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Kasseler Abendzeitung

11. IahrgaM.

Fernsprecher 951 und 953

Sonntag, 19. Juni 1921

Nummer 136.

Fernsprecher 951 und 952

Cte ftallHer Sieutütn Bladrto ten trlcSetnrn roottentUtti iedjsmal utw zwar avenvs. Der St-.onnementtorelS Mttcßt moratltd.) 5.50 'Part bei freierufienunj In« fau« «ti«. närtS durch die Post bezogen 5.80 Mark monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen Iverven leBerjiit von der ti>efd;äft»fieUe oder den Boten entgegengenemmen. zruderet, Berkaa und Viw-Nion. Lchlachthofftraße 18,30. ftur unverlangt eingelandte Peikrage kann die RedaMon eine Berantwortung ober Gewahr in teinem stalle übernehmen. Auszahlung de S SejugSgeiteS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnunglmatziger hieierung ausgeschlotsen.

Intert>»n»pretse-. ,> Gtnhetmische Austräger T>e ein,valttge Anzeigen-Zeile M. ».30, die einspaltige Neklamezeile ®L 3.-. b) Auswärtige Austräge^ Die einspaltlge Anze genzeUe M 1 5<i die einspaltige Reklamezetle M. 3.50. alle« einschließlich Teueii>ng«zufchlag und ünxeiaenfleuer. Siir Anzeigen mit besonder« schwierigem «atz hundert Prozent Litfsch.a« tzür dW Liich^NgkeU aller inrch sterniprecher auszegedenen Anzeigen, sowie sar Ausnahme, baten ,md Platze kann eine Gewahr nicht übernommen werden. - DruSereu Schlacht, hosstratze 38,30. Geschäst«itelle: slölnische «trabe o. Telephon Ni.mmer llo- und Ob-

Meier Neueste Nachrichten

1 ~ Hessische Abendzeitung

SelkSbliche Erscheinung im Moment

«eine Antwort auf die deutsche Note.

nabmezustand sei ein notwendiges Nebi

1,

zu dessen Beseitigung gerade diejenigen das meiste beitragen können, die sich so sehr über die Regicrungsmatznahmen entrüsten.

SchN'ierigkciten der ersten zwei Jabre überwun­den hato sei es wobrscheintich, daß im dritten Jschrc die deutsche Industrie in so großem Um-

worden ist, keine erteilen werde. Die --------------------

in Oberschlesien die Durchführung des Versailler Vertrages verlangen und sich in ihrer Absicht nicht beirren lassen, weil diese Angelegenheit eine Sache sämtlicher Alliierten sei.

Sozialdemokratische AlntrLge.

München, 1k. Juni. (Privattelegramm.) Eine Abordnung der sozialdemokratischen Parteien verhandelte mehrere Stunden mit dem Juftiz- mlnistcr, dem sie in Form von dreizehn Anfrage jiber Rechtsfprüche oder Rechtsübergriffe der lei ten Zeit eine Entspannung der politischen Lac durch richterliche Eingriffe gegen Au rcizung zu Awrd und Gewalt nahelegte.

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Die Einwohnerwehr.

Deutschland die Kohkenpreisr für das Inland nur darum erhöht, um vir Zahlungen für die Alitierten steigern zu können.

Der Äwvlfer-kAuSschuv.

O P P e l n, 18. Juni. (Privattelegramm.) Bei den Verhandlungen des Zwölserausschusscs scheint in einer grundlegenden Frage bereits eine grundsätzliche Einigung erzielt worden zu sein. Eine Verschärfung der Situation hat die Gesamtlage noch durch den Streik der ge­samten städtischen Arbeiterschaft erfahren.

München. 18. Juni. (Privattelegramm.l Die Einzelentwaffnung der bayerischen Einwohnerwehr, dir während des General- streiks stillgestandcn hatte, ist nunmehr wieder nMit in ganzem Umfange ausgenommen wordcn. Ab»!'

Bollsparteiler Mittelmann rief:Da hat er recht," entstand bei den Kommunisten andauern­der Lärm. Abgeordneter Bartz (Kommunist) prang auf den Adge ordneten Mittelmann los und schlug auf ihn ein. Es entstand ein wil­der Tumult. Abgeordneter Heim von der baye­rischen Volkspartei und andere versuchten die Kämpfenden auseinander zu bringen. Der Lärm dauerte fast eine Viertelstuitde. Präsident Löbe schloß darauf die Sitzung um 2 Uhr 55 Min. Um 3 Uhr 15 Min. ist der AeltestenauS- schuß zusammengetretea, um den Tatbestand scstzustellcm Uul 530 Uhr wurde die Sitzung wie- der eröffnet. (Siehr Rcichstagsbericht, 2. Serie.)

