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Nummer 133

Donnerstag, 16. Juni 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Um hie öeulsch-sranzösischen Besprechungen

ihn weder jetzt, noch später in Betracht, ötterungen über die Form der deutschen stungcn aber seien sehr wohl möglich.

Rathenau und Loucheur

Wettere Besprechung io Pari«.

(Eigener Drahtbericht.)

die Regierung bilden können. Die Initiative zu einer eventuellen Regierungsbildung müsse von dritter Seite erfolgen. Bon Neuwahlen im Reich und in Verbindung daulit von preußi­schen Neuwahlen halte er nichts, da fie an der politischen Gcsamtsttuation nichts ändern könnten.

3nfertton«pretfe-, a) Einheimisch« Aulträg«: Die rtnspalttge Anzetgm-Jrtle M. L20, bte «tnfpoltige Reklame,eil« M. , b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltig« Ameigenzeil« M. 1.60, M» rtnspalttge Reklame,eile M. &6O, alle« einschließlich Teuerungszuschlag unb Anzeigenlleuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für bte Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme, boten und Plätze kann «ine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hoffiratz« 28/30. Geschäftsstelle: Kölnisch« Straß« 5. Telephon Nummer 051 und 952,

Besprechung Im Reichskabinen.

Berlin, 15. Juni. (Privattelearamm.) Wie wir erfahren, ist Reichsminister Dr. Rathenau gestern wieder in Berlin ein getroffen. Am Reichstagsgebäudc trat am Nachmittag das ReichSkabinett zu einer Sitzung zusammen, an der fich der Wiederanfbaumintstcr beteiligte und Bericht erstattete. Man unterhiett sich über die Wiesbadener Besprechungen mit Loucheur.

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Er-

Lei-

Paris, IS. Juni.

Der OVersteRat wird auf Ersuchen Lou- cheurs wahrscheinlich Rathenau einladen, seine Pläne persönlich oder durch seinen Ver­treter in der nächsten Sitzung des Obersten Rates zu erörtern. Loucheur habe van den Plänen Rathenaus einen so guten Eindruck erhalten, daß er Wett darauf legt, fie durch Rathenau persön­lich dem Obersten Rat unterbreiten M lasse«, da­mit fie geprüft werden können. Weiter wird berichtet: Die bevorstehenden neuen Pariser Be­sprechungen zwischen den Deutsche» und Fran­zosen find lediglich die Fortsetzung der früheren Sachverständigen - Besprechungen. Sie werden nach der Haltung der Pariser Presse auch dies» mal die üüertttebenen deutschen Hasfnu». gen enttäuschen, wenn nicht DeutftHland alles annimmt, was Frankreich verlangt. Die Forderungen Frankreichs liegen seit Monaten unverändert fr ft. Loucheur sesiby versicherte dem Matin" - Vertreter, eine Abschwächung der Deutschland aufcrlegten Leistungen komme für

Oberschlesiens Schicksal.

Wird die Seitens erfolgen?

(Eigene Dttchrmeldnng.)

Oppeln. 15. Funk.

Hier ist die LeSatt verbreitet, zwischen den Kabinette« von London und Paris sei eine Uebereinkunft über die oderschleflsche Frage er­zielt, die bereits dokumentattsch feststgelegt sei, tmb in der England den französischen TeilungSPlan für Oberschlcsieu anerken­ne. In Kreisen, die der interÄliietten Kommis­sion nahestehen, wird verfichett, daß das Schick­sal Oberschlesiens endgültig entschieden wäre und daß schon in den nächste« Tage« diese Tat­sache bekannt gegeben würde Eine weitere Maßnahme Önnte diese Behauptung bestärken. Die interalliierte Kommission hat nämlich eine Verordn»«» erlassen, wonach neue Beamte in die AbfiinwmngSpolizei nicht mehr eingestellt werden dürfen. Ursprünglich war von der En­tente festgrlcgt worden, daß dieApo" dreita»- send Mann «mfaffe« soll. Bisher ist diese Po. lizei aber kaum auf zweUausend Mann gebracht worden. Die jetzige Berfügimg über die Ein­stellung von Anwerbungen ist ohne Angabe von irgendwelchen Gründen erfolgt.

