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Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952

Dienstag, 21. Juni 1921

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 137

Zuversichtliche Rede des Reichskanzlers

überschritten, der Buttcwreis aber kam erheblich^«e Übernommen hatte, führt- -ms, daß

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Eine nemKanzlerrede.

De. Wirth über das Londoner Ultimatum. (Privat-Telegramm.)

Effcn, 20. Sunt.

Reichskanzler Wirth sprach am Sonntag in einer Massenversammlung d-S Deutschen Gewerk- schastsbmldes in Esten über das Londoner Ultimatum und seine Erfüllungsmöglichkeit. LinkSradikale Elemente hatten vermocht, sich mit gefälschten Karten Einlaß zu der Bersammlung zu verschaffen. Da dieser Plan aber rechtzeitig bekannt geworden war und eine strenge Zu- gangskontrollr ausgeübt wurde, kam es nicht zu der zweifellos beabsichtigten Störung. Die Rede des Reichskanzlers, der schon bei seinem Erschci- nen lebhaft begrüßt wurde, war auf den Grund­ton gestimmt, durch friedlicha Arbeit zu Freiheit und zn neuem Wohlstand zu gelangen. Obgleich der Kanzler die furchtbare Lage Deutschlands in ihrem ganzen Ernst schil­derte, flong aus seinen Ausführungen, die mehrfach mit feinem Humor gewürzt waren, doch ein hohes Matz von Optimismus. Die Rede des Kanzlers fand stürmischen Beifall.

mit den Mttcln der Alliagspoliti! uns keine Hilft kommen könne. Nur die Wiedergeburt des deutschenSinnes könne uns reiten. Ueber OSerschlesten meinte er. daß der Feind uns zwar heute Gewalt antuii könne, aber unsere An­sprüche auf dieses deutsch- Land können sie un­tergeben. Wenn es uns fortgenommen würde, dann wäre niemals Frieden, solidem ewig Krieg.

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unter dem nur infolge der Zwangswirtschaft künstlich hochgehaltenen Schleichhandelspreis und nicht sehr weit über den amtichen Höchstpreis zu stehen. Bei Butter ist zu bedenken, daß das An­gebot ein sehr großes ist, da ja schon der Schleich­handel dem, was die erfreulichste Begletter- icheinung der Aushebung der Zwangswirtschaft fein wird, langsam das LebenAicht ausgeblascn wird die Versorgung eines großen Teils der Bevöllernng übernehmen konnte. Boses Blut machen wird wohl die bevorstehende Neurege­lung der Getreidewirtschaft, weil man hier zu einer halben Maßnahme des zwangs- wirtschastlichen Abbaues gegriffen hat. Das ans die Brotkarten erhältliche Brot zum Höchstpreis wird so minderwertig sein, daß man es nur der Not, und nicht dem eigenen Triebe gehorchend, essen wird. Genießbar wird nur das ans frei- gegebenem und Auslandsgetreide herge- stellte Brot sein, dessen Preis ungefähr das Zweieinhalbfache des anderen betragen totrb. -Man wird auch hier nicht um die Aufhebung der Zwangswirtschaft herumkommen. W. S.

Eisenach, 20. Juni.

Die Mitglieder der Deutschen Volkspartei für Thüringen, Rordbaycrn und Mittel­deutschland hatten sich am Sonntag in Eise­nach zu einer Tagung zusammengefunden. Nach einer "Ansprache des NeichZtagsaLgeordneten Dr. Luppers begrüßte Reichstagsabgeordneter Ge­heimrat Leuthauser die Erschienenen. Ihren Höhepunkt erreichte die Tagung um Mittag in einer äatcrlänbifd>en Kundgebung auf der Sän­gerwiese unterhalb der Wartburg. Reichstags' abaeordneter Professor Dr. Kahl, der in Ab­wesenheit des erkrankten Dr. Stresernonn die

Deutschland und Franlrttch.

Die künstigen Wirtschaftsbeziehung!!«.

(Eigener Drahlbericht.)

Paris, 20. Juni.