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Arbeitsiosen-Gpaztergünge.

Die Kohienpreise.

Genf, 18. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Ter TempS" meldet über die Donnerstags-Sitzung her alliierten Sachverständigen, daß die Preis- lestseünng für die deutschen Kohlen auch dann nicht erhöht werde» können, wenn Deutschlmid den Preis für seinen Jnnenbcdarf tim das Doppelte oder Dreifache hinanfsetzt. Dem Sinne des Vertrages widerspreche es, daß

Ausnutzung öerWafferwege.

Eine Ausstellung in München.

Heute wird in München eine Ausstellung sirr Wasserstraßen und Energrewrrt« schäft eröffnet. Wie uns darüber berichtet wird, gliedert sich die Ausstellung in drei Aovu» limgen und Mar: Abteilung für Wasser,ira» ßen Abteilung für Wasserkraft, Abteilung für Wärmewirtschast. Daran reiht sich eine be,on-

lange arbeiten werde, daß sie die gestellten An- forderungen erfüllen könne Wenn Deutschland in der Lage sei, fcin-u Verpflichtungen nachzu­kommen, würde cs dem Handel Englands ernsten Schaden zufügen! Könne aber Deutsch­land seine Verpflichtungen nicht erfüllen, dann bedeute das einen Rückfall in politische und wirt­schaftliche Unordnung und eine Gefahr für das Wiederaufleben des internationalen Handels! Diese Darlegung ist wirklich ergötz­lich Es ist das Bild, wie sich die Alliierten «wischen zwei Stühle sehen Was Deutschland auch leisten mag oder nicht leisten mag, in ledern Falle fürchtet Mac Kenna eine Schädigung bei britischen Handels. Die Alliierten bestehen auf der Bezahlung der phantastischen Summen und zwingen dadurch den deutschen Handels­rivalen, durch gefteigerte Ausfuhr die Engländer vom Weltmärkte zu verdrängen. Trotz dieser Er­kenntnis finden auch die Herren jenseits des Ka­nals nickst den Mut, daS Versailler Machwerk gründlich umWändcrn nnd eine vernünftige Grundlage für den Wiederaufbau Europas zu schaffen. K. F. Dr.

Vrügelei im Reichstag.

Niedergang des deutsche« Parlaments.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 18. Juni.

Im Reichstage tarn es gestern nachmittag zu einem erregten Zwischenfall, bet zur Unter- lrechung der Sitzung führte. Der Abgeordnete Unterleitner begründete die Interpellation wegen der Ermordung GareiS? und verlas dabei eine Aeutzerung eines baherischen Studen­ten,die Kommunisten seien keine Deutschen und würden kalt erledigt". Als darauf der Deutsche-

dere Jndustrieabteiluna.

1. Abteilung für Wasserstraßen: Bedeutung' der Wasserstraßen für die deutsche und insbesondere für die bayerische Volkswirt- Projekt einer Großschifsahrtsstrase Rbein-MainDonau. Ihre technische Ausge»

- Paris, 18. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) DerTemps" erfährt, daß die französische Regie­rung aus die Pt»test-Note, die vom deutschen B-Easter de« Auswärtigen Amt übergeben Öriftliche Antwort tiertcn würden vielmehr

Aufbau-Vrobkme.

Hilflosigkeit der Alliierten.

»Die Zeit arbeitet für uns/ Das war der Leitspruch der Alliierten während des Krieges, wenn sie ihre Völker über ihre militärische Er- solglosiglcit tröffen wollten. Sie bauten dabei auf die alte Erfahrung, daß viele Hunde des Hasen Tod sind, daß also Deutschland schließlich doch zur Strecke gobracht werde, wenn feine wirt- schriftliche Kraft, die von -rußen nicht ergänzt werden konnte, erschöpft fei. Die Entwicklung hat ihnen recht gegeben. Was wird aber nun geschehen, nachdem Deutschland erledigt ist und die Beute verteilt werden soll) Von jetzt ab arbeitet die Zett für uns! Die Sieger wollen, daß ihnen das stift zu Tode gehetzte Opfer die Kosten zu dem Wiederaufbau bezahlen soll. Da nutt die Aufgabe bevorsteht, die ausgeklügelten Versailler und Londoner Theorien in die Tat umzufetzen, so läßt sich erst jetzt ermeffen, ob die cm grünen Tisch geschaffenen PMne vor der Wirklichkeit Stand halten können. Zwei Jahre lang hat man jetzt probiert, nnd es stellt sich immer mehr heraus, daß noch nie so stümper­hafte Arbeit geleistet worden ist, wie in den Beratungen des Alliiertenrats. Die unersättliche (Stet der Ententevölkcr, verbunden mit der Angst vor einer späteren rächenden Abrechnung, hat sic zu den sinnlosen Forderungen getrie- ven, die ihnen heute schon Bedenken er»