einen, noch den anderen Plan mehr, wozu ja auch insofern kein Grund vorliege, da die Pläne noch nicht ganz auAgaarbektet seien. Bankier Pfetfser sprach für die Handelskammer, die ich jeder StelLungnahme enthält, da die Ange, legenhctt noch nicht spruchreif sei. Er sei der Meinung, daß Kassel sich noch nicht fiir einen Plan entscheiden dürfe und bestrebt sein müffe, jedes Projett zu fördern, da sie der Aus­schließung der Gebiete dienten. Dr. Gün- t h e r ist der Ansicht, daß man sich schon aus dem Grunde nicht entscheiden dürfe, da die Unterlagen noch nicht ausreichend genug bearbeitet worden seien. Er verweist aus die Balkanländer und meint, daß der Weg nach dem Osten (über die Don aus uns wichtiger erscheinen müsse, als der zum Norden. Bürgermeister Gleim (Melfun- gen) schließt sich den Ausführungen Dr. Günthers an und betont die Wichtigkeit, bald Somit an- zusangen. Stadttat Weber findet, daß es in erster Linie einmal wichtig sei, wirtschaft­liche Unterlageck zu haben. Im übrigen trete der Magistrat der Ansicht der HandeMam- mer bei. Der Vorsitzende der Handwerkskam­mer, Sradtpervrdneter Zimmermann, er« klärt sich mir der Arbeitsgemeinschaft einverstan­den, desgleichen Landesbaurat Becker. Ober­bürgermeister Scheidemann begrüßt es, daß man in sine Arbeitsgemein schaft einwillige. Es wird beschlossen:.

1. Antrag an da? Reich:

a) Vorarbeiten für die Kinzig-Linie ohne generelle Vorarbeiten,

b) diese Vorarbeiten dem Dorarbeirenami in Eisenach zu übenragen;

2. Bildung einer Arbeitsgemeinschaft;

3. Sammlung von Geldern

Oberbürgenneister Scheidemann hebt in einem Schlußwort hervor, daß auch er als Reichstagsabseordneter versuchen «erbe, feinen

Zeichens Aufgaben.

Die Richtlinien des Ministerpräsidenten. (Telegraphischer Bericht.)

Berlin, 15. Juni.

Welche Aufgaben dem preußischen Staate für die nächste Zukunft bevorstehen, erttärte Miui- fterpräsivent Stegerwald dem Ehefredatteur derGermania" in einer Unterredung. Danach find in Aussicht genommen: 1. die nachdrückliche Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft durch Verbesserung der Bodenverhältnisse, Vermehrung der Anbau­flächen, Schaffung geeigneter Siedlungen und allgemeine Hebung der Arbeitslust und Arbeits- frenbe; 2. die Balauzierung des Staatshaus­halts durch eine ertragreiche Grundsteuer »nd 3. die Durchführung der VerwaltungS. re form. Keine dieser drei Aufgaben lasse sich, wie Stegerwald erklätte, gegen den geschloffenen Widerstund der beiden Rechtspatteien durchfüh. ren. Die jetzige preutzisll>e Regierung habe in Würdigung der politische« Realitütt« eine stär­kere Stellung als eine Regierung aus dem Boden der alten Koalition haben würde. Für eine Umbildung der Regierung könne er nicht die Initiative ergreifen, da er seinerzeit gegen die Sozialdemokratie zu>n Ministerpräsi­denten gewählt worven sei und daher jetzt als anständiger Mensch und Politiker nicht ohne neue« Wahlakt mit der Sozialdemokratie werde

Mißgunst in England.

London, 15. Juni. (Eigene Drahttneldung.) In englischen polittschen und industriellen Stei­fen scheint eine Verstimmung über die Wiesbade­ner Besprechungen entstanden zu sein. Es wird darauf hingewiesen, daß Loucheur im vergange­nen Jahre, als er noch außerhalb der Regierung stand, Herrn Hugo Sttnnes mehrere Besuche ab- stattete. Die Engländer argwöhne«, daß es fich ins Wiesbaden tatsächlich um das Projekt eines französisch-deutsche« Zu- sammenwirkens in der Metallindustrie handett. Loucheur habe einen derartigen Plan, der für die englische Metallindustrie als sehr ge­fährlich angesehen werden müsse, schon auf der letzten Londoner Ännfetetta angeregt.

Großschlffahttswege.

Bildung einer Arbeitsgemeinschaft.

(Bericht unseres Mitarbeiters.)

