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Tonncr^ian, 23. Iunr 1921.

Kaffeier Neueste Nachrichkeu

11. Jahrgang. Nk. 139.

unterircur. Lee <?uuuc=>, d.c ^eijpruc.'icncr. aerrwier rein, ovmom es »en ratung soll sich in der Hauptsache aus die An-lGesamteindruck eigenarrig gestaltet, wenn Mei Wendung der verschiedenen Lehmbauwcisen er- Gegensätze wie Friedrich Linder uns Ernst

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Deutsch miteinander spielen.

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tausend Tons.

Times" beanstandet diese

Neues aus Raffel

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ster in Weflsirlcn und Hagen in Westfalen, der verschiedenen Plätzen kommen und jeder Dar- Sitz der Beratungsstelle im Rheinland ist noch steller seine Individualität hervorkehrt. Bei einer nicht bestimmt. Die Beratungsstellen sind dem Würdigung muß daher das Hauptaugenmerk auf

Kleingelöhamfterel.

Eine Schädigung des Verkehrs.

der Heeresbestände überwiesen. In den Notstands-Versorgttnys-GeseUchaften waren sie fast unumschränkte Herrscher. Dies hat schließlich zu einer Aussprache im Reichstage geführt, und die Einsetzung einer UntersuchungAkommission zur Folge gehabt. Dieses Untersuchungsverscch- ren har allcrdlgS keinerlei belastendes Eraebnis gehabt. Jetzt ist jedoch wiederum ein Verfahren eingeTcitet worden, das die Beschuldigung des Kettenhandels, des Wuchers, der über­mäßigen Preissteigerung und der durch mehrere Jahre fortgesetzten Beamtenbe- siechun g zum Gegenstand hat. Wenn die schwe­ren Beschuldigungen, die gegen die Inhaber der Firma C. Lewin, die Kaufleute Leo und Mar Lewin, gegen den Vater und gegen den Schwo- ger Schlamme erhoben werden, und die zu der von der Staatsanwaltschaft ongeordneten vor- Wergehenden Verhaftung der vier Beteiligten führte sich auch nur zum Teil als stichhaltig er­weisen würden, daun flehen wir, so schreibt die B. 3., vielleicht am Anfang einer Prozeßreihe den Kriegsgesellschaften-Skandalen. Von Reichs­wegen sind der Firma seinerzeit nicht weniger als zweihundert Millionen Mark kreditiert war­en. Tie Inhaber der Firma, die in Breslau ver­haftet wurden, sind gegen eine Kaution von fünf Millionen Mark wieder auf freien Fuß gesetzt worden!" Im übrigen fei noch mitaeteilt. daß der Inhaber der Firma Lewin der größte Rennstallbesitzer Teiitschlauds ist.

strecken. Soweit die Beratung auf landwirt­schaftliches Gebiet übergreist, ist seitens der Leiter Fühlung mit den bereits bestehenden landwirtsch-aftlichen Beratungsstellen zu nehmen.

brauch des Kleingeldes zu Zweckan der Aufbe- wahrung doppelt zu verurteilen. Tie Zwecklo­sigkeit des Hamsterns von Kleingeld und die Schädlichkeit sowohl für den Einzelnen wie für die Gesamtheit steht mithin außer allem Zwei­fel und es sollten in der ernsten Finanzlage, in der sich das Reich befindet, keine Werte ver­schwendet werden. Jeder sollte an seinem Teil dazu beitragen, daß sich die Ueberzeugung von der Sinnlosigkeit der Kleingeldhamsterei allge­mein durchsetzt, und dahin wirken, daß jeder Empfänger von Kleingeld nur den notwendig­sten Bedarf bei sich trägt., keine Münzen zu Hause aufspeichert und Ueberschüfse als­bald wieder dem Verkehr, der Post, der Reichs- ba::k oder einem anderen Geldinstitut zusührt.

KklegSgeMschaften.

Die Verhaftung der Brüder Lewin.