In einer Dcrsammluug sprach der Abgeord- nete Dr. von Knillig von der bayrischen BolkS- partei über die politische Lage. Er dankte bet «Regierung für ihr mannhaftes Ver halten in der «Linwohnerwehrfrage und erklärte weiter, die füngften Ereignisse hätten deutlich bewiesen, daß Kräfte am Werke sind, die diese Gelegenheit benutzen, um den Stur ml auf gegen die bestehende Ordnung aufzuneh­men. Jeder vernünftige Mensch werde den Mord an Gareis verurteilen. Aber es sei un­verantwortlich, ein solches Verbrechen eine« Einzelnen zur Vergewaltigung der Allgemeinheit und zum Sturz der Regierung ausbeutex zu wollen. Von einemweißen Schrecken" in Bayern könne nur derjenige reden, dem bet Ordnungsstaat etwas schrecklises ist. Ter Aus-

Bayerns Politik.

KeinWeitzer Schreckens sondern Ordnung, lPrivat-Tclegramm.f

München, 18. Juni.

Der Landaufenthalt.

Erholung durch leichte Landarbeit.

Für bte Urlaubes*« ist e« mitunter, besonder« bei den heutigen teuren Preisen, schwer, de» richtigen vufeuthait zu finden, »enjeniaen, die ihren Urlaub aut dem Laude »erlebenwollen, i« es ratsam, fi«h dem Landleben möglichst ans». Vagen. Da» wird »n Stuy und Frommen tur beide «eite, für den Stadter wie für den Bauern sein

Wenn man in der Großstadt sitzt und im Staub und Dunst der Straßen schmachtet, hat man daS natürliche Verlangen, seine Lungen einmal gründlich auszulüften und seine N e r - ven, diese Geduilbs- und Marterstrickc des menschlichen Wesens, zu entspannen, sich ihrer zu entfesseln, sie wie ein Pferdegeschirr gewisser­maßen an Ven Nagel zu hängen., Um bteie Be­freiung zu ermöglichen und sich für die notwen­dige Erholung empfänglich zu machen, muß man schon einige von seinen häuslichen Bequcmlrch- keiten entwert können. Aber wer entbehrt denn gerne, was zu seinen Gewohnheiten gehör«« Die dienlichste und billigste Erholung ist daS Le- ben auf dem Lande, wo es weder moderne Hotels, noch Kinos und Konzerte gibt, sonder» weiter nichts als

Wälder, Wiesen, Seen, Berge

Berlin. 18. Juni. (Privattelegramm.)Der Berliner Arbeitslosen rat Hot geftern abend besckstoffen, sich der kommunistischen ihei^- tagSfraklion für Aktionen aus Anlaß der .^Belei­digung des deutschen Proletariats" durch tot Reichstagsabgeordneten Mittelmann »ur Verfü­gung zu stellen Für heute, Sonnabend, sind all­gemeine Spaziergänge der Arbeitslosen nach dem Reichstagsgebäude vom Erwerbslosenrat ange­kündigt. Gestern abend hielten sämtliche Frak­tionen des Reichstages Sitzungen ab. nm bte Lage unb die gestrigen Vorgänge zu besprechen. Der Abgeolbnete Mittelmann lehnte eine von den Kommunisten geforderte Erklärung ab.

Die Vertragsleistungen.

Beratungen in Pari« nnd Berlin.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 18. Juni.

Die Exchange-Agentur meldet: Die erste vor­bereitende Sitzung der Sachverständigen der Al­liierten am Donnerstag hat sich im allgemei­nen auf die Londoner Vorschläge der Alliierten geeinigt. Auch in bet Frage bet deutschen Schuldverschreibungen mürbe an dem Londoner Abkommen feftgeha!- ten. wonach bie deutschen Schulverschreibungen auf den öffentlichen Markt zu bringen sind. Die am Mittwoch in Berlin ^ngetroffene Ga- rant'.ekommission hat Bespr^ »gen mit brat Staatssekretär Bergmann und Schröder gehabt Im Laufe des zweiwöck-igen Aufenchalts wer­den auch Besprechungen im Auswärtigen Amt und mit ben Vertretern des Reichöfinanzmini- steriums stattfinden.

regen.