Kassel, 15. Juni.

Gestern nachmittag fanden fich interessierte Kreise im Saal der MurhardbMiothet ein, wo der Geschäftsführer des See-Main-Kaual- bauvereins, Dr. Wehmar aus Fulda, über die Ziele des See-Kanal-Bauvereins und das Kanalprojett Fulda-Kinzia-Sinn referierte, Einleitend begrüßte Oberbürgermei­ster Sch ei bemann die Versammelten und betonte, daß die Stadt Kassel sich mit ganz be­sonderem Eifer den PWneu widmen werde. Dr. Wehmar betonte dann in seinem Vor­trage, daß durch den Ausgmg des Krieges die Inangriffnahme der Pläne in recht hervorragen­dem Maße beschleunigt wvrden wäre. Die deutsche Hauptwasserstraße, der Rh ein, sei uns voWommen genommen, denn wenn er auch zum weitaus größten Teil noch deutsch sei, so hätte die Entente ihre Hand darauf gelegt und den deutschen Einfluß beseitigt. Nicht viel anders ging es mit der Elbe und der Oder. So bliebe uns Deutschen nur noch die Weser als ein­ziger Fluß, den die Entente nicht erlangen Wnnte. Und so sei es ganz erklärlich, wenn mau daran denke, diese Wasserstraße so auszubauen, daß sie zu einem Großfchiffahrtswege werde, der auch

eine Bindung mit SAddentsthkand schaffe. Wie bekannt, habe man drei Projekt« entworfen, und Mar den Werra-ELze-Ka- nal, den Fulda-Lahn-Kanal und den Fulda-Kinzig-Sinn -Kanal. Selbstredend könne nur eines der drei Projekte zur Ausfüh­rung gelangen. Der geplante Fulixr-Kinztg- Smn-Kanal sei derjenige, der die beiden erstere« ersetzen könne, wodurch man Viel Geld, Zeit und Arbeitskraft zu sparen imstande fei. Das müsse onf jeden Fall berücksichtigt werden. Auch gelte es hier, einzelne Vokalinteressen hintan zu stellen und nicht, Vie Allgemeinheit schädigend, geltend zu machen. Hier müsse man klar sehen und wis- sen, daß es sich um eine großartige Sache handle, von der sehr viel abbänge. Dann ging Dr. Wey- mar aus die geschichtliche EntwicÜun« der ein­zelnen Projekte ein, besprach die Vorteile, die tatsächlich ganz außerordentlich erscheinen. Der Redner machte vergleichend daraus aufmerksam, daß der Fulda-Kinzig-Sinn-Kanal wohl das Projett sei. Frankreich, das aus dem Gebiete des Wasserstraßenbaues gute Erfahrung habe, habe sich auch bereits mit dem deutschen Plane befaßt imd die vom Redner angedeutete Wasserstraßsn- linie als richtig bezeichnet. In einem Artikel auS dem französischen Handelskammerbericht ist zu ersehen, mit welchem Interesse Frankreich jede wirtschaftspolitische Regung Deutschlands be. obachtet. Danach sprach Geheimrat Höps- n e - Kassel für die Stadt. Er Hält es für richtig,

allen drei Plänen

interessiert entgegenzusehen, denn Kassel sei in der bcneidendSwertenl Lage, Votteile von je­dem der Projette zu erwatten. Die Stadt ver­halte sich unpatteiisch und befürwvtte weder den

Keine Erleichterung?

FrauzSfische Stimme» gegen Deutschland.

(Eigene Drahimeldung.)

Paris, 15. Juni.

Die Pariser Zeitungen bringen Einzelheiten über die Unterredung LoucheurS mit dem beut» scheu Minister Rathenau, die bedeutend von dem abweichen, was in Deutschland darüber gemel­det worden ist. So schreibt der ministettelle »Massn*, daß Loucheur den deutschen Vor- schlägen, soweit fie Abweichungen von den bisherigen Verpflichtungen Deutschlands brin­gen sollten, nicht habe zu stimm eg können. DerTempS* meldet: Die Besprechungen in Wiesbaden haben zu irgend einem Ergeb­nis nicht geführt. Es komme« keine gleich­viel wie gearteten Erleichterungen für Deutschland in Frage. »Havas* sagt in seinem Bericht: Die Besprechungen haben auf Wunsch des deutschen Ministers Rathenau flattgefunden. Neber die Ausführung der Wiedergutmachung konnten neue Richtlinien nicht ausgestellt werden.

