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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Donnerstag, 23. Juni 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 nnd 952

Nummer 139

. 1 i

Gegen den Selbstschutz in Nerschlesien.

(Eigene Drahrmeldung.)

Oesterreichs Negierung

Die Bildung des neuen Kabinetts.

Die Anschiußfrage.

Wien, 22 Juni. (Eigene Drahtmeldung.) In der gestrigen Sitzung der christlich-sozialen Partei wurde die Teilnahme an der Regierung-I- bilduna beschlossen. Tie Fraktion erklärte sich mit grosser Mehrheit für den Anschlußgedanken an Deutschland und für die Fortdauer der Ab­stimmungen über den Anschluss an Ocsttrreich. Wie die WienerReichsvost" meldet, ist der Bc chluss der Landesregierung von Steiermark, die zum 3. Juli anberaumte Volksabstimmung in Steiermark, durch Beschluss der Landesregierung aufgehoben worden

«SrlechifHe Militüraktion.

London, W. Juni. (Eigene Drahtmeldunq.) Daily Mail erfährt aus Athen, dass die grie- chifche Regierung eine militärifche Ak- t i o n in Kleinasien für notwendig halte, um den Frieden im Orient wieder herzustellcn. Die grie­chische Regierung sei entschlossen, jede Inter­vention abzulchnen. die die in Barbe- reitung befindliche Offensive verzögern könnte.

Gegen die Arbeittiosen-Unterstatzung.

Paris. 22 Juni. (Eigener Drahtzbericht.) DerTemps" meldet, dass die alliierte Kontroll­kommission gegen die jetzige Höhe der Erwerbs- sosennntcrstützung in Deutschland sei, da die deutschen Unterstützungen doppelt so hoch seien, als in den alliierten Ländern, wo ein Teil der Unterstützungen von den Gewerkschaften getra­gen wird. Vor der Abreise der französischen Mitglieder der Kontrollkommission fand eine Sitzung im Wiederaufbauministerium statt, der auch der französifche Finanzminister und der Vor­sitzende des Kammerausschusses beiwohnte.

Wien, 22. Juni.

Die österreichische Nationalversammlung hat mit 95 Christlich - Sozialen und Grossdeutschen gegen 62 sozialdemokratische Stimmen die neue Regierung gewählt. Der neue Bundeskanzler Schober, bisher Polizeipräsident in Wien, er» klärte im eigenen Namen, sowie im Namen der anderen Mitglieder der neuen R. -*ng, die Wahl anzunehmen. In das neue Beamtenkabi nett Schober ist ein Großdeutscher und ein Christ­lich-Sozialer ausgenommen worden. So erhält das neue Ministerium, weil nur noch die Sozial­demokraten in der Opposition bleiben, den Cha­rakter eines bürgerlichen Kabinetts. Eine Art bürgerliche Einheitsfront ist damit geschaffen.

Die 2stegiemngs-2lntwort.

München, 22. Juni. (Privattelegramm.) Ministerpräsident von Kahr erllärte sich zur Be­antwortung der Interpellation der Unabhängi­gen bereit und wird tn der heutigen Sitzung des Landtages zu diesem Thema sprechen.

große Gareis-Debatte immerhin noch einen an­nehmbaren Ausklang gefunden. Die politischen Ziele, nach denen bte Unabhängigen trachteten, sind jedenfalls nicht erreicht, sie sind vielmehr durchkreuzt worden. Im Interesse unseres Vol­kes wäre zu wünschen, wenn die, freilich noch sehr schwachen, Ansätze zu einer Reinigung der politischen Atmosphäre. die wir jetzt beobachteten, zu einem praltischen Erfolge führen würden.

Kleinasiatische Krise.

Englische- und f-anzöfische- Beschluß.

tigigene Drahtmeldung.)

, Paris, 22. Juni.