Action Francaise" crtlärt zu den deutsch- französischen Wirtschaftsbeziehungen datz Deutsch- and in erster Linie Kohlen, Holz und Z n k - ker liefern könne. Km Kohlen zu liefern, müsse man Deutschland Oberschlesien be - lassen, um Hol; zu erhalten, mutz man ihm die Gebiete zurückgebcn, die waldreich sind, und die eS jetzt verloren hat. Will man Zucker haben, so werde man Deutschland die Provinz Po° senzurückgeben muffen. Die Zeitung schließt daraus, datz nach den Besprechungen von Wies- baden die deutschen Minister die Möglichkeit wirt­schaftlicher Beziehungen dazu auLnutzen werden, um diese Gebiete zurückzuerlangen.

Fortsetzung der Besprechungen.

Paris, 20. Juni. (Eigene Drahtmelduna.) Wie verlautet, sind die beiden von der »rüffelet Konferenz her bekannten französischen Finanz­sachverständigen Lefevre und Chers so n nach Berlin abgereift, um die Wiesbadener B>- prechungen fort;»setzen. Die Berhandlun- gen werde« auf deutscher Seite von. G u g g e n Heimer und Bergmann geführt.

Frankreichs Stellungnahme.

Paris, 20. Juni. (Eigene Drahtmeldung) Die Morgcnblätter beschäftigen sich besonders mit der Orientfrage.Victoire" weist dar­aus hin, daß Frankreich ein Griechenland mit Venizelos gern unterstützt Hätte, um sich in Smyrna zu behaupten. Für ein Griechenland mir Konstantin dürfe man keinen einzigen fran­zösischen Soldaten leihen. Das »-joitrnai meldet: Die Besprechungen zwischen Eurzon und Briaild haben ein Abweichen Frankreichs von seiner bisherigen Stellungnahme in der oberschlesischen Frage nicht gebracht. Lor» Curzon konnte endgültige Erklärungen nicht ab- geben, da er lediglich zu informatorischen Zwek- ken und ohne weitergehende Vollmachten von Lloyd George nach Paris gesandt worden war. -^as oberschlesiscke Problem bleibt vorläufig in der Schwebe, bis die Entwafsnung beendet ist.

Die oberschlessfche Frage.

Paris. 20. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) In der Sonntagssitzung beschäftigte sich die Pa­riser Staatsmännerkonferenz mit bet oberschle- sischen Frage. Es wurde beschlossen, boft_ die Oderkommissatt der verschiedenen Möchte ersucht werden sollen, für die Lösung V o r - schlage zn machen und einen gemeinsamen (?) Bericht zu verfassen. Sollte es nicht gelingen, sich ,u einigen, so werden den Oberkommissaren eine Anzahl Sachverständige beigegeben wer­den. Auf jeden Fall soll eine Lösung so schnell wie möglich gefunden werden. Die alliierten Möchte haben weitet beschloffen, sowohl bei bet deutschen wie bei bet polnischen Regierung zu vermitteln, um die Beschlüsse bet interalliierten Kommission in Oppeln zu unterstützen.

Hoffnung auf Erfüllung.

Essen, 20. Juni (Privattelegramm.) Aus der Rede bes Reichskanzlers wird hervorgehoben, datz er die bestimmte Hoffnung habe, burch äußerste Anspannung ber Bolkskrafte bie ver­langten Leistungen erfüllen zu können. Die Einnahmen bes Reiches betragen bereits über fünsundvierzig Milliarden Mark und bet Reichskanzler hofft, daß im nächsten Jahre im Etat einUebetschutz erzielt werben würde. Im übrigen entwickelte er in großen Zügen bie Steuerpläne bet Regierung, wje er sie im Reichstage bereits bekaunt gegeben hatte.

Der dmtscheEewstschutz.

Die Haltung in Oberschlefle«.

(Privat-Telegramm.)

Beuthen, 20. J-uni.

Aus ber näheren Umgebung des Generals Höfer wird mitgeteilt: General Höfer bleibt fest auf seinem von Anfang an vertretenen Stand­punkt, datz der deutsche Selbstschutz in aufgezwun- gener Notwehr handelt und Oberfchlesien be­freit werden mutz. W«S die R ä u m u n g s v e r- handlungen des Selbstschlttzes mit der In­teralliierten Kommission betrifft, so klebt der Selbstschutz durchaus nicht an feinet Linie. Höfer wird in feinen Verhandlungen erklären, daß er ohne bie Garantie einer wirklichen Säuberung sich feine Freiheit bes Handelns Vorbehalten werde. Wenn nicht tatsächlich bis zu einem be­stimmten Termin die von den Alliierten ver­sprochene Sänbetungsaftion erfolgt ist, so will General Höfer zu eigenem Handeln schreiten.