Versailler Vertrag in wittschafüicher Hinsicht er­geben. Insbesondere handelte es sich um die Wiedererlangung des rollenden wie des industriellen Materials, der Möbel, des Viehs und dergleichen. Die beteiligten Persönlichkeiten versichern, daß die gegenseitige Aussprache sehr wohl dazu beigettagen hat, die deussch-franzö- stsche Zusammenarbeit in andere Bahnen zu lenken, als das bisher der Fall war. Wir wol­len wünschen, daß der Optimismus jener Per- sönlichleiten berechtigt ist. Ob wirklich eine An­näherung auf einer verünfttgen Grundlage er­folgen kann, wird sich schon sehr bald im toirt» sch östlichen Leben bemerkbar machen. «so»

Die antterten Truppen.

Oppeln. 15. Juni (Privattelegramm.) Die Haltung der alliierten Truppen ist unltar. Wäh. reich hier mitgeteilt wird, daß die Ententekom- miston angeordnet habe, daß der englische Vor­marsch eingestellt werden solle, bettchtet die LondonerMorningpost" folgendes: Die titr­ierte Kommission hat die Ergreifung von Zwangsmaßnahmen gegen die die Räu­mung verweigernden Polen genehmigt, sie hat sich aber ein jederzeitiges Einspruchsrecht gegen die Maßnahmen des englischen Kommandanten Henniker Vorbehalten. General Henniler hat feine gesamten Streitkräfte für Donnerstag in Marschbereitschaft gesetzt. Ter deutsche Selbstschutz ist von der KouRnission nochmals aufgeforbert worden, die ihm vorgeschriebeuen Gebiete b,s Mittwoch abend zu räumen.

Der Wiederaufbau.

Die Minister-AuSsprache.

Aus unverständlichen Gründen hatte die Presseabteilung der Reichsregierung versucht, die Zusammenkunft des Ministers Rathenau mit dem französischen Minister Loucheur, die in Wies- baden stattfand, geheimzuhalten. Die Oeffentlich- feit erfuhr das Ereignis aber doch; und warum auch mckr. Es war durchaus nichts Geheimes an der Besprechung. Bedauerlich ist aber, daß wir in Deusschland wieder einmal erst durch bte ausländische Presse über das, was besprochen wurde, unterttchtet werden, anstatt, wie man es hätte erwatten dürfen, durch einen amtlichen deutschen Bericht. Die aus dem .Petit Parisierss entnommene Darstellung stammt von dem sran- zössschen Politiker Philippe Miller. Wenn wir auch allen berechtigten Grund haben, die Einzel­heiten dieser Schilderung hinsichtlich ihrer Zu- verlÄsfigkeit anzuzweiftln, wenn wir vor allem sehr wohl der Auffassung sind, daß manche der von Milltt als Uufsasslmgen Rathenaus mttge- teilten Darlegungen nicht genau den Tatsachen entsprechen, so halten wir doch die Schilderung für recht beachtlich. Soweit das Wesentliche der gegenseitigen Besprechungen in Betracht kommt, dürften die Angaben ziemlich stimmen. Mlllet teilt mit, daß vor der eigenttichen Aus­sprache über das Wiedergutmuhungsprohlem Minister Rathenau andere politische Fragen, so vor allem das Schicksal Oberschlesiens, er­örtern wollte, unter dem Hinweis darauf, daß diese Dinge einen ausgeprägten wirtschaftlichen Charakter tragen. Loucheur habe aber derlei Er­örterungen abgelehnt.