DasEcho de Paris" ist in der Lage, über das Ergebnis der Besprechungen zwischen Briand nnd Lord Cürzon noch nachzutragen, daß die bei­den Außenminister beschlossen Haven. Truppen einzusetzen. Wenn die Türken bei ihren Vor- tößcn gegen die griechische Armee in die neu­rale Zone des Vertrages von Severss, in die Dardanellen, das Marumra-Meer und den Bos­porus eindringen, so werden sie es mit encstj- scheu, französischen und italienischen Soldaten nnd Matrosen zn tun haben. Tie französische und englische Regierung wollen also dem Vor­dringen der Kemalistea doch Einhalt gebieten, wenn es sich um den Besitz Konstantinopels han­deln würde. Sic gehen dabei mit ihren Kon­zessionen an die Griechen tatsächlich bis zur Serausgab- von Smyrna und Thrazien, dagegen

Die Rdeinlanö-Lollgren-e.

Paris, 22. Juni. (Eigener Trahtbericht) DerMatin" meldet, daß tue nach Berlin zu weiteren Besprechungen mit den Deutschen ge­reisten französischen Sachverständige,t sich vor ihrer Abreise gegen die Preisgabe der Rhein- landzollgrenze geäußert haben.

behalten sie die Kontrolle über Konstantinopel, den Bosporus und die Dardanellen. Das Pa­riserEcho" zeigt sich über die Aussichten der hier etngeleiteten Polftik sehr skeptisch.

Noch immer Gareis-Debatte ~ Ans dem bayerischen Landtag.

(Privet-Telegramm.)

München, 22. Juni.

Zur Begründung der Gareis-Jnterpellation im Landtage führte der Unabhängige Neumann gestern aus:Die Versuche der bürgerlichen Presse, die Motive des Mordes in einer Liebes- angelcgenheit oder einer sonstigen unpolitischen Sache zu suclfen, seien nur Versuche, die Spur der Täter zu verwischen. Gareis war der einzige Zeuge, der m dem Mordprozetz gegen Böhm- Pollinger dem Mörder gefährlich werden konnte. Deshalb, und weil er das Treiben der Einwoh­nerwehren in aller OeffentlMeit darstellte, wurde Eareis ermordet. Wenn aber die Zeitun­gen der Rechten offenen Mord predigen und die Methode der italienischen Faszisten empfehlen, dann dürfen sie sich auch nicht wundern, wenn ihre eigene Methode sich eines Tages gegen sie selbst wendet." Um Uhr abends wurde die Sitzung des Landtages abgebrochen. Die Erklä- rung des Ministerpräsidenten und der Regie­rungsparteien wurde auf Mittwoch vertagt.

An der Oftgrenze.

Aebergriff gegen Deutsche in Bromberg.

lPrivat-Tclegramm.)

Danzig, 22. Juni.

Nach einer Danziger Meldung ist es vor­gestern in Bromberg zu schweren Ausschreitu» - gen gegen die dort ansässigen Deutschen gekom­men. Es sind zahlreiche Läden geplündert wor­den. Deutsche Bürger sollen fdpuer mißhandelt, verwundet und beraubt worden sein. Ferner er­folgten zahlreiche Verhaftungen. Zeitungen ge­langen nicht über die Grenze. Die Pogrome gegen Deutsche werden nicht etwa von der an­sässigen polnischen Bevölkerung ausgeführt, son­dern von Elementen, die von Kongresspolen her- übcrkommen, ähnlich den Jnsurgentenbanden in Oberschlesien.

Es war durchaus berechtigt, wenn der Abge- »rdnett Hamm von der Notwendigkeit einer Er­ziehung Der öffentlichen Meinung sprach! Im übrigen bedeutet diese Rede einen Haltepunkt in der Gareis-Debatte. Hamm plädierte für die Versöhnung, und das Echo, das er mit dieser Mahnung rm Hause fand, war doch um vieles grösser, als es nach allem Vorangegangenen hätte erwartet werden können Der voKspartei- liche Abgeordnete von Schoch hatte zuvor aller­dings gegenüber dem Reichskanzler geäußert, dass nach seinen Angriffen gegenüber der Rechten wegen gewisser Erscheinungen in der Rechtspresse kein Motto des Verzeihens und Vergessens keine wirkliche Basis habe. Aber auch dieser Redner machte keinen Hehl aus der Trostlosigkeit der jetzigen Lage, tote sie sich durch das gegen­seitige Bekämpfen in der Oeffentlichkeit er­gibt. von Schoch kämpfte im übrigen durch sein energisches Auftreten den Radau der äußeren Linken, die zuvor den deutschnationalen Redner Bazille durch Lachsalven zu erdrücken und un­möglich zn machen suchten, mit Entschlossenheit nieder. Er tief den Stürmern und Drängern zu: »Jetzt spreche ich!*, irnd er ließ sich auch durch das Geschrei der tote auf Kommando vorsprin­genden Kommunisten nicht irreführen. Er über­hörte deren Zurufe: »Wir sind hier nicht auf dem Kasernenhof!"