Dieser Tage wurde die aufsehenerregende Verhaftung der Inhaber einer der größten deut­schen Konsektionsfirmen, Lewin in Bres­lau, gemeldet. Es wird behauptet, daß diese Verhaftungen mit unzulässigen Geschäften der Leder- und Textil-Kriegsgesellschaften zusammen- lninqen, in welchen die Gebrüder Lewin aus­schlaggebend seien. Man will wissen, daß die Firma Lewin int Kriege Gewinne zu verzeich­nen gehabt hat, die von eingeweihten Kreisen ans Hundert.' von Millionen geschätzt werden. Die Geschäfte der Firma Lewin haben Parlament und Genchie schon mehrfach beschäf­tigt. Es sind namentlich in der ersten Revo­lutionszeit dieser Firma Hceresbeftände von un- gehcuetem Werte übertragen und den Firmcu- inhabern durch Gründung von allerhand Kriegs- ocsellschasten sehr weitgehende Vollmachten ge­geben worden Der Umsang dieser Geschäfte war io groß, daß die Oesfentlichkeit sich beinahe selbst­verständlich damit beschästigen mußte. Ter Firma Lewin wurden seinerzeit vom Reichsver- w e r t u n g samt fast das gesamte

L'der und die Textilien

Absicht und betont. vaß die Handelskammer und die Scknffahrtskrcise oleichsalls dagegen sind. Die Maßnahme ist eine Folge der Unverkäuflichkc't der Deutschland abgenommenen Schisse und eine Schädigung des ohnehin unter dem durch diese Beuteschifse notleidenden engltschcn Schifssmarftes.

Oberschlesierhttse.

Die Vereinigten Verbände Heimattreue«- Obcrsckstesier deren Hauptgeschäftsstelle sich in Breslau befindet haben eine »Oberschlesierhilfe' geschaffen, die als Hilfswerk gedacht ist für alle unglücklichen Menschen, die durch die polnischen Greuettaten in wirtschaftliche Not geraten sind. Es handelt ft hier hauptsächlich um das Sam­meln und Verteilen von Lebens- rn i t t e l n.

Aus deut Sammellager, das sich auf dem- tevbahnhof Breslau -Ost befindet, wird uns olgendes geschrieben: Umfangreiche Mengen von Fleisch- und Gemüsekonserven, Speck und Wurst, Schnittbohnen, Kartoffeln, Dohnen, Erbsen und Eiern sind cinacgangen. Außerdem befinden sich unter den Gaben: Sauerkraut, Marmelade, Gur­ken, Honig. Margarine usw. Die Verwaltung des Sammcllagers untersteht einem Beamten der Heimattreuen. Sobald die Lebensmittel das Sammellager in Breslau erreicht haben, werden ie von hurtigen Händen in Lebensmittelpakete einsortiert. In jedem Lebensmittelpaket befin-

Zuchthaus für Sunggrsellen.

Drakonische Gesetze gegen alle Unterheirate- ten von über fünfundzwanzig Jahren har oas Parlament der türlischen Nationalisten in An­gora erlassen. Männer, die sich mit 25 Jahreit noch nicht verheiratet haben, werden -»nächst M. mit bestraft, daß man 'hnen ein Viertel ihrer Einkünfte wegnimmt. Die dadurch erlangte! Dummen werden Landwirtschaf'sbanken zur Verfügung gestellt, die mit dem Geld Bauern die Heirat ermöglichen. Kein Beamter des neuen türkischen Staates, der über 25 Jahre ist, darf Junggeselle fein. Beharrt jemand fortge­setzt dabei, nicht zu heiraten, so kann er schließ­lich zur Strafarbeit uns Zuchthaus verurteilt werden. Heiraten und Familienzuwachs werden auf alle Weise begünstigt, so durch Landschen- knngen an Verh-iraiete, Tat lehn zu Heirats­zwecken, staatliche Erziehung der Kinder. Auch werden Männer unter fünfzig Jahren ermutige, wieder zwei und mehr Frauen zu heiraten, wäh­rend infolge der teuren Zeiten die Türken meh: und mehr zur Einehe gekommen sinh.

FördemW des Lehmbaues.

Errichtung von Beratungsstellen.