Deutsche Volkspartei.

Erne Tagung in Eisenach.

(Privat-Telegramm.)

ANiierten-Beratimg.

Die englisch-französischen Beziehungen.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 20. Juni.

Am Sonnabend fanden ernste Bepftechungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten B r i a n b und dem englischen Außenminister Curzon statt. Die englischfrimzösischen Be­ziehungen wegen Oberschlesien steht noch nicht auf ber Tagesorbnung. Es ist jedoch augen­scheinlich, baß bie beiden Minister sich in ihren Privatbesprechungen auch darüber unterhalten werden.Petit Parisien" sagt: Der ttalicnischc Botschafter hat am Samstag an den Beratungen informatorisch teilgenommen. Der Standpunkt Englands und Frankreichs ist ihm bekannt gege­ben worden. Neben dem Otient-P roblem werden heute auch noch andere Fragen er­örtert. Wir glauben bestimmt zu wissen, baß der französische Ministerpräsident bie Absicht hat, bas obcrschlesische Problem zur Sprocke zu brin­gen, wenn Lord Curzon ihm in dieser Absicht nicht etwa zuvorkommen sollt?.

Die Entgegnung.

Den vorstehenden Ausführungen gegenüber sagt die Direktion des städtischen Elek« trizit ätswerks mit Bezug auf bie Gwuh. reuberlchnung aufgrund bes Mictspreises: Wenn die jetzt zulässige Erhöhung der Friedensnueten von 18 Prozent itm weitere 22 Proze-ü ge­steigert, also auf 40 Prozent gebracht, wurde dies für da« Wasserwerk einen Mehrertrag von rund 230000 Mark bedeuten. Es müßte also, um den Fehlbettag von 500000 Mark zu decken, eine nochmalige Erhöhung der Frwdens- nticien um weitere 40 Prozent, insgesamt also 80 Prozent erfolgen. Kein Bewohner Kassels würde es verstehen, wenn die Stcwtverwaltung eine derartige Steigerung der Mieten zulassen wollte, lediglich zu dem Zwecke, einen Fehlbe- traa im Wasserwerk auf diese Weise zu decken.

AIS im Herbst vorigen Jahres der Wasser, mangel in der Edd er t a lsperr e bar zu machen begann, mit das staatliche Elektrizitätsamt an das städtische @temt|u täiswerk mit dem Ersuchen heran, die nach dem bcftcbciibcn Stromaustausch-Verttag für einen solchen Fall vorgesehene Aushilfsletßung

schärft hat.

Ist Preisunterbietung und Verhinderung übermäßiger Ausfuhr das Hauptmottv zur Ein­führung der Außenhandelskontrolle gewesen, so waren die Beweggründe bei der binnen- ländischen Zwangswirtschaft: Hintanbal- tung der Preissteigerung und Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit einem Exi­stenzminimum an Bedarfsgegenständen. Beides hat die Zwangswirtschaft nur in sehr unzuläeig- lichcr Weise erreichen können. Sie war über­haupt nur durchzuführen, indem sie ihre Prcue nach und nach der allgemeinen Teuerung an- nähertc. und sie für viele Lebensmittel nickt ein­mal wett entfernt von den Schleichhandelsprei- fen halten konnte. Die Zwangswirtschaft war nicht mehr auftecht zu erhalten, denn trotz stei­gender Höchstpreise wurden die zur Veifu- gang gestellten rationierten Mengen auf'den meisten Gebieten immer geringer Garnicht zu reden von foldien Maßnahmen, wo man zwischen in- und ausländischer Ware unter­schied, und was zur Folge hatte, daß nur noch ausländische Ware zu Haven war.