Ms ein besonderes Mtivum muß übrigens auch die Verstärkung der schon durch den baye­rischen Volksparteiler Schwarzer abgegebenen Erklärung der Wahrung der unbedingten Reichstrene in Bayern durch den Demo­kraten Hamm gebucht werden. Hier setzte das Echo im Hause besonders laut ein, und Hamm erklärte, daß eine gewisse Agitation in Bayern, die er auf das schärfste kritisierte, auf den ein­fachen, naiv empfindenden Menschen nachgerade zu einer Schädigung deS Reichsgedankens führen müsse. Daß ein Remmele, der eigentliche Ur­heber der letzten unwürdigen Vorgänge und der ersten Prügelszene im Reichstag, nichts zu die­ser Reinigung der polittschen Atmosphäre bei­tragen konnte, baden ihm die Abgeordneten fast aller Parteien dadurch bezeugt, dass sie bei der Rede Remmeles dem Saal den Rücken lehrten. Von den beiden Rechtsparteien war überhaupt niemand im Saal: das beste Mittel, um dem Radaumacher alle Möglichkeit für seine Sabo­tage-Aktion zu nehmen.

Der Zentrums-Abgeordnete Dr. Pfeifer spricht ebenfalls namens der Zentrumspartei den Wunsch nach Versöhnung aus. Mr müssen nicht nur ju einer gegenseitigen Verstän­digung, sondern vor allem zu einer gegensei­tigen Achtung kommen. In Bayern hätte allerdings eine verantwortliche wie unverant­wortliche Hetze den Arbeitssrieden gestört, den das baderische VoA in allen seinen Schichten ha­ben wolle. Solchen Wildwest-Sitten, wie sie im Reichstage eingerissen seien, dürsten wir fteilich nicht nackgeben, wenn wir nicht all unser An­sehen verlieren wollen. Den Beschluß der Gr- reis-Debatte machte der bayerische Bauernbünd- ler Eisenberger, der feine Rede aus das Motto stimmt:SSii Bayern sind doch gute Kerle!" Eisenberger hatte im übrigen einen unbestritte­nen Heiterkeitserfolg, als er in echt bajtrvarischer Art die Dinge besprach. Er wandte sich dabei gegen die äußerste Ltnke ebensowohl wie geoen i die äusserste Rechte. Rach ihm ist alles Unheil ! in Bayern den Nichtbayern zuzuschreiben, die / sich dort ins Rest gesetzt haben. So hatte die

Am Oberschleslen.

Gegen den dentsche» Selbstschutz.

(Privat-Trlegramm.j

. Berlin, 22. Juni.

Der französische Botschafter «nd der englische Geschäftsträger in Berlin haben gestern das deutsche Auswärtige Amt ersucht, aus den Gene­ral Höfer einznwirken, damit der fort­währende Vormarsch der deutschen Streit­kräfte eingestellt werde. Auch auf den Zwölfer- ausfchutz soll die deutsche Regierung zugunsten der Anträge der Interalliierten Kommission ein­wirken. Die Parteiführer hatten gestern eine längere Befprechung mit dem Reichskanzler be­züglich Oberschlesien. Es soll eine parlamen­tarische Studienkommission gebildet werden, die in Oberschlesien Feststellungen sam­melt und mit den Führern Fühlung nehmen soll. Die Kommission wird wahrscheinlich schon heute abreisen. Die preußische Regierung hat für die notleidende oberschlesische Bevölkerung hundert Millionen Mark zur Verfügung gestellt.