Zur Beratung der Siedler über die ver­schiedenen Techniken der Lehmbauweise sind in Preußen eine Anzahl Beratungsstellen ein­gerichtet worden. Sie befinden sich in Sorau, Breslau, Königsberg «Ostpreußen), Köslin, Eisleben. Erfurt, Kiel, Berlin. Achim. Mün­

dort arbeitenden Kameraden schnell herauszttho- len. Nach drciviertelstündigem langem Warten kamen die ersten Rettungsmannschaften. Auf der dritten Dohle hatten sie bereits die ersten Leute besinnungslos gesunden und schleunigst zutage gefördert. Das weitere Vordringen ' aui dec fünften Dohle wurde durch den Zusammenbruch ganzer Strecken sehr erschwert, lieber zersplit­terte Hölzer und zerrissenen Luftleitungen ging der Weg ins Freie. Ein widerlicher Geruch von verbranntem Fleisch und Gasen umgab uns.

ZmNskch- öer Kunst. Staatliche ©®autpfele.

Erste Festspiel-Vorstellung: GoethesFausts.

Die diesmalige Festspielwoche führt wieder eine Reihe bedeutender Künstler aus hauptstädti­schen Theatern nach Kaffel, die den Vorstellungen ihr Gepräge geben Zum Teil sind uns die Gäste von ihrem vorjährigen Auftreten her bekannt. Das Fesselnde daran ist, daß man die Hauptrol­len in dieser anderen Besetzung sieht und Ver­gleiche anstellen kann über Auffassung und Spiel. Am gestrigen ersten Abend sahen iuir charakte­ristische Leistungen, aber obwohl die Faust-Auf­führung. im Ganzen betrachtet, zwar auf einer künstlerischen Höhe stand, die an sich hochwertig war, hätte man doch nicht sagen können, daß alle Anforderungen völlig befriedigt worden seien. Es ist ja selbstverständlich, daß die An- pruchc bei diesen besonderen Gelegenheiten höher geschraubt werden als sonst. Aber es ist auch naheliegend, daß die Einheitlichkeit des Spiels darunter leiden kann, daß die Kräfte aus

und links aber sind junge freche Mädchen voller ^onuensehnsucht und Erdenfrettde. Im tiefgel­ben Goldschmuck und leise zitternden Silber­spangen wiegen sie sich im warmen, milden Flu­ten der sinkenden Sonne.

Der Wind spielt auf summender Geige zum Tanz auf.

Ab und zu riefelt von blühenden Aepfel- bäumen ein Blütenblatt hernieder und eint sich mit den Blumen im wiegen Tanz.----

Zigeuner am Weg! Ein Planwagen, ein Ferrer davor und ein Dutzend braune, in Lum­pen gehüllte Gestalten.

Ein nacktes Kind in seinem Wägelchen spielt mit bunten Steinen, nach denen eine zahme Döble, die herangehüpst kommt, hascht.

Hinter dem Wagen steht ein Madonnenbilo, ntrf das die Sonne letztes, müdes Gold gelegt.

Eine Amsel sitzt aus dem Arm des Jesus- knaben und dankt dem Schöpfer für den frenden- --eichen Tag.

Die Madonna aber schenkt dem Vöglein einen segnenden Bl-ck.

Und plötzlich, .. o Wunder! Tas Ziaeuner- wägelck?en ist leer. Im Arm der Gottesmutter aber lächelt das Kind der Fahrenden.

Und vom nahen Torfe kommen die Abend­glocken, und auf ihren Schwingen naht die leuch­tende. ge segnete Sommernacht.

Waldgedanken.

Habichte kreisen über den Wäldern. Ihr Schrei bringt gedämpft aus der Höhe herab.

Gestern haben sie dem Eckhofbauern in Höller­bach ein Huhn zerrissen. Zu zweit stürzen sie auf den Hof herav und balgten sich um das arme Federvieh. Mit Dreschflegeln und Heugabeln Vertrieben die Dauern das Raubgesindel. Und das Huhn blieb tot am Boden.

Und heute ziehen die Habichte dort oben in majestätischem Flug hoch über den Staub der Gasse.

Eine bange Frage tritt uns an: Gibt es Le­ben ohne Zerstören?

Kann ein Wesen, sei es Mensch oder Tier, einen Schritt tun, ebne Mitwesen zu zertreten?