Den Hauptteil der Erörterung bildete die »Wiedergutmachungsfrage*. Wir fob- Sen nun dem Bericht Millets, der darüber iin nnzelnen folgendes auSführt: Rathenaus Be- ttcht begann mit einer bemerkenswerten Schilde­rung der wirtschaftlichen Lage Europas. Der Eindruck den man daraus gewann, war der, daß der neue deutsche Wiederaußbauminister mit dem Wirtschaftsleben vertrauter ist, als mit dem Pro- kflem des Wiederaufbaus der zerstörten Gebiete. Rathenau verhehlte seine Abneigung gegen den Inder der sechsundzwanzigprozentigen Ausftlhr- abgabe nicht, er meinte, daß diese Methode der Abage zu schwer auf dem zukünftigen Bud­get Deutschlands lasten würde. Obwohl er seine Ideen Über diesen Pnntt noch nicht fest­gelegt zu haben scheint, verbarg er nicht, daß er dem Londoner System ein Stzstem borgezogcn hätte, das den Pariser Abmachungen gleicht, wo dos Verhältnis der festen Jahresleistungen je- ßoch erheblich höher wäre. Er scheint auch zu meinen, daß das System der Londoner Öbli- gatiwien durch ein neues Kreditmittel ersetzt wer- en könnte, vielleicht durch Wertpapiere, die Deutschland sich bemühen wurde, selbst auf dem Markte unterzubringen. Es scheint nicht, als ob Rartzenau es als möglich bezeichnete, die Pro- ; jette, an die er denkt, vor Ablauf einiger Zeit genau zu präzisieren. :

Gegenüber dieser Hoffnung Rathenaus, die Zahlungsweise mehr in eigene Hand »u bekom­men, gab Loucheur ihm zu verstehen, daß Deutsch­land sich auf keinen Fall der trügerischen Hoff­nung hingeben sollte, für feine eventuellen An­leihen eine Garantie der Alliierten zu erhalten. Rathenau bestand auf der Rolle, die die Wie- dcrguttnachungen in Naturalleistung spie­len sollen. Er bewies, daß bei dem gegenwür- tiaen Wechselkurse es für Deusschland eine Ert- stenzfrage sei, daß es sich seiner Schuld in Liefe­rungen von Material oder Arbeitskräften ent­ledigen könne. Hier machte Loucheur aber einige Bemerkungen. Es sei nichts gerechter, tis daß die Wiedergutmachungen in Natt-ra eine große Rolle spielen sollten. Man beschuldig« Frank- re i ch zu Unrecht, sich diesen Lieferungen durch eine mißverstandene Sorge um seine eigenen Interessen zu widersetzen, aber die bisheri­gen Wiedergrittnachunssangebote in Natura tra­gen den verwickelten Bedingungen nicht Rech­nung, unter denen sich das Problem in der Praxis darstellt. Er zeigte Rathenau die Schwierigkeiten, die man esst beheben müsse. So zum Beispiel betonte Loucheur ein­gehend die Notwendigkeit, die Zahlungen für die deutschen- Lieferungen zu organisieren und sie für mehrere Jahre abznstusen. Dabei wurde auch die etwaige Bildung von Einkanssgesell- schaften gestreift, die als Vermittler dienen könnten. Bei dieser Gelegenheit betonte Lou­cheur, daß Frankreich eine Herabsetzung der Preise für die Holzhäuser verlange.

Der Eindruck der Besprechung war jedenfalls nicht ungünstig, obwohl man zu keinem greif­baren Ergebnis gelangt ist. Es war eine Art Vorrede zu den Haupwerhandlungen, die demnächst in Paris stattjinden sollen. In der Begleitung Rathenaus befand sich der deussche Staatssekretär Müller vom Wtederaufbarnnim- fterium. Die Mitarbeiter der Minister auf der deutschen tote auf der französischen Sette hob.« sich im Laufe des Montags über eine Reibe von Einzelftageu ausgesprochen. die sich aus dem

Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Beiderseitige Ablehnung.

BreSlau, 15. Juni. (Privatetlegramm.) General Le Rond forderte die Räumung des Annabergs, einer für den deutschen Selbst­schutz bedeutsamen militärischen Stellung. Rach genauer Prüfung kam der Zwölferausschvtz der deutschen Parteien in Obesschlefien zu dem Beschluß, daß für die Säuberungsattion die Räu­mung des Annabergs nicht notwendig ist. Aus diesem Grunde glaubt der Zwölferausschuß «nd der Führer des deutschen Selbstschutzes, diese Forderung ablehneu zu müssen. Aus Op­peln wird gemeldet: Die polnischen Jnsur- geitten haben die Räumungsvosschläge der Inter­alliierten Kommisfion abgelehnt. Hm Mitt- woch sollen neue SiSumungöbosschlSge von der Interalliierten Kommission veröffentlicht wer- dcrr, bei deren abermaliger Ablehnung dis Zwangsdurchführung gegen Ptien und Deusschland in Kraft treten wird.