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Meler Neueste Nachrichten

_______________Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 132.

Fernsprecher 951 und 952 MiLttvSkh, 15. ZUNi 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang.

Lim Frankreichs Wiederaufbau.

Die neuen Steuern.

Pläne der Reichsregierung.

In Weiterausführung der schon vom Reichs­kanzler zu verschiedenen Malen angedeuteten Steuer- und Wirtschaftspläne des Reiches, die zur Durchführung des Ultimatums notwendig sind, gab Reichs - Wtrrschastsminister Robert Schmidt in der gemeinsamen Sitzung des wiri- schasts-politischen. finanzpolitischen und sozial- politischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrars neue Aufklärungen für die künftige Mrtschafts- gestaltung. Bei der schweren Materie ist es ver­ständlich, daß ein völlig fertiges Programm der Regierung noch nicht vorliegen kann und das; wir erst verschiedene Einzelheiten der künftigen Wirtschaftsgestaltung und Steuerpläne erfahren. Rach dem Ltand unserer Valuta muffen wir in den nächsten Jahren für die Wiedergutmachung fünfzig bis sechzig Milliarden Papiermark jähr­lich aufbringen. Diese müssen sich in der Haupt­sache in der deutschen Arbeit und der mit ihr zusammenhängenden Ausfuhr ergeben. Da vertritt die Regierung die Meinung, daß b*e nutzbringende Ausfuhr erleichtert wer­den, dagegen die Einfuhr und besonders bei Luxusartikeln möglichst beschränkt werden mutz, welch letztere Forderung wir ja wiederholt schon vertreten haben. Da auf die Dauer die Ausfuhr nicht als brauchbare S t a t i st i k für die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes gelten kann, so wird man nach einem besseren Inder suchen muffen, und man denkt hierbei nach der Ansicht des Reichswirtschaftsministeriums und damit leitender Regierungskreise etwa an unsere Erzeugung an Kohle, Erz und Eisen oder die Verkehrsleistungen von Eisenbahnen und Schiff­fahrt oder womöglich an den Ernteertrag. Hier Wird cs Aufgabe deS Reichswirtschaftsrats sein, den besten Inder ausfindig zu machen, und dem deutschen Potte seine Leistungen nach Möglichkeit zu erleichtern und für ihre weniger fühlbare Ab­tragung zu sorgen.

Daß eine Reihe von Steuern erhöht werden müssen und besonders bei den Kohlen der Unterschied zwischen Inland- und Welt­marktspreis fortlaufend verringert werden mutz, hält der Reichswirtschaftsminister für eine Not­wendigkeit. Auch die künstliche Niedrighaltung der Preise gewisser -lebensnotwendiger Produkte, die bisher durch Reichszuschüsse, also auf Kosten deö Eiäts und einer erhöhten Schuldenlast des Deutschen Reick/es stattgefun­den hat, wünscht der Reichswirtschaftsminister nunmehr nach und nach aufzugeben und das Steigen dieser Preise durch eine Erhöhung der Löhne und Gehälter auszugleichen. Das ist aller­dings ein immerhin nicht ungefährliches Ex­periment. was uns wie eine Schraube ohne Ende anmutet und was dem so not­wendigen Preisabbau direkt entgegensteht. Und man sollte sich überlegen, ob es nicht andere Wege gibt, dem Auslande zu angemessenen, dem Weltmarkt entsprechenden Preisen die deutschen Waren anzubieten, ohne im Inlands die Preise dem Weltmarktspreise entsprechend ins unge­heuere steigern zu müssen. Allerdings ergeben sich jo insofern Schwierigkeiten, als Frankreich die deutsche Kohle laut Friedensvertrag zu In­landspreisen bezieht.

An eine Verdoppelung des Reichs not- Opfers, wie sie von sozialdemokratischer Seite letzthin geforden wurde, scheint man regierungs- selttanicht zu denken. Wir möchten auch vor die­ser Maßnahme nachdrü.klichst warnen, da eine solche Verdoppelung tn manchen Füllen ja der Enteignung gleichkäme, denn der Höchsthetcag der Abgabe beim Reichsnotopfer ist sechzig Pro­zent, also eine Verdoppelung wurde über hun­dert Prozent betragen. Es ist gerade genug für den Staatsbürger, wenn die Einziehung der bisherigen Sätze erfolgt.