In der Stadt, meinst du, schreitet dein Fuß : über grauen Asphalt, und nichts wird von ihm : verletzt? Ja, nur vergiß nicht, daß die Stadt,

um zum Leben zu gelangen, töten mußte, was Vor ihr den Boden deckte: Wiesen, Felder und Wälder, und alle, die in ihnen ihr Dasein trifteten.

Leben heißt Morden; Leben ist Töten aus Schritt und Tritt.

Lebert ist aber auch Sieg. Leben heißt Uetzer- Windung all dessen, was Geschick und Menschen­tücke dir hohnlüchelnd in den Weg legen.

Leben ist Triumph des Geistes, der zur Sonne strebt, über die brausenden Nebel der Tiefe.

Die Vögel, die gestern des Leibes Triebe stillten, schweben beute im strahlenden Himmels- licht hoch über Tälern und Wälder im Schwei­gen des Aethers; fern der Erde, nahe der seg­nenden, göttlichen Sonne ...

Buntes Merlei.

Die moderne Ehe.

Auch die Ehe ist ein Geschästsunternchmen, und die beiden Eheleute werden nur dann in ihrem Eheleben Erfolg haben, wenn sie zueinan­der die Stellung einnehmcn, die die beiden Teil­haber eines Geschäftes zueinander haben. Mit dieser etwas nüchternen Weisheit tritt eine Prak­tische Ausländerin auf den Plan. Sie meint, daß ein Ehepaar ganz so auf den gemeinsamen Vorteil bedacht fein muß, wie zwei Leute, die zusammen ein Geschäft leiten. Ties ist aber vielfach in der modernen Ehe nicht der Fall. .Der Monn macht aus seiner Frau entweder eine Sklavin oder eine Puppe. Er selbst gibt sich entweder als Herr oder als Held, und da oas Herren- und das Sklaventum immer ungc- hräuchlich-r . p bleibt ihm meistens nur die Hcldcnrolle übrig, indem er die ganze Last der ehelichen Finauzwirtschaft auf seine Schultern nimmt. Er gibt seiner Frau ein anständiges Haushaltsgeld und ein noch anständigeres Toi- letteugeld und glaubt damit die Berechtigung erkauft zu haben, sie vom eigentlichen Geschäft ent zu halten. Sie aber lebt, da sie die wirl- ichen Verhältniste ihres Mannes nicht Übersehen kann, in den Tag hinein und ist so int Daseins­kampf nicht seine Gefährtin, sondern nicht selten seine unbewußte Feindin, die ihm seine Ge.-

Stellen auf Genehmigung zur Ausgabe weite­ret: Notgeldes ein, während das Bestreben doch sein muß, nicht nur neue Ausgaben zu vermei­den, sondern das noch umlaufende Notgeld aus- zrtmerzen. Der trotz stärkster Steigerung der Ausprägungen immer noch in die Erscheinung tretende Mangel an Kleingeld läßt sich nur so erklären, daß die Minzen von einem Teile der Bevölkerung durch das .Sammeln" in er­heblichem Umfange

dem Verkehr entzogen

und zurLckgehalten werden. Es ist an der Zeit, die völlige Zwecklosigkeit, ja Schädlichkeit eines solchen Verfahrens gebührend zu kenn­zeichnen. Die Hamsterei dieser Münzen ist zweck­los, da sie einen, dem Nennwert auch nur eini­germaßen nahekommenden Materialwert nicht besitzen. Das Hamstern von Kleingeld in Mün­zen ist aber nicht nur völlig zwecklos, es schädigt auch den Einzelnen. Größer und einschneiden­der als die Nachteile für den Einzelnen sind die att3 der Hamsterei 'tÄrf[ciucn Münzen sich für die Gesamtheit ergebenden Schädigungen. Tie Bedeutung des Geldes beruht auf seinem fort­währenden Umlauf. Nur insoweit, als das Geld mnläust, erfüllt es feinen Zweck. Diese Regel trifft namentlich auf die kleinen Münzen zu. Sie gehören in bett Verkehr. In dem Aiiocn- blick, in dem sie zurückgehalten werden, wer­den sie ihrer eigentlichen Aufgabe entzogen, und erhebliche wirtfchastliche Werte gehen verloren. Indem die Seinen Münzen ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen werden, wird ferner die Regierung veranlaßt, zur Behebung der durch das siunlofe Hamstern