Die Haltung der Entente.

Keine Aenderung des Versailler Vertrags.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 22. Juni.

Im Ausschuß des Senats hat am Alontag Poinearee seinen Antrag begründet, der trott der französischen Regierung Garantien verlangt, daß sie weitere Abänderungen des Versailler Vertrages gegen Deutsclfland nicht zulaffen wolle. Trotz Einspruchs des Rogierungsvertreters be­schloß der Ausschuß des Senats iit eine Be­sprechung des Poincareesschen Antrages eiazu treten. Aus der Rede Poinearees wissen Temps" undMatin" mitzuteilen, daß sie sehr scharfe Angriffe gegen England ent­hielt und die ungeteilte Ueberaabe OberschleflenZ an Polen zum Kernpuntt hatte.

Reinigung der Lust. Die Stürme im Reichstag.

(Don urkserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Der Verlaus der Gareis-Debatte, für die man volle drei Sitzungstage im Reichstage gebrauchte, nahm eine ganz andere Richtung, als von An­fang an von den unabhängigen Eiubriiigem die­ser Interpellation zu ged acht worden war. Es kam so etwas heraus, wie der Veri-uch, die po­litische Atmosphäre zu reinigen! Ueberfiüssig, zu bemerken, daß diese Bestrebungen nicht von der linken Seite des Reichstages ausgegangen sind. Aber in einem breiten Block des Hauies machte sich doch die Tendenz bemerkbar, endlich einmal dafür zu sorgen, daß die furchtbare innere Entzweiung im deutschen Volke, die allge­mach zu den schwersten Erschütterungen des Ge­füges des Reichsbaues selber zu führen geeignet tst, aus zu schalten. Der Reichskanzler wollte mit seiner Rede auch dazu beitragen, hat es aber sehr ungeschickt angefangen und eher den Riß vergrößert, als ihn zusammen zu nähen. Aber trotzdem liessen die Opponenten von rechts kei­nen Zweifel darüber, daß sie die Agitation, die sich in der letzten Zeit vielfach breitaemacht hat, nicht billigen, jedenfalls nicht mit ihrer parla­mentarischen Verantwortlichkeit decken. Freilich: wenn man sich die Vorgänge im Reichstage sel­ber vor Augen führt, dann möchte man doch gar sehr ftn Zweifel darüber fein, ob wirklich diese Luftreinigung sich vollzogen hat. Und doch glau­ben wir, daß die Erörterungen der letzten Tage nicht ohne Rückwirkungen aus die breite Leffeni- lichkest in Deutschland sein werden.

Die teuren Kohlen.

Bedenken gegen neue Besteuerung.

Die entliehen Pläne, di« Kohlrnfteuer $1 erhöhen, hät schon berechtigte Unruhe in den Derbraucherkreisrn hervorgerufen. Auch in der Ikohlenindustri« werden Bedenk«» laut, wie aus dem folgenden Bericht hervorgeht. Eine Umfrage bei hervorragenden Stellen der Kohlenindustrie über die Art und Wirkung der Erhöhung der Kohlensteuer ergab zufam- meugefatzt etwa folgende Ansicht der Maß­gebenden Bergbaukreise: Die Reichsregie- ramg wird in Kürze dem Reichstag ein Gesetz über die Erhöhung der Kvhlensteuer vorlegen. Trotzdem die Wirtung einer Kohleusteuer aus das Wirtschaftsleben als folgenschwer anzu­sehen ist, kann die Regierung bei der Finanz­lage des Reichs auf eine solche Erhöhung nicht vernichten. Unseres Wissens kommt eine Er- gung von mindestens ein Viertel, also ans fundzwanzig Prozent in Frage. In Kreisen Reichsregierung wird jedoch bereits von- einer Erhöhung auf dreißig Prozent gesprochen. Tie Besteuerung in Form eines festen 'Auf- schlags nach dem Goldkurs wird allgemein vec- warfen, da bei dem Schwanken des Geld, wertes eine Kalkulation nicht mehr möglich und eine dauernde Beunruhigung des Marktes eintreten wird. Mit der Verteuerung der Kohle um 12 bis 17 Mark für die Tonne bei fünf Prozent und um 24 bis 35 Mark für die Tonne bei 10 Prozent Aufschlag wird die Kon-, kurrenz der deutschen Köchle mit dem Auslands, angedot schwer werden. Die Kohlenindustrie derjenigen Reviere, die heute schon erheblich teurer als das westfälische Revier produzieren iSachsen, N'ede.rschlesien-Mcheni empfindet m Erwartung dieser Erhoyung eine besonders große Besorgnis,