Der auffallende Umstand, daß wir zunächst mit Frankreich nicht weiteÄommen, während eS über seine zerstörten Gebiete jammen unD "wch untere cn gebotene Hilfe zum Wiederaufbau 'ablehnt/ zeigt bereits deutlich den Zwiespalt der französischen Wünsche. Uebergibt Frankreich den Aufbau in deutsche Hände, dann fürchten die französischen Arbeiter nnd Unter­nehmer die deutsche Konkurrenz. Entzieht es Deutschland die Möglichkeit ber Arbeiten und Lieferungen, dann bleibt das Gebiet brach liegen und die französischen Arbeiter und die Industrie bleiben weiterhin für diesen Teil unbeschäftigt. In jedem Falle wittern die Franzosen einen Nachteil, aber den Mut zu nutzbringender Gemeinschaftsarbeit bringen sie nutzt auf. Ob daran die Besprechungen Rathenaus mit Loucheur etwas ändern werden? Aus dem Bericht deS Ministers Rathenan im Reichswirt- schaftsrat erfahren wir endlich von deutscher amt­licher Seite einige Einzelheiten. Er ist der Mei- nung, daß Loucheur guten Willens ist. eine Zu­sammenarbeit zwischen Frankreich und Deutsch­land herbeizuführen. Aber leider hat sich Ra- thenau auch die französische Auffas­sung zu eigen gemocht daß in erster Lime die Schwierigkeiten Frankreichs berück- sichtigi werden müßten.

Unsere eigenen Schwierigkeiten in Deutschland scheint Herr Rachen au völlig verges­sen zu haben. Für ihn sind folgende Fragen maßgebend: Erstens, wie ist es möglich, die »Re­paration^ die in drei oder vier Jahren beenbet sein soll, so zu verkeilen, daß diese gewaltige Masse nicht die I ahres aufnahmefäh lg- leit Frankreichs erheblich übersteigt. Zwei­tens, wie kann der Index von sechsundzwanzig Prozent durch eine andere Vereinbarung ersetzt werden. Dieser J.idex entwertet die Fonds, die tm französischen Besitz sind.und entwertet außerdem den französischen ßrerit. Drtt- tens dürfen wir künftighin nicht dazu beitra­gen, durch unsere Deviseiwerkäufe den internatio­nalen Geldmarkt zu zerrütten, und viertens müß­ten wir bei unseren Sachleistungen die Preise so festsetzen, daß die französische Industrie mtz nicht beschweren kann, daß Deutschlands Leistun­gen erheblich teurer sind als sie in Frankreich sein dürfen. Es zeugt sicher von großer Wetther- itgfeit. daß Herr Rathenau den französischen Waschen so viel Verständnis und Warme ent- gegenbringt, aber leider hat er mit seinen Ver­suchen. auch die deutschen Schwierigkeiten aufzuzählen, kein Glück gehabt, denn Herr Lou­cheur ist gar nicht darauf cingcgangcn. Diese Haltung wird auch bestätigt, wenn wir jetzt in den Telegrammen lesen, daß Loucheur in den Pariser Parlamenten erklärt hat, er werde nicht im geringsten vom Versailler Vertrag abweichcn.

Wie in Frankreich, so werden auch inEng - land Bedenken laut. Der frühere britische Schatzsekretär und jetzige Finanzmann Mac Kenua erklärte vor einer Verfanmttung von britischen Frnanzlcutcn, wenn Deutschland zur Zahlung und Sachleistung in so ungeheurem Matze gezwungen werde, müsse es eine gefähr­liche Konkurrenz für England werden. Deutschland könne die Mittel zur Bezahlung nur durch den Berkans von Maren an das Ausland beschaffen. Der deutsche Außenhandel könne nicht bis zum Siedevuukt gefteigert toerben, ohne daß die Löhne in Deutschland niedrig geholten wür­ben hn Vergleich zu den Löhnen in den wett bLverbcnden Ländern. Wenn Deutschland die