künstlich erzeugten Klcingeldnot

die Münzpreffe immer stärker arbeiten zu kaffen und eine UebcrfüKc von Kleingeld zu erzeugen. Es muß. wenn cs einmal aus seinen Verstecken zurückströmt, den Verkehr in unnötiger Weise belästigen und den ohnehin überlasteten Orga- nen der Zahlungsvermittlung eine Fülle un-

Qlnfrage im Reichstag.

Berlin. 22. Juni. (Privattelcgrcimm.) Der Reichstag Wirb sich in seiner heutigen Sitzung mit einer Interpellation der Abgeordneten Im­busch, Trimborn und Genoffen über das Gruben­unglück auf der Zeche Mont Ecnis bei Herne besaffen. Die Anfrage lautet: Ans der Zeche Mont Gcni9 in Westfalen ereignete sich am 20. Juni ein folgenschweres Grubenunglück. Ach.: liche Unglückssälle ereigneten sich in den (cRtcit Jahren, wenn mich in geringerem Umfange, mehrfach. ES besteht die Gefahr weiterer ähnli­cher Unglücksfälle. Ist die ReichSregicrung be­reit, AtiRnnft zu geben über die Ursache des Unglücks? Welche Maßnahmen will sie crtrej- scn, um solche Katastrophen zu verhüten?

Friedrich Lindner vom Staatstheater Dresden, ein Anhänger der alten Schule, sprach mit sehr viel Pathos. Das war bei der Dar­stellung des Faust nur zum Teil gut. Als alter Faust ließ es sich wohl mit dem Charakter ver­einbaren. wenngleich es einen pastoralen An­klang hatte. Aber die Beherrschung der Ziolle, die Hervorhebung der Feinheiten in den Mono­logen, die scharf: Ausarbeitung der Gespräche mit dem Famulus und mit Mephisto, waren vorzügliche Eigenschaften. Als besonders aner­kennenswert ist fein schönes, dunkeltöniges und großes Organ und feine trefflich geschulte und gepflegte Aussprache zu verzeichnen. Aeußerlich kam ihm eine gute gewählte Maske des alten Goethe vorteilhaft zu statten, womit er von der Schablone obwich. Auch als junger Faust ging er in einfachem, schwarzem Gew-and und ohne Bart, womit er eine größere Verjüngung als sonst üblich erzielte. Innerlich nahm er auch die­sen Teil der Relle ernst und schwer. Ganz an­ders in der Auffassung spielte Gruft Deutsch vorn Deutschen Theater Berlin als Vertreter der modernen Rcinh'.rdtschen Schule. lIch erinnere mich noch gerne an feine vorjährige Glanzlei­stung als Oswald in Ibsens »Gespenster". Aber was für Ibsensckcn Dialog gut ist, ist nicht für Goetheschc Verse gut) Seine Sprechweise ist rasch, die seine Nuancierung ist bewußt vermie­den. Das Mienenspiel war gering und die Hal­tung lässig. Unmotiviert erschien das laute Ge­baren bei leb cm Abgang von der Szene in Gret­chens Kammer und in Marthe Schwerdtleins Garten. Mit Intelligenz durchgearbeitet war da­gegen die Sckmlcrfzene, wobei jede Bemerkung wie selbstverständlich oie feine Ironie zum Aus­druck brachte. Seine Charakterisierung war im Ganzen jedenfalls eine individuelle Darbietung. Eine Leistung, die ohne Einschränkung anerkannt Werben muß, bet Alice Serben vorn Staats- thcater Dresden. Schien es anfangs, als läge in ihrem Tonfall eine gewisse Sprödigkeit, so än­derte sich dieser Eindruck sofort, als sie in ihrer Kammer wie ein furchtsames Kind fang. Aller­liebst gestattete sie die Schmuckszene. Von jugend- fr-fchem Reiz und natürlichem Ausdruck der Un- schuld war die Begegnung mit Faust in Tchwerdtleins Garten und besonders das Erzäh­len von sich und ihren Angehörigen. Von da ab wurde in ihrem Spiel die Entwicklung zur Reise mit jedem Auftritt gehaltvoller. Sie wuchs förm­lich in ihr tragisches Geschick hinein. Den Schmerz, die Angst und Verzweiflung schien sic in aller Pein zu erleben, bis sie das Kerker- elend erschütternd zur Wirkung brachte. Die hiesigen Kräfte fügten sich in das Gesamtspiel würdig ein Des Intendanten Spielleitung faßte das Ganze großzügig zusammen. Die Be­sucher zeigten sich durch starken Beifall er­kenntlich. K. F. Dr.