da sie fürchtet, konkurrenzunfähig zu werden angesichts der Tatsache, daß der Prest der englischen und amerikanischen Kohle ständig sich verbilligt. In die gleiche Schwierigkeit wird Die Braunkohlenindustrie gebracht, da schon heute der Preis der Robbranrnkohle bis an die Grenzen des Konkurrenzfähigen geht. Don die- sen Revieren wird eine Staffelung der Kohlen­steuer verlangt. Eine Erhöhung" der Kohlen - steuer auf dreißig Prozent wird allgemein selbst in Anbetracht der Zwangslage der Regierung für unerträglich gehalten. Die führenden Streife des Bergbaues rechnen bei fünfundzwanzig Prozent Kohlensteuer mit einer dauernden Wei- terbeschäftigung nur dann, wenn der BerMau vor den E x p e r i m e n t e n der Einengung und Sozialisierung bewahrt bleibt. Es wird weiter gefordert, daß dem Reicksfinanzministerium in Gemeinschaft mit dem Reichskohlenrat die Be­fugnis gegeben wird, die Steuer zn ermäßigen, wenn die Handelslage das verlangt. Man darf nicht vergessen, daß die Kohlenindustrie dra Hanptaktivposten der deittschen Wirtschaft bildet und daß fast eine Million Arbeiter auf Beschäf- tigemg in der Kohleninstudrie angewiesen sind

Das Bergwetts-AngruS.

Bericht der Zechenverwaltung.

Der Explosionsftoß auf der Grube Mont Cenis war so heftig, daß er bis in den Haupt- werMollen vordran^, und von hier aus auch die Nachbarreviere gefährdete. Nock ehe die Rettungsmannschaften zur Stelle sein konnten, bewährte sich die alte bergmännische Treue gegen die Kameraden in Not. Es gelang, eine Reihe Betoußlloser und verletzter Knappen lebend zu bergen. Leider sind hierbei einige schwere Gas­vergiftungen vorgekommen. Ne sofort alarmier­ten Rettunsstruvpen der Zeche sichren sofort ein und begannen mit der energischen Be­kämpfung der ausgebrockenen kleinen Brände und durchsuchten das Revier nach Verwundeten. Es gelang einige lebend zu bergen. Inzwischen trafen auf Alarmnachrichten die Rettungstrnv- peu der umliegenden Zecken ein und gingen ohne Besinnen ans Werk, ohne der Gefahren und Schwierigkeiten zu achten. Insgesamt such bis jetzt 85 Tote irnd 82 Verletzte geborgen, dar­unter 25 Schwerverletzte, von denen nach tele­phonischer Mitteilung vier bereits ihren schwe­ren Verletzungen erlegen sind.

* * *

Der Bericht eine« Augenzeugen.

Böckum, 22. Juni. (Telegraphischer Be­richt.) Der Berichterstatter desHerner Anzei­gers, hatte gestern im Krankenhause Gelegenheit mit einem der verletzten Augenzeugen zu sprr^ cken. Der Knappe berichtete: Wir arbeiteten im Revier des Steigers Mühlenbruch. Plötzlich hörten wir zwei schwere Luftschläge und wuß- ten sofort dass es sich um eine Schlagwetter­explosion handelt, da diese stets durch -wei Lust- erifchütterungen angekündigt wird. Wir suchten öfort eine (sseleg eichest zum Untcrschlüpfen, nm uns vor den giftigen Schwaden zu schützen. gelang den Alarm für das nördliche Rosier schnell durchzu führen und den größten Teil der