« von Hedwig Courths-Mahlsr.
„Nein, nein — ich meine es ernsthaft. Wir dürften dann steilich unsere Verlobungszeit nicht lange ausdehnen. Unsere Hochzeit mußte spätestens in zwei Atonalen erfolgen. Gleich danach könnten wir unsere Reise antreten und sind dann vielleicht bis Weihnachten zurück. Was sagst du zu diesem Plane, Maja?“
Diese Preßte die Handflächen zusammen. Sie glaubte, Sven unternähme diese Reise mrr, um aus Susannes Nähe zu kommen. Als sie zuerst von der Reise hörte, hatte sie einen Moment geglaubt, er wolle sie benutzen, um auch aus ihrer Nähe zu kommen. Nun forderte er sie auf, ihn zu begleiten. Das löste ein momentanes Glücks - gesühl in ihr aus. Monatelang mit ihm allein jein, Tag für Tag, Stunde um Stunde an seiner Seite, immer in feiner Gesellschaft — der Herzschlag stockte ihr, so heiß schoß ihr die Freude zum Herzen.
„Würdest du mäh wirklich mitnehmeu? Ist es dein Ernst? Würde ich dir nicht im Wege sein bei deiner Arbeit?“ fragte Maja. Sven sah das Verlangen in ihren Augen brennen uns freute sich, ihr eine Freude machen zu können.
„Es ist gewiß mein Ernst, Maja. Und im Wege würdest du mir nicht sein — im Gegenteil, ich könnte zuweilen einen verständnisvollen, zuverlässigen Gehilfen brauchen. Es gilt für mich, ein Geheimnis zu ergründen. Vielleicht kannst du nur ein wenig dabei helfen. Ich werde dich aber erst an Ott und Stelle einweihen, denn früher will ich nicht darüber sprechen. Vater kann mich leider nicht begleiten, und ich habe schon bedauert, daß ich diesmal würde allein reisen müssen. Nun finde ich plötzlich einen Steifciameraben. Soll es also gelten, Maja — gehst du mit mir?"
Er bot ihr die Hand. Sie schlug ohne Zögern ein.
„Ich gehe gern, sehr gern mit und freue mich unsagbar aus diese Reise. Immer habe ich den heimlicheu Wunsch gehabt, einmal weit hinaus in die Welt zu schweifen. Run soll eS nach In
ste sagte sich schließlich, er wolle nur sobald nach Indien gehen, um aus ihrer Nähe zu kommen. Wahrscheinlich quälte ihn doch die Eifersucht aus Fritz Rutmeyer.
Und ganz unrecht hatte Susanne mit dieser Annahme nicht. Es stieg doch ein heißer, würgender Schmerz in ihm auf, als Fritz Rutmeyer immer wieder zärtlich feinen Arm um Susanne legte und mit ihr heimlich koste und tändelte. Er schalt sich selbst, daß ihn das nicht ruhig ließ, aber er konnte Susanne doch noch nicht ruhig gegenüberstehen.
Er meinte, schneller mit seiner Enttäuschung fertig zu werden, wenn er ganz aus Susannes Nähe kam. Es erschien ihm unerträglich, Zeuge von den bräutlichen Zärtlichkeiten zu sein, die sie mit ihrem Verlobten tauschte. Vielleicht tat es Susanne vor seinen Augen, um ihn eifersüchtig zu machen, wie sie eisersüchtig auf Majr war. Diese sah, was niemand sonst auffiel, daß Sven einen gequälten Ausdruck im Gesicht hatte. Und sie wußte, was ihn quälte. Um ihn crbzu- lenken. bat sie ihn, ihr von Indien zu erzählen.
Das tat er auch. Und der Gegenstand fesselte thn. Er führte Maja nach Tisch in sein Studierzimmer, um ihr Photographien zu zeigen. Auch Ausnahmen von den Aschanta-Tem- pcln legre er ihr vor und erzählte ihr, wie diese Tempel entstanden waren. Auch den geheimnisvollen Skulprurensries zeigte er ihr und erzählte ihr die Hindulegende, die er darstellte. Aber von dem Geheimnis, das sich hinter der Mitteljigur zwischen den Säulchen verbarg erwähnte er nichts.
Maja lauschte voll Interesse. Ihre Augen glänzten und ihre Wangen röteten sich im Eifer. Sre stellte allerlei wißbegierige Fragen, die ihm verrieten, daß sie ihm zu folgen vermochte.
Das regte ihn immer mehr an und lenkte ihn von seinen Schmerzen ab. Es reizte ihn, sie immer mehr in sein ureigenstes Schaffensgebiet einzuweihen, und er traf bei ihr auf ein bei Frauen seltenes Verständnis.