produktiver Arbeit aufbürden. In einer Zeit^WohLfahrtsministerium unterstellt. Tie Baube-, die Periovlichteiten gerichtet sein, obwohl es den aber, die jparsamste Verwendung aller Mittel 1 -' * - ----- 1 - -

und Kräfte mehr als je gebietet, ist der Mist

Kkeme pvWsche Fwchrichren.

Arbcitstarif bei der Post. Nach längeren Verhandlungen ist am 15. Juni zwischen ocm Reichöpoftministerium, dein Deutschen Verkchrs- bund, der Deittschen Postgewerkschaft und dem Verbände des Bayerischen Post- und Telegra­phenpersonals ein neuer Tarifvertrag für die Arbeiter in* Bereiche der Reichs-Post- und Te- legrapbenverwMung abgeschlossen worden, der am 1. Juli in Kraft tritt.

Pofwerkehr mit dem Auslande. Demnächst werden von den deutschen Postanftalten wieder gewöhnliche PosrfrachtMcke bis 20 Kilogramm und solche mit Wertangabe nach Angola, Bel- Fisch-Konzo. Tohomey, Elfenbeinküste, Franzo- sisch-Aequatorial-Afrika, Französisch - Guinea, Gambia, Goldküste, Kamerun, Liberia, Mosam- iik, Nigeria, Portugiesisch-Guinea, Sk. Thomas und Prinzipe, Senegal. Sierra Leone, Spanische Niederlaffuugen im Busen von Guinea und To­go angenommen. Tie Scebesörderung dieser Postfrachtstücke erfolgt ab Hamburg mit deutschen Schiffen. Das Nähere ist bei den Poftanstalten zu erfahren

Werden zuviel bezahlte Steuern zurückgcge ben? Man sollte annehmen, daß zuviel bezahlte Steuern zurückgegeben werden. Bei dem allge­meinen Stcuertvirrwarr scheint das aber nicht ohne weiteres zu gelten. Der Reichsstnauzhof hatte in einem bestimmten Falle dahin entschie­den, daß die von einem Beamten infolge des Steuerabzuges zuviel gezahlten Stcuerhctragc diesem zurückzuerfiatten seien. Tas Reichs fi- nanzministcrium war aber anderer Ansicht und bat verfiigt, daß der überfchießende Betrag dem Zcnsiten auf ein laufendes Konto gutgeichric- bon sei. Dieses Verfahren wird noch im Steuer­ausschuß des Reichstages erörtert werden.

Tic deutschen Beuteschiffc in England Die .Times" veröffentlicht die offizielle Ankündi­gung Loro Inchcape?, daß der Restlestand der stech nicht Versteigerten deutschen Haudelsschisfe nur noch bis Monatsende tritttoen Käufern re­serviert blecht. Nach diesem Zeitpunkt werden die Schisse auch ausländischen Käufern angebo­ten, sonnt auch deutschen Jntereffenrcn. In Be­tracht kommen vicrundscchzig Tampser und acht Segler. Unter ben Damvfern ftnb elf über zehn.

Sommerfrische.

Don HanS Gäfgcn.

Auftakt.

Am Bahnhof steht schüchtern ein Mädchen fcnb fragt, oh wir die Gaste ans X. seien. Sie nimmt die Koffer. Wir streben deni Städtchen zu. Es ist Samstag. Ueberall stehen Wasser­lachen auf den Straßen, und Frauen fegen Flur und Gaffen. 9tb und zu schaut eine auf und staunt über dieFremden".