und Verträumte, stille Täler, bie von der Kultur der Großstadt bis auf weiteres noch unbeleckt geblieben sind. Aber nein! denken Manche, acht Tage lang ein solches Leben! Das müßte zur Verzweiflung führen. Tagtäglich Felder, Wie­sen, Wälder, stets dieselben Menschen, stets bte gleiche Landmannskost und in ber Unterhaltung immer dieses eine Thema: Felber, Wiesen, Wäl­der! We rn man auf Urlaub reist, bann nnnmt der Städter gern seine Koffer mit, bie besten Kleider, daß er sich auch zeigen kann. Er sorgt dafür, baß es an nichts gebricht. Er packt vor allem eine Bibliothek von allerhand Romanen ein, damit er in der Langenweile dieser trostlos ländlichen Gefilde nicht verkümmert urtb um Himmelswillen be t Kontakt mit unserer feine« ten Stabtknltur nicht allzu schnell verliert. Er schläft sich in den Bauernbetten gründlich aus und spielt im übrigen den Sonntagsgast, ben besseren Menschen, der sich von ton Landvolk mit Gebühr bewundern läßt. Das sind so die Metboden vieler Sommerfrischler, unb es Ware nichts dabei, wenn dieser Stadtstolz von der Lanbbevölkerung eben nur als dummer Stolz, nicht als Hochmut empfunden wüdde. Mancher Stadtmensch dünkt sich hochgelehrt, obwohl er es nur selten ist. Er protzt mit seinen vielseitigen Erlebnissen unb renommiert mit einem unge­heuren. oft so flachen Wissen, daß der Landmann lieber schweigt, weil seine kleine Welt mit sol­cherlei Kultur nicht konkurrieren kann. Und tote ist diese kleine Welt doch so unendlich reich und schön und frei von allem, was wir Städter als besondere Werke und Errungenschaften stolz be­tonen' Wie anders wäre es, wenn wir den Stadtfrack von uns legten und anfs Land hinaus

zu Menschen unter Menschen

gingen 1 Niemand ist ja stolzer auf den eigenen Besitz an Grand unb Buden, auf die Fruchte fer­ner Felber, seiner Gärten, als ber Landmann. Mr die -Dorfbewohner näher kennt, und wer das Leden auf dem Lande mitgelebt hat, wird es wissen, daß nichts leichter ist, als mit dem Landvolk engere, freundliche Beziehun­gen zu knüpfen. Rur verstchen^w ollen muß man bleie Dftnschen, die dem <etabtgetriebe oft ganz fremd sind und ihr eigenes Leben führen, die der Natur viel näherstehen, als wir es mit unserer .hohen Bildung" oftmals ahnen. Ware das Verhältnis zwischen Stabt und Land em innigeres, dann würden Tausende von Menschen, die nach Erholung schmachten, leicht ein gutes Unterkommen finden. Denn kein Dörfchen ist so stein, daß nicht ein paar Familien dort auf drei, vier Wochen aufgenommen werden könnten. Und wer sich gar bequemt, für biefe Zeit gemeinsam mit dem Wirt noch Landarbeit zu tun, bte beste Heilung für reparaiionsbedürftige Nerven, ber käme billig und ohne Umstände zu einer gelun­gen Sommerfrische. Unb ber Ausgleick Zwi­schen Stadl u'.iv 2'anb würde automatisch da­mit ungebahnt Der Versuch ist mit Erfolg schon oftmals unternommen worben. Es kommt eben immer auf die Menschen an. =ck-

Aus Oberschlesien.

Rückzug M deutschen Selbstschutzes.

(Eigene Drahttneldung.)

' Oppeln, 18. Juni.

Wie eine umfassende Besichtigungsfahrt an der Front des deutschen Selbstschutzes ergeben hat, besteht eine einheitliche Front nicht mehr. Seit längerer Zeit herrscht auf feiten des deutschen Selbstschutzes Waffenruhe. In den letzten Togen sind nur an verschiedenen Stel­len vereinzelte Plänkeleien vorgekommen. wenn die Polen neuerdings angriffen und der Selbst­schutz sich auf neue Verteidigung einlassen mußte. In den gesamten Stellungen Haden sich zwischen den Stellungen deS deutschen Selbstschutzes und denen der polnisckM Insurgenten überall alliierte Truppen eingeschoben und eine neutrale Zone geschaffen. DieMorningpost" meldet aus Oppeln: Die Lage hat in den letzten vier­undzwanzig Stunden eine unleugbare Verbesse­rung erfahren. Das Einlcnken des deutschen Selbstschutzes hat dem General Henniker den Weg in das Industriegebiet sreigemacht.