Er mußte daran denken, daß er eines Abends in einer Gesellschaft mit Susanne von seiner Arbeit gesprochen batte. Sie hatte dabei verstohlen gegähnt. Nachsichtig hatte er in seiner Verliebtheit darüber gelächelt. Aber jetzt empfand er doch, tote anregend es war. daß Maja SM so
Obwohl bis zur Stunde nähere Nachrichten Oon und über Amundsen nicht vorliegen, and obwohl auch die aus San Franzisko stammende Meldung, daß Amundsen aus offener See von einem Schiffe aufgefunden worden sei, die verschiedenartigsten Deutungen zuläßt, läßt sich doch jedenfalls schon jetzt mit Bestimmtheit sagen, daß der Forscher wiederum, wie schon im vorigen Jahre, unverrichteter Dinge hat umkehren müssen, daß er aber trotz diesem zweimaligen Mißerfolg, wie das Telegramm nach Chri- stiania beweist, seine Pläne nicht endgültig aufgegeben bat Ihre Verwirklichung erstrebt Roald Amundsen nun schon seit zwölf Jahren. Es war im September 1909, als er den Plan faßte, den Versuch Frithjof Nansens zu wiederholen, um sich von der Polartri ft langsam dem Nordpol cr.igegenfüBren zu lassen. Noch während er mit der Vorbereitimg dieser Expedition beschäftigt war, kehrten Cook und P e a r y, angeblich beide erfolgreich, vom Nordpol zurück, und wenn sich der Bericht Cooks bald auch als höchst unglaubwürdig erwies (Peary hatte ihn, wie erinnerlich, sofort bei seiner Rückkehr als Schwindler gsbrandmarv). so gelang es Peary doch, in allen wichtigen Punkten die Richtigkeit seiner Messungen nachzuweisen, obwohl sich auch ihm gegenüber ein gewisses Mißtrauen bemerkbar gemacht hatte. Jedenfalls wurde Robert E. Pe- artj von dem amerikanischen Geographen als Er- reicber deS Nordpols anerkannt, unbeschadet des Umstandes, daß er aller Wahrscheinlichkeit nach diesen rein mathematischen Punft nicht genau erreicht hat. Jedenfalls war aber in der Welt das Interesse für die Nordpolarforschung abgeflaut; auch die Geldleute, die Forschungsreisen durch ihre Unterstützungen gewöhnlich erst zu ermöglichen pflegen, erwiesen sich nunmehr als Leute mit zugeknöpften Taschen, weil sie in ihrer laienhaften Anschauung wohl meinten, nun gebe es in der Arktis für die Geographen überhaupt nichts mehr zu tim.
Auch das sparsame norwegische Storthing verweigerte Amundsen weitere Mittel; nicht einmal lumpige fünfzigtausend Kronen für die Mannschaftslöhne wollte es bewilligen, und ein bekannter flandinavischer Bierbrauer steuerte schließlich diesen Betrag bei. Angesichts der Unmöglichkeit die Imnderttausend Kronen aufzubringen, die Amundsen damals für die Durchführung seiner Pläne gebraucht hätte, entschloß er sich kurzerhand sein Reiseziel zu ändern und mitten im Atlantik, von wo auS er um das Kap Hoorn nordwärts die Beringstraße ansegeln wollte, Kurs auf die Antarftis zu setzen Seine rasche und glänzende Eroberung des Südpols, mit der er dem englischen Kapitän Scott die gleichzeitig erstrebte Trophäe entriß, ist bekannt- nach seiner Rückkehr nach Am.rika gedachte Amundsen, wie vorder versprochen, seinen älteren Plan der Triftfahrt durch das Nördliche Eismeer zum Nordpol wieder aufzunehmen. Aber der Krieg kam dazwischen, und Roald Amundsen konnte erst im Sommer 1918 an Bord seines Schiffes „Maud" von Christia- nia aus nordwärts in See gehen, um längs der russischen und sibirischen Küste ostwärts bis z» den nensibirischen Inseln vorzudringen und sich hier, genau wie es ein Vietteljahrhundert vorher Frithjof Nansen getan hatte, der Pol- ttift anzuverttauen.
Nach großen Schwierigkeiten mit dem Eis: gelangte die „Maud" die am 12. April 1919 das Winterquartier verlassen batte, am 19. September 1919 östlich der neusibirischen Inseln unter 77 Grad nördlicher Breite in undurchdringliches Packeis. bei dessen näherer Untersuchung Amundsen fand, daß es mit anderthalb Knoten
Verständnisvoll folgte. Sie würde gewiß niemals gähnen und gelangweilt sein, wenn er sie an seinem Schaffen teilnehmen ließ.
So verging der Abend erträglicher für ihn, als er geglaubt halte. Und dankbar erkannte er, daß Maja ihm verständnisvoll darüber hinweggeholfen.
Um Mitternacht beschloß man die Derlo- bnngs feier mit einem nochmaligen Toast auf bi? beiden Brautpaare.
Sven und Fritz Rutmeyer begletttten di« Damen bis zu ihrer Wohnung. Susanne und Rutmeyer gingen voran, und Sven folgte mit Maja und ihrer Mutter. Im Mondltchl sah er. daß Fritz Rutmeyer seine Braut in zärtttchcr Verliebtheit küßte. Es war fast an derselben Stelle, wo Sven Susanne gestern geküßt hatte. Er mußte daran denken. Und Maja dachte ebenfalls daran. Sie sah verstohlen in sein Gesicht und erschrak vor dem Ausdruck. Es schien in Groll und Schmerz wie versteinert. Me von ihrer Angst überwältigt, legte sie einen Moment ihre Hani» auf seinen Arm Er zuckte leicht zusammen, faßte aber dann nach ihrer Hand und preßte seine Lippen darauf.
„Mein guter Kamerad," flüsterte er, nur ihr verständlich.
(Fortsetzung folgt )