Durch ein altes Tor, um deffcn Giebel und Firsten Schivalben flitzen, gehts hindurch.

Eine goldene Mariensäule funkelt in der Mft- tagSisonne. »Anno domini 1789' steht an ihr zu lesen. Und Feldblumen liegen zu Füßm der Gottesmutter int Straßenstaub.

Ein Haus, mit Efeu traulich umsponnen, steht vor uns, und der Wirt eilt herab, uns freund­lich zu empfangen.

In unferem Zimmer hängen Schlachtenbttdcr und friedliche Oeldrucke wirr durcheinander. Bon der Straße bringt Wagenfähren unb Ochscnbrü!- len gedämpft herauf.

Vor mir liegt eine Muschel. Ich führe sie ans Ohr unb höre aus ihr das Rauschen der fernen, fernen See; Meeresrausckcn im weltab­geschiedenen Odenwaldfi idtchen! Ist cs nicht et­was Göttliches nm dieses Stücklein gewundene. Kalksteins, das die Töne der Heimat, das Brau­sen des Meeres nicht vergessen kann, mag es noch so lange und noch so weit entfernt sein von der Flut, die es gebar?

Tragen nicht auch wir folch ein Raunen in der Seele, lebt Nicht aud) in uns ein Klang der Heimat, wie ihn die Muschel in sich trägt?

Wir mögen wandern und wirken tagaus und tagein, in stillen Stunden hebt im Herzen ein Wispern und Flüstern an und schwillt zum brau­senden Rauschen.

Glücklich, wer die Melodie vernimmt; geseg­net, wer ihren Sinn zu deuten weiß; unendlich begnadet, wer ihrer Stimme folgen darf.

Gang in der Dämmerung.

Tiefdurchfurch«, sorgenvoll fast schaut der Feldweg aus, der, wie ein altes Werb, gcbücki und buckelig betean führt. Tie Wiesen rechts

schästslagc erschwert. Wie viele Geschästskrachs könnten vermieden werden, wenn die Frau ge­wußt hätte, toie schlecht es um ihren Mann stand! Wie gern hätte sic auf allen Lurus Ver­zichter, wenn sie gewußt hätte, daß sie ihn damit retten kann. Der Mann, der seine Frau als wirklichcrr »Teilhaber" betrachtet und sie in seine ganze Läge einwciht, wird in ihr in den meisten Fällen einen tapferen Helfershelfer und nützlichen Berater finden. Andererseits aber muß sich der Manu auch um dieGeschäfte" der Frau küm­mern. Er darf der Haushaltung, die bcutzurage auch ein schwieriges Unternehmen ist, nicht ahnungtzlos gegenüber stehen, muß wissen, waS die Truge kosten und mit welchen Schwierigkei­ten feine Frau in der Führung des Haushaltes zu kämpfen hat. Sind fo beide genau unterrich­tet übe die finanzielle und geschäftliche Grund­lage ihrer Ehe, dann schließt sie das gemeinsame Interesse eng und enger zusammen, und viel Un­glück würde in Eben vermieden werden, wenn die Fra» mehr Kenntnis von Geldsachen und G-ückästssÜbrung, der Mann mehr Verständnis für Haushaltungsdinge hatteT

Der Umlauf des von zahlreichen Stellen aus- gegebenen Notgeldes in Scheinen bunter einer Mark bildet einen Mißstand im deutschen Zah­lungswesen und hatte seine Berechtigung nur so lange, als die Münzstätten nicht in der Lage waren, den durch die besonderen Vcrhältnrise der Kriegs- und Nachkriegszeit hcrvorgerusencn Kleingeldmangel zu beseitigen. Inzwischen ist es durch eine Reihe von Maßnahmen gelungen, die MünzauSprägungcn erheblich zu steigern und Kleingeld in 5, 10, unb 50 Pfcn- . nig-Stückc» in verstärktem Ausmaß dem Verkehr znzusühren. Gleichwohl wollen die Klagen über Mangel an Kleingeld nicht verstummen, und nach wie vor laufen bei den Landesregie-' tungen Anträge von Kommunem und anderen