Der Abbau der Zwangswirtschaft bat manch­mal die Wirkung ausgelöst, daß die freigo.zebe- nen Waren im Preise stiegen, manchmal aber auch datz sie unter die bisherigen Höchstpreue fielen. Ms die Hafer- und Eier-Zwanos- wirtschaft aufgehoben wurde, ftiegen die Prcne in? Ungeahnte, weil wir uns inmitten der auz- steigenden Teuerungsschwelle befanden, und weil die Zwangswirtschaft künstlich Höckstprene ausrechi erhalten batte, zu denen die Versorgung nur auf dem Papier stand. Tie Aufhebung der Fettwirtschaft hat in einer Epoche des Preisabbaues auch die selbstverständliche oolge sinkender Preise gehabt. Bei der zum 1. Ium erfolgten Beseifigung der Milch- und But- terwirtschaft haben wir die folgenden Er- scheinrmgen erlebt: Den Höchstpreis für Milch, mit dem eine überaus lnappe Versorgmm ver- bnndeir war, hat die freie Wirtckast erheblich

GleklrizMunöWaM Das staattiche uub das Kasseler Werk.

Da« gewannt« D-rhLItni» »totfcSen dem fiaad lieben Ele'trizitätSw-rk der «dertattperre und dem ftiidtiswe-r EiektrizitittSwerk in Raffel Dal eineAuäein--nderie«ung zwiseden BemSngcttieui Ad. etittersbaufen und de- Direktion des sta»t.Eieltri,uärswerkeS hervorgernfen, au« de, «vir vie h-iuPtlSchliehen -Punkte tzeransgreijen Ingenieur Ad. Rittershausen machte der staffelet Stadtverwaltung den Vorwun, daß sie in das ftäbt. Wasserwerk und das stadt. Elettrizitätswerk nicht genug ausnütze, wahrend sie die Einnahmen daraus hätte bebeutcab erhöhen können. Diese Ansicht begründet er wie folgt: Das Wasserwerk hatte tm vorigen Jahre einen Verlust von 500000 Mark. Seine Einnahmen bauen sich zum größten Tett auf dem M i e t w e r t der angeschlossenen Woh. nun gen auf. Gehen die Mietwerte herunter, dann 'fallen die Einnahmen und steigt der Ver- lüft In dem Verlust des Wasserwerkes kommt die vielfach anfechtbar s Herabsetzung der Miet, werte durch das hiesige Wohnungsamt so recht empfindlich zum Aus-druck. Man revidiere sofort alle Mietwerte, vor allen Dingen aber alle Ver» Minderungen, die ohne jede Vera-nlaffung, ohne Beschwerde oder gar gegen den Willen der Par­teien verfügt sind. Man mache einen ersten, ober kräftigen Schritt zum Abbau der MretPvangs- wirtschaft, dieser sozialen Mißgeburt, der wrr zum größten Teil die Erdrosselung der freien Bautätigkeit die Arbeitslosigkeit im Baufach mit seinen Rebenbetrieben und die ungeheuerlichen Defizite in den Etats des Reiches und der Ge­meinden zn verdanken haben. Das zweite Werk, welches nickt die sich bfetenben Berdienstmoglich. keilen auswertet, ist das Elektrizitats» werk! Als vor einem halben Jahr die Edder. talfperre durch Wassermangel am Ende ihrer Leistungsfähigkeit war, hätte das Kasseler Wett einspringen müssen und sich das Geschäft als Dampfreserve tm Weserquellgebtet für alle Zu­kunft sichern müssen. Leider versagte die Zen­trale vollkommen, indem gleich zwei chrer Ma­schinen betriebsunbrauchbar wurden .

Tas Edderwerk ist bei der Trockenchw jetzt abermals am Ende seiner Leistungsfähig* k-it Tie Einschrankungsverordnungen flattern wieder in die Kreise mit Strafen bis zu 10000 Mark dem, der feinen Motor nicht M setzt; ein empörendes Etwas zu einer Zett, in ber da» äußerste zum Aufbau des Daterlandes ^leistet werden muß imd eine Dampfreserve besteht, die man zum Schaden der Stadt imd ber Kresse nicht verwenden kann oder garnicht verwenden will. Wohin das geführt hat, will ich nochmals in elfter Stunde den städtischen Körperschaften vor Augen führen. Der Staat will außer fei­nen braunschweigischen Plänen hier tm Revter die Dampfreserve bedeutend erweitern oder bes- . fer gesagt: so gestalten, daß er darüber verfügen kann, wenn sie nötig ist. Es ist dieses eine fest­stehende Tatsache; das wie und das wo wird sich in den allernächsten Tagen ensscheiden. Es sind eine Anzahl Projekte erwogen worden, so z. B. der Bau eines Elektrizitätswerkes in der Große wie das Kasseler etwa auf ber Grenze der Kreise Homberg und Ziegenhatn tn , unmittelbarer Nähe eines Brautckcchlenwerkes. ; Feste Formen hat jetzt das Projett angenom- men, bei welchem mit Hilfe des Staates daS Kaliwerk Wintershall eines seiner Elektrtzttats- werke tm Werratal als Reserve ausbauen will. Ganz zweifellos sind alle diese Projekte . technisch und wirtschaftlich itngünftiger als bet Ausbau des Kasseler Werkes zu einer großzugr- . gen Dampfreserve. Trotzdem wird sich der Staat . zum Bau der Dampfteserve im Werratal ent» . schließen müssen, wenn nicht im letzten Augen» i blick die Stadt in entsprechender Weise eimenkt

llkbergangswirtschast

Abba« der ZwangSmethoden.

Gewiß wäre es verfrüht, zu sagen, daß der (etzt mit Siebenmeilenstiefelu vorwärts schreiten- be Abbau ber Zwangswirtschaft den endgülti­gen Sieg der kapitalistischen Wirtschaftsweise be­deutet: die sozialistischen Strömungen unseres Wirtschaftslebens sind tm Augenblick tn ein ruhigeres Bett gelenkt, aber es ist nickt gesagt, daß sie bei irgend einer Gelegenheit nicht mit elementarer Kraft anschwellen können. Auf je­den Fall aber bedeutet die jetzige Abkehr von der gebundenen Wirtschaft den Sieg der alten Erfahrung, daß Produktion und Konsum­tion ihre wechselseitigen Beziebungen gedeihlich nur durch das freie Spiel zwischen Angebot 'und Nachfrage auftecht erhalten können. Es liegt in keines Menschen Interesse, die unnatür­liche Zwangswirtschaft noch länger aufrecht zu erhalten, wenn die Voraussetzungen, die sie ge­baren, überholt sind. Wir können gewiß heute noch nicht von einer normalen Wirtschaft spre­chen, ober gerade das Anormale und der für das deutsche Wirtschaftsleben beispiellos er­schwerte Kampf drängen dazu, die wirtschaftliche Tatkraft möglichst von allen Fesseln des Büro­kratismus zu befreien. Die Beseitigung der Zwangswirssckaft kann gefährlich sein. Wenn aber ein kranker Mensch ohne operativen Ein­griff sterben muß, burch diesen jedoch die Mög­lichkeit gegeben ist, ihn am Leben zu erhalten, »amt schreitet ber Arzt eben zur Operation.

Der Zwang, das Spiel ber freien Kräfte sich gerade bet den Schwierigkeiten anormaler W'.rt- ^ftIVerhältnisse betätigen zu lassen, ist es, ber ' Kch dem endgültigen Abbau der Autzerchan- dels-Z Wangs Wirtschaft nur noch als eine Frage der Zeit erscheinen läßt. Die Sanktionen gaben den eigentlichen Anstoß zu dem eingelei­teten von den Autzenhandelsstellen jetzt viel­fach unwirksam gemachten Abbau ber Außen­handelskontrolle, bie aber schon vorher tm Zei­chen der Weitmar ktkrise ein Unding ge­worden war. Mag die Konttolle der Ausfuhr berechtigt gewesen sein, um unseren «Ausver­kaufs zu verhindern, so mutzte selbst ihre wett- herzigste Handhabung ein Stein auf dem Weg: unseres Außenhandels werden, als bie Krise der Weltwirtschaft die deusscho Arbeitslosigkeit stei­gerte und als alles darauf ankam, überhaupt die wenigen Ausfuhrmäglich-keiten nach Kräften auSzunutzen. Ein deutsches Unterbieten ist heute bei den sinkenden Weltmarktpreisen kaum noch möglich; bie Gefahr einer Entblößung des In­lands von lebenswichtigen Dingen besteht ange­sichts ber Uebersättigunq des Weltmarktes kaum noche So drängt alles dazu, möglichst schnell Schluß zu machen mit einer Maßnahme, die uns den scharfen Kampf weltwirsschaftlichen Wettbe­werbs erfchweren muß und die es nicht einmal verhindern konnte, daß das Ausland seine gegen die deutsche Ware gerichteten Maßnahmen ver-

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