Reue Einnahmen sind durch Regierungs- Monopole geplant. Auch dieses Experiment ist für die Gefamiwirtfchafl nicht ohne Gefahr, da zahlreiche Gewerbe nachteilig davon betroffen werden Ter Branntwein, der Wein, das Bier, der Tabak, der Kaffee, die Schokolade usw. alles soll herangezogen werden. Nicht vier, fondern bis zu acht Milliar­den Mark pro Jahr sollen zu Rutz und From­men unserer Entenlebedrücker allein ans dem Branntwein gezogen werden. Jetzt gelangt der Monopolentwurf an den Reichstag; nach sei­ner Väter Wunsch soll dem Reichstag so wenig Zeit als möglich zur Besinnung gelassen werden: nur schnellste Durchberatung lex Vorlage, Ver­zicht auf sachlich abgeklärte Kritikk. Fernhaltung aller lästigen Reugier soll diese Vorlage vor einer ernsten Prüfung und so dringend notwer.- digen Durcharbeitung und Umarbeitung bewah­ren. Ob der Reichstag in seiner heutigen Zu­sammensetzung sich wirklich in dieser Richtung verblüffen lassen wird? Wird er sich tatsäch­lich derart einschüchtern lassen, daß er die gefor­derten Milliarden ebne Augenzucken in die Ta­schen der Entente schüttet? Man wird es im deutschen Volke nicht verstehen, auch dann nicht, toenn zehn- und -wanziWnal feierlichst vom Re-

gierungstische des Reichstages beteuert wird: es mutz sein. Die an der Sache beteiligten Gewerbe und Industrien aber seien zur Wachsamkeit auf­gerufen! Ter Reichstag ist diesmal der letzte Wall. Von ihm muß erwartet oder verlangt werden, daß er sich durch nichts von seiner ern­sten, verantwortungZschweren Prüfungspflicht ab- bringen, durch nichts zu einem übereilten Tempo in der Verabschiedung des Entwurfes verleiten lasse! J. B.

Die Wiedemusbausmge.

Minister Rathenan und Loucheur.

lEigene Drahtmeldung.)

Berlin, 14. Juni.

lieber die Wiesbadener Besprechungen zwi­schen Rathenau und Loucheur wird berichtet, daß die beiden Minister sich persönlich mit mehr Berständnis nahegekommen seien. Rathenau äußerte sich befriedigt über die Aussprache. Er habe seinen Standpunkt dargelegt über die 26pro- zentige Aussuhrabgabc, wobei er das Lon­doner System dem Pariser vorziehen würde. Auch das System der Schuldverschreibun- g e n möge durch ein anderes ersetzt werden». Die Frage der Naturalleistungen seien ein Problem auf Leben und Tod für Deutschlande Schließlich wurde die Frage der Holzhäuser besprochen. Etwas ^Greifbares wird aber leider nicht mitgeteilt. Havas meldete gestern abend: Die Besprechungen in Wiesbaden haben keine Umstellung der französischen Aufsas- simg in der Wiederaufbaufrage einleiten können. Minister Loucheur war in seiner Unterredung mit dem deutschen Minister Rathenau an die­jenigen RichUinien gebunden, die das franzö­sische Kabinett und das Parlament ist der Wie­deraufbaufrage festgelegt haben.

Roch fein amtlicher Bericht.

Berlin, 14. Juni. (Privat - Telegramm.) Ueber das Ergebnis der Besprechungen Rathe- nauö mit Loucheur in Wiesbaden lag heute früh ein amtflchcr Bericht noch nicht vor. Meldungen aus Paris über Genf und Basel lassen jedoch an- nehmen, daß die Besprechungen greifbare Resul­tate nicht gebracht haben können. Aus Paris wird berichtet: Die Anregung der Konferenz zwi­schen Loucheur und Dr. Rathenau ist von Rathe­nau ausgega igen. Dieser ist ein Anhänger des Gedankens der Verrechnung von vierzig Gold­mark für jede geförderte Tonne Kohle und für die Ersetzung der deutschen Obligationen, die die Alliierten verkaufen wollen, durch andere, die von Deutschland selbst untergebracht werden.

Der Fall Garels.

Die Beerdigung verlief ohne Zwischenfall (Privat-Telegramm.)

München, 14. Juni.

Zu der Beerdigung des unanbhängigen Ab­geordneten Gareis hatten sich gestern nach­mittag trotz des Regenwetters Tausende am Ostsriedhose eingefimden. Reichstagsabgeord­neter Ledebour führte in seiner Gedächtnis­rede aus, daß Gareis ein weiteres Glied in der Reihe der sozialistischen Blutzeugen fei. Die Ermordung ihres Führers habe die Arbeiter­schaft nicht eingeschüchtert. Mehrere Züge, dir mit Fackeln zurückkehrten, wurden an der Jsarbrücke von der Polizei aufgelöst. Der Straßenbahnverkehr ruhte von drei bis siebe» Uhr vollständig. Die Jsarbrücken waren von der Landespolizei durch Panzerautomobile be­setzt und mit Drahtverhauen gesperrt. Die Kommunisten arbeiteten auch während der Trauerfeier mit Flugblättern, in denen die Arbeiter aufgeforder< wurden, de» Streik und den Kampf mit allen Mitteln bis zur Beseiti­gung der Regierung Kahr fortzusetzen.

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Wirkungslose Streikhetze.

Nürnberg, 14. Juni. (Privattelegramm.! Die Streilhetze in Süddeutschland ist außerhalb Münchens ziemlich wirkungslos geblieben. Selbst am Beerdigungstage des Unabhängigensührers Gareis ist in Nürnberg, auch in Furth und Hof »er größte Teil der Arbeiter zur Arbeit erschienen. Ebenso wird in Stuttgart und im ganzen württembergischen Lande gearbeitet. Die Eisenbahnzüge aus Norddeutschland unter­liegen verschärfter Kontrolle, da die Nürn- beiger Polizei Anzeigen erhielt von der Abreise einer Anzahl Russen aus Berlin.

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Berliner Kundgebungen.

Berlin, 14. Juni. (Privaitelegramm.) Die Berliner Kundgebunden für den Abgeordneten Gareis sind ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Sozialdemokraten versammelten sich in sechs gro­ßen Sälen und zvLcu daun geschlossen nach dem

Lustgarten. Auf dem benmWarten Schloßplatz waren Unabhängige und Kommunisten versam­melt. Hier stockte jeder Verkehr. Die Straßen­bahnen mußten umgeleitet werden. Viele rote Fahnen und Sowjetsterne schwebten über der Menge. Am Schloß fanden Entschließungen gegen die bayerische Reaktion Annahme.

Oberfchlesiens Schicksal.

Die polnisch-franzSstschen Umtriebe- (Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 14. Juni.

DieTimes" nimmt am Sonntag scharf Stel- lung gegen das weitere Gewährenlassen des Aufstandes in Oberschleflen. Ter Korre­spondent des Mattes meldet aus Oppeln: Je- der Bormarsch der Engländer wird durch so- fortigen Gegenbefehl der interalliierten Kommission aufgehaltcn. General Hcnniker sei willens, bei Fortdauer des jetzigen Zustandes seine Abberufung aus Oberschlesien von dem englischen Kabinett zu verlangen. Aus Sos­now irze wird berichtet, daß am 11. Juni der polnische Führer Korfanty mit dem fran­zösischen General Gratier eine Unterredung gehabt habe Es sei vereinbart worden, daß die Polen am 14. Juni das Gebiet von Gleiwitz räumen, während die Deutschen am 15. Juni Annaberg verlassen, und sich über die Oder zn- rückzichcn würden. Die Insurgenten würden ihre Rückzugsbewegung smctsetzen, wenn die Kommission am 16. Juni eine Amnestie für alle am Aufruhr Beteiligten erläßt. Die deutschen Truppen sollen bis zum 22. Juni aufgelöst wer­den, ausgenommen die Polizei in den Städten.

Deulsche Vorschläge.

Oppeln, 14. Juni. (Privattelegramm.) Die Forderungen des deutschen ZwölfcrausschuffeS haben die interalliierte Kommission zu netzen Räumungsvorschlägen veranlaßt. Die Polen sollen das von ihnen besetzte Gebiet biS zum 20 Juni verlassen, ebenso der deutsche Selbstschutz. Am Donnerstag, den 16. Juni soll auf der Li­nie Gleiwitz-Kattowitz mit der Räumung des eigentlichen Industriegebietes begonnen werden. Zn festen Vereinbarungen ist es jedoch noch nicht gekommen. Die Verhandlungen gehen wei­ter. Ter Temps meldet auS zuverlässiger Quelle,daß der Oberste Rat in Paris sich höchst- wahrsclpinlich Ende Juni versammeln werde, wenn es innerhalb zehn Tagen gelinge, die Ruhe in Obcrschlesicn wieder herzustellen.

polnische Greuel.

Oppeln, 14. Juni. (Privattelegramm.) Wie aus Kattowitz gemeldet wird, ist der interalli­ierten Kommission tn Oppeln Anzeige erstattet worden von einem erst jetzt bekannt aeworde- nett furchtbaren Morde an dem deutschen Oberingeniur Richard Jäger, Prokurist ei­ner Stickstoffaktienaesellschast. Jäger war am 6. Juni nach Slowintitz gefahren, um seiner in einem Vorort tn einer Sommervilla wohnen­den sechsköpfigen Familie Geld in bringen. Unterwegs wurde er von aufständischen Bandi­ten überfallen, in den Wald verschleppt, dort ermordet, seines Geldes beraubt und dann verscharrt. Der Sozialdemokrat und Reichs- tagsabgeordnetc Braß wurde in seiner Woh- nüna im Beutbener Vorort Roßberg von polnischen Battditeü festgenommen und mH zwei anderen deutschen Einwohnern fort- geschleppi. Es ist nicht bekannt, wohin.

Versteckte Mumtwn.

Ei« <mfgefunde«es Lager in Thüringen.

(Privattelegramm)

Weimar, 14. Juni.

Nach einer Mitteilung deS Entwaffnungs­kommissars für Thüringen sind durch Kriminal, beamte, die der Reichskommissar zur Entwaff­nung nach Thüringen entsandt hatte, in einem Orte zwischen Gera und Rosenberg große Men­gen von Infanterie- und Maschinen­gewehr-Munition aufgefunden worden. 30- bis 40 000 Patronen wurden beschlagnahmt und der Neichstreuhandgcscllschaft in Erfurt zu­geführt. Im Zusammenhang damit steht die Verhaftung mehrerer, der kommunisti­schen Partei aitgehörender Personen, darunter zwei Wachtmeister von der thüringischen Lan­despolizei in Gera. Die Verhafteten geben zu, auf Anordnung des inzwischen verstorbenen kom­munistischen Staatsrates Sebastian in Gera ge­handelt, das heißt von einem znm Abtransport bestimmten Munitionslager größere Mengen entwendet und verstellt zu haben.

Die Bretterwand.

Ci« Geschlchtchen vom Fuldastrand; das Nachspiel im Stadtparlament.

(Von unfern Mitarbeiter.)

Kassel, 14. Juni.

Eine kleine Tragikomödie: Der erfte Aufzug spielt am Fuldadamm. Wenn man Ferien hat und das Wetter nicht zum Ans-fliegen tobet, dann sagt eine innere Stimme: Warum in die Ferne schweifen ... Die Schritte lenken zur Aue. Dorthin, wo das Familiendad ent­stehen soll, der Badestrand! Plötzlich haftet t») Ange an einer häßlichen Bretterwand. Sie um­zäunt den Platz eines privaren Vereins und ist sehr lang, steht schief zum Teil, aber ... sie stammt ans ganz anderer Zeit, und wird sicher 31t geeigneter Zeit verschwinden. Einige weitere Plätze schließen sich an. Mit übcrhckhem Draht­geflecht abgeschlossen und Stacheldraht. Je nun, sie wissen es nicht anders. Und jetzt...

Ein Schlag trifft beinahe den Wanderer. Ist hier die Stelle, wo das städtische Bad ent­stehen soll? Ein vier- bis fünfhundert Meter langer Bretterzaun, massiv, zwei Meter hoch, wuchs da ans der Erde, eine Mauer aus Holz. Bon der Landschaft, von der Söhre drüben, läßt sich nichts mehr sehen. Rur ein Stück Himmel. Und das ist grau und trüb. Der Wanderer steht da, als habe er die ganze Bretterwand vorim Kopfe. Er weiß nicht, od er rechts auÄveichea soll. Da steht die Wand. Und links... nichts zu sehen!

Hat denn der .Verfasser' dieser Wand, so sagt er sich, kein Gefühl für dte schöne Landschaft, für das Schöne eines Strandlebens, das wir in Kürze erwarten? Ein Auto kommt. Mayi- stratsmitglieder sitzen drin. Sie seheu sich die Bescherung an und schütteln den Kopf. Sie wa­ren offenbar nicht ganz im Bilde. Deshalb etfteii sie hierher.

Man sagt, Oberbürgermeister Scheidemann, der alltäglich hier vorbei zum Rathaus geht, habe de» erstenFaustschlag' ins Gesicht emp­funden, den diese Maner Vielen versetzte. Er w a r im Bilde und habe auch aus seiner Ent­rüstung kein Hehl gemacht. Das hat ein Nach­spiel, bemerkte einer von den Besichtigenden» tot- sicher ... und leiser fügte er hinzu:

Wo rohe Kräfte sinnlos Watten, \ Da kann sich kein Gebild gestalten ...! Zweiter Auszug. Ort der Handlung: DaS Stadtparlament! Das Nachspiel, wovon am Fiildastrand die Rede war, jetzt setzt es ein, Vormittags schon hat sich der Magistrat damit beschäftigt. Es ging angeblich sehr bewegt zu. Eine Dringlichkeitsanfcage kündet der Vorsitzende an. Studienrat Müller verliest sie:

.Dir Stadwerordnetenversammlung hat sei­nerzeit bei Beratung des Anttages um Ausschrei­bung einer Konkurrenz zur Erlangung von Ent­würfen für ein Flußschwimmbad gewünscht, daß die an der Fulda zu errichtenden Gebäude und die vorzunehmenden Absperrungen so taktvoll zu gestalten seien, daß dem Landschastsbild am Damm kein Eintrag geschehe. Was hat den Ma­gistrat bestimmt, dieser einmütig geteilten Auf­fassung durch Errichtung einer fünfhundert Me-, ter langen und mehr als zwei Meter hohen ge­schlossenen Bretterwand entgegen zu handeln? Welche Vorschläge macht der Magistrat, um noch jetzt den allseitigen Wünschen zu entsprechen und Vas verschandelte Landschastsbild schleunigst tote« der her-ustellen?'

Bald darauf beginnt Stadtverordneter Hau - schildt (Dog.), sie zu begründen, sehr scharf, in außerordentlich prägnanter Form, in direkter Anfrage an den Oberstadtbaurat Dr. Höpfner. Er weist darauf hin, daß das Stadtbauaml, statt nach den gemachten Erfahrungen in der Um­gebung des Schwimmbades, mit gutem Beispiel voranzu-gehen, im Gegenteil das Absurdeste un­ternahm, was sich denken läßt und eine völlige Verdeckung des Vorgeländes, einen Abschluß des Landschastsbildes herbeisührte in, wie er betont, schlimmster Weise! Zn seiner Verwunderung habe er 6.4 einem Spaziergang entdecken müssen, daß sich das Stadtbauamt der Schaffung einer chinesischen Mauer widmet.

Gerade in früheren Anträgen und Beratun­gen sei betont worden, daß es notwendig ist. ein großzügiges wie geeignetes Aneinanderreihen der verschiedenen Vadevörrichtungen und Sport­plätze zu erreichen, verbunden mit dem Leben aus dem Wasser. Der Redner erinnert auch an seine Etatrede vor acht Tagen. In ihr betonte er das gleiche, und der Oberstadlbaurat habe zn- srimmend mit dem Kopfe genickt ... Stadtver- oidneter Hauschildt fordert diesofortigeBe- s e i t i g n n g der derzeitigen Bretterwand. Ein­sprüche Etwaiger, die das Leben des Fami­lie n b a d e S von außenher verdeckt sehen möch­ten, weise er von vornherein zurück, später not­wendige Einzelbauten er meinte Änkleidezel- len usw. müßten ebenso gebaut sein, daß ne daS Landsckaftsbild nicht dauernd zudecken. (In Betracht tonte hier Führung der Grundrisse na* der Tiefe gegen das Wasser und nicht